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Das Weinerlichkeits-Ideal ...


Martin
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(Francois Truffelaut) >Der Off-Sprecher entspricht dem Weinerlichkeits-Ideal  bei religiösen TV-Produktionen  ... <

 

Was ist das denn, ein "Weinerlichkeits-Ideal"?

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Guest Ketelhohn
Habt ihr noch nie bemerkt, mit welch weinerlich-getragener Stimme zum Beispiel die Moderatoren der Kirchenfunksendungen im Fernsehen reden? So halten Sie sich wahrscheinlich für überaus wichtig und ernsthaft. Ähnliche Mimik und Klangfarbe der Stimme kann man übrigens bei gewissen Frauensendungen feststellen.
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Mit dem "Weinerlichkeits-Ideal" bezeichne ich das "Roman-Herzog-Syndrom" der Sprecher bei  öffentlich-rechtlichen Verkündigungssendungen. Ich finde es eben angenehmer, gelernten Schauspielern zuzuhören, als  - mich über Fliege-Amateur-Imitationen aufregend - den Inhalt zu verpassen.

 

Ein postives Beispiel aus einem anderen redaktionellen Bereich ist das  Kalenderblatt von Bayern2? Dort sind die Manuskripte, wenn man sie selber liest nur halb so gut, wie wenn man sie morgens von einem guten Sprecher anhört.

 

http://www.br-online.de/wissen-bildung/kalenderblatt/

 

(Geändert von jouaux um 15:34 - 1.März.2003)

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Wenn du schon bei BR bist, dann musst du aber auch "Auf ein Wort" anhören. (Oft) Super!

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Ich glaub daß ist das erste mal seid ich hier im Forum bin daß ich hier den Namen "Fliege" lese. Eigentlich erstaunlich daß der hier nicht Dauerthema ist.

 

 

Gruß Frank

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Guest jakob

Anlässlich des bevorstehenden höchsten rheinischen Feiertags wurde heute zur Messeröffnung auf der Orgel "Oh leeve Jott, jevv ons Wasser" vorgespielt. Zur Kommunionsausteilung erklangen die Takte zu "Drenk doch eene met".

(Nicht etwa in der weltlichen Gemeinde, sondern im Kloster...)

 

jakob.

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Guest jakob

Ich habe gegrinst. Besonders bei den Fürbitten:

 

V: Herr, befreie uns von den senkrechten Sorgenfalten auf unserer Stirn.

A: Herr befreie uns.

 

Und davon so an die 30 Stück.

Die Predigt des Pfarrers war gereimt - und hatte es in sich.

Von Weinerlichkeit war diesmal nix zu spüren.

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Zitat von jakob am 19:14 - 2.März.2003

Anlässlich des bevorstehenden höchsten rheinischen Feiertags wurde heute zur Messeröffnung auf der Orgel "Oh leeve Jott, jevv ons Wasser" vorgespielt. Zur Kommunionsausteilung erklangen die Takte zu "Drenk doch eene met".

(Nicht etwa in der weltlichen Gemeinde, sondern im Kloster...)

 

jakob.

 


 

Hallo,

 

nach meiner Erfahrung findet man so etwas eher in Klöstern als in Gemeinden. Vielleicht sind die Klostermenschen in dieser Beziehung einfach integrierter. Sie stehen auf einer gesicherten geistlichen Basis und können dann mit dem Weltlichen viel offener umgehen.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Guest jakob

Leider nein, Matthias.

 

Während in dem Kloster Geschmack und Form gewahrt wurden, gab es ein paar Kilometer weiter - wie ich heute in der Zeitung las - einen Karnevalsgottesdienst. Die "Vorführung": der Pfarrer sang gemeinsam mit 5 anderen in einer Band live Lieder der Bläck Föss im Gottesdienst. "Nur während der Wandlung müsse man die liturgischen Formen etwas einhalten" meinte der Priester. Ich will nicht wissen, was er unter liturgischen Formen verstand. Wahrscheinlich ist er jetzt auch noch stolz, daß seine Kirche gerammelt voll ist. Meinetwegen.

 

jakob.

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Zitat von Ketelhohn am 16:37 - 28.Februar.2003

Ich gebe zu, Lucia, daß meine letzten Fernseherfahrungen aus der »Vier fahr’n nach Lodsch«-Zeit stammen.


 

Und woher kennst Du dann das Iglo-Pärchen?

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Zitat von jouaux am 15:24 - 1.März.2003

"Roman-Herzog-Syndrom"


Was soll denn das heißen?

 

Ich habe den Herzog Roman immer als einen sehr angenehmen Redner in Erinnerung gehabt, auch als BuPrä eben nicht salbadernd, sondern eher "knackig" - und mit einem von vielen schon als unpassend empfundenen Hang zum Sarkasmus...

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Inhaltlich habe ich nichts gegen die Reden unseres Ex-Bundespräsidenten einzuwenden. Sie gehören in jedes gute Rhetorikhandbuch.

 

Ist Dir aber nicht diese gewisse Modulation in Herzogs  Stimme aufgefallen?  Das was ich als "zögernd" und "wenig zupackend" empfinde?

 

Mein Ideal einer OFF-Stimme ist nicht der bellende Kommentator der  "Deutschen Wochenschau", sondern die Kommentatoren (ausgebildete Sprecher) der Dokumentationen auf Phoenix.

 

Rolf

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Guest Ketelhohn

»Und woher kennst Du dann das Iglo-Pärchen?«

 

Gar nicht. Meine Frau hat sich allerdings heftig beschwert: Daher wußte ich von der Sache.

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Das Problem mangelnder Sprechausbildung trifft man aber auch ausnahmslos in Gottesdiensten an.

 

Die Art und Weise wie aus der Bibel gelesen wird, finde ich immer unerträglich. So salbungsvoll, leicht zitternd und ehrfürchtig - und immer monoton. Grottenmonoton!

 

Eine etwas bessere Schauspielausbildung in Priesterseminaren wäre wünschenswert.

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Na ja, das würde ich als "professoral" bezeichnen (bei dem guten "duke" wohl auch nicht überraschend), nicht als "weinerlich". Und sicher spielt dabei auch die juristische Übung, Thesen im Rahmen einer gutachtlichen Prüfung zu entwickeln, eine Rolle.

 

De gustibus non est disputandum. Unter unseren Bundespräsidenten (gerade, wenn man Vorgänger und Nacxhfolger betrachtet) fand ich seine Rhetorik, auch seinen Duktus geradezu erfrischend nüchtern. (Womit ich gegen v. Weizsäcker nichts gesagt haben will, aber gegen Ende seiner Amtszeit war er mir einfach doch ein wenig zu staatstragend.)

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Zitat von lissie am 9:32 - 4.März.2003

Das Problem mangelnder Sprechausbildung trifft man aber auch ausnahmslos in Gottesdiensten an.

 

Die Art und Weise wie aus der Bibel gelesen wird, finde ich immer unerträglich. So salbungsvoll, leicht zitternd und ehrfürchtig - und immer monoton. Grottenmonoton!

 

Eine etwas bessere Schauspielausbildung in Priesterseminaren wäre wünschenswert.


 

Hallo lissie,

 

ich habe von meinem Prof. gelernt, dass Aussagen wie 'ausnahmslos' gefährlich sind, da ein Beispiel reicht, diese zu wiederlegen. Und das wird es sicherlich irgendwo geben.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Zitat von jakob am 23:29 - 3.März.2003

Leider nein, Matthias.

 

Während in dem Kloster Geschmack und Form gewahrt wurden, gab es ein paar Kilometer weiter - wie ich heute in der Zeitung las - einen Karnevalsgottesdienst. Die "Vorführung": der Pfarrer sang gemeinsam mit 5 anderen in einer Band live Lieder der Bläck Föss im Gottesdienst. "Nur während der Wandlung müsse man die liturgischen Formen etwas einhalten" meinte der Priester. Ich will nicht wissen, was er unter liturgischen Formen verstand. Wahrscheinlich ist er jetzt auch noch stolz, daß seine Kirche gerammelt voll ist. Meinetwegen.

 

jakob.

 


 

 

Hallo Jakob,

 

nun ja. Nicht jeder hat Ahnung von Liturgie, leider.

Auch wenn Vieles in einer Messe nicht heilsnotwendig ist (wie etwa die Liedauswahl oder die künstlerische Gestaltung der musikalischen Begleitung) - zumindest ärgerlich ist es doch,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Guest Ketelhohn

»De gustibus non est disputandum. Unter unseren Bundespräsidenten (gerade, wenn man Vorgänger und Nacxhfolger betrachtet) fand ich seine Rhetorik, auch seinen Duktus geradezu erfrischend nüchtern. (Womit ich gegen v. Weizsäcker nichts gesagt haben will, aber gegen Ende seiner Amtszeit war er mir einfach doch ein wenig zu staatstragend.) «

 

Also bei Weizsäcker kommt mir nun wirklich alles hoch aus Magen und Gedärm. Da ist ja Rita Süßmuth noch leichter zu ertragen, obwohl sie selber geradezu die potenzierte Weinerlichkeit ist. – Rhetorisch der brillanteste unter den Bundespräsidenten war Karl Carstens, da gibt es meines Erachtens wenig dran zu deuteln, wiewohl ich kein Liebhaber hanseatischer Art bin.

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Zitat von Mat am 9:40 - 4.März.2003


Zitat von lissie am 9:32 - 4.März.2003

Das Problem mangelnder Sprechausbildung trifft man aber auch ausnahmslos in Gottesdiensten an.

 

Die Art und Weise wie aus der Bibel gelesen wird, finde ich immer unerträglich. So salbungsvoll, leicht zitternd und ehrfürchtig - und immer monoton. Grottenmonoton!

 

Eine etwas bessere Schauspielausbildung in Priesterseminaren wäre wünschenswert.


 

Hallo lissie,

 

ich habe von meinem Prof. gelernt, dass Aussagen wie 'ausnahmslos' gefährlich sind, da ein Beispiel reicht, diese zu wiederlegen. Und das wird es sicherlich irgendwo geben.

 

Viele Grüße,

 

Matthias


 

Du hast Recht. Ich nehme das "ausnahmslos" zurück.

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Zitat von lissie am 9:32 - 4.März.2003

Das Problem mangelnder Sprechausbildung trifft man aber auch ausnahmslos in Gottesdiensten an.

 

Die Art und Weise wie aus der Bibel gelesen wird, finde ich immer unerträglich. So salbungsvoll, leicht zitternd und ehrfürchtig - und immer monoton. Grottenmonoton!

 

Eine etwas bessere Schauspielausbildung in Priesterseminaren wäre wünschenswert.


 

 

Da ist was dran. Aber nicht nur. Und nicht immer. Vor allen Dingen nicht immer monoton. Und Grottenmonoton schon gar nicht.

 

Gegen ein gewisses Maß an Ehrfurcht ist auch nichts einzuwenden. Aber es muss passen. Wenn da etwas von Freude steht, dann sollte das nicht mit Grabes-Stimme vorgetragen werden.

 

Es ist eine Gradwanderung. Zu sehr interpretieren und modulieren wird wohl grundsätzlich nicht angestrebt.

 

Und zittrig. Das ist mir auch schon passiert. Meine Lektorausbildung hat es nicht gegeben. Mach das doch einfach bitte mal. Aus und Start.

 

Wir haben übrigens jetzt einen 17jährigen Lektor. Er ist einer der Besten.

 

Herzliche Grüße

Martin

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