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Heilsnotwendigkeit kann ignoriert werden


Flo77

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Auf besonderen Wunsch von Sokrates nach einem kontroversen Thema und weil die Frage in der allgemeinen Aufregung untergegangen ist:

 

Wir alle wissen, das der KKK für breite Schichten der kath. Bevölkerung gerade hier in Europa nur weit am Rande Beachtung findet und nur in den seltensten Fällen buchstabengenau befolgt wird.

 

Mit einigen Can. kann sich die Masse der Gläubigen nicht mehr identifizieren. Ich nehme an, daß in vielen Fällen es auch darin liegt, daß zum einen der Sprachstil der dt. Übersetzung ziemlich anstrengend ist zum anderen verbinde ich zumindest mit vielen Sachen etwas ganz anderes als vielleicht ursprünglich beabsichtigt (bestes Beispiel dafür ist "Unzucht").

 

Aber, und das ist das was mich irritiert, anstatt zu versuchen umzuformulieren, an unsere Wirklichkeit anzupassen riskiert das kirchliche Lehramt anscheinend lieber, daß dieses Werk das nach eigenem Anspruch der gem. 11 die "wesentlichen und grundlegenden Inhalte" der Lehre darstellt, nur von Teilen der Kirche bzw. nur in Teilen akzeptiert wird bzw. umgekehrt von großen Teilen ignoriert wird.

 

Welchen Sinn hat ein Reglement, bei dessen Erstellung schon klar gewesen sein muss, daß sich weite Teile der Kirche nicht daran halten werden?

 

Reine Dokumentation des Ideals?

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Der KKK ist nichts anderes als eine entfaltete Darlegung des Glaubensbekenntnisses, des sakramentalen Lebens, der Gebote und Tugenden sowie der Lehre vom Gebet. Diese wesentlichen Elemente in den Grundzügen zu erfassen ist jedem dazu fähigen Gläubigen zuzumuten.

Nur wenige müssen hingegen den ganzen Katechismus lesen bzw. intus haben. Ich habe ihn schon mehrmals gelesen und bin froh über dieses Werk, das der Glaubensverkündigung sehr nützlich ist - als Grundlage nämlich.

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Yep. Der Katechismus ist eine Referenz, ein Nachschlagewerk, das im Zweifel immer wieder gute Dienste leistet.

 

Der KKK ist kaum mehr als zehn Jahre alt, der zweite Band des KEK noch jünger. Der KEK müsste im Prinzip dennoch wieder überarbeitet werden, weil zumindest der erste Band noch vor dem KKK erschien - der ja ausdrücklich als Grundlage für andere Katechismen dienen soll.

 

Flos Wunsch nach einem schlankeren Katechismus steht im Prinzip nichts im Wege. Er dürfte nur nicht im Widerspruch zum KKK stehen, sonst verfehlte er seinen Sinn.

 

Was heißt übrigens buchstabengetreu befolgen? Hier liegt meines Erachtens ein grundlegendes Missverständnis vor. Vergleiche die Situation mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder dem Strafgesetzbuch. Werden die buchstabengetreu befolgt? Oder haben wir womöglich nicht zuletzt deshalb Polizei und Justiz, weil gerade das nicht der Fall ist? Sollte das Strafgesetzbuch geändert werden, weil gegen Rechtsnormen verstoßen wird?

 

Und was will uns Flo mit der Überschrift dieses Threads sagen?

Edited by mr94
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Und was will uns Flo mit der Überschrift dieses Threads sagen?

Denn KKK "in die Tonne kloppen", weil man ihn entweder nicht kennt oder man sich nicht daran hält (halten muß)! :blink:

 

GsJC

Raphael

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dr-esperanto

Es gibt hier ein Missverständnis: Nicht die Kirche soll sich nach den Wünschen der Gläubigen richten, sondern der Gläubige soll das Ideal, das die Kirche verkündet, anstreben.

Unser Problem ist, dass wir in einer verkehrten Welt leben. Schon seit einem halben Jahrtausend. Seit der Renaissance ist Gott faktisch entthront und der Mensch das Maß aller Dinge, was man Humanismus nennt. Man kann es aber auch mit Luziferismus bezeichnen: "Entscheide du, Mensch, was gut und böse ist, du wirst sein wie Gott (denn Gott macht die Gesetze, entscheidet, was gut und böse ist)!". Nicht gut.

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@ mr94

 

Was heißt übrigens buchstabengetreu befolgen? Hier liegt meines Erachtens ein grundlegendes Missverständnis vor. Vergleiche die Situation mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder dem Strafgesetzbuch. Werden die buchstabengetreu befolgt? Oder haben wir womöglich nicht zuletzt deshalb Polizei und Justiz, weil gerade das nicht der Fall ist? Sollte das Strafgesetzbuch geändert werden, weil gegen Rechtsnormen verstoßen wird?

 

Hier im Forum wird von Katholiken häufig die Meinung vertreten, der KKK sollte geändert werden, anstatt daß sich der Gläubige nach dem KKK ausrichtet. Es zeigt sich dort, daß der von Dir so gerne zitierte Soziologe Niklas Luhmann mit seinem Diktum von der normativen Kraft des Faktischen nahe am Puls der Zeit liegt. Bei Soziologen ist es auch nicht weiter tragisch - man könnte sogar sagen wissenschaftlich erforderlich :blink: -, daß er Zeitanalysen erstellt.

 

Der Gläubige richtet sich aber nicht nach dem Zeitgeist, sondern nach den ewigen Werten, die von und durch JESUS CHRISTUS gelehrt wurden. :)

 

GsJC

Raphael

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Wir alle wissen, das der KKK für breite Schichten der kath. Bevölkerung gerade hier in Europa nur weit am Rande Beachtung findet und nur in den seltensten Fällen buchstabengenau befolgt wird.

 

Mit einigen Can. kann sich die Masse der Gläubigen nicht mehr identifizieren.

Das sagt mehr ueber die Christen in Europa aus als ueber den Katechismus. Ob der KKK nur am Rande Beachtung findet, moechte ich aber auch in Frage stellen.

 

Der KKK stellt eben knapp die Lehre der Kirche dar. Man mag hier und da nicht uebereinstimmen, aber es ist sozusagen auch eine Art "Arbeits und Diskussionsgrundlage". Der KKK ist auch eine Anfrage an den einzelnen Katholiken, was er denn eigentlich noch glaubt.

 

Ich moechte mal provokant anfragen: Wenn Du feststellst, dass Du den KKK gar nicht akzeptieren magst, kannst Du dann das Christentum ueberhaupt noch akzeptieren? Viele nennen sich aus einer Gewohnheit heraus katholisch, kennen aber das Christentum und die katholische Lehre nicht im geringsten. Allein nur das Eucharistieverstaendnis und Realpraesenz, da reagieren manche Katholiken geschockt "glaubst Du das denn etwa noch?"

 

Keiner muss katholisch sein. Aber ehrlich sollte man sein. Wenn man feststellt, dass man die katholische Lehre ueberhaupt nicht teilen kann, dann sollte man Konsquenzen ziehen. Alles andere ist Etikettenschwindel. Ich denke nur an Willigis Jaeger. Man kann sagen, er sei Philosoph, der interessante Gedanken und Ideen niederschreibt. Da diese Gedanken nun aber wirklich nicht mehr katholisch sind, ist es unehrlich zu sagen seine Aussagen seien katholisch.

 

Wir machen Religion zu einer privaten Angelegenheit, jeder bastelt sich seine eigene Philosophie zusammen, so nach dem, was er selbst gerade so verstehen kann und will. Das was man mag, akzeptiert man, das was man nicht mag laesst man weg. Nur ist eben die katholische Kirche die Einheit derer, die die katholische Weltsicht teilen, wie sie eben der KKK zusammenfassen will. Buddhisten sind die Einheit derer, die die buddhistische Weltsicht teilen. Jeder mag entscheiden ob er dazugehoeren will oder nicht.

 

Gruss

 

Max

Edited by Max
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Religionen und Bekenntnisse bewahren ihre Identität gerade auch durch Glaubensinhalte, in denen die Angehörigen dieser Religionen übereinstimmen. Zum Katholisch-Sein gehört nun einmal, dass ich bereit bin, all das mit göttlichem und katholischem Glauben anzunehmen, was Gott geoffenbart hat und uns die Kirche zum Glauben lehrt. Hier ist der KKK sicher ein zuverlässiger Referenzpunkt!

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Seit wann ist der KKK oder seine Kenntnis heilsnotwendig? Irgendetwas läuft doch hier schief...

 

Ist er nicht?

 

Die Autorität des Lehramtes erstreckt sich auch auf die einzelnen Gebote des natürlichen Sittengesetzes. Es ist heilsnotwendig, sie zu beobachten, wie der Schöpfer es verlangt. Wenn das Lehramt der Kirche die Vorschriften des sittlichen Naturgesetzes in Erinnerung ruft, übt es einen wesentlichen Teil seiner prophetischen Aufgabe aus, den Menschen zu verkünden, was sie in Wirklichkeit sind, und sie daran zu erinnern, was sie vor Gott sein sollen [Vgl. DH 14].
Edited by Flo77
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Das sagt mehr ueber die Christen in Europa aus als ueber den Katechismus. Ob der KKK nur am Rande Beachtung findet, moechte ich aber auch in Frage stellen.

 

Der KKK stellt eben knapp die Lehre der Kirche dar. Man mag hier und da nicht uebereinstimmen, aber es ist sozusagen auch eine Art "Arbeits und Diskussionsgrundlage". Der KKK ist auch eine Anfrage an den einzelnen Katholiken, was er denn eigentlich noch glaubt.

 

Ich moechte mal provokant anfragen: Wenn Du feststellst, dass Du den KKK gar nicht akzeptieren magst, kannst Du dann das Christentum ueberhaupt noch akzeptieren? Viele nennen sich aus einer Gewohnheit heraus katholisch, kennen aber das Christentum und die katholische Lehre nicht im geringsten. Allein nur das Eucharistieverstaendnis und Realpraesenz, da reagieren manche  Katholiken geschockt "glaubst Du das denn etwa noch?"

 

Keiner muss katholisch sein. Aber ehrlich sollte man sein. Wenn man feststellt, dass man die katholische Lehre ueberhaupt nicht teilen kann, dann sollte man Konsquenzen ziehen. Alles andere ist Etikettenschwindel. Ich denke nur an Willigis Jaeger. Man kann sagen, er sei Philosoph, der interessante Gedanken und Ideen niederschreibt. Da diese Gedanken nun aber wirklich nicht mehr katholisch sind, ist es unehrlich zu sagen seine Aussagen seien katholisch.

Zum einen: wieviele Katholiken kennst Du, die den KKK bzw. KEK gelesen haben und auch noch befolgen?

 

Die einzigen solchen sind mir bisher hier im Forum begegnet. Im RL wird meistens mit einem "komm vergiß es" abgewinkt.

 

Zum zweiten finde ich es schon wieder phänomenal, daß schon nach 7 Postings die Katholizität des Kritikers in Frage gestellt wird.

 

Ich dachte genau darüber wäre es in den letzten Diskussionen gegangen.

 

Außerdem finde ich es schon seltsam, daß aus der Ablehnung einzelner Canones direkt die Umkehrschlüsse zum einen auf die Ablehnung des Gesamtwerks und zum anderen auf die Ablehnung von Sakramentsverständnis und Glaubensbekenntnis gezogen wird.

Edited by Flo77
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Seit wann ist der KKK oder seine Kenntnis heilsnotwendig? Irgendetwas läuft doch hier schief...

Ist er nicht?

Die Autorität des Lehramtes erstreckt sich auch auf die einzelnen Gebote des natürlichen Sittengesetzes. Es ist heilsnotwendig, sie zu beobachten, wie der Schöpfer es verlangt. Wenn das Lehramt der Kirche die Vorschriften des sittlichen Naturgesetzes in Erinnerung ruft, übt es einen wesentlichen Teil seiner prophetischen Aufgabe aus, den Menschen zu verkünden, was sie in Wirklichkeit sind, und sie daran zu erinnern, was sie vor Gott sein sollen [Vgl. DH 14].

Ich frage in der gleichen Naivität zurück: Wo steht da etwas vom Katechismus? (Und Katechismen auf das darin enthaltene Sittengesetz zu reduzieren, verrät auch schon viel über den Fragesteller.)

Edited by mr94
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Ich frage in der gleichen Naivität zurück: Wo steht da etwas vom Katechismus? (Und Katechismen auf das darin enthaltene Sittengesetz zu reduzieren, verrät auch schon viel über den Fragesteller.)

 

Ich betone noch mal (und zwar zum letzten Mal): ich habe nichts grundsätzliches gegen Katechismen.

 

Der vorliegende Katechismus will im Licht des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Gesamttradition der Kirche eine organische Synthese der wesentlichen und grundlegenden Inhalte der katholischen Glaubens- und Sittenlehre vorlegen. Seine Hauptquellen sind die Heilige Schrift, die Kirchenväter, die Liturgie und das Lehramt der Kirche. Er ist als ,,Bezugspunkt für die Katechismen oder Kompendien" gedacht, ,,die in den verschiedenen Regionen zu erstellen sind" (Bischofssynode 1985, Schlußbericht II B a 4).
Edited by Flo77
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Zum einen: wieviele Katholiken kennst Du, die den KKK bzw. KEK gelesen haben und auch noch befolgen?

 

Die einzigen solchen sind mir bisher hier im Forum begegnet. Im RL wird meistens mit einem "komm vergiß es" abgewinkt.

Das mag in gewissen Gemeinden und in gewissen Gegenden so sein. Ich kenne genug Orte an denen das nicht so ist und man den KKK kennt.

 

 

Zum zweiten finde ich es schon wieder phänomenal, daß schon nach 7 Postings die Katholizität des Kritikers in Frage gestellt wird.

 

Wenn aber Katholiken den katholischen Katechismus lesen und sagen "komm vergiss es", was glauben die dann bitteschoen noch? Warum ist jemand katholisch, wenn er alles was die Kirche lehrt bloed findet?

 

Ich versteh einfach nicht warum jemand, der so unzufrieden mit Kirche, Papst und Vatikan ist unbedingt der Kirche angehoeren will.

 

Tut mir leid, ich finde das inkonsequent.

 

Gruss

 

Max

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Flo, von Heilsnotwendigkeit des Katechismus habe ich da immer noch nichts gelesen...

 

Dass es heilsnotwendig ist, die Gebote des natürlichen Sittengesetzes zu be(ob?)achten, ist nichts Neues. Dass ein Katechismus (auch) diese Gebote referiert, ebenfalls.

 

Aber seit wann ist ein Katechismus unfehlbar? Das Lehramt hat (aus guten Gründen) bislang davon abgesehen, seine Lehre über die Gebote des natürlichen Sittengesetzes für unfehlbar zu halten.

 

Im Übrigen müssen wir es schon einem anderen Richter überlassen, wie er das konkrete Verhalten heutiger Christen zu beurteilen gedenkt. Es bringt jedenfalls nix, aus einer Differenz zwischen Geboten und Praxis zu folgern, dass deshalb die Gebote geändert werden müssen.

 

Auch die Tatsache, dass Gebote und Praxis differieren, ist nun wahrlich nichts Neues. Seit Adam und Eva...

Edited by mr94
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Welchen Sinn hat ein Reglement, bei dessen Erstellung schon klar gewesen sein muss, daß sich weite Teile der Kirche nicht daran halten werden?

 

Reine Dokumentation des Ideals?

Gehen wir einfach mal ins Detail:

 

Welchen Sinn hat die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, wenn ohnehin nur geringer Teil der Ehepaare diese für gut und erstrebenswert hält?

Welchen Sinn hat das Bußsakrament, wenn es nur mehr die wenigsten in Anspruch nehmen?

Welchen Sinn hat es, Sonntags noch den Gottesdienst zu feiern, wenn der Großteil der Gläubigen sich mit dem Besuch auf die "Heiligen Zeiten" beschränkt, oder gar nicht mehr hingeht?

 

Welchen Sinn hätte es, das Ideal runterzuschrauben? Wir haben kein Recht, zu fordern, daß die Kirche die Latte tiefer legt! Denn in der Folge sind wir auch bei dieser Latte nicht mehr bereit, uns danach zu strecken. Und was fordern wir danach?

 

Noch ein Nachtrag:

Mt 7,13 Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. -->"daß sich weite Teile der Kirche nicht daran halten werden"

Mt 7,14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.

 

Du hast hier die Realität aufgezeigt...

Edited by Accreda
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Welchen Sinn hat ein Reglement, bei dessen Erstellung schon klar gewesen sein muss, daß sich weite Teile der Kirche nicht daran halten werden?

 

Reine Dokumentation des Ideals?

Welchen Sinn hat ein Strafgesetzbuch, bei dessen Erstellung schon klar gewesen sein muss, dass sich weite Teile der Bürger nicht daran halten werden?

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Zum einen: wieviele Katholiken kennst Du, die den KKK bzw. KEK gelesen haben und auch noch befolgen?

Wieviele Bürger kennst Du, die das Grundgesetz gelesen haben und es auch noch befolgen?

 

Falsche Frage, Flo...

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Vielleicht mal etwas grundsätzlicher: Ich kann den soziologischen Befund, dass die meisten Christen sich in einigen wichtigen Punkten nicht an die Sittenlehre ihrer Kirche halten, durchaus bestätigen. Darin kann ich allerdings keine besondere Neuigkeit erkennen.

 

Schon das Alte Testament ist voll von Berichten über ein auserwähltes Volk Gottes, das seine Gebote beständig ignoriert. Damals allerdings wäre ein Prophet, der deshalb - statt Umkehr zu predigen - mal eben die Gebote geändert hätte, jedenfalls in den Augen derer, die sich um Bundestreue bemühten, eine Witzfigur gewesen.

 

Glaubens- und Sittenlehre sind in ihrem Kern unverfügbar. Es steht dem Lehramt nicht zu, sie beliebig zu ändern. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen Glaubenslehre und Sittenlehre: Letztere erhebt den Anspruch, Naturrecht zu sein, das in weiten Teilen auch ohne göttliche Offenbarung erkennbar und zu befolgen ist.

 

Diese Naturrecht leitet sich aus einem bestimmten Menschenbild ab. Und an dieser Stelle kommt der Erkenntnisfortschritt ins Spiel. Neue Erkenntnisse über die Natur (des Menschen) müssen auf ihre Konsequenzen für die Sittenlehre überprüft werden. Das ist Aufgabe des Lehramts.

 

Um es an einem plastischen Beispiel zu zeigen, einem der Lieblingsthemen dieses Forums: Heutige Anthropologie legt die These nahe, dass Homosexualität keine Krankheit oder Schlimmeres ist, sondern eine Form der menschlichen Sexualität. (Dazu gibt es einen sehr aufschlussreichen Artikel im LThK.)

 

Demnach ließe sich also naturrechtlich nicht begründen, warum homosexuelle Praxis per se falsch sein sollte. Nun gibt es auch noch eine Tradition, die etwas anderes lehrt. Es ist nun Aufgabe des Lehramts, beides gegeneinander abzuwägen und ggf. zu neuen Schlüssen zu kommen.

 

An dieser Stelle breche ich ab, weil dieses Beispiel nur zur Illustration dienen sollte. Jedenfalls reicht der einfache Befund, dass Lehre und Praxis differieren, nicht aus. Eine Sittenlehre braucht man doch überhaupt nur deshalb, weil sich nicht alle so verhalten, wie es richtig wäre.

 

Übrigens befassen sich mit dieser Frage auch zeitgenössische Philosophen:

 

manchmal denk ich ich tick nicht richtig

und alle um mich gehn andere wege als ich

ich steh in einer menge menschen und bin allein

fühl mich frei und kann doch nicht frei sein

dann seh ich mir die andern an und denk wo wolln sie hin

was ist der sinn und was kommt dann und warum bin ich mittendrin

umgeben von menschen mit geschminkten masken an

versteckt und zugemacht damit sie niemand sehen kann

die haben sich verloren kommen nich mehr an sich ran

die warten auf veränderungen und wärn schon lange dran

haben aufgegeben zu leben weil es sie bedrückt

und das scheint ganz normal und genau das macht mich verrückt

 

aber etwas läuft falsch aber nich in mir

nein ich bin nicht verrückt nein ich bin nicht verrückt

 

und dabei möcht ich doch nur ich selbst sein

und ich weiss ich steh mit diesem wunsch nun wirklich nicht allein

doch viel zu viele bleiben auf der strecke lassen sich hängen

geben auf und lassen sich in eine ecke drängen

wir retten die welt sag ich und werd ausgelacht

doch wenn das alle denken würden hätten wirs schon längst gemacht

wir ham das leben unser leben in der hand und ich für meinen teil

finds ziemlich geil

und dadurch wird dann plötzlich klar was bisher noch so verschwommen

und ich weiss von diesem trip möcht ich nicht mehr runterkommen

und ich rate euch macht mit doch ihr habt immer die wahl

geht her und nennt mich verrückt und sagt mir ihr wärt normal

 

wer ist hier normal und wer ist hier verrückt

und ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

 

okay dann lass mich der sein der dir leben bringt

wirfst du die vorurteile weg dann weiss ich dass es mir gelingt

ich bin der ohne böses im sinn sehn wir es abstrakt

steh ich in der ecke auf ner kiste und bin praktisch nackt

ich bring veränderungen die verändern mich noch mehr zu mir

ins jetzt und hier nur ist das dann vielleicht noch weiter weg von dir

du willst zu mir sein wie die Vier und fragst was kostet mich das

die antwort ist es bringt dir jede menge spass

durch emotionen vibrationen ey verdammt ich bin am leben

und das ist für mich grund genug jede menge gas zu geben

was ich da spür ist leben meiner wahl

hört sich abgefahren an doch ist für mich ganz normal

 

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

ist es normal nur weil alle es tun ist es normal nur weil alle es tun

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Welchen Sinn hat ein Strafgesetzbuch, bei dessen Erstellung schon klar gewesen sein muss, dass sich weite Teile der Bürger nicht daran halten werden?

Kommt auf diedarin enthaltenen Gesetze an. Es könnte z.B. auch den Sinn haben, für eine Minderheit den Willen und die Möglichkeit zur Macht über die Mehrheit zu ermöglichen. Geschichtliche Vorlagen dafür würden sich wohl finden lassen.

Zumindest würde sich die Frage stellen, ob diejenigen, die ein Strafgesetzbuch verteidigen, an dessen Regelung sich kaum jemand hält, den Menschen dienen wollen, über die die Regeln bestimmen.

 

Es könnte natürlich auch anders sein: Die Minderheit wehrt sich gegen eine ungute, aber zur Mode gewordene Handlungsweise. Dann hat sie allerdings eine Pflicht, die weit über das Halten der alten Gesetze hinaus geht: Die Pflicht, den Sinn und den Wert der alten Gesetze so klar zu machen, dass ihn weite Teile des Volker auch verstehen können.

 

Ich denke, dass größtenteils "Fall zwei" eingetreten ist - einen kleineren Teil von "Fall eins" schließe ich keineswegs aus: Ein wenig Machtverliebtheit möchte ich dem Vatikan nicht ganz absprechen. Und im KKK wird keineswegs nur die "reine Lehre" dargestellt, sondern eine ganz bestimmte Theologie in den Status der Verpflichtung und Glaubenslehre erhoben. Aber wie gesagt: Ein Einzelfällen.

 

Viel, viel, viel schlimmer ist das mangelnde "Außenherum". Da steckt so viel unbearbeiteter Zündstoff drin, der tatsächlich - wäre er richtig verstehbar - den Menschen dienen würde. Jetzt wäre die Stunde des Lehramts gekommen. Ein Kompendium für Glaubensaussagen zusammenzustellen ist der kleinere Teil. Der größere bestünde darin, diese Glaubensaussagen "zu lehren" - und das ist mehr als nur niederschreiben.

 

Von den mageren Erklärungen (sofern im KKK überhaupt welche gegeben werden) kann ein Normalmensch nicht leben - ich auch nicht. Da müssten nun - und das erfordert eben auch Menschennähe - in aufwendiger Arbeit offizielle Erklärungsbände geschrieben werden, die eben nicht nur eine Rückführung auf biblische Aussagen und nicht nur Behauptungen bieten, sondern die Plausibilitäten hervorbringen - Ein Unterfangen, dessen Umfang natürlich über die alleinige Arbeitskraft des Vatikans hinausginge.

 

So weit ich das verstanden habe, war das auch ursprünglich so gedacht. Der KKK war als inhaltliche Norm für andere, volksnahe, offizielle Katechismen gedacht. Dieses Projekt scheint mir aber schwer stecken geblieben zu sein. So muss man sich dann auch nicht wundern, dass die Katholiken, die sich verständnislos gegen Teile des KKK wenden, zahlenmäßig zunehmen und irgendwann das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.

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Mecky, im Prinzip wäre ja jeder Ortsbischof aufgerufen, nun einen Katechismus für seine Herde zu schreiben. Dann wären da noch die Katechesen, die zu schreiben wären - von Katecheten, also keinesfalls nur Bischöfen oder Priestern.

 

Und ich behaupte, das geschieht tatsächlich, wenn auch sicher nicht im notwendigen Maße. Dieser Prozess ist nicht zentral steuerbar und sollte auch gar nicht zentral gesteuert werden, sondern liegt in der Verantwortung der einzelnen Ortskirchen und letztlich jedes Katecheten.

 

Flo, warum schreibst Du nicht selbst einen Katechismus? Sicher ein heilsamer Prozess der intellektuellen Auseinandersetzung! Bau doch mal Deinen Lieblingskatechismus zusammen und reiche ihn zur Approbation ein. :blink:

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Es wäre ja mal ganz reizvoll, das Wortfeld rund um Katechismus abzuklopfen. Darin äußert sich nämlich ein dynamischer Zusammenhang, der weitgehend verloren gegangen scheint.

 

Zunächst eine Begriffsliste:

  • Katechese
  • Katechet
  • Katechismus
  • Katechumenen
  • Katechumenat

Fallen Euch noch mehr Begriffe ein?

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Lieber MR,

 

Jeder Bischof wäre viel zu aufwendig. Ein Katechismus für Deutschland, England, Frankreich, Östereich, Schweiz, Niederlande und Benelux, vielleicht sogar USA würde genügen. Ein Katechismus für einen Kulturkreis.

 

Das zu geringe Maß ist für mich nicht der Knackpunkt, sondern der Wille zur Plausibilität. Flo hat nämlich auf jedem Fall in diesem Sinne recht: Das Ziel von Katechismen erschöpft sich doch nicht darin, die Wahrheit mal wieder gesagt zu haben. Dafür könnte man es doch auch bei der Bibel und den Konzilsaussagen belassen. Das Ziel eines Katechismus ist doch, dass die Wahrheit nicht nur gesagt, sondern auch verstanden wird (oder zuallermindest: verstanden werden kann).

 

Zielloses "die Wahrheit sagen" ohne einen klaren Willen, die Wahrheit auch wirklich rüberzubringen, ist ein ganz und gar übles Zeichen. Die christliche Botschaft ist ein Dienst, nicht ein Anlass zur selbstgefälligen Ergötzung.

 

Nachdem die Wahrheit in der Kirche bis zum Überdruss nun gesagt wurde, wäre es längst an der Zeit, die noch und noch und nochmal ausgesprochene Wahrheit endlich einmal so zu sagen, dass weite Schichten wieder etwas damit anfangen können.

 

Und das kann wohl nicht allein in den Händen der Prediger liegen, ebenso wenig allein in den Händen der Erziehenden oder der Katecheten. Da müssen höchstkirenoffizielle Grundlagen geschaffen werden. Katechismen (einer wird's kaum tun), die nicht nur was behaupten, sondern Erklärungen bieten für das, was erklärbar ist und die Menschen seriös bis dorthin begleiten, wo nicht mehr erklärt werden kann: Bis zum Geheimnis Gottes.

 

So weit ich aber sehe, ist dieser Wille gar nicht vorhanden oder es fehlt schlicht an der Kompetenz zu erkennen, was mit dem Wort "plausibel" gemeint ist. Eine noch- und noch- und nochmalige Rückführung auf Aussagen der Bibel und der Tradition tut's hier nämlich nicht. Und damit tut sich die Kirchenleitung offensichtlich sehr, sehr schwer.

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