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Shubashi

Pflege, Medizin, Soziales

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Frank
vor einer Stunde schrieb Moriz:

Aber soweit ich das verstanden habe, seid ihr ein derart menschenfreundlicher Haufen, daß wohl keiner seine Klienten und Kollegen im Regen stehen lassen will, wenn es wirklich mal Probleme gibt. Zumal ja auch jeder selber froh ist, wenn er die Mehrarbeit nicht alleine stemmen muß. Wenn es denn genug Kapazitäten gäbe würde es am Einvernehmen wohl nicht scheitern.

Hervorhebung von mir.
Dieses Missverständnis ist in der Tat unter Pflegekräften weit verbreitet. "Ich kann doch nicht Omma Hilde im Stich lassen, wer soll sie denn versorgen wenn ich nicht einspringe".
In Wirklichkeit ist es aber der Arbeitgeber der "Omma Hilde" im Stich lässt. Dessen Risiko ist es das seine Angestellten krank werden. Der hat dafür zu sorgen das dieses Risiko, wen es eintritt, kompensiert wird... Kriegst du in die Köpfe der Kollegen nicht rein. Im Gegenteil! Wenn man das so offensiv formuliert darf man sich noch anhören man sei unkollegial.

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Shubashi
vor 48 Minuten schrieb Frank:

Bei jeglicher Bereitschaftsdienstregelung läufst du als Arbeitgeber immer Gefahr einen Mitarbeiter fürs Nichtstun zu bezahlen. Das macht das für den Arbeitgeber äusserst unattraktiv. Und so langer die Arbeitgeber immer einen finden der einspringt und so lange es immer noch Kollegen gibt ihr Privatleben umorganisieren, wenn der Ruf nach einspringen kommt, bindet sich dieses Risiko kein Arbeitgeber ans Bein.

 

 

Ich überlege gerade, warum "mein" Arbeitgeber sich das ans Bein bindet. Einspringen müssen unsere Kollegen zusätzlich ja auch - nur ist die Regelung inzwischen, dass 150 EUR pro ungeplante Extraschicht draufgelegt werden müssen, sonst kommt keiner.

Ich vermute hier schlicht, dass bei Euch die Arbeitgeber im Zweifelsfall auf die gesetzlichen Vorgaben nichts geben und dafür nicht sanktioniert werden. Bei uns wird im Zweifelsfall der Wagen nicht besetzt - was dem Auftraggeber (Kreis) wie auch der Öffentlichkeit sauer aufstößt.

 

Falls ich also richtig vermutete, wäre es im "privaten" Pflegebereich zu einfach möglich, unter dem Radar der Aufsichtsbehörden zu fliegen?

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Frank
vor 7 Minuten schrieb Shubashi:
vor einer Stunde schrieb Frank:

Bei jeglicher Bereitschaftsdienstregelung läufst du als Arbeitgeber immer Gefahr einen Mitarbeiter fürs Nichtstun zu bezahlen. Das macht das für den Arbeitgeber äusserst unattraktiv. Und so langer die Arbeitgeber immer einen finden der einspringt und so lange es immer noch Kollegen gibt ihr Privatleben umorganisieren, wenn der Ruf nach einspringen kommt, bindet sich dieses Risiko kein Arbeitgeber ans Bein.

 

 

Ich überlege gerade, warum "mein" Arbeitgeber sich das ans Bein bindet. Einspringen müssen unsere Kollegen zusätzlich ja auch - nur ist die Regelung inzwischen, dass 150 EUR pro ungeplante Extraschicht draufgelegt werden müssen, sonst kommt keiner.

Ich vermute hier schlicht, dass bei Euch die Arbeitgeber im Zweifelsfall auf die gesetzlichen Vorgaben nichts geben und dafür nicht sanktioniert werden. Bei uns wird im Zweifelsfall der Wagen nicht besetzt - was dem Auftraggeber (Kreis) wie auch der Öffentlichkeit sauer aufstößt.

 

Falls ich also richtig vermutete, wäre es im "privaten" Pflegebereich zu einfach möglich, unter dem Radar der Aufsichtsbehörden zu fliegen?

Zum einen bindet deinen Arbeitgeber der Tarifvertrag, von dem du weiter oben erzählt hast.

Dann ist Rettungsdienst noch ne andere Baustelle. Ihr habt Hilfsfristen einzuhalten. Und du deutest es ja an: Wenn wegen nicht besetzer RTW´s diese nicht eingehalten werden dann kann das für den Rettungsdienstbetreiber äusserst ungemütlich werden.

 

Tarifverträge in der Pflege, das ist so eine Sache. Kommunale Einrichtungen haben den TöVD. Die Kirchen und Wohlfahrtserbände gelten andere, aber ähnliche Tarifverträge. Bei den Privaten haben die grossen Ketten ihre Tarifverträge, die vielen kleinen und mittelständischen Einrichtungen haben keinen. Der Heimbetreiber ist in der Pflicht die Schichten zu besetzen. Wie er das macht ist weitestgehend seine Sache. Einseitige Planänderungen? So lange die Belegschaft das mit macht gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und so lange die Kollegen nicht auf ihre Rechte pochen kommen die Arbeitgeber damit durch (das fängt schon damit an das die meisten Häuser keinen BR haben). Arbeitsgesetze und Gewerbeordnung müssen eingehalten werden, darauf schauen auch die Aufsichtsbehörden. Und wenn stimmt was ich leider nur vom hörensagen weiss sind die Sanktionen relativ gering. Pro Verstoss im vierstelligen Bereich (also für jeden Tag an dem die Fachkraftquote nicht stimmt, jeder Tag wo unterbesetzt gefahren wird, jeder Einzelfall wo Ruhezeiten nicht passen etc - das läppert sich dann zwar, schmerzen tut es dennoch anscheinend zu wenig)

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Shubashi
vor 10 Minuten schrieb Frank:

Zum einen bindet deinen Arbeitgeber der Tarifvertrag, von dem du weiter oben erzählt hast.

Dann ist Rettungsdienst noch ne andere Baustelle. Ihr habt Hilfsfristen einzuhalten. Und du deutest es ja an: Wenn wegen nicht besetzer RTW´s diese nicht eingehalten werden dann kann das für den Rettungsdienstbetreiber äusserst ungemütlich werden.

 

Tarifverträge in der Pflege, das ist so eine Sache. Kommunale Einrichtungen haben den TöVD. Die Kirchen und Wohlfahrtserbände gelten andere, aber ähnliche Tarifverträge. Bei den Privaten haben die grossen Ketten ihre Tarifverträge, die vielen kleinen und mittelständischen Einrichtungen haben keinen. Der Heimbetreiber ist in der Pflicht die Schichten zu besetzen. Wie er das macht ist weitestgehend seine Sache. Einseitige Planänderungen? So lange die Belegschaft das mit macht gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und so lange die Kollegen nicht auf ihre Rechte pochen kommen die Arbeitgeber damit durch (das fängt schon damit an das die meisten Häuser keinen BR haben). Arbeitsgesetze und Gewerbeordnung müssen eingehalten werden, darauf schauen auch die Aufsichtsbehörden. Und wenn stimmt was ich leider nur vom hörensagen weiss sind die Sanktionen relativ gering. Pro Verstoss im vierstelligen Bereich (also für jeden Tag an dem die Fachkraftquote nicht stimmt, jeder Tag wo unterbesetzt gefahren wird, jeder Einzelfall wo Ruhezeiten nicht passen etc - das läppert sich dann zwar, schmerzen tut es dennoch anscheinend zu wenig)

 

In meinen Augen sind Gesetze dafür da, eingehalten zu werden. Die ganzen Versprechungen für mehr Personal zu sorgen sind, sind in meinen Augen nichts wert, wenn die Heimaufsicht keinen Dampf macht bei Verstößen gegen die Vorschriften.

Bei uns wird gerade auch viel gemeckert - z.B., weil unsere Rahmendienstpläne nicht eingehalten werden. Ich bin da noch in der glücklichen Lage, nichts zu vermissen, weil ich diese Art von Verläßlichkeit eh nie kennengelernt habe.Aber wie Du sagst, es ist ein erheblicher Unterschied, ob ein Tarifvertrag, hinter dem die Gewerkschaft steht, existiert, und ob es einen Betriebsrat gibt.

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Frank

Eine Bekannte von mir ist (leider in einem anderen Landkreis) bei der Heimaufsicht. Ich muss die mal Fragen wie hoch die Sanktionen sind und welche Spielräume die haben.

Das viele Pflegekräfte lieber den Weg des geringsten Widerstandes gehen und den Beruf verlassen, statt - zum Beispiel über Betriebsrats arbeit oder Gewerkschaftsarbeit - für Verbesserungen zu kämpfen ist irgendwo Nachvollziehbar.

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Frank

Apropos Gewerkschaft!

Manchesmal versteh ich Verdi nicht. Es ist zum verzweifeln. Da könnte sich meine Gewerkschaft bei den Kollegen profilieren könnte sich Marketingmässig richtig rausputzen, in dem sie es jeder Pflegekraft die es nicht hören will sagt das sie grad Verhandlungen führen... Nein, das die Flächentarifverhandlungen begonnen haben hatte ich auf der Seite des DGB gelesen (hatte eigentlich nach was anderem gesucht). Der Seite von Verdi war das keine Meldung wert. Niht mal die Unterseite des zuständigen Fachbereichs. Mir scheints teilweise die wollen keine neuen Mitglieder.

Ich beobachte ja die Entwicklung beim Bochumer Bund... Momentan noch ein Verein, der aber das erklärte Ziel hat die Gewerkschaft für die Pflegenden zu werden. Ich versprech mir nicht allzuviel davon, halte es besser den Laden Verdi ordentlich aufzumischen. Aber sollte ich mich täuschen und der BB mausert sich zu einer ernst zu nehmenden Alternativ ist ein Gewerkschaftswechsel kein Tabu.

Edited by Frank

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Frank

Wie blöd kann man eigentlich sein?

Wenn ich so pflegen würde wie die Politik machen, meine Bewohner wären ihres Lebens nicht mehr sicher.

Die SPD-Geführte Landesregierung Niedersachsens führt eine Pflegekammer ein. So Weit, so gut, so richtig.

Aber anstatt der Pflegeberufekammer Niedersachsen mittels Anschubfinanzierung die Mittel an die Hand zu geben in Ruhe arbeiten zu können, sehen die in aller Seelenruhe zu wie das Teil an die Wand fährt. Jetzt geben se der Kammer das Geld und setzen die Beitragspflicht aus.

Hier in Bayern gehts mich formal nichts an. Würde es mich was angehen würde ich mich jetzt so dermaßen aufregen.

AAAAAAAARGH!

Wie blöd kann man sein?

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Frank
Am 27.11.2019 um 07:59 schrieb Shubashi:

Wieder mal ein Versuch, den Mangel an Pflegepersonal durch Gängelung der Verhältnisse: die Berliner SPD will die Zeitarbeit in der Pflege untersagen, obwohl viele Betriebe kaum ohne auskommen.

https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-11/altenpflege-zeitarbeit-leiharbeiter-bundesratsinitiative/komplettansicht

Nach dem ich mir die Meldung endlich durchgelesen hab möchte ich dann doch mal auf diese Bundesratsinitiative eingehen.

 

Glaubt irgendwer dass das durchgeht?
Im Bundesrat vielleicht noch, das mag ich nicht beurteilen. Aber dann muss es durch den Bundestag. Und das die CDU/CSU-Bundestagsfraktion (die ja immer eher arbeitgeberfreundlich ist) freiwillig Zeitarbeit einschränkt glaub ich kaum. Die Bundesratsinitiative fliegt doch im Bundestag schneller in den Papierkorb als die berliner Gesundheitssenatorin "Bundesratsinitiative" sagen kann. Zumal die SPD momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist als sich einen ähnlichen Battle wie bei bei der Grundrente zu leisten. Die müssen überlegen wie sie das Versprechen der designierten Vorsitzenden, aus der GroKo auszusteigen, kassieren ohne das Versprechen der designierten Vorsitzenden, aus der GroKo auszusteigen zu kassieren. Für ernsthafte Politik haben die im Augenblick keine Zeit.

Edited by Frank

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Shubashi
vor 19 Minuten schrieb Frank:

Nach dem ich mir die Meldung endlich durchgelesen hab möchte ich dann doch mal auf diese Bundesratsinitiative eingehen.

 

Glaubt irgendwer dass das durchgeht?
Im Bundesrat vielleicht noch, das mag ich nicht beurteilen. Aber dann muss es durch den Bundestag. Und das die CDU/CSU-Bundestagsfraktion (die ja immer eher arbeitgeberfreundlich ist) freiwillig Zeitarbeit einschränkt glaub ich kaum. Die Bundesratsinitiative fliegt doch im Bundestag schneller in den Papierkorb als die berliner Gesundheitssenatorin "Bundesratsinitiative" sagen kann. Zumal die SPD momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist als sich einen ähnlichen Battle wie bei bei der Grundrente zu leisten. Die müssen überlegen wie sie das Versprechen der designierten Vorsitzenden, aus der GroKo auszusteigen, kassieren ohne das Versprechen der designierten Vorsitzenden, aus der GroKo auszusteigen. Für ernsthafte Politik haben die im Augenblick keine Zeit.

 

Das ist so eine Sache: gerade von der SPD erwarte ich ein bisschen mehr sinnvolle und ernsthafte Vorschläge zur Verbesserung der Pflegesituation. In meinen Augen wäre das keiner, v.a. weil es in meinen Augen die Wahlmöglichkeiten für das Personal einschränkt. Außerdem könnte es eine Lösung in Bezug auf eine "Reserve" an Mitarbeitern für Notfälle sein - und man muss die Betriebe zwingen, die Gesetze einzuhalten.

Die Haltung der SPD ist wiederum letztlich nur parteipolitisch und betrieblich ausgerichtet, ohne irgendetwas für das Personal zu verbessern - und das finde ich ärgerlich.

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Frank
vor 1 Stunde schrieb Shubashi:

Das ist so eine Sache: gerade von der SPD erwarte ich ein bisschen mehr sinnvolle und ernsthafte Vorschläge zur Verbesserung der Pflegesituation. In meinen Augen wäre das keiner, v.a. weil es in meinen Augen die Wahlmöglichkeiten für das Personal einschränkt. Außerdem könnte es eine Lösung in Bezug auf eine "Reserve" an Mitarbeitern für Notfälle sein - und man muss die Betriebe zwingen, die Gesetze einzuhalten.

Die Haltung der SPD ist wiederum letztlich nur parteipolitisch und betrieblich ausgerichtet, ohne irgendetwas für das Personal zu verbessern - und das finde ich ärgerlich.

Alles richtig was du sagst. Das Thema Zeitarbeit seh ich nicht unkritisch weil ich die fachliche Seite auch im Blick hab. Als Option zur Mitarbeiterausfallvorsorge werden wir Zeitarbeit trotzdem brauchen. Darin stimme ich dir ausdrücklich zu.

Mein Punkt war ein anderer: Wenn die berliner Gesundheitssenatorin nun die Backen dick macht um zum Sturm auf die Zeitarbeit zu blasen kann man sich beruhigt zurück lehnen und milde lächeln: Ausser ihr will das keiner. Zumindest seh ich keinen.

 

Was die sinnvollen Vorschläge angeht waren es die Minister Heil und Giffey - beide SPD - auf dessen Initiative die Abschaffung der Schulgebühren für Pflegeschüler und die Vereinfachung bei der Allgemeinverbindlichkeit zurück gehen. Vorschläge die uns ein Stück weiter bringen und auch umgesetzt wurden.

Die Sozialdemokraten können, wenn sie wollen und sich nicht gerade mit sich selbst beschäftigen. (Die handwerklichen Fehler bei der Einführung der Pflegekammer NDS kann ich mir dennoch nicht erklären - Unvermögen? Unwille? Arbeitsverweigerung?)

Edited by Frank

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