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Der Teufel - gibt es den?


Erich

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Berger schreibt in seinem Buch: Wozu ist der Teufel da.

 

Deswegen verbindet sich mit dem Teufel im christlichen Denken in keinem Fall unüberwindliche Angst, denn in jedem Fall ist der Teufel besiegbar durch einen Stärkeren. So ist die Annahme eines Teufels im christlichen Sinne ein Zeichen der Hoffnung und des Sieges, nicht der Angst. So gilt: Die Angst vor dem Teufel ist im Christentum nie Selbstzweck, sie ist eingebaut in ein größeres »System« der Sorglosigkeit. Daher kann man auch an dieser Stelle auf die Frage, wozu der Teufel da ist, antworten: Er ist dazu da, um besiegt zu werden. Denn die Angst und der Schrecken werden in ihm benannt und artikuliert, doch gewissermaßen verflüssigt, denn Teufels Ende steht bevor. Indem Schuld und Angst, Horror und Teufel nicht starr bleiben, sondern in ein Drama eingebaut werden, verlieren sie ihre »Faszination«, denn sie werden relativiert. Im Schlußakt kommen sie nicht mehr vor.

 

Die Gefahr der rein psychologischen oder moralischen Bedeutung des Bösen ist die des Münchhausen, dem man zwar gut zureden kann, er solle sich aus dem Sumpf befreien, in den er geraten ist, der es aber nur im Blick auf sich selbst nicht schafft. Und auch der Therapeut oder Morallehrer hat gegenüber dem Bösen mutmaßlich nicht diese Kraft.

 

Wird aber das Feld »weit« gemacht, wird wahrgenommen, dass der Mensch zwischen Gott und Satan steht, so ist es ein »Spiel zu viert«: Gott und Satan, der Sünder und der »Exorzist«. Die Autorität des »Exorzisten« wird, da sie nur eine schwache, menschliche ist, aufgefangen und getragen von der Autorität Gottes. Und zugleich eröffnet der Blick auf das Erzböse als Gestalt die Möglichkeit, dass nichts verschwiegen und behutsam zugedeckt werden muß, denn im Visier steht die Figur des radikal Bösen.

 

Dank der vier Rollen werden die menschlichen Partner in diesem Drama entlastet: Vergebung und Befreiung muß ein Mensch nicht leisten, und andererseits kann der Sünder jemandem etwas aufkündigen, die Mitgliedskarte an eine Instanz zurückgeben, er muß die Mitgliedskarte im Verein der Sünder nicht selbst auffressen. Insofern ist gegenüber der unendlich harten Prozedur der Moral oder mancher Psychotherapie das Gebet um Befreiung vom Bösen, oft auch die Beichte dort, wo sie hilft, der einfachste Weg.

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aus gleicher Quelle:

 

Für das frühe Christentum ist das Christwerden, sind Umkehr, Gläubigwerden und entsprechend Befreiung und Absage an das Reich des Teufels die alles entscheidende, weitaus wichtigste Station im Leben eines Christen. Dieser grundlegende Unterschied zu der bei uns vorherrschenden Situation (Kindertaufe ist eben eher nur ein Familienereignis) kann nicht oft genug bedacht werden.

 

Entsprechend wird nun aber auch der Teufel anders wahrgenommen, und zwar im Neuen Testament im Schwarz-weiß-Kontrast der Bekehrung (vgl. besonders Apostelgeschichte 26,18). Trennung und Befreiung von der Finsternis haben eine ganz andere Bedeutung. Der Teufel ist hier naturgemäß der, von dem man sich trennt.

 

Dieser Aspekt der Trennung und des Nein-Sagens ist freilich auch heute wichtig. Mit anderen Worten: Nur ein einziger Punkt an der Wirklichkeit des Teufels ist interessant und wichtig: die Absage, die Befreiung, die radikale Trennung von dieser Wirklichkeit.

 

In der synoptischen Überlieferung fällt auf, dass eine enge Beziehung zwischen Dämonismus und zwei psychischen Phänomenen besteht: - Es gibt eine Ähnlichkeit zwischen der »Besetzung« durch Dämonen und der Besitzgier. Reichtumskritik und Exorzismus sind Geschwisterphänomene.

 

Am deutlichsten wird das in der Sentenz, dass man nicht zwei Herren dienen kann, nicht Gott und dem Mammon (Lukas 16,13). Der Mammon steht hier an der Stelle des Teufels. Und der reiche Jüngling ist von seinem Reichtum wie von einer Sucht abhängig, der er nicht entrinnen kann.

 

Zum Dämonismus gehört die Vorstellung, dass viele Dämonen in einem Menschen hausen können (Markus 5,9 Legion, weil wir viele sind; Matthäus 12,45 andere Geister, die noch böser sind; Markus 16,9 [sieben Dämonen]. Diese Pluralität sagt etwas über Nicht-Identität und Ich-Zerfall. Da die fremden Götter (die von Natur aus viele sind) als Dämonen gelten (1. Korinther 10,20f Tische der Dämonen), besteht ein direkter Zusammenhang mit heidnischer Vielgötterei.

 

Das heißt: Aus der Sicht des frühen Christentums geht der Mensch kaputt auf der verzettelnden Suche nach den zahlreichen Götzen. Im religiösen Pluralismus werden die vielen Dämonen sichtbar. In Jesus dagegen begegnet den Gequälten und nicht mit sich Identischen der eine und einzige Gott. - Man beachte: Wo es um psychische Leiden, um das Kaputtgehen geht, ist immer von Dämonen die Rede, nicht vom Teufel.

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ja

 

der auf ewig Verdammte ist bittere Realität, ihn zu leugnen ist mehr als Gefährlich.

Dennoch ist er nur eine Witzfigur, die meint es besser machen zu können als Gott

 

romulus

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Dennoch ist er nur eine Witzfigur, die meint es besser machen zu können als Gott

 

er ist der Affe Gottes, der ihn zu immitieren versucht. Manchmal tritt er unter dem Namen Gottes auf :blink:. Deshalb ist Vorsicht geboten: Auch der angekündigte Anti-Christ(us) wird der Menschheit das Heil, Glück, Rettung und Wohlstand im umfassenden Sinn versprechen. Er wird bei der Verwirklichung seiner Verheißungen sicher auch Erfolge vorweisen können und schließlich als Retter der Erde und Weltheiland verehrt und angebetet werden

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