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Die bleibende Bedeutung der Befreiungstheologie


Ralf
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Hallo.

 

Die Befreiungstheologie hat in den 80ern so manche Gruppenbildung in der Kirche gefördert - auch noch heute kann man in Europa zumeist ahnen, wer sie gut findet und wer nicht und wie diese Person dann auch zu anderen Kirchenthemen steht.

 

Am Ort des Ursprungs sieht es damit manchmal schon ganz anders aus (es gibt nicht wenige theologisch konservative und sozial sehr engagierte Bischöfe).

 

Was ist die m.M. nach bleibende Bedeutung der Befreiungstheologie? Ich denke, es ist das wieder in Erinnerung gerufene Eingreifen Gottes in der heutigen(!) Geschichte der Menschen, die etwas andere Interpretation des Begriffes "das neue Israel" - die ja übrigens auch nicht verurteilt wurde (das waren vielmehr die simplifizierte Dependenztheorie, der Anspruch, das Reich Gottes auf Erden politisch errichten zu können etc.).

 

Die Annäherung Gottes an unsere Geschichte endete nicht mit der nicht überbietbaren Menschwerdung seines Sohnes, daraufhin dann der Einsetzung der Kirche, sondern wirkt darüber hinaus (immer mit der Rückbindung an Christus, das ist klar). Gott will sein Volk befreien, hat durch das vollendete Opfer die Sündenverstrickung gelöst. War aber "nur" die Sünde das alte Ägypten? Wenn Gott uns aus der Verbannung führt, ist damit nur die Sünde des einzelnen gemeint oder nicht auch die Ungerechtigkeit dieser Welt? Natürlich, das einfache Feindbild zu Beginn der Befreiungstheologie mit der Identifizierung der herrschenden Bevölkerungsminderheit mit Ägypten war falsch, da sind wir uns wohl einig - nicht umsonst gibt es eine häufige Verkürzung der Bergpredigt, wo man sich die "Rosinen" rauspickte. Aber dennoch, das Anliegen bleibt. Gott will befreien. Aus Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Die Sünde, deren Schuld Jesus getragen hat, beinhaltet das individuelle Trennen von Gott ebenso wie eine Implementierung von tief unmenschlichen Strukturen.

Was meint Ihr?

 

Paz y bien,

Ralf

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Hallo lieber Ralf,

was ist eigentlich genau ‚Befreiungstheologie’? Sie begegnete mir bisher nur in der Person jenes Ernesto Cardenal, aus dessem ‚Diario Cubano’ ich im Kommunistenthread die unsäglichen Zitate aufzeigte, die ich als grässliche Fratze eines Glaubens empfand. Weiter sehe ich den Glauben an Christus vom Wesen her als Befreiung des Menschen aus den Fesseln der Angst und der Hoffnungslosigkeit. Will Befreiungstheologie Etwas Anderes?

 

Und: Kannst Du Dir eine Sünde vorstellen ohne Sünder??

 

Gruß

Charlene

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Liebe Charlene,

 

wenn es den Menschen gelingt, sich aus Hoffnungslosigkeit und Angst zu befreien - oder im Glauben befreit zu werden -, sind auch andere Probleme lösbar. Die Befreiung erfolgt auf mehreren Ebenen.

 

Die strittige Frage ist u.a., was hat Priorität in der Nachfolge Jesu. Was ist sein Anliegen: Das Wort oder das Brot? Die Argumentation für das Brot ist schon zu verstehen: Wer hungert, kann nicht beten.

 

Oder anders: Um welche Befreiung geht es primär?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Liebe Charlene,

 

das Wesen des Christentums inst in der tat die befreiung aus Angst und Hoffnungslosigkeit - aber nur dadurch, indem man die Urschen derselben beibehält und relativiert?

Befreiungstheologie darf man nicht nur an Personen wie Cardenal (dessen Evangelium aus Solentiname durchaus lesenswert ist, auch wenn sich manchmal die Fingernägel ausrollen) oder Boff festmachen. Die Verquickung dieses Anliegens durch manche Exponenten mit den sozialistischen Systemen ist sehr bitter und hat viel zur Dikreditierung beigetragen. Doch diese Theologie ist zutiefst politisch - ebenso wie es der Auszug aus Ägypten war.

Und die Befreiungstheologie bringt das in Erinnerung - sie liefert die Basis dafür, dass politisches Engagement für mehr Gerechtigkeit nicht unchristlich ist, sondern vielmehr dem Auftrag eines Christenmenschen (bei entsprechender Berufung!) entspringen kann. Lediglich die häufig angewandten Mittel und der Gedanke, durch militante Bekämpfung des Oppressors befreie man diesen selbst aus einer Art dämonischer Umklammerung, erscheinen mir mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar.

 

Paz y bien,

Ralf

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Man darf - oder soll - die Befreiungstheologie nicht aus ihrem geographischen, politischen und historischem Kontext lösen. Sie war eine theologische Antwort auf die Vebrüderung mit der wirtschaftlichen und politischen Macht, eine Versuchung, der die Kirche nicht nur in den Ländern des 'Südens' gerne erlag. In gewisser Weise war sie die Wiederentdeckung der Armen und Entrechteten als jene Menschen, denen die Kirche zuallererst Solidarität schuldet. Mag auch dort und da Maß und Ziel verfehlt worden sein, das andere Extrem, die angesprochene Verbrüderung mit den Reichen und Mächtigen, ist nicht minder falsch, eine strukturelle Sünde, die wir nur deshalb als 'lässlich' oder von geringem Gewicht empfinden, weil wir an sie gewöhnt sind.

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Nach wie vor konnte mir noch niemand ein politisches oder wirtschaftliches System zeigen, welches in der Praxis keine strukturelle Sünde aufweist. Die darin agierenden Menschen sorgen mit ihren Fehlern und Schwächen dafür, dass immer ein Ungleichgewicht auf Kosten anderer entsteht. Dafür sorgt der homo oeconomicus, der mehr will, als er eigentlich benötigt, und das dauerhaft. Da dieses Streben in der Geschichte bislang immer für eine Mehrheit der Gesellschaft zutraf (auch wenn nur eine kleine Minderheit reich war), kann man dieser strukturellen Sünde nur schwer entgehen.

 

Ein Beispiel, mal nicht auf den Kapitalismus bezogen: In Georgien herrschen üble wirtschaftliche Zustände, einige Familien beherrschen mafiosiartig das Land, 40% aller Geschäfte unterliegen der Korruption, Löhne werden genauso wie Stromrechnungen nur auf goodwill-Basis bezahlt und die Rechtssprechung orientiert sich an der Bestechung. Schwer, diesem Wirtschaftssystem überhaupt einen treffenden Namen zu geben.

 

Gibt es einen Weg aus der strukturellen Sünde? Indem man sich etwa politisch engagiert und auf dem Weltmarkt für eine gerechtere Verteilung und gerechtere Preise kämpft? Die Rechtssprechung beeinflusst? Oder indem man aussteigt, um sich nicht schuldig zu machen?

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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Lieber Wolfgang,

 

Du hast vollkommen Recht, jedes System hat strukturelle Defizite, weist eine "strukturelle Sünde" auf. Es sind Systeme aus Menschenhand. Menschen können getauft werden, Systeme nicht.

Es geht dabei um eine Minimierung soweit wie sie unserer menschlichen Schwäche möglich ist, geradezu unter der Bedingung, dass diese Schwäche auch Freiheiten genießt. Eine große Herausforderung für alle. Richtigerweise liefert die Kirche da keine Patentrezepte, balanciert zwischen den Positionen, das Wohl des Mesnchen im Blick. Denn darauf kommt es an: wie immer irgendein System auch heißen möge, der Dienst am Menschen - nicht umgekehrt - steht im Vordergrund und ist höchstes und edelstes Ziel.

 

Was erleben wir zur Zeit? Die Entwicklung von der Postulierung einer Gesellschaft, die einen Markt hat zu einer Gesellschaft, die ein Markt ist. Gängige Worte spiegeln dies am deutlichsten wider, vielleicht gerade weil sie so selbstverständlich geworden sind:

 

- Humankapital

- sich verkaufen können

- Angebot an Arbeitskräften

- sich am Markt positionieren

- der Mensch als wichtigste Ressource (siehe Bildungsdebatte)

 

Hier werden, täglich erleben wir dies, Adjektive von Produkten auf Menschen angewandt - mit der schleichenden Folge, dass Menschen als zu handelnde Ware verstanden und so behandelt werden.

 

Was kann man dagegen tun? Nicht mitmachen, es ansprechen, wenn einem so etwas begegnet. Sensibilisieren. Das wäre der erste Schritt. Wirklich aus und mit Freiheit ändern kann man nur von unten.

 

Paz y bien,

Ralf

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Lieber Ralf,

 

>>Wirklich aus und mit Freiheit ändern kann man nur von unten. <<

 

das halte ich für ein Gerücht - ja sogar für unmöglich.

 

Gruß

Erich

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Ohne direkt Bezug auf einen der obigen Beiträge möchte ich gerne noch zwei weitere Aspekte in dieses Gespräch einbringen:

1. Wir Christen haben durch das Gebet doch die grösste Macht der Welt "in unseren Händen".

Weshalb sind wir nur immer so kleingläubig?

Weshalb wird diese Obtion zur Hilfe so selten erwähnt?

 

2. Die Worte Christi, dass er gekommen sei wegen der Sünder, könnte man die denn nicht auch so auslegen, dass ja gerade die "Bösen Mächtigen eines Staates" solche Sünder sind und dass eigentlich diese unsere Zuwendung und Nächstenliebe erfahren sollten? Dass wir eben genau diese "ins Gebet nehmen"?

(Gegen allfällige Missverständnisse: Ich meine dennoch, dass man auch den materiell Armen helfen soll.)

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Ein guter Hinweis, ziska. Die Zöllner waren die Kollaborateure und Profiteure der verhassten Fremdherrschaft schlechthin. Jesus hat sie wohl eher nicht bekämpft.

 

Hätte er sich nach befreiungstheologischen Gesichtspunkten nicht den Zeloten (oder einer anderen Gruppe) anschließen müssen.

 

Sind Arme "gut", weil sie arm sind?

Sind Reiche "schlecht", weil sie reich sind?

 

 

Herzliche Grüße

Martin

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Zitat von Charlene am 14:24 - 19.Januar.2003

Hallo lieber Ralf,

was ist eigentlich genau ‚Befreiungstheologie’? Sie begegnete mir bisher nur in der Person jenes Ernesto Cardenal, aus dessem ‚Diario Cubano’ ich im Kommunistenthread die unsäglichen Zitate aufzeigte, die ich als grässliche Fratze eines Glaubens empfand. Weiter sehe ich den Glauben an Christus vom Wesen her als Befreiung des Menschen aus den Fesseln der Angst und der Hoffnungslosigkeit. Will Befreiungstheologie Etwas Anderes?

 

Und: Kannst Du Dir eine Sünde vorstellen ohne Sünder??

 

Gruß

Charlene

 


 

Hallo Charlene,

ohne vollständig zu sein, ein paar Anmerkungen zum Thema Befreiungstheologie

 

1. Befreiungstheologie ist in Süd- und Mittelamerika beheimatet (gewesen).

2. Befreiungstheologie ist eine Kirchenbewegung 'von unten' Sie hat die Armen im Blick als erste Adressaten des Evangeliums.

3. Ein typisches Element aus der Welt der Befreiungstheologie sind die sog. Basisgemeinden. Das sind Gemeinden von ursprünglich Armen (etwas wohl nicht untypisches in Lateinamerika), die nach dem Vorbild der Urgemeinde leben.

4. Die Befreiungstheologie geht davon aus, dass die Transzendenz Gottes in diese Welt hineinreicht. Die Armen können in ihrem Bibelverständnis und in ihren Basisgemeinden zu einem Verständnis dieser Transzendenz gelangen (was ja ein Stück weit ein eher protestantischer Ansatz ist).

5. Diese Perspektive aus der Sicht der Armen ist, wie schon weiter oben angemerkt ein, auch eine Kritik an einer sehr konservativen, mit den Mächtigen verbündeten Kirche Lateinamerikas gewesen. Dieser Kritik schlossen sich auch viele Bischöfe an (Kardinal Arns, Kardinal Lorscheider u.v.a.). Die Nähe zu marxistischen Ideen ist dabei unverkennbar und war dann letztlich auch das Verhängnis der Befreiungstheologie.

 

Und noch etwas zum Thema strukturelle Sünde (Deine letzte Frage): Da geht es darum, dass auch Strukturen sündhaft sein können. Diese werden natürlich von Menschen gemacht. Es geht um ie Frage, ob wir nicht sündigen, wenn wir etwa Bananen kaufen, die deshalb so billig sind, weil die Leute, die sie produzieren, ihre Arbeiter ausbeuten. Ist es eine Sünde, eine Banane zu kaufen?

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Die Befreiungstheologie machte (und macht!) eine Verschiebung der Adressaten: aus den Armen als Objekte der caritativen Pastoral wurden und werden Subjekte der Kirche. Frei nach Jakobusbrief: unter Euch sind nicht viele angesehene und reiche Menschen.

 

Paz y bien,

Ralf

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Zitat von Martin am 10:56 - 21.Januar.2003

Wenn das so war und ist, dann ist dieser Punkt ein Pluspunkt, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, Ralf.

 

Hallo Martin,

so ist es.

Verbunden damit war ja auch eine Solidarisierung von Teilen der kirchlichen Hierarchie mit den Armen. So hat m.W. der Erzbischof von Sao Paulo seinen Bischofspalast Armen überlassen und ist in eine einfache Unterkunft gezogen,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Das ist mir schon wieder etwas zu pompös als Geste, Matthias, und wahrscheinlich auch unpraktisch. Wäre es nicht besser, den Palast zu verkaufen und für das Geld eine zweckmäßige Infrastruktur zu schaffen?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Es ist politisch nicht so geschickt, gleich ein ganzes Paket von Maßnahmen miteinander zu verbinden. Hilfe zur Selbsthilfe und Kritik z.B.. Es ist offensichtlich kontraproduktiv und hat damit das eigentliche Ziel verfehlt.

 

So sympathisch der Gedanken hinter der Befreiungstheologie auch sind, es bleibt dennoch zu fragen, wie die Sicht Jesu zur Befreiungstheologie gewesen wäre.

 

Läßt sich das sagen?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Gewesen wäre? Hab’ ich was verpasst? Ist Er verstummt?

 

Ich denke, ich habe dich nicht missverstanden, Martin. Aber ich finde es immer so drollig, wenn in der Kirche über Jesus wie über einen leider viel zu früh dahingeschiedenen Ahnherrn gesprochen wird. Vielleicht liegt ja da der ganze Mangel der Gemeinde. Was sagt Jesus über die Befreiung der Armen? Aktuell. Heute, in unsere Zeit hinein! Propheten und Hirten an die Front …

 

(Geändert von Echo Romeo um 15:14 - 21.Januar.2003)

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Zitat von Martin am 14:25 - 21.Januar.2003

Das ist mir schon wieder etwas zu pompös als Geste, Matthias, und wahrscheinlich auch unpraktisch. Wäre es nicht besser, den Palast zu verkaufen und für das Geld eine zweckmäßige Infrastruktur zu schaffen?

 

Herzliche Grüße

Martin

 

 


 

Hallo Martin,

es fällt mir schwer aus meiner Perspektive und mit meinem Wissen diese Geste angemessen zu beurteilen. Immerhin hat der Bischof ja seinem Nachfolger eine eigene Entscheidung zu dem Thema offen gelassen und sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt, Kirchengut zu verschleudern.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Zitat von Echo Romeo am 15:13 - 21.Januar.2003

Gewesen wäre? Hab’ ich was verpasst? Ist Er verstummt?

 

Ich denke, ich habe dich nicht missverstanden, Martin. Aber ich finde es immer so drollig, wenn in der Kirche über Jesus wie über einen leider viel zu früh dahingeschiedenen Ahnherrn gesprochen wird. Vielleicht liegt ja da der ganze Mangel der Gemeinde. Was
sagt
Jesus über die Befreiung der Armen? Aktuell. Heute, in unsere Zeit hinein! Propheten und Hirten an die Front …

 

(Geändert von Echo Romeo um 15:14 - 21.Januar.2003)


 

Hallo Peter,

 

die Befreiungstheologie hat eine Tatsache ernst genomen, nämlich, dass die Urgemeinden vermutlich weitgehend aus Leuten der armen und einfachen Schichten bestanden und dass die Evangelien dementsprechend an solche Leute gerichtet ist.

Jesus hat sich nach biblischem Zeugnis vor allem an das einfache Volk gewendet und diesem das Reich Gottes verkündet. Die Reichen wollten nicht hören.

Eine Kirche ohne die Armen oder ohne die Perspektive der Armen tut sich mit Jesu Botschaft schwer. Das haben die Befreiungstheologen m.E. durchaus richtig erkannt.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Ich denke - ohne von Befreiungstheologie allzuviel zu wissen - daß darin wohl kaum ein Problem liegt. Daß den Armen die Frohe Botschaft zu verkünden ist, ist a) nichts Neues in der Geschichte der Kirche und B) gibt es viele Beispiele von Franz von Assisi (und sicher auch dvor) bis Mutter Theresa.

 

Ist bzw. war es nicht so, daß die Boffs und Konsorten deshalb mit Rom aneinandergerieten, weil sie

 

a) die Botschaft Jesu weitgehend auf ein irdisches Reich Gottes für die Armen reduzierten und

 

B) Armut als Wert für sich glorifizierten, so daß das Evangelium für die Reichen (also uns alle) keine wirkliche Erlösungsbotschaft mehr bedeutet.

 

Kann jemand das mit etwas mehr Fachwissen ergänzen bzw. widerlegen?

 

Und ist nicht - allem Knatsch zum Trotz - der Befreiungstheologie als Verdienst zuzurechnen, daß sich die Kirche heute im Zweifelsfall - wenn auch nicht mit der oben skizzierten überzogenen Radikalität - auf die Seite der Armen stellt (Entschuldung, Soziallehre etc.) Gerade JPII hat ja in dieser Hinsicht mehrfach mit dem Löffel in die Wohlstandssuppe der Industrieländer gehauen - leider mit wenig Erfolg selbst bei Parteien mit dem C im Namen.

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Zitat von Echo Romeo am 15:13 - 21.Januar.2003

Gewesen wäre? Hab’ ich was verpasst? Ist Er verstummt?

 

Ich denke, ich habe dich nicht missverstanden, Martin. Aber ich finde es immer so drollig, wenn in der Kirche über Jesus wie über einen leider viel zu früh dahingeschiedenen Ahnherrn gesprochen wird. Vielleicht liegt ja da der ganze Mangel der Gemeinde. Was
sagt
Jesus über die Befreiung der Armen? Aktuell. Heute, in unsere Zeit hinein! Propheten und Hirten an die Front …

 

(Geändert von Echo Romeo um 15:14 - 21.Januar.2003)


 

 

Echo, du bist auf dem falschen Dampfer bei der Formulierung. Es geht mir einfach darum, Jesus nicht einfach etwas in den Mund zu legen, sondern sauber zu formulieren. Er hat nichts zur "südamerikanischen Befreiungstheologie" gesagt. Im NT ist dazu konkret nichts überliefert. So können wir also aus dem, was überliefert wurde, unsere Schlüsse ziehen. Die einen werden dieses finden, die anderen jenes.

 

Und was eine Prophezeiung - direkt mit Jesu Worten angeht - da bin ich etwas vorsichtig.

 

Ich habe es in einem anderen Beitrag schon mal gesagt - er hat nicht nur Arme berufen, bei den Zöllnern lag die Kohle ganz gut auf dem Tisch. Und Arme sind nicht per se die guten Christen. Sie können es sein, aber müssen es nicht. Und was die Armen anstellen, wenn sie an der Stelle eines Reichen stehen, bleibt dann auch noch offen. Reichtum und Macht sind beachtliche "Versucher".

 

Da sind einige Fragen offen.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Hierin kann ich Martin nur zustimmen, Jesu Botschaft erging sicherlich an alle. Immerhin lässt sich von den Aposteln, deren Beruf genannt wird, sagen, dass sie zur unteren Schicht gehört haben. Wie (spätestens) den Paulusbriefen entnommen werden kann, hatte die Urgemeinde allerdings auch einige zahlungskräftige Mitglieder, die ihre Glaubensgeschwister nach Kräften unterstützten. Auch ein Nikodemus darf als Jünger gelten. Und man sollte auch nicht vergessen, dass das Leben der Urgemeinde davon geprägt war, dass man mit einer unmittelbaren Wiederkunft Jesu Christi rechnete.

 

Der (hohe) Wert der Befreiungstheologie liegt für mich in der Sensibilisierung der Kirche, aber auch weltweit, für die Situation der Armen. Sie führte zu einer Umkehr im Denken, und das war sicherlich überfällig. Dass sie etwas über das Ziel hinausschoss, liegt in der Natur einer Idee, die an Grundfesten rüttelt.

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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Mk 10, 21-25

 

Von Reichtum und Nachfolge

 

Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!

Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!

Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

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Als ich als kleines Kind die Geschichte mit dem Kamel zum ersten Mal hörte, zuckte ich nur mit den Schultern: "Es ist für Gott doch überhaupt kein Problem, so eine grosse Nadel zu machen, damit dann das Kamel problemlos durch dessen Ör gehen kann."

 

Da können wir nochmals Martin fragen, wie das war mit arm und gut oder nicht gut und reich und gut und nicht gut und so.

 

Aber ist die eigentliche Frage nicht viel eher, ich versuchte es schon einmal anzutönen auf Seite 1, wer denn nun die Armen im christlichen Sinn sind. Und wer nun wirklich christliche Hilfe braucht.

Und ob sich der christliche Missionsgedanke nicht eben eher um das Seelenheil dreht.

Und dann möchte ich hier noch ganz dringend auf einen Ausspruch hinweisen, der weiter oben irgendwo steht. Nämlich dass man mit Hunger weniger gut beten könne. Und das denke ich entschieden nicht. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Und vielleicht ist genau da das Problem der Reichen und dem Himmel.

Was meint ihr?

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Wie sieht es aus mit Zacharias. Hat er nicht die Hälfte seines Geldes gegeben? Jesu Worte sprachen vom Heil für sein Haus.

 

Und der junge Mann fragte nach dem Himmel, wie er dort hin kommt. Jesus antwortete, daß er die Gebote halten solle. Er sagte, das mache er schon. Und Jesus sagte daraufhin: Wenn du VOLLKOMMEN sein willst, dann ... .

 

Und ziska, das ist auch gut. Es gibt vielleicht große Nadeln und kleine Kamele.

 

Herzliche Grüße

Martin

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