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Körperwelten - Plaste für die Ewigkeit ?


Matthias
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"Körperwelten"  

 

Plaste für die Ewigkeit  

 

Gunther von Hagens' Körperspender treffen sich in Berlin  

 

Kerstin Decker  

 

Der "Körperwelten"-Bratwurstmann ist noch nicht da. "Mann, so'ne Organe! Eine Wurst bitte!", das hört er sonst vor Gunther von Hagens' Ausstellung. Der erste Teil des Satzes gehört noch ganz der eben gesehenen Totenschau, der zweite bereits der Lust des konkreten Überlebens. "Und mit viel Ketchup!" Aber jetzt fehlt der Bratwurstmann. Zu früh am Morgen? Nicht für die Körperspender. Das hier ist ihr Tag. Fast 4000 sind es insgesamt, die sich nach dem Tod für Gunther von Hagens' Ausstellung "Körperwelten" im Plastinationsverfahren konservieren lassen wollen, 400 haben sich angemeldet zum Jahrestreffen.

 

Sie werfen einen ersten morgendlichen Blick in ihre nähere oder fernere Zukunft. In jener Begräbniskosten sparende Offerte der Plaste-Unsterblichkeit. Ist das jetzt so, als sähe man in den eigenen Sarg? Eine Frau, etwa 50, ganz in lebensbejahendes Rot gekleidet, schaut auf von einem Extremfall von Arteriosklerose. Sarg? Na eben nicht! Zu kalt. Wir meinen, eine Spur von Mitleid in ihren Augen zu entdecken. Da lächelten wir eben noch über ihre Plaste-Ewigkeit, und jetzt lächeln die Körperspender über uns? Die ersten Kirchenglocken läuten von Kreuzberg herüber.

 

Gunther von Hagens hat mal gesagt, der Tote werde "durch Plastination eine Persönlichkeit". Augenblicklich verstanden wir die Faszination des Angebots. Man kann das mit der Selbstformung also noch ein wenig verschieben. Ideale Lösung für die Unentschlossenen-zu-sich-selbst. Doch sieht Rosemarie Obst, die jetzt vor der erschreckend bewimperten Schwangeren mit dem offenen Bauch steht, etwa aus wie ein Persönlichkeitsaufschub?

 

Sie ist Metallarbeiterin, doch man hätte eher auf Chefsekretärin getippt. Wer so mondän ein hellgraues Sweatshirt tragen kann. Also wissen Sie, erklärt das zukünftige Plastinat, wir leben schließlich im Zeitalter des Recyclings. Nichts wird mehr weggeschmissen, alles wird wiederverwendet, und nur für ihren Körper solle das nicht gelten? Rosemarie Obsts Gesicht ist ein einziger Ausdruck des durch nichts irritierbaren Pragmatismus. Bestimmt eine bekennende Mülltrennerin. Ihre Tochter hat sich auch schon zur Körperspende angemeldet, und nächste Woche wolle sie mit dem Plastinator sprechen, weil ihr kleiner Hund doch auch mitverewigt werden müsse. Dame mit Hund also? - Es ist wohl diese Logik überbordender Alltäglichkeit, die den Berliner Gefängnispfarrer Pater Vincens nachher beim großen Körperspendertreffen zu der Äußerung "Zirkus der Würdelosigkeit" veranlassen wird. Worauf eine empörte Körperspenderin unter lautem Beifall die Absicht bekundet, sich von einem Pfarrer keinesfalls ihre Würde absprechen zu lassen. Worauf ein Philosoph zu erklären beginnt, dass man die Würde erstmal definieren müsse, es sich aber angesichts der Stille in der Ausstellung keinesfalls um "Zirkus" handeln könne. - Schon klar, der Pater hat ein besonders feines Gespür für unser Zeitalter der tendenziellen Unterbietung des Menschen durch den Menschen. Die "Körperwelten" sind Trivialkultur, keine Frage, und sie folgen genau deren Prinzip: Kitsch plus Spezialeffekte. Dame mit Hund also.

 

Aber Dame stimmt doch nicht. Denn die Tochter ist stark tätowiert. Danach muss sie den Plastinator auch fragen. Es gibt viele Tätowierte in den "Körperwelten", was von Hagens gerade eben große Probleme einbrachte. "Leichen in Sibirien geklaut?", fragte nach Art des Hauses in großen Buchstaben die "Bild"-Zeitung wegen der kyrillischen Tätowierung am Unterarm eines toten Mannes, die typisch sein soll für russische Gangster. Heinz Weißert aus München hat den toten Gangster auch gesehen. Aber er hat keine Angst, einmal neben sibirischen Verbrechern zu stehen oder sonstigen Atheisten. Heinz Weißert hat ein ganz anderes Problem. Typisches Körperspender-Minderheiten-Trauma. So eine Rest-Angst vor seinem Gott. Doch der große Lederwesten-Mann um die fünfzig ist gerade dabei, sich von seinem Gott zu emanzipieren. Jawohl, auch Götter muss man in die Schranken weisen, gerade die. Vier Stunden nach dem Tod sei die Seele über alle Berge, und vorher, das habe ihm der Plastinator fest versprochen, fange der nie an zu plastinieren. Ergo: Heinz Weißert tut seinem Gott kein Unrecht. Das ist ihm sehr wichtig. Seine kleine blonde Frau lehnt sich an ihren Mann, halb stützend, halb selbst Stütze suchend. Nein, ein gemeinsames Grab wird es nicht geben. Keinen Ort der Trauer für sie. Kann man künftige Plastinate lieben? Die kleine Blonde kann.

 

Einfacher ist es natürlich, beide wollen zusammen in die Plaste-Ewigkeit eingehen. Es gibt Allerbeste-Freundinnen-Girlie-Körperspender, Körperspender-Ehepaare und Körperspender-Liebespaare. Eins küsst sich direkt unter den Augen des untoten Pferdes gegenüber der großen Raucherlunge. Vielleicht spürt es gerade so einen Kick der Jugend und Unsterblichkeit. Ob von Hagens auch Liebespaare plastiniert, vielleicht, wenn er mit seinem Streichorchester und dem noch tiefgefrorenen Kamel fertig ist? Postmortale Unzertrennlichkeit aber verspricht er keinem.

 

Draußen auf der Palmenterrasse trinken die Körperspender Kaffee. Schließlich heißt die Veranstaltung hier Körperspender-Treffen. Nachher bei der Versammlung wird man einmütig die Kritiker besiegen. Schon zahlenmäßig. Und dabei doch viel sympathischer wirken als sie. Ein Berliner Künstler, Typus Selbstdarsteller, sagt den trotzdem wunderbaren Satz, "Körperwelten" sei "die Flucht der Fantasielosen in die Realität". Wahrscheinlich teilen sich die Menschen in zwei Gruppen - jene, die das sofort verstehen und die anderen. Der Künstler, rotes Hemd, ausgestreckter Arm - "Sie hören mir jetzt mal zu!" - steht bald einem erbitterten Körperspender, blaues Hemd, ausgestreckter Arm - "Falsch, Sie hören mir zu!"- stichbereit gegenüber. Nein, es gibt keine Verbindung zwischen beiden. Nur ein evangelischer Pfarrer aus Berlin und ein Kölner Reliquiensammler verharren hilflos in der Mitte.

 

Aber noch herrscht uneingeschränkter Kaffee-Frieden. Eine Körperspenderin im eleganten dunklen Zweireiher fragt, ob sie mal den Aschenbecher haben kann. Dabei besitzt von Hagens doch schon so viele Raucherlungen. Die Kreuzberger Glocken läuten immer noch.  

 

Tagesspiegel vom 29.5.2001

 

Link zur Ausstellung: http://www.koerperwelten.de/

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Zitat von Matthias am 7:56 - 31.Mai.2001

"Körperwelten"  

 

Hallo Allemiteinander,

 

ich kann allen nur empfehlen, die Ausstellung Körperwelten zu besuchen.

 

Selbstverständlich muss man das eigene ethische Empfinden zu Hause lassen und die gesamte Ausstellung unter dem Gesichtspunkt der Biologie und der Medizin betrachten.

 

Zur Erleichterung um über den ethtischen "Schatten" springen zu können, sei der Hinweis angeführt, das in den phatalogischen Einrichtungen unzählige Sektionen durchgeführt wurden und werden und hier ethische Bedenken keine Rolle spielen.

 

Der Ethiker akzepiert dies aus Eigennutz. Anders ausgedrückt, es ist alles ethisch vertretbar, wenn eine entsprechende Begründung vorhanden ist (Aber dies nur am Rande).

 

Gruß Pedrino

 

(Geändert von pedrino um 11:03 - 31.Mai.2001)

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Lieber Pedrino,

 

es geht mir gar nicht um eine ethische Bewertung. Selbstverständlich soll jeder mit seinem Körper anstellen was er will - ein anderer kann ja nicht betroffen sein.

 

Mich interessiert nur: Was ist das Motiv, seinen Körper zur Verfügung zu stellen.

Auswahl:

 

- heimliche Todesangst  ?

- die Flucht der Fantasielosen in die Realität ?

- Einsparung von Beerdigungskosten ?

- "Müllrecycling" ?

- Sarg zu dunkel oder feucht ?

- Altruismus (für die Forschung - warum dann nicht in  die  Anatomie ?

...

 

Oder - die Frage anders gestellt:

Würdet Ihr Euren Körper dafür zu Verfügung stellen und warum bzw. warum nicht ?

 

Liebe Grüße

 

Matthias

 

P.S.: Wozu ist es für den sachlich-medizinischen Aspekt nötig, die Leichen als Schachspieler darzustellen - oder geht es eher um's Geschäft ?

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Werner agnosticus

Lieber Matthias,

 

Mich interessiert nur: Was ist das Motiv, seinen Körper zur Verfügung zu stellen.

Auswahl:

- heimliche Todesangst ?

- die Flucht der Fantasielosen in die Realität ?

- Einsparung von Beerdigungskosten ?

- "Müllrecycling" ?

- Sarg zu dunkel oder feucht ?

- Altruismus (für die Forschung - warum dann nicht in die Anatomie ?

ich denke, daß man die Frage nach den Motiven nicht einheitlich beantworten kann und sich auch vor spekulativen Unterstellungen (im Einzelfall ebenso wie pauschal) hüten sollte, denn diese sind meist mehr Ausdruck unserer eigenen Vorurteile als Ergebnis einer ernsthaften Analyse. Ich kenne z.B. niemanden persönlich, dessen Wunsch nach postmortaler Plastinierung mir bekannt wäre.

So kann ich nur meine eigenen Vorstellungen formulieren: Für mich ist Plastinierung ein interessantes Verfahren, das sicher ein großes Potential in der medizinischen Lehre und in der Ermöglichung eines angemessenen (gleichermaßen nüchternen wie bewundernd-faszinierten) Umgangs mit dem eigenen Körper besitzt, das aber leider auch für billige Effekthascherei und als Aufhänger für die abgedrehtesten "Kultformen" eignet. Hinsichtlich meines eigenen Körpers ist es mir ziemlich egal, ob man diesen irgendwann einmal plastiniert, eingräbt, verbrennt oder was einem da sonst noch einfallen mag. Wenn er noch für etwas Nützliches zu gebrauchen ist (Organspende, wiss. Anatomie), so hielte ich dies für nützlicher als eine Plastinierung (anscheinend gibt es dafür ja mehr als genug "Körperspender" ); ansonsten mögen die Hinterbliebenen sich für denjenigen Umgang mit meiner Leiche entscheiden, der ihren Vorstellungen und psychischen Bedürfnissen entspricht.

Die von Dir genannten bzw. in dem Artikel angedeuteten Motive mögen bei manchen Leuten eine Rolle spielen. Sie sind überwiegend völlig irrational, was aber nicht gegen ihre praktische Wichtigkeit für viele Menschen spricht. Gefühlsmäßig glaube ich aber nicht, daß die Flucht der Fantasielosen in die Realität, Müllrecycling, Sarg zu dunkel oder feucht eine nenneswerte Rolle spielen und auch heimliche Todesangst halte ich für kein zentrales Motiv.

Dagegen würde ich ganz andere Motive vermuten (bei vielen, nicht bei allen): Daß eine gewisse Sensationslust, ein Auffallen-Wollen, ein Interessant-sein-Wollen mitspielen, es also oft um In-sein, Selbstdarstellung, Demonstration von Exzentrik geht. D.h. das es letztlich gar nicht um den Umgang mit der eigenen Leiche in einer fernen Zukunft geht, sondern um den psycho-sozialen Gewinn, den das öffentliche Vertreten einer Plastinierungsabsicht in der Gegenwart abwirft. Man wird dadurch zu "etwas Besonderem", wird Teil einer Scene ("Plastinak-Schickeria" ), fühlt sich interessant und wichtig, kokettiert mit der eigenen Ausgefallenheit und mit dem Reiz der Tabuverletzung. Es ist dieselbe Triebfeder, die schon immer bei Modeerscheinungen mitgespielt hat.

Wie gesagt, dies ist spekulativ, erscheint mir aber plausibel.

 

P.S.: Wozu ist es für den sachlich-medizinischen Aspekt nötig, die Leichen als Schachspieler darzustellen - oder geht es eher um's Geschäft ?

Sachlich-medizinisch ist es überhaupt nicht nötig. Es paßt aber gut zu den von mir vermuteten Motiven der "Körperspender". Und aus Sicht der Mediziner ist es ein cleveres Marketingkonzept, daß Publicity garantiert und damit der eigenen Berühmtheit, dem eigenen Bankkonto und vielleicht auch den eigenen Forschungsmöglichkeiten und den anwendungsperspektiven der neuen Präparationstechnik nützt. Ganz eigennütziges Geschäft und der Einsatz für den Arbeitsspielraum einer Wissenschaft sind in unserer kapitalistischen Mediengesellschaft oft kaum zu trennen.

 

Liebe Grüße

Werner

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Zitat von Werner agnosticus am 13:03 - 1.Juni.2001


 

Lieber Werner,

 

vielen Dank für deine Antwort.

 

Soviel ich gehört habe, handelt es sich überwiegend um namenlose Verstorbene, die für diese Ausstellung in "Form" gebracht wurden.

 

Gruß Pedrino

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Lieber Werner,

 

Dagegen würde ich ganz andere Motive vermuten (bei vielen, nicht bei allen): Daß eine gewisse Sensationslust, ein Auffallen-Wollen, ein Interessant-sein-Wollen mitspielen, es also oft um In-sein, Selbstdarstellung, Demonstration von Exzentrik geht. D.h. das es letztlich gar nicht um den Umgang mit der eigenen Leiche in einer fernen Zukunft geht, sondern um den psycho-sozialen Gewinn, den das öffentliche Vertreten einer Plastinierungsabsicht in der Gegenwart abwirft. Man wird dadurch zu "etwas Besonderem", wird Teil einer Scene ("Plastinak-Schickeria" ), fühlt sich interessant und wichtig, kokettiert mit der eigenen Ausgefallenheit und mit dem Reiz der Tabuverletzung. Es ist dieselbe Triebfeder, die schon immer bei Modeerscheinungen mitgespielt hat.

Wie gesagt, dies ist spekulativ, erscheint mir aber plausibel.

 

Volle Zustimmung. Der Hang zum Exhibitionismus, der ja auch in Talkshows (hier der öffentliche Seelen-Striptease)  und "Big-Brother"-Containern zum Ausdruck kommt, ist ganz offensichtlich. Dies gilt auch für die Zuschauer, bei denen der Tabubruch auch zur Mode geworden ist. So gesehen ist die Ausstellung eine weitere Variante dieser Spaßgesellschaft.

Wenn die Mode vorbei ist, wird die Leiche zu Sondermüll - wie auch die Quoten bei Big-Brother zurückgegangen sind.

 

Das Motiv muß aber noch Tiefer liegen. Wenn es nicht doch die heimliche Todesangst ist - vielleicht ist es der Versuch, der Sinn-losigkeit oder der vermeindlich Nutzlosigkeit der eigenen Existenz zu entkommen ? Oder wie Gunther von Hagens es ausdrückt: der Tote werde "durch Plastination eine Persönlichkeit" ? Alternativ tut's natürlich auch der Porsche vor der Haustür, oder der Stolz auf's Vaterland.

 

Liebe Grüße,

 

Matthias

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Toter Papst wird im Glas-Sarg ausgestellt

 

Am Pfingstsonntag wird Johannes XXIII. im Petersdom in einem gläsernen Sarkophag aus Kristall und Bronze[!] umgebettet und auf dem Petersplatz ausgestellt. Papst Johannes Paul II. liest dort vor Tausenden Gläubigen eine Messe.

 

In BILD erläutert Präparator Gennaro Goglia, warum der Tote so gut erhalten ist:"Wir spritzen zehn Liter einer geheimen[warum sowas immer geheim bleiben muss?], konservierenden Flüssigkeit in den Leichnam. Ich hatte damals wahnsinnige Angst, dass etwas vom Blut des Papstes verloren gehen könnte. Das Blut ist eine Reliquie, die nicht vernichtet werden darf."

Nun sorgt modernste Technik für den Erhalt des toten Körpers: Über Ventile wird der kugelsichere[!], 450 Kilo schwere Sarg mit einem hochgiftigen Stickstoffgemisch belüftet, das Bakterien und Schimmel abtötet. Eine Kühlung sorgt dafür, dass auch Temperaturen von 36 Grad und mehr keinen Schaden anrichten können.

 

--------------

 

Man erkennt den feinen Unterschied?

 

Ich nicht.

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Zitat von Torsten am 15:30 - 1.Juni.2001

Toter Papst wird im Glas-Sarg ausgestellt

...


 

Eine Pietätlosigkeit sondersgleichen! Widerlich!

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Zitat von Torsten am 15:30 - 1.Juni.2001

Toter Papst wird im Glas-Sarg ausgestellt

(...)

Man erkennt den feinen Unterschied?

Ich nicht.


 

Ich auch nicht! Welchen Zweck haben überhaupt die Reliquien in der kath. Kirche ???

 

Liebe Grüße,

 

Matthias

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Reliquien haben keinen Zweck. Es sind einfach Reliquien. Als solche stossen sie eine Tür zu Emotionen und Meditationen auf, denn der Gläubige nimmt sie als Teil einer Gesamtheit glaubenserfüllten Lebens wahr.  Reliquien sind in jedem Altar einer kath. Kirche eingelassen, sie repräsentieren Glaubensgeschichte. Die Reliquien als Mittel (Mittler) sind heilig, geheiligt durch das Leben. Katholiken sind in der Lage mit Augen zu sehen anstatt mit Begriffen, von tiefster Rührung bis zu religiöser Extase lassen sie die Vergangenheit an sich heran um Impulse für das eigene Leben zu erfahren.

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Früher diente Reliquien einfach dem Prestige und dem Image einer Kirche, hatte man tolle Reliquien, dann war man wer... Heute hat sich das Gott sei Dank geändert, dennoch sind die folgen noch heute erkennbar. In meinem Heimat-Dom in Hildesheim ist im Hochalatr der goldene Sarg mit den Reliquien des Heiligen Epiphanius zu sehen, die wurden irgendwann einmal in Mailand geklaut und bis heute nicht zurückgegeben.

Heute sind Reliquien eher eine Vergegenwärtigung der Heiligen in unserer Mitte. Die, die wir schon bei Gott glauben, treten in der Komminion auch mit uns in Kommunion, wir rufen sie in der Allerheiligenlitanei anläßlich einer Taufe etc. an. Zu zwei Heiligen hatte jede Kirche ein besonderes Verhältnis, zum Schutzpatron und zu dem (den) Heiligen, die im Altar liegen. Früher war es Vorschrift, in jedem Altar Reliquien einzulassen. Heute ist es auch erlaubt, das nicht mehr zu tun.

 

Zur Konservierung als Plastik-Mensch:

Ich bin Werners Meinung und denke, man sollte nicht so einfach einen Pauschal-Grund angeben, warum nun diese Leute sich da austellen lassen wollen. Aber ich denke schon, daß zumindest bei einigen auch der Gedanke mitschwingt, daß man einen Augenblick der Ewigkeit erhaschen will. Diese Dinger sind ja sehr lange haltbar.

 

Zu einem etwaigen ethischen Problem möchte ich mich nur folgend äußern: Eigentlich habe ich kein Problem damit, sollen die Leute machen, was sie wollen (nur in diesem Punkt   aber, was passiert in 150 Jahren, wenn die Dinger keiner mehr sehen will. Landen die dann auf dem Müll? Wie entsorgt man die Leichen dann? Ich meine, für die anatomischen Zwecken werden Leichen immer gebraucht, aber der Reiz an solch einer Ausstellung ist vielleicht bald vorbei...

 

Liebe Grüße

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Ich greife Stefans letzten Gedanken auf: das Entsorgungsproblem. Plastik-Leichen kann man nicht mehr einfach begraben. Verbrennen dürfte wie bei anderem Plastik-Müll zu giftigen Dämpfen führen (Dioxine?). Man schafft sich also unnötig zusätzliche Umweltprobleme. Plastik-Leichen nützen zu nichts mehr. Will man sie in unterirdischen Bunkern stapeln? Für sehr lange Zeit?

 

Ich sehe das als wichtigen Grund an, Plastinierung abzulehnen.

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Genau, liebe Ute,

 

und diese "Endlagerung", die wird dann unwürdig!

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Es geht mir nicht in erster Linie um die Würde oder nicht (das sollte sich jeder für sich selbst überlegen können), sondern um die massiven Müllprobleme, die auf uns zukommen. Als ob wir nicht mit Atommüll und sonstigem Plastikmüll schon genügend Probleme am Hals hätten.

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Zitat von Ute am 14:15 - 2.Juni.2001

Es geht mir nicht in erster Linie um die Würde oder nicht (das sollte sich jeder für sich selbst überlegen können), sondern um die massiven Müllprobleme, die auf uns zukommen. Als ob wir nicht mit Atommüll und sonstigem Plastikmüll schon genügend Probleme am Hals hätten.

 

Na ja, man muss es ja jetzt nicht übertreiben. Es ist bestimmt von niemanden beabsichtigt, jetzt eine Massenproduktion von "Plastikleichen" zu produzieren.

 

Zum anderen, wieviel Plastikeimer, Plastikspielzeug, Plastikteile an den Kraftfahrzeugen usw. wurde bzw. wird noch produziert.

 

Wollen wir doch die Kirche im Dorf lassen.

 

Klärende Grüße

 

Pedrino

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Moonshadow

Liebe Leute!

 

Ich habe die Körperweltenausstellung in Köln besucht - und fand sie nicht besonders aufregend. Da sieht man einiges mehr, wenn man ein anatomisches Institut besucht (in Köln gibt es da eine recht gut ausgestattete Sammlung)

 

Nun zu den Fragen:

 

- heimliche Todesangst  ?

Plastination verhindert den TOD nicht, nur die Verwesung.

 

- die Flucht der Fantasielosen in die Realität ?

?

 

- Einsparung von Beerdigungskosten ?

Wäre eine Überlegung wert, wenn man entweder kein Geld oder keine Angehörigen oder eben beides nicht hat.

 

- "Müllrecycling" ?

Bei der Plastination wird nichts "recycelt", eher im Gegenteil: Es wird unverwesbar, eben nicht zerstörbar durch die Natur.

 

- Sarg zu dunkel oder feucht ?

Oder vielleicht eine Panik vor Insekten? Die Vorstellung, nach meinem Tod als Futter für Würmer zu dienen, finde ich nicht gerade angenehm.

 

- Altruismus (für die Forschung - warum dann nicht in  die  Anatomie ?

Ich würde lieber ordentlich präpariert in einer Körperweltenausstellung als von Studenten zerfetzt in einem Müllsack enden, der letztendlich (etwa 1,5 Jahre nach meinem Tod - die Fixation in Formaldehyd dauert etwa ein Jahr) verbrannt wird.

 

Liebe Grüße,

 

Moonshadow

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WeisserRabe

Lauliberale KabelTV hirngewaschene Christen und Softkommies,

können  sagen was sie wollen!!!

 

Man kann sich mit Nachbildungen"vielleicht"anfreunden,

aber ECHTE LEICHEN auszustellen ist eine SÜNDE!!!!

Manche sind gar nach vorbild anderen Kunstwerken hin zurechtgeschustert!!

Ein Panoptikum für eine Gesellschaft die den Ultimativen Kick sucht ja das erlebniss sucht,und die Menschenwürde mit Füssen tritt!

Eben total krank im Schädel!

Jeder kann für sich bei bedarf

an anderen Lehrmodellen oder Büchern nachsehn wo was ist!!

 

Diese Ausstellung ist einfach nur Krank und Beschränkt!

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>Man kann sich mit Nachbildungen"vielleicht"anfreunden,

aber ECHTE LEICHEN auszustellen ist eine SÜNDE!!<

 

Was meinst Du dazu?

 

Sauerei, oder?

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Hallo zusammen,

 

in gewisser Weise erinnert mich die "Körperwelten"-Ausstellung an die Jahrmärkte des 19. Jahrhunderts, wo zum wohligen Gruseln der Zuschauer sog. Mißgeburten, Zwergwüchsige etc. ausgestellt wurden.

Sicherlich war das ethisch noch weitaus verwerflicher, aber der vermeintliche wissenschaftliche Anspruch von "Körperwelten" für jedermann ist m.E. mehr als fraglich!

Wäre Herr von Hagen tatsächlich daran interessiert, hätte er schon lange die Plastinationsverfahren einstellen müssen, denn es ist nun buchstäblich jede Haarspitze des Menschen für alle Ewigkeit konserviert!

 

Erstaunlicherweise bilden sich vor den anatomischen Museen der Uni-Kliniken nicht lange Reihen von Schaulustigen, obwohl die dort ausgestellten Präparate dem eigentlichen Zweck - nämlich der Veranschaulichung der Anatomie des Menschen - ebenso gerecht werden wie die effektheischenden "Plaste-Kameraden" des Herrn von Hagen!

Scheint halt alles eine Frage der Werbung zu sein!

 

Fragt sich nur, wie lange es noch dauert, bis die Bestattungsunternehmen schmucke Vitrinen für die lieben Verstorbenen anbieten!

 

Gruß

Krabat

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WeisserRabe
Zitat von Torsten am 21:50 - 5.Juni.2001

>Man kann sich mit Nachbildungen"vielleicht"anfreunden,

aber ECHTE LEICHEN auszustellen ist eine SÜNDE!!<

 

Was meinst Du dazu?Sauerei, oder?

------------------------------------------------------------

 

Nö überhaupt nicht,.....

Wie bist Du so Naiv zu glauben das Beides dasselbe ist?

 

Da wird einer berühmten Person gedacht und bestaunt.

Im würdevollen feierlichen Ramen,und im Ornat.

    Und der gerade Seliggesprochen wurde!

           Und dann begraben wird!

 

Ach wie herrlich naiv Torsten....

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Zitat von WeisserRabe am 20:42 - 5.Juni.2001

Man kann sich mit Nachbildungen"vielleicht"anfreunden,

aber ECHTE LEICHEN auszustellen ist eine SÜNDE!!

 

Diese Ausstellung ist einfach nur Krank und Beschränkt!


 

 

Lieber WR,

 

dann erzähle dies mal deinem Papst:

Leichnam Papst Johannes XXIII. wird umgebettet

 

Rom (dpa) - Genau 38 Jahre nach seinem Tod ist der einbalsamierte Leichnam von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) am Pfingstsonntag in Rom umgebettet worden.

 

Die erstaunlich gut erhaltene sterbliche Hülle des Roncalli-Papstes wurde für mehrere Stunden in einem Glassarg bei einer Messe auf dem Petersplatz aufgebahrt.

 

Zehntausende Gläubige waren gekommen, um einen Blick auf «ihren» Johannes XXIII. zu werfen: ......

Nach der Messe am Sonntag wurde der Glassarkophag zunächst für die Gläubigen und Touristen im Petersdom aufgebahrt. Am Pfingstmontag findet der «gute Papst» seine letzte Ruhe in der Hieronymus-Kapelle im rechten Seitenschiff der Peterskirche - auch hier hinter schusssicherem Panzerglas, gut sichtbar für Besucher.

 

Von Peer Meinert, dpa, 03.06.2001 13:54

 

Gruß Pedrino

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WeisserRabe


Zitat von WeisserRabe am 20:42 - 5.Juni.2001

Lauliberale KabelTV hirngewaschene Christen und Softkommies,

können  sagen was sie wollen!

 

Man kann sich mit Nachbildungen"vielleicht"anfreunden,

aber ECHTE LEICHEN auszustellen ist eine SÜNDE!!

Manche sind gar nach vorbild anderen Kunstwerken hin zurechtgeschustert!!

Ein Panoptikum für eine Gesellschaft die den Ultimativen Kick sucht ja das erlebniss sucht,und die Menschenwürde mit Füssen tritt!

Eben total krank im Schädel!

Jeder kann für sich bei bedarf

an anderen Lehrmodellen oder Büchern nachsehn wo was ist!!

 

Diese Ausstellung ist einfach nur Krank und Beschränkt!


 

"gäähn!" noch einmal für die landbevölkerung zum mitbuchstabieren,nich war pedro?

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WeisserRabe

Häääääh noch n versuch neh pedro??

 

Da wird einer berühmten Person gedacht und bestaunt.

Im würdevollen feierlichen Ramen,und im Ornat.

    Und der gerade Seliggesprochen wurde!

           Und dann begraben wird!

 

capische pedro?

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