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Das 8. Gebot


AndyWB
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"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!"

 

Soweit der Auftrag des Herrn an uns.

 

Was aber würde passieren, wenn das jeder Mensch auf der Welt auch nur einen einzigen Tag konsequent durchzieht? Vielleicht sogar noch alle an demselben Tag?

 

Ich prophezeie massenweise Mord und Totschlag, wenn sich alle Menschen auf der Welt wirklich mal ohne Wenn und Aber die ungeschminkte Wahrheit sagen würden.

 

Natürlich gebe es für diesen Tag noch den Rettungsanker einfach ganz zu schweigen, aber ist das ein Ausweg für das ganze Leben?

 

Warum ich dieses Thema aufgeworfen habe ist folgendes, wo ich ratlos bin:

 

Gehört die Sünde am Ende zu unserem Leben dazu, weil wir sie einfach zum Überleben brauchen? - Natürlich nicht alle Sünden, aber doch sicher einige.Die Lüge (egal wie man sie verharmlosend und manchmal augenzwinkernd umschreiben mag) ist doch erstmal klipp und klar eine Sünde.

 

Aber eine Sünde, die es uns doch sehr oft erst ermöglicht im Kleinen und im Großen zivilisiert miteinander umzugehen. Eine Sünde, die uns doch auch hilft Streit und Schlimmeres zu vermeiden. Eine Sünde, die manchmal auch Menschen glücklich machen kann und ihnen u.U. sogar neue Hoffnung und neuen Lebensmut gibt.

 

Wenn Gott sie nicht ausdrücklich als Sünde deklariert hätte, könnte man fast sagen, sie wäre ein Geschenk an uns. Er hat uns aber diese Sünde verboten, weil sie natürlich auch zu genau dem Gegenteil von dem Obigen führen kann.

 

Trotzdem fühle ich mich bei manchen Lügen nicht sündhaft oder auch nur schuldig.

 

Wieso hat uns Gott ein Gebot gegeben, das wenn wir es konsequent halten würden, unser Untergang wäre und das aber, wenn wir uns zuwenig daran halten, auch dazu führen würde?

 

Gruß,

Andreas.

 

Ich bitte wenigstens dieses eine Mal um Nachsicht, weil ich es im katholischen Bereich veröffentliche, aber die Arena scheint mir dazu nun wirklich ungeeignet zu sein.-Danke.

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Franciscus non papa

zunächst mal:

 

in fragen und antworten darf jeder eine frage stellen - auch du!

 

zum thema:

 

falsches zeugnis ablegen ist im eigentlichen sinne wohl eher, dem anderen durch unwahrheit schaden.

 

deine frage bezieht sich auf die wahrheit an sich.

 

ich denke, der einzige moralische wert, auf den es am ende wirklich ankommt, ist eben genau die frage: ist es wahrhaftig? die alten nannten den teufel auch "vater der lüge" und diese bezeichnung hat es in sich. es mit dem anderen ehrlich meinen, gut meinen, ihn nicht hintergehen, das ist doch das, auf das es ankommt. das heisst nun nicht, dass ich alles und jedes dem anderen an den kopf werfen muss. die wahrheit sagen, bedeutet doch nicht, dass ich jeden gedanken, den ich habe auch aussprechen muss.

 

die wahrheit in liebe sagen, ohne den anderen zu verletzen, das ist die herausforderung.

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falsches zeugnis ablegen ist im eigentlichen sinne wohl eher, dem anderen durch unwahrheit schaden.

 

Ja, sicher das ist die Auslegung und wahrscheinlich auch die einzig richtige, aber warum hat es Gott dann nicht anders formuliert, sondern uns dieses Gebot so absolut und ohne Einschränkung gegeben?

 

Ich meine "wider" bedeuted doch "gegen" deinen Nächsten, aber dieses "gegen" kann ja keineswegs nur im Sinne von "diesem schaden" gemeint sein, sondern auch ganz einfach nur, das du eben deinem Nächsten nicht die Unwahrheit sagen sollst, also nur mit genau diesem sprichst.-Oder nicht?

 

das heisst nun nicht, dass ich alles und jedes dem anderen an den kopf werfen muss. die wahrheit sagen, bedeutet doch nicht, dass ich jeden gedanken, den ich habe auch aussprechen muss.

 

Sicher nicht, aber manchmal wird man ja gefragt - und zwar u.U. sehr direkt.

 

die wahrheit in liebe sagen, ohne den anderen zu verletzen, das ist die herausforderung.

 

Das ist nämlich das zweite Problem an der Sache:

 

Die Grenzen zwischen Höflichkeit und Lüge sind bisweilen sehr fließend.

 

Gruß,

Andreas.

Edited by AndyWB
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das heisst nun nicht, dass ich alles und jedes dem anderen an den kopf werfen muss. die wahrheit sagen, bedeutet doch nicht, dass ich jeden gedanken, den ich habe auch aussprechen muss.

 

Sicher nicht, aber manchmal wird man ja gefragt - und zwar u.U. sehr direkt.

 

die wahrheit in liebe sagen, ohne den anderen zu verletzen, das ist die herausforderung.

 

Das ist nämlich das zweite Problem an der Sache:

 

Die Grenzen zwischen Höflichkeit und Lüge sind bisweilen sehr fließend.

Er: Schatz, wie steht mir diese beigefarbene Jeans?

Sie: Du siehst aus, wie eine Bratwurst kurz vor dem Platzen.

 

grundehrlich - aber überaus lieblos.

 

 

Er: Schatz, wie steht mir diese beigefarbene Jeans?

Sie: Du siehst in der Blauen viel besser aus - außerdem sieht die beigefarbene so aus, als würde sie dich einengen.

 

 

geht doch - auch ohne Lüge, mit ein wenig Nachdenken.

 

Zum Thema "Zeugnis ablegen": Wenn ich (z.B. vor Gericht) etwas bezeuge, dann sage ich etwas über jemanden bzw. über eine Sache. "falsches Zeugnis gegen" wäre demnach: die Unwahrheit verbreiten über den Betreffenden (=üble Nachrede, Verleumdung); und nicht: denjenigen anlügen.

 

Was nun die "richtigere" Interpretation ist, könnte man vielleicht aus dem hebräischen oder griechischen Original herausziehen - aber dafür kann ich zu wenig von den alten Sprachen.

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Zum Thema "Zeugnis ablegen": Wenn ich (z.B. vor Gericht) etwas bezeuge, dann sage ich etwas über jemanden bzw. über eine Sache. "falsches Zeugnis gegen" wäre demnach: die Unwahrheit verbreiten über den Betreffenden (=üble Nachrede, Verleumdung); und nicht: denjenigen anlügen.

 

Was nun die "richtigere" Interpretation ist, könnte man vielleicht aus dem hebräischen oder griechischen Original herausziehen - aber dafür kann ich zu wenig von den alten Sprachen.

Ich kann kein Hebräisch, aber danke für deine Antwort.

 

Wider würde ich aber, jedenfalls so wie es kenne eher mit "über" deinen Nächsten übersetzen, was nun heißen kann ihn anlügen oder Lügen über ihn zu verbreiten.

 

Naja, ok - der Punkt um den es mir ging, war ja aber eigentlich auch der,

ob Gott die Lüge als solche pauschal verdammte oder ob es vielleicht noch irgendwo eine Stelle gibt, wo er das irgendwie relativiert, da sich das Gebot an sich doch erstmal sehr absolut anhört.

 

Gruß,

Andreas.

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dr-esperanto
"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!"

 

Soweit der Auftrag des Herrn an uns.

 

Was aber würde passieren, wenn das jeder Mensch auf der Welt auch nur einen einzigen Tag konsequent durchzieht? Vielleicht sogar noch alle an demselben Tag?

 

Ich prophezeie massenweise Mord und Totschlag, wenn sich alle Menschen auf der Welt wirklich mal ohne Wenn und Aber die ungeschminkte Wahrheit sagen würden.

 

Natürlich gebe es für diesen Tag noch den Rettungsanker einfach ganz zu schweigen, aber ist das ein Ausweg für das ganze Leben?

 

Warum ich dieses Thema aufgeworfen habe ist folgendes, wo ich ratlos bin:

 

Gehört die Sünde am Ende zu unserem Leben dazu, weil wir sie einfach zum Überleben brauchen? - Natürlich nicht alle Sünden, aber doch sicher einige.Die Lüge (egal wie man sie verharmlosend und manchmal augenzwinkernd umschreiben mag) ist doch erstmal klipp und klar eine Sünde.

 

Aber eine Sünde, die es uns doch sehr oft erst ermöglicht im Kleinen und im Großen zivilisiert miteinander umzugehen. Eine Sünde, die uns doch auch hilft Streit und Schlimmeres zu vermeiden. Eine Sünde, die manchmal auch Menschen glücklich machen kann und ihnen u.U. sogar neue Hoffnung und neuen Lebensmut gibt.

 

Wenn Gott sie nicht ausdrücklich als Sünde deklariert hätte, könnte man fast sagen, sie wäre ein Geschenk an uns. Er hat uns aber diese Sünde verboten, weil sie natürlich auch zu genau dem Gegenteil von dem Obigen führen kann.

 

Trotzdem fühle ich mich bei manchen Lügen nicht sündhaft oder auch nur schuldig.

 

Wieso hat uns Gott ein Gebot gegeben, das wenn wir es konsequent halten würden, unser Untergang wäre und das aber, wenn wir uns zuwenig daran halten, auch dazu führen würde?

 

Gruß,

Andreas.

 

Ich bitte wenigstens dieses eine Mal um Nachsicht, weil ich es im katholischen Bereich veröffentliche, aber die Arena scheint mir dazu nun wirklich ungeeignet zu sein.-Danke.

Lieber Andy,

manchmal muß auch lügen, um Schlimmeres zu vermeiden. Stell dir vor, du hast im II. Weltkrieg Juden in deinem Keller versteckt, die Gestapo rückt an und fragt dich, ob du Juden im Keller versteckt hast. Das ist der klassische Fall der Notlüge, die natürlich völlig legitim ist.

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"Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!"

 

Soweit der Auftrag des Herrn an uns.

 

Was aber würde passieren, wenn das jeder Mensch auf der Welt auch nur einen einzigen Tag konsequent durchzieht? Vielleicht sogar noch alle an demselben Tag?

 

Ich prophezeie massenweise Mord und Totschlag, wenn sich alle Menschen auf der Welt wirklich mal ohne Wenn und Aber die ungeschminkte Wahrheit sagen würden.

Nun ja, manche Menschen klatschen anderen "die Wahrheit" ins Gesicht wie einen nassen Waschlappen. Andere schaffen es, dieselbe Wahrheit wie ein schützender Mantel um sein Gegenüber zu legen. Siehe dazu Lucias Beispiel.

 

Es geht also weniger um eine buchstabengenaue Auslegung eines Gebotes, sondern darum, es in meinem Leben umzusetzen, wie auch Oestemer sagte:

 

die wahrheit in liebe sagen, ohne den anderen zu verletzen, das ist die herausforderung.

 

Und diese Aussage würde ich nicht relativieren wollen.

 

Liebe Grüße, Gabriele

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Ich finde Lucias Beispiel sehr gut, um dies klarzumachen. Man muss die Balance halten zwischen der nackten Wahrheit und der Behutsamkeit, diese zu sagen. Wenn die Wahrheit für jemanden verletzend ist, muss man sie ein bisschen einwickeln.

 

Oestemer hat das sehr gut auf den Punkt gebracht:

die wahrheit in liebe sagen, ohne den anderen zu verletzen, das ist die herausforderung.

 

In dem 8. Gebot geht es auch eher um üble Nachrede und Verleumdung als um Lügen. Wenn ich über meinen Nachbarn Lügengeschichten verbreite und vorn herum nett zu ihm bin, verstoße ich gegen dieses Gebot. Allerdings messe ich Notlügen nicht einen solchen Wert bei, so lange diese nicht in irgendeiner Weise für jemanden verletzend sind.

 

LG, Gina

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Beim 8. Gebot ging es wohl ursprünglich um die Wahrheit vor Gericht, da ja bei zwei gleichlautenden Zeugenaussagen ein Mensch sogar zum Tod verurteilt werden konnte (vgl. Erzählung von der keuschen Susanna im Buch Daniel).

 

Für uns geht es wohl auch darum, dass wir für den Andern glaubhaft und verlässlich bleiben. Die Beispiele, die zum rechten Umgang mit der Wahrheit genannt wurden, finde ich gut.

 

Elisabeth

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