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Missbrauch anderswo


Chrysologus
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Gerhard Ingold

Was mich indessen wundert: Wieso gehen Opfer nicht direkt zur Polizei? Wieso gehen sie zu der Organisation aus der die Täter kommen?

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vor 26 Minuten schrieb Gerhard Ingold:

Was mich indessen wundert: Wieso gehen Opfer nicht direkt zur Polizei? Wieso gehen sie zu der Organisation aus der die Täter kommen?

 

Diese Verwunderung kann ich Dir vielleicht nehmen: Weil die Polizei, treffender wohl die Staatsanwaltschaften, mitunter - selbst bei einschlägigen Fällen (will sagen: dass Missbrauch stattgefunden hat, ist eigentlich unstrittig) - auf Verjährung erkennen und es somit zu keiner Anklage, geschweige denn zu einer Verurteilung der Täter, kommt. 

 

Im Gegensatz zur Kirche hat der Staat, soweit mir bekannt, kein Moratorium für seine Verjährungsfristen gesetzt. 

 

Kurzum: Vom Staat ist in Fällen, die weiter zurückliegen (was ja ein Großteil der Fälle tut), wenig zu erwarten. Die Kirche stellt sich und ist auch bemüht, ältere Fälle aufzuarbeiten, u. a. indem sie Opfern - auch ohne Prozess, der entweder aufgrund von Verjährungsfristen oder dem Tod der Täter unmöglich oder aber sehr belastend und langwierig sein kann - Entschädigungszahlungen leistet. 

 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus 

Edited by Studiosus
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vor 6 Minuten schrieb Studiosus:

Im Gegensatz zur Kirche hat der Staat, soweit mir bekannt, kein Moratorium für seine Verjährungsfristen gesetzt. 

 

Und das ist auch gut so. Denn die Aufklärung eines Verbrechens oder Vergehens wird mit der Zeit nicht einfacher. Irgendwann ist kein rechtsstaatlicher Nutzen mehr zu erwarten.

Den Missbrauchsopfern entgegenkommend beginnt die Verjährungsfrist inzwischen erst mit ihrer Volljährigkeit.

In wieweit zivilrechtliche Entschädigungsansprüche gegen Täter oder ihre Erben auch nach Verjährung möglich wären weiß ich nicht.

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Was tatsächlich ein wichtiger Aspekt in der Wahrnehmung der sexuellen Gewalt an Kindern wäre:

auch Michel Foucault, der Säulenheilige vieler moderner emanzipatorischer Denkschulen, war vermutlich ein päderastischer Missbraucher. Da er zudem ein wichtiger Kritiker des Christentums und seiner Sexualmoral war, ein Anlaß seinen philosophischen Ansatz und Einfluß erneut zu überdenken.

https://www.zeit.de/2021/15/michel-foucault-vorwuerfe-sexueller-kindesmissbrauch-tunesien/komplettansicht

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Es ist eben kein genuin kirchliches Phänomen, das ist, denke ich, schon länger klar. Gerade in der progressiven Linken, Pädagogik und Kunst- und Denkerszene ist das ja hinlänglich bekannt. Die Grünen haben hier - zumindest ideell - auch eine Geschichte, die der Aufarbeitung bedürfte. 

 

Schützten missbrauchende Kleriker Amt und mitunter die Kirchenoberen, so ist es bei Gestalten wie Foucault ihr Renommee und ihr behaupteter intellektueller Wert. "Heilige Kühe" gibt es eben, ganz dem Titel dieses Strangs entsprechend, auch anderswo. 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus 

 

Edited by Studiosus
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Untersuchungsergebnisse zum Missbrauchsvorgang Lügde:

Quote

Als der nordrhein-westfälische Landtag im Juni 2019 einen Untersuchungsausschuss zum massenhaften Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde einsetzte, bekam das Gremium den Auftrag, das „Fehlverhalten auf allen mit den Vorgängen befassten Ebenen und Behörden gründlich“ aufzuarbeiten. Allen Beteiligten war klar: Das ist eine Mammutaufgabe. Zudem hatte der Ausschuss rasch mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen: Aktenlieferungen aus den Jugendämtern der Kreise Lippe und Höxter waren unvollständig, Zeugen mauerten oder versuchten in Verkennung der Rechtslage die Aussage ganz zu verweigern; zwei Mitarbeiterinnen des ebenfalls involvierten Jugendamts Hameln-Pyrmont mussten deshalb sogar Ordnungsgelder zahlen. 

.....

 

Ich dachte, Vertuschung wäre ein rein katholisches Phänomen...

und dann ist das bei staatlichen Behörden heute weiterhin aktuell, aber niemand fordert Namensnennungen, öffentliche Entschuldigungen oder strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen, die trotz diverser Hinweise nicht eingestritten sind.

https://www.faz.net/aktuell/politik/zwischenbericht-des-nrw-landtags-zu-missbrauch-in-luegde-17804745.html?premium

(leider Zahlsperre)

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Chrysologus
vor 8 Stunden schrieb Shubashi:

Ich dachte, Vertuschung wäre ein rein katholisches Phänomen...

und dann ist das bei staatlichen Behörden heute weiterhin aktuell, aber niemand fordert Namensnennungen, öffentliche Entschuldigungen oder strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen, die trotz diverser Hinweise nicht eingestritten sind.

Erstaunlicherweise erwartet hier auch niemand, dass nun die untätig gebliebenen Kommunen und Kreise Zahlungen an die Betroffenen leisten. Die haben halt Pech gehabt, die Täter haben ihr Geld  soweit vorhanden schon an Anwälte und den Staat abgegeben.

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vor 11 Stunden schrieb Shubashi:

Ich dachte, Vertuschung wäre ein rein katholisches Phänomen...

Wer behauptet das?

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15 minutes ago, Frank said:

Wer behauptet das?


Wir hatten doch im Missbrauchthread Beispiele, dass anderswo, sei es in der Schule oder der Pflege, bei dortigen Vorkommnissen sowohl Täter als auch zuständige Vorgesetzte jederzeit -theoretisch- richtig handeln.

Kommt es aber ganz praktisch zu Vorfällen, sieht man aktuell wieder, dass auch dort trotz Hinweisen an Polizei und zuständige Behörden nicht gehandelt wird, bei Aufdeckung der Vorgänge mit großer Selbstverständlichkeit die Aufklärung behindert und kaum Einsicht ins eigene Versagen besteht.

Dennoch ist das medial kein Anlaß zu irgendeiner länger anhaltenden Aufregung oder empörten Kommentaren.

Ich schließe daraus, dass Missbrauch nur ein moralisches Problem für die Kirche ist - in anderen institutionellen Zusammenhängen ist es halt nicht mehr als das übliche bürokratische „shit happens“, keinesfalls Anlaß, nach Staatsversagen oder krassen individuellen Verantwortlichkeiten zu fragen.

Ganz selbstverständliche Doppelstandards halt.

Was in meinen Augen auch nicht funktioniert, wenn wir zu einer soziologisch ehrlichen Beurteilung der Kirchen als Institutionen überhaupt kommen wollen: sie haben trotz elitären Selbstbildes und maßloser moralischer Arroganz genauso versagt wie fast jeder andere gesellschaftliche Akteur auch, gerade weil sie, sozial gesehen, ganz normale, von Menschen betriebene Akteure sind.

Sie jetzt in der Bewältigungsdiskussion wieder in eine Sonderrolle mit speziellen Maßstäben zu rücken, die realistischerweise unerfüllbar sein werden, bringt das gleiche Problem vermutlich in Grün zurück:

Sonderrolle ist nicht umsetzbar -> Vertuschung und Herunterspielen als pragmatischer Ausweg, da es bei Aufdeckung auch nicht mehr schlimmer kommen kann als beim sofortigen Eingestehen.

 

 

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https://www.ardmediathek.de/video/doku-und-reportage/just-love-sektenaussteiger-packen-aus/hr-fernsehen/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xNjAzNDU

 

Hier kann man sich noch ein paar Tage eine Doku über eine Hindu-Gruppe in Deutschland anschauen. Ehemalige Mitglieder - junge Männer - werfen dem Guru sexuellen Missbrauch vor.

 

Rechtlich verfolgen lässt sich das anscheinend nicht, weil sie sich schließlich nicht gewehrt hätten.

 

Einerseits lässt sich das eher nicht mit dem heutigen Mainstream-Katholizismus gleichsetzen, andererseits muss ich feststellen, dass mich göttlich legitimierte Machtansprüche zunehmend anwidern (der Guru wird von seinen Anhängern mehr oder weniger offen für Gott selbst gehalten).

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