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Kirchenmusik


inga
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Hallo - das mein "lila" Thread eine vom Thema abweichende Wendung nahm, möchte ich einen neuen Thread zum Thema Kirchenmusik aufmachen. Mir ist in verschiedenen Kirchen immer wieder zu Ohren gekommen, dass Musikern, Organisten, Sängern der heimliche Vorwurf gemacht wird, sie wollten sich nur profilieren und es sei nicht zur Ehre Gottes, sondern zur eigenen Ehre. Nachdem Thomas dieses Thema nun auch angeschnitten hat, würde ich gerne eure Erfahrungen wissen.

 

Und auch eure spezielle Meinung dazu, inwiefern Kirchenmusik ein "Ersatz" sein kann für "Gottes Wort".

 

Und eine dritte Frage: Wo liegt bei jedem von euch Interessierten die Toleranzgrenze für Musik in der Kirche. Ich habe beispielsweise auf dem ev. Kirchentag eine katholische Gruppe (Entzycklica, wenn ich mich richtig erinnere) in einer ev. Kirche gehört, die mich mit der Musik und auch mit den Texten sehr begeistert hat und ich fand das nicht fehl am Platz)

 

 

 

 

Thomas schrieb:

 

Bezügl. des Konzertsaales etc.

 

                             Ich sage nichts gegen ein wirklich geistl. Konzert - alles zu Ehre Gottes!!! - nur ist es das wirklich? Oder geht es nicht eher den

                             Teilnehmern, Mitwirkenden, dem Leiter eher doch um seine/r ganz persönlichen Ehre?

                             Nichts dagegen, wenn jemand so Gott dient - dienen will - ist es aber wirklich für Gott und nicht doch auch ein bischen für

                             "mich"?

                             Über den Rest... also zum Thema Wort Gottes etc. möchte ich mich nicht äußern; weil dies Deine ganz persönliche Sache ist.

                             Ich würde sie nicht für ausreichend halten, wenn ich so denken würde. Nach 41 Jahren höre ich das Wort Gottes heute ganz

                             anders. Vor allem seit dem weiß ich das es Wort Gottes ist. Und nicht eines Menschen... des Priesters... nein wirklich... das Wort

                             des Tages EXKLUSIV von Gott für Mich gegeben - Heute-JETZT!-. Da wirkt nichts mehr trocken. Trocken ist die eine oder andere

                             eigene persönliche Auslegung in der "Predigt", die den Inhalt der Lesung und Predigt so gut wie gar nicht wiederspiegel lassen,

                             schon eher dessen oder einer anderen Person, der sich (die) da gerade zur Schau stellt (gestellt wird), also sich wichtiger macht

                             als er/sie ist... also nicht mehr Lektor/in; Pastoralrefernet/in etc. im Sinne: zu Ehren Gottes! Sondern: "hier schaut ich habe ein

                             AMT bekommen". Oder der Priester, der nicht mehr zu ehren Gottes vorne wirkt, sondern als persönlicher Herrscher und KÖNIG! Ja,

                             das sind wahre leidenszeiten für Jesus jetzt und einst in der ewigkeit für diese Person.

                             ---

                             Aber nochmals zurück zum Thema "Aula" u.ä.: Also wenn Fluchwörter; Schimpfwörter etc. im Gotteshaus fallen (ahnlich wie an

                             den Stammtischen der Kneipen etc.) dann hat das auch nichts mehr mit der notwendigen Erfurcht zu tun... sondern gehört

                             eindeutig nicht ins Gotteshaus. Zudem: war es nicht Jesus der sagte: "Mein Haus soll ein Bethaus sein und keine Räberhöhle!"?

                             Muß Jesus kommen diese Personen rauswerfen, wie er einst den Tempel gereinigt hat in Jerusalem... oder hat ER, insbesondere

                             der letzten Jahre, sein Bethaus mehr und mehr zur Räuberhöhle erklärt in dem laut gelacht werden darf über Flüche; Schimpf und

                             Schande... Lästerungen, Verleumdungen, schmutzige Witze u.s.w.

 

                             Liebe Inga, lieber Franz-Josef...

 

                             ich kenne schon den Unterschied einer sinnvollen Nutzung einer Kirche und den von einer unwürigen Nutzung. In manchen Kirchen

                             muß leider mehr und mehr von einer unwürdigen Nutzung sprechen. Ein jeder mag sich selbst ein Bild machen... "Was würde Jesus

                             jetzt dazu sagen; was würde er vor allem jetzt tun!" - Ich weiß, es gibt Situationen, da hab ich in einer solchen Veranstaltung

                             nichts mehr zu suchen... das treibt mich heraus - aus Gottes Haus... und ich weiß, das es gut wahr zu gehen, denn Gott selbt

                             geht dann auch! Und was dann da abläuft hat mit Gott nichts mehr zu tun, sondern mit... na wem schon...

 

                             Gruß & Segen

                             Br.Thomas

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Guten Morgen Thomas,

ich weiss nicht, welche Erfahrungen du gemacht hast, weil du stets vor Extremen warnst, die ich so nicht wahrnehme. Ich bin allerdings auch kein stark kirchengebundener Christ und ich schreibe nur von meinen regionalen Erfahrungen hier. Wie es woanders läuft, wo die Toleranzgrenze für Musik in der Kirche verläuft, das ist sicher von Gegend zu Gegend unterschiedlich. Ich hatte einmal ein tolles Erlebnis bei einem Weihnachtskonzert in der kath. Kirche, bei dem u.a. eine Big Band und eine ganz junge Sängerin das Lied von Bette Midler "From a distance" aufführten. Wo geistliche Musik beginnt und wo sie endet - wer mag das festlegen?

 

"Also wenn Fluchwörter; Schimpfwörter etc. im Gotteshaus fallen (ahnlich wie an den Stammtischen der Kneipen etc.) dann hat das auch nichts mehr mit der notwendigen Erfurcht zu tun... sondern gehört eindeutig nicht ins Gotteshaus."

 

Hier verstehe ich dich nun nicht, wir hatten von Musik gesprochen und nicht von Fluchen und Schimpfen.

 

"Zudem: war es nicht Jesus der sagte: "Mein Haus soll ein Bethaus sein und keine Räberhöhle!"?"

 

Erzähle doch bitte mal, an was du konkret denkst, wenn du diese Gedanken äusserst - ich kann mich hier an keine Veranstaltung erinnern, die die Kirche zur "Räuberhöhle" gemacht hätte.

 

"Konzert - alles zu Ehre Gottes!!! - nur ist es das wirklich? Oder geht es nicht eher den Teilnehmern, Mitwirkenden, dem Leiter eher doch um seine/r ganz persönlichen Ehre? Nichts dagegen, wenn jemand so Gott dient - dienen will - ist es aber wirklich für Gott und nicht doch auch ein bischen für "mich"?"

 

Vielleicht kennst du das Erlebnis nicht, was es bedeutet, sich ein halbes Jahr intensivst mit einem geistlichen Werk auseinanderzusetzten, Woche für Woche und etliche Samstage daran zu üben - du kennst zuletzt jede Note, jede Nuance, du weisst viel über die Entstehungsgeschichte und das Werk geht dir sozusagen in Fleisch und Blut über. Die Aufführung ist alles andere als eine Selbstdarstellung sondern eine Freude für alle - für Aufführende und die Zuhörer. Gibt es eigentlich nicht zu denken, dass die Kirchen brechend voll sind, wenn es ein Kirchenkonzert gibt, für das man auch noch, um die Kosten zu decken, bezahlen muss, während die Gottesdienstbesuchszahlen ständig rückläufig sind?

 

Liebe Grüsse

Inga

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Recht hässlich finde ich die "normalen" Kirchenlieder. Wenn ich Gott wäre, dann wäre ich darüber "not amused".

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Ute: Das glaub ich, daß DU die normalen Kirchenlieder nicht magst - weil Du keinen Bezug dazu hast! ICH zB mag auch (als beispiel jetzt) keine Musik der "Böhsen Onkelz" oder "Black Sabbath"...weil ich dazu keinen Bezug habe!

 

Aber zum Glück wird nach DEINER Meinung zu den Kirchenliedern NICHT gefragt

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Hallo Inga,


Mir ist in verschiedenen Kirchen immer wieder zu Ohren gekommen, dass Musikern, Organisten, Sängern der heimliche Vorwurf gemacht wird, sie wollten sich nur profilieren und es sei nicht zur Ehre Gottes, sondern zur eigenen Ehre.

 

So ist es,

...der Hauptvorwurf gegen Kirchenmusik und viele Kirchenmusiker.

 

Sie singen und musizieren nicht zur höheren Ehre GOTTES.

 

Kann man am deutlichsten beim Jubelruf des "Heilig,heilig,heilig,HERR,GOTT der Heerscharen..."

beobachten...kaum eine Musik,die derart lahm und schwunglos vorgetragen wird.

Man merkt:

Sie wissen nicht was sie tun und wozu sie singen.

 

Überlege doch ,wer die Hauptperson bei einer Heiligen Messe ist:

Es ist JESUS CHRISTUS,der mitten unter uns ist,wenn sich zwei oder drei in SEINEM Namen zusammenfinden.

 

Die HEILIGE Messe ist eine Feier zu Ehren GOTTES,der in der Person JESU CHRISTI anwesend ist.

 

Also sollte alles so gestaltet werden ,daß es IHM gefällt...und nicht den Kunstliebhabern...oder den zuhörenden Menschen.

Kirchenmusik ist nicht dazu da um Menschen zu "erheben".

 

Wenn amerikanische Neger (in ihrem Kreis,versteht sich) ihr Leid in Gospelsongs GOTT entgegenschreien,

...das ist wahre "Kirchenmusik"...GOTT zu Ohren gebracht.

 

 

Gruß

josef

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Liebe Inga

 

ich habe erzählt was ich in einigen Kirchen meines lebens erfahren durfte. Ich spreche hier nicht nur vom Hauptgang, sondern auch von der Vor- und Nachspeise (wenn ich es mal so bezeichnen darf).

 

Ich war früher auch im evgl. Kirchenchor. Und wir haben geprobt bzw. unseren Beitrag zum Gottesdienst geleistet. Der Rest war außerhalb des Gotteshauses.

 

Und heute, es wird stundenlang in der Kirche geprobt... und dann fallen auch mal Wörter, die ich jetzt hier nicht wiederholen möchte. Ja, bis hin zum Fluchen... kommt schon mal vor.

 

Und dann der Auftritt (im Gottesdienst (Konzerte außerhalb des Gottesdienstes bleibe ich besser fern, damit ich nicht noch mehr in Sünde falle!)), und vieles stimmt in Freude. Dann kommt der große Szenen- bzw. Schlußapplaus für Leister/in; Vorsitzende/r und Mitwirkende (vom Auf- & Abbauteam etc.) ... ich glaube es gibt Grenzen, nur nimmt diese keiner mehr war und wenn man einen daran erinenrt, das es immer noch ein Gottes- ein Bethaus ist, dann sagt man: "Es ist jetzt keine Messe!" oder "Es ist jetzt keine Wandlung!" Ganz nach dem Motto, die Kirche Gottes hat Erfurcht verdient während der Hl.Messe, zumindest gerade noch während der Wandlungszeit. Und dann, ich sagte ja schon... und wiederhole es ungern - ich kenne auch die Situation, wo ich sage: "jetzt fehlt nur noch der Kaffee, Kuchen etc. und fühle mich eher wie in einer Kneipe und nicht mehr wie in einem Gottes- Bethaus".

 

Ja, ich bekomme viel mit... nicht nur vor Ort, sondern auch da wo ich Gast bin... und ich sehe auch unterschiede: Erfurcht vorm Allerheiligsten und mangelnde Erfurcht. Sicher nichts übertriebens. Aber ich sehe bzw. höre... da ich etwa eine halbe Stunde vor jeder Messe in der Kirche bin, zum Gebet, wird mir zumindest oft in diesen Zeiten die Andacht gestohlen. Was nach der Hl.Messe auch nicht anders ist. So nach dem Motte: "was fällt Dir eigentlich hier ein besinnlich zu beten - du störst hier! Wir haben soviel wichtiges zu bereden! Es ist ja keine Messe mehr; und Wandlung auch nicht. Also verzieh dich du Betbruder/-schwester!"

 

Ja, ich unterstelle, das viele die mangelde Erfurcht vor dem Allerheiligsten im Tabernakel besitzen. Dafür besitzen auch der viele eher eine Gleichgültigkeit... und wenn man so schaut und hört, erkenne ich eben nicht immer das man etwas zu Ehren Gottes getan hat, sondern für seine eigene Ehre. "Ich bin dabei gewesen!" Ich würdeja gerne weghören, doch man zwingt mich mitzuhören. Also kannst Du Dir auch die Lautstärke des "Dialoges" vorstellen, bis hin zum Gelächter über den einen oder anderen dummen Witz!

 

---

 

Ute & Diomira

 

Gott liebt die alte und die neue Kirchenmusik gleichermaßen. Er macht da keine Unterschiede. Unterschiede macht der Mensch, wenn sein Geist nicht dem Geist Gottes angepaßt ist.

 

Den Rest erspar ich mir lieber

 

Gruß & Segen

Br.Thomas

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Musik hat eine immense Bedeutung, auch und gerade im Kirchenraum, weil der ganze Mensch, nicht nur sein Intellekt, hineingenommen und geöffnet wird, wenn er sich auf die Musik einläßt.

 

Auch ich kenne Auswüchse, wie Br. Thomas sie beschreibt, denke aber, daß der größere Teil der Kirchenmusiker wie Gottesdienstbesucher an sich guten Willens sind. Defizite sehe ich eher in der Vermittlung eines Verständnisses von der Anwesenheit der Eucharistie im Tabernakel, aber auch und besonders von der Rolle, die der sakrale Raum spielt.

 

Die Kirche wird geweiht, konsekriert, d.h., sie wird dem profanen Bereich entzogen und ausschließlich der Verehrung Gottes geweiht. Diese Ausschließlichkeit hat auch Einfluß auf die Art der Musik, auf die Formen der Aufführung etc. Die Proben im Kirchenraum müssen dieser Bestimmung, die im eigentlichen Sinn Zweck-los ist, also nicht verzweckt werden darf, auch wenn wir für das Gemeindefest keinen anderen Raum haben, nicht entgegenstehen. Entscheidend ist, daß die Leute wissen (oder vermittelt bekommen), daß der sakrale Raum Ort der Gegenwart Gottes und ausschließlich zu seiner Ehre da ist. Ich habe nicht den Eindruck, daß dies den Leuten vermittelt wird.

 

Zur Kirchenmusik gab es mal eine sehr interessante Instruktion der Gottesdienstkongregation (ich glaube ca. 1986/87, leider habe ich den Text nicht mehr und suche ihn seit langem vergeblich). Bestandteil dieser Instruktion war u.a. die Forderung, auf den gottesdienstlichen Charakter der Aufführung zu achten. Reine Konzertveranstaltungen wurden abgelehnt. Sehr deutlich war auch das Verbot, in Kirchen musikalische Aufführungen gegen Eintrittsgeld anzubieten. Begründung war, daß das Gotteshaus eben Gott geweiht ist und es nicht zulässig ist, daß jemandem, der - auch während eines Konzertes - "nur" zum Beten (also der Bestimmung der Kirche entsprechend) in die Kirche will, dafür Eintritt abverlangt wird. Ein freiwilliges Opfer am Ausgang wurde dagegen empfohlen.

 

Insgesamt glaube ich, daß die Kirchenmusik an vielen Orten zu stiefmütterlich behandelt wird. Die Musik führt viele Menschen auch an die gestalteten religiösen Inhalte heran und es gibt - neben der reinen Schönheit der Musik - auch ungeheure Chancen für die Seelsorge durch die Musik. Musiker (und zwar die Profis wie die einfachen Mitsänger) brauchen aber Begleitung und Hinführung zu einem guten theologischen und liturgischen Verständnis.

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Lieber Tommy,

 

mir geht immer das Herz auf, wenn ich an deiner Gnade teilhaben darf, dass du so genau die Wünsche und den Willen und ganz besonders auch den (schlechten) musikalischen Geschmack deines Herrn kennst.

 

(Ich meine "Br." Tommy, nicht etwa TomTom)

 

(Geändert von Ute um 18:48 - 13.März.2001)

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liebe ute

 

>>den (schlechten) musikalischen Geschmack deines Herrn <<

 

der geschmack geht vom

"donna nobis pacem" über

"gregorianik",

"orthodoxe ostergesänge",

"lutherchoräle" zum

"credo"

in der weihnachtsmesse von prätorius.

darin enthalten ist auch der dünne, der orgel nachhinkende gemeindegesang.

 

über diese geschmäcker kann man nicht streiten, sie sind aber grundsätzlich gut.

 

gruss helmut

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Ute, lies doch einmal Psalm 91... was erkennst Du darin?

 

Ich erkenne Dich und mich... wenn auch unterschiedlich! Aber Du kommst auch noch dahin, dafür bete ich, das Du erkennst, daß Gott auch für Dich der Retter - der Heiland - Dein Erlöser ist.

Ich habe es schon jetzt erkannt, wenn auch erst nach 41 Jahren, aber ich habe erkannt.

 

Und, liebe Ute und jeder andere der A&A's, Jesus lebt. Er ist mitten unter uns. Er ist sogar direkt bei Dir, neben Dir und in Dir. Wenn Du willst, wirst Du es erleben. Aber solange Du verharrst im Leugnen etc. ist er halt nur da. Egal was Du machst, wo Du bist, was Du tust... er wartet nur darauf das Du offenen Herzens IHN rufst. Und Du würdest sofort erkennen.

 

---

 

Ich bin ja schon froh (besser gesagt nicht froh sondern tief betrübt), wenn andere gleiche auswüchse erkennen.

Ich sagte ja auch, nichts gegen die Kirchenmusik und wenn alles im angemessenen erfürchtigen Rahmen ist, wie Du TomTom beschrieben hast.

Ich bete, für die Leute - für alle, vielleicht schließt sich ja jemand dem Gebet an. Damit sie wieder erkennen, daß das Haus Gottes ebend keine Spilunke ist, sondern ein GOTTES- und Bethaus, in dem man sich ebend nicht wie in einer "Kneipe o.ä." verhält. Und das was man tut (Mitsingen, Leiten, Auf- & Abbau) zu Ehre Gottes ist und nicht zur eigenen Ehre ist. Wer diese Demut nicht besitzt, ist halt ebend nicht Diener Gottes, sondern ein Diener seiner selbst. Und vielleicht gelingt es ja den Priestern die gerne im Mittelpunkt stehen und es den Unwürdigen gleichtut, selbst nachzudenken und die Leutchen zur Besonnenheit zu ermahnen - zumindest daran zu erinnern wo sie sich befinden.

 

Gruß & Segen

Br.Thomas

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Ich sprach nicht von Psalmentexten oder Oratorien etc., sondern über Kirchenliedchen, wie sie von der Gemeinde in der Kirche gesungen werden. Die halte ich zum Großteil für musikalische Katastrophen.

 

Aber Ihr habt Recht: jedes hat ein anderes Geschmack.

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Hallo Thomas,

 

"Und heute, es wird stundenlang in der Kirche geprobt... und dann fallen auch mal Wörter, die ich jetzt hier nicht wiederholen möchte. Ja, bis hin zum Fluchen... kommt schon mal vor."

 

Da scheint es bei uns doch sehr gesittet zuzugehen. Ich habe diesbezüglich nur gute Erfahrungen gemacht, bei unseren Proben, auch wenn das Orchester dabei ist, geht es harmonisch und freundlich zu. Ich empfinde es auch nicht als "Entweihung" des Gotteshauses, wenn wir bei längeren Proben unsere Thermoskanne Kaffee dabeihaben und zwischendurch in den Pausen auch geredet und gelacht wird. Thomas, wir sind Menschen und gerade in der Kirche sollten wir Menschen bleiben dürfen, meiner Meinung nach.

 

Aber ich erkenne natürlich, dass ich einen völlig anderen religiösen Hintergrund habe wie du.

 

 

"Und dann der Auftritt (im Gottesdienst (Konzerte außerhalb des Gottesdienstes bleibe ich besser fern, damit ich nicht noch mehr in Sünde falle!))"

 

Darf ich dich mal etwas provokant danach fragen, was du eigentlich noch machst, ohne Angst zu haben, in Sünde zu fallen? Gehst du noch in den Supermarkt einkaufen, fährst du noch mit der Eisenbahn, mit dem Bus? Oder igelst du dich ein in der seligen Gewissheit, jeder Möglichkeit, zu sündigen, aus dem Weg gegangen zu sein? Läufst du nicht vor dir selbst davon? Ich will eigentlich nicth persönlich werden, aber dein Satz eben, dass du in keine Konzerte ausserhalb der Kirche gehst,  aus Angst zu sündigen, veranlasste mich jetzt doch dazu.

 

"und vieles stimmt in Freude. Dann kommt der große Szenen- bzw. Schlußapplaus für Leister/in; Vorsitzende/r und Mitwirkende (vom Auf- & Abbauteam etc.) ... ich glaube es gibt Grenzen, nur nimmt diese keiner mehr war und wenn man  einen daran erinenrt, das es immer noch ein Gottes- ein Bethaus ist, dann sagt man: "Es ist jetzt keine Messe!" oder "Es ist jetzt keine Wandlung!" Ganz nach dem Motto, die Kirche Gottes hat Erfurcht verdient während der Hl.Messe, zumindest gerade noch während der Wandlungszeit. Und dann, ich sagte ja schon... und wiederhole es ungern - ich kenne auch die Situation, wo ich sage: "jetzt fehlt nur noch der Kaffee, Kuchen etc. und fühle mich eher wie in einer Kneipe und nicht mehr wie in einem Gottes Bethaus".

 

Also zunächst: Ich sprach von Kirchenkonzerten und nicht von Kirchenmusik während des Gottesdienstes. Während des Gottesdienstes ist Applaus sicher nur in Ausnahmefällen angebracht. Wir (eine eher ökumenisch ausgerichtete Kantorei) singen sowohl in kathlischen Messen (z.B. eine Messe von Morzart) als auch in evangelischen Gottesdiensten. Es gab, so weit ich mich erinnern kann, in diesem Rahmen noch nie Applaus. Die Aufführenden tun das zur Ehre Gottes und zur Freude der anwesenden Menschen.

 

Bei reinen Konzerten finde ich einen Schlussapplaus dagegen in Ordnung. Wenn man ein halbes Jahr intensivst geübt hat, dann ist es eine schöne Bestätigung, wenn man anschliessend in dieser Form gezeigt bekommt, dass man erfreut hat. Umgekehrt ist es für mich als Konzertbesucher ebenfalls ein Bedürfnis, meine Dankbarkeit und Freude über das Dargebotene nicht nur in einem Geldschein am Ausgang deutlich zu machen. Ausserdem kann man mit dem Schlussapplaus die Aufführenden ab und zu auch noch zu einer Zugabe herausfordern

 

 

"Ja, ich bekomme viel mit... nicht nur vor Ort, sondern auch da wo ich Gast bin... und ich sehe auch unterschiede: Erfurcht vorm Allerheiligsten und mangelnde Erfurcht. Sicher nichts übertriebens. Aber ich sehe bzw. höre... da ich etwa eine halbe Stunde vor jeder Messe in der Kirche bin, zum Gebet, wird mir zumindest oft in diesen Zeiten die Andacht gestohlen. Was nach der Hl.Messe auch nicht anders ist. So nach dem Motte: "was fällt Dir eigentlich hier ein besinnlich zu beten - du störst hier! Wir haben soviel     wichtiges zu bereden! Es ist ja keine Messe mehr; und Wandlung auch nicht. Also verzieh dich du Betbruder/-schwester!"

 

Christsein besteht ja nicth nur aus Gebet und Besinnung, sondern auch aus Gemeinschaft. Alles hat seine Zeit, steht schon in der Bibel.

 

"Ja, ich unterstelle, das viele die mangelde Erfurcht vor dem Allerheiligsten im Tabernakel besitzen. Dafür besitzen auch der viele eher eine Gleichgültigkeit... und wenn man so schaut und hört, erkenne ich eben nicht immer das man etwas zu Ehren Gottes  getan hat, sondern für seine eigene Ehre. "Ich bin dabei gewesen!" Ich würdeja gerne weghören, doch man zwingt mich mitzuhören. Also kannst Du Dir auch die Lautstärke des "Dialoges" vorstellen, bis hin zum Gelächter über den einen oder anderen dummen Witz!"

 

Ach Thomas, wären doch alle so vollkommen wie du..... *seufz*

 

 

Hallo TomTom

 

"Die Proben im Kirchenraum müssen dieser Bestimmung, die im eigentlichen Sinn Zweck-los ist, also nicht verzweckt werden darf, auch wenn wir für das Gemeindefest keinen anderen Raum haben, nicht entgegenstehen. Entscheidend ist, daß die Leute wissen (oder vermittelt bekommen), daß der sakrale Raum Ort der Gegenwart Gottes und ausschließlich zu seiner Ehre da . Ich habe nicht den Eindruck, daß dies den Leuten vermittelt wird."

 

Ich nehme an, du sprichst hier eine spezifisch katholische Befindlichkeit an, die ich natürlich nicht kenne und auch nicht bewerten will. Ich bin sozusagen eine christliche Agnostikerin und wenn ich überhaupt eine Vorstellung von Gottes Anwesenheit habe, dann die, dass er immer und überall anwesend ist und sich nicht in eine Ecke einer Kirche einsperren lässt, in deren Nähe ich dann besonders ehrfurchtsvoll mich verhalten muss. Vielmehr finde ich es wichtig, dass die Ehrfurcht vor der Anwesenheit Gottes uns eigentlich in jeder Stunde des Lebens begleiten sollte, was ich aber wiederum nicht so gedeutet haben will, dass wir nur noch mit gesenktem Kopf durch die Gegend laufen, sondern dass das in einer Art Grundeinstellung der Dankbarkeit dem Leben gegenüber zum Ausdruck kommt. Deshalb sehe ich in dem, was du ansprichst ( nur Symbole, die nicht entheiligt werden, wenn man mal laut lacht oder während einer Pause in einen knackigen Apfel beisst.

 

"Sehr deutlich war auch das Verbot, in Kirchen musikalische Aufführungen gegen Eintrittsgeld anzubieten. Begründung war, daß das Gotteshaus eben Gott geweiht ist und es nicht zulässig ist, daß jemandem, der - auch während eines Konzertes - "nur" zum Beten (also der Bestimmung der Kirche entsprechend) in die Kirche will, dafür Eintritt abverlangt wird. Ein freiwilliges Opfer am Ausgang wurde dagegen       empfohlen."

 

So wird es hier auch gehandhabt, zumindest in Konzerten in der Katholischen Kirche. Die evangelische Kirche ist ja grundsätzlich nicht zum Gebet geöffnet.

 

"Insgesamt glaube ich, daß die Kirchenmusik an vielen Orten zu stiefmütterlich behandelt wird. Die Musik führt viele Menschen auch an die gestalteten religiösen Inhalte heran und es gibt - neben der reinen Schönheit der Musik - auch ungeheure Chancen für die Seelsorge durch die Musik. Musiker (und zwar die Profis wie die einfachen Mitsänger) brauchen aber Begleitung und Hinführung zu einem guten theologischen und liturgischen Verständnis."

 

Diesem Abschnitt stimme ich zu, wobei ich es eigentlich so erlebe, dass die Musiker von sich aus daran interessiert sind, theologische und liturgische Hintergründe zu einem Werk zu erfahren und auch zu seiner traditionellen Stellung im Gottesdienst, selsbt wenn es im Rahmen eines Konzertes aufgeführt wird.

 

Und zum Schluss noch liebe Ute

 

ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch nicht viele Blicke ins katholische Gesangbuch geworfen habe. Was in den wenigen Gottesdiensten, die ich erlebt habe, gesungen wurde, war aber durchaus hörenswert. Aber du hast recht: Über Geschmack lässt sich streiten - meiner Meinung nach geht immer noch nichts über einen anständigen Bach-Choral - nur werden mir jetzt alle Katholiken widersprechen )

 

Ui, jetzt ist es ein bisschen viel geworden, hoffentlich ist das Forum überhaupt für solche Textmengen aufnahmefähig

 

Liebe Grüsse

Inga

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Inga...

 

womit Du zu meiner Person, deutliche Unterschiede ja unterstrichen hast. Ich halte es für schlimm, wenn Deine Meinung zum verhalten in der Kirche als "notwendiges Übel" betrachtet wird. Wofür hat eine Kirche ein Pfarrzentrum... oder wir hätten in der Kirche noch die Krypta... Nein... alles muß sich am Tabernakel abspielen. Aber lassen wir das. Ich will ja niemanden meine Meinung auzwingen - es geht ja auch nicht um mich, es geht alleine um Gott. Und jeder... ich sagte deutlich JEDER... muß für Sein Tun und lassen Rechenschaft ablegen. Und ich bin meines Bruders hüters. Ich ermahne schon, wenn es sein muß. Ich kann aber auch schweigen wenn es sein muß. Die Menschen stören sich eher an mich, wenn ich zum Gebet in die Kirche gehe... sie sind froh wenn ich endlich gehe!

 

-

 

Nur liege ich so falsch, wenn ich bemüht mit nach den Geboten und Gesetzen Gottes und Seiner Kirche zu leben. Und zu Leben in Barmherzigkeit mit meinen Nächsten, nach meinen Möglichkeiten - jedoch nicht mit der Sünde! - ?

 

Ich gehe einkaufen. Weiß was ich brauche! Und halte mich sicher nicht am Zeitungsstand auf, um mir die vielen "Bildchen" anzusehen, die selbst den Keinsten heute schon das Auge und somit den Geist verderben.

Ich fahre mit Bus und Bahn... und habe die Wahl, wenn gegen Gott gelästert wird, entsprechend zu reagieren oder auszusteigen.

Ich habe weltlich gesehen wenig Menschen um mich, die mit Gott nichts anfangen können - aber jede Sekunde eine Sünde auf der Zunge haben. Und wenn das vor kommt, dann erinnere ich schon, das in meiner Gemeinschaft die Gäste etc. sich schon an Spielregeln zu halten haben. Kommen tun sie trotzdem, vielleicht weil sie hier auch was von Gott erfahren - mit mir beten können - oder nur nen Kaffee trinken können.

 

Weltlich gesehen; bin ich total im AUS. Geistig gesehen bin ich aber auf dem Weg IN zu sein. Und, Inga was glaubst Du, was wichtiger ist bei Gott?

 

Wir sind Menschen; und Gott gab uns einen freien Willen (uns für oder gegen IHN zu entscheiden). Ich habe mich ganz für IHN entschieden. Und nicht nur 99, halb oder ein bischen. Denn nur ganz können wir Gott erreichen... Jede Sünde (schon im Gedanken) trennt uns von Gott. Und wenn ich dann doch gefallen bin, finde ich den Trost und die Versöhnung bei Gott in der Beichte.

 

Gruß & Segen

Br.Thomas

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Hallo und Friede und Heil an alle!

 

Zum Thema Musik möchte ich mal eine andere Sache anschneiden. Ich selbst (25 Jahre, seit etwa dem 21. Lj "gläubig" - ziemlich dreiste Behauptung eigentlich) mache mir eine Menge Gedanken, wie man eventuell Gleichaltrige oder Jüngere zur Frohen Botschaft bringen könnte. Es ist ja bezeichnend (und schnell einleuchtend), dass eine "bekennende Jungfrau" wie Britney Spears weitaus mehr Einfluss bei den Teens hat als eine Million Predigten oder dicke Dokumente von irgendwelchen Amtsträgern. Ebenso bringt ein nach außen nicht zurückhaltender Christ wie Xavier Naidoo viel mehr Botschaft rüber als die Deutsche Bischofskonferenz. Musik ist für viele einschließlich mich das Medium Nummer eins.

Und was findet man in den Kirchen? Naja, lassen wir das. Solange es einen geistl. Hintergrund hat (Requiem, Choral, Johannes-Passion etc.), ist das ja gut und schön. Aber warum bitte hört man da viel eher die "Vier Jahreszeiten" als eine Hip-Hop Gruppe mit christl. Texten? Diese und viele andere Richtungen gibt es nämlich durchaus! Liegt das nur an den verschrobenen Pfarrgemeinderäten oder "weil es schon immer so war"? Mann, "Singt dem Herrn ein neues Lied", heißt es in sehr vielen Psalmversen. David selbst war mit seinem Instrumentarium up-to-date, Harfe und Posaune war eben der letzte Schrei damals. Und das hören die Leute nunmal.

Für manche ist ja schon eine Gitarre ein Sakrilegsbruch. Übrigens meine ich nicht so sehr während der Hl. Messe, sondern die in allen größeren Kirchen stattfindenden Konzertreihen. Gibt's für so einen Umstand irgendeine theolog. Begründung?

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Klar:

1. Das war schon immer so!

2. Wo kämen wir denn dann hin?

 

Ich bin für nach Altern gestaffelten Gottesdiensten

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Ich möchte hier im Wesentlichen Inga zustimmen,

 

Ich kann überhaupt nichts Sündhaftes daran finden, wenn Menschen nach einem Krichenkonzert den Akteuren applaudieren....es ist einfach die menschlichste Weise, seiner Freude und seinem Dank Ausdruck zu verleihen.....

Ich kann den pessimistischen Darlegungen über Kirchenmusiker von Thomas dem Bruder überhaupt nichts abgewinnen...ich kenne viele Kirchenmusiker....die sich alle mit viel Engagement, viel künstlerischer Verwantwortung und ohne jede Eitelkeit an ihre Aufgabe herangehen....

 

Eitelkeit....Ehrpusseligkeit...ist natürlich eine Untugend sie kommt bei allen möglichen Berufsgruppen vor....ich denke nicht dass sie unter den  Kirchenmusikern höher ist als in anderen Berfusgruppen.....

 

Auch möchte ich Inga zustimmen: Bruder Thomas siehr überall und in allen möglichen Situationen "Sünde"....naja ich denke es ist eben sein eigentliches Weltbild.....aber so schlimm wie er manchmal die Welt malt ist sie nicht.....

 

GRuß

 

Mentor....

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Zitat von TomTom am 16:33 - 13.März.2001

Musik hat eine immense Bedeutung, auch und gerade im Kirchenraum, weil der ganze Mensch, nicht nur sein Intellekt, hineingenommen und geöffnet wird, wenn er sich auf die Musik einläßt.

 

Auch ich kenne Auswüchse, wie Br. Thomas sie beschreibt, denke aber, daß der größere Teil der Kirchenmusiker wie Gottesdienstbesucher an sich guten Willens sind. Defizite sehe ich eher in der Vermittlung eines Verständnisses von der Anwesenheit der Eucharistie im Tabernakel, aber auch und besonders von der Rolle, die der sakrale Raum spielt.

 

Die Kirche wird geweiht, konsekriert, d.h., sie wird dem profanen Bereich entzogen und ausschließlich der Verehrung Gottes geweiht. Diese Ausschließlichkeit hat auch Einfluß auf die Art der Musik, auf die Formen der Aufführung etc. Die Proben im Kirchenraum müssen dieser Bestimmung, die im eigentlichen Sinn Zweck-los ist, also nicht verzweckt werden darf, auch wenn wir für das Gemeindefest keinen anderen Raum haben, nicht entgegenstehen. Entscheidend ist, daß die Leute wissen (oder vermittelt bekommen), daß der sakrale Raum Ort der Gegenwart Gottes und ausschließlich zu seiner Ehre da ist. Ich habe nicht den Eindruck, daß dies den Leuten vermittelt wird.

 

Zur Kirchenmusik gab es mal eine sehr interessante Instruktion der Gottesdienstkongregation (ich glaube ca. 1986/87, leider habe ich den Text nicht mehr und suche ihn seit langem vergeblich). Bestandteil dieser Instruktion war u.a. die Forderung, auf den gottesdienstlichen Charakter der Aufführung zu achten. Reine Konzertveranstaltungen wurden abgelehnt. Sehr deutlich war auch das Verbot, in Kirchen musikalische Aufführungen gegen Eintrittsgeld anzubieten. Begründung war, daß das Gotteshaus eben Gott geweiht ist und es nicht zulässig ist, daß jemandem, der - auch während eines Konzertes - "nur" zum Beten (also der Bestimmung der Kirche entsprechend) in die Kirche will, dafür Eintritt abverlangt wird. Ein freiwilliges Opfer am Ausgang wurde dagegen empfohlen.

 

Insgesamt glaube ich, daß die Kirchenmusik an vielen Orten zu stiefmütterlich behandelt wird. Die Musik führt viele Menschen auch an die gestalteten religiösen Inhalte heran und es gibt - neben der reinen Schönheit der Musik - auch ungeheure Chancen für die Seelsorge durch die Musik. Musiker (und zwar die Profis wie die einfachen Mitsänger) brauchen aber Begleitung und Hinführung zu einem guten theologischen und liturgischen Verständnis.


 

Lieber TomTom!

 

Die von Dir erwähnte Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst habe ich zwar auch noch nicht gefunden, dafür aber einen kurzen Ausschnitt aus einem Beitrag von Prälat Prof. Johannes Overath:

 

"Die in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts beginnende Instauratio des Cantus Gregorianus, des Cantus proprius Sanctae Romanae Ecclesiae, durch den hl. Papst Pius X. ist nicht denkbar ohne den allgemeinen Umbruch des theologisch-aszetischen Denkens in der Kirche, ohne den neu erwachten Sinn für die Kultmysterien, die Sakramente und die Liturgie. Man begann in der kirchlichen Aszetik die bis dahin vor allem unter Führung der Jesuiten geprägte, vorwiegend rationale, willensmäßige und exerzierende Frömmigkeitsweise zu bemängeln und die Notwendigkeit des Gnadenwirkens Gottes in den Mysterien und Sakramenten wieder mehr zu erkennen. Das liturgische Gemeinschaftsgebet, getragen vom Zugehörigkeitsbewußtsein der Getauften zum mystischen Leibe Christi, wurde neu entdeckt als Quelle des eigentlichen religiösen Lebens.

Trotz auch der von diesem Geiste in ihrem theologischen Teil erfüllten Liturgiekonstitution des zweiten Vatikanischen Konzils erleben wir heute in einer weithin falsch interpretierten, vermenschlichten Liturgiereform den Einbruch des Subjektiven, des Strebens nach Abwechslung mit immer neuen Betätigungsformen, so daß dabei die dogmatischen Grundlagen des liturgischen Geschehens, des Opus Dei, mehr und mehr aus dem Blickfeld und Bewußtsein der Kirchenbesucher entschwinden. Der unruhige Geist des modernen Menschen drängt sich so ins Heiligtum, ehrfurchts- und würelos, und zerstört den "Geist der Anebtung", nachdem die Begegnung mit dem allheiligen Gott einem horizontalen Denken und Begegnen gewichen ist.

Wer die liturgisch-musikalische Tradition der Kirche, ihren Thesaurus Musicae Sacrae und seinen spirituellen Gehalt kennt, weiß allzu gut, daß mit dem Gregorianischen Choral, dem "Maß jeglicher Musik im Kult", der Gebetscharakter der liturgischen Musik immer zu den anthropozentrischen  Auffassungen im Gegensatz stand und stehen mußte, weil er ein theozentrisches Erleben der Musik in der Liturgie fordert. Das heutige modernistische Denken in der Theologie, das selbst an den Fundamenten unseres Glaubens rüttelt und in dessen Gefolge sich im Bereich der Liturgie "Entsakralisierung" und "Entmythologisierung" verheerend auswirken, ist nicht vereinbar mit dem geisterfüllten Cantus Gregorianus. Zwischen beiden Welten tut sich ein Abgrund auf. Hier liegt der eigentliche Grund dafür, daß der Gregorianische Choral in unseren Domen, Kathedralen, Kloster- und Pfarrkirchen weitgehend verstummt ist. Man darf für diese Entwicklung die Einführung der Volkssprache nicht allein verantwortlich machen, wenn auch das Wort des bekannten Trierer Liturgiehistorikers Balthasar Fischer - sicher ein Befürworter der liturgischen Volkssprache - zu beherzigen ist, daß die "Monopolisierung der muttersprachlichen Liturgie" eine "Kinderkrankheit" sei, die überwunden werden müsse. ...

Welche Hilfe könnte uns dabei der Einheitsgesang des die Völker verbindenden Gregorianischen Chorals durch eine lebendige Pflege in der Liturgie leisten, und zwar nicht nur unter dem praktischen Aspekt eines einheitlichen Melodienschatzes, mehr noch als Band der Einheit des Geistes im Beten vor Gott, dem Herrn und Vater der Völker. Gründe genug, um uns auf den Gregorianischen Choral als Gebet, seinen geistlichen Reichtum und deshalb seine pastorale Bedeutung zu besinnen...."

 

Liebe Grüße

Katharina

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Hallo Katharina,

 

Ich halte Ihren Beitrag über den gregorianischen Choral als der Lituturgie ( einzig ? ) am vollkommensten angemessen als hochgradig ideologisch......Ske greifen gerade eine von sehr vielen musikalischen Gestaltungsformen auf. Hier der Einstimmige Gesang, der sich innerhalb des ersten Jahrtausends herausgebildet hat.......und sprechen diese musikalische Gestaltungsform sozusagen heilig........Ein Gemeindegesang in der Landessprache....zB der wunderschöne Choral: "wie schön leuchtet der Morgenstern"....in einer Vertonung von Johann Seb. Bach.....steht dem gregoriansichen Choral in nichts nach......man könnte noch sehr viele andere Beispiele anfügen.....wie Musik sich sehr wohl mit einer meditativen, kontemplativen Liturgie und Gottesdienstform verträgt......Ich wehre mich immer, wenn gerade mal eine von  mehreren Liturgieformen, Glaubensweisen etc...herausgehoben und ideologisch herausgehoben wird und andere mit abenteuerlichen Argumentationsgängen abgewertet werden.....

 

So wenn man den gregorianischen Choral als jedes Maß im Kult bezeichnet.......Seit wann soll ein gregorianischer Choral "kultfähiger" sein....als ein Orgelwerk von Bach oder Olivier Messiaen.....?

 

Einen schönen Abend noch.....

 

Als Hörempfehlung:

 

Johann Sebastian Bach: "Wie schön leuchtet der Morgenstern" BWV 1, Kantate zu Maria Verkündigung

 

Olivier Messaien: Das Myterium der Hl. Dreifaltigkeit

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Hallo, Mozart!

 

Nun ja, wenn man den von mir zitierten Beitrag für "ideologisch" hält, dann muß man wohl die ganze Kirche für "ideologisch" halten.

 

Daß der gregorianische Choral nicht einer unter vielen verschiedenen Kirchengesängen sein , sondern den ersten Platz einnehmen soll, geht beileibe nicht aus meiner eigenen Überlegung hervor, sondern ist eine Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils:

 

"116. Die Kirche betrachtet den gregorianischen Choral als den der Römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen.

Andere Arten der Kirchenmusik, besonders die Mehrstimmigkeit, werden für die Feier der Liturgie keineswegs ausgeschlossen, wenn sie dem Geist der Liturgie im Sinne von Art. 30 entsprechen."

 

(Aus: "Sacrosanctum Concilium" )

 

Und was den polyphonen Gesang betrifft, so schrieb schon Papst Pius XII. in seinem apostolischen Rundschreiben "Musicae sacrae disciplina" im Jahre 1955:

 

"Es ist nicht unsere Absicht, durch Unsere Ausführungen zum Lobe und zur Empfehlung des gregorianischen Gesangs den vielstimmigen (polyphonen) Kirchengesang vom Gottesdienst fernzuhalten, da er, wenn gebührend getätigt, zum Glanz des Gottesdienstes und zur Weckung der Andacht in den Christgläubigen hervorragend beitragen kann. Es ist ja allgemein bekannt, daß zahlreiche polyphone Kompositionen, vor allem aus dem 16.Jahrhundert, sich durch solche Reinheit der Kunst und solche Fülle der Melodien auszeichnen, daß sie unter jeder Rücksicht für würdig zu erachten sind, die heiligen Handlungen der Kirche zu begleiten und gleichsam zu verklären."

 

Viele Grüße

Katharina

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Hallo Katharina,

 

Ich möchte mich eigentlich überhaupt nicht einmischen in die Frage, welche Musik die katholische Kirche innerhalb ihrer Liturgie als am meisten angemessen betrachtet......

 

Mir ging es eher um die Relativierung der Aussagen von Bruder Thomas.....ich denke dass von der Musik her betrachtet sehr verschiedene Musikstile geeignet sein können, den Menschen innerlich zu bewegen.....und dass außerhalb des Gottesdienstes keinesfalls der gregorianische Gesang der Musikstil, der die Menschen am meisten berühren kann.....ich wollte mich nur dafür aussprechen die reinen Kirchenkonzerte nicht so negativ zu sehen.....oder gar wie bei Bruder Thomas sofort wieder einmal die Sünde am Werk zu sehen...

 

Gruß

 

Mozart

 

Hörempfehlung: Olivier Messaien "Vingt Regards sur L´Enfant Jesus" für Klavier

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Hallo katharina,

 

Ich weiß immen och nicht so recht, worauf du mit deiner Heraushebung des Gregoriansichen Chorals hinaus willst.....

 

Mein Beitrag hat sich weniger auf die liturgische Musik innerhalb des Gottesdienstes bezogen, sondern eher auf Kirchenkozerte, gegen die Bruder Thomas polemisiert hat....

 

Was die Kirchenkonzerte betrifft, so ist es würdig und angemesssen sie in Kirchen stattfinden zu lassen......

 

Was die Musik in den Gottesdiensten betrifft: Es kommt doch wohl allein auf den Hörer an, welche Art von Musik in besonders anspricht.....Natürlich steht es dem "Veranstalter" ( Katholische Kirche ) frei, seine Lieblingsmusik ( in deinem Beitrag Gregorianischer Choral ) auszuwählen.....was aber keinesfalls ausschließt, das andere Stile der Musik ebenfalls sehr geeigent sind, die Liturgie zu bereichern.....ZB Orgelwerke von Bach, Vierne., Vidor, Messiaen.....Kantatensätze von Bach,, Messen von Mozart...etc.....

 

Besonders geistliche Konzerte sind auch eine gute Gelegenheit zum Innehalten.....

 

Mozart

 

Als Hörempfehlung:

 

Mendeslssohn Bartholdy: Elias

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Hallo, Mozart!

 

Ja, so ist das bei vielen Themen hier im Forum: Man fängt mit irgendeiner Frage an und im Laufe der nachfolgenden Beiträge kommt man zu immer weitreichenderen Aspekten.

Ingas Einleitung wollte ja u.a. auch der Frage nachgehen, wo bei uns die "Toleranzgrenze" dessen liegt, was wir als "Kirchenmusik" noch akzeptieren könnten.

Diese Frage ist jedoch weitgehend dem "Geschmack" des einzelnen entzogen, und es gibt dafür kirchliche Bestimmungen.

 

TomToms Erwähnung der römischen Instruktion wollte ich nun mit meinem Beitrag unterstützen, deswegen sind wir darauf gekommen, daß der Gregorianische Choral der Kirchengesang par excellence ist.

 

 

Viele Grüße

Katharina

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Hallo,

 

Katharinas Festlegung als Kirchengesang "par excellance" kann ich so nicht unwidersprochen lassen. Das setzt zwar die Reihe unsere unterschiedlichen Auffassungen fort (vgl. Fragen an die Kenner der klassischen Liturgie), aber der Wert des Anliegens verlangt ein faires Ringen miteinander.

Gewiss gab es offizielle kirchliche Aussagen anderer Epochen als der heutigen, die den gregorianischen Choral als "den" Kirchengesang bezeichneten. Aber es gab auch Äußerungen, die die (Neo)gothik bzw. (Neo)Romanik als "den" Kirchenbaustil bezeichneten, etwa plusminus den Beginn des 20. Jhdts. auch das wird man heute nicht mehr so stehen lassen - einer gelingenden Gemeindeliturgie wegen, in der Gott verherrlicht wird.

Warum können manche der Teilnehmenden nicht jeder Epoche ihre guten und ihre schlechten Lieder/Gesänge/etc. zugestehen? Niemand kann immer nur optimale Qualität produzieren, auch nicht die Kirchenmusiker. So wie kochenden Eltern auch nicht jede Mahlzeit gleichermaßen spitzenmäßig gut gelingt. Und bei weitem nicht jedes Neue Geistliche Lied ist theologisch flach oder auf einem Niveau, das hart gegen Null geht. Wer kann denn heute beispielsweise die musikalisch wertvolle Schubertmesse im ganzen (!) vom Text her verantwortlich singen. Liegen wir denn als Christenschar wirklich nur im Staub vor der Majestät Gottes? Auch wenn das Schubert-Sanctus in zahlreichen Begräbnisgottesdiensten viel Trost mit sich bringt (das wird jetzt die Mäpstin wieder einmal nicht raffen und akzeptieren wollen...), es gibt auch andere Sanctuslieder, die geeignet sind. Meines Erachtens werden Lieder zum einen gesungen wegen der sie umgebenden Atmosphäre, Erinnerung, Stimmung - gleichgültig welchen Text sie transportieren. Zum anderen aber gilt auch: man singt Lieder wegen des Textes, auch wenn die Melodie gerade nicht die eigene Kuschelecke wärmt. Und es gibt die, die eine gelungene Einheit von Melodie und Text bilden - oder die beides nicht zueinanderbringen und deshalb nicht zum allgemeinen Liedgut avancieren

Man kann ja generell die jüngst erschienenen neuen Anhänge des Gotteslob aus einzelnene Diözesen heranziehen, um festzustellen: es gibt wirklich gutes NGL, das neben den vielen anderen guten Kirchenliedern der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. die Aussage der "Gregorianik als KG par excellance" grundlegend und bleibend widerspricht.

Das eine Tun, aber doch nicht verlangen, das andere zu lassen.

Nach längerer Pause grüßt

WernerH

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Lieber Werner!

 

In meinem Posting vom 15.März habe ich die Passage aus der Liturgie-Konsitution zitiert, die feststellt, daß der Gregorianik sehr wohl der erste Platz in der Kirchenmusik gebührt.

 

Viele Grüße

Katharina

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Hallo Katharina!

 

Ich persönlich halte die Gregorianik für wunderschön und auch sehr angemessen als Kirchenmusik, möchte auch nicht deren Hauptrolle, so wie sie das Konzil sieht, einschränken. Die Frage ist jedoch, ob es sinnvoll ist, im Rahmen der Evangelisierung, also des Dauerauftrages der Kirche, sich bloß darauf zu beschränken. "Singt dem Herrn ein neues Lied"!

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