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Warum ist Gott zornig!


Maximilian
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vor einer Stunde schrieb Marcellinus:

@Merkur

Deine subjektive Sicht will ich dir nicht nehmen (und kann es vermutlich auch nicht). Mich interessiert die von außen kommende Sicht, die es erlaubt, unterschiedliche Religionen und Gottesvorstellungen objektiv zu klassifizieren und in die Entwicklung dieser Vorstellungen einzuordnen. Eine solche Sie-Perspektive (3. Person Plural) ist oft nicht identisch mit der Ich- oder Wir-Perspektive. 

Da sehe ich kein Problem, Außenstehende können klassifizieren was und wie sie wollen. Nur, was bringt ihnen das?

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Marcellinus
vor 13 Minuten schrieb Merkur:

Da sehe ich kein Problem, Außenstehende können klassifizieren was und wie sie wollen. Nur, was bringt ihnen das?

 

Verständnis für psychosoziale Zusammenhänge, für gesellschaftliche Prozesse. 

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vor 1 Stunde schrieb Werner001:

Die Dreifaltigkeit ist nur dann ein Widerspruch zum Monotheismus, wenn man ein sehr anthropomorphes Gottesbild pflegt.

Ich kann Marcellinus' Kritik dennoch sehr gut verstehen.
Kaum jemand versteht die Trinitätslehre, die in der Antike entstanden ist -
unter philosophischen Voraussetzungen, die längst nicht mehr existent sind, 
unter sprachlichen Voraussetzungen, die schon in der Antike zu vielerlei Un- und Missverständnissen führten.

Statt die antiken Gedanken aufzugreifen, in jeder Epoche wieder neu zu überdenken und neu zu formulieren, hat man einfach wiedergekäut.
Kein Christ kann sich sinnvoll darüber beschweren, dass das zwanzigfach Wiedergekäute heutzutage nicht richtig verstanden wird.
Gerade das antropomorphe Bild wird doch durch die Diktion bestens gefördert. Der "Sohn Gottes". Da muss man schon sehr bereitwillig denken, um nicht anthropomorphe Vorstellungen zu bekommen. Die Kirche hat diese Diktion beibehalten. Also soll sie sich auch nicht über anthropomorphe Vorstellungen wundern.

 

Ein weiterer Anlass zu tausend Kritikpunkten ist die Frage:
"Ja woher wollen die Christen dies alles über Gott denn wissen?"
Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Warum nicht? Ganz einfach: Weil es ein solches Wissen gar nicht gibt.
Dummerweise erwecken kirchliche Texte gerne den Eindruck, als wüsste man.
Manche machen sogar den Eindruck, als hätte die Kirche sämtliche Wahrheit gepachtet.
 

Woher will man denn wissen, dass Gott nicht fünffaltig, n-faltig oder völlig zerknittert ist?

Die Antwort "Aus der Schrift" ist klasse. Aus der Schrift wissen wir, dass Herodes die Kinder Bethlehems ermordet hat. Und dass man Hexen töten soll.

Vielleicht ist die Schrift doch nicht so die prima Quelle des Wissens.

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Marcellinus
vor 2 Stunden schrieb Werner001:

Die Dreifaltigkeit ist nur dann ein Widerspruch zum Monotheismus, wenn man ein sehr anthropomorphes Gottesbild pflegt. So, wie es eigentlich gedacht ist, ist es durchaus monotheistisch, mit einer einzigen Gottheit in unterschiedlichen Erscheinungsformen statt mehrerer unabhängiger und sich sogar widerstreitender Gottheiten im Polytheismus.

da ist der Teufel schon eher ein Problem hinsichtlich des Monotheismus. 
 

Werner

 

Der entscheidende Unterschied zwischen Monotheismus und Polytheismus ist nicht die Zahl der Götter, sondern die "Mosaische Unterscheidung", die Unterscheidung zwischen dem eigenen, "wahren" Gott, und dem anderen, "falschen". Die frühen Christen bestritten daher nicht die Existenz der heidnischen Götter, sondern deren Eigenschaften. Für sie waren es keine Götter (da konnte es nur einen, ihren geben!), sondern Dämonen, Teufel. 

 

Die Auseinandersetzung mit den Juden lief auf einer anderen Schiene. Mit denen teilte man den gleichen Gott, nur eben nicht das gleiche Verständnis. Indem die Juden Jesus nicht als den Messias, den Christos anerkannten, hatten sie sich vom "wahren" Gott abgewandt wie damals zur Zeit von Moses bei der Verehrung des Goldenen Kalbs. 

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vor 7 Minuten schrieb Marcellinus:

Der entscheidende Unterschied zwischen Monotheismus und Polytheismus

Naja - was Du halt so als entscheidenden Unterschied ansiehst.

 

Interessanter finde ich die Frage, ob es sich um "das Göttliche" handelt, oder um Gottheiten.
Deswegen höre ich immer genau hin, wenn in den griechischen Schriften das Wort "theos" nicht substantivisch, sondern adjektivisch bzw. adverbial benutzt wird, also nicht von "dem Gott" (auch noch mit Artikel!) die Rede ist sondern eher "woah, göttlich!" Da bleibt man nämlich nicht mehr bei fruchtlosen Spekulationen stehen, sondern es ist die Rede von einer Erfahrung. "Das Göttliche" ist auch nicht so leicht zu anthropomorphisieren. 

 

Einer meiner Lieblingssätze von Konstantin Wecker ist:
"Komm, wir brechen morgen aus, und dann stellen wir uns gegen den Wind,

nur die Götter geh'n zugrunde, wenn wir endlich gottlos sind!"

Mit Göttern sind Gottheiten gemeint (besonders die moralapostolischen Gottheiten stehen auf Konstantins Abschussliste).

Das Zugrundegehen von Gottheiten juckt Konstantin nicht. Im Gegenteil.
Aber es kann göttlich sein, Hand die Hand die Nase in den Wind zu strecken und ihm zu trotzen.

 

Ebenso beim Blick in den Sternenhimmel. Da begegnet man heute wohl kaum irgendwelchen Gottheiten.

Und dennoch: Dieses Bewusstsein, vor einem unvorstellbar Großem zu stehen, dem alles entsprungen ist, zu dem alles zurückkehrt, das alles beinhaltet und das alles durchdringt ... woah! Und die Ahnung, dass irgendwo tausende Lichtjahre oder Millionen oder Milliarden irgendein Alien gerade ebenso in den Sternenhimmel guckt, steigert dies noch. Mag sein, dass der Alien ganz seltsame Alien-Gottheiten kennt, oder das Göttliche an ganz was anderem festmacht: Das ändert nichts. Gottheiten sind, wenn sie nicht das Gefühl vom Göttlichen aufkommen lassen, sowieso eher langweilig.

 

Ein wichtiges Problem in den Religionen scheint mir die Verwechslung von Gottheiten und dem Göttlichen. 
Polytheismus legt eine solche Verwechslung nahe. Da wird zu sehr aufgesplittet: Diese Gottheit ist für den Zorn zuständig, eine andere für die Liebe, eine dritte für die Fruchtbarkeit. Da gerät das Göttliche eher aus dem Blickfeld. Bis hin zu Hesiods Kritik: "Da sind die Götter nicht mehr, als unsterbliche Menschen!".
 

Ein anderer Versuch, an das Göttliche heranzukommen sind kosmische Prinzipien wie Atman/Brahman, oder Trimurti oder das Dao, interessanterweise funktioniert es auch mit dem Logos (die vernünftige Grundlegel, die allem innewohnt - nach Origenes).

 

Leider bleibt die Bibel zumeist in der Schwebe. Jahwe war zunächst einmal eine midianitische Gottheit. Den Übergang zum Göttlichen hat Jahwe nicht so recht geschafft. 

Widersinnig wird's, wenn auch Jesus zur Gottheit "erhoben" wird, woraus sich die lustigsten Häresien ergeben und eine sinnvolle Trinitätslehre völlig zunichte gemacht wird. (Doketismus, Monophyistismus). 

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Warum ist Gott zornig (Threadtitel)

 

Weil man sich Gott erst einmal sehr anthropomorph vorgestellt hat - insbesondere nach der Art eines Königs oder Großkönigs orientalischer Ausprägung.
Da gehören Zorn und Eifersucht, Brutalität und Strenge nun mal dazu.

Andere Völker waren da nicht anders. Die Götter von Uruk waren auch nicht besser. Und die Inka-Götter auch nicht. 

Ein Gott, der was auf sich hält, muss einfach zornig sein. Basta!

 

Auf diese Weise kann man prima Moral betreiben und jede Abweichung und jedes Unheil als eine Folge des Gotteszornes unter Strafe stellen.

Wahrscheinlich entspringt diese Vorstellung der Steinzeit.

 

Vorsichtshalber hat man (mit abmildernder Absicht) Gott noch ein paar weitere Accessoires mitgegeben bzw. angedichtet. Gerecht, bei Wohlverhalten sogar barmherzig.

Ja, manchmal war der eine oder andere mit dem zornigen Gott etwas unzufrieden. Jaja, gerechter Zorn ist natürlich toll - besonders, wenn sich der Zorn gegen die Feinde richtet oder gegen Abweichler im eigenen Volk. Aber so manchmal hatte man von zornigen Vorstellungen einfach die Schnauze voll.

 

Was aber sollte man als Gegenpol erfinden? Wie wäre es mit Barmherzigkeit oder sogar mit Liebe?

Der Zorn tritt dann als Bestrafung auf (natürlich vollkommen zurecht!). Und die Barmherzigkeit und die Liebe als Belohnung.
Wohl dem Manne, der Gottes Wege geht (Belohnung). Der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund (Zorn).
Daran kann man ablesen, dass die Ukrainer sich wohl fehlverhalten haben, denn momentan geht ihr Weg in den Abgrund.
Und der blinde Barthimäus muss sich wohl auch fehlverhalten haben, so dass Gott nun seinen Zorn an ihm auslässt.

Und Hiobs Freunde sind geradezu liebenswürdig bemüht, Hiob ein Fehlverhalten nachzuweisen, mit dem er sich den Zorn Gottes verdient hat.

Und der Hurrican Kathrina hat New Orleans deswegen überspült, weil Gott (ob der dortigen Freudenhäuser) auf Äußerste beleidigt und zornig war.

 

Was für ein Weltbild! Was für ein Menschenbild! Was für ein Gottesbild! Oh Schreiberich, mir graust vor dir!

 

Ein bisschen knifflig wurde der Kreuzestod Jesu. Wieso war Gott so zornig auf Jesus, dass er ihn diesen Qualen überließ?
Prämisse des NT war doch, dass Jesus ohne Sünde war.

Schlaue Lösung: Hier lässt Gott seinen Zorn an Jesus aus, der eigentlich all den Sündern gebührt. Oh du Lamm Gottes, das den Zorn des zornigen Gottes abbekommt! Du nimmst hinweg die Sünden der Welt. Zorn muss eben sein. Und Jesus schützt uns vor diesem Zorn Gottes, indem er die zornigen und äußerst brutalen Zornattacken des Vaters auf sich nimmt. Sozusagen als Lösegeld, also als den Blutzoll, den ohne Jesus wir Sünder zu entrichten hätten.
Das war damals ein moderner Gedanke. Darin konnte man sich suhlen. Anselm von Canterbury hat das in "cur deus homo" so richtig aufgedröselt.

 

Da gibt es eine göttliche Ordnung. Wer sie mutwillig stört, bringt das ganze System ins Wanken. Um die Sache wieder ins Lot zu bringen bedarf es eines blutigen Opfers allerersten Ranges. Meint Anselm. Deshalb musste Jesus, der Sohn Gottes, den geballten Zorn auf sich nehmen und all die Sünden abbüßen - angefangen von dem Abfall der bösen Engel (Luzifer) bis hin zum Zuckernaschenden Kleinkind. Daran gemessen ist Jesus mit ein paar Stunden Kreuzesqualen noch relativ gut weggekommen - wahrscheinlich ein Anfall von göttlicher Barmherzigkeit.

 

Was für ein Weltbild! Was für ein Menschenbild! Was für ein Gottesbild! Oh Schreiberich, mir graust vor dir!

 

Was heute in seiner ganzen Brutalität und Buchhaltermentalität völlig abstrus klingt, war lange Zeit das Standarddenken.

 

Es bleibt die Frage: Ist Gott wirklich so? Braucht Gott wirklich unbedingt ein blutiges Opfer, um genügend beschwichtigt zu werden, dass er kein weiteres solches Opfer braucht? Oder ist er immer noch so zornig? Könnte ja angesichts der Zustände in Syrien und im Jemen so sein. Und noch viel mehr, wenn uns erst einmal die Klimakrise voll erwischt.

 

Ich befürchte: Zornige Gottesbilder werden immer Konjunktur haben. Immer wird es Menschen geben, die das Leiden von Menschen als das Ergebnis von Gottes Zorn interpretieren. Und manche von ihnen wissen das mit Gottes Zorn ganz genau. Sagen sie zumindest.

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Was veranlasst Menschen, sich Gott als zornig vorzustellen?

 

  • Die biblischen Beschreibungen von einem zornigen Gott. 
    Reiche Auswahl ist vorhanden. In der Bibel (sowohl AT, wie aber auch NT) wimmelt es geradezu von Gottes Zornausbrüchen, meist in der Form von Strafexzessen. Und weil es in der Bibel, dem Wort Gottes steht, muss es dann wohl auch so sein.
     
  • Damit ist die Frage aber nicht beantwortet, denn man kann weiter fragen: Wie kamen die Bibelschreiber zu dieser zornigen Vorstellung?
    Die Vorstellung vom Zorn Gottes ist ein Teil seiner Gerechtigkeit. Gott wird regelmäßig zornig, wenn Menschen seinen Geboten nicht folgen. Der Zorn Gottes ist dabei die Reaktion Gottes, die Menschen von sich selber kennen. Wenn jemand die Regeln seiner Eltern bricht oder sich sogar gar nicht darum schert, wenn er sogar die elterlichen Regeln bricht, um Widerstand zu leisten, reagieren viele Eltern zornig. Dabei haben sie es doch nur gut gemeint. Dies wird auf Gott übertragen. 
     
  • Erklärung für das Leiden.
    Leiden wird als Strafe interpretiert. "Warum leide ich? Weil ich Gott in irgendeiner Weise beleidigt oder erzürnt habe!"
    Das ist prima handlungsorientiert. "Lebe gefälligst so, dass du Gott nicht erzürnst, dann wird alles gut!" Wohl dem Manne, der Gottes Wege geht!
    Das Problem: Es stimmt nicht. So mancher Frevler lebt in Saus und Braus. So manche brave Frau und so mancher brave Mann ersäuft im Elend.
    Damit steht auch die Gerechtigkeit Gottes in Frage. Oftmals verteilt er Belohnung und Strafe nicht nach Verdienst, sondern willkürlich. 
    Adolf Hitler hatte ein besseres, längeres und erfolgreicheres Leben, als viele seiner Opfer.

In allen Fällen ist es fragwürdig, eigene Regungen zum Modell eines Gottesbildes zu machen. (Anthropomorphe Gottesbilder)
Allerdings ist diese Antropomorphität wirklich Anlass zur Frage (frag-würdig), nicht aber eine Gegenthese "Gott ist überhaupt nicht zornig!" Denn auch diese Gegenthese ist anthropomorph und somit frag-würdig. 

 

Außerdem gibt es keinen nicht-anthropomorphen Zugang zu Gott. Das gilt allgemein. Das gilt natürlich erst recht für das Christentum mit seiner Inkarnations-Idee.

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Marcellinus
vor 40 Minuten schrieb Mecky:

In allen Fällen ist es fragwürdig, eigene Regungen zum Modell eines Gottesbildes zu machen. (Anthropomorphe Gottesbilder)

 

Sicher richtig! Aber was ist dann hiermit?

 

vor 12 Stunden schrieb Mecky:

Dieses Bewusstsein, vor einem unvorstellbar Großem zu stehen, dem alles entsprungen ist, zu dem alles zurückkehrt, das alles beinhaltet und das alles durchdringt ... woah!

 

Werden nicht auch eigene Regungen zum Modell eines Gottesbildes gemacht? Vielleicht sollte man es einfach zumindest eine Zeit lang ohne Gottesvorstellungen versuchen. Ich kann dir vertrauensvoll versichern, es geht! ;)

 

 

Edited by Marcellinus
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vor 20 Minuten schrieb Marcellinus:

Sicher richtig! Aber was ist dann hiermit?

Werden nicht auch eigene Regungen zum Modell eines Gottesbildes gemacht? Vielleicht sollte man es einfach zumindest eine Zeit lang ohne Gottesvorstellungen versuchen. Ich kann dir vertrauensvoll versichern, es geht! ;)

Was soll damit sein? Gleiches gilt auch hierfür. Selbstverständlich sind menschliche Gefühle und deren Übertragung auf Gott immer frag-würdig.

So habe ich es auch beschrieben.

 

Ich weise noch einmal darauf hin: Ich schrub "fragwürdig", nicht "falsch".

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Marcellinus
vor 5 Stunden schrieb Mecky:

Ich schrub "fragwürdig", nicht "falsch".

 

Aber auch nicht "richtig". Und wenn man über etwas nichts sagen kann, vielleicht sollte man dann davon schweigen. ;) 

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vor 1 Minute schrieb Marcellinus:

Und wenn man über etwas nichts sagen kann, vielleicht sollte man dann davon schweigen. ;) 

Das halte ich für einen historischen Lapsus von Feuerbach. Das Gegenteil ist richtig: Gerade über das, worüber man nichts sagen kann, muss man reden.
Gegen später hat Ludwig dies eingesehen. Nur so (also im Sprechen über das nicht sprachlich Fassbare) kann sich Sprache herausbilden.

Dabei ist die Ehrlichkeit und Authentizität des Sprechens sehr wichtig. Wer so tut, als spräche er aus einem Wissen heraus, der lernt das Lügen oder die Selbstüberschätzung.
Wichtig ist dabei auch das Sprechen in "Bildern".

Beim Sprechen über Gott muss man sich dessen besonders bewusst sein. Ich habe nichts gegen Märchen. Aber ich wehre mich gegen Erzähler, die solche Märchen als Realsprache darstellen. Auf diese Weise finde ich die Geschichte, wie Maria Magdalena dem Auferstandenen begegnet eine tolle Geschichte, mitunter eine Spitzenleistung der Erzählkunst in den Evangelien. Wer mit dieser Geschichte historisch beweisen will, dass Gott seinen Sohn Jesus auferweckt hat, der hat schlicht nicht alle Tassen im Schrank. 

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vor 7 Stunden schrieb Mecky:

Außerdem gibt es keinen nicht-anthropomorphen Zugang zu Gott. Das gilt allgemein. Das gilt natürlich erst recht für das Christentum mit seiner Inkarnations-Idee.

Natürlich. Losgelöst vom Menschen wird das Reden über Gott sinnlos. Da Zorn etwas typisch menschliches ist, sollte auch der Zorn Gottes zum Gottesbild gehören. Ansonsten wäre das Gottesbild defizitär.

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vor 12 Minuten schrieb Merkur:

Da Zorn etwas typisch menschliches ist, sollte auch der Zorn Gottes zum Gottesbild gehören. Ansonsten wäre das Gottesbild defizitär.

 

So einfach ist das nicht. Typisch menschlich ist auch die Körperlichkeit, die Sterblichkeit und anderes, die Nahrungsbedürftigkeit und die sexuelle Erregbarkeit. Es ist unmöglich, ein Gottesbild abzuwerten, nur weil es einen menschlichen Zug nicht beinhaltet, der "mir" eben gerade wichtig erscheint. 

Schwierig ist auch, ob man von der menschlichen Geschlechtlichkeit auf die göttliche schließen kann ("Vater"? "Mutter"? "Diversi"?). Zudem habe ich bereits Menschen kennen gelernt, denen Zorn fern liegt (glaub's, oder glaub's nicht. Ich habe es lange Zeit nicht geglaubt). Viele Religionen kennen Götter und Göttinnen.

 

Ich sehe in dem Zuspruch "defizitär" eine unzulässige Versachlichung. So, als ob man Gottesbilder sachgerecht beurteilen könnte. 

 

Biblische Gottesbilder kommen oft zwar nicht ohne Zorn aus, dafür aber ohne Empathie (und zwar für alle). Auch das, was man heute Gerechtigkeit nennt, scheint beim biblischen Gott deutlich unterrepräsentiert zu sein. Daraus ergeben sich große Probleme in der Theodizeefrage. Warum erbarmt sich Gott nicht über das Elend? Warum gibt er kein Zeichen der Trauer oder Verzweiflung, als sein Sohn am Kreuz entsetzliche Qualen leidet? Oder so manches unschuldige Baby? Gerecht?

 

Deswegen halte ich solche Schlüsse immer für frag-würdig (im schon vorhin verwandten Sinne).

 

Was Du aber jederzeit sagen kannst: "FÜR MICH wäre ein Gottesbild ohne Zorn ein löchriges Konstrukt. ICH kann mir keine Personalität ohne Zorn vorstellen. Zu einem solch unpersonalen Gott könnte ICH nicht beten." Das wäre voll und ganz legitim.

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Marcellinus
vor einer Stunde schrieb Mecky:

Gerade über das, worüber man nichts sagen kann, muss man reden.

 

Ich sehe das anders. Besonders, weil man zu interessanten Ergebnissen kommen kann, wenn man seinen Vorstellungen an dem prüft, was sich beobachten läßt. Fest steht, daß dieses Universum auf Einzelnes keine Rücksicht nimmt, weder auf Galaxien, Sonnensysteme, Planeten, noch Lebewesen, und schon gar nicht Menschen. Es ist vielmehr ein "Konstruktionsprinzip" des Lebens, daß die Einzelnen nur soweit von Bedeutung sind, wie sie zum Überleben der Vielen beitragen.

 

Überall in der unbelebten wie Belebten Natur regiert Zweckmäßigkeit und Anpassung. Von Gerechtigkeit oder Moral im allgemeinen keine Spur, es sei denn, Menschen versuchen sie unter ihresgleichen zu verwirklichen, wie vorläufig und unvollkommen auch immer. Ich denke, daß muß man als Realität zur Kenntnis nehmen. Dieses Universum ist den Einzelnen gegenüber indifferent, und soweit mal es wahrnimmt als einen Prozeß ohne Bewusstsein, Absicht und Ziel, ist es einfach eine nüchterne Tatsache. 

 

Dagegen wird nichts dadurch besser, daß man hinter all dem etwas "Göttliches" vermutet (denn mehr als Vermutung ist ja nicht), noch dazu eines, dem man ein persönliches Engagement für einzelne Lebewesen unterstellt. Im Gegenteil! Was ohne ein strukturierter, gut zu beschreibender Prozeß ist (so unvollständig unser Wissen darüber auch sein mag), wird mit zu einen Gedankenquark, der von einem Widerspruch in den nächsten taumelt, wenn man hinter allen eine "göttliche" Absicht unterstellt.

 

Die ganze Theologie, und auch das, was du schreibst, ist voll davon, voll von den immer neuen Versuchen, die Widersprüche aufzulösen zwischen dem, was du zu gerne glauben möchtest, und dem was man beobachten kann. Es ist der immer wiederkehrende Versuch, Probleme zu lösen, die man ohne eine solche Vorstellung vom "Göttlichen" einfach nicht hat. 

 

Wenn man dann bedenkt, wieviele ungelöste Probleme wir ohne dies haben, dann erscheint mir noch unverständlicher, warum man "reden sollte über etwas, worüber man nichts sagen kann". Ich denke, wir hätten Besseres zu tun.

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vor 2 Stunden schrieb Mecky:

Biblische Gottesbilder kommen oft zwar nicht ohne Zorn aus, dafür aber ohne Empathie (und zwar für alle). Auch das, was man heute Gerechtigkeit nennt, scheint beim biblischen Gott deutlich unterrepräsentiert zu sein.  ...

Aus diesem Grund finde ich evangelikale Gottesvorstellungen etwas befremdlich. Im übrigen hast du natürlich Recht. Gottesvorstellungen sind immer eine höchstpersönliche Angelegenheit.

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vor 2 Stunden schrieb Marcellinus:

Überall in der unbelebten wie Belebten Natur regiert Zweckmäßigkeit und Anpassung. Von Gerechtigkeit oder Moral im allgemeinen keine Spur, es sei denn, Menschen versuchen sie unter ihresgleichen zu verwirklichen, wie vorläufig und unvollkommen auch immer. Ich denke, daß muß man als Realität zur Kenntnis nehmen. Dieses Universum ist den Einzelnen gegenüber indifferent, und soweit mal es wahrnimmt als einen Prozeß ohne Bewusstsein, Absicht und Ziel, ist es einfach eine nüchterne Tatsache.

Ich gehe davon aus, dass das den Menschen schon seit frühesten Zeiten bekannt war. Ich habe auch kein Problem damit, das zur Kenntnis zu nehmen. Auf eine Religion möchte ich deswegen allerdings, genau wie die vielen Generationen vor mir, nicht verzichten.

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Marcellinus
vor 40 Minuten schrieb Merkur:

Auf eine Religion möchte ich deswegen allerdings, genau wie die vielen Generationen vor mir, nicht verzichten.

 

Ich bin der letzte, der dich daran hindern wollte. 

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Mariamante

GOTTES Zorn ist eine menschliche Ausdrucksweise dafür,  dass Gott Verhaltensweisen nicht billigt,  die uns schaden.Mit menschlichem Zorn ist das nicht zu vergleichen.

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