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Gerhard Ingold

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Gerhard Ingold

Die wörtliche Theologie und ihre kriegstreibende Kraft

 

 

„Die Bibel ist irrtums- und fehlerloses Wort Gott.“ „Der Koran ist herab gesandtes Wort Gottes“.

 

 

Auch wenn viele Juden einen Fundamentalismus verneinen, wurde und wird die Thora doch so ausgelegt, wie wenn in der Thora (Altes Testament) wörtliches Wort Gottes zu finden wäre.

 

 

Im Christentum ist es ähnlich. Fundamentalisten lehren, dass die Bibel wörtlich zu verstehen sei und gemäßigtere Christen lehren, die Bibel sei von Gott inspiriert und diejenigen, die wie ich die Bibel entmythologisiert haben, sind agnostische Theologen geworden (es gibt keine Erkenntnis Gottes).

 

 

Der Islam ist fast in seiner Gesamtheit noch extremer. Für die meisten Musliminnen und Muslime gibt es keine Zweifel am Dogma des „herab gesandten Wort Gottes“.

 

 

Wenn sich Fundamentalisten mit ihrem wörtlich zu verstehenden Bibel- oder Koran-Verständnis radikalisieren, können schlafende Aussagen der Bibel und des Korans zur Wiederanwendung kommen.

 

 

Hier vier dieser schlafenden Aussagen der Bibel, die einst gelebt und angewendet wurden und teils noch angewendet werden:

 

 

-        Mose hat das Unrecht des Sklavenmachens, des Sklavenhandels und des Sklavenhaltens als Willensabsicht Gottes hingestellt (3. Mose 25,1 und 44).

 

 

-        Moses hat den kollektiven Massenmord an seinen Kritikern als Willensabsicht Gottes hingestellt (4. Mose 16)

 

 

-        Moses hat den kollektiven Massenmord an missionierenden Andersdenkenden als Willensabsicht Gottes hingestellt (4. Mose 31)

 

 

Im Laufe der Religionsgeschichte wurden all diese drei angeblich göttlichen Anweisungen gelebt. So hat das Christentum, andersglaubende Mitchristen wie Arianer oder Nichtarianer je nach Machtverhältnis verfolgt und getötet. Noch bekannter sind die Schandtaten an den Täufern und Hugenotten. Sie wurden als Kritiker teils mit ihren gesamten Familien getötet.

 

 

Noch schlimmer erging es den andersglaubenden (nicht missionierenden) indigenen Menschen in Afrika, in Amerika, in Australien, in Neuseeland usw. Sie wurden zu Massen und teils mit ihren Familien vernichtet.

 

 

Während das Christentum und das Judentum weitgehend von diesen Anweisungen abgerückt sind, werden in islamischen Ländern die Kritiker noch heute hingerichtet. Das heißt: Der Islam hat teils bösartige Anweisungen aus dem Gesetz Moses entnommen. So lehrt der Koran nirgends, die gleichgeschlechtlich Liebenden seien zu töten. Das findet sich nur in 3. Mose 20. Aber Mohammed lehrte, Gott hätte mit Moses persönlich geredet (Sure 4,164). Auch Jesus sah hinter dem Gesetz Moses direktes Wirken Gottes (Matthäus 5,18ff). Darum wundert es nicht, warum alttestamentliche Texte in das Christentum und den Islam übernommen wurden und werden. Und: Bei jeder Radikalisierung findet ein Rückbesinnen an die Bibel und an den Koran statt. Besonders wichtig können dann Bibel- und Koran-Aussagen werden, die bisher nicht mehr angewendet und praktiziert worden sind.

 

 

Wie wahr diese Aussage ist, zeigen IS-Terroristen, die sich auf das Gesetz Moses berufen können und Kritiker ermorden.

 

 

Schläfer unter den Religiösen sind die, die an die wörtliche Autorität der Bibel und des Korans glauben, aber viele Anweisungen nicht mehr praktizieren möchten. Diese Schläfer sind in allen drei monotheistischen Religionen gefährlich. Sie können radikalisiert werden.

 

 

Wenn ich und viele Freunde mit mir das wörtliche Theologie-Verständnis kritisieren und bekämpfen, dann eben nicht ohne Grund. Die Radikalisierung ist eine tödliche Gefahr und zwar ähnlich, wie der radikalisierte Rechtsextremismus und der radikalisierte Kommunismus Gefahren sind. Wer daher das wörtliche Theologie-Verständnis verharmlost, arbeitet in die Hände von vielen Verkündigern, die sich teils sehr moderat einschleichen.

 

 

Frage: Was müssen wir tun, dass bösartige religiöse Anweisungen nicht mehr zur Anwendung kommen?

 

 

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Abaelard
vor 5 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Frage: Was müssen wir tun, dass bösartige religiöse Anweisungen nicht mehr zur Anwendung kommen?

 

Der Umstand, dass jede Religion dazu neigt, sich für die alternativlos wahre zu halten, müsste ein gesundes Misstrauen wachrufen.

Und zwar nicht nur bei Außenstehenden, sondern gerade auch bei den Anhängern einer Religion.

 

Für die "bösartigen religiösen Anweisungen" gibt es jede Menge apologetischer Entschärfungsversuche. 

"Die biblische Aussage in den historischen Kontext stellen", lautet das Zauberwort.

 

Aber wenn man dann für den konkreten Einzelfall nachfragt, was denn der historische Kontext etwa für die göttlich-mosaische Anweisung, dass eine Ehebrecherin hinzurichten ist, bedeutet, werden die Antworten schon sehr, sehr dürftig.

Edited by Abaelard
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GermanHeretic
Am 4.10.2020 um 09:23 schrieb Abaelard:

Der Umstand, dass jede Religion dazu neigt, sich für die alternativlos wahre zu halten, müsste ein gesundes Misstrauen wachrufen.

 

Dieser "Umstand" ist kein Umstand. Es gibt zig Religionen, die weder dazu neigen noch selbiges behaupten.

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laura
Am 4.10.2020 um 04:23 schrieb Gerhard Ingold:

Was müssen wir tun, dass bösartige religiöse Anweisungen nicht mehr zur Anwendung kommen?

 

Bildung, Bildung, Bildung.

Erwachsenenbildung durch entsprechende Vorträge etc.

Und: Religionsunterricht, damit wirklich jeder (!) lernt, dass religiöse Schriften nicht wörtlich zu verstehen sind (weder die Bibel noch der Koran) und Fundamentalismus von einer "normalen" Religionsausübung unterscheiden kann.

 

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Gratia

Die Schrift in ihrem Gesamtzusammenhang und ihrer gesamten Zielrichtung lesen und verstehen, statt einzelne Stellen aus ihrem Zusammenhang zu reißen und zu verabsolutieren.

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Marcellinus
vor 27 Minuten schrieb Gratia:

Die Schrift in ihrem Gesamtzusammenhang und ihrer gesamten Zielrichtung lesen und verstehen, statt einzelne Stellen aus ihrem Zusammenhang zu reißen und zu verabsolutieren.

 

Ich habe den Eindruck, daß es unter den Christen keine Einigung darüber gibt, wie diese Schriften zu verstehen seien und welche Zielrichtung sie haben. Wie heißt es doch so schön: Am Anfang war das Wort - und das Wort bedarf der Auslegung. ;)

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laura
vor 28 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Ich habe den Eindruck, daß es unter den Christen keine Einigung darüber gibt, wie diese Schriften zu verstehen seien und welche Zielrichtung sie haben. Wie heißt es doch so schön: Am Anfang war das Wort - und das Wort bedarf der Auslegung. ;)

Und dort, wo die Auslegung fehlt, wird es schräg...

 

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helmut
vor 20 Minuten schrieb laura:

Und dort, wo die Auslegung fehlt, wird es schräg...

 

es könnte auch eine schräge auslegung sein.

 

ich denke anders.

 

am anfang war das bild. das bild ist mein bild und ich bin dafür verantwortlich, für die worte der bildbeschreibung.

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ThomasB.
vor 50 Minuten schrieb Marcellinus:

Ich habe den Eindruck, daß es unter den Christen keine Einigung darüber gibt, wie diese Schriften zu verstehen seien und welche Zielrichtung sie haben.

Ich habe den Eindruck, daß es unter Menschen keine Einigung darüber gibt, wie diese zu verstehen seien und welche Zielrichtung sie haben.

Das liegt daran, dass Verstehen etwas ist, das sich im verstehenden Menschen ereignet und nicht im Text.

 

 

 

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ThomasB.
vor 4 Stunden schrieb ThomasB.:

Ich habe den Eindruck, daß es unter Menschen keine Einigung darüber gibt, wie Schriften zu verstehen seien und welche Zielrichtung sie haben.

Das liegt daran, dass Verstehen etwas ist, das sich im verstehenden Menschen ereignet und nicht im Text.

 

 

 

Da fehlte ein Wort im Zitat, das habe ich hier eingefügt.

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Gerhard Ingold
vor 15 Stunden schrieb laura:

 

Bildung, Bildung, Bildung.

Erwachsenenbildung durch entsprechende Vorträge etc.

Und: Religionsunterricht, damit wirklich jeder (!) lernt, dass religiöse Schriften nicht wörtlich zu verstehen sind (weder die Bibel noch der Koran) und Fundamentalismus von einer "normalen" Religionsausübung unterscheiden kann.

 

Natürlich gebe ich Dir Recht, dass weder die Bibel noch der Koran wörtlich zu verstehen sind.

 

Was bedeutet diese Aussage?

 

Für mich gibt es drei Möglichkeiten an die Bibel und den Koran heran zu gehen:

1. Das wörtliche Verständnis

2. Das Slalom-Fahrt-Verständnis

3. Das entmythologisierte Verständnis

 

Das wörtliche Verständnis leitete Jesus, Paulus und mit ihm alle neutestamentlichen Schreiber. In Freikirchen habe ich dieses Bibelverständnis erlebt. Im Islam tritt mit diese Verständnis auch entgegen.

 

Das Slalom-Fahrt-Verständnis leitet heute die Mehrheit der Kirchen und Freikirchen: Wörtlich, nicht wörtlich, symbolisch, nicht symbolisch, Metapher, keine Metapher usw. Hier entscheiden dann die kleinen und großen Päpste, was wörtlich zu verstehen ist.

 

Das entmythologisierte Verständnis ist konsequent wie auch das wörtliche Verständnis konsequent ist. Hier ist jeder Offenbarungs-Gedanke entmythologisiert. Es hat dann weder durch Moses, noch durch Jesus, noch durch Mohammed usw. eine Offenbarung sondern bestenfalls Halluzinationen oder Betrug gegeben. 

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helmut
vor 5 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

......

Das wörtliche Verständnis leitete Jesus, ......

meinst du das wirklich?

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ThomasB.
vor 6 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Das wörtliche Verständnis leitete Jesus, Paulus und mit ihm alle neutestamentlichen Schreiber. In Freikirchen habe ich dieses Bibelverständnis erlebt. Im Islam tritt mit diese Verständnis auch entgegen.

Das ist unzutreffend Es gibt kein „wörtliche” Verstehen eines Textes. Jedes Verstehen ereignet sich im Verstehenden und ist deshalb notwendigerweise Deutung.

 

vor 6 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Für mich gibt es drei Möglichkeiten an die Bibel und den Koran heran zu gehen:

1. Das wörtliche Verständnis

2. Das Slalom-Fahrt-Verständnis

3. Das entmythologisierte Verständnis

Und dann gibt es noch das Verstehen. Ich ermutige Dich förmlich, Dich mit dieser Absicht auch biblischen Texten zu nähern.

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Gerhard Ingold
vor 8 Stunden schrieb helmut:

meinst du das wirklich?

Du meinst also, Jesus meinte Matthäus 5,18 nicht wörtlich, dass kein Jota geändert werden dürfe?

 

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Gerhard Ingold
vor 7 Stunden schrieb ThomasB.:

Das ist unzutreffend Es gibt kein „wörtliche” Verstehen eines Textes. Jedes Verstehen ereignet sich im Verstehenden und ist deshalb notwendigerweise Deutung.

 

Und dann gibt es noch das Verstehen. Ich ermutige Dich förmlich, Dich mit dieser Absicht auch biblischen Texten zu nähern.

Was willst Du damit sagen?

 

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mn1217

Worte bedeuten nicht für jeden das Selbe,wir verstehen  und\ oder konnotieren sie unterschiedlich.

Und zwei Personen lesen und verstehen  einen ( beliebigen) Text alleine schon deshalb unterschiedlich,weil sie unterschiedliche Personen sind.

Das Gehirn stellt ja Verknüpfungen zu vorher Bekanntem her. Da kommt bei verschiedenen Gehirnen auch Unterschiedliches bei raus.

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Gerhard Ingold
vor 2 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Was willst Du damit sagen?

 

 

vor 10 Stunden schrieb ThomasB.:

Das ist unzutreffend Es gibt kein „wörtliche” Verstehen eines Textes.

Das ist Sprachverwirrung. Wenn ich sage, "ich gehe jetzt zum Ofen, und nehme die Brötchen aus dem Ofen", dann ist das wörtlich zu verstehen. 

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Abaelard
vor 30 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Das ist Sprachverwirrung.

 

Ja, Sprachverwirrung allenthalben.

Kirchenväter behaupten, es gebe einen vierfachen Schriftsinn, darunter den Literalsinn.

ThomasB. dagegen sagt: Es gibt kein "wörtliches" Verstehen.

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ThomasB.
vor 4 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Was willst Du damit sagen?

 

Das was da steht.

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helmut
vor 4 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

Du meinst also, Jesus meinte Matthäus 5,18 nicht wörtlich, dass kein Jota geändert werden dürfe?

 

es steht im kontext :

 

Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.

 

der erste teil macht das gesetz und seine erfüllung zu einem geistigen vorgang. diesem vorgang ordnet sich der zweite teil unter.

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helmut
Am 4.10.2020 um 04:23 schrieb Gerhard Ingold:

.....

Frage: Was müssen wir tun, dass bösartige religiöse Anweisungen nicht mehr zur Anwendung kommen?

 

 

jede anweisung geht durch mein verständnis. schon dass es eine anweisung sein soll. für mein verständnis habe ich die verantwortung.

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Gerhard Ingold
vor 2 Stunden schrieb helmut:

es steht im kontext :

 

Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüttel vom Gesetz, bis daß es alles geschehe.

 

der erste teil macht das gesetz und seine erfüllung zu einem geistigen vorgang. diesem vorgang ordnet sich der zweite teil unter.

 

Aus meiner Sicht hat Jesus diese Aussage wörtlich verstanden. 

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Gerhard Ingold
vor 4 Stunden schrieb Abaelard:

 

 

Kirchenväter behaupten, es gebe einen vierfachen Schriftsinn, darunter den Literalsinn.

 

 

Ich empfinde es Gotteslästerlich, was Moses und Mohammed einem möglichen Gott in den Mund gelegt haben.

Einen Bibel-Gott oder Koran-Gott ehren, der in einer Sintflut oder Sodom und Gomorra usw. millionenfachen Massenmord gemacht haben soll, ist für mich so, wie wenn ich einen Hitler, einen Stalin, einen Mao usw. ehren sollte.

Einen unbekannten Gott ehren, den es gibt oder nicht gibt, macht schon eher Sinn.

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helmut
vor 6 Stunden schrieb Gerhard Ingold:

 

Ich empfinde es Gotteslästerlich, was Moses und Mohammed einem möglichen Gott in den Mund gelegt haben.

Einen Bibel-Gott oder Koran-Gott ehren, der in einer Sintflut oder Sodom und Gomorra usw. millionenfachen Massenmord gemacht haben soll, ist für mich so, wie wenn ich einen Hitler, einen Stalin, einen Mao usw. ehren sollte.

Einen unbekannten Gott ehren, den es gibt oder nicht gibt, macht schon eher Sinn.

ich schlage vor, du machst schluß. du schreibst von zu vielen göttern.

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Alfons

Der Thread ist wieder geöffnet.
Ich ersuche alle Teilnehmer dieser Diskussion, sich sachlich und ohne persönliche Vorwürfe zum Thema zu äußern.

Alfons als Moderator

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