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Religiöse Gefühle


phyllis

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Hab wieder mal ein Dilemma. Es wird immer verlangt religiöse Gefühle zu respektieren. zt ist es nachvollziehbar. So betrete ich einen Tempel nie ohne die Schuhe auszuziehen, und eine Kirche einigermassen anständig angezogen und plärre nicht laut herum; im Gegenteil es stört mich wenn andere es tun, ohne dass ich religiös wäre. Es sind Orte religiöser Begegnung, und das soll man respektieren mmn.

 

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

 

In meinem Fall ist es so. Meine Cousine heiratet in 2 Wochen. Wir sind eingeladen, haben Flug, Hotel und ein Resort für eine grössere Familienfete nach der Hochzeit gebucht, und haben auch gespendet, soweit alles klar. Nun geht es meiner Schwiegermutter schlecht, sie wird nächste Woche in die Palliative kommen, wir gehen noch von einer bis zwei Wochen aus, sollten aber – rein terminlich – die Kurve noch kratzen bis  zur Hochzeit. Aber unter diesen Umständen dürften wir nicht teilnehmen, da es – nach chinesischem Aberglauben – Tod und Pech für das Brautpaar bedeutet.

 

Wir können natürlich alles verheimlichen und trotzdem gehen. Oder ehrlich sein und alles sausen lassen und ein paar tausend schon bezahlten Dollars nachweinen. Hier ist mein Dilemma. Ich gehe nicht davon aus dass es das Brautpaar gross juckt, aber wenn es sich herumspricht und all die alten abergläubischen Verwandten davon erfahren, würden wir an der Feier etwa so willkommen sein wie Putin in einer ukrainischen Militärbaracke.

 

Ist dieser Aberglaube  zu respektieren? Religiös ist es irgendwie schon auch wenn konkret keine Götter oder heiligen Schriften es so befohlen haben. Aber religiöse Gefühle sind ja wesentlich weiter zu fassen und eigentlich krass subjektiv. Also was tun in so einer Situation?

 

Macht mal vllt kommen ja ein paar zündende Ideen.Danke und Gruss

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vor 6 Minuten schrieb phyllis:

Hab wieder mal ein Dilemma. Es wird immer verlangt religiöse Gefühle zu respektieren. zt ist es nachvollziehbar. So betrete ich einen Tempel nie ohne die Schuhe auszuziehen, und eine Kirche einigermassen anständig angezogen und plärre nicht laut herum; im Gegenteil es stört mich wenn andere es tun, ohne dass ich religiös wäre. Es sind Orte religiöser Begegnung, und das soll man respektieren mmn.

 

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

 

In meinem Fall ist es so. Meine Cousine heiratet in 2 Wochen. Wir sind eingeladen, haben Flug, Hotel und ein Resort für eine grössere Familienfete nach der Hochzeit gebucht, und haben auch gespendet, soweit alles klar. Nun geht es meiner Schwiegermutter schlecht, sie wird nächste Woche in die Palliative kommen, wir gehen noch von einer bis zwei Wochen aus, sollten aber – rein terminlich – die Kurve noch kratzen bis  zur Hochzeit. Aber unter diesen Umständen dürften wir nicht teilnehmen, da es – nach chinesischem Aberglauben – Tod und Pech für das Brautpaar bedeutet.

 

Wir können natürlich alles verheimlichen und trotzdem gehen. Oder ehrlich sein und alles sausen lassen und ein paar tausend schon bezahlten Dollars nachweinen. Hier ist mein Dilemma. Ich gehe nicht davon aus dass es das Brautpaar gross juckt, aber wenn es sich herumspricht und all die alten abergläubischen Verwandten davon erfahren, würden wir an der Feier etwa so willkommen sein wie Putin in einer ukrainischen Militärbaracke.

 

Ist dieser Aberglaube  zu respektieren? Religiös ist es irgendwie schon auch wenn konkret keine Götter oder heiligen Schriften es so befohlen haben. Aber religiöse Gefühle sind ja wesentlich weiter zu fassen und eigentlich krass subjektiv. Also was tun in so einer Situation?

 

Macht mal vllt kommen ja ein paar zündende Ideen.Danke und Gruss

Krass.

Meine Schwägerin hat 2020 geheiratet, es war nur die Trauung, die Feier musste schon wegen Corona ausfallen. Eine Verschiebung war aus Gründen, die ich hier nicht darlegen will, nicht möglich. Und genau eine Woche vorher ist ihre Oma gestorben.

Es ging wie gesagt nur um das schlichte Ja-Wort, keine Feier, nichts. Trotzdem wird sie bis heute deswegen von Teilen der Verwandtschaft angefeindet, und zwar heftig.

Solche mittelalterlichen traditionellen Vorstellungen sind zäh wie Pech, genau so klebrig und genau so ekelhaft. Und mich nerven sie inzwischen gewaltig. Religiöse Gefühle sind schön und gut, aber letztlich das Problem der Leute, die die haben.

Ich bin weit davon entfernt, sie mutwillig zu verletzen, wie du auch, aber wenn verlangt wird, dass ich mich deswegen verbiegen soll, sage ich inzwischen „ihr könnt mich mal, ich habe auch Gefühle“.

Konkret würde ich fragen, wie es dem Brautpaar damit geht, und daran meine Entscheidung ausrichten. Und wenn irgendwelche „alte abergläubische Verwandte“ einen Herzkasper bekommen, was soll’s. Ist deren Problem, sollen sie doch dran ersticken.

 

Werner

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Ich würde es tatsächlich auch mit dem Brautpaar besprechen, und mich dann nach ihnen richten.

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vor 8 Stunden schrieb phyllis:

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

Aus atheistischer Perspektive sehe ich da keine Unterschiede. Alles der gleiche Humbug und Mumpitz.

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Hi phyllis,

 

Um das Problem zu verstehen habe ich eine Frage.

 

Es ist verpönt als Angehöriger eines kürzlich verstorbenen oder sterbenden Familienmitglieds auf einer Hochzeit zu erscheinen?

 

Eigentlich lese ich nämlich 2 Probleme. Würdet ihr überhaupt anreisen wollen, sollte deine Schwiegermutter nicht tot sein?

 

Martin

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ultramontanist
vor 9 Stunden schrieb Werner001:

Krass.

Meine Schwägerin hat 2020 geheiratet, es war nur die Trauung, die Feier musste schon wegen Corona ausfallen. Eine Verschiebung war aus Gründen, die ich hier nicht darlegen will, nicht möglich. Und genau eine Woche vorher ist ihre Oma gestorben.

Es ging wie gesagt nur um das schlichte Ja-Wort, keine Feier, nichts. Trotzdem wird sie bis heute deswegen von Teilen der Verwandtschaft angefeindet, und zwar heftig.

Solche mittelalterlichen traditionellen Vorstellungen sind zäh wie Pech, genau so klebrig und genau so ekelhaft. Und mich nerven sie inzwischen gewaltig.

Hier sind die Gefüghle ja noch weniger religiös als bei Phyllis.

Es geht einfach um Gefühle und um ein Tabu, das nirgens festgeschrieben ist.

Zur Zeit wachsen übrigens viele neue Tabus.

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vor 10 Stunden schrieb phyllis:

Hab wieder mal ein Dilemma. Es wird immer verlangt religiöse Gefühle zu respektieren. zt ist es nachvollziehbar. So betrete ich einen Tempel nie ohne die Schuhe auszuziehen, und eine Kirche einigermassen anständig angezogen und plärre nicht laut herum; im Gegenteil es stört mich wenn andere es tun, ohne dass ich religiös wäre. Es sind Orte religiöser Begegnung, und das soll man respektieren mmn.

 

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

 

In meinem Fall ist es so. Meine Cousine heiratet in 2 Wochen. Wir sind eingeladen, haben Flug, Hotel und ein Resort für eine grössere Familienfete nach der Hochzeit gebucht, und haben auch gespendet, soweit alles klar. Nun geht es meiner Schwiegermutter schlecht, sie wird nächste Woche in die Palliative kommen, wir gehen noch von einer bis zwei Wochen aus, sollten aber – rein terminlich – die Kurve noch kratzen bis  zur Hochzeit. Aber unter diesen Umständen dürften wir nicht teilnehmen, da es – nach chinesischem Aberglauben – Tod und Pech für das Brautpaar bedeutet.

 

Wir können natürlich alles verheimlichen und trotzdem gehen. Oder ehrlich sein und alles sausen lassen und ein paar tausend schon bezahlten Dollars nachweinen. Hier ist mein Dilemma. Ich gehe nicht davon aus dass es das Brautpaar gross juckt, aber wenn es sich herumspricht und all die alten abergläubischen Verwandten davon erfahren, würden wir an der Feier etwa so willkommen sein wie Putin in einer ukrainischen Militärbaracke.

 

Ist dieser Aberglaube  zu respektieren? Religiös ist es irgendwie schon auch wenn konkret keine Götter oder heiligen Schriften es so befohlen haben. Aber religiöse Gefühle sind ja wesentlich weiter zu fassen und eigentlich krass subjektiv. Also was tun in so einer Situation?

 

Macht mal vllt kommen ja ein paar zündende Ideen.Danke und Gruss

 

Was ist denn DEIN Gefühl?

Wie geht es dir damit?

 

Ich lese aus dem Post heraus,dass du dich unwohl fühlen würdest, unter den Umständen auf die Hochzeit zu gehen.

Wenn dem so ist, dann wäre meine Idee,das dem Brautpaar so zu kommunizieren. 

 

Ich finde, dass es in dem Fall nicht darum geht,ob das jemand hier für Aberglauben hält oder nicht,sondern wie ihr und das Brautpaar und auch andere Gäste euch  auf der Hochzeit fühlt.

Und dem Rechnung tragt.

 

Du machst dir ja ernsthaft Gedanken - das ist,was zählt.  Du willst respektvoll handeln und das tun,womit du und andere sich wohlfühlen-   zumindest verstehe ich das so.

 

 

 

 

 

Edited by mn1217
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vor 12 Stunden schrieb phyllis:

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

Ich denke nicht, dass es eine Sonderkategorie "religiöse Gefühle" gibt. Es gibt für jeden Menschen Lebensthemen, die hoch emotional besetzt sind. Inwieweit ich die in diesem Bereich vorhandene Sensibilität achte, hängt mE davon ab, wie ich generell mit Menschen, ihren Emotionen und Bedürfnissen umgehe.

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vor 3 Stunden schrieb rince:

Ich würde es tatsächlich auch mit dem Brautpaar besprechen, und mich dann nach ihnen richten.

+1

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vor 1 Stunde schrieb mn1217:

und auch andere Gäste euch  auf der Hochzeit fühlt.

Was heißt hier „andere Gäste“?

Dazu gehört Phyllis auch. Warum sollte sie sich um die Grillen der anderen kümmern, denen es egal ist, wie sie sich dabei fühlt?

An erster Stelle steht das Brautpaar, an zweiter Stelle sie selbst. Alle anderen sollen sich um sich selbst kümmern, das ist nicht die Verantwortung von Phyllis

 

Werner

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vor 3 Stunden schrieb rince:

Ich würde es tatsächlich auch mit dem Brautpaar besprechen, und mich dann nach ihnen richten.

Sehe ich genauso. Es ist ihr Fest - und es sind auch ihre Verwandten, die sich möglicherweie angegriffen fühlen würden... 

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vor 13 Minuten schrieb Werner001:

Was heißt hier „andere Gäste“?

Dazu gehört Phyllis auch. Warum sollte sie sich um die Grillen der anderen kümmern, denen es egal ist, wie sie sich dabei fühlt?

An erster Stelle steht das Brautpaar, an zweiter Stelle sie selbst. Alle anderen sollen sich um sich selbst kümmern, das ist nicht die Verantwortung von Phyllis

 

Werner

 

Das war  auf phyllis' Posting bezogen.

Ich habe den Eindruck, dass sie sich darum Gedanken macht.

Ich weiß nicht,  ob das so ist.

 

Ich habe aber- gerne nachlesen- als erstes gefragt wie sie dazu steht und auch geschrieben,  dass ich zu einem Gespräch mit dem Paar raten würde.

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vor 23 Minuten schrieb Werner001:

Was heißt hier „andere Gäste“?

Dazu gehört Phyllis auch. Warum sollte sie sich um die Grillen der anderen kümmern, denen es egal ist, wie sie sich dabei fühlt?

An erster Stelle steht das Brautpaar, an zweiter Stelle sie selbst. Alle anderen sollen sich um sich selbst kümmern, das ist nicht die Verantwortung von Phyllis

Sorry to say, aber das ist reiner westlicher Individualismus.

 

Einer Kultur, die solche Ereignisse wie z.B. eine Hochzeit als Angelegenheit der ganzen Familie versteht und auch den Einzelnen über die Zugehörigkeit zur Familie definiert, wirst Du mit so einer Pauschalabsage nicht gerecht.

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vor 2 Minuten schrieb Flo77:

Sorry to say, aber das ist reiner westlicher Individualismus.

 

Einer Kultur, die solche Ereignisse wie z.B. eine Hochzeit als Angelegenheit der ganzen Familie versteht und auch den Einzelnen über die Zugehörigkeit zur Familie definiert, wirst Du mit so einer Pauschalabsage nicht gerecht.

Ich kenne mich da besser aus, als mir lieb ist. Das ist alles schön und gut, solange man in alle Schemata hineinpasst, aber wehe, wenn nicht, weil man z. B. schwul ist. Dann muss man sich irgendwann entscheiden, ob einem die eigene geistige Gesundheit wichtiger ist, oder die blödsinnigen, überkommenen Vorurteile der anderen

 

Werner

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vor 2 Minuten schrieb Werner001:

Ich kenne mich da besser aus, als mir lieb ist. Das ist alles schön und gut, solange man in alle Schemata hineinpasst, aber wehe, wenn nicht, weil man z. B. schwul ist. Dann muss man sich irgendwann entscheiden, ob einem die eigene geistige Gesundheit wichtiger ist, oder die blödsinnigen, überkommenen Vorurteile der anderen

Ich habe nicht behauptet, daß das für den einzelnen immer leicht ist.

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4 hours ago, Flo77 said:

Sorry to say, aber das ist reiner westlicher Individualismus.

 

Einer Kultur, die solche Ereignisse wie z.B. eine Hochzeit als Angelegenheit der ganzen Familie versteht und auch den Einzelnen über die Zugehörigkeit zur Familie definiert, wirst Du mit so einer Pauschalabsage nicht gerecht.


Die Frage ist aber auch, ob man sich so einer repressiven Kultur unterwerfen möchte. Familie ist eine tolle Sache, aber sie kann auch eine sehr gemeine und brutale Angelegenheit werden (wie der Staat, die Religion oder eine Ideologie).

Von daher finde ich die Versionen, denen sich das Individuum nicht auf Gedeih und Verderb unterwerfen muss, doch menschenfreundlicher.

Und wenn man sich die guten Beziehungen und die Lebensfreude dadurch erhält, die renitenteren Familienmitglieder auf Abstand zu halten, würde ich das tun.

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Die Angelika

@phyllis:

Ich würde mit dem Brautpaar darüber offen reden und sie fragen, was sie sich wünschen.

 

@Flo77

Was @Werner001 schreibt, ist nicht einfach als westlicher Individualismus zu benennen. 

Und wenn du aus einer Familie wegen der Gefühligkeiten diverser Familienmitglieder aufgrund deiner sexuellen Orientierung gleichsam ausgeext wirst oder denen dauernd was vorheucheln sollst, dann wird Familie zum krankmachenden System, wenn du nicht irgendwann genau so reagierst, wie Werner das beschreibt.

Oder fändest du es etwa so lustig, wenn du auf sämtlichen Familienfesten so tun sollst, als seist du partnerlos, nur weil die Existenz deines Partners die Gefühle von Oma Hilde, Opa Beppo etc verletzt?

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vor 4 Stunden schrieb Shubashi:

Und wenn man sich die guten Beziehungen und die Lebensfreude dadurch erhält, die renitenteren Familienmitglieder auf Abstand zu halten, würde ich das tun.

 

Wie sagte mein Vater immer: Der Unterschied zwischen Familie und Freunden ist, daß man sich Freunde aussuchen kann. ;)

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Vielen Dank für die Antworten. Aber einem hier vorliegenden Konsens muss ich deutlich widersprechen 🙂 Ich kann das Brautpaar, resp. die Braut dh meine Kusine nicht darauf ansprechen. resp. will nicht. Aus zwei Gründen. Erstens kenn ich die Familie des Bräutigams überhaupt nicht. Ich hab ihn einmal gesehen, netter Typ, US-Koreaner, aber welch möglicher Aberglaube in seiner Familie vorherrscht weiss ich nicht. Zweitens würde ich mein Dilemma einfach auf meine Kusine übertragen. Sie müsste dann entscheiden, ob sie es ihren Verwandten allenfalls auch den SchwägerInnen usw. verheimlichen soll, oder eben nicht, oder uns irgendwie ausladen. Es sollte aber ihr glücklicher Tag werden und das letzte was ich will ist sie mit solchem Sch*** zu belästigen.

 

Sie selbst hätte 99.99% sicher kein Problem - denn sie dürfte dieses Jahr eigentlich gar nicht heiraten wenn sie denn diesem Aberglauben folgen würde. Denn ihre Grossmutter ist im März verstorben, und der besagte Aberglaube schreibt vor dass im selben Jahr keine Hochzeiten oder Jubliäen irgendwelcher Art gefeiert werden dürfen. Um die Toten zu respektieren oder so. Im 21 JH wo man solche Anlässe mindestens 1 Jahr voraus buchen und auch anzahlen muss kommt es wohl schnell mal zu Konflikten.

 

17 hours ago, rince said:
On 10/7/2022 at 5:58 PM, phyllis said:

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

Aus atheistischer Perspektive sehe ich da keine Unterschiede. Alles der gleiche Humbug und Mumpitz.

Vor ein paar Jahren hätte ich dir noch krass widersprochen. Heute kaum noch. In der Tat liegt auch dem was als "Aberglaube" so locker abqualifiziert wird in solchen Kulturen ein soziales Bedürfnis vor. Oder eher ein Machtbedürfnis - die Alten herrschen über die Jungen, die Traditionen über die Freiheit, das Kollektiv über das Individuum. Dafür Gott oder Götter zu bemühen ist eine Strategie, und nichmal eine schlechte, aber es geht auch ohne. Nur Humbug und Mumpitz würde ich es nicht nennen, dafür ist es zu wirksam. Siehe Iran zb.

 

13 hours ago, Flo77 said:

Einer Kultur, die solche Ereignisse wie z.B. eine Hochzeit als Angelegenheit der ganzen Familie versteht und auch den Einzelnen über die Zugehörigkeit zur Familie definiert, wirst Du mit so einer Pauschalabsage nicht gerecht.

Wir sind aber nicht Teil ihrer Familie. Wir sind befreundet. Biologische Verwandsschaft = 0. Gut ich muss erklären. Die besagte Kusine ist die Nichte der Zweitfrau meines Dads. Ich bin 9 Jahre älter als meine Kusine. Im Teenie-Alter verbrachte ich meine Sommerferien oft in Kalifornien bei den Eltern meiner Kusine. Ich wurde sowas wie ihre ältere Schwester. Sie vertraute mir vieles an worüber sie mit ihren steifen traditions-bewussten Eltern nie sprechen würde. Ich war es die sie aufklärte - Blümchen, Bienchen und so.  Sie besuchte mich im Wilden Norden ontarios als ich mein Praktikum dort machte, und auch in Seattle als ich dort stationiert war und sie rammte meinen Firmenwagen in ein Auto das vor einem Rotlicht wartete. Wir sind einfach beste Freundinnen auch wenn sich die Kontakte in den letzten Jahren reduzierten - ist normal denke ich wenn man einen neuen Lebensabschnitt beginnt, mit neuen Jobs, mit Partner und Kindern.

 

Daher doppelnerv wenn die Familie, oder Clan oder wie man es immer nennen soll, die aussenstehenden zur kulturellen Assimilation zwingt. Ist mmn der Anfang von Parallel-Gesellschaften, auch wenn es in meinem Fall natürlich nicht so krass ist.

 

17 hours ago, Soulman said:

Es ist verpönt als Angehöriger eines kürzlich verstorbenen oder sterbenden Familienmitglieds auf einer Hochzeit zu erscheinen?

Lebt die Schwiegermutter am Hochzeitstag noch ist alles paletti aus Sicht der Abergläubischen. Auch wenn sie an Schläuchen hängt und künstlich beatmet werden muss. Alles kein Problem. Nur sterben darf sie an dem Tag nicht. Bitte erst am nächsten Tag, auch dann ist alles paletti. :facepalm:

 

17 hours ago, Soulman said:

Eigentlich lese ich nämlich 2 Probleme. Würdet ihr überhaupt anreisen wollen, sollte deine Schwiegermutter nicht tot sein?

Ich ja. Mein Mann kaum, das ist natürlich voll ok. Ich müsste dann noch eine Erklärung finden warum er nicht mitkommt. Aber im Ausreden finden zähle ich mich zur globalen Elite. 🙂 Du hast aber recht man muss alle möglichen Szenarien durchdenken, auch wenn ihre Chancen in 2 Wochen noch zu leben relativ klein sind. Aber Mediziner werden diesbezüglich immer wieder verblüfft.

 

14 hours ago, gouvernante said:
On 10/7/2022 at 5:58 PM, phyllis said:

Aber was genau sind religiöse Gefühle? Fällt reiner Aberglaube auch darunter? Wenn nicht wie grenzt man das ab?

Ich denke nicht, dass es eine Sonderkategorie "religiöse Gefühle" gibt. Es gibt für jeden Menschen Lebensthemen, die hoch emotional besetzt sind. Inwieweit ich die in diesem Bereich vorhandene Sensibilität achte, hängt mE davon ab, wie ich generell mit Menschen, ihren Emotionen und Bedürfnissen umgehe.

Nur ist es eben so dass diese "hoch emotional" besetzten Gefühle ganz arg diskrimierend sein können. @Werner001hat das mmn sehr zutreffend erklärt. Ich bin ziemlich sicher dass meine Kusine recht deprimiert wäre wenn ich nicht erscheinen würde an der Hochzeit. Ditto meinerseits. Und warum sind ihre und meine Gefühle weniger wichtig als die der Abergläubischen, ob dieser (aber)-Glaube nun aus heiligen Schriften oder kulturellen Traditionen stammt? Religionen sind mmn eh nur macht-ideologisch betriebene Institutionen die sich mit dem Verweis auf höhere Mächte kritik-immun machen wollen. Dem guten alten Aberglauben fehlt diese "Legitimation".

 

16 hours ago, mn1217 said:

Ich finde, dass es in dem Fall nicht darum geht,ob das jemand hier für Aberglauben hält oder nicht,sondern wie ihr und das Brautpaar und auch andere Gäste euch  auf der Hochzeit fühlt.

Doch darum geht es - wird diesem Aberglauben Rechnung getragen bleibe ich der Hochzeit fern. Was meine Kusine oder ich dabei empfinde ist egal.

Wie ich mich fühle - ich möchte dabei sein ohne ihr Fest zu versauen. Geht nur mit schummeln und lügen.

Wie andere sich fühlen - mit oder ohne Kenntis des Zustandes meiner Schwiegermutter - keine Ahnung. Wie soll ich das wissen?

 

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Wie lange nach dem Tod eines nahen Verwandten gilt man wieder als 'rein'?

Edited by rince
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vor 6 Stunden schrieb phyllis:

Sie selbst hätte 99.99% sicher kein Problem - denn sie dürfte dieses Jahr eigentlich gar nicht heiraten wenn sie denn diesem Aberglauben folgen würde. Denn ihre Grossmutter ist im März verstorben, und der besagte Aberglaube schreibt vor dass im selben Jahr keine Hochzeiten oder Jubliäen irgendwelcher Art gefeiert werden dürfen.

 

Dann ist die Sache doch klar! Wenn sie auf diese Tradition pfeift, dann kannst Du das auch.

Zumal es nicht deine Mutter ist die im Sterben liegt.

Solltest Du es allerdings vorziehen, deinem Mann in dieser schweren Zeit beizustehen wäre das auch OK, vermutlich auch für deine Freundin, und ungeachtet aller Traditionen.

 

Wie ist das eigentlich mit Gästen, die nicht aus dem Asiatischen Kulturkreis kommen und diese Traditionen nicht kennen? Düften die denn ungeachtet möglicher familiärer Todesfälle kommen? Oder wurden sie erst gar nicht eingeladen?

 

Wobei es nicht so ist, daß wir Europäer solche Traditionen nicht kennen würden. Sie liegen allerdings schon viele Jahrzehnte zurück. Angefangen mit schwarzer Trauerkleidung für ein Jahr (wodurch manch junge Frau nie was anderes tragen konnte, weil immer irgendeinen Onkel oder Großtante gab, die in den letzten 365 Tagen das Zeitliche gesegnet hatte) bis hin zum Heiratsverbot im Trauerjahr (bitter in einer Zeit, wo die Hochzeitsurkunde noch als Popperlaubnis galt).

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vor 21 Minuten schrieb Moriz:

Wie ist das eigentlich mit Gästen, die nicht aus dem Asiatischen Kulturkreis kommen und diese Traditionen nicht kennen?

Die gelten bei sowas als außenstehende Exoten, von denen keine Kenntnis solcher Tradition erwartet wird. Außer sid sind angeheiratet, dann müssen sie sich dran halten. Sofern das Anheiraten möglich ist. Bei gläubigen  Moslems gilt schon das Anheiraten von Nicht-Moslems als schrecklicher Tabubruch

 

Werner

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vor 13 Stunden schrieb Marcellinus:

 

Wie sagte mein Vater immer: Der Unterschied zwischen Familie und Freunden ist, daß man sich Freunde aussuchen kann. ;)

 

"Das Wort Familienbande hat den Beigeschmack von Wahrheit." (Karl Kraus)

 

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@phyllis:

Blöde Situation. 

'Schummeln und Lügen' klingt ja auch nicht so,als fändest du das gut.

 

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O.k., mit dem Brautpaar reden is aldo nicht.

 

Wie hoch ist den die Entdeckungs-Wahrscheinlichkeit eures 'Makels'?

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