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Guppy

Frage zum Thema "Judenmission"

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Julius
vor 2 Stunden schrieb Guppy:

Ich dachte immer bei Mission geht es darum verlorene Seelen zu retten, ...

 

Ach herrjeh ... der große, barmherzige Gott hat Milliarden "verlorene Seelen" produziert und produziert immer noch welche, nur weil deren Träger nicht christlich getauft wurden/werden? Sorry, an einen solchen Gott glaube ich nicht. Seit ziemlich genau 70 Jahren tue ich das nicht - so lange ist es her, dass uns das ein Pfarrer im Religionsunterricht weiszumachen versuchte. Und der war damals zwar keine Ausnahme, aber halt auch nicht mehr die Regel. Es gab auch vor 100 Jahren schon Pfarrer, die Juden unmissioniert sein lassen konnten. Dass es konvertierte Juden gab, die ihrerseits ganz versessen darauf waren, Juden zum Christentum zu bekehren, ist ein anderes Kapitel. Die von ihnen gegründeten, speziell auf Judenmission ausgerichteten Ordensgemeinschaften haben dieses Missionsziel spätestens mit dem II. Vatikanischen Konzil fallen lassen und sich dem christlich-jüdischen Dialog zugewendet (ein Beispiel).

 

vor 2 Stunden schrieb Guppy:

Ich würde ja gerne den Papst persönlich danach fragen, aber da ich die Gelegenheit wohl nicht bekommen wollte ich das hier mal zur Diskussion stellen.

 

Soweit ich das mitbekommen habe, pflegt der gegenwärtige Papst freundschaftliche Kontakte mit nach wie vor "unbekehrten" Juden.

Aber vielleicht hilft ja das weiter : "Die Kirche ist daher verpflichtet, den Evangelisierungsauftrag gegenüber Juden, die an den einen und einzigen Gott glauben, in einer anderen Weise als gegenüber Menschen mit anderen Religionen und weltanschaulichen Überzeugungen zu sehen. Dies bedeutet konkret, dass die Katholische Kirche keine spezifische institutionelle Missionsarbeit, die auf Juden gerichtet ist, kennt und unterstützt."

Und im übrigen: „ Eine Mission der Juden war einfach deshalb nicht vorgesehen und nicht nötig, weil sie allein unter allen Völkern den 'unbekannten Gott' kannten" “  (Papst em. Benedikt XVI./Josef Ratzinger in seiner jüngsten Richtigstellung in der Herder-Korrespondenz).

 

Schließlich noch: "Dass die Juden Anteil an Gottes Heil haben, steht theologisch ausser Frage, doch wie dies ohne explizites Christusbekenntnis möglich sein kann, ist und bleibt ein abgrundtiefes Geheimnis Gottes."
Du kannst Dich also eigentlich entspannt zurücklehnen und das abgrundtiefe Geheimnis Gottes Gottes Geheimnis sein lassen.

 

Und noch ein letztes:

 

Am 5.12.2018 um 20:23 schrieb Guppy:

Ich verstehe auch nicht, wie Mission überhaupt ein "Vorwurf" sein kann. Mission ist doch Ausdruck von Nächstenliebe. Den Menschen, den man missioniert, möchte man zu Christus und damit zum Heil führen.

 

"Man"? Ohne Dir jetzt persönlich nahetreten zu wollen: wenn mir "man" mit der "Nächstenliebe" kommt, die ihn dazu beflügele, mich missionieren zu wollen, werde ich leicht nervös bis ungehalten. Allzu oft ist es schlicht Rechthaberei, die hier mit dem abgenutzten Begriff "Nächstenliebe" bemäntelt wird. Nächstenliebe fängt für mich damit an, den anderen mit seinem ggf. anderen Glauben zu respektieren. Und allzuoft in der Vergangenheit - das wird Dir nicht unbekannt sein - hat solche missionarische "Nächstenliebe" in Mord, Totschlag, für Zwangsbekehrte auch auf Scheiterhaufen und im günstigeren Fall in Vertreibung der angeblich Bekehrungsbedürftigen geendet.

bearbeitet von Julius
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Werner001

Vor bei vielen anderen Themen hat sich auch hier die ewig beständige, von Gottes unabänderlicher Offenbarung eindeutig festgelegte Lehre der Kirche diametral geändert. Das verwundert halt manche.

 

Werner

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Alfons
vor 1 Stunde schrieb Guppy:

Wenn das Judentum kein paralleler Heilweg neben dem Christentum ist, dann bedürfen auch die Juden Christus für ihre Erlösung. Und dann wäre es doch eine Pflicht der christlichen Nächstenliebe die Juden genauso wie alle anderen Menschen zu missionieren um ihre Seelen zu retten.

 

Judenmission wäre nach meinem Verständnis nur dann "unnötig", wenn Christus für die Erlösung der Juden unnötig wäre. Dann wäre das Judentum ein paralleler Heilsweg zum Christentum.

 

Die Bibel berichtet von einem Bund, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Dieser Bund besteht nach wie vor - auch nach Ansicht der Katholischen Kirche. Papst Johannes Paul II. sprach 1980 bei seinem Besuch in Mainz von diesem "ungekündigten Bund" und von den Juden als den "älteren Geschwistern" der Christen.

 

Dass die christlichen Kirchen das früher anders gesehen und eifrig unter Juden missioniert haben - gerne auch mit Gewalt - ist bekannt. Dabei ging man von der Überzeugung aus, dass im göttlichen Heilsplan die christliche Kirche jene Stelle eingenommen habe, die ursprünglich Israel zukam. Substitutionstheorie nennt sich das: die Kirche hat das Volk Israel ersetzt, substituiert. Eng damit verbunden war die Denunziation der Juden als Gottesmörder. Das Dokument "Nostra aetate" des II. Vatikanischen Konzils hat damit Schluss gemacht, auch wenn das Wort Substitutionstheorie darin nicht vorkommt. Ein fernes Nachbeben dieser Diskussion war die Auseinandersetzung um die Karfreitagsfürbitte für die Juden in ihrer mehrfach geänderten Form. Über die sogenannte Ausnahmefassung von 2008 dieser Fürbitte ist damals hier in diesem Forum diskutiert worden. Mit der Suchfunktion lässt sich das finden.

 

An die Stelle der Judenmission ist der jüdisch-christliche Dialog getreten, in dem man über Gemeinsamkeiten und Unterschiede gern auch streiten kann. Gemeinsam ist: Juden und Christen glauben an den gleichen Gott. Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum. Das bedeutet auch, dass Juden an Gott glauben, ohne auf irgendwelche christlichen Ideen angewiesen zu sein. Christen hingegen haben die Basis ihres Ein-Gott-Glaubens in den Verheißungen des Ersten Testaments. Der größte Unterschied ist, dass Juden auf den Messias warten, der nach Ansicht der Christen bereits gekommen ist. Hier ist der Knackpunkt, den du richtig erkannt hast. Wenn jemand glaubt, dass Christus der alleinige gottgesandte Heiland ist und der Weg zu Gott nur darüber führt, dass man Christus als Erlöser anerkennt, dann muss das in einem solchen Glaubenssystem für jeden Menschen weltweit gelten. Andererseits steht im Neuen Testament, dass ganz Israel gerettet wird (Römer 11,26). Nach Ansicht des früheren Papstes Benedikt XIV. - Julius hat weiter oben bereits darauf hingewiesen - gilt der Missionsauftrag Jesu, wie er im Matthäusevangelium nachzulesen ist, der ganzen Welt - mit der Ausnahme der Juden, denn sie kannten ja längst den Gott, an den sie und die Christen heute noch glauben. Statt Mission ist nach Joseph Ratzinger der Dialog über die Messias-Frage notwendig.

 

Ob nun die älteren Geschwister unter den Kindern Gottes oder die jüngeren richtig liegen - das zu entscheiden könnten nach meiner Ansicht die Gläubigen beider Religionen getrost ihrem gemeinsamen Gott überlassen.

 

Alfons

 

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Xamanoth
vor 8 Minuten schrieb Alfons:

Dass die christlichen Kirchen das früher anders gesehen und eifrig unter Juden missioniert haben - gerne auch mit Gewalt - ist bekannt. Dabei ging man von der Überzeugung aus, dass im göttlichen Heilsplan die christliche Kirche jene Stelle eingenommen habe, die ursprünglich Israel zukam. Substitutionstheorie nennt sich das: die Kirche hat das Volk Israel ersetzt, substituiert. Eng damit verbunden war die Denunziation der Juden als Gottesmörder. Das Dokument "Nostra aetate" des II. Vatikanischen Konzils hat damit Schluss gemacht, auch wenn das Wort Substitutionstheorie darin nicht vorkommt. 

 

Alfons

 

Darf ich höflich fragen, mit welcher Begründung?

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Alfons
vor 11 Minuten schrieb Xamanoth:

Darf ich höflich fragen, mit welcher Begründung?

 

Nostra aetate argumentiert, wenn ich das so aus dem Lameng richtig erinnere, mit Römer 9 bis 11. Die Theorie, dass Gott den ersten Bund mit Israel sozusagen aufgekündigt habe, zog ihre Basis aus dem Hebräerbrief.
 

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Guppy
vor einer Stunde schrieb Alfons:

Nach Ansicht des früheren Papstes Benedikt XIV. - Julius hat weiter oben bereits darauf hingewiesen - gilt der Missionsauftrag Jesu, wie er im Matthäusevangelium nachzulesen ist, der ganzen Welt - mit der Ausnahme der Juden, denn sie kannten ja längst den Gott, an den sie und die Christen heute noch glauben.

 

Glauben wir Christen nicht an den dreifaltigen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist? Soweit ich weiss haben die Juden doch gerade eben nicht den dreifaltigen Gott erkannt und leugnen die Gottessohnschaft Christi und sein ganzes Erlösungswerk.

 

Also verstehe ich das nun richtig, dass die Kirche und der Papst offiziell der Meinung sind, dass das Judentum ein paralleler Heilsweg neben dem Christentum ist? Die Juden werden alle erlöst, weil sie Juden sind. Christus brauchen sie nicht um erlöst zu werden?

 

Das wäre doch die Konsequenz aus dem, was du schreibst.

 

Dann verstehe ich nur nicht, warum Jesus selbst damals zu den Juden gesprochen hat und ihnen sagte:"Niemand kommt zum Vater ausser durch mich." Und warum haben die Apostel dann unter den Juden missioniert?

 

Das finde ich alles sehr widersprüchlich und verwirrend.

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Marcellinus
vor 1 Minute schrieb Guppy:

Das finde ich alles sehr widersprüchlich und verwirrend.

 

He, das ist eine Art von Magie! :D

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Werner001

Das hat nichts mit Magie zu tun, es ist einfach ein radikaler Kurswechsel. Da aber die Kirche gerne behauptet, ihre Lehren beruhten auf göttlicher Offenbarung und seien daher einerseits immer richtig und andererseits nicht änderbar, führt ein solcher Kurswechsel zu Irritationen bei den Menschen, die def Kirche das geglaubt haben

 

Werner

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Studiosus
vor 46 Minuten schrieb Guppy:

Und warum haben die Apostel dann unter den Juden missioniert?

 

 

Unernste Antwort: Sie haben beim Zweiten Vatikanum gefehlt, wussten es ergo nicht besser. Wenigstens Petrus war ja zumindest - mutmaßlich - physisch anwesend bzw. seine Reliquien. Nur hat er nicht viel gesagt.

 

 

Saluti cordiali,

Studiosus.

bearbeitet von Studiosus

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Studiosus

Versuch einer ernsten Antwort:

 

Naturgemäß reizt mich Werners Behauptung, die Kirche hätte hier einfach gewissermaßen en passant ihre Lehre geändert. Daher die grundlegende Frage: Gibt es hier einen faktischen Dissens von alter und neuer "Lehre"? Oder was ist mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Bezug auf die Beziehung zu den Juden geschehen?

 

Eine Vorüberlegung: Es zeugt von einer gewissen Ironie, dass sich die rezente Diskussion ausgerechnet an zwei Beiträgen Joseph Ratzingers - Papst em. Benedikt XVI.  entzündet hat, steht dieser doch wie kaum ein anderer Theologe durch sein Wirken während seines Pontifikats für den Versuch, die Tradition der Kirche mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu versöhnen. Er war es, der den Begriff einer "Hermeneutik der Kontinuität" gegen die Versuchung einer "Bruchhermeneutik", die mit dem Konzil das Durchtrennen der lebendigen Traditionskette der Kirche in Lehre und Praxis gekommen sah, stark machte. Eine Haltung, die sich durch progressistische und traditionalistische Lager gleichermaßen zieht. Das Konzil und seine Aussagen stünden demnach nicht in Widerspruch zu vorhergehenden Entscheidungen. Vielmehr seien die Dokumente des Konzils, hier schließe ich Nostra aetate ein, "im Lichte der Tradition zu interpretieren".

 

Und hier kommt Werners Einwand zum tragen: Die Haltung, mitunter die Lehre, hätten sich in diesem Punkt fundamental gewandelt. Das kann man nicht einfach abtuen. Wenn es beispielsweise um die Heilsoption Israels geht, so wird man nicht umhin kommen, in älteren Aussagen von Konzilien eine andere Auffassung des Judentums und der Juden zu erkennen als in den Aussagen des Zweiten Vatikanums. Dieses betont die Stellung Israels als Erstgeliebtem Gottes, das auch heute - um der Väter willen - von Gott geliebt ist und seiner Erlösung harrt. Ältere Aussagen summieren nicht selten das Volk der Erwählung, hier als Volk der Verwerfung, unter die Heiden und Ungläubigen, denen nur das Bad der Taufe einen Heilshorizont erschließt; die religiöse Praxis der Juden wird rundum abgelehnt, es ist ein toter Dienst an einem toten Kult, der keine Frucht bringen kann. Das sind Unterschiede in der Beurteilung, das muss man klar sehen und Werner hier recht geben.

 

Jedoch, wenn man Ratzingers Vision einer kontinuierlichen Hermeneutik konsequent anwenden will, dann gibt es eigentlich nur folgende Lösungen, um den logischen Widerspruch aufzulösen: 1. Die älteren Aussagen waren strictu sensu keine Lehre, weshalb ihnen Vatikanum II nicht widersprechen konnte. 2. Nostra aetate und die darauf fußende Neuordnung der Beziehungen zu Israel sind zeitgebundene Aussagen und Haltungen, die prinzipiell verrückbar sind (die Frage der Unfehlbarkeit kommt ins Blickfeld). 3. Das Konzil sagt prinzipiell gar nichts anderes. Die Lehre ist insofern gleich geblieben, als dass sich lediglich der Ton geändert hat. Ich frage mich, ob diese Ansätze verfangen. Ganz rund scheint die Sache nicht.

 

Jedenfalls kann sich der Katholik vorbehalten auch weiterhin für die jüdischen Geschwister zu beten, so wie er für jeden Menschen um dessen Wohlergehen beten darf und soll. Auch hier kann mittelbar  missionarisch gewirkt werden, ganz ohne Gewalt. Denn klar blieb stets, dass die Kirche immer wünschte und wünscht, dass alle Menschen Christus erkennen und zu ihm gelangen. Dasselbe bringt die Kirche auch heute, wohl in einem anderen Ton und mit anderem Akzent, zum Ausdruck, wenn sie die Juden am Karfreitag in ihr Bittgebet einschließt: Gottes Ratschluss möge sie führen, die Kirche hofft, dass sie dieser zu Christus und so zum Vater führe.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

 

 

bearbeitet von Studiosus

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Alfons
vor 2 Stunden schrieb Guppy:

Also verstehe ich das nun richtig, dass die Kirche und der Papst offiziell der Meinung sind, dass das Judentum ein paralleler Heilsweg neben dem Christentum ist?

 

Nein, darum geht es nicht. Die Kirchen, evangelische wie katholische, haben darauf verzichtet, unter Juden zu missionieren. Aus mehreren Gründen. Einer heißt: Das jüdische Volk ist das erwählte Volk Gottes, wir Christen sind nur die jüngeren Geschwister. Theologisch gesprochen: Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels. Ein weiterer Grund ist die Einsicht, dass die Shoa, der Mord an sechs Millionen Juden, eine Basis auch in dem religiösen Antisemitismus der Kirchen hatte. Man kann da schwerlich seine Schuld bekennen und dann wieder fröhlich anfangen, die gerade einmal 14 Millionen restlichen Juden erneut zu missionieren. Christen gibt es, dies zum Vergleich, weltweit 2281 Millionen.

 

Der Verzicht auf die Mission ist keine Aussage über einen "parallelen Heilsweg"; ich glaube auch nicht, dass irgendeinem Christen ein Urteil über Gottes Handeln mit seinem Volk zustünde. Selbstverständlich gehört der Glaube an die Erlösung durch Christus zum christlichen Glauben. Und selbstverständlich gehört es zum jüdisch-christlichen Dialog, dass dieses Trennende im geschwisterlichen Gespräch thematisiert wird. Aber wie Gott das seinem Volk zugesagte Heil Wirklichkeit werden lässt, liegt nicht in der Entscheidung des Papstes oder irgendeiner anderen christlichen Autorität. Das hat die Katholische Kirche (die Evangelische aber auch) eingesehen. Im Konzilsdokument "Nostra aetate" steht deshalb: "Die Juden [sind] nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich. Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm Schulter an Schulter dienen."

 

Alfons

 

bearbeitet von Alfons
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Julius
vor 2 Stunden schrieb Guppy:

Soweit ich weiss haben die Juden doch gerade eben nicht den dreifaltigen Gott erkannt und leugnen die Gottessohnschaft Christi und sein ganzes Erlösungswerk

 

Die Vokabel "leugnen" in diesem Kontext hat ein ganz übles Gschmäckle. Die Anschuldigung, "die Gottessohnschaft Christi und sein ganzes Erlösungswerk" zu leugnen, hat Menschen in der Vergangenheit sogar auf den Scheiterhaufen gebracht. Im Grund wirfst Du gläubigen Juden damit vor, etwas, was Dir offenkundig erscheint, was DU glaubst, wider besseres Wissen in Abrede zu stellen. Über Jahrhunderte hinweg haben Christen Juden immer wieder ganz furchtbar büßen lassen, dass sie nicht glauben, was Christen glauben.

Allerdings ist die Dreifaltigkeit ein theologisches Konstrukt christlicher Theologen, das auch von vielen Christen nicht mal halbwegs durchschaut wird.

Daran kann "man" glauben, wenn "man" will - jetzt benutze ich auch mal das Wörtchen "man" - genauso gut kann "man" es aber auch sein lassen, dann ist, wer sich dazu bekennt, halt kein Christ mehr. Und? Das ist die Sache derer, die nicht dran glauben, Dich geht das im Grund nichts oder nicht genug an, dass Du sie als Dreifaltigkeits-"Leugner" beschimpfen dürftest.

Mag sein, dass Du dich berufen fühlst, solche Dreifaltigkeits-"Leugner" voller "Nächstenliebe" zu missionieren. Sicher ist allerdings, dass sich heutzutage niemand mehr solche Missionierungsversuche gefallen lassen muss und sie sich schlicht verbitten kann.

 

bearbeitet von Julius
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Chrysologus
vor 2 Stunden schrieb Guppy:

Also verstehe ich das nun richtig, dass die Kirche und der Papst offiziell der Meinung sind, dass das Judentum ein paralleler Heilsweg neben dem Christentum ist? Die Juden werden alle erlöst, weil sie Juden sind. Christus brauchen sie nicht um erlöst zu werden?

Papst und Kirche sind wohl eher der Meinung, dass das Christentum in Gestalt der Kirche ein Heilswerkzeug Gottes ist und dass die Juden eine Heilszusage haben. Als christlicher Theologe würde ich sagen, dass Gott diese Heilszusage an sein Volk durch und in Christus Jesus erfüllt hat, auch wenn die Zusage an Israel unabhängig von der Anahme des Christusereignisses besteht

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Julius
vor 22 Stunden schrieb Marcellinus:

Das Judentum ist eine fremde,  in monotheistischen Verständnis sogar eine falsche Religion ...

 

An dem Satz stimmt was nicht. Das Judentum ist in monotheistischem Verständnis monotheistischer als das Christentum (um es mal so zu formulieren). Das christliche Dogma vom dreifaltigen Gott ist der christliche Versuch, sich Gott-Vater und Gott-Sohn zusammenzudenken und so den Monotheismus über die Runden zu retten.

 

bearbeitet von Julius

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rorro

Trotz aller theologischen und auch päpstlichen Klimmzüge ist es schon interessant, daß die Kirche behauptet, die Urkirche "hätte eigentlich gar nicht sein müssen", da sie - komplett aus Juden bestehend (bis zur Heidenmission) - am Willen Jesu vorbei existierte. Sprich: während die Kirche einerseits behauptet, mit dem Tod des letzten Apostels sei die Übelieferung abgeschlossen und den Aposteln Unfehlbarkeit attestiert, hätten sie hier aus heutiger Sicht deutlich gefehlt.

 

Werner hat schon Recht: das paßt nicht. Und Petrus' Predigt zu Juden(!), daß es außer dem Namen Jesu keinen gebe, durch den wir gerettet werden, war demnach ja auch vollkommen unnötig.

bearbeitet von rorro

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Werner001
1 hour ago, Alfons said:

Ein weiterer Grund ist die Einsicht, dass die Shoa, der Mord an sechs Millionen Juden, eine Basis auch in dem religiösen Antisemitismus der Kirchen hatte. Man kann da schwerlich seine Schuld bekennen und dann wieder fröhlich anfangen, die gerade einmal 14 Millionen restlichen Juden erneut zu missionieren.

Gerade das kann kein Grund sein. Bei der Missionierung geht es ja nicht um das Rekrutieren neuer Kirchensteuerzahler. Wäre es so, würde ich diesen Grund valide finden. Es geht aber um einen Missionsauftrag Jesu selbst, der explizit auch die Juden mit einschließt, jedenfalls würde es so jahrhundertelang von der Kirche verstanden. Da kann die Shoa kein Argument sein. Man kann nun zwar sagen, man sei zu einem neuen Verständnis gekommen, das frühere Verständnis sei falsch gewesen, aber auch da kann die Shoa nicht die Begründung sein.

 

Werner

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Marcellinus
vor 14 Minuten schrieb Julius:

 

An dem Satz stimmt was nicht. Das Judentum ist in monotheistischem Verständnis monotheistischer als das Christentum (um es mal so zu formulieren). Das christliche Dogma vom dreifaltigen Gott ist der christliche Versuch, sich Gott-Vater und Gott-Sohn zusammenzudenken und so den Monotheismus über die Runden zu retten.

 

 

Für Monotheisten ist jede andere Religion eine „falsche“ Religion, und ihre Götter falsche Götter oder Dämonen. Geben sie vor, an den gleichen Gott zu glauben, sind sie wahlweise Häretiker oder Teufelsanbeter. Der heutige Versuch, sich friedlich, versöhnlich zu geben, so sehr er im Sinne des Weltfriedens zu begrüßen ist, führt daher zu zahlreichen theologischen Widersprüchen, und natürlich zu der Frage, warum das Christentum eigentlich auf einen derartig radikalen Konfrontationskurs gegen sowohl die heidnische Antike wie das Judentum gehen mußte, wenn es unterschiedliche Wege zum „Heil“ gibt.

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Werner001

Ich hatte ja schon öfter die Kirche des Ostens erwähnt, die in der Anfangszeit ziemlich erfolgreich Mission nach dem Vorbild der Apostel betrieb, also einfach friedliches Verkünden des Evangeliums.

Als sie dann später unter die Herrschaft des Islam geriet, der bei diesem Thema ja keine Gnade kennt, würde die Missionierung eingestellt. 

Heute ist die Kirche im Prinzip eine Stammeskonfession geworden, die Universalität ist verloren gegangen (trotz des indischen Zweiges ist das so). Sie gleicht da ein wenig dem Judentum. 

Mom Prinzip kann eine Religion, die echte Weltreligion sein will, nicht auf das Missionieren verzichten

 

Werner

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Alfons
vor 41 Minuten schrieb Julius:
vor 53 Minuten schrieb gouvernante:

Sœurs de Sion 💚

 

Genau die. :)

 

Danke für die Links. Die Schwestern kannte ich noch nicht. Beeindruckend. Wichtige Information.
 

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Studiosus

Ob besagter Orden in unserer Zeit allerdings noch im Sinne seines seligen Gründers und dessen Bruder wirkt steht auf einem anderen Blatt.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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Mistah Kurtz
vor 1 Minute schrieb Studiosus:

Ob besagter Orden in unserer Zeit allerdings noch im Sinne seines seligen Gründers und dessen Bruder wirkt steht auf einem anderen Blatt.

 

 

Das ist allerdings der Normalzustand. Der einzige Orden, der mir spontan einfällt, der sich immer noch eng an die Vorgaben seiner Gründer hält, sind wohl die Kartäuser. Für die Zisterzienzer der strikten Observanz - vulgo Trappisten - galt das bis zur Zeit des II. Vatikanischen Konzils. Während und nach dem Konzil glaubte man die eigene Lebensweise Zeit anpassen zu müssen. Was die Kartäuser nicht taten. Die haben das Konzil, was die eigene Form des Ordenslebens betrifft, ignoriert, so wie sie auch schon alle Konzile zuvor mehr oder minder ignorierten. Man kann es sich heute kaum vorstellen, aber die Trappisten erlebten - was die Zahl der Ordensberufungen anbelangt -  in den Jahren vor dem Konzil einen ziemlichen Boom. 

 

Der englische Jesuit Clifford Howell schrieb in den 50er Jahren: "Es scheint eine wirkliche Massenflucht von Katholiken zum Trappistenleben zu bestehen, die eine Parallele nur in der Sturzwelle von Bewerbern für Clairvaux in den Tagen des Hl. Bernhard selbst findet." Die Klöster platzten sozusagen aus allen Nähten. So kam es zu zahlreichen Neugründungen quer über den Globus. Vor einiger Zeit blättere ich nachdenklich durch die Webseiten des Ordens, besuchte von da die Webpräsenzen etlicher ihrer Klöster. Aus den Fotos der Klostergemeinschaften blickten mich die Gesichter alt gewordener Männer an. Kaum vorstellbar, dass es vor 50 Jahren gerade umgekehrt war: da waren es hauptsächlich junge Männer, eingestreut dazwischen einige alte Mönche. Vor einigen Monaten hat das einzige deutsche Trappistenkloster für Männer seine Pforten für immer geschlossen. In Österreich wird wohl bald das letzte deutschsprachige Trappistenkloster für Männer ebenfalls schließen. Kein Nachwuchs.  

 

Wobei auch die Kartäuser der Zeit kräftig Tribut zollen mussten. In den letzten 50 Jahren hat sich die Anzahl der Kartäusermönche bzw. -nonnen halbiert. Das kontemplative Leben scheint seine Anziehungskraft verloren zu haben. 

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Alfons
vor 1 Stunde schrieb Werner001:

Es geht aber um einen Missionsauftrag Jesu selbst, der explizit auch die Juden mit einschließt, jedenfalls würde es so jahrhundertelang von der Kirche verstanden.

 

Dass die Kirche das seit Ignatius von Antiochien so verstanden hat, ist mir schon klar. Aber der Missionsauftrag Jesu schließt, so lässt sich theologisch argumentieren, die Juden nicht mit ein.

Um das zu verstehen, muss man sich immer wieder klar machen, dass die Verkündigung Jesu eine innerjüdische Angelegenheit war. Jesus war Jude, die Apostel waren Juden. Jesus legte die Schriften des Tanach aus. Die Predigten der Apostel in den Synagogen waren keine Judenmission, sondern innerjüdische Auseinandersetzungen. Die Beauftragung zur Mission hingegen hatte eben nicht Israel als Ziel, sondern die "Völker". Damit ist Israel weder gemeint noch mitgemeint.

 

Die Sendung der zwölf Jünger (in Matthäus 10) ausschließlich zu den Juden ist etwas anderes als der Missionsbefehl in Matthäus 28. In Matthäus 10 geht es um die Umkehr innerhalb des Bundes, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat. Die Mission "aller Völker", die Jesus nach der Auferstehung den Jüngern aufträgt, meint die Heiden, die Nichtjuden. Nicht das Volk Gottes. Hätte Jesus die Juden mit gemeint, dann würde das bedeuten, Gott hätte nach der Meinung seines Sohnes Israel verworfen und auf eine Stufe mit den Nichtjuden gesetzt. (Das ist jetzt eine Argumentation christlicher Theologen auf der Basis, dass der Missionsbefehl tatsächlich von dem auferstandenen Jesus so verkündet wurde. Ich selber halte diesen Missionsbefehl Matthäus 28, 19 für eine sehr viel spätere Bildung des hellenistischen Judenchristentums. Das Urchristentum wusste von dem Missionsbefehl nichts, wie aus Galater 2, 7f hervorgeht.)

 

Die Anhänger des Jesus waren Juden - messianische Juden. Sie wollten andere Juden davon überzeugen, dass Jesus der Messias sei. Sie ließen sich taufen, aber sie blieben Juden. Ihre Taufe war kein Religionswechsel. Die Taufe von Leuten aus den nichtjüdischen Völkern, Griechen oder Römer, war aber durchaus ein Religionswechsel und Ergebnis einer Missionierung. Sie legten ihre alte Religion ab und bekannten sich zu dem einen Gott, dem Gott der Juden und des dann entstehenden Christentums.

Alfons

 

bearbeitet von Alfons
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Guppy
vor 2 Stunden schrieb Chrysologus:

Papst und Kirche sind wohl eher der Meinung, dass das Christentum in Gestalt der Kirche ein Heilswerkzeug Gottes ist und dass die Juden eine Heilszusage haben. Als christlicher Theologe würde ich sagen, dass Gott diese Heilszusage an sein Volk durch und in Christus Jesus erfüllt hat, auch wenn die Zusage an Israel unabhängig von der Anahme des Christusereignisses besteht

 

Also dann ist das Judentum ein zweiter Heilsweg, der parallel zum Christentum existiert?

 

Dann könnte ich z.B. auch aus der Kirche austreten, meinen Glauben an Christus ablegen und zum Judentum konvertieren und wäre dann auch erlöst und würde in den Himmel kommen. Christus bräuchte ich dann gar nicht mehr, es geht auch ohne ihn?

 

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