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Altertumsforschung, Christentum und der politisch-korrekte Rest


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On 4/25/2021 at 11:47 PM, gouvernante said:

Ja, klar. Aber bestimmte Fächer kann man eben nicht ohne ein bestimmtes Level an Kenntnis in den relevanten Sprachen studieren.

 

Sorry, dass ich so lange gebraucht habe, hier wieder zu schreiben. Erst vor kurzem ist mir wieder eingafallen, was mMn der eigentliche Punkt ist.

 

Ja, Um bestimmte Fächer zu studieren braucht man anständige Sprachkenntnisse. Es ist aber nicht offensichtlich, warum es der Schule obliegen sollte, diese Sprachkenntisse mitzuliefern, anstatt dass die Studenten sie sich an der Uni selbst aneignen. Schließlich muss jeder, der Ägyptologie studieren will, Ägyptisch an der Uni lernen; Indologen müssen sogar drei indische Sprachen lernen, und das Grundstudium besteht größtenteils aus Sanksritunterricht (im Hauptstudium lernt man entweder Vedisch oder eine mittelindische Sprache, und Hindi). Der einzige Grund, der mir einfällt, ist der gleiche, den Althilologen gerne gebrauchen, um für ihre Fächer zu werben: Die klassische Antike steht uns viel näher als Altägypten oder Indien, sie gehört zu unserer Identität als Westler dazu und verdient deswegen einen besonderen Platz in unserem Bildungssystem.

 

Praktisch läuft es aber doch so, dass selbst unter den Schülern, die die Alten Sprachen wählen, die Wenigsten zur Zeit des Abiturs wirklich fähig sind, die antiken Klassiker im Original zu lesen. Früher scheiterten sehr viele Schüler am Altsprachenunterricht; heute bestehen viele ihn, können aber trotzdem recht wenig Latein und Griechisch - wobei ich möglicherweise zu strenge Maßstäbe anlege, weil ich eben an ein hohes Niveau im Fach gewöhnt bin. Jedenfalls sind diese Maßstäbe nciht nur meine, sondern die Unis haben "Grammatika" (Plural von "Grammaticum" ;-) eingeführt, um dem notstand abzuhelfen. Hierzu fällt mir (jetzt) wieder ein, dass ich in meiner Jugend von vielen hörte, dass Gymnasiallehrer und Gymnasien überhaupt nicht wüssten, ob das Gymnasium der Vorbereitung auf die Universität dienen sollte oder der Allgemeinbildung - beschließen doch viele Abiturienten, nicht nach dem Herkommen an einer Uni zu studieren.

 

Was die alten Sprachen angeht, so scheint mir die Tatsache, dass man sie auch erst an der Uni lernen kann, und oft ohnehin Nachhilfe darin haben muss, deutlich zu zeigen, dass es wohl besser ist, den altsprachlichen Unterricht an den Schulen als Bildungsunterricht zu behandeln, ohne zu meinen, er könne die Schüler in die Lage versetzen, gleich im ersten Hochschulsemester an einer Horazlektüreübung teilzunehmen.

 

Soviel für den Augenblick. In ein paar Tagen könnte ich noch etwas hinzufügen, freue mich aber auf mögliches Feedback zu dem bisher Gesagten.

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