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Orthodoxes vs. katholisches Christentum


Poliven

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wie die Überschrift schon lautet.

 

Frage: Wo liegen die Unterschiede zwischen Orthodoxem Glauben und Christlichem ( Katholischem ) Glauben ? sprich Christentum ?

 

würd mich einfach mal brennend interessiern...

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Zum einen sind die Orthodoxen auch Christen.

 

Die orthodoxen Kirchen werden von der kath. als Teilkirchen anerkannt.

 

Alles weitere siehe hier.

Edited by Flo77
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Orthodox (griech.) heißt "rechtgläubig", katholisch (auch griech.) "normal". Die kirchlichen Fachausdrücke (schon wieder: Kirche aus griech. kyriake ekklesia "Herrengemeinde") stammen alle aus dem Griechischen, eben weil das Christentum, wie wir es kennen (das "Heidenchristentum") aus der heutigen Türkei kommt, die damals griechisch war.

Die griechische Kirche hat sich von der katholischen ("normalen") Kirche um 1000 n. Chr. abgespalten, im wesentlichen aus kulturellen Gründen: Die Griechen wollten sich nichts mehr von Rom diktieren lassen. Ähnlich ist es mit der protestantischen Kirche: Die germanischen Völker (Deutschland, Holland, England, Skandinavien) wollten sich von Rom lösen, die romanischen Völker (also "römerischen" Völker: Italien, Frankreich, Spanien) blieben aus kulturellen Gründen Rom treu. Und dasselbe gilt für die ägyptische ("(ä)koptische") Kirche: Die Haupttriebfeder ist immer die andersartige Kultur!

Mit den orthodoxen Kirchen (jedes orthodoxe Land hat seine eigene "Staatskirche", das heißt dann - natürlich griechisch - "autokephal" = "eigenköpfig") haben wir Katholiken fast alles gemeinsam (so ist z.B. sogar Empfängnisverhütung verboten), nur daß sie den Papst nicht anerkennen. Es gibt aber eine Art Papst (griech.: bedeutet Papa, Vater, Pater) auch bei ihnen, der aber auch sehr umstritten ist: Den Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus II.

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...

(wegeditiert, versehentlich in den GG gepostet)

Edited by Baumfaeller
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Der Threadtitel ist absolut falsch. Dieser müßte folgendermaßen lauten; christlich, katholisch, othodox, freikichlich gegen ev. Kirche Deutschland.

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Da ich auf einer griechischen Insel leben, wo die eine Haelfte der Bevoelkrung rk und die andere gr. orthodox ist, kann ich ein paar praktische Unterschied (aus dem Alltag beitragen:

Die griechisch/orthodoxe Kirche erlaubt die Scheidung bei beidseitigem Einverstaendnis, aller dings darf man hoechstens 3mal heiraten

Die Kinder werden meist etwas aelter (ca 1 Jahr alt )getauft,danach erfolgt gleich die Erstkommunion und Firmung

Die orthodoxen Priester muessen nicht studiert haben, sie muessen aber ohne Veto angenommen werden ausserdem duerfen sie auch heiraten

Jeder "ordentliche" Orthodoxe hat in seinem Haus eine Vitrine mit Ikonen,

Ostern wird an einem Andern Tag gefeiert, weil die GO nach einenm anderen Kalender gehen( ich bringe hier aber immer den julianischen und den georgialischen durcheinander. Alle 4 Jahre faellt es allerdings zusammen.Das Kreuyyeichen ist anders, die GO bekreuzigen sich 3 mal. wenn ihr mal in Griechenland seid, werdet ihr vielleicht sehen, dass sich die Leute bekreuzigen, wenn sie an einer Kirche vorbeigehen

Die Hochzeit ist etwas anders, die beiden Partner bekommen je einen Kranz auf den Kopf, der mit einer Schleife mit dem anderen verbunden ist, es gab da mal eine docu im BR Doppelhochzeit auf Syros, der ist zu empfehlen.

Im Moment ist mein Kopf leer, wenn mir noch was bedeutendes einfaellt werde ich mich melden

:blink:

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Da ich auf einer griechischen Insel leben, wo die eine Haelfte der Bevoelkrung rk und die andere gr. orthodox ist,

Das ist ja cool. Wirst jetzt sicherlich von allen beneidet :blink:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ich bewahre dich vor weiterem Unheil

Edited by Moni
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Im Wesentlichen ist der liegt der Grund für die Trennung zwischen Orthodoxie und Katholizismus im Supremat des Papstes.

 

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches hatten die Päpste, deren Stellung zuvor eher die eines "Primus inter Pares" war, das in Rom entstandene Machtvakuum ausgefüllt und mehr und mehr politischen Einfluß gewonnen, sehr zum Mißfallen des Oströmischen Kaisers in Konstantinopel.

 

Das führte zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen der Kirche im Oströmischen Reich und der Kirche außerhalb.

 

Der theologische Anlass für die Spaltung war das "filioque", ein Zusatz zum Nizäischen Credo. (... "den Heiligen Geist, der vom Vater und Sohn ausgeht") ("und Sohn" = "filioque" auf Lateinisch)

 

Dieser Zusatz war, allerdings nicht offiziell, ins Credo aufgenommen worden, im Ostreich wurde das strikt abgelehnt, im Westen vor allem in Spanien und bei den Franken verteidigt, Rom war lange neutral.

 

Mit wachsendem Einfluß der Fränkischen Kaiser im Westen kam es schliesslich zu der berühmten Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel im Jahr 1054 mit der Beschuldigung, das "filioque" aus dem Credo entfernt zu haben, was eine glatte Lüge war.

 

Im Gegenzug folgte die Exkommunikation des (fränkischen) päpstlichen Gesandten, der diese Anschuldigungen in Konstantinopel vorgebracht hatte.

 

Seitdem gehen die beiden Kirchen getrennte Wege.

 

Das "filioque" wurde übrigens erst im Jahr 1215 auf dem 4. Laterankonzil offiziell zum Dogma erklärt, es ist aber auch heute der einzige theologische Trennungsgrund zwischen Orthodoxie und Katholizismus.

 

Werner

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Traurigerweise sind die Orthodoxen und die Katholischen getrennt aufgrund von enormen menschlichen Meinungsverschiedenheiten zweier Menschen.

 

Soweit ich mich zurückerinnern kann(soll jetzt nicht heissen, daß ich dabei war :blink: ) war 1048 das Papstamt vakant.

 

In dieser Zeit ist ein Kardinal nach Konstantinopel gefahren, um einige Dinge zu klären.

Es ist nicht zu verschweigen, daß die unterschiedlichen Traditionen viel zum gegenseitigen Mißverständnis beigetragen haben.

 

Naja jedenfalls müssen die sich richtig schön ereifert haben, so daß der römische Kardinal dem Griechen - Patriarchen o. was auch immer - die Exkommunikationsbulle auf den Alter der Hagia Sophia geknallt hat.

Das kam dann natürlich auch noch vice versa und wir haben den Salat.

 

Mein Pastor hat mal gesagt, daß mit dem filioque so ein Teil der göttlichen Natur geklärt werden sollte, der zum einen kaum noch dem Verstande zugänglich als auch fürs christliche Leben nicht unabdingbar sei.

 

Er hat in dieser Stellungnahme wirklich sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß es immer wieder die menschlichen Schwächen sind, die zu solchen ungeheuerlichen Vorkommnissen führen.

 

Was ich ob dieser Trennung aber immer wieder um so erstaunlicher finde, ist, daß die Ostkirchen trotz fast 1000jähriger Trennung, doch so wenig von der katholischen Linie abgewichen sind und wir im Glauben kaum voneinander entfernt sind, wohl aber in zwischenmenschlichen Geplänkel.

Das macht mich immer wundern, und läßt mich hoffen, daß der Heilige Geist hier so gute Arbeit gemacht hat, daß eine Vereinigung sicher irgendwann mal wieder möglich wird.

 

Ich war hier in Stuttgart mal in einer russisch-orthodoxen Messe - habe mich da im Hintergrund gehalten um niemanden zu stören, man kennt die Gebräuche ja nicht - und ich war überwältigt von der Schönheit der "Göttlichen Liturgie" so wie sie es nennen.

Obwohl ich kein Wort verstanden habe, wußte ich, hier wird auch das Geheimnis gefeiert, daß bei uns in der Eucharistie gefeiert wird und das sogar, das muss man unterstreichen, in weitaus größerer und erfurchtsvollerer Andacht!

Es war toll.

 

Ich hoffe wirklich, daß sich da noch mehr annähert, und daß dann neben der gleichen Lehre, vor allem die Gläubigen die Vereinigung mitmachen.

 

Gruß

 

Matthias

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Soweit ich mich zurückerinnern kann(soll jetzt nicht heissen, daß ich dabei war  ) war 1048 das Papstamt vakant.

Zwar war tatsächlich der Papstthron zum Zeitpunkt des Exkommunikation des Patriarchen Michael von Konstantinopel im Juli 1054 vakant, da Papst Leo IX im April gestorben war, der Papst hatte aber zuvor noch den akuten Konflikt mit Konstantinopel ausgelöst, indem er dem byzantinischen Gouverneur von Sizilien Hilfe gegen die Normannen nur unter der Bedingung zusagte, daß dieser den Lateinischen Ritus und das filioque verpflichtend in Sizilien einführte (Sizilien gehörte zum Oströmischen Reich und unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel).

 

Zum Verhandeln mit dem darüber (zu Recht) empörten Patriarchen schickte er Kardinal Humbert von Silva, den Rest hast du ja beschrieben.

 

Zu bemerken ist noch, daß zwar der Kardinal den Patriarchen und alle, die ihm folgen (also alle Orthodoxen) exkommuniziert hat, die orthodoxe Synode daraufhin aber nur den Kardinal, und weder den Papst, noch alle Katholiken.

 

Erst als die Exkommunikation der Orthodoxie später wiederholt und bekräftigt wurde, erfolgte die Exkommunikation der Katholiken samt Papst im Gegenzug.

 

Alles in allem war die Rolle der katholischen Kirche dabei ziemlich unrühmlich.

 

Werner

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Hier auf unseren kleinen Insel sind sich die beiden Konfessionen nach langen Jahren der Zwietracht haeher gekommen, als auf der Insel durch das Schliessen der Werft , des groessten Arbeitgebers, der wirtschaftliche Ruin drohte. Da besannen sich die Menschen, dass wir doch alle Brueder und Schwestern sind. Heute ist das Zusammenleben der Menschen sehr harmonisch, auch die Vertreter der beiden Kirchen sind da mit eingeschlossen. :blink: (Bischof, Mitropotlitis, Priester..)

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Alles in allem war die Rolle der katholischen Kirche dabei ziemlich unrühmlich.

Ergänzend sei noch hinzugefügt, daß ich heute allerdings die Rolle der Orthodoxie für die unrühmliche halte, wenn ich höre, was so vorgebracht wird in der Diskussion mit den Katholiken, habe ich den starken Eindruck, daß es oft um Nationalismus geht, denn wie gesagt, aus Sicht der Theologie gibt es eigentlich nur das "filioque", und das ist gegen die Bewegungen, die der Vatikan bei der Rechtfertigungslehre gemacht hat, nur "peanuts".

 

Wenn z. Zt. der Patriarch von Konstantinopel von orthodoxen Landespatriarchen bis kurz vor die Exkommunikation angegriffen wird, nur weil er im Dialog mit Rom ist, ist das der Geist des alten Kardinals Humbert, nur diesmal von der anderen Seite

 

Werner

Edited by Werner001
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Hallo Brigitta,

 

bist du irgendwo im Dodekanissos? Ich wüsste nicht, wo es sonst in Griechenland noch Katholiken in nennenswerter Menge gäbe...

 

Werner

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Nein ich wohne auf Syros, Kykladen, das unter den Venetianern katholisch wurde, dann kamen Fluechtlinge aus Psarras und Chios, die wieder orothoxe Christen brachten. Katholiken gibt es in Saloniki, Korfu, Athen. verschiedene Inseln. Wir haben hier auf Syros sogar einen katholischen Kindergarten, eine katholische Grundschule und ein katholisches Altersheim, wo ich auch arbeite. :blink:

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"und vom Sohne" -filio-que geht in unserem Glaubensbekenntnis der Hl. Geist aus, die Orthodoxen halten das für eine schlimme Ketzerei. Das Filioque wurde im 5. Jh. in Spanien eingefügt.

Überhaupt ist die Orthodoxe ganz allgemein fast in allem starr und konservativ, wenig innovativ.

Es wird auch nicht gepredigt.

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Wenn ich die bisherige Diskussion verfolge, muss doch einiges klargestellt werden.

 

Verständnis:

Beide Kirchen betrachten sich als diejenige, welche direkt auf Jesus Christus zurück geht, und behauptet von der anderen, sich von der wahren Kirche gelöst zu haben. Die orthodoxen Kirchen verweisen darauf, dass sie Tradition und Lehre seit 2000 Jahren nahezu unverändert beibehalten haben, während sie den übrigen Kirchen vorgenommene Änderungen vorwerfen, was vor allem die Praxis betrifft (z.B. Sakramente, Gottesdienste, Fastenzeiten, Zölibat usw.). Dies hat bei der Orthodoxie einen ungemein hohen Stellenwert, weil sie die Tradition als von Gott inspiriert ansehen. (So sehen sie etwa die Bibel als schriftlichen Teil der Tradition an.)

Sehr wichtig ist, dass sich die orthodoxen Kirchen als Staatskirchen verstehen. Deshalb üben sie auch gewaltigen Druck auf die jeweiligen Regierungen aus, wenn andere Konfessionen oder Religionen dort Gemeinden etablieren wollen. Die katholische Kirche hat sich im Rahmen des Investiturstreits (um 1077 => Canossa) von staatlichem Zugriff frei gemacht.

 

Geschichte:

Schon früh trennte sich das westliche vom östlichen Denken. Die Orthodoxie geht vom Ansatz "Praxis=Tradition definiert Theologie", die westlichen Kirchen vom Ansatz "Theologie definiert Praxis" aus. Daraus ergaben sich schon im 4./5. Jh. unterschiedliche Sichtweisen, ohne dass dies zu echten Spaltungen geführt hätte. Politisch gesehen hatte der Papst nach dem Fall Roms im 5. Jh. nicht mehr viel zu sagen, während Ostrom immer mehr an Gewicht gewann (und z.B. kulturell Rom weit überflügelte). So überreichte der Papst dem oströmischen König lange Zeit die Kaiserkrone, damit letzterer seinen Schutz auf Rom ausdehnte. Ohne Ostrom wären auch die Muslime über die heutige Türkei nach Europa eingedrungen, d.h. Ostrom galt als Verteidiger des Christentums. Im 8. Jh. änderte sich die politische Situation grundlegend, als die Franken stark wurden, die Mauren bei Poitiers zurückwarfen und später Karl d.Gr. dem Papst gegen die Langobarden beistand. Im Jahr 800 erfolgte dann der politische Bruch, als der Papst (von den Franken eingesetzt) Karl die Kaiserkrone aufsetzte. Karl bemühte sich zeit seines Lebens um eine Anerkennung der Kaiserwürde durch Ostrom, was aber nicht geschah.

Der Höhepunkt dieses Bruches ist heute noch jedem Orthodoxen präsent: Auf der Rückkehr aus dem Heiligen Land überfielen die Kreuzfahrer das christliche Konstantinopel und verwüsteten es, und das mitten in Verhandlungen über eine Wiedervereinigung nach dem offiziellen Schisma von 1054.

 

Theologie:

Es gibt in der Tat nur wenige Abweichungen, aber die haben es in sich. Das schon genannte "filioque", der von den Franken aus politischen Gründen durchgesetzte Zusatz zum nicäischen Glaubensbekenntnis, ist die wichtigste. Es fällt schwer zu begründen, weshalb ein Konzilsbeschluss (Nicäa) geändert wurde - ganz abgesehen davon halten die Orthodoxen das "filioque" schlichtweg für ein falsches Gottesbild: Nach dem Johannes-Evangelium geht der Geist nur vom Vater aus, und da Jesus Christus selbst Abstufungen zum Vater vornimmt (z.B. "niemand kennt die Stunde, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater" oder "die Plätze im Himmelreich neben mir habe nicht ich zu vergeben, sondern der Vater" usw.), akzeptiert die Orthodoxie das weder biblisch noch traditionell, sondern nur theologisch begründbare "filioque" nicht (und da die katholische Kirche kein Quäntchen Wahrheit aufgeben würde, könnte man es auch getrost wieder streichen).

Ein anderer Punkt ist das Primat des Papstes, das es in den ersten Jahrhunderten so nicht gab. Er war immer nur "primus inter pares", der den Vorsitz hatte, aber nicht höher gestellt war als die übrigen Patriarchen. Für die Orthodoxie gibt es nur die Konzilien als höchste und unfehlbare Instanz.

In der Sakramentallehre gibt es gewisse Abweichungen, speziell beim Sakrament der Firmung (=Myronsalbung), bei der Eheschließung (nicht durch die Eheleute, sondern durch den Priester gespendet) und der Eucharistie (Gültigkeit der Wandlung).

Alle katholischen Dogmen nach dem 7. Ökumenischen Konzil (781) werden abgelehnt, teilweise direkt als falsch bezeichnet, weil weder aus der Schrift noch aus der Tradition begründbar.

...

 

Der Graben zwischen orthodoxer und katholischer Kirche ist enorm tief. Die orthodoxe Kirche verweist aufgrund schlechter Erfahrungen immer auf das Trennende und fordert von der katholischen Kirche, dass sie alles wieder aufgibt, was sie seit dem Schisma hinzugefügt oder weggenommen hat.

 

Soweit ein "kurzer" Abriss.

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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kann die katholische kirche denn das aufgeben, was die orthodoxie von ihr verlangt???...ist das nicht auch ein streit um erkenntniss??...wenn der gesit erkenntniss gibt...kann man sie dann um des friedens willen verwerfen?

könnte man denn provokanter weise auch sagen...nun was erkenntniss anbelangt...haben die orthodoxen nicht sonderlich viel dazugelernt?

 

 

romulus

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kann die katholische kirche denn das aufgeben, was die orthodoxie von ihr verlangt???

 

Das kann sie natürlich nicht. Der Katholizismus hat sich in den 950 Jahren seit der Bannbulle sehr stark weiterentwickelt, die Orthodoxie dagegen kaum (was ja per se überhaupt nicht negativ ist).

 

Das habe ich auch weiter oben gemeint, wenn ich geschrieben habe, daß ich die Rolle der Orthodoxie heute für eine unrühmliche halte, denn die dort weit verbreitete Haltung "macht einfach die letzten 950 Jahre rückgängig und dann fangen wir auf der Basis von 1054 nochmal an" führt ja keinen Schritt weiter in Richtung Ökumene.

 

Der Patriarch von Konstantinopel, der mit Rom nicht auf der Basis von 1054, sondern auf der Basis von 2004 sprechen möchte, wird von manchen orthodoxen Kirchen dafür so stark angefeindet, daß manche sogar ein Schisma innerhalb der Orthodoxie für möglich halten.

 

Werner

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Folgende Begebenheiten mit meiner orthodoxen Ex-Verlobten (Trennung u.a. deswegen, weil die georgisch-orthodoxe Kirche mir als Katholiken und damit Häretiker den Ehesegen verweigerte) können die Probleme vielleicht etwas sensibilisieren.

 

Sie war nur die Göttliche Liturgie gewohnt. Als sie einen katholischen Jugendgottesdienst sah, fragte sie mich entsetzt: "Ist das ein Gottesdienst oder eine Theateraufführung? Wo bleibt denn die Ehrfurcht im Haus Gottes?" Wer einmal die Göttliche Liturgie mitgefeiert hat, versteht diese Frage.

 

Sie fragte einen katholischen Priester, weshalb die Gottesdienste nur eine Stunde dauern (in der Orthodoxie 2-3 Stunden). Antwort: "Unser Gottesdienst beinhaltet nur noch die notwendigen Bestandteile, weil die Leute auch sonntags viel zu tun haben und sonst nicht kommen würden." Völliges Unverständnis von ihrer Seite: "Steht nicht Gott im Mittelpunkt, sondern der Zeitplan der Menschen?"

 

Sie fragte einen katholischen Priester, weshalb die Kommunion nur unter einer Gestalt ausgeteilt wird. Antwort: "Das hat sich aus hygienischen Gründen so eingebürgert, und das Brot reicht ja auch." Pure Fassungslosigkeit bei ihr, dass hygienische Gründe die Begegnung mit Jesus Christus bestimmen.

 

Kopfschütteln bei ihr auch, wie stark die Fastentage und -zeiten bei uns in Vergessenheit geraten sind, und wie locker die Katholiken damit umgehen. Sie praktiziert wie früher auch bei uns alle 4 Fastenzeiten (vor Ostern, Weihnachten, Peter&Paul, Maria Himmelfahrt) und die beiden Fasttage Mittwoch und Freitag. Ihr Kommentar: "Katholiken machen sich das Leben viel zu leicht. Die Tür ist eng, durch die man ins Himmelreich kommt, und der Weg beschwerlich. Wer sich nicht wappnet, gerät viel zu leicht auf Abwege."

 

 

Ich habe in den ganzen Jahren unserer Partnerschaft mit ihr gemeinsam nach orthodoxen Richtlinien zusammen gelebt (Ausnahme: Gottesdienste, da mussten wir leider getrennte Wege gehen), und das hat mir enorm viel gebracht. Die Orthodoxie hat sich einen (vor allem mystischen) Schatz bewahrt, der bei uns weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

 

Hier ist von Erkenntnis die Rede. Was für eine Erkenntnis ist damit gemeint? Theologie? Oder eine Erkenntnis des Herzens? Die Orthodoxie legt keinen großen Wert auf Theologie, aber auf das Herz, auf die ganz persönliche Beziehung eines Menschen zu Gott; u.a. hat sie eine Abneigung gegen die westliche Aufklärung, weil diese den Schatz des Mystischen beseite geräumt hat, und mit diesem das Gefühl für Ehrfurcht vor Gott.

 

Man kann es nicht oft genug betonen: Die Orthodoxie hat einen ganz anderen Glaubensansatz als die westlichen Kirchen.

 

 

Im übrigen - ein letzter Aspekt - kann die orthodoxe Kirche nicht glauben, dass der Heilige Geist die katholische Kirche durchgehend geleitet hat, denn dann wären (so ihre Argumentation) nicht solche Katastrophen wie Kreuzfahrten, Hexenverfolgungen, Inquisitionen, Ablasshandel als Geldeinnahmequelle usw. entstanden. Sie sehen die Frucht und beurteilen danach die katholische Kirche ... und dabei sei noch einmal auf die unsägliche Verwüstung von Konstantinopel durch die Kreuzfahrer oder auch das Wiedervereinigungs-Konzil von 1438/39 verwiesen. In letzterem teilte Rom mit, dass sie den orthodoxen Ländern nur dann gegen die Türken beistehen würden, wenn sich die orthodoxe Kirche der katholischen unterwerfe. Die Orthodoxie empfand dies als Affront, weigerte sich, erhielt keine Hilfe aus dem Westen und wurde 1453 eingenommen. Das sitzt immer noch ganz, ganz tief.

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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Da ich seit 28,5 Jahren hier in Griechenland wohne, kann ich sagen, dass das nicht fuer alle Orthodoxen gilt. Die gr. orthodoxe Kirche traut gemischte Ehepaare, allerdings muessen sie versprechen, die Kinder orthodox zu taufen, was in der praxis nur dann passiert, wenn der Vater orthodox ist, hier bekommt das Kind nach der Tradition die Religion des Vaters.

Was das Fasten angeht gibt es Menschen die strenger sind als andere(die wie Du beschrieben hast fasten) Allerdings heisst es dann, es gibt eine Liste von Dingen die nicht erlaubt sind (Fleisch Öl..) aber es kann durchaus sein, dass man sich den Bauch mit Leckereien (Meeresfruechten) vollschlägt was meiner Meinung nach kein Fasten ist.

Was mich schockiert hat ist, wie viele Frauen ich kenne, die nicht nur einaml, sondern oft 5 6 mal abgetrieben haben, dann gehen sie in die Kirche, zünden eine Kerze an und damit ist es ok. Daraus machen sie auch kein Geheimnis. So kann es durchaus passieren, daß man eine Frau fragt, wieviel Kinder sie hat und sie sagt " und 4 die ich abgetrieben hab.

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Liebe Brigitta,

 

ein Grund, weshalb ich theologische Probleme mit den orthodoxen Kirchen habe, ist der, dass die georgisch-orthodoxe Kirche die Heirat verweigerte, die russisch-orthodoxe Kirche im Ausland zugestimmt hätte, um eine Ausreise aus Georgien zu ermöglichen, und die rumänisch-orthodoxe Kirche damit überhaupt kein Problem hatte. Bei einer rumänisch-orthodoxen Trauung hätte die georgisch-orthodoxe Kirche die Heirat als gültig anerkannt, weil durch einen orthodoxen Priester gespendet, beschwor aber meine Ex-Verlobte, diesen Schritt nicht zu tun, da sie danach mit einem Bein in der Hölle stehen würde und mich sowieso nicht retten könne.

 

In Georgien ist es undenkbar, zum Gottesdienst zu spät zu kommen. Auf Zypern haben wir es erlebt, dass Gläubige während des Gottesdienstes kamen und gingen, wie sie lustig waren, und für alle der Gottesdienst gleichermaßen gültig war.

 

Die Orthodoxie hat so viele Facetten, wie es autokephale Kirchen gibt (15, glaube ich), und noch ein paar mehr.

 

A propos Griechenland: Bezeichnend war sowohl, dass sich die orthodoxen Priester weigerten, mit unserem Papst ein gemeinsames Gebet zu sprechen, als auch, dass der Papst keine Einladung von der orthodoxen Kirche erhielt, sondern den "Umweg" über den griechischen Präsidenten gehen musste, um überhaupt ins Land einreisen zu können. Gefreut haben sie sich jedenfalls nicht.

 

Man darf auch nicht übersehen, dass die theologische Ausbildung sowohl der "normalen" Bevölkerung als auch der Priester oftmals kaum vorhanden ist. Es herrscht noch ein starker Autoritätsglaube vor, und Diskussionen scheitern oftmals an fehlenden Kenntnissen. Meine Ex-Verlobte etwa kannte die ganzen Richtlinien der georgisch-orthodoxen Kirche, ohne jemals eigenständig in der Schrift gelesen zu haben - wie gesagt, die Tradition hat dort einen immens hohen Stellenwert.

 

Liebe Grüße,

Wolfgang

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Auf Zypern haben wir es erlebt, dass Gläubige während des Gottesdienstes kamen und gingen, wie sie lustig waren,

Das habe ich in Griechenland auch so erlebt, und habe als Antwort erhalten "die Liturgie dauert so lange, soviel Zeit haben nur alte Frauen", was sehr ähnlich klingt, wie die Antwort auf die Frage deiner Verlobten, warum bei uns eine Messe nur eine Stunde dauert.

 

Das zeigt aber auch vielleicht ein bisschen, wo das Problem liegt zwischen Orthodoxen und Katholiken: Das Problem ist das selbe, eine 4-stündige Liturgie hält keiner durch. Die Katholiken haben darum die Liturgie verkürzt, um den Menschen dir Teilnahme zu ermöglichen, die Orthodoxen geben sich dafür mit einer Teil-Teilnahme zufrieden, haben aber die Liturgie selber unverändert gelassen.

 

Im Grunde denke ich, ist Gott wahrscheinlich das eine genauso Recht wie das andere, und an hohen Feiertagen gleicht es sich auch wieder an: Da bleiben die Orthodoxen von Anfang bis zum Ende, und bei uns kann ein Hochamt mit allem drum und dran auch mal 2 Stunden dauern.

 

Werner

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