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Guest Ketelhohn

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Guest Ketelhohn

»Die Tagespost« (Würzburg), 19. Mai 2001:

 

Jetzt wehrt sich einer gegen das „Verschleudern“ der Gnadengaben Gottes

 

Erzbischof Eder von Salzburg sagt eine Firmung ab und fordert anspruchsvollere Richtlinien für die Sakramenten-Spendung

 

Von Stephan Baier

 

Salzburg (DT). Anspruchsvollere Bedingungen und neue Richtlinien für die Spendung der Sakramente fordert der Erzbischof von Salzburg, Georg Eder, im Gespräch mit der „Tagespost“. Die Sakramente würden heute weitgehend als bloße Verschönerung von Lebens? und Familienfeiern betrachtet und ihr übernatürlicher, gnadenhafter Charakter sei weitgehend aus dem Blick geraten, bedauert der Erzbischof: „Die Leute wollen nur schöne Feste feiern.” Die Bischöfe hätten dieser Entwicklung jahrelang widerstandslos zugesehen, meint Eder. Wörtlich sagte der Erzbischof von Salzburg im Gespräch mit dieser Zeitung: „Wir handeln ständig gegen das Kirchenrecht, das viel strengere Maßstäbe für die Zulassung zu den Sakramenten stellt.“

 

Ein Beispiel dafür, das Eder selbst durchlitten hat, war der in Österreich großes Aufsehen erregende „Fall Hausberger“ Ende des vergangenen Jahres. Der Erzbischof hatte einen katholischen Pfarrer suspendiert, weil dieser mit einem methodistischen Amtsträger interzelebriert hatte. Trotz mehrfacher Mahnungen von Nuntius Squicciarini seien andere Diözesanbischöfe seinem Beispiel nicht gefolgt, und die Bischofskonferenz habe sich nur halbherzig hinter ihn gestellt, erzählt Eder. Im Gegensatz dazu hatte Kardinal Ratzinger in Rom deutlich für die Entscheidung des Erzbischofs Position bezogen („Die Tagespost“ berichtete ausführlich). Eder nannte gegen- über dieser Zeitung nun mehrere konkrete Fälle von Interzelebrationen in anderen Diözesen, die folgenlos blieben. Dabei geht es dem Erzbischof keineswegs um das Abstrafen von Pfarrern, sondern um die Würde des Sakramentes: Es gehe darum, die „Messe zu retten“, sie nicht zu einem menschlicher Beliebigkeit ausgelieferten Mahl verkommen zu lassen.

 

Der Heilige Geist dringt so tief ein, wie wir ihn lassen

 

„Die Eucharistie ist der Knackpunkt“, sagt Erzbischof Eder: Wenn der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie falle, dann bröckle auch der Glaube an die Auferstehung und an die wesenhafte Göttlichkeit Jesu Christi. „Es gibt Priester, die nicht mehr an die Eucharistie glauben und dennoch zelebrieren”, sagt Eder und nennt dies „eine große Sünde“. Solche Priester würden Gott, sich selbst und die Gemeinde belügen. Im so genannten Fall Hausberger habe er deshalb das Gefühl gehabt, er müsse „Halt schreien“, erinnert sich Erzbischof Eder.

 

„Halt!“ geschrieen hat der Erzbischof von Salzburg nun auch bei der geplanten Firmung in Gröding, die derzeit österreichische Medien beschäftigt. Als leidenschaftlicher Seelsorger besucht der Erzbischof seit Jahren vor jeder von ihm vorgenommenen Firmspendung die Kandidaten, um ihnen eine Katechese zu halten. So auch in diesem Fall. Doch zum ersten Mal gelang es ihm, der „an sich immer einen leichten Zugang zu den Kindern“ hat, nicht, ein Gespräch mit der versammelten Schar der Jugendlichen aufzubauen.

 

Der Ortspfarrer habe an dem Gespräch überhaupt nicht teilgenommen, der vor den Firmlingen sprechende Pastoralassistent sei von den Firmkandidaten schlicht ignoriert worden, berichtet der Erzbischof. Ihm selbst sei ein Gespräch mit den Kindern, die nicht zur Ruhe zu bringen waren, einfach nicht gelungen. Zuvor hatten die Eltern jede Mitwirkung an der Firmvorbereitung verweigert. Eder sagt, er wäre bereit gewesen, in Einzelgesprächen und vor allem in der Beichte die Jugendlichen einzeln vorzubereiten, doch am Vorabend der geplanten Firmung einer offensichtlich nicht disponierten und uninteressierten Gruppe gegenüberstehend, konnte der Erzbischof die Spendung des Sakramentes im Gewissen nicht verantworten. Eder sagte ab. Zwar spendete die Firmung daraufhin der Erzabt von St. Peter, doch ist die Aufregung über die Entscheidung Eders dennoch groß.

 

Dabei drohte das eigentliche Anliegen des Erzbischofs von Salzburg übersehen zu werden: Eder wehrt sich gegen ein „Verschleudern“ der Sakramente. Er will in Erinnerung rufen, daß die Sakramente Gnadengaben, Geschenke Gottes sind. Deshalb habe niemand ein „Recht“ auf Weihe oder auf die Eucharistie. Eder berichtet von einem wiederverheirateten Geschiedenen, der ihm gegenüber nach „mehr Rechten“ verlangte, und dem er antwortete: „Sie brauchen nicht mehr Rechte, sondern mehr Gnade!"“ Die Quellen der Gnade seien bei der Eucharistie das Opfer, die Kommunion und die Anbetung. Zwei dieser drei Quellen, nämlich Opfer und Anbetung, seien auch den wiederverheirateten Geschiedenen zugänglich. Wenn man den Begriff und das Bewußtsein für die Wirklichkeit der Gnade tilgen wolle, müsse man „den ganzen Paulus streichen“. Dann aber könne man auch die gnadenhafte Wirklichkeit der Sakramente nicht mehr verstehen. Es geht dem Erzbischof von Salzburg weniger um Sakramententheologie, sondern um ein höheres Niveau der Sakramentenpastoral, also nicht darum, das konkrete Glaubenswissen sensationell zu steigern, sondern um eine Disposition, in der die Empfänger des Sakramentes dieses Geschenk Gottes „gläubig vertrauend annehmen“.

 

Die Wirkung des Firmsakramentes versucht Erzbischof Eder den Firmlingen oft durch den Vergleich mit der Salbe zu erklären, um dann zu fragen: „Wie tief dringt der Heilige Geist bei der Firmung ein?“ Eders Antwort: „Der Heilige Geist kann so tief eindringen, wie wir ihn lassen.“ Die Spendung des Firmsakramentes ohne ein Minimum an innerer Disposition sei deshalb unfruchtbar. Der Salzburger Oberhirte berichtet von Eltern, die in der Kirche für einen bestimmten Erstkommuniontermin demonstrieren und von einem Vater, der drohte, aus der Kirche auszutreten, falls der Pfarrer sein Kind nicht an einem bestimmten Tag taufe. „Die Eltern versagen vielfach“, meint Eder, der nichtsdestoweniger seine Hoffnungen vor allem auf die Eltern setzt: „Wir müssen die Verantwortung der Eltern wachrufen.“ Über den Zustand des Religionsunterrichtes macht sich der Erzbischof keine Illusionen. Zwar gebe es unter den Religionslehrern „viele gute Leute“, doch hätten die Religionsbücher schwere Defizite. Fünf Jahre lang hat Erzbischof Eder versucht, auf die Religionsbücher in Österreich im Sinn der katholischen Glaubenslehre Einfluß zu nehmen – und dann resigniert. “Den Kindern wird der Glaube erspart”, sagt der Erzbischof von Salzburg schulterzuckend.

 

Der Gnade keinen Widerstand entgegensetzen

 

Für einen würdigen Empfang der Erstkommunion ist nach Ansicht des Erzbischofs deshalb kein Verlaß auf die Lehrpläne, „die in einer Korrelationsmethode die eigentlichen Themen umkreisen“. Eder berichtet von einer Lehrerin, die sich darüber empört habe, daß sich „die Kirche in die Erstkommunionvorbereitung einmischt“. Schließlich sei die Erstkommunion ein Fest der Schule, meinte diese Lehrerin. Der Erzbischof hält dagegen eine Erstkommunionvorbereitung nur dann für fruchtbar, wenn der Pfarrer die Tischmütter vorbereitet und instruiert, damit sich deren Tätigkeit nicht auf Bastelnachmittage beschränkt. Eine Entflechtung von Erstbeichte und Erstkommunion hält Erzbischof Eder für sinnvoll, „weil die Beichte immer zu kurz kommt“. Er könne sich ein Modell vorstellen, nach dem die Kinder in der zweiten Klasse auf die Beichte, in der dritten auf die Erstkommunion und in der vierten auf die Firmung vorbereitet werden. Im Gegensatz zu manchen Pastoraltheologen, die die Firmung ins frühe Erwachsenenalter verschieben wollen, plädiert Eder im Gespräch mit der „Tagespost“ für ein niedrigeres Firmalter, „weil Kinder offener sind und der Gnade keinen Widerstand entgegensetzen“.

 

Neue und anspruchsvollere Bedingungen wünscht sich der Erzbischof von Salzburg auch für die Kindertaufe: Man solle die Eltern zu einem etwa sechsmonatigen Katechumenat einladen. Allerdings müsse es auch einen „kürzeren Weg mit einer Minimal-Förderung“ geben. Besonders schwierig sei eine Verbesserung der Ehevorbereitung, auch angesichts rapide sinkender Trauungszahlen. Wie Bischof Klaus Küng, der in der Österreichischen Bischofskonferenz Referent für die „Familien“ ist, hält es auch Erzbischof Eder für wahrscheinlich, daß „etwa ein Drittel oder mehr“ der kirchlich geschlossenen Ehen annullierbar wären. Vor dem Altar sei es für eine Belehrung über das Ehesakrament zu spät und beim Ausfüllen des Brautprotokolls werde „oft gelogen, weil sie halt heiraten wollen“, meint der Erzbischof. Die Kirche müsse deshalb für eine intensivere Vorbereitung werben, weil ihr an jeder Ehe liege und sie jedem Paar helfen wolle.

 

Abschied von der Illusion der Volkskirche

 

Nichts hält Erzbischof Eder von Überlegungen, die sonntägliche Messe durch Wortgottesdienste zu ersetzen. Zwar werde es insgesamt weniger Messen geben, die an den Wochentagen auch durch Anbetungen – möglichst vor dem ausgesetzten Allerheiligsten – und andere Gottesdienstformen ersetzt werden sollten, doch am Sonntag müsse man den Gläubigen schon zumuten dürfen, notfalls einige Kilometer zu fahren, um zur Eucharistiefeier zu kommen. Ein großes Anliegen ist dem Erzbischof von Salzburg die Verbreitung der eucharistische Anbetung, nicht nur, weil diese – im Gegensatz zur oft politisch instrumentalisierten Messe – „nicht mißbraucht“ werden könne, sondern weil sie das „Koordinatensystem“ wieder zurechtrücke. Das rechte Koordinatensystem ist für Eder die Gestalt des Kreuzes, bestehend aus einer Horizontalen und einer Vertikalen, wobei er sich beeilt, hinzuzufügen, daß es ihm um die Betonung der Vertikalen gehe: „Die Horizontale haben wir eh schon ausgelebt!“

 

Der Erzbischof hält große Stücke auf die neuen geistlichen Bewegungen, die ihn, wie er selbst formuliert, oft an den „Heiligen Rest Israels“ erinnern. Anspruchsvolle Jugendliche, die in ihren Pfarrgemeinden oft schwer Heimat fänden, würden hier „eine ganz andere Art des Betens“ lernen. Der Erzbischof hofft, daß diese geistlichen Gemeinschaften wie „Kraftquellen“ in die Gemeinden hineinwirken und appelliert an die Mitglieder dieser Gemeinschaften, sich auch in ihren Pfarrgemeinden zu engagieren, „auch wenn ihnen der Stil nicht paßt“. Vielleicht, so resümiert Erzbischof Georg Eder im Gespräch mit der „Tagespost“, müsse die äußere Fassade der heutigen Volkskirche zuerst zusammenbrechen, um die erneuerte Kirche Jesu Christi wieder sichtbar werden zu lassen. Wörtlich spricht Erzbischof Eder vom „Abschied von der Illusion einer Volkskirche“. Es gelte jenseits der rein äußerlichen Fassaden geistliche Zentren zu schaffen, wo die nach Gott hungernden Menschen unserer Zeit geistliche Nahrung finden können.

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Guten Abend,

 

"Im Gegensatz zu manchen Pastoraltheologen, die die Firmung ins frühe Erwachsenenalter verschieben wollen, plädiert Eder im Gespräch mit der „Tagespost“ für ein niedrigeres Firmalter, „weil Kinder offener sind und der Gnade keinen Widerstand entgegensetzen“. "

 

Hmm.. was soll uns das jetzt sagen? Irgendwie ist der Satz doch recht entlavernd.

 

"Ihr seid umzingelt! Widerstand ist zwecklos!" ?

 

Klar, je jünger, umso besser kann man sie indoktrinieren.

 

Zum Glück habe ich damals den Absprung noch vor der Firmung geschafft... damals hatte ich jedenfalls vom Glauben die Nase voll, und mir konnten alle den Buckel runterrutschen. Solche Sätze wie oben zeigen mir immer mehr die Richtigkeit meiner damaligen Entscheidung..

 

gute Nacht

 

Olli

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Lieber Olli,

 

ja und nein.

 

Ich bereite zur Zeit eine Firmgruppe auf deren Firmung vor. Die jungen Erwachsenen (als Kinder kann ich sie nicht mehr sehen) im Alter von 15 / 16 Jahren sind vollkommen offen für das Geschehen. Sie haben Fragen und sie wollen Antworten.

 

Nun gibt es aber verschieden Möglichkeiten, solch eine Firmvorbereitung durchzuführen und das, was Erzbischof Eder ansprach, die Bastel- und Spielnachmittage, dieses: eine-nette-Atmosphäre-schaffen mancher "Tischmütter" ist bei der Fimung meiner Ansicht nach vollkommen unangebracht. Es sieht manchmal so aus, als würde der Glaube nur als Anlaß dafür dienen, irgendwelche Kennenlern-Spiele abzuhalten oder irgendwelche Fakten aus dem Religionsunterricht faktisch trocken zu wiederholen (weil das nun mal dazugehört, quasi notgedrungen).

 

Ich möchte ausdrücklich anregen, daß sich engagierte Gläubige bereiterklären, die Firmvorbereitungen zu übernehmen. Nicht nur die Zeit rumzubringen, sondern ihren eigenen, persönlichen Glauben einbringen, Zeugnis abzuleben, persönlich zu berichten, welchen Einfluß und Stellenwert der Glaube in ihren Leben einnimmt.

 

Wer denkt, daß so etwas nicht geht, irrt sich.

 

Herzliche Grüße

Martin

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"...der Gnade keinen Widerstand entgegensetzen..."

 

Ach du liebe Güte! Das klingt ja direkt nach Sekte und Indoktrination.

Wenn auch nur der Verdacht besteht, daß der Firmung Widerstand entgegengesetzt werden könnte, sollte auch nicht gefirmt werden, das bringt ja sonst alles nix.

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Natürlich hat der Erzbischof von Salzburg auf irgendeine Weise auch Recht mit dem, was er tat. Jedoch gebe ich nur folgendes zu bedenken:

Wenn wir anfangen bei jedem, der um ein Sakrament bittet, zu hinterfragen, ob er wirklich will, was er fordert, dann ginge es uns ziemlich schlecht. Man müßte, ohne jemanden kränken zu wollen, die Hälfte der Trauungen und Taufen absagen, bei der Kommunion ist es auch fraglich, ob wirklich alle sich den Leib Christi "wünschen" oder ob sie nicht gehen, weil alle gehen...

Für solche Fälle, wie sie in Salzburg geschehen sind, wäre es besser, die Sakramente trotzdem zu spenden. Wer sie nicht wirklich empfangen will, bei dem sind sie sowieso wirkungslos.

Natürlich ist das nur der zweite Schritt. Viel wichtiger wäre natürlich eine angemessne Vorbereitung und eine Weitergabe des Glaubens. Aber es dient dem Bild der Kirche nicht, was Erzbischof Eder tat. Sicherlich haben jetzt auch die Firmbewerben vollends die Nase voll von der kirche!?

 

Liebe Grüße

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Lieber Stefan, das sehe ich nicht so. Sakramente sind kein PR-Instrument der Kirche, sondern Heilsmittel für den, der sie will. Mit stehen da schon gelegentlich die Haare zu Berge, wenn ich die Kommentare mancher Familienfest-Messebesucher höre (so nach dem Motte: Wat is, Gisela, gehste Dir jetzt auch son komisches Brot abholen? - leider nicht erfunden).

 

Soviel Selbstbewußtsein sollten wir eigentlich haben, daß wir sagen: Hört mal, liebe Leute, dies uns HEILIG - wenn ihr das nicht versteht, ist das Euer gutes Recht, aber dann lasst bitte die Finger davon. Wenn Ihr es verstehen wollt, seid Ihr herzlich eingeladen.

 

Das muß ja nicht mit erhobenem Zeigefinger geschehen. Aber Sakramente austeilen wie Werbegeschenke - Nee!

 

Lieben Gruß

 

Thomas

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Guest Ketelhohn


Zitat von Stefan Mellentin - 21. Mai 2001

Sicherlich haben jetzt auch die Firmbewerben vollends die Nase voll von der kirche!?

Lieber Stefan,

 

war die Kirche ihnen nicht – dem realistischen Bericht nach zu urteilen – sowieso schon scheißegal? Wenn aber nun auch bloß einer „aufgewacht“ ist, dann wäre alles gewonnen!

Übrigens wäre es gewiß lohnend, einmal die Praxis der alten Kirche zu studieren. Da würden heute katholischen Sektenbeauftragte den Kadi schicken.

 

Gruß

Robert

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Oder anders formuliert,

 

soll man die Sakramente (als Beispiel für den gesamten Glauben) tatsächlich wie "sauer Bier" unter das Volk bringen ? Nur um niemanden vor den Kopf zu stoßen ?

 

Nochmals Ja und Nein.

 

Ich habe auch eine zwanzigjährige Pause hinter mir, in der meine Glaubens-Tiefe reichlich verflacht ist. Was hätte ich getan, wenn der Pfarrer die Hochzeit mit meiner Frau in dieser Lebens-Phase abgelehnt hätte ?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Lieber Martin,

 

>>Ich habe auch eine zwanzigjährige Pause hinter mir, in der meine Glaubens-Tiefe reichlich verflacht ist. Was hätte ich getan, wenn der Pfarrer die Hochzeit mit meiner Frau in dieser Lebens-Phase abgelehnt hätte <<

 

vielleicht wärst Du dann schon nach 10 Jahren aufgewacht.

 

Lieben Gruß

Erich

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Ich plädiere nicht dafür, die Sakramente wie "Sauerbier" unter die Leute zu bringen, aber die Ablehnung der Spendung eines Sakramentes kann schwere Folgen haben. Zumindest so, wie es offenbar in Salzburg passiert ist. Im übrigen ist die Sache auch kirchenrechtlich nicht ganz einfach. Man könnte dem Erzbischof ein kirchenrechtliches Verfahren anhängen, wegen der Verweigerung eines Sakraments, so zumindest sagte es gestern mein Kirchenrechtsprofessor, ich weiß allerdings jetzt nicht auswendig, auf welche Canones im CIC sich das beszieht.

 

Liebe Grüße

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Das kirchenrechtliche Problem, lieber Stefan, würde sich ja nur stellen, wenn der Bischof das Sakrament grundsätzlich verweigert hätte. Das ist aber nicht der Fall. Eder hat ja den Firmkandidaten, die wirklich das Sakrament wollen, ausdrücklich angeboten, sich an ihn zu wenden und wollte dann sogar das Vorbereitungsgespräch selbst führen. Mehr kann man doch nun wirklich nicht verlangen.

 

Lieber Martin, natürlich sollte man die Spendung von Sakramenten nicht von einem lückenlosen Nachweis des Sonntagsmessenbesuchs der letzten Jahre abhängig machen - ich denke, daß Du im Traugespräch vermutlich schon zu erkennen gegeben hast, daß Du eine sakramentale Ehe willst. Wenn ich den Eder-Bericht richtig verstanden habe, war dieser Wille zum Sakrament ja gerade bei den Firmlingen nicht zu erkennen - sie waren ja nicht mal zu einem Gespräch mit dem Bischof bereit.

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Es war jedenfalls nicht gerade eine Glanzleistung vom Erzbischof. Ich hätte an seiner Stelle gefirmt und danach dem Pfarrer die Hölle heiß gemacht...

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sstemmildt

Grundsätzlich habe ich mit der Position des Erzbischofs Eder (zur Frage, ob und wann die Firmung oder ein anderes Sakrament gespendet werden soll) gar keine Probleme. Richtig ist sicher, daß die Sakramente nicht zum schmückenden Beiwerk einer als völlig weltlich empfundenen Feier werden dürfen; etwa als eine Art "barocker" Dekoration zu einer Jugendweihe. Nach meinem Eindruck ist es auch so, daß die Problematik in Österreich uU. drängender sein mag. Österreich ist seiner formalen Kultur nach, etwa was das Bild in der Öffentlichkeit betrifft, sehr viel "katholischer" als Deutschland. Da ist man dann leicht verleitet, die Sakramente als Folklore zu vereinnahmen - als würde sich ein Urpreuße in den Ferien in Bayern Lederhosen anziehen und seine Frau in ein Dirndl stecken, einfach weil er es hübsch findet. Da kann auch die Firmung leicht verkommen, wenn die Eltern dabei weniger das seelische Wohl der Kinder als die dekorative Feier rund um die Geschenkeausteilung bedacht wären und die Reaktion nicht durch den Ärger über die verweigerte Sakramentenspendung, sondern aus der Sorge, was denn die Leute denken mögen, bestimmt wäre.

 

Was denn nun tatsächlich das Problem war - ob tatsächlich die Firmkandidaten schlecht vorbereitet und/oder desinteressiert waren, oder ob Bischof Eder, der von sich sagt, daß er zu "Kindern" immer guten Zugang habe, vielleicht die jungen Erwachsenen nicht richtig zu packen verstanden hat - das wird von hier aus kaum zu beurteilen sein.

 

Jedenfalls hat die Firmung ja dann doch - durch einen zur Firmung befugten Abt - stattgefunden.

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Zitat von sstemmildt am 10:52 - 22.Mai.2001

 

 

Jedenfalls hat die Firmung ja dann doch - durch einen zur Firmung befugten Abt - stattgefunden.

 

Der dem Bischof damit werbewirksam in den Rücken gefallen ist, lieber Sven - was er als Abt, der dem Bischof nicht untersteht, natürlich "darf". Das halte ich für weitaus schädlicher als die Weigerung Eders.

 

Lieben Gruß

 

Thomas

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sstemmildt

Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, daß dazu nicht jeder Abt befugt ist.

 

Ob der Abt dem Bischof "werbewirksam in den Rücken gefallen ist", oder ob es ihm nicht vielleicht doch - vielleicht genauso wie dem Bischof, nur mit anderem Ergebnis - im besten Sinne um die Beteiligten halte ich hier für nicht entscheidbar, da wir alle den Sachverhalt nur aus mehr oder weniger tendenziösen Berichten der einen oder anderen Seite kennen. Solche Unterstellungen sollte man sich daher sparen.

 

Ebenso können wir - wenn so eine Quantifizierung überhaupt sinnvoll ist - mangels konkreter Kenntnis wenig dazu sagen, wer hier "den größeren Schaden" verursacht hat.

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Franciscus non papa


Zitat von sstemmildt am 12:52 - 22.Mai.2001

Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, daß dazu nicht jeder Abt befugt ist.

 

Ob der Abt dem Bischof "werbewirksam in den Rücken gefallen ist", oder ob es ihm nicht vielleicht doch - vielleicht genauso wie dem Bischof, nur mit anderem Ergebnis - im besten Sinne um die Beteiligten halte ich hier für nicht entscheidbar, da wir alle den Sachverhalt nur aus mehr oder weniger tendenziösen Berichten der einen oder anderen Seite kennen. Solche Unterstellungen sollte man sich daher sparen.

 

Ebenso können wir - wenn so eine Quantifizierung überhaupt sinnvoll ist - mangels konkreter Kenntnis wenig dazu sagen, wer hier "den größeren Schaden" verursacht hat.

 

hallo,

 

als grundproblem sehe ich, dass es doch heute schon häufiger vorkommt, dass bei erstkommunion und hochzeit der feiercharakter für manche leute offensichtlich im vordergrund steht, nicht aber das sakrament als solches. manchmal habe ich auch schon das gefühl gehabt, heute haben wir "perlen vor die säue geworfen". andererseits: wer kann schon wirklich in die menschen hineinschauen?

 

bei der firmung ist das allerdings meist doch anders. hier stehen doch in der regel weder die familienfeier noch die geschenke im vordergrund. häufig ist es auch so, dass die firmlinge erst im laufe der vorbereitung die endgültige entscheidung treffen, ob sie nun gefirmt werden wollen oder nicht. die näheren einzelheiten des umstrittenen falles sind mir nicht genug bekannt, um für mich sagen zu können, ob nun von seiten des bischofs eine überreaktion vorliegt oder nicht. klug war sein handeln in der form - so denke ich - allerdings nicht. aber ich denke auch nicht, dass er es sich nun leicht gemacht hat und einfach mal so nebenbei einen skandal hervorrufen wollte.

 

ehrlich gesagt - im moment bin ich in dieser sache einfach etwas ratlos

 

grüsse

 

f-jo

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Zu einem anderen Sakrament:

Der ersten Heiligen Kommunion:

 

Ich habe letzt mit einem Pfarrer gesprochen der es sich gerade überlegt, ob er die Eltern der Kommunionkinder vor folgende Wahl stellen soll:

"Wollen Sie wirklich, dass ihr Kind in die Mahlgemeinschaft der kath. Kirche aufgenommen wird, oder wollen Sie, dass das Kind ein schönes Fest feiern kann?"

Er könnte sich dann vorstellen, eine solche Feier zu organisieren, die zwar auch von Gott erzählt, aber eben nicht zum Sakrament der heiligen Kommunion führt.

Damit würde sich die Kirche einerseits nicht der Verantwortung entziehen, die Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten und andererseits könnte eine "automatische Sakramentverteilung" verhindert werden.

 

Ich finde, das ist eine interessante Idee!

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Zitat von Meme am 14:47 - 22.Mai.2001

Zu einem anderen Sakrament:

Der ersten Heiligen Kommunion:

 

Ich habe letzt mit einem Pfarrer gesprochen der es sich gerade überlegt, ob er die Eltern der Kommunionkinder vor folgende Wahl stellen soll:

"Wollen Sie wirklich, dass ihr Kind in die Mahlgemeinschaft der kath. Kirche aufgenommen wird, oder wollen Sie, dass das Kind ein schönes Fest feiern kann?"

Er könnte sich dann vorstellen, eine solche Feier zu organisieren, die zwar auch von Gott erzählt, aber eben nicht zum Sakrament der heiligen Kommunion führt.

Damit würde sich die Kirche einerseits nicht der Verantwortung entziehen, die Menschen auf ihrem Lebensweg zu begleiten und andererseits könnte eine "automatische Sakramentverteilung" verhindert werden.

 

Ich finde, das ist eine interessante Idee!

 

Auf jeden Fall diskussionswürdig!

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Zitat von sstemmildt am 12:52 - 22.Mai.2001

Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine, daß dazu nicht jeder Abt befugt ist.


 

Aus dem KKK:

 

1313 Im lateinischen Ritus ist der Bischof der ordentliche Spender der Firmung [Vgl. CIC, can. 882]. Obwohl der Bischof aus schwerwiegenden Gründen Priestern die Vollmacht gewähren kann, die Firmung zu spenden [Vgl. CIC, can. 884], entspricht es doch dem Sinn des Sakramentes, daß er es selbst spendet. Schließlich ist gerade aus diesem Grund der Zeitpunkt der Feier der Firmung von dem der Taufe getrennt worden. Die Bischöfe sind die Nachfolger der Apostel und haben als solche die Fülle des Weihesakramentes erhalten. Wenn sie selbst die Firmung spenden, wird treffend zum Ausdruck gebracht, daß diese ihre Empfänger enger mit der Kirche, mit ihren apostolischen Ursprüngen und ihrer Sendung zum Zeugnis für Christus verbindet.

 

1314 Falls ein Christ in Todesgefahr ist, darf jeder Priester ihm die Firmung spenden [Vgl. CIC, can. 883, § 3.]. Die Kirche will, daß keines ihrer Kinder, und sei es auch noch so klein, diese Welt verläßt, ohne durch den Heiligen Geist mit der Gabe der Fülle Christi vollendet worden zu sein

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sstemmildt

Ich hab es inzwischen nachgeschlagen: Ein Abt - allerdings hab ich immer noch nicht raus, ob immer - kann die gleichen Befugnisse haben wie ein Bischof, somit also auch ganz "ordentlich", also nicht nur im Notfall oder aufgrund Vollmacht eines Bischofs.

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Zitat von sstemmildt am 15:55 - 22.Mai.2001

Ich hab es inzwischen nachgeschlagen: Ein Abt - allerdings hab ich immer noch nicht raus, ob immer - kann die gleichen Befugnisse haben wie ein Bischof, somit also auch ganz "ordentlich", also nicht nur im Notfall oder aufgrund Vollmacht eines Bischofs.

 

Daß ein Abt nicht dem Bischof untersteht, stimmt für die Belange des Klosters und eventuelle Sonderrechte, die sich aus der Stellung der Abtei ergeben. Bei einer Klosterpfarrei könnte ich mir z.B. vorstellen, daß es im Einzelfall Rechte geben könnte, die die üblichen Rechte eines Pfarrers übersteigen. Ohne derartige Sonderrechte hat kein Abt (und auch kein anderer Bischof) in die Jurisdiktion des zuständigen Bischofs hineinzupfuschen, es sei denn, dieser delegiert. In unserem Fall vermute ich, daß Eder den Abt angerufen hat und ihn kurzerhand um Übernahme gebeten hat, vielleicht um den Schaden zu begrenzen. Ich vermute dies, weil ich davon ausgehe, daß der Abt ein anständiger Mensch ist und daß er sich an die Ordnung der Kirche hält. Falls es anders ist, sollte ihm sein Generaloberer mal kräftig in den Hintern treten.

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Zitat von Meme am 14:47 - 22.Mai.2001

Zu einem anderen Sakrament:

Der ersten Heiligen Kommunion:

 

Ich habe letzt mit einem Pfarrer gesprochen der es sich gerade überlegt, ob er die Eltern der Kommunionkinder vor folgende Wahl stellen soll:

"Wollen Sie wirklich, dass ihr Kind in die Mahlgemeinschaft der kath. Kirche aufgenommen wird, oder wollen Sie, dass das Kind ein schönes Fest feiern kann?"


Liebe Meme,

 

ich finde die Idee des Pfarrers interessant und nachdenkenswert. Ich bin mir aber nicht sicher, ob alle Eltern ehrlich auf die Frage antworten würden.

 

Während der Erstkommunion-Vorbereitung von meinem Sohn habe ich den Eindruck bekommen, dass es einigen Eltern eigentlich nur um ein Familienfest und nicht um das Sakrament geht. Es gab zum Teil heftige Diskussionen um organisatorische Einzelheiten, und das Eucharistieverständnis war bei manchen Eltern merkwürdig.

 

Der Pfarrer und die Katechetinnen haben es aber immer wieder verstanden, auch diese Eltern zu integrieren, zu erklären, worum es eigentlich geht und auf der organisatorischen Ebene auch mal Kompromisse einzugehen. So ist deutlich geworden, dass die Kommunion ein Sakrament ist, und die Erstkommunion nicht nur der kirchliche Rahmen für ein schönes Fest sein darf.

 

Liebe Grüsse

Angelika

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Liebe Angelika,

 

ich stimme der Kritik an den "schönen Festen ohne echten Inhalt" zu. Aber mir ist aufgefallen, daß hier schon ziemlich "über die Köpfe der Kinder hinweg" geredet wird.

 

Ist nicht die Einstellung des Kindes zur Kommunion das eigentlich entscheidende?

 

Ist es immer so, daß die Eltern wissen, was das Kind will und was nicht?

 

herzliche Grüße

 

Olli

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Zu der Sache, wann ein Abt die gleichen Rechte hat wie ein Bischof oder nicht: Ich rate jetzt mal, hat es vielleicht etwas damit zu tun, ob der Orden bischöflich oder päpstlich approbiert ist? *fragendschau*

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Hallo Meme

 

Seit einigen Jahren geschieht in der Gegend wo ich wohne, Erstkommunionvorbereitung nach folgendem Modell.

Kinder vom 1. bis 4. Schuljahr werden,  wenn es die Eltern für richtig halten, zur Vorbereitung auf die Erstkommunion angemeldet.  Die Vorbereitungszeit erstreckt sich, gemeinsam mit den Familien und begleitenden Katecheten  über ein gesamtes Kirchenjahr. Von Advent zu Advent. Nach dieser Zeit gehen die Kinder, wie die Familien es wünschen, an einem ganz gewöhnlichen Sonntag oder Feiertag das erste Mal zum Tisch des Herrn. Sie bekommen eine besonders geschmückte Bank, eigene Fürbitten und das Gebet der Gemeinde. Am Weißen Sonntag treffen sich alle gemeinsam in liturgischen Gewändern zu einer Tauferneuerung. So entfällt der „Klassenverband“, niemanden wird ein Sakrament aufgestülpt und die Eltern werden mit in die Verantwortung genommen. Also auch keine automatische Sakramentenverteilung.

 

Herzliche Grüße Anna

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