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duesi

Bewusst konsumieren

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 07:54 schrieb Kulti:

Bewusst konsumieren ist was tolles. Ich hab blo├č den Eindruck dass mit Beginn der Elternschaft das Konsumverhalten narkotisiert wird.

 

­čśä

Ich erlebe gerade bei meiner Tochter, wie die Mutterschaft ihr Essverhalten narkotisiert. Mc Donalds? Fr├╝her absolutes Tabu, jetzt unbedingtes Muss

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 09:56 schrieb Marcellinus:

 

Besonders wenn man eine Menge Kinder hat, hat man eine Reihe von Jahren einfach nur das Gefühl, zu funktionieren, nicht zu leben. 

 

ja und man verliert v├Âllig das Gef├╝hl f├╝r seinen Alterungsprozess, bis eines Tages deine 13-J├Ąhrige zu dir sagt "Mama, das verstehst du nicht mehr, dazu bist du einfach schon zu alt!". Dieser Satz hat mich damals so traumatisiert, dass ich ihn heute (17 Jahre sp├Ąter!) immer noch im Kopf habe ­čśä

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 12:24 schrieb Kulti:

 

Es reicht eigentlich schon ein Kind. Es muss ja dann nicht nur der angenommene Bedarf des eigenes Kindes bedient werden, man muss auch f├╝r alle Kinder einkaufen die vlt. mal zu Besuch kommen.

 

Dann kannst du dir vorstellen, wie das ist,wenn du vier Kinder hast.

Manch Spazierg├Ąnger hat unseren Garten zu diesen Zeiten f├╝r einen Kindergarten gehalten.

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 13:52 schrieb Soulman:

Und Nimbusgrau ist die schlimmste Nichtfarbe, seit die einen TT damit ausgeliefert haben. Traumatisierend.

 

Da kann ich nur noch ganz sexistisch ausrufen "M├Ąnner!"

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Marcellinus
Gerade eben schrieb Die Angelika:

ja und man verliert v├Âllig das Gef├╝hl f├╝r seinen Alterungsprozess, bis eines Tages deine 13-J├Ąhrige zu dir sagt "Mama, das verstehst du nicht mehr, dazu bist du einfach schon zu alt!". Dieser Satz hat mich damals so traumatisiert, dass ich ihn heute (17 Jahre sp├Ąter!) immer noch im Kopf habe ­čśä

 

Und warum traumatisiert es so (wenn man diesen Augenblick nicht eh vorausgesehen hat)? Weil die Jungen Recht haben!. Das ist ein Problem, und es ist auch kaum zu beheben, jedenfalls nicht dadurch, da├č man selbst j├╝nger zu werden versucht. Damit macht man sich nur l├Ącherlich. Die L├Âsung ist trotzdem ganz einfach. Man braucht nur Geduld. Denn wir werden zwar nicht j├╝nger, unsere Kinder aber ├Ąlter. Und irgendwann klapptÔÇśs dann auch wieder mit dem Verst├Ąndnis! Wenn man nicht zu besserwisserisch auftritt im Sinne von: hab ich doch gleich gesagt. Sie merken es von allein, man mu├č sich nicht noch mit der Nase darauf sto├čen. Sich einfach nur still freuen, und die neue N├Ąhe genie├čen. :)

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duesi

@Die Angelika: Danke f├╝r deine l├Ąngere Antwort auf mein Eingangs-Posting. Genau so eine kontroverse Diskussion wollte ich mit meinen zwei Einw├Ąnden ansto├čen.

 

Und ja, es kann durchaus etwas ├Ąndern, wenn ich und andere es f├╝r gut halten, den Fleischkonsum zu reduzieren und auf Produkte aus artgerechter Haltung zur├╝ckzugreifen. Die Biolandwirtschaft hat seit dem Beginn solcher Denkweisen ordentlich zugelegt und ist zu einem wettbewerbsf├Ąhigen Wirtschaftszweig geworden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Billig-Lebensmittel an Attraktivit├Ąt verloren haben. Und ja, dadurch dass solch ein Wissen ├╝ber prek├Ąre Umst├Ąnde in der Gesellschaft vorhanden ist, kann ich mich nicht damit herausreden, ich habe nichts gewusst. Dennoch bin ich nicht der Meinung, dass ich ein schlechterer Mensch bin, wenn ich in einem Restaurant ein leckeres Fleischgericht bestelle, einfach, weil es gut schmeckt, und mich einmal nicht nach der Herkunft des Fleisches erkundige. Die Verantwortung daf├╝r, mit Respekt auch der W├╝rde von Tieren zu begegnen, sehe ich ganz klar einseitig beim Produzenten und teilweise auch beim Gesetzgeber. Klar w├╝rde eine fehlende Nachfrage den Produzenten unter Druck setzen. Aber es wird immer Bereiche geben, in denen Menschen durch unmoralische Gesch├Ąfte Geld verdienen k├Ânnen. Die Verantwortung liegt bei denen, die das ausnutzen, nicht bei denen, die das erm├Âglichen.

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 19:32 schrieb duesi:

Ja, da bin ich ja gerade dabei.

 

Ist jedoch einfacher gesagt als getan, wenn man von Kind auf (freikirchliche Sozialisation) darauf getrimmt war, um jeden Preis seiner ├ťberzeugung zu folgen und sich auf keinen Fall anderen Menschen zuliebe verbiegen zu lassen. Ein Kinderlied, das wir damals oft gesungen haben, lautete:

 

Sei ein lebendger Fisch, schwimme doch gegen den Strom!

Auf und wag es frisch! Freude und Sieg ist dein Lohn.

Nur die toten Fische schwimmen immer mit dem Strom.

Lassen sich von allen andern treiben.

Haben weder Kraft noch Mut, was anderes zu tun.

Wollen in der gro├čen Masse bleiben.

 

Erfahrungsgem├Ą├č f├╝hlt es sich aber gar nicht so lebendig an, immer gegen den Strom zu schwimmen. Es kostet auf Dauer viel Kraft. Und irgendwann h├Ârt einem keiner mehr zu. Ist es wirklich die christliche Berufung, um des Glaubens willen eine Jesus-Erfahrung zu machen? "Es verlie├čen ihn aber alle....."

 

Ensetzlich! Und dann wundert man sich, wenn Religionskritiker von Gehirnw├Ąsche reden.....

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 20:50 schrieb Marcellinus:

 

Ist es denn so erstrebenswert, sich ÔÇ×anderen┬áMenschen zuliebe verbiegen zu lassenÔÇť? In meiner Jugend (Ende der 60er)┬ágab es einen starken sozialen Druck hin zum Rauchen. Eigentlich jeder┬áJugendliche tat es. Ich hatte mich lange geweigert, und dann doch mit 16 damit angefangen (als schon keiner meiner Kumpels damit rechnete, wie sie mir sp├Ąter sagten). Es war nat├╝rlich ein Fehler, schlimmer: eine Dummheit, und ich habe 8 Jahre gebraucht, um das einzusehen, und davon loszukommen. Vorher war ich in gewisser Weise ein Au├čenseiter gewesen, und hinter auch, aber lieber das, als j├Ąmmerlich an Krebs einzugehen, wie einige meiner besten Freunde. Auf andere Menschen eingehen, gemeinsame Interessen finden, das ja, aber sich verbiegen lassen? Das eher nicht!

 

Na ja, es gibt ja wohl auch n och was dazwischen.

Dieses "sich anderen Menschen zuliebe verbiegen lassen" ja in obigem Kontext schon eher als Kampfansage zu sehen. Denn eben: Wer will sich schon verbiegen lassen? Da schwimmt man dann doch lieber gegen den Strom mit einer exklusiven elit├Ąren Gruppe

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Die Angelika
Am 24.6.2020 um 21:47 schrieb duesi:

Das ist vermutlich auch die Kunst dabei, den Mittelweg zu finden. Die Treue zu sich selbst nicht zu ├╝bertreiben. Aber sie auch nicht derart zu verleugnen, dass ich mich verbiegen m├╝sste. Sich soweit anzupassen, dass die anderen mich akzeptieren k├Ânnen, ohne dass sie sich verbiegen m├╝ssen. Aber auch nicht zum pers├Ânlichkeitslosen Duckm├Ąuser zu werden. Aristoteles war es glaube ich, der jede Tugend als den Mittelweg zwischen zwei Extremen beschrieb. Beim Rauchen bin ich ├╝brigens durchweg Genussmensch. Ich rauche vielleicht maximal 5 Mal im Jahr. G├Ânne mir dann aber schon Mal eine teure Havanna, weil sie einfach gut schmeckt. Wie ein guter Tee. Ich m├Âchte nicht Anti sein und mein Leben um jeden Preis verl├Ąngern, aber auch nicht in Abh├Ąngigkeit geraten.

 

das ist schon ne merkw├╝rdige Sache mit Gruppendruck:

Mein Sohn hat mir z.B. schon mehrmals erz├Ąhlt, dass bei ihm im Betrieb jeweils bei zwanglosen Treffen mit Kollegen betretenes Schweigen herrsche, wenn er erkl├Ąre, dass er keinen Alkohol trinke. Die halten ihn anscheinend alle f├╝r einen trockenen Alkoholiker.

 

Sein Vorgesetzter hingegen f├╝hlte sich bem├╝├čigt, ihn zu ermuntern, doch auch mal mit seinen Kollegen einen zu heben in einem Biergarten.

Äh.....

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duesi
vor 5 Minuten schrieb Die Angelika:

 

Ensetzlich! Und dann wundert man sich, wenn Religionskritiker von Gehirnw├Ąsche reden.....

Naja, so hoch wollte ich das jetzt nicht h├Ąngen. Aus meiner Perspektive heraus sind auch viele Dinge, die f├╝r die Mehrheitsgesellschaft normal sind, sehr befremdlich (um Worte wie "entsetzlich" zu vermeiden). Aber dieser R├╝ckblick auf das Lied hat mir ein St├╝ck geholfen, dies besser einordnen zu k├Ânnen.

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Die Angelika
Am 25.6.2020 um 09:28 schrieb Kulti:

Muss Konsum eigentlich immer hei├čen etwas neues zu kaufen?

 

Ich bin seit Jahren dabei den Kauf eines Aquariums zu vermeiden. Aber wenn eins ins Haus k├Ąme, dann per Ebay Kleinanzeigen. Da gibt es genug Aquariengeschichten die sich zu einem besseren Ende f├╝hren lie├čen.

 

M├Âbel sind ein weiteres Beispiel. Mit ausreichend Zeit findet sich vlt. etwas gebrauchtes, was man selber aufm├Âbeln kann. Und damit ist man an jedem Tisch en vogue.

 

Fazit: Bewusster Konsum ist manchmal eine Frage der Zeit, die man sich beim konsumieren l├Ąsst.

 

Wie man es nicht macht sieht man ├╝brigens wenn man nach 3 Wochen Hitze loszieht um sich eine kurze Hose zu kaufen.

 

Gebrauchtes zu kaufen, kann auch in Luxuskonsum ausarten, ("HAch wie toll, dieses Kleid w├╝rde neu das Dreifache kosten. Was ein Schn├Ąppchen! DAs muss ich haben!" Bl├Âd nur, wenn es das x-te Kleid im Schrank ist und du eigentlich eh schon drei zu viel im Schrank hast)

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Die Angelika
Am 25.6.2020 um 10:04 schrieb Kulti:

┬áDie l├Ąngste Geschichte die ich erz├Ąhlen kann geht ├╝ber einen Polo Fox f├╝r 750 Euro gekauft (mit 35 PS). Der war dann auch im Abgang spannend.

 

Im Abgang spannend klingt, als ob ein Polo Fox eine besondere Flasche Wein w├Ąre

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rorro
Am 23.6.2020 um 23:03 schrieb duesi:

Ich bin ja eigentlich im Grunde meines Herzens ein Minimalist.

 

Ach ja, ich bin auch eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu (├ľd├Ân von Horv├íth).

 

Zitat

Ich k├Ânnte mit sehr wenig auskommen und den Gro├čteil meines Einkommens an gemeinn├╝tzige Organisationen spenden. Aber mit dieser Einstellung ist es nur schwer, in Gesellschaft zurechtzukommen. Andere Menschen schauen viel positiver auf mich, wenn meine Kleidung ein bisschen was hergibt und ich ab und an von einer tollen Reise oder einem neuen Konsumprodukt erz├Ąhlen kann. Die Frage "brauche ich das?" hilft hier nicht weiter. Denn ein wenig soziale Kontakte brauche ich durchaus. Und die Menschen, die meine Gesellschaft auch als spartanischer Minimalist zu sch├Ątzen wissen, die habe ich noch nicht getroffen.

 

Irgendwie habe ich den Eindruck, Du legst zuviel Wert darauf, was andere von Dir denken. Nein, anders: Du legst zu viel Wert auf das, von dem Du meinst, da├č andere das von Dir denken k├Ânnten (gleiches im HandMundKommunionsthread) - wenn Du nachfragen w├╝rdest, k├Ąmst Du vielleicht zu der mich gar nicht ├╝berraschenden Erkenntnis, da├č Dein Verhalten anderen schnurz ist. Bestenfalls ist es Anla├č f├╝r ein Gespr├Ąch = sozialer Kontakt = Ziel erreicht.

 

Selbstredend wirst Du immer Menschen treffen, die Deine Entscheidung nicht nur doof finden, sondern vor allem selbst zur Rechtfertigung ihres anderen Verhaltens neigen - das nennt sich Dissonanzreduktion. Habe ich h├Ąufiger erlebt, als ich noch als Single ca. 15 Jahre ohne Fernseher lebte. Doch das gibt sich und ist auch kein Beziehungst├Âter.

 

Also: mach dein Ding, sei authentisch und nicht so wie Du meist, da├č andere Dich gerne h├Ątten. Die meisten m├Âgen Authentizit├Ąt.

 

Das ├╝briggeblieben Geld kannst Du dann in wenige, aber qualitativ gute Klamotten stecken. Die zeichnen sich u.a. dadurch aus, da├č man ihr Logo nicht deutlich sieht ;) (bspw. lieber ein super passendes Hemd von Dolzer oder Kuhn als f├╝nf von C&A und Co.). Und kauf bspw. Schuhe, die sich mindestens zweimal neu besohlen lassen (support your local dealer Schuhmacher).

 

Und spende nicht Dein Einkommen, sondern lege es so an, da├č Du fr├╝her aufh├Âren kannst zu arbeiten und dann Deine wichtigste Ressource spenden kannst: Deine Zeit, wertvoller als sehr viel Geld.

 

Das sind nat├╝rlich alles Vorschl├Ąge, die genausoviel Wert sind wie die von irgendeinem anderen und beanspruchen nicht einen Hauch von Weisheit.

Edited by rorro
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duesi
vor 7 Minuten schrieb Die Angelika:

 

das ist schon ne merkw├╝rdige Sache mit Gruppendruck:

Mein Sohn hat mir z.B. schon mehrmals erz├Ąhlt, dass bei ihm im Betrieb jeweils bei zwanglosen Treffen mit Kollegen betretenes Schweigen herrsche, wenn er erkl├Ąre, dass er keinen Alkohol trinke. Die halten ihn anscheinend alle f├╝r einen trockenen Alkoholiker.

 

Sein Vorgesetzter hingegen f├╝hlte sich bem├╝├čigt, ihn zu ermuntern, doch auch mal mit seinen Kollegen einen zu heben in einem Biergarten.

Äh.....

Ja, gar nicht so einfach. Mir hat mal ein Kommilitone erz├Ąhlt, dass er in den Semesterferien auf dem Bau gearbeitet hat. Dort wurde soviel gesoffen, dass er Mittags schon betrunken war. Und es wurde nicht wirklich geduldet, sich dem zu entziehen. Er musste die Stelle vorzeitig k├╝ndigen, weil er den Saufdruck einfach nicht ausgehalten hat.┬á

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Marcellinus
vor 34 Minuten schrieb Die Angelika:

Ensetzlich! Und dann wundert man sich, wenn Religionskritiker von Gehirnw├Ąsche reden.....

 

Was hattest du denn gedacht, was Sekten tun?

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duesi

@rorro : Dein Beitrag hat was m├Ąnnliches Aufbauendes. Wie so ein kumpelhalfter Schlag auf die Brust. "Sei du selbst! Das ist okay." Das mit dem Sparen f├╝rs Alter sehe ich anders. Aber m├╝ssen wir nicht diskutieren.┬á­čĹŹ

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Marcellinus

Oder noch mal ein anderer Gedanke. Was tun anerkannte Religionsvereine, wenn sie ihre Kinder (und die der anderen gleich mit) von Kita-Tagen an mit Texten und Ritualen konfrontieren? Vor allem, warum tun sie es? Und wie viele w├╝rden nie den Anschlu├č an den jeweiligen Religionsverein finden, t├Ąte man es nicht? Was ich damit sagen will: Gehirnw├Ąsche nennen wir es nur bei den anderen.┬á

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rorro

Erziehung ist immer (auch) Indoktrination.

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duesi
vor 5 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Was hattest du denn gedacht, was Sekten tun?

Die Begriffe "Sekte" und "Gehirnw├Ąsche" sind (fast) immer eine Frage der Perspektive. Dawkins argumentiert beispielsweise, dass er seine Kinder vor dem Einfluss von gl├Ąubigen Menschen sch├╝tzen m├Âchte. Also wenn das Mal keine Gehirnw├Ąsche und Sektiererei ist .....

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Marcellinus
vor 2 Minuten schrieb duesi:

Die Begriffe "Sekte" und "Gehirnw├Ąsche" sind (fast) immer eine Frage der Perspektive. Dawkins argumentiert beispielsweise, dass er seine Kinder vor dem Einfluss von gl├Ąubigen Menschen sch├╝tzen m├Âchte. Also wenn das Mal keine Gehirnw├Ąsche und Sektiererei ist .....

 

Das ist eine interessante Frage. Wir haben vier Kinder gro├čgezogen, und ja, wir haben sie bewu├čt vor religi├Âser Indoktrination gesch├╝tzt, einfach, weil und solange wie sie sich gegen die noch nicht wehren konnten. Vor dem Kontakt mit religi├Âsen Menschen kann man sie nicht sch├╝tzen, und sollte es auch nicht. Schlie├člich sollen sie lernen, ihre eigene Meinung zu verteidigen. Meistens sind es dann eher die Gl├Ąubigen, die gesch├╝tzt werden wollen.┬á

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Die Angelika
vor 3 Stunden schrieb Ennasus:


Hinter so einem Lied steckt meines Erachtens nicht das Bem├╝hen, den Einzelnen in seinem individuellen Sein zu best├Ąrken, auch wenn es so tut als, w├╝rde es das.

Es vermittelt ja, dass das Gegen-den-Strom-Schwimmen ein Wert an sich sei - was ja ├╝berhaupt nicht stimmt. Gemeinschaft mit anderen zu erleben ist doch ein menschliches Grundbed├╝rfnis und ein wirklicher Wert. Mit anderen gemeinsam unterwegs zu sein, gemeinsame Erlebnisse zu teilen oder zu sp├╝ren, dass da noch jemand ganz ├Ąhnliche Werte, Sehns├╝chte, Ideen,.. hat, kann ungemein begl├╝ckend sein.

Eigentlich kommt es mir so vor, als wolle das Lied auch genau das erreichen. Seine implizite Botschaft ist: Entferne dich nur ja nicht von unserer Gemeinschaft! Orientiere dich an dem, was wir dir sagen und lass dich ja nicht davon irritieren, wenn andere anders tun! Bleib bei uns, hinterfrag nicht, was hier als richtig gilt. Es erzeugt und stabilisiert eine spezifische Gruppenidentit├Ąt ├╝ber die Abgrenzung von anderen: Wir sind anders als die, und eigentlich auch besser. Es ist gut, wenn du dich abgrenzt gegen alle andern!

Das finde ich extrem ungut. Indem es nicht offen sagt: Wir m├Âchten, dass du bei uns bleibst und dich abgrenzt gegen alle anderen, sondern so tut, als diene es der St├Ąrkung des Muts, man selbst zu sein, verwirrt es v├Âllig. Kraftvoll und stark und lebendig ist in dieser Ideologie ja nicht, wer gut auf sich hinsp├╝rt und tut, was f├╝r ihn stimmt, sondern wer die Ideologie der Gemeinschaft lebt. Und wer dann auf einmal merkt, dass das, was die anderen leben, den eigenen Bed├╝rfnissen eigentlich mindestens so sehr entspricht und man gern bei den anderen mitmachen m├Âchte, der wird pl├Âtzlich zum "toten Fisch". Ich kann das nicht gut erkl├Ąren, aber dein st├Ąndiges Suchen danach, wie du dich wann wo bei wem verhalten sollst, zeigt das doch: Du hast das nicht lernen d├╝rfen, einfach du selbst zu sein und das zu tun, was f├╝r dich richtig ist. Ein Kind, das wirklich dabei unterst├╝tzt wird, hinzusp├╝ren, was Seines ist und das dann auch zu tun, k├Ąme, glaube ich, nie auf die Idee, zu sagen: "Andere Menschen schauen viel positiver auf mich, wenn meine Kleidung ein bisschen was hergibt und ich ab und an von einer tollen Reise oder einem neuen Konsumprodukt erz├Ąhlen kann." Es fragt doch gar nicht danach, wie die anderen Menschen auf es schauen. Sondern es ist einfach, wie es ist.

Ich bin durchaus der Meinung, dass es in jedem Leben zu Situationen kommen kann, wo man sich "gegen den Strom" stellen muss, wenn man sich selbst treu bleiben will. Aber das sp├╝rt man dann schon, da muss man das nicht vorher als Ideal hochstilisieren.

 

 

Hach Ennasus.....fast k├Ânnte ich neidisch werden, wie wunderbar du das ausd├╝rcken kannst, was mir im Kopf rumging, aber von mir nicht in passender Form niedergeschrieben werden┬á konnte. Danke!

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Die Angelika
vor 2 Stunden schrieb duesi:

Hallo Susanne, sch├Ân, mal wieder etwas von dir zu lesen. Ich finde deine wie immer nachdenkenswerten und einf├╝hlsamen Gedanken immer sehr lesenswert. An einigen Stellen stimmen deine Betrachtungen. An anderen triffst du nicht genau das, was dieses Lied f├╝r mich und meine Altersgenossen damals bedeutet hat und was sich in meinem und unseren Denken damals abgespielt hat. Aber das ist kein Kritikpunkt. Du beschreibst, wie sich meine ├ťberlegungen aus der Perspektive deiner Sozialisation und deiner Gef├╝hlswelt anf├╝hlen. Damit kein falscher Eindruck aufkommt, m├Âchte ich deshalb kurz auf ein paar Punkte eingehen.

 

1. Dieses Lied hat f├╝r uns damals kein "h├Âr auf die Gemeinschaft und hinterfrag es nicht" ausgedr├╝ckt. Ganz im Gegenteil, das wei├č ich nicht nur aus eigenem Empfinden, sondern auch aus den Gespr├Ąchen mit anderen, hat es uns ermutigt, selbst nachzudenken. Nat├╝rlich hatten wir den gemeinsamen Glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist und absolute Autorit├Ąt hat. Aber was das im Einzelnen bedeutet, da hat sich jeder ermutigt gef├╝hlt, das durch eigenes Beten und lesen und diskutieren selbst herauszufinden. Und es war nicht nur die Ermutigung da, gegen den Strom der Gesellschaft zu schwimmen. Sondern auch die Ermutigung, Dinge innerhalb der Gemeinde zu hinterfragen, seinen eigenen Weg zu finden, mit anderen ├╝ber solche Dinge offen zu sprechen. Wir haben da schon mit der Zeit sehr differenzierte Meinungen gebildet und waren durchaus nicht immer in allem einig.┬á

 

2. Du hattest den Eindruck, ich h├Ątte nie gelernt, in mich hineinzusp├╝ren, was f├╝r mich richtig ist. Das stimmt so auch nicht ganz. Durch den Glauben, dass die Bibel Gottes Brief an uns Menschen ist, hat es sich f├╝r mich ganz nat├╝rlich angef├╝hlt, sich immer wieder mit der Bibel zu besch├Ąftigen. Was richtig ist, ist, dass ich mein eigenes nat├╝rliches Empfinden und Verhalten immer wieder anhand der Bibel kritisch unter die Lupe genommen habe. Vielleicht hat mir das eine gewisse kindliche Unbeschwertheit genommen. Das k├Ânnte sein. Aber es war nicht so, dass ich kein nat├╝rliches Empfinden habe. Die immer wieder aufkommende Frage, wie ich dies und das sehen sollte und wie ich hier und da reagieren sollte, die bei dir den Eindruck erweckt, ich k├Ânne nicht in mich hineinsp├╝ren, f├╝hlt sich f├╝r mich ganz nat├╝rlich an. Dadurch dass f├╝r uns ├╝blich war, sich solche Selbsthinterfragungen immer wieder zu stellen und dar├╝ber schon als Kinder zu diskutieren, nicht weil wir es mussten, sondern weil mir mit dem, was wir in der Bibel gelesen haben, ├╝bereinstimmen wollten, das hat nat├╝rlich mein F├╝hlen und Denken gepr├Ągt.

 

3. Die Frage, was andere ├╝ber mich denken, hat mich als Kind ziemlich wenig besch├Ąftigt. Solange ich viele Sozialkontakte hatte und regelm├Ą├čig unter Menschen war, hatte ich auch wenig Grund, ├╝ber solche Fragen nachzudenken. Das Zitat, das du als negativ empfunden hast "Andere Menschen schauen viel positiver auf mich, wenn meine Kleidung ein bisschen was hergibt und ich ab und an von einer tollen Reise oder einem neuen Konsumprodukt erz├Ąhlen kann", dieses Zitat stammt aus einer Zeit weit sp├Ąter im Erwachsenenalter. Das Gemeindeumfeld ist weg. Die Frau ist weg. Ich sitze mit Leuten am Tisch. Aber die Themen, die mich interessieren, auf die antwortet keiner. In Forendiskussionen bekomme ich auf Beitr├Ąge, die ich pers├Ânlich f├╝r intelligent halte, kein Feedback. Da ist es doch ganz nat├╝rlich, dar├╝ber nachzudenken, woher es kommt, dass Menschen mich f├╝r unsympathisch halten. Woher es kommt, dass Menschen mich ignorieren. Nat├╝rlich kann ich nicht everybody's darling sein. Aber das Streben danach, akzeptiert zu werden, ist nichts unnat├╝rliches. Also vermeide ich Grundsatzdiskussionen, wenn meine Gespr├Ąchspartner daran kein Interesse haben. Schaue st├Ąrker darauf, welche Themen auch andere interessieren. Achte auf einen Kleidungsstil, der nicht nur meinen Pr├Ąferenzen entspricht, sondern mit dem ich mich auch sehen lassen kann. "in mich hineinsp├╝ren" und "nat├╝rlich sein" und "ich selbst sein" ist leider kein Weg aus der sozialen Isolation. Dazu geh├Ârt eben auch ein St├╝ck Anpassungsbereitschaft und "nicht nur in mich hineinsp├╝ren", sondern eben auch ein wenig "in die anderen hineinsp├╝ren".

 

Auch dir ein ausdr├╝ckliches Dankesch├Ân. Das sind die Beitr├Ąge, die das Forum lesens- und besuchenswert machen. ­čÖé

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duesi
vor 4 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Das ist eine interessante Frage. Wir haben vier Kinder gro├čgezogen, und ja, wir haben sie bewu├čt vor religi├Âser Indoktrination gesch├╝tzt, einfach, weil und solange wie sie sich gegen die noch nicht wehren konnten. Vor dem Kontakt mit religi├Âsen Menschen kann man sie nicht sch├╝tzen, und sollte es auch nicht. Schlie├člich sollen sie lernen, ihre eigene Meinung zu verteidigen. Meistens sind es dann eher die Gl├Ąubigen, die gesch├╝tzt werden wollen.┬á

Ich meine, der Begriff "Sekte" wird ja sehr unterschiedlich verwendet. Die Juden nannten die Christen urspr├╝nglich die "Sekte der Nazar├Ąner". Im kirchlichen Umfeld wird der Sektenbegriff meistens auf Gruppen bezogen, die sich christlich nennen, aber die Lehre von der Trinit├Ąt ablehnen. In dem Sinne sind Mennoniten keine Sekte. Aber manchmal ist es auch einfach ein abwertender Kampfbegriff.

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Die Angelika
vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:
vor 2 Stunden schrieb duesi:

Mal ganz davon abgesehen, dass dies nicht das reale Leben ist, sondern h├Âchstens ein kleiner Teil davon.

 

├ťberhaupt kein Teil davon. ´╗┐heit

 

Also f├╝r mich ist das hier schon auch ein Teil meines realen Lebens. Denn ich bin hier mit derselben Identit├Ąt. Ich gebe mich hier nicht anders als sonst. Ich schreibe┬á dann hier, wenn ich glaube, selbst Input zur brauchen und anderen etwas geben zu k├Ânnen. Der einzige Unterschied zu meinem sonstigen Leben ist, dass ich hier meine Impulsivit├Ąt und Direktheit in der Regel besser kontrollieren kann, weil ich mich auch erstmal zur├╝ckziehen kann, wenn mich etwas "anfrisst".

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Die Angelika
vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:

@Die Angelika

Massenmenschenhaltung hat zwangsl├Ąufig Massentierhaltung, allgemein Massenproduktion zur Folge. Und die ist meist nicht sch├Ân. Aber das ist Massenmenschenhaltung auch nicht.┬á

 

Das sehe ich definitiv ├╝berhaupt nicht so wie du

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