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Zweites Hemd


nannyogg57

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vor 12 Stunden schrieb Flo77:

Wenn ich 1. nichts bräuchte und 2. niemanden versorgen müsste und 3. immer noch ein Groupie hätte, bei dem ich zu futtern bekäme und übernachten könnte, fiele es mir auch nicht sooo schwer den Weisungen der Aussendungsreden zu folgen.

Man kann es auch unfreundlicher ausdrücken: Der Sohn Gottes war ein Sozialschmarotzer.

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vor 9 Stunden schrieb nannyogg57:

Und was wäre die Message? Tragt Sandalen? Das RG ist nahe?

Die erste Message heißt: "Lies diesen Text!" Ob diese Message allerdings von Jesus stammt, von einem der Evangelisten oder von sonst einem Tradenten lässt sich nicht mit Sicherheit erkennen.

 

Inhaltlich gibt es eine Menge Unsicherheiten:

  1. Hat Jesus das wirklich gesagt? 
    Dass die Anhänger der modernen Exegese bei diesen Texten kein Argument gegen die Herkunft von Jesus finden, bedeutet noch lange nicht, dass Jesus dies auch wirklich gesagt hat.
  2. Hat Jesus das wirklich so gesagt, wie es in der Bibel steht?
    Auf jeden Fall nicht. Er hat es (wenn überhaupt) wahrscheinlich (mehr kann man auch nicht dazu sagen) in antikem Aramäisch oder Hebräisch gesagt.
  3. Wollte Jesus tatsächlich mit diesen Worten ausdrücken, dass es ihm um Hemden geht?
    Oder ging es um Lebensstil? Oder ging es um eine innere Logik der Missionsweise?
  4. Wenn Jesus tatsächlich der Ein-Hemdigkeit frönte: Ist Ein-Hemdigkeit wirklich gut? Will Gott das, was Jesus sagt?
    Wenn Jesus (in einem anderen Beispiel) sagte, dass die Toten tatsächlich ihre Toten beerdigen sollen und er tatsächlich dieser Meinung gewesen wäre (müsste man unter Punkt 3 noch mal diskutieren), könnte es sein, dass dies nicht gut ist und Gott einen solchen Umgang mit Verstorbenen ein Gräuel ist.
    Auch das mit dem Hemd: Das ist stinkig und unhygienisch. Das ist nicht gut - auch wenn es vielleicht positive Aspekte (kein Rumprotzen mit Besitz) enthält.
  5. An wen richtet sich das? 
    Meine Mutter hat darauf Wert gelegt, dass wir Kinder gelegentlich neue Hemden anzogen. Hat sie damit gegen des Wort Jesu verstoßen? Hat sie unsere Missionstätigkeit blockiert? Oder waren weder sie noch wir Kinder mit diesem Ausspruch gemeint?
    Aber: Wer ist dann überhaupt gemeint? Im Text gibt es dazu keine klaren Aussagen.

Diese Art und Weise, an einen Bibeltext heranzugehen, halte ich für verfehlt. Sie (die Art und Weise) geht von einer Menge Kenntnissen (1-5, Liste verlängerbar) aus, die allesamt fragwürdig sind.

 

Deshalb gehe ich an Bibeltexte grundsätzlich anders heran.

  1. Ich lese sie.
    Das finde ich erst mal das Wichtigste. 
    Dies ist übrigens eine Entscheidung: Ich bringe damit den biblischen Texten ein Vorschussvertrauen entgegen. Es gibt ganz viele Texte, die ich nicht lese, aber in der Bibel lese ich. Und gewähre den biblischen Texten Macht über mich.
  2. Dann vertraue ich darauf, dass diese Texte in mir arbeiten.
    Sie lösen weitere Gedanken aus. Sie werden einer (und zwar meiner) Beurteilung unterworfen. Sie zwingen mich, Stellung zum jeweiligen Text zu beziehen. 
    Allerdings kann dies auch Ablehnung bedeuten. Auch Ablehnung ist eine der möglichen Reaktionen. Denn ich bin nicht Sklave der Texte - auch wenn manche Texte so aussehen, als wolle mich der Verfasser zum Sklaven seiner Meinung machen. Aber das lasse ich nicht mit mir machen.
  3. Wenn meine Beurteilung positiv ausfällt, lasse ich mich von diesem Text bereitwillig prägen.
    Es entsteht eine Koproduktion: Einerseits heteronom, weil der Text ja von außen an mich herangetragen ist. Andererseits autonom, weil ich ja der Beurteilende bin. 
    Ich folge in dieser heteronom-autonomen Weise dem Text nach.
  4. Wenn eine Beurteilung negativ ausfällt (Ablehnung), dann lasse ich mich auch von diesem Text prägen.
    Allerdings prägt mich dann der Text, indem in mir etwas aufkommt, das dem Text nicht entspricht, sondern ihm widerspricht. 
    Texte, die Mord und Gräuel insinuieren, wirken zum Beispiel so, dass sie meine Entschlossenheit stärken, Mord und Gräuel zu bekämpfen.
    Auch in diesem Fall hat der Text Macht über mich, und zwar indem er die Gegenthese stärkt.
  5. Ergebnis ist: Der Text hat etwas in mir verändert. Und dann brauche ich mir keine ungeliebte Mühe machen, etwas zu befolgen, was ich innerlich ablehne. Sondern ich lebe einfach als jemand weiter, der von innen heraus authentisch geblieben ist ... und durch diesen Text geprägt wurde.
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vor 13 Minuten schrieb Mecky:
  1. Wenn meine Beurteilung positiv ausfällt, lasse ich mich von diesem Text bereitwillig prägen.
    Es entsteht eine Koproduktion: Einerseits heteronom, weil der Text ja von außen an mich herangetragen ist. Andererseits autonom, weil ich ja der Beurteilende bin. 
    Ich folge in dieser heteronom-autonomen Weise dem Text nach.
  2. Wenn eine Beurteilung negativ ausfällt (Ablehnung), dann lasse ich mich auch von diesem Text prägen.
    Allerdings prägt mich dann der Text, indem in mir etwas aufkommt, das dem Text nicht entspricht, sondern ihm widerspricht. 
    Texte, die Mord und Gräuel insinuieren, wirken zum Beispiel so, dass sie meine Entschlossenheit stärken, Mord und Gräuel zu bekämpfen.
    Auch in diesem Fall hat der Text Macht über mich, und zwar indem er die Gegenthese stärkt.
  3. Ergebnis ist: Der Text hat etwas in mir verändert. Und dann brauche ich mir keine ungeliebte Mühe machen, etwas zu befolgen, was ich innerlich ablehne. Sondern ich lebe einfach als jemand weiter, der von innen heraus authentisch geblieben ist ... und durch diesen Text geprägt wurde.

Knapp zusammengefasst: Du machst was du willst, scheißegal, was der Text sagt.

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Einer meiner Söhne ist gerade in der Jesusphase. Im Volksmund nennt man das Pubertät und sie ist u.a. an der Tendenz zu erkennen, das Jesuswort auch auf das Nichtwechseln von Hosen und Unterhosen auszudehnen.

 

Allmählich scheint sich rauszukristallisieren, dass das mit dem zweiten Hemd eventuell nicht ganz wörtlich umgesetzt werden muss.

 

Realitätscheck: Käme Jesus heute wieder - Würde er meinem Sohn recht geben oder der Mutter, die den Sohn zum Wäschwechseln zwingt?

 

PS: Ich mache mir diese Gedanken auch für dich, rince. Echt, gebe mir Mühe. Aber ich muss jetzt wirklich arbeiten. Konkret tatsächlich an der RG-Verkündigung. 

 

PPS: Mühsamer als das T-Shirt nicht zu wechseln.

 

PPPS: Wird das Arbeiten effektiver, wenn ich kein frisches Hemd anziehe?

 

PPPPS: Und - Gilt das jetzt auch für T-Shirts oder nicht?

bearbeitet von nannyogg57
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vor 23 Minuten schrieb Aristippos:

Knapp zusammengefasst: Du machst was du willst, scheißegal, was der Text sagt.

Damit beschreibst Du nur die eine Seite, nämlich die autonome.

Aber indem ich den Text an mich heranlasse und mich mit ihm beschäftige kommt noch die andere Seite, die heteronome, zum Tragen.

 

In diesem Rahmen ist Deine Anmerkung allerdings durchaus korrekt. Nur weil mich ein Bibeltext zu Mord, Hetze, Brutalität, Ägypterfeindlichkeit, Babylonierfeindlichkeit, Homofeindlichkeit oder sonstigen gemeingefährlichen Haltungen oder Tätigkeiten aufhetzt, werde ich doch nicht (wie vom Text insinuiert) zum Verbrecher.

 

Es gibt allerdings noch einen anderen Aspekt. Es gibt nämlich auch Bibeltexte, die dazu Anleiten, nicht zu morden, nicht zu hetzen und sogar vorschlagen, Vergebung zu üben.

Diese Texte habe ich auch schon gelesen und in mir wirken lassen. Und sie sind mir bei der Beurteilung der Brutalitäts-Stellen eine große Hilfe. Mithilfe der von mir akzeptierten Stellen bin ich gewappnet, um den Brutalitätsstellen entschieden entgegenzutreten.

 

Ich mache in jedem Falle, was ich will. Alles andere ist sowieso ein Unding: Etwas machen, was ich NICHT will. Das wäre verlogene Sklavenmoral.

Der Knackpunkt liegt in dem "will" (von "Du machst, was du willst"). Denn ich habe meinen Willen ja schon prägen lassen. Er ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist nicht beliebig.

 

Der Umgang mit der Bibel ist damit kein Beliebigkeitsprodukt, sondern ist ein Prozess. Ich lese eine Stelle und beurteile sie. Ich beurteile aufgrund von Stellen, von denen ich mich zuvor habe prägen lassen. Bei den früheren Bibelstellen, die den heutigen Mecky prägen, ist Mecky aber ebenso vorgegangen. Die Frage stellt sich vielmehr nach dem Anfang dieses Prozesses.

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vor 1 Minute schrieb Mecky:

Ich mache in jedem Falle, was ich will. Alles andere ist sowieso ein Unding: Etwas machen, was ich NICHT will. Das wäre verlogene Sklavenmoral.

Dieses Argument merke ich mir. Ich werde es am Wochenende brauchen, wenn mich meine Frau daran erinnert, dass diesmal ich mit Kloputzen dran bin.

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vor 3 Minuten schrieb nannyogg57:

Realitätscheck: Käme Jesus heute wieder ...

Das ist kein Realitätschek, weil Du schon via Konjunktiv auf ein irreales Ereignis zurückgreifen musst.

Es ist unvorhersagbar, was Jesus heute sagen würde. Vielleicht würde er sich um dieses Thema überhaupt nicht mehr kümmern, weil er sich sowieso grundätzlich in FKK-Bereichen bewegt. Vielleicht. Vielleicht.

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vor 2 Minuten schrieb Aristippos:

Dieses Argument merke ich mir. Ich werde es am Wochenende brauchen, wenn mich meine Frau daran erinnert, dass diesmal ich mit Kloputzen dran bin.

"Schatz, was prägt Dich mehr: Deine Liebe zu mir, oder Dein Widerwillen gegen das Kloputzen?"

Dann lass Dir mal eine gute Antwort einfallen.

 

"Ich putze den Klo, wenn Du was Leckeres kochst!" ist zwar im utilitaristischen Sinne prima. Aber womöglich will Deine Frau mehr, als eine rein zweckmäßige Arbeitsteilung.

"Ich putze den Klo nicht gerne. Aber wenn ich daran denke, dass es Dich entlastet, dann mache ich das geradezu mit Begeisterung!" wäre wesentlich charmanter.

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vor 10 Stunden schrieb nannyogg57:

Realitätscheck?

 

(Beispiele aus dem Leben ... abgesehen davon, dass ich "Boot-Camp" für einen schlechten Vergleichspunkt halte).

 

Armut ist kein Selbstzweck, sondern Folge, wenn man das mit dem RG ernstnimmt.

 

Die Botschaft übersetzt ins Heute könnte lauten: Habe keine Angst und Sorge zu teilen, sondern tus einfach, wann immer es gefordert ist. Sieh beim Verleihen nicht darauf, ob Du das wiederbekommst, sondern vertraue darauf, dass Gott mit Dir ist und Dich mit allem ausstattet, was Du zum Leben brauchst. Häng nicht an Zeug, sondern am Vertrauen auf Deinen himmlischen Vater. Gib, unbesehen der Person, die will. Und sei es jemand, den Du nicht magst, und sei es jemand, der Dir böse will. Liebendes Handeln (Handeln, nicht Gefühl!) ist keine Frage der Sympathie für den, der empfängt.

 

Wenn Jesus seine Jünger so bedürftig ausgestattet in die Welt schickt, sind diese auch wieder unbedingt darauf angewiesen, dass ihnen jemand Wasser gibt. Wer das tut, der ist der verlängerte Arm Gottes, der seine Kinder versorgt.

 

Ehelosigkeit und damit Kinderlosigkeit ist daher auch kein Wert an sich, sondern machts einfach nur einfacher. Denn wer wie Flo 5 Mäuler zu stopfen hat, lädt an diesem Punkt, ums mit Buddha zu formulieren, einfach mehr Karma auf sich.

 

Jeder Versuch das Dings mit den Sorgen auf Kalendersprüche ala 'Und wenn Du meinst es geht nicht mehr...' zu reduzieren, geht am Kern der Botschaft vorbei. Das RG ist die bedingungslose Fürsorge der Menschen füreinander, egal ob die nett oder böse sind.

bearbeitet von Higgs Boson
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vor 9 Minuten schrieb Mecky:

"Schatz, was prägt Dich mehr: Deine Liebe zu mir, oder Dein Widerwillen gegen das Kloputzen?"

Dann lass Dir mal eine gute Antwort einfallen.

Das ist sehr schön, aber ich erkenne den Unterschied zur von dir gegeißelten "verlogenen Sklavenmoral" nicht.

 

"Sklave, was ist dir wichtiger: Dein Leben, oder dein Widerwille gegen das Abernten des Baumwollfelds?"

Dann lass dir mal eine gute Antwort einfallen.

 

In beiden Fällen entscheiden sich Schatz und Sklave für das kleinere Übel, um das größere nicht erleiden zu müssen. Warum das eine "verlogener" oder "sklavischer" sein soll als das andere, verstehe ich nicht.

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vor 14 Minuten schrieb Higgs Boson:

 

Das RG ist die bedingungslose Fürsorge der Menschen füreinander, egal ob die nett oder böse sind.

...und das Ausnutzen dieser bedingunglosen Fürsorge durch diejenigen, die statt selbst für irgendwen zu sorgen mittellos durch die Lande ziehen und sich von der fürsorgenden Arbeit der anderen aushalten lassen.

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vor 11 Minuten schrieb Aristippos:
vor 25 Minuten schrieb Mecky:

"Schatz, was prägt Dich mehr: Deine Liebe zu mir, oder Dein Widerwillen gegen das Kloputzen?"

Dann lass Dir mal eine gute Antwort einfallen.

Das ist sehr schön, aber ich erkenne den Unterschied zur von dir gegeißelten "verlogenen Sklavenmoral" nicht.

Der Unterschied ergibt sich auch erst dann, wenn Dein Leben wirklich von der Liebe zu Deiner Frau mehr gegprägt ist und es Dir wirklich ein inneres Anliegen ist, Deiner Frau Gutes anzutun, wo immer dies in Deinen Kräften steht. In diesem Fall bist Du nämlich beim Kloputzen weder verlogen noch Sklave.

Das Stichwort heißt: Einsicht und Liebe, statt Gehorsam wider Wille.

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vor 25 Minuten schrieb Aristippos:

...und das Ausnutzen dieser bedingunglosen Fürsorge durch diejenigen, die statt selbst für irgendwen zu sorgen mittellos durch die Lande ziehen und sich von der fürsorgenden Arbeit der anderen aushalten lassen.

Es gab in der Geschichte des Christentums zweimal Experimente in dieser Richtung, die mir einfallen (Wanderapostel und die franziskanische Bewegung) und beide Male hat sich die Sache entweder in diese Richtung entwickelt oder man hat es schleichend aufgegeben.

 

Dazu kommt, dass der Typ, der kein zweites Hemd hat und sich bei dir durchfuttert sich als was Besseres vorkommt, meistens. Und spätestens dann ist das am Thema vorbei.

 

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vor einer Stunde schrieb Aristippos:

...und das Ausnutzen dieser bedingunglosen Fürsorge durch diejenigen, die statt selbst für irgendwen zu sorgen mittellos durch die Lande ziehen und sich von der fürsorgenden Arbeit der anderen aushalten lassen.

 

Ja, daran hat sich schon Paulus gestört.

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vor 1 Stunde schrieb Mecky:

Es ist unvorhersagbar, was Jesus heute sagen würde

 

Wenn das so wäre, dann könnten wir die Evangelien so wie alles, was wir über Jesus gehört haben in die Tonne schmeissen- denn wir können es ja eh nicht wissen.

Da wir die Einstellung Jesu aus den Evangelien kennen, lässt sich durchaus "vorhersagen" was Jesus sagen würde: so wie Jesus die nur menschlich instriktuierten Gesetze wenig achtete (.e.g der Sabbath ist für den Menschen, nicht der Mensch für den Sabbath) können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass Jesus in der Frage nach dem 2. Hemd in unserer heutigen Zeit nicht beim Hemdvergleich bliebe, sondern z.B. beim Autovergleich. Wenn wir jemand lieben - spüren wir eigentlich schon, was dieser jemand wünscht, denkt und sagen würde. Wer behauptet, es ließe sich nicht sagen, was Jesus heute dazu sagen würde- hat offensichtlich keine Beziehung zu Jesus. Schade.

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vor einer Stunde schrieb Mariamante:
vor 2 Stunden schrieb Mecky:

Es ist unvorhersagbar, was Jesus heute sagen würde

 

Wenn das so wäre, dann könnten wir die Evangelien so wie alles, was wir über Jesus gehört haben in die Tonne schmeissen- denn wir können es ja eh nicht wissen.

Wir können es, was das Wissen angeht, tatsächlich in die Tonne kloppen. Wir haben kein gesichertes geschichtliches Wissen über Jesus, seine Taten, seine Worte und seine Erlebnisse. Dies haben die Evangelisten durch vielerlei Falschberichte, Verzerrungen, Kompletterfindungen (oftmals im Fantasy-modus), Theologisierung und Lügen erfolgreich verhindert. Wir kommen lediglich an den von den Evangelisten verkündigten Christus heran. 

 

Aber der verkündigte Christus hat ja auch seine Vorteile. Sogar eine ganze Menge.

 

Eine Spekulation über das, was Jesus heute tun würde, ist ebenso ein Produkt des Spekulators. Vielleicht nimmt Dan Brown einmal so eine Spekulation vor. Diese wäre allerdings - was die Realität und die Autorität angeht - um keinen Deut besser, als Deine oder meine Spekulation.

 

Dies alles ist übrigens kein Argument dagegen, nach Herzenslust zu spekulieren. Ich halte solche Spekulationen sogar für äußerst inspirierend, manchmal sogar inspiriert, manchmal auch verdeutlichend. Nur muss man sich bewusst bleiben: Man befindet sich im Spekulationsmodus - ebenso wie auch die biblischen Evangelisten. Wenn wir spekulieren, tun wir so ungefähr das, was die Evangelisten vor 2000 Jahren getan haben. Und dies wurde zur einer der Grundlagen der Kirche. Nicht schlecht. 

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Beim Spekulieren spricht man nur äußerlich über Jesus. Dahinter steht, dass man über seinen Glauben spricht, und diesem Glauben sozusagen ein äußeres Gewand gibt, dem man den Namen "Jesus" gibt: Schön bildhaft und deutlich - aber eher Illustration des Glaubens als Report über die geschichtlichen Ereignisse von und mit Jesus.

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Jesus ist ohnehin die am meisten missbrauchte und zurecht gezimmerte Persönlichkeit der Welt- und Literaturgeschichte.

 

Je nach Interessenlage wird der passende Jesus aus der Schublade gezogen. Für die Sozialisten der Che Guevara-Jesus, für die Feministinnen der Frauenversteher-Jesus, für die Kleriker der Hohepriester  (aus dem Hebräerbrief), für die Moralaufweicher der Jesus, der "die pastorale Situation des Sünders" im Blick hat etc.pp.

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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Eventuell hier ein kleiner Hinweis, dass die Frage nach der Historizität einen solchen Bart hat, dass man die Bartwickelmaschine wegen ständigen Gebrauches nicht einmal am Bauhof für den Altschrott gebrauchen kann ...

 

Dazu ist wirklich alles gesagt und geschrieben worden und zwar von jedem.

 

Einschließlich der Frage nach der nicht zu leugnenden Subjektivität der Interpretation und dem Hinweis, dass das natürlich nicht fürs Lehramt gilt. Der entsprechende Leierkasten hat nicht einmal mehr antiquarischen Wert und gilt generell als Sondermüll.

bearbeitet von nannyogg57
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Es ist auch schon bis zum Erbrechen erwähnt worden, dass Morden schlecht ist. Trotzdem wird das Thema bei jedem neuen Mord und jedem Mordaufruf wieder aktuell.

Mit dem Hinweis, dass das alles schon gesagt worden ist, kann man sich ein Thema ganz gut vom Leib halten.

 

Zum Pflichtzölibat ist auch schon alles gesagt. Zur Frauenordination auch. Neue Gedanken sind da Mangelware. Trotzdem werde ich diese Themen immer wieder ansprechen.

Und für Deine Fragestellung, wie Jesus das mit dem Hemd gemeint habe, ist (wie bei allen Themen, die sich auf die Evangelien und die Bibel beziehen) die Rückfrage nach der Historizität und deren Bedeutung, nicht unerheblich. So sehr man sich dieses leidige Thema auch vom Leib halten will.

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Gerne erinnere ich dich daran, dass mir die Frage eben nicht schnurz ist, aber ich mir Antworten gesucht habe, anstatt jede interessante Diskussion mit dem Argument "Stimmt ja eh historisch nicht" oder dem moralischen Zeigefinger "böse Bibel" zu kidnappen.

 

 

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Ein deutscher Neo-Katholik hat eigentlich kein Recht, sich darüber zu beschweren, dass das Argument der Historizität gegen ihn verwendet wird. 

 

Hat doch gerade die deutsch geprägte Theologie, unter der Ägide protestantischer Denker, den Zweifel an allem, besonders an der historischen Aussagekraft religiöser Texte, zur Tugend erhoben und als akademisches Modell alternativlos installiert.

 

So sehr ich Meckys Interpretationen der Schrift ablehne, so komme ich dennoch nicht umhin festzustellen, dass er diese Entwicklung schlicht stringent weiterführt.

 

Hier würde ich doch um mehr Ehrlichkeit und vor allem Konsequenz bitten.

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus
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vor 9 Minuten schrieb nannyogg57:

Gerne erinnere ich dich daran, dass mir die Frage eben nicht schnurz ist, aber ich mir Antworten gesucht habe, anstatt jede interessante Diskussion mit dem Argument "Stimmt ja eh historisch nicht" oder dem moralischen Zeigefinger "böse Bibel" zu kidnappen.

 

 

Das weist einfach nur darauf hin, welch umfassende Tragweite solche Fragen haben. Es ist einfach sinnlos über den Sinn und die Aussage von Evangelien zu reden, wenn man die Frage ausklammert, ob Jesus das wirklich gesagt hat. Man kommt automatisch zu verzerrten Deutungen. 

Was wollte Jesus mit dem Hemdenspruch? Das setzt schon voraus, dass Jesus sich überhaupt zu diesem Thema geäußert hat. Sonst müsste man fragen: "Wie ist das mit den Hemden?"

Soll man sich an den Hemdenspruch aus Gehorsam halten? Gehorsam wem gegenüber: Jesus? Matthäus? Unbekannten Tradenten?

Oder geht es um eine Frage des Lebensstils - egal, was jetzt Jesus vorgegeben haben könnte?

 

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vor 20 Minuten schrieb Studiosus:

Hat doch gerade die deutsch geprägte Theologie, unter der Ägide protestantischer Denker, den Zweifel an allem, besonders an der historischen Aussagekraft religiöser Texte, zur Tugend erhoben und als akademisches Modell alternativlos installiert.

Eine Alternative zu diesem Modell habe ich hier gepostet.

 

Und dieser alternative Umgang mit der Bibel läuft überhaupt nicht aus "böse Bibel" hinaus. Er relativiert allerdings den akademischen Anteil. Und er relativiert die Bedeutung der historischen Nachfrage.

bearbeitet von Mecky
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Gut. Jeder Mensch hat das Recht auf seine Meinung. Dies ist ein freies Land.

 

Der einfache Weg ist es, die ganze Auseinandersetzung mit einem generellen Skeptizismus zu blockieren.

 

Wenn esJesus nicht gegeben hat, erst dann erledigt sich die Sache endgültig.

 

Oder man kann sagen: "Ist mir wurscht, weil, vielleicht stimmts ja gar nicht!"

 

Läuft Beides auf das Gleiche hinaus.

 

Aber wenn es Jesus gegeben hat, dann ist die Hemdangelegenheit ziemlich historisch.

 

Und akademisches wissenschaftliches Denken zu reduzieren ist sicher immer der richtige Weg.

bearbeitet von nannyogg57
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