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Stellvertretende Taufe für Verstorbene


Woge

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Über folgende Stelle (1 Kor 15,26-29) ist unser Bibelkreis gestern gestolpert:

 

26 Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.

27 Sonst hätte er ihm nicht alles zu Füßen gelegt. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft.

28 Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott herrscht über alles und in allem.

29 Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum läßt man sich dann taufen für sie?

 

Als Kommentar gibt die Einheitsübersetzung an, dass in Korinth die Praxis vorkam, dass man sich stellvertretend für Verstorbene taufen ließ. Paulus kritisiert dies auch nicht.

 

Nach KKK ist allerdings im Augenblick des Todes die Entscheidung zwischen Himmel und Hölle gefallen. Insofern würde eine Taufe für Verstorbene keine Wirkung mehr für diese haben, also weder von der Erbsünde befreien noch zur Sündenvergebung führen.

 

Weiß jemand Näheres zu dieser Stelle bzw. Praxis bzw. wie eine stellvertretende Taufe für Verstorbene theologisch gesehen werden kann?

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Bibelkommentar John F. Walvoord ISBN3-7751-3533-2; Band 5, Seite 55 schreibt dazu:

 

1 Kor 15,29-34

In dieser vierten Staffel von Argumenten gegen die Leugnung der Auferstehung kommt Paulus auf bestimmte Bräuche in Korinth und auf seine persönlichen Erfahrungen zu sprechen (V. 30-32).

15,29: Zu diesem Vers gibt es fast 200 verschiedene Auslegungen, von denen allerdings die meisten ziemlich unsinnig sind und von dem Wunsch diktiert wurden, die hier vorliegende Aussage des Apostels mit einem orthodoxen Taufverständnis in Einklang zu bringen. Aus dem Kontext heraus wird dagegen deutlich, daß Paulus seine eigene Tauflehre und -praxis ganz entschieden von der hier beschriebenen Taufpraxis abgrenzt. Die Taufe für die Toten war vielmehr offensichtlich ein Brauch jener Gruppierung, die die Auferstehung leugnete.

 

Wie die in Korinth aufgetretenen falschen Lehrer dazu kamen, eine solche Praxis einzuführen, ist nicht mehr auszumachen. Vielleicht lagen die Wurzeln dieses Brauches in den antiken Mysterienreligionen, denn immerhin lag oberhalb des Saronischen Golfs, nördlich von Korinth, Eleusis, ein wichtiges Kultzentrum, das schon Homer besang (Hymne an Demeter 478-79) und das große Anziehungskraft besaß (vgl. Cicero, der selbst Eingeweihter der Eleusinischen Mysterien war, in de Legibus 2. 14. 36). Zu den Einweihungsriten dieser heidnischen Religion gehörte die Vollziehung bestimmter Reinigungsrituale im Meer, deren Absolvierung die Vorbedingung für die Hoffnung auf ein glückliches Leben im Jenseits war (vgl. Pindar. Fragment 212; Sophokles, Fragment 753). Es gab aber auch so etwas wie eine stellvertretende Teilnahme an den Mysterien (vgl. Orphika, Fragment 245).

 

Da die Korinther ohnehin zu Auswüchsen in ihrer kirchlichen Praxis neigten (11,2-14,40), ist anzunehmen, daß einige Leute (möglicherweise beeinflußt von der Eleusinischen Mysterienreligion) in der Gemeinde ein falsches Taufverständnis propagierten, das Paulus an dieser Stelle aufgreift und als Argument gegen diejenigen, die die Auferstehung leugneten, verwendet.

 

Auch das ist keine vollständig zufriedenstellende Deutung des Textes, doch für diese Auslegung spricht vor allem auch der griechische Text - ein Vorteil, den die anderen Erklärungen zumeist nicht haben. Zu dieser Sichtweise paßt auch, daß Paulus davon spricht, daß sich »einige« - von denen er die Christen (»wir«) eindeutig abhebt - für die Toten taufen lassen.

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