Jump to content
Jan_Duever

"Der Löwe und die kleine Maus" - alternative Lesungen im Gottesdienst

Recommended Posts

Jan_Duever

Mich würde interessieren, ob für die Lesung in der Messfeier auch alternative Texte zugelassen sind, die nicht aus der Bibel stammen.

Ich komme aus einer mittelgroßen Stadt, wo in beiden Gemeinden des Ortes sonntags nur noch Familiengottesdienste stattfinden (immer abwechselnd mal in der einen und eine Woche später in der anderen Kirchengemeinde).

Die Messfeiern sind außerordentlich gut besucht: Während in anderen Orten die Besuchszahlen kontinuierlich abnehmen, ist es hier genau umgekehrt.

Die Gestaltung der Liturgie unterscheidet sich jedoch teilweise erheblich: Anstelle der Orgel spielt eine Band, wobei stets Lieder aus dem "Jungen Gotteslob" ausgewählt werden.

Die Lesungen stammen nur zum Teil aus der Bibel. Heute wurde bspw. anstelle der Lesung aus der Apostelgeschichte und der Offenbarung des Johannes die Fabel vom Löwen und der kleinen Maus vorgetragen.

Für den Text des Evangeliums wurde eine kindgerechte Übersetzung gewählt.

Überhaupt ist die ganze Liturgie so gestaltet, dass ein Zehnjähriger den Inhalten problemlos folgen kann. Momente der Andacht und der Stille sucht man vergebens.

Alles wirkt extrem modern.


 

Liegt dies noch im Rahmen dessen, was das Kirchenrecht gestattet?

Wo gibt es Grenzen?

Wie gesagt: Selbst an einem ganz normalen Sonntag außerhalb der Hochfeste ist die Kirche fast bis auf den letzten Platz gefüllt, vor allem durch Familien mit Kindern.

Darf man etwas, was so gut läuft, kritisieren?

Ich befürchte, würde man zur Liturgie "so wie früher“ zurückkehren, kämen wieder nur Senioren.

Im Ort gibt es übrigens auch noch eine kleine Kapelle. Dort findet sonntags um 8:30 Uhr die hl. Messe statt. Früher war die auch sehr schlecht besucht, aber seit zu den Hauptzeiten (10:30 Uhr) ausschließlich Familiengottesdienste stattfinden und man zudem den Gottesdienst um 11:00 Uhr abgeschafft hat, ist auch die Frühmesse sehr gut besucht; - dort gehen dann all jene hin, die mit der modernen Gottesdienstgestaltung nichts anfangen können.

Edited by Jan_Duever

Share this post


Link to post
Share on other sites
Chrysologus

So etwas gibt es wirklich? Das wundert mich durchaus, weil man meist die nötige Menge an Leuten nicht zusammenbringt. Aber wie auch immer: Auch die weit gefassten Ausnahmeregeln des Direktoriums für Kindermessen erlauben kein direktes Ersetzen biblischer Lesungen durch andere Texte, wohl aber das Weglassen aller Lesungen bis auf das Evangelium sowie Hinweise, die zum Evangelium hin führen - bei weiter Rechtsauslegung könnte man es als zumindest nicht rechtswidrig ansehen, wenn es sich um Gottesdienste primär mit Kindern und wenigen Erwachsenen handelt. Kurz: Sollte man den Pfarrer jemals juristisch beharken wollen (wo ich kein ernsthaftes Risiko sehe), dann wird ihm wohl nichts passieren. Es wurde noch niemand bestraft, der seine Kirche voll hatte.

 

Aber: Ich halte es für wenig klug, wenn man Regeln, die dazu dienen sollen, die Kinder zur "eigentlichen" Liturgie hin zu führen, dazu verwendet, weit vorher stehen zu bleiben. Am Ende steht dann meist ein erfolgreich gefüllter sogenannter Familiengottesdienst, der faktisch ein Kindergottesdienst ist, in den die Eltern mitkommen, und dessen Besuch an dem Punkt endet, an dem die Kinder aus dem Zielgruppenalter herauswachsen. Für die Seelsorge ist eine solch breite Kinderarbeit sehr bequem, Kinder sind vergleichsweise einfach zu begeistern, dankbare Zuhörer und auch die Eltern freuen sich. Jugendliche fragen, mosern und sind weitaus kritischer - also kümmert man sich weniger gerne um sie. und verliert sie, was man dann lautstark beklagt.

  • Like 2

Share this post


Link to post
Share on other sites
mn1217

Oh,meineSchwester ist sehr dafür und beschwert sich,dass sie eigentlich das Tagesevangelium nehmen sollen. Wäre ja nicht kindgerecht. U d sie hätten ja so viel Zulauf,da müssen sie alles richtig machen...

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
nannyogg57

Normal ist es bei uns nicht, dass wir die biblischen Lesungen anderweitig ersetzen. Es muss wirklich gut verantwortet sein und wohldurchdacht und eine zu rechtfertigende Ausnahme. Ein Experiment, nicht von mir durchgeführt, letzten Sonntag hat gezeigt: Eine Ersatzlesung muss wohldurchdacht sein und darf höchstens das Evangelium unterstützen, nie erschlagen.

 

Ich persönlich denke mir: Es darf nicht zur Gewohnheit werden. Die Lesungen zu kippen und durch Texte eigener Wahl zu ersetzen muss immer einen guten Grund haben. Einen wirklich guten Grund.

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro

Das kann man machen - sollte allerdings vorher ehrlicherweise ankündigen, dass das, was jetzt folgt, keine römisch-katholische Messe mehr ist. Die meisten blieben trotzdem da.

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura

Wieder mal die klassische Frage, ob man ein offensichtlich erfolgreiches System, das die Leute anspricht, deswegen gefährden sollte, weil es rechtlich nicht ganz korrekt ist.

Spielen wir das mal durch: Beschwerde beim Pfarrer, dann beim Bistum. Je nachdem, welches Bistum es ist, landet die Beschwerte in Ablage P (Papierkorb) oder der Pfarrer bekommt die Dienstanweisung normale Messen zu feiern. Messen sind dann schnell wieder leer, vor allem die Familien mit Kindern sind weg, Kinder bekommen keinen Zugang zur Kirche mehr und treten als Erwachsene dann aus.

Wohl kaum der Zweck der Übung.

 

Manchmal zeigt sich die "Liebe zur Kirche" auch darin, dass man ihre Gesetze bricht. Loyalität ist nicht Kadavergehorsam, sondern Mitverantwortung.

Und letztlich müssen auch wir Katholiken lernen, mit der Vielfalt in der eigenen Kirche zu leben - ich mag z.B. Eucharistiefeiern mit NGL oder mit Taizégesängen sehr, sehr gerne. Ein klassisches Hochamt mit 10 Minis, 3 Priestern, Weihrauch und Chor ist echt nicht meins. Bei anderen ist es genau andersrum. Darf so sein... Wir sind ja alle unterschiedlich ...

 

Ich setze mich übrigens in meiner Seelsorgeeinheit gerade für ein verbindliches, berechenbares Modell von Liturgie ein, das unterschiedliche Gottesdienstformen beinhaltet und damit möglichst vielen Menschen gerecht wird.

Beispiel in einer Kleinstadt 15000 Katholien in zwei Kirchen und zwei Priestern, ein Gottesdienst am Wochenende muss aus personnellen Gründen eine Wortgottesfeier (WGF) sein (in unserer Diözese so zulässig, also gängige Praxis):

Kirche 1:

Sa-Abend: Eucharistiefeier, normale Liturgie, Orgel, keinerlei Schnickschnack

So: 11 Uhr: Familiengottesdienst (wie von dir beschrieben), abwechselnd als Eucharistiefeier und als WGF

Kirche 2:

So-morgen: 8 Uhr: Eucharistiefeier, traditionell, z.B. Lateinisches Choralamt

So: 11 Uhr: Eucharistiefeier, Hochamt, Kirchenchor etc.

So 18 Uhr: Meditativer, experimenteller Gottesdienst (Zielgruppe: Erwachsene), Taizé etc., abwechselnd als Eucharistiefeier und als WGF

 

Laura

Edited by laura

Share this post


Link to post
Share on other sites
Moriz
Am ‎05‎.‎05‎.‎2019 um 16:00 schrieb Jan_Duever:

Die Gestaltung der Liturgie unterscheidet sich jedoch teilweise erheblich: Anstelle der Orgel spielt eine Band, wobei stets Lieder aus dem "Jungen Gotteslob" ausgewählt werden.

Kann man machen. Die Musik ist kein genuiner Teil der Eucharistiefeier, es geht auch ganz ohne. Wenn es sie gibt, sollte sie der Würde der Feier angemessen sein. Orgel ist in Europa zwar klassisch aber ich wüsste keinen Grund, der gegen eine Band spricht. "Junges Gotteslob" klingt für mich gänzlich unverdächtig.

 

Zitat

Die Lesungen stammen nur zum Teil aus der Bibel. Heute wurde bspw. anstelle der Lesung aus der Apostelgeschichte und der Offenbarung des Johannes die Fabel vom Löwen und der kleinen Maus vorgetragen.

Wenn ich Chrysologus richtig verstanden habe, dann darf man, wenn es einen guten Grund gibt, die Lesungen weglassen. Ich wüsste jetzt auch nicht, warum man (stattdessen) nicht etwas anderes passendes vortragen dürfte. Die Kunst dürfte sein, bei allen Anpassungen an die Zielgruppe noch beim Thema zu bleiben. Nicht ohne Grund gibt es eine Leseordnung

 

Zitat

Für den Text des Evangeliums wurde eine kindgerechte Übersetzung gewählt.

Ist diese Übersetzung kirchlich approbiert? Ansonsten: Formal nicht in Ordnung, macht die Messe aber auch nicht 'ungültig'.

 

Zitat

Überhaupt ist die ganze Liturgie so gestaltet, dass ein Zehnjähriger den Inhalten problemlos folgen kann. Momente der Andacht und der Stille sucht man vergebens.

Ersteres halte ich für eine Kindermesse super, letzteres für eine Kindermesse angemessen.

Schade ist es, wenn es in der Pfarrei Sonntags keine Alternative zur Kindermesse gibt.

 

Zitat

Alles wirkt extrem modern.

'Modern' ist keine Kategorie, die die Messordnung kennt. 'Würdig' und 'Angemessen' muß alles sein, aber das ist kein Gegensatz zu 'Modern'.

 

Zitat

Liegt dies noch im Rahmen dessen, was das Kirchenrecht gestattet?

Wo gibt es Grenzen?

So als Laie würde ich sagen: Der Rahmen wurde leicht überzogen (wegen der 'falschen' Übersetzung des Evangeliums).

Genaueres findest Du hier.

 

Zitat

Darf man etwas, was so gut läuft, kritisieren?

Kritisieren darf man alles - schon alleine, weil man auch das Gute noch besser machen darf.

Hilfreich ist es, wenn Kritik Sachlich und konstruktiv ist.

Das es keine 'normale' Gemeindemesse mehr gibt halte auch ich nicht für gut.

 

vor 3 Stunden schrieb rorro:

Das kann man machen - sollte allerdings vorher ehrlicherweise ankündigen, dass das, was jetzt folgt, keine römisch-katholische Messe mehr ist. Die meisten blieben trotzdem da.

War der Priester nicht geweiht? Oder hatte er gar Titten? Hat er das Hochgebet weggelassen oder verballhornt? Hatte er Chips und Bier statt Brot und Wein auf dem Altar? Hat er wesentliche Teile weggelassen? Nein?

Dann war es eine römisch-katholische Messe. Wenn auch keine 'perfekte' (aber welche Messe ist das schon).

Die meisten werden wissen, was sie erwartet, daher erübrigt sich meiner Meinung nach eine entsprechende Ansage.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Higgs Boson
vor 1 Stunde schrieb Moriz:

Wenn ich Chrysologus richtig verstanden habe, dann darf man, wenn es einen guten Grund gibt, die Lesungen weglassen. Ich wüsste jetzt auch nicht, warum man (stattdessen) nicht etwas anderes passendes vortragen dürfte. Die Kunst dürfte sein, bei allen Anpassungen an die Zielgruppe noch beim Thema zu bleiben. Nicht ohne Grund gibt es eine Leseordnung

 

Passend zur ersetzten Lesung? Also Lesung weglassen und dann stattdessen einen dazu passenden Text? Dann passt der Text nicht zum Evangelium. Denn in den seltensten Fällen passen Lesung und Evangelium zusammen. Und dann ist es die Frage, macht man bei den Kindern eine Lesung oder das Evangelium zum Thema?

 

Da ist es besser, die Lesung ersatzlos zu streichen, das Evangelium vorzulesen und im Predigtteil eine dazu passende Geschichte einzubauen. Die Geschichte als Lesung zu verwenden, an ihre Stelle zu setzen, ist unredlich.

 

Und verwirrend. Weil irgendwann suchen die Kinder die Geschichte von dem Löwen und der kleinen Maus in der Bibel. Und finden sie nicht.

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura
vor 13 Minuten schrieb Higgs Boson:

Und verwirrend. Weil irgendwann suchen die Kinder die Geschichte von dem Löwen und der kleinen Maus in der Bibel. Und finden sie nicht.

 

 

Dazu eine biographische Anekdote:

In meiner Kindheit wurde in der Osternacht immer die Schöpfung vorgelesen und dabei wurden 7 Kerzen angezündet. Eine pro Tag.

Danach wurden die "7 letzten Tage der Schöpfung" (ich meine von Jörg Zink) vorgelesen und die 7 Kerzen wurden wieder ausgeblasen.

 

Als ich dann mit 21 erstmals auswärts in einer Osternacht war, war ich ganz erstaunt und konnte überhaupt nicht verstehen, warum die Lesungen so "unvollständig" waren.

🤣

 

Laura

 

(ganz abgesehen davon, dass der Zink-Text auch nur begrenzt zur Liturgie der Osternacht passt ... Aber das ist ein ganz anderes Thema.)

Share this post


Link to post
Share on other sites
Higgs Boson
vor 8 Stunden schrieb laura:

 

Dazu eine biographische Anekdote:

In meiner Kindheit wurde in der Osternacht immer die Schöpfung vorgelesen und dabei wurden 7 Kerzen angezündet. Eine pro Tag.

Danach wurden die "7 letzten Tage der Schöpfung" (ich meine von Jörg Zink) vorgelesen und die 7 Kerzen wurden wieder ausgeblasen.

 

Als ich dann mit 21 erstmals auswärts in einer Osternacht war, war ich ganz erstaunt und konnte überhaupt nicht verstehen, warum die Lesungen so "unvollständig" waren.

🤣

 

Laura

 

(ganz abgesehen davon, dass der Zink-Text auch nur begrenzt zur Liturgie der Osternacht passt ... Aber das ist ein ganz anderes Thema.)

 

Ja, so ungefähr das passiert 🙂

 

Die Osternachtslesung der Schöpfungsgeschichte  als Experimentierfeld: Ich liebe diese alten Worte aus Gen 1. Und dann, eines schönen Ostertages, ich sitze bei meiner Schwester in der Osternacht, die Gemeinde hatte einen neuen Pfarrer, hatte der die umgeschrieben, auf Urknall und Evolution, im gleichen Duktus uns Rhythmus - grauenvoll. Ich fand, er hätte dann so weitermachen müssen und alle AT Lesungen umformulieren nach der biblisch - kritischen Methode.

 

Und dann das Osterevangelium nach Gerd Lüdemann verkünden.

 

Wäre bestimmt witzig gewesen.

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro
vor 21 Stunden schrieb laura:

Manchmal zeigt sich die "Liebe zur Kirche" auch darin, dass man ihre Gesetze bricht. Loyalität ist nicht Kadavergehorsam, sondern Mitverantwortung.

 

Eine interessante Sichtweise. Soll man das auch auf einen freien Staat anwenden, wenn man sein Land liebt? Vor allem kommt in der Liturgie ja noch hinzu, daß man seinen Gesetzesbruch anderen aufzwingt, die - voller Naivität, eine römisch-katholischen Liturgie mitzufeiern - etwas anderes erwarten.

 

Wie erwähnt und ganz ernst gemeint: sollen sie machen, das mit der selbst gebastelten Liturgie. Nur ist es eben keine römisch-katholische Hl. Messe mehr - und ich habe was gegen geheuchelten Etikettenschwindel.

 

Das hat auch mit der Gültigkeit nichts zu tun, die gibt es ja auch in anderen Riten. Auch ein griechisch-katholischer oder syro-malabarischer Gottesdienst ist nicht römisch-katholisch.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Xamanoth
vor einer Stunde schrieb rorro:

 

Eine interessante Sichtweise. Soll man das auch auf einen freien Staat anwenden, wenn man sein Land liebt?

Frag das zB die weiße Rose und die Verschwörer und Stauffenberg.

  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
rorro

Wie frei war der Staat denn damals so? 

Share this post


Link to post
Share on other sites
OneAndOnlySon
vor 2 Stunden schrieb rorro:

Wie erwähnt und ganz ernst gemeint: sollen sie machen, das mit der selbst gebastelten Liturgie. Nur ist es eben keine römisch-katholische Hl. Messe mehr - und ich habe was gegen geheuchelten Etikettenschwindel.

 

Das hat auch mit der Gültigkeit nichts zu tun, die gibt es ja auch in anderen Riten. Auch ein griechisch-katholischer oder syro-malabarischer Gottesdienst ist nicht römisch-katholisch.

Der römische Ritus lässt allerdings sehr viele Wahlmöglichkeiten zu. Chryso hat oben ja schon geschrieben, dass bei relativ weiter Rubrikenauslegung ein Entfallen der Lesungen vor dem Evangelium und eine Hinführung zum Evangelium in Form einer Geschichte durchaus möglich ist. 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Moriz
vor 10 Stunden schrieb rorro:

  

Am ‎19‎.‎05‎.‎2019 um 11:14 schrieb laura:

Manchmal zeigt sich die "Liebe zur Kirche" auch darin, dass man ihre Gesetze bricht. Loyalität ist nicht Kadavergehorsam, sondern Mitverantwortung.

 

Eine interessante Sichtweise. Soll man das auch auf einen freien Staat anwenden, wenn man sein Land liebt?

Siehe Art. 20 Satz 4 GG.

Und auch darunter dürfte es genug Öffnungsklauseln geben. Selbstverständlich darf (und muß) ich auf der Autobahn anhalten um einem Unfallopfer zu helfen. Auch wenn das eigentlich streng verboten ist.

(Und dem Vernehmen nach müssen Gerichte bei neuen Gesetzen manchmal richtige Klimmzüge machen um das zu erreichen, was das Gesetz will aber dummerweise falsch herum sagt.)

 

Im CIC steht die entscheidende Öffnungsklausel ganz am Ende: Das Heil der Seelen hat immer Vorrang.

Edited by Moriz

Share this post


Link to post
Share on other sites
Studiosus

In der Tat. Der 1752er. Der wohl - allerseits - missbrauchteste Canon des gesamten Kodex. Von traditionalistischem Schisma bis Homo-Trauung lässt sich da alles und nichts mit rechtfertigen. Mal mit mehr, mal mit weniger großem Erfolg.

 

Dabei ist das eine wunderbare Maxime: salus animarum suprema lex. Wobei ich nicht glaube, und das gibt auch die eigentliche Situierung des Canons im Recht nicht her, dass vom Gesetzgeber damit ein Blanco-Scheck für liturgisches Freistilringen erteilt werden sollte. Denn ob diese Formen des Umgangs mit dem Ritus - siehe Beispiele oben - dem Heil der Seelen zuträglich sind, kann bezweifelt werden. Den Seelen derer, die aus Gemeindem mit einem solchen Programm flüchten, sicher nicht. Sie haben meine vollstes Verständnis, wenn sie es tun.

 

Und auch der Kirche kann nur daran gelegen sein, dass ihre liturgischen Normen, die keine beliebige Verfügungsmasse des Pfarrers oder des Liturgie-Ausschusses sind - authentsich zur Anwendung gelangen. Das Recht kennt nämlich nicht nur Pflichten des Gläubigen, sondern auch Rechte desselben und Pflichten der Kirche den Gläubigen gegenüber. So u. a. das Recht der Gläubigen, die Sakramente und liturgischen Vollzüge gemäß den Vorschriften des eigenen, von den zuständigen Hirten der Kirche genehmigten Ritus zu feiern (c. 214). Das ist, in der größeren Anzahl der Fälle, der römische Ritus. Und nicht eine Liturgie modo Pastösis. Je nachdem, ob die Grundgestalt des Ritus hier noch erkennbar bleibt oder bereits so deformiert ist, dass ein katholischer Gottesdienst nicht mehr ohne Weiteres ersichtlich ist, ist zu fragen, ob die Kirche diesem Recht der Gläubigen genügend Beachtung schenkt. 

 

Dazu sei auch immer wieder auf Redemptionis Sacramentum (2004) verwiesen, das die größten Missbräuche benennt. 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

Edited by Studiosus

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura
vor 31 Minuten schrieb Moriz:

Siehe Art. 20 Satz 4 GG.

 

Im CIC steht die entscheidende Öffnungsklausel ganz am Ende: Das Heil der Seelen hat immer Vorrang.

 

Beispiel:

Ich habe Aufsicht im schriftlichen Abitur. Die Schüler schreiben Mathe, keine Gefahr, dass ich ihnen helfen kann.

Ich sehe, wie Lisa einen Spickzettel verwendet. Als Aufsicht muss ich den Spickzettel einkassen, Lisa fällt wegen Täuschungsversuch durch das ganze Abitur und hat keine zweite Chance (so die rechtliche Regelung):

 

Wenn ich aber nun weiß, dass Lisa total fleißig und ehrlich ist, aber ihre Mutter letzte Woche nach langem Brustkrebs gestorben ist und ihr Vater sowieso schon lange ausgezogen ist, sie also allein mit 2 kleinen Geschwistern ist? Dann würden doch die meisten hier wahrscheinlich auf Aufsicht im Abi einen kleinen Anfall von Kurzsichtigkeit bekommen, oder?

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura
vor 22 Minuten schrieb Studiosus:

 Denn ob diese Formen des Umgangs mit dem Ritus - siehe Beispiele oben - dem Heil der Seelen zuträglich sind, kann bezweifelt werden. Den Seelen derer, die aus Gemeindem mit einem solchen Programm flüchten, sicher nicht.
 

 

In dem oben zitierten Fall scheint ja gerade das Gegenteil der Fall zu sein: Die geschilderten Gottesdienste sind voller als die normalen es wären.

Daher stellt sich schon die Frage, ob hier gerade die freie Form das Heil der Seelen befördert.

Wenn man nämlich zur klassischen Form übergehen würde, wären die Leute weg ...

Share this post


Link to post
Share on other sites
Studiosus
vor 14 Minuten schrieb laura:

Wenn man nämlich zur klassischen Form übergehen würde, wären die Leute weg ...

 

Das ist dann allerdings kein Verschulden der Gläubigen, sondern die Frucht mangelnder (Sakramenten-)Katechese. Auch hier ist eindeutig die Kirche in der Pflicht, wenn es darum geht, die Gläubigen zu unterweisen. 

 

Ohne Weiteres erschließt sich selbst der NOM nicht. Da täte eine Einführung in die Liturgie der Kirche gut. Man holt auch keinen Papua-Indio aus dem Dschungel und setzt ihn erklärungslos in eine Wagneroper.

 

Darin sähe ich z. B. ein weites Betätigungsfeld für die diversen Laien, wenn es schon die Priester, verständlicherweise, nicht mehr bewerkstelligen können. 

 

 

Saluti cordiali,

Studiosus. 

Edited by Studiosus

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura
vor 1 Minute schrieb Studiosus:

 

Das ist dann allerdings kein Verschulden der Gläubigen, sondern die Frucht mangelnder (Sakramenten-)Katechese. Auch hier ist eindeutig die Kirche in der Pflicht, wenn es darum geht, die Gläubigen zu unterweisen. 

 

Ohne Weiteres erschließt sich selbst der NOM nicht. Da täte eine Einführung in die Liturgie der Kirche gut. Man holt auch keinen Papua-Indio aus dem Dschungel und setzt ihn erklärungslos in eine Wagneroper.

 

Saluti cordiali,

Studiosus. 

 

Völlig einverstanden. Für viele Leute ist die normale Messe wie ein russischsprachiger Film ... ich verstehe gar nichts ...

 

Aber: Ist nicht dies auch ein Zeichen, dass Liturgie Erneuerung braucht?

 

Laura

Share this post


Link to post
Share on other sites
Studiosus
vor 3 Minuten schrieb laura:

Aber: Ist nicht dies auch ein Zeichen, dass Liturgie Erneuerung braucht?

 

 

Meiner Meinung nach: Nein. Erklärung, die bräuchte es freilich. Siehe meinen Beitrag darüber.

 

Ich bin kein Freund davon, die Schwellen zu tief abzusenken. Wenn etwas nicht unmittelbar eingängig ist, so muss nicht gleich der Rotstift angesetzt werden. Man kann, mit entsprechendem Geschick, den Reichtum des katholischen Kultes prinzipiell jedem erschließen. So zumindest meine Überzeugung. Man muss es natürlich wollen.

 

 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

Edited by Studiosus

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
vor 20 Minuten schrieb laura:

 

Völlig einverstanden. Für viele Leute ist die normale Messe wie ein russischsprachiger Film ... ich verstehe gar nichts ...

 

Aber: Ist nicht dies auch ein Zeichen, dass Liturgie Erneuerung braucht?

 

Laura

Erneuerung ist nicht der richtige Begriff. Es liegt im Wesen einer Liturgie, immer gleich zu sein. Pflege oder Erhaltung trifft es besser. Wenn man sie nicht versteht, muss man sich halt darum bemühen. Liturgie hat nicht die Aufgabe, sich verständlich zu machen bzw. dem Gläubigen da irgendwie entgegenzukommen wenn er sich mit dem Verständnis schwer tut. 

Edited by Merkur

Share this post


Link to post
Share on other sites
laura
vor 14 Minuten schrieb Merkur:

Erneuerung ist nicht der richtige Begriff. Es liegt im Wesen einer Liturgie, immer gleich zu sein. Pflege oder Erhaltung trifft es besser. Wenn man sie nicht versteht, muss man sich halt darum bemühen. Liturgie hat nicht die Aufgabe, sich verständlich zu machen bzw. dem Gläubigen da irgendwie entgegenzukommen wenn er sich mit dem Verständnis schwer tut. 

 

Wie siehst du in diesem Kontext die Reformen in der Liturgie? Z.B. im Zweiten Vatikanum? Oder die veränderte Übersetzung des Vater unsers in Frankreich?

Liturgie entwickelt sich immer weiter ... das hat zumindest die Geschichte deutlich gezeigt.

 

Laura

Share this post


Link to post
Share on other sites
OneAndOnlySon
vor 18 Minuten schrieb Studiosus:

Man kann, mit entsprechendem Geschick, den Reichtum des katholischen Kultes prinzipiell jedem erschließen. So zumindest meine Überzeugung. Man muss es natürlich wollen.

Ich kenne - mit Verlaub - keinen einzigen Priester und keine Gemeinde, in der der Reichtum der katholischen Liturgie voll entfaltet wird. Jeder setzt innerhalb des Ritus unterschiedliche Schwerpunkte. Der eine Priester macht einen großen Bogen um die neueren Hochgebete, der nächste vermeidet eine größere Gabenprozession und der dritte hat noch nie eine Messe auf Latein gelesen. Es war auch erklärtes Ziel der Liturgiereform, der Inkulturation weiten Raum zu geben. Daher die vielen Wahlelemente. 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Merkur
Gerade eben schrieb laura:

 

Wie siehst du in diesem Kontext die Reformen in der Liturgie? Z.B. im Zweiten Vatikanum? Oder die veränderte Übersetzung des Vater unsers in Frankreich?

Liturgie entwickelt sich immer weiter ... das hat zumindest die Geschichte deutlich gezeigt.

 

Laura

Ich halte sie für im wesentlichen mißlungen, das war mE keine Weiterentwicklung, sondern ein Bruch. Gegen eine schonende Weiterentwicklung der Liturgie hätte ich aber nichts einzuwenden, sofern sie sinnvoll ist.

 

Die Änderung des frz. Vaterunser lehne ich ebenfalls ab, da sie zu Einbußen bei der Sprachmelodie geführt hat.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now

×