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Zusammenlegen von kath. und evang. Unterricht??


swadi

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Hallo

 

Ich bin Schüler an eiem Gymnasium in der 12 Jahrgangsstufe.

Wir arbeiten gerade an einem Projekt, das sich mit der Frage beschäftigt, warum man den Religionsunterricht (katholisch und evangelisch) nicht zusammenlegen kann.

Aus unserem Jahrgang sind durchweg positive Meldungen von Seiten der Schüler gekommen.

 

Wie steht ihr zu diesem Thema??

kennt ihr Quellen zu diesem Thema?

 

Vielen Dank für euer Interesse

 

Sascha

 

 

(Geändert von swadi um 15:59 - 20.Februar.2003)

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Selbstverständlich kann man ihn zusammen legen. Das wird auch in diversen Schulen so gehandhabt.

 

Es hängt unter anderem davon ab, ob die Religionslehrer sich grün sind.  ;-)

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Lieber Sascha,

Schule fällt in die Zuständigkeit der Bundesländer - was in dem einen locker geht, ist im anderen völlig ausgeschlossen. In Bayern geht's nicht, soweit ich weiß.

 

Für den katholischen Reli-Unterricht ist die missio canonica (für den Lehrer) erforderlich - beim evangelischen muß die jeweilige Landeskirche ebenfalls in irgendeiner Form die Lehrbefugnis aussprechen. Ich weiß von keinem Lehrer, der die Befähigung für beide Fächer - kath. und ev. Religion - hätte, also würde es (de jure) schon daran scheitern. Aber manchmal ist der Kultusminister eben auch gaaanz weit weg ... (siehe Ute).

 

Gruß,

Lucia

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Guest Juergen

Bisher ist es m.W. nicht möglich, daß ein Student für das Lehramt sowohl kath. als auch ev. Religionslehre studiert.

 

Für NRW:

Ordnung der Ersten Staatsprüfungen für Lehrämter an Schulen (Lehramtsprüfungsordnung – LPO)

vgl. LPO §32 Nr.2; §37 Nr.2; §43 Nr.7; §50 Nr.3, jeweils gleichlautend für alle §§: Religionslehre kann nur als Evangelische oder Katholische Religionslehre gewählt werden.

 

D.h. Lehramtsprüfungen können entweger in dem einen oder dem anderen Fach abgelegt werden.

Einen Abschluß in "ökumenischer Religonslehre" gibt es nicht.

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Lieber Jürgen,

es ist - rein theoretisch - auch möglich, die Prüfung in beiden Fächern abzulegen und dann Lehrer für katholische und evangelische Religionslehre zu werden. Danach stellt sich die Frage, ob die Fächerkombination zulässig ist (in Bayern ist sie es nicht; da kann Reli nur mit Deutsch, Englisch, Mathe oder Musik kombiniert werden - für das Lehramt an Gymnasien auch noch mit Latein oder Sport) - und dann muß die jeweilige Religionsgemeinschaft auch noch zustimmen.

 

Gruß,

Lucia

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************** off topic *********************

Lieber Jürgen,

- studieren kannste alles, nur mit dem Lehrer-werden klappt's dann nicht! (Eine Klassenkameradin hat kath. und ev. Religion in Bonn studiert - es geht, nachweislich! - aber Lehrer wirste damit nicht, jetzt teilt sie sich mit ihrem Mann eine Pfarrer-Stelle).

 

Gruß,

Lucia

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Liebe Leute

Das finde ich eine recht spannende Frage. Mein interesse kommt allerdings aus einem Grund-Zweifel an diesem Religions-Schlulfach. Bei uns in der Schweiz heisst dieses Fach je nach Altersstufe und je nach Kanton verschieden, bsp. Religionsunterricht oder Biblische Geschichte. Dieses Schulfach wird aber von der "normalen" Lehrkraft erteilt. Es ist absolut unabhängig vom Religionsunterricht, den die Kirchen organisieren.

Von welchem Religionsunterricht sprecht ihr nun hier genau?

 

Wie die Antwort daraus auch immer ausfällt, frage ich mich, weshalb es sinnvoll sein soll, diesen Unterricht zusammenzulegen.

Für den kath. Unterricht ist meinr Meinung nach die Zeit (eine Stunde in der Woche) sowieso schon sehr knapp. Muss so viel (katholisches) gelehrt werden.

 

Gruss

Franziska

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Hi

 

Erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.

Nur so als Info: Ich bin an einem hessischen Gymnasium.

 

Für mich ist nicht so das Recht, ob man das darf entscheidend, sondern mich würde viel mehr interessieren, wie ihr dazu steht.

 

Mein Standpunkt ist folgender:

Ich finde, dass es kaum einen Unterschied im kath. und evang. Religionsunterricht gibt. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum man einen Klassenverband aufteilen sollte, nur weil sie einer anderen Konfession angehören.

Es ist im weitesten SInne sogar eine Diskriminierung der anderen gegenüber, da man sich gegenseitig abgrenzt und eine Barriere schafft. Es könnten sich Feindschaften bilden, die nur auf Vorurteilen aufbauen. Würden diese Kurse zusammengelegt werden, könnte man auch besser die andere Religion/Konfession verstehen.

 

Warum weiß ich eigentlich, dass die kath. / evang. Konfession zu mir passt, wenn ich noch nie den anderen Unterricht besucht habe.

 

Und noch was:

Warum wird auch nicht in der Schule Kirche und Staat eindeutig getrennt, so dass der Staat unabhängigen, freiwilligen Unterricht für alle Religionen erteilt.

 

Würdet ihr meinen Punkten für die Zusammenlegung des Reli-Unterrichtes zustimmen oder sogar welche ergänzen?

Oder seht ihr das ganze anders??

 

Vielen Dank

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Lieber Sascha,

Dir steht es ja frei (ab 14 ist man religionsmündig), den RU der anderen Konfession zu besuchen. Eine Freundin von mir hat in NRW 1978 einen Leistungskurs ev. Religionslehre belegt (und damit Abitur gemacht), obwohl sie katholisch war und ist. Es gibt Unterschiede in den Konfessionen - z. B. beim Sakramentenverständnis - und die lassen sich nicht einfach wegdiskutieren. Ein gemeinsamer RU böte die Chance, die andere Konfession besser kennenzulernen, das Trennende und das Gemeinsame; vorausgesetzt, man hat einen fähigen Lehrer. Wenn es um "Bibelkunde" geht, ist (meiner eigenen Erfahrung nach) der ev. RU der fundiertere; hier wären gemeinsame Stunden durchaus angebracht. Wenn es allerdings um Sakramentenvorbereitung geht (3. Schuljahr, Erstbeichte und Erstkommunion), halte ich (für meine Kinder) einen gemeinsamen Religionsunterricht für absoluten Blödsinn. Ansonsten müßte man mal die Lehrpläne vergleichen ...

 

Aus eigener Erfahrung fand ich meinen (kath.) Religionsunterricht in der Unter- und Mittelstufe einfach grauenhaft; es wurden andere Religionen, Drogen, Sexualität etc. thematisiert - aber nicht der Glaube und seine Inhalte.

 

Gruß,

Lucia

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Lieber Sascha

Warum möchtest du den "Reli" denn so gerne zusammenlegen?

 

(Ich persönlich würde mich in etwa der Meinung von Lichtlein anschliessen.)

 

 

Gruss

Franziska

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Hi

 

das hatte ich in einigen Posts vorher versucht deutlich zu machen:

 

Hier noch einmal der Auszug:

Mein Standpunkt ist folgender:

Ich finde, dass es kaum einen Unterschied im kath. und evang. Religionsunterricht gibt. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum man einen Klassenverband aufteilen sollte, nur weil sie einer anderen Konfession angehören.

Es ist im weitesten SInne sogar eine Diskriminierung der anderen gegenüber, da man sich gegenseitig abgrenzt und eine Barriere schafft. Es könnten sich Feindschaften bilden, die nur auf Vorurteilen aufbauen. Würden diese Kurse zusammengelegt werden, könnte man auch besser die andere Religion/Konfession verstehen.

Warum weiß ich eigentlich, dass die kath. / evang. Konfession zu mir passt, wenn ich noch nie den anderen Unterricht besucht habe.

Und noch was:

Warum wird auch nicht in der Schule Kirche und Staat eindeutig getrennt, so dass der Staat unabhängigen, freiwilligen Unterricht für alle Religionen erteilt.

Würdet ihr meinen Punkten für die Zusammenlegung des Reli-Unterrichtes zustimmen oder sogar welche ergänzen?

Oder seht ihr das ganze anders??

 

Ich kann einfach nicht verstehen, wo der Sinn darin liegen soll, den Unterricht zu trennen....

 

(Geändert von swadi um 22:33 - 21.Februar.2003)

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Zitat von swadi am 22:30 - 21.Februar.2003

Hi

 

das hatte ich in einigen Posts vorher versucht deutlich zu machen:

 

Hier noch einmal der Auszug:

Mein Standpunkt ist folgender:

Ich finde, dass es kaum einen Unterschied im kath. und evang. Religionsunterricht gibt. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum man einen Klassenverband aufteilen sollte, nur weil sie einer anderen Konfession angehören.

Es ist im weitesten SInne sogar eine Diskriminierung der anderen gegenüber, da man sich gegenseitig abgrenzt und eine Barriere schafft. Es könnten sich Feindschaften bilden, die nur auf Vorurteilen aufbauen. Würden diese Kurse zusammengelegt werden, könnte man auch besser die andere Religion/Konfession verstehen.

Warum weiß ich eigentlich, dass die kath. / evang. Konfession zu mir passt, wenn ich noch nie den anderen Unterricht besucht habe.

Und noch was:

Warum wird auch nicht in der Schule Kirche und Staat eindeutig getrennt, so dass der Staat unabhängigen, freiwilligen Unterricht für alle Religionen erteilt.

Würdet ihr meinen Punkten für die Zusammenlegung des Reli-Unterrichtes zustimmen oder sogar welche ergänzen?

Oder seht ihr das ganze anders??

 

Ich kann einfach nicht verstehen, wo der Sinn darin liegen soll, den Unterricht zu trennen....

Lieber Sascha,

es gibt ja nicht nur Katholik

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>wenn der Staat sich in die Lehrinhalte reinhängt, kann sowas wie bei der Hitlerjugend rauskommen - NEIN DANKE! <

 

Und wenn der Staat sich NICHT in Lehrinhalte reinhängt, erst recht!

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Zitat von lissie am 9:46 - 22.Februar.2003

>wenn der Staat sich in die Lehrinhalte reinhängt, kann sowas wie bei der Hitlerjugend rauskommen - NEIN DANKE! <

 

Und wenn der Staat sich NICHT in Lehrinhalte reinhängt, erst recht!

 

Prinzipiell kommt es auf den Staat an. Was Deutschland betrifft, schließe ich mich lissies Meinung an.

 

(Übrigens gibt es doch staatliche Richtlinien für RU, oder? Kennt da jemand Details?)

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Zitat von swadi am 22:30 - 21.Februar.2003

Hi

 

 

 

Es ist im weitesten SInne sogar eine Diskriminierung der anderen gegenüber, da man sich gegenseitig abgrenzt und eine Barriere schafft. Es könnten sich Feindschaften bilden, die nur auf Vorurteilen aufbauen. Würden diese Kurse zusammengelegt werden, könnte man auch besser die andere Religion/Konfession verstehen.

 

(Geändert von swadi um 22:33 - 21.Februar.2003)


 

hallo swadi,

 

dem schließe ich mich weitgehend an. trennung (oder auch segregation), ob es dabei nun um religiöse oder ethnische gruppen geht, trägt wenig zum gegenseitigen verstehen bei sondern vertieft vermeintliche gräben und ggf. vorurteile zwischen den gruppen. ich bin dafür, nicht unterschiede (über)zubetonen sondern gemeinsamkeiten und verbindendes genauso herausstellen. ob dies nun integrativer unterricht von behinderten und nicht behinderten kindern ist - oder gemeinsamer religionsunterricht.

 

habt ihr euch eigentlich auch mit der frage interreligiösen unterrichts (islam u. a.) beschäftigt? na ja, evang. und kath. zusammenzubringen ist erstmal schon schwer genug ;-).

 

viel grüße

matti

 

ps sozialpsychologische fragen zur sozialen identität hab ich mal aussen vorgelassen, das würde hier zu weit führen, spielen jedoch eine gewichtige rolle.

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Nun kommt offensichtlich die Diskussion um Kirche und Staat ins Spiel. Deshalb hier nochmals meine Frage bezüglich des Religionsunterrichts-Systems bei euch in Deutschland.

Wer organisiert, ermöglicht bei euch den Religionsunterricht?

 

(Zitat Franziska: "Mein interesse kommt allerdings aus einem Grund-Zweifel an diesem Religions-Schlulfach. Bei uns in der Schweiz heisst dieses Fach je nach Altersstufe und je nach Kanton verschieden, bsp. Religionsunterricht oder Biblische Geschichte. Dieses Schulfach wird aber von der "normalen" Lehrkraft erteilt. Es ist absolut unabhängig vom Religionsunterricht, den die Kirchen organisieren.

Von welchem Religionsunterricht sprecht ihr nun hier genau?)

 

 

So gehe ich persönlich davon aus, dass die Kirche (ich rede jetzt mal einfach von der Katholischen Kirche) in ihrem Interesse die Kinder in ihrer Lehre zu unterweisen hat. Völlig unabhängig davon, ob dies der Staat unterstützt oder nicht. Auch unabhängig davon, ob nun auch nicht katholische Kinder "mithören" wollen. – Eigentlich unabhängig von allem.

Wenn ich davon ausgehe, dass der katholische Glaube der richtige ist, dann will ich meine Kinder darin unterrichtet wissen. Dies ist die Aufgabe des kirchlich organisierten katholischen Unterrichtes.

Was die staatlichen Schulen (meines Erachtens sozusagen als Zusatz) organisieren, kann erweiternd sein, interessant, vielleicht auch Toleranz fördernd. Kann aber den katholischen Religionsunterricht nicht ersetzten.

 

Deshalb, lieber Sascha: Wer sich diskriminiert fühlt, der soll den Unterricht doch einfach mitbesuchen.

Ausserdem sagst du: "Ich finde, dass es kaum einen Unterschied im kath. und evang. Religionsunterricht gibt."

Stimmt das? Woher weisst du das? Kannst du dies vielleicht etwas ausführen?

Gruss

Franziska

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>>Dann: in der 3. Klasse gibt's Beichtvorbereitung im RU (ist zumindest hier in Bayern so).Was sollen die Evangelischen damit? In der 6./7. Klasse ist Konfirmation - willst Du die Vorbereitung hierzu auch den katholischen Kindern anbieten?<< (Lucia)

 

mögliche lösungen z b:

 

freiwillige teilnahmemöglichkeit, könnte einen umfassenden einblick in die andere konfession geben und tieferes verständnis - sowohl für die andere als auch die eigene konfession - altersentsprechende begleitung - im konfirmationsalter wohl "unproblematischer" als im kommunionsalter - umsetzung?

 

zeitweilige trennung in den vorbereitungsstunden auf kommunion/firmung/konfirmaton

aber nur so weit "nötig", parallel dazu im gemeinsamen unterricht ausführliche behandlung der  "unterschiede" mit besonderer betonung der gemeinsamkeiten

 

herausnahme der kommunion/firmung/konfirmationsvorbereitung aus dem schulischen ru - ist das nicht heut schon so? thematisierung der sakramente u a im unterricht

 

....

 

soweit auf die schnelle meine ersten gedanken dazu.

 

matti

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Hi Swadi,

 

meinst du wirklich, durch die Teilung nach Konfessionen entstünden Feindschaften? Ich bin da nicht so sicher. Jedenfalls könnte ich mich aus meiner Schulzeit nicht an einen solchen Fall erinnern.

 

Und dann – es ist ja sehr schön, den Glauben der anderen verstehen zu wollen. Aber was ist mit dem gewissermaßen ›eigenen‹? Ich bilde mir natürlich nicht ein, dass jeder, der einen konfessionellen Religionsunterricht besucht, sich auch mit seiner Konfession identifiziert. Muss er oder sie ja auch nicht.

 

Ob ein zweizügiger Religionsunterricht immer möglich ist, das ist eine andere Frage … Aber da wo er existiert – und in unserem linksniederrheinischen Gymnasium war und ist das der Fall, trug gerade die Verschiedenheit zu einer gewissen intellektuellen Buntheit bei. Es war für uns Katholiken ein ganz besonderes Erlebnis, zu bestimmten Zeiten den Religionsunterricht mit den Evangelischen zu gestalten und den evangelischen, immens belesenen Religionslehrer zu löchern.

 

Nivellierung führt meines Erachtens zur Verwischung der Unterschiede und bewirkt gerade das Gegenteil ihrer Intention – Farblosigkeit, da Konflikte und Dispute nicht mehr geführt werden.

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Guest Ketelhohn

Ich halte den Begriff der „Konfession“ hier übrigens für wenig hilfreich. Er ist ja seiner Herkunft nach protestantisch und suggeriert die Möglichkeit eines  gleichberechtigten Nebeneinander unterschiedlicher „Bekenntnisse“. Ich hange aber keinem „Bekenntnis“ an und auch keiner „Religion“, sondern der Kirche. Ich bin Glied der Kirche – oder hoffe wenigstens, dies am Ende endgültig zu sein –, Teil des auserwählten Volks und Bürger der ewigen Stadt Gottes. Meine Geschichte ist Teil der Geschichte des Gottesvolks.

 

Als „Religion“ kann man im herkömmlichen Sinne mein Handeln als eines Gliedes der Kirche bezeichnen; der Begriff ist aber durch die Religionswissenschaft und -soziologie in einem Maße verschoben, daß ich von seiner Verwendung eher absehen möchte: Denn heute versteht man darunter fast nur noch die Gesamtheit der zu einem mehr oder weniger geschlossenen System vereinten Vorstellungen einer Gruppe von Menschen über das Göttliche, die übernatürlichen Dinge und dergleichen.

 

Dieser Begriff ist nicht gemeint, wenn traditionell vom »Unterricht in katholischer Religion« geredet wurde. Vielmehr war damit gemeint – und sollte heute noch gemeint sein, denn sonst würde etwas gänzlich anderes daraus –, daß der Schüler in allem unterrichtet würde, was für ihn und sein Leben aus der durch die Taufe gegebenen Zugehörigkeit zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche folgt: Glaube, Geschichte und Bestimmung, Gegenwart und Leben der Kirche und ihrer Glieder als zur Heiligkeit Berufener.

 

Mit dem Begriff der „Konfession“ ist es ähnlich. Daß damit der Inhalt eines Bekenntnisses – oder gar die Gesamtheit seiner Anhänger – bezeichnet wird, ist eine protetantische Masche, freilich mit hoher Ansteckungsgefahr. Eigentlich bezeichnet confessio eine Handlung, nämlich den Akt des Bekennens: Ich bekenne Gott, Jesus Christus, den Glauben der Kirche. (Im kirchlichen Latein ist neben der Konstruktion mit dem Akkusativ auch die mit dem Dativ möglich; mit Akk.: »confiteor te, Deum, Christum etc. – ich bekenne [und zwar laut] dich, Gott, Christus usw.«; dagegen mit Dat.: »confiteor tibi, Deo, Christo – ich „bekenne dir“, das heißt: ich preise dich, lobsinge dir, verkünde deinen, Gottes, Christi Lobpreis«.)

 

Wer den Glauben der Kirche nicht teilt, vor dem bin ich gerufen zu „bekennen“. Genau darin besteht mein Bekenntnis, meine „Konfession“. Ein Sammelsurium von Vorstellungen in meinem Sinn oder auf einem Papier und ein anderes in deinem Sinn und in deren Papieren, all das ist kein Bekenntnis, etwa nach dem Motto: »Mein Bekenntnis, dein Bekenntnis, Bekenntnisse haben wir alle gern.« Konfession, das heißt: Ich singe Gottes Lobpreis, Ihm und aller Welt.

 

Der „Religionsunterricht“, um darauf zurückzukommen, obliegt den Eltern und der Kirche. Daß der Staat dies gefördert und die Möglichkeit eröffnet hat, solchen Unterricht an staatlichen Schulen durchzuführen, ist lobenswert – aber womöglich obsolet, denn angesichts der totalen Entchristlichung des Staates, also der Inhaber staatlicher Gewalt, ist das Verständnis für solch echten Unterricht in „katholischer Religion“ schon jetzt nahezu vollständig geschwunden.

 

Da andererseits immer mehr staatlich-ideologisch in den verbliebenen, am ursprünglichen Zwecke gemessen meist rudimentären Unterricht hineinregiert wird, ist die Zeit nicht mehr fern – ja vielleicht ist sie schon da –, wo die Kirche die Notbremse ziehen und dies staatliche System, das ihr vom Segen zur Fessel geworden ist, verlassen muß. Mag wohl sein, daß dies nicht bloß vom „Religionsunterricht“, sondern vom gesamten Schulwesen gilt.

 

(Geändert von Ketelhohn um 17:16 - 22.Februar.2003)

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(Das hat man davon, wenn man das »katholisch« aus dem Glaubensbekenntnis pfeffert und statt dessen ein tautologisches »christlich« einsetzt.)

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>wenn der Staat sich in die Lehrinhalte reinhängt, kann sowas wie bei der Hitlerjugend rauskommen - NEIN DANKE! <

Und wenn der Staat sich NICHT in Lehrinhalte reinhängt, erst recht!

 

Naja ich denke das ist ja wohl etwas zu weit gegriffen. Ich glaube die Zeiten sind vorbei und solch ein großes Geflecht lässt sich bestimmt nicht auf dem Reli-Unterricht stützen.....

 

 

(Übrigens gibt es doch staatliche Richtlinien für RU, oder? Kennt da jemand Details?)

 

Richtlinien bestimmt, aber ist es nicht so, dass die Kirche für alle Inhalte und deren Lehrer verantwortlich ist ??

 

Wenn ich davon ausgehe, dass der katholische Glaube der richtige ist, dann will ich meine Kinder darin unterrichtet wissen. Dies ist die Aufgabe des kirchlich organisierten katholischen Unterrichtes.

Was die staatlichen Schulen (meines Erachtens sozusagen als Zusatz) organisieren, kann erweiternd sein, interessant, vielleicht auch Toleranz fördernd. Kann aber den katholischen Religionsunterricht nicht ersetzten.

 

Im Grunde genommen völlig logisch.

Nur aus der Formulierung "dass der katholische Glaube der richtige ist" kommt doch wieder klar raus, dass ich den Schülern versuche klar zu machen dass das andere  "falsch" ist. Warum muss man immer in diese Falsch/Richtig Kategorie gehen???

 

Matti, du sprichst da einen guten Lösungsansatz in meinen Augen an.

 

Mich würde eigentlich mal die Meinung der Kirche interessieren. Ich schlage mal mit meinem Kurs vor, einen Brief zu verfassen...

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Ich folge deinem Gedankengang, Robert. Der Religionsunterricht ist in den meisten Schulen und bei den meisten Lehrern eine Farce, wenn man die von dir genannten Maßstäbe anlegt. Und warum sollte man sie nicht anlegen?

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