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Der missionarische Auftrag der Kirche


Gabriele
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Nun, es stand nichts umwerfend Neues darin, aber ich fand es auch nicht schlecht. Was will man auch groß sagen, das Problem ist altbekannt.

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Helmut Martin

Hallo Gabriele,

 

mir geht es so: Wir sollen uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, sprich mit missionarischem Glaubenseifer füllen.

Ich habe nichts vernommen, was die Bischöfe als Beitrag leisten wollen. Wo sollen die neuen, zündenden Funken herkommen? Warten auf eine neues Pfingsten? Wie soll eine Aufbruchstimmung wie nach dem Konzil entstehen? Wo sind die charismatischen und mutigen Hirten? Es war nur zu vernehmen, daß man früher einige falsch gemacht hat. Was gedenkt man nun richtig zu machen?

 

Und ganz wichtig: Was sollen wir eigentlich sein bzw. werden: Neuer Wein in neuen Schläuchen oder neuer Wein in alten Schläuchen oder alter Wein in neuen Schläuchen oder alter Wein in alten Schläuchen. Wenn es nach Jesus ginge, wäre die Antwort sonnenklar, aber nach dem geht es in der Kirche schon lange nicht mehr.

 

Also: Im Westen nichts Neues. Ich bin schuld an der ganzen Misere, damit kann ich leben. Ich habe den Verdacht, man möchte sich selbst nicht die (römischen) Finger verbrennen und den Laien die Hauptlast aufbürden. Man macht bewußt keine Vorgaben, mal sehen, in welche Richtung sich was entwickelt. Die "falsche" Seite kann man ja immer noch disqualifizieren. Alles in allem kein mutiges und ermutigendes Dokument. Halt so lauwarm wie die Herren unser Christentum auch sehen.

 

Liebe Grüße,

Helmut

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Lieber Helmut,

 

vielen Dank für diese Deine ausführliche Einschätzung.

Allerdings frage ich mich gerade, ob wir zwei unterschiedliche Texte gelesen haben.

Wo siehst Du, dass die Bischöfe sich aus der Verantwortung herausnehmen?

Mit Ihnen zusammen tragen wir Verantwortung, unserer Kirche eine Gestalt zu geben, in der das Evangelium aufleuchten und die Nachfolge Jesu in Freude und Zuversicht gelebt werden kann.

 

Und vor allem: Wo wird Dir schuld an der Misere gegeben?

Nicht wenige fragen nach dem Eingang in den Glauben und in die Kirche. Wen treffen sie im Eingangsbereich? Leute, die mit dicken Akten von Sitzung zu Sitzung hasten, die Termin um Termin wahrnehmen und schließlich außer Terminen nichts mehr wahrnehmen, die alles gelernt haben, - nur nicht, wie man ein geistlicher Mensch wird und wie man es bleibt?!

 

In den zitierten Stellen sehe ich eher das Gegenteil.

 

Liebe Grüße, Gabriele

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Helmut Martin

Liebe Gabriele,

 

Es kann doch nicht sein, daß wir Gläubige und die Bischöfe gleichmäßig viel Verantwortung tragen. Die Bischöfe behalten sich in jedem Fall die Hauptverantwortung vor. Und zwischen Verantwortung tragen und entsprechendem Handeln ist nochmal ein Unterschied. Mir ging es eben um konkrete Handlungen, Vorgaben, Richtungsweisung entsprechend dieser Verantwortung. Und da habe ich nichts vernommen. Verstehe mich nicht falsch, ich brauche keine Vorgaben. Wenn sie in meinem Sinne wären, wäre das freilich eine Ermutigung, wenn sie es nicht sind, dann werde ich sie nicht befolgen, dann bin ich halt nicht missionarisch im Sinn des Hirtenwortes. Aber die Kirche, zumindest in Deutschland, müsste doch etwas präziser formulieren, wie sie sich diese Gestalt vorstellt oder welche Gestalt auf gar keinen Fall gewünscht wird. Das Evangelium aufleuchten lassen ist auf vielerlei Weise möglich. Vielleicht ist Vielfalt auch durchaus erwünscht, aber das müssen wir eben ausprobieren. Gesagt hat es uns keiner.

 

Das mit meiner Schuld war nicht so ganz ernst gemeint. Aber irgendjemand muß halt schuld sein. Die Bischöfe sind es jedenfalls nicht. Ich meinte schon, herauszuhören, daß die Gläubigen halt nicht so sind wie sie sein sollten. Und wenn Priester mehr mit Verwaltung als mit Seelsorge beschäftigt sind, dann läßt sich das durch saubere Verwaltungsstrukturen beheben. Das fordere ich schon einige Zeit bei passender Gelegenheit. Ist aber nicht erwünscht, die geistlichen Herren halten an den Strukturen fest. Ist für manchen sicher auch angenehmer, am Schreibtisch zu sitzen als sich der rauhen Wirklichkeit auszusetzen mit Kranken, Arbeitslosen, Aus-der-Bahn-geworfenen, Verzweifelten, Hilfbedürftigen, Obdachlosen, Gottlosen. Auch die Ehrenamtlichen sind in der Regel so eingedeckt mit Pflichtaufgaben, daß wenig Zeit für den geistlichen Menschen bleibt. Und wie sollte der im Idealfall aussehen?

 

Fragen über Fragen, aber keine echten Antworten, keine wirkliche Zielsetzung, nur Absichterklärungen. Das reicht nicht, jedenfalls nicht in meinen Augen.

 

Herzliche Grüße,

Helmut

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Und das willst Du alles in einen Hirtenbrief schreiben? Wie lange soll denn die Verlesung dann dauern? Oder vielleicht für Herrn Martin einen Hirtenbrief für jede Gemeinde individuell? Ich sehe auch bei Deinen Ausführungen immer nur Gemeinplätze (meistens über die böse und abgehobene Amtskirche, aber das wundert mich nicht). Außer Beschwerden gibst Du aber auch nicht besonders viel von Dir.

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Hmmm. Wie kann ich Vorgaben fordern, wenn ich als Bedingung stelle, sie müssen in meinem Sinn sein?

*kopfkratz* *sichüberdiesesVerständnisvonHirtendienstwundernd*

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Liebe Gabriele,

 

Es kann doch nicht sein, daß wir Gläubige und die Bischöfe gleichmäßig viel Verantwortung tragen. Die Bischöfe behalten sich in jedem Fall die Hauptverantwortung vor. Und zwischen Verantwortung tragen und entsprechendem  Handeln ist nochmal ein Unterschied.

Lieber Helmut,

 

das finde ich schon ein wenig seltsam, dieses sorgfältige Schauen darauf, was andere tun oder tun sollten, ob es genauso viel oder weniger ist als mein Anteil.

 

Mir ging es eben um konkrete Handlungen, Vorgaben, Richtungsweisung entsprechend dieser Verantwortung. Und da habe ich nichts vernommen. Verstehe mich nicht falsch, ich brauche keine Vorgaben. Wenn sie in meinem Sinne wären, wäre das freilich eine Ermutigung, wenn sie es nicht sind, dann werde ich sie nicht befolgen, dann bin ich halt nicht missionarisch im Sinn des Hirtenwortes.

Das interpretiere ich so: Dir ist es eh egal, was die Bischöfe sagen, es wäre ganz nett, wenn sie eine Meinung mit Dir sind, aber wenn nicht, stört es Dich nicht weiter.

Kann es sein, dass eine solche Haltung die Sicht auf den Inhalt des Schreibens etwas erschwert?

 

Aber die Kirche, zumindest in Deutschland, müsste doch etwas präziser formulieren, wie sie sich diese Gestalt vorstellt oder welche Gestalt auf gar keinen Fall gewünscht wird. Das Evangelium aufleuchten lassen ist auf vielerlei Weise möglich. Vielleicht ist Vielfalt auch durchaus erwünscht, aber das müssen wir eben ausprobieren. Gesagt hat es uns keiner.

Kannst Du es auch als Vorteil sehen, dass die Vielfalt nicht im Vorhinein eingeschränkt wird? Muß uns denn extra gesagt werden, dass ausprobiert werden darf?

 

Ich meinte schon, herauszuhören, daß die Gläubigen halt nicht so sind wie sie sein sollten.

Das höre ich zwar auch öfter mal, ist mir aber gerade in diesem Hirtenbrief so nicht aufgefallen.

 

Auch die Ehrenamtlichen sind in der Regel so eingedeckt mit Pflichtaufgaben, daß wenig Zeit für den geistlichen Menschen bleibt. Und wie sollte der im Idealfall aussehen?

Der geistliche Mensch - ich weiß auch nicht, wie er im Idealfall aussieht.

Weißt Du es? Hast Du eine Antwort?

 

Fragen über Fragen, aber keine echten Antworten, keine wirkliche Zielsetzung, nur Absichterklärungen. Das reicht nicht, jedenfalls nicht in meinen Augen.

Das möchte ich nun nicht bestreiten, dass es aus Deiner Sicht so aussieht.

Ich habe für mich durchaus auch Antworten gefunden, z.B. wie mein missionarischer Auftrag aussehen könnte:

 

Gefragt ist ein glaubwürdiges, persönliches Wort von Mensch zu Mensch: Woraus lebe ich? Was lässt mich glauben und hoffen? Warum bin ich Christ, warum bleibe ich es? Dort, wo ein Christ jemanden in sein Leben, in sein Herz schauen lässt, da geschehen auch heute Wunder. Christen, die mitten im Lebensalltag geistliches Profil zeigen - unaufdringlich, aber erkennbar; selbstbewusst, aber demütig - lassen auch heute aufhorchen

 

Liebe Grüße, Gabriele

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Helmut Martin

Hallo Gabriele,

 

ich will es mal anders herum versuchen, zu verdeutlichen, worum es mir geht.

 

1. Jemand kommt zu dir (wie weiland zu Jesus) und fragt dich "Gabriele, was muß ich tun um missionarisch zu sein?"

 

2. Ihr seid mein Pfarrgemeinderat. Ich verteile euch vor der nächsten Sitzung den Hirtenbrief und dann überlegen wir, was wir in der Pfarrgemeinde tun können, um die Buchstaben mit Leben zu füllen. Hinzufügen möchte ich aber noch, daß ich auf viele radikal neuen Vorschläge hoffen, den das Bisherige war wohl kaum geeignet, Glauben zu begründen. Sonst hätte es dieses Bischofswort ja nicht gebraucht.

 

3. Was ist mit der großen Gruppe Gläubiger, die innerhalb der Kirche Suchende sind? Die, bevor sie selbst missionarisch tätig sein können, erst eine Verkündigung brauchen, mit der sie glauben und leben können.

 

Für jede gute Anregung bin ich dankbar.

 

Liebe Grüße,

Helmut

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Der missionarische Auftrag der Kirche

 

Gemeinsamer Hirtenbrief der deutschen Bischöfe anlässlich des Bonifatius-Jubiläums

 

 

Wie geht es Euch mit diesem Schreiben?

Liebe Gabriele,

 

beim ersten Anhören des Hirtenbriefes war ich eigentlich weitgehend zufrieden vor allem mit der Einschätzung, dass wir selbst zum Missionsland geworden sind.

Beim genaueren Überlegen fehlte mir aber ebenfalls eine nachvollziehbare Ursachenanalyse und ich sah wenig Ansätze, es in Zukunft besser zu machen, als die sichere richtige, aber bekannte Aussage, dass man missioniert hauptsächlich mit dem Vorbild des eigenen Lebens.

 

Ich denke die Glaubwürdigkeit im Vorbild läßt sich zwar sicher steigern, aber allein daran kann es nicht liegen, bzw allein damit kann man das verlorene Terrain kaum zurückgewinnen.

Ich glaube die viel schlimmere Glaubwürdigkeitskrise, liegt in der veralteten Deutung und Vermittlung der christlichen Botschaft

Während reaktionäre und fundamentalistische Christen ihre für das Ansehen der Kirche verheerenden Einflüsse und Ansichten verbreiten dürfen, wurde zeitgemäßen Theologen der Mund verboten und viele Chancen dadurch verspielt.

 

Wenn es jetzt ans Sparen geht werden als erstes Bildungsausgaben gekürzt und speziell reformfreudige Akademien wie die Kölner Karl-Rahner Akademie

sämtliche Mittel entzogen. Nur über eine zeitgemäße Bildungsarbeit hätte die Kirche eine Chance wieder neue Menschen zu gewinnen.

 

Daher kann das Resümee dieses Hirtenbriefs nur lauten. Die Bischöfe wollen mehr Mission in Deutschland, aber die Bereitschaft auf der Kirche entfremdete Menschen zuzugehen, z.B. ihre Zweifel ernst zu nehmen und darüber die Botschaft zeitgemäßer zu verkünden fehlt.

 

Vorbildlich scheinen mir in diesem Punkt nur die Jesuiten, die neben der Theologie noch einen zweiten Beruf erlernt haben und dadurch in die Lage kommen die Probleme der Menschen mit Glauben und Kirche aus der Sicht dieses Berufs besser zu verstehen.

Vielen Christen fehlt dagegen heute eher der Mut an ihrer Arbeitsstelle sich überhaupt noch als Christen erkennen zu geben, um nicht als weltfremde Träumer zu gelten.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

vom Zwilling

Edited by Zwilling
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Helmut Martin

Lieber Zwilling,

 

dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

Herzliche Grüße,

Helmut

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