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Zweites Hemd


nannyogg57
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Eventuell lässt sich die Frage nach der angemessenen Jesusnachfolge hier weiterführen, so dass wir der Erziehungsfrage, der Verquickung von Religion und Staat und der Frage nach den Must-to-have-Dogmen (Jungfräulichkeit) und Nice-to-have-Dogmen (Homosexualität geht gar nicht) aus dem Weg gehen können.

 

Ich muss gestehen, dass mich das schon umtreibt, speziell, weil es halt so ist, dass Jesus das damals original und wortwörtlich so gemeint hat: Kein zweites Hemd.

 

Gut, ich bin eher der T-Shirt-Typ, ich habe gar kein Hemd (wenn man nicht fragt, wie viel ich in meinem Theaterfundus habe, aber nicht trage), aber ob ich damit dem Schriftwort gerecht werde?

 

Das mit der Geldbörse kann man gleich in die Tonne treten: Natürlich habe ich eine. Eventuell wäre ein hundertprozentiger Umstieg auf e-cash biblisch angebracht.

 

Wanderstock brauche ich nicht, ich habe ein E-Bike, zwei Fahrräder und ein Auto.

 

Brotzeit mitnehmen um in der Pause nicht zu verhungern - gelegentlich braucht es das echt nicht und man kann sich im Lehrerzimmer durchfuttern, weil jemand Geburtstag hat und was zum Essen mitgebracht hat.

 

Und dann: Ich wette, dass weder Paulus noch Petrus nach Jesu Auferstehung sich an diese Regeln gehalten haben.

 

Dann war noch was mit Sandalen, glaube ich. Nur ein Paar oder gar keine. Vergesst es. Sandalen schauen furchtbar aus.

 

 

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Ich denke, dass es bei der Jesusnachfolge heute weniger auf die Wanderausrüstung, sondern auf die "soft skills" ankommt: Liebe, Zuwendung, Barmherzigkeit. Aber ich bin mir schon ziemlich sicher, dass die Aussendungen damals so gemeint waren, wie sie überliefert sind. Und dass die ersten Frauen und Männer, die damals loszogen, sich daran auch gehalten haben. Dafür, dass Verkündigung und Armut zusammen gehören, gibt es ja viele weitere Beispiele in der Kirchengeschichte, von den Styliten über Franziskus bis in die moderne Zeit.

PS: Ich trage auch keine Sandalen. Angeblich sollen ja Männer in Sandalen mit Socken der grauenhafteste Anblick in allen Zivilisationen nördlich der Antarktis sein und zum sofortigen gesellschaftlichen Tod führen. Und den Anblick meine Füße ohne Socken will wiederum ich niemandem zumuten. Aber da sich die Aussendungsreden ja ohnehin nicht auf mich beziehen...

Alfons

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Der Sohn Gottes hatte drei Dinge, die heute wohl nur einem Bruchteil der Menschen zur Verfügung stehen:

 

1. persönliche Bedürfnislosigkeit (kann man lernen)

2. persönliche Bindungslosigkeit (kann man machen)

3. persönlichen Fanclub (den zu kreieren ist nicht ganz so einfach).

 

Wenn ich 1. nichts bräuchte und 2. niemanden versorgen müsste und 3. immer noch ein Groupie hätte, bei dem ich zu futtern bekäme und übernachten könnte, fiele es mir auch nicht sooo schwer den Weisungen der Aussendungsreden zu folgen.

 

Mit 5 Mäulern zu stopfen (und dafür 10 Hemden brauchend), einer Dauermedikamentation und ohne Groupie wird man zwar zur weitgehenden Bedürfnislosigkeit gezwungen, aber das war glaube ich nicht das jesuanische Ideal.

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vor 26 Minuten schrieb Flo77:

Der Sohn Gottes hatte drei Dinge, die heute wohl nur einem Bruchteil der Menschen zur Verfügung stehen:

 

1. persönliche Bedürfnislosigkeit (kann man lernen)

2. persönliche Bindungslosigkeit (kann man machen)

3. persönlichen Fanclub (den zu kreieren ist nicht ganz so einfach).

 

Wenn ich 1. nichts bräuchte und 2. niemanden versorgen müsste und 3. immer noch ein Groupie hätte, bei dem ich zu futtern bekäme und übernachten könnte, fiele es mir auch nicht sooo schwer den Weisungen der Aussendungsreden zu folgen.

 

Mit 5 Mäulern zu stopfen (und dafür 10 Hemden brauchend), einer Dauermedikamentation und ohne Groupie wird man zwar zur weitgehenden Bedürfnislosigkeit gezwungen, aber das war glaube ich nicht das jesuanische Ideal.

Paulus sah das Problem und äußerte sich dazu in 1 Kor 7 ausführlich und inklusivistisch.

 

Lukas löste das Problem, indem er mit dem Schwertwort die strengen Regeln der Aussendungsrede wieder aufhebt.

 

 

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vor 44 Minuten schrieb Alfons:

Ich denke, dass es bei der Jesusnachfolge heute weniger auf die Wanderausrüstung, sondern auf die "soft skills" ankommt: Liebe, Zuwendung, Barmherzigkeit. Aber ich bin mir schon ziemlich sicher, dass die Aussendungen damals so gemeint waren, wie sie überliefert sind. Und dass die ersten Frauen und Männer, die damals loszogen, sich daran auch gehalten haben. Dafür, dass Verkündigung und Armut zusammen gehören, gibt es ja viele weitere Beispiele in der Kirchengeschichte, von den Styliten über Franziskus bis in die moderne Zeit.

PS: Ich trage auch keine Sandalen. Angeblich sollen ja Männer in Sandalen mit Socken der grauenhafteste Anblick in allen Zivilisationen nördlich der Antarktis sein und zum sofortigen gesellschaftlichen Tod führen. Und den Anblick meine Füße ohne Socken will wiederum ich niemandem zumuten. Aber da sich die Aussendungsreden ja ohnehin nicht auf mich beziehen...

Alfons

Pediküre ist nicht verboten ...

 

Ich prokrastiniere hier gerade, anstatt zu arbeiten ...

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Mein Gedanke dazu: Jesus hat das schon so gemeint. Aber: Bei der Aussendung der 72 Jünger. Ich denke mal, er hatte noch mehr, auch welche mit Besitz. Schließlich konnte ihm auch jemand sein Grab leihen.

Nicht jeder muss vollkommen besitzlos sein. Schon damals nicht.

Und ich denke auch: Heute noch nichter, gerade in unseren Breiten. Wir haben nicht nur keine Groupies, wir haben auch keine orientalische Gastfreundschaft. Und ein anderes Klima. Und ein anderes Sozialsystem. Besitzlos geht nicht, in Deutschland. schon allein, weil man irgendwo gemeldet, weil man krankenversichert etc. sein muss. Also schon, aber dann wird es schwierig, einem Beruf nachzugehen. Von allen anderen Schwierigkeiten mal abgesehen.

Ich würde für mich persönlich eher übersetzen: Nichts mitnehmen, was ich nicht für meinen Auftrag brauche. (Den Stab darf man ja schließlich nehmen und ich glaube, ein paar Sandalen auch, aber sicher bin ich mir da nicht. Naja, wie auch immer. Jesus hatte schließlich auch Judas dabei, der sich um das finanzielle Management gekümmert hat. )

Und das scheint mir realistischer zu sein und gleichzeitig immer noch ziemlich anspruchsvoll: Sich zu prüfen: Brauche ich das wirklich, was ich besitze, um meinen Auftrag zu erfüllen?

 

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vor 6 Minuten schrieb nannyogg57:

Pediküre ist nicht verboten ...

 

Ich prokrastiniere hier gerade, anstatt zu arbeiten ...

Ich auch. Mykath ist tödlich in dieser Hinsicht.

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vor 4 Minuten schrieb nannyogg57:

Paulus sah das Problem und äußerte sich dazu in 1 Kor 7 ausführlich und inklusivistisch.

 

Lukas löste das Problem, indem er mit dem Schwertwort die strengen Regeln der Aussendungsrede wieder aufhebt.

Ich habe mich vor einiger Zeit mal auf englisch-sprachigen Ratgeberseiten für werdende Bräute rumgetrieben und mich dabei echt über die Diskussionen amüsiert, wieviele Gedecke man denn haben sollte. Der Durchschnitt lag glaube ich bei 8. Folgt man Christus reicht ja eigentlich 1 Butterbrotdose pro Person. Ich habe allerdings Geschirr für über 60 Personen im Haus. Da hilft mir Paulus nur bedingt weiter.

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Jesus ging, wenn ich das richtig verstanden habe, davon aus, dass die Welt noch zu seinen lebt Zeiten untergeht. Da reißt man dann schon mal mit leichtem Gepäck. Für uns heute ist das nicht wirklich eine Hilfe. ;)

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@ Flo 77: Jesus hat sich zum Essen eingeladen. Das einzige Mal, wo er selber einen ausgegeben hat, war das Abendmahl und - mit Unterstützung eines Spenders - bei der Brotvermehrung.

 

Und das ist die ungeschriebene Kehrseite der Medaille. Denn irgendwer muss die JüngerInnen durchfüttern, aber über deren Status schweigt sich das Evangelium aus.

 

PS: Gedecke sind im engeren Sinn kein Problem. Es gibt kein Verbot von mitgeführten Gabeln, Messern oder Löffeln. Smartphones sind auch nicht verboten.

Edited by nannyogg57
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Gerade eben schrieb nannyogg57:

Jesus hat sich zum Essen eingeladen. Das einzige Mal, wo er selber einen ausgegeben hat, war das Abendmahl und - mit Unterstützung eines Spenders - bei der Brotvermehrung.

 

Und das ist die ungeschriebene Kehrseite der Medaille. Denn irgendwer muss die JüngerInnen durchfüttern, aber über deren Status schweigt sich das Evangelium aus.

Doch: Wer einem dieser kleinen auch nur ein Glas Wasser zu trinken gibt, weil sie zu mir gehören, wahrlich, ich sage euch, er wird nicht um seinen Lohn kommen.

Naja, ob wir jetzt nur von Wasser leben können ist eine andere Frage ;)

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vor 1 Minute schrieb Marcellinus:

Jesus ging, wenn ich das richtig verstanden habe, davon aus, dass die Welt noch zu seinen lebt Zeiten untergeht. Da reißt man dann schon mal mit leichtem Gepäck. Für uns heute ist das nicht wirklich eine Hilfe. ;)

Das, was Jesus geboten hat, für irrelevant zu erklären, also für symbolisch oder irgendwie nicht up-to-date: Das ist Thema jeder zweiten Sonntagspredigt. 

 

 

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vor 1 Minute schrieb theresa???:

Doch: Wer einem dieser kleinen auch nur ein Glas Wasser zu trinken gibt, weil sie zu mir gehören, wahrlich, ich sage euch, er wird nicht um seinen Lohn kommen.

Naja, ob wir jetzt nur von Wasser leben können ist eine andere Frage ;)

Ein A&A hat meine ganzen Dateien gerettet. Jetzt kommt er, wenn man das Glas Wasser symbolisch versteht, in den Himmel.

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vor 1 Minute schrieb nannyogg57:

Das, was Jesus geboten hat, für irrelevant zu erklären, also für symbolisch oder irgendwie nicht up-to-date: Das ist Thema jeder zweiten Sonntagspredigt. 

 

 

Und in den jeweils anderen geht es um das Wetter oder die Ferien ;)

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Wobei Dateien retten mehr ist als ein Glas Wasser und die Bibelstelle sagt "nur ein Glas Wasser". Nix symbolisch.

 

PS: Warnung an A&As: Wenn ihr Christen was zum Trinken gebt, dann kommt ihr automatisch in den Himmel.

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vor 2 Minuten schrieb theresa???:

Und in den jeweils anderen geht es um das Wetter oder die Ferien ;)

Oder dass die Medien an allem schuld sind und dass die Kids immer am Smartphone hängen.

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vor 5 Minuten schrieb nannyogg57:

Das, was Jesus geboten hat, für irrelevant zu erklären, also für symbolisch oder irgendwie nicht up-to-date: Das ist Thema jeder zweiten Sonntagspredigt. 

 

Das tut mit leid.

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vor 9 Minuten schrieb nannyogg57:

Wobei Dateien retten mehr ist als ein Glas Wasser und die Bibelstelle sagt "nur ein Glas Wasser". Nix symbolisch.

 

PS: Warnung an A&As: Wenn ihr Christen was zum Trinken gebt, dann kommt ihr automatisch in den Himmel.

 

Nein, nur die Christen glauben, daß wir dann in den Himmel kommen. Das tut nicht weh, und da es sicher nett gemeint ist, spricht nichts dagegen. ;)

Edited by Marcellinus
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vor 9 Minuten schrieb nannyogg57:

@ Flo 77: Jesus hat sich zum Essen eingeladen. Das einzige Mal, wo er selber einen ausgegeben hat, war das Abendmahl und - mit Unterstützung eines Spenders - bei der Brotvermehrung.

Und nicht mal das letzte Abendmahl hat Jesus selbst ausgerichtet sondern hat ausgenutzt, daß andere Raum und Einrichtung für solche Anlässe vorhalten. Ich habe auch meine Zweifel, daß er das Lamm geschlachtet und zubereitet hat. Vom Matzen backen mal ganz abgesehen.

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vor 19 Minuten schrieb theresa???:

Mein Gedanke dazu: Jesus hat das schon so gemeint. Aber: Bei der Aussendung der 72 Jünger. Ich denke mal, er hatte noch mehr, auch welche mit Besitz. Schließlich konnte ihm auch jemand sein Grab leihen.

Nicht jeder muss vollkommen besitzlos sein. Schon damals nicht.

Und ich denke auch: Heute noch nichter, gerade in unseren Breiten. Wir haben nicht nur keine Groupies, wir haben auch keine orientalische Gastfreundschaft. Und ein anderes Klima. Und ein anderes Sozialsystem. Besitzlos geht nicht, in Deutschland. schon allein, weil man irgendwo gemeldet, weil man krankenversichert etc. sein muss. Also schon, aber dann wird es schwierig, einem Beruf nachzugehen. Von allen anderen Schwierigkeiten mal abgesehen.

Ich würde für mich persönlich eher übersetzen: Nichts mitnehmen, was ich nicht für meinen Auftrag brauche. (Den Stab darf man ja schließlich nehmen und ich glaube, ein paar Sandalen auch, aber sicher bin ich mir da nicht. Naja, wie auch immer. Jesus hatte schließlich auch Judas dabei, der sich um das finanzielle Management gekümmert hat. )

Und das scheint mir realistischer zu sein und gleichzeitig immer noch ziemlich anspruchsvoll: Sich zu prüfen: Brauche ich das wirklich, was ich besitze, um meinen Auftrag zu erfüllen?

 

Du hast natürlich recht. Aber zuerst möchte ich der Sache auf den Grund gehen.

 

PS: Stab ist nicht. Kyniker hatten einen, Jesusjünger nicht.

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Gerade eben schrieb nannyogg57:

Oder dass die Medien an allem schuld sind und dass die Kids immer am Smartphone hängen.

Wir machen beide einen entscheidenden Fehler: Wir hören in der Predigt zu.

Naja, immerhin erzählen katholische Prediger nicht, bevor sie damit beginnen, noch den Predigttext fünf Minuten lang umständlich nach. Das passiert in evangelischen Gottesdiensten manchmal. Das deprimiert mich immer ein bisschen, weil ich den Text eigentlich schon beim Vorlesen gehört habe.

Ich bin froh, dass die hl. Messe nicht nur und nicht mal hauptsächlich aus Predigt besteht, weder der Zeit noch der Relevanz nach.

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Gerade eben schrieb nannyogg57:

Du hast natürlich recht. Aber zuerst möchte ich der Sache auf den Grund gehen.

 

PS: Stab ist nicht. Kyniker hatten einen, Jesusjünger nicht.

Oh. In der Bibel war ich auch mal fitter. Und jetzt gerade hätte ich aufstehen müssen, um nachzuschauen. Und vom Sofa aufstehen ist eine Leistung, zu der ich gerade noch Kraft sammeln muss ;)

 

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vor 2 Minuten schrieb nannyogg57:

Das ist jetzt ironisch, oder?

 

Nein, ernsthaft. Viele Christen (nicht alle, sicherlich), glauben, daß ihr Glaube auf Christus beruht. Nun sind Jesus und Christus nicht das Gleiche, aber dann wieder doch. Da zu glauben, dieser Jesus sei "irrelevant, symbolisch oder irgendwie nicht up-to-date", muß bitter sein. Das tut mir leid. 

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