Jump to content

Evangelium vom 4. Fastensonntag


Martin
 Share

Recommended Posts

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.

Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten:

Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen.

Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:

Ein Mann hatte zwei Söhne.

Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:

Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht.

Da teilte der Vater das Vermögen auf.

Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land.

Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.

Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land,

und es ging ihm sehr schlecht.

Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf;

der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.

Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen;

aber niemand gab ihm davon.

Da ging er in sich und sagte:

Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen,

und ich komme hier vor Hunger um.

Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:

Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.

Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;

mach mich zu einem deiner Tagelöhner.

Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm.

Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Da sagte der Sohn:

Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;

ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:

Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an,

steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an.

Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es;

wir wollen essen und fröhlich sein.

Denn mein Sohn war tot und lebt wieder;

er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.

Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld.

Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.

Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.

Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,

weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.

Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.

Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.

Doch er erwiderte dem Vater:

So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt;

mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt,

damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.

Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat

da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.

Der Vater antwortete ihm:

Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.

Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern;

denn dein Bruder war tot und lebt wieder;

er war verloren und ist wiedergefunden worden.

 

Lukas 15,1-3.11-32

Link to comment
Share on other sites

Da wechsle ich nun in das Forum: Fragen und Antworten, weil das Thema hierhin viel besser passt als in die Gladiatoren-Arena, und was passiert ?

 

Nichts.

 

Noch Nichts ?

Link to comment
Share on other sites

Lieber Martin, ich hatte schon die ganze Zeit auf das Evangelium gewartet. Melde mich am Sonntag dazu, weil ich gleich zu einer Fortbildung muß.

Ein gutes Wochenende wünscht dir

 

Anna

Link to comment
Share on other sites

Dann anders herum:

 

Wer denkt wie der Zu-Hause-Gebliebene ?

Noch interessanter ist: warum ?

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Tja lieber Martin,

 

ich würde auch bzw. habe auch wie der daheimgebliebende gedacht und gefühlt.

 

In den Familien meines Mannes und in meiner war es immer so dass wir daheim waren und unsere Anwesenheit und Hilfe fast selbstverständlich war und wenn die weiter entfernten Geschwister kamen , war die Freude im Hause riesengroß und ein riesen Wirbel wurde/wird gemacht.

 

Ich war gerne für meine Eltern da, dennoch hat es mir immer einen Stich versetzt wenn ich merkte, das ein Anruf meines Bruders höher bewertet wurde.

 

Inzwischen können wir beide gut damit leben, denn auch dieser kleine Anruf unserer Geschwister macht sie glücklich, auf diese Zuneigung warten sie lange. unserer Liebe sind sie gewiß und sie müssen nicht drum bangen und sind somit um ein vielfaches zufriedener als wenn wir uns auch zurückziehen würden.

 

LG Sina

Link to comment
Share on other sites

Liebe Sina,

 

das erscheint so unfair, so ungerecht - und dennoch schildert Jesus so Gottes Gerechtigkeit.

 

Falls die Reaktion des Bruders nicht geschildert würde, könnte man ja denken, es zeige Gottes Bereitschaft zur Vergebung, zu seiner Liebe: Es ist keine Entschuldigung notwendig, der Vater läßt den Sohn gar nicht ausreden. Er feiert ein Freudenfest, einfach, weil er wieder da ist.

Das allein für sich wäre ja so richtig schön. Damit könnten wir alle gut leben.

 

Aber dann, die Reaktion des Bruders und die Erklärung des Vaters: Aber du bist doch die ganze Zeit bei mir und hast damit alles was du brauchst. Warum ärgert es dich, daß ich mich so sehr über die "Auferstehung" deines Bruders freue. Er war tot und er lebt wieder.

 

Starkes Stück.

 

Und dennoch fühlen wir uns ungerecht behandelt.

 

Wie die Geschichte wohl weitergeht ?

Nach den Fest, in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren ?

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Lieber Martin,

 

ein psychologisch noch heute zutreffendes Gleichnis. Es sagt mehr über das menschliche Bedürfnis nach unerfüllbar scheinenden Wünschen aus, als über das Wesen der väterlichen (oder gar göttlichen) Liebe aus.

 

>Aber dann, die Reaktion des Bruders und die Erklärung des Vaters: Aber du bist doch die ganze Zeit bei mir und hast damit alles was du brauchst. Warum ärgert es dich, daß ich mich so sehr über die "Auferstehung" deines Bruders freue. Er war tot und er lebt wieder. <

 

Natürlch war der Bruder NICHT tot. Natürlich kann er das Heil nicht nur bei seinem Vater finden. Er war tot in der Phantasie des Vaters, er war ein unerfüllter Wunsch für den alten Mann.

 

>Und dennoch fühlen wir uns ungerecht behandelt. <

 

Wenn wir uns mit dem Daheimgebliebenen identifizieren, klar. Und wohl zu recht. Wenn wir aber den Vater als Identifikationsfigur wählen, dann müssen wir so ehrlich sein, und sein ungerechtes Verhalten wenigstens verstehen.

 

>Wie die Geschichte wohl weitergeht ?

Nach den Fest, in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren ? <

 

Der Vater wird sich neue unerfüllbare Sehnsüchte schaffen müssen. Vielleicht geht ja jetzt der erste Sohn zur Abwechslung?

 

Quintessenz: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach, aber wenn die Taube in die Hand fliegt - dann ist das eben ein Grund zum Feiern....

 

 

Lissie

Link to comment
Share on other sites

Liebe Lissie,

 

>Natürlch war der Bruder NICHT tot. Natürlich kann er das Heil nicht nur bei seinem Vater finden. Er war tot in der Phantasie des Vaters, er war ein unerfüllter Wunsch für den alten Mann. <

 

Kann er das HEIL wirklich woanders finden ?

Was für ein Leben hat er gelebt ?

Ist das ein Leben ?

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Vielleicht schätzt der Vater mehr den, der seine eigenen Erfahrungen macht, auch rebellisch ist und dann zurückkehrt als den, der nie gezweifelt hat, einfach nur "brav" war und weil er keinen Weg gegangen ist gar nicht wirklich versteht, was das Wesen des Vaters ist?

 

Patrick

Link to comment
Share on other sites

>Kann er das HEIL wirklich woanders finden ? <

 

Bin ich in der Beweislast oder der der sagt, er kann das Heil nur bei seinem Vater finden?

 

>Was für ein Leben hat er gelebt ?

Ist das ein Leben ? <

 

Ich will´s doch sehr meinen, Martin! Hätte ich die Wahl zwischen dem Vatersöhnchen und dem Weltreisenden, hätte ich letzteren als Ratgeber gewählt. Männer die fremde Städte, ein auschweifiges Leben und Dirnen kennengelernt haben, verstehen meist viel mehr vom Leben als solche, die daheim beim Vater bleiben.

 

Die Frage die sich heute beim Lesen dieses Gleichnisses vom verlorenen Sohn stellt, ist, was sollte ein guter Vater (heute dürfte man wohl auch von der Mutter reden) seinen/ihren Kindern  raten? Daheimzubleiben oder in die Welt zu ziehen? Ich würde den "Erziehungsauftrag" (wenn es sowas überhaupt gibt) eher darin sehen, möglichst gutes Reisewerkzeug bereitzustellen. Man muß seine Kinder loslassen können. Man muß überhaupt alles loslassen lernen,  sonst ist man niemals reif für den eigenen Tod.....

 

 

Grüße

 

 

Lissie

Link to comment
Share on other sites


Zitat von lissie am 18:22 - 24.März.2001


 

Liebe Lissie,

 

das Gleichnis muß man wohl unter dem Aspekt sehen, daß der "verlorene" Sohn als Bettler zu seinem Vater zurückgekehrt ist, obwohl er ja ein großes Erbe erhalten hatte.

 

Es will wohl sagen, Sohn/Tochter bleibt Sohn/Tochter, egal welche Verfehlungen die Kinder gemacht haben.

 

Wie werden sich die "treuen" Katholen im Himmel verhalten, wenn sie feststellen, dass der ein oder andere Atheist in letzter Lebensminute doch noch zu seinem "Gott" heimkehrt?

 

Geht im Himmel die Gehässigkeit und der Neid gleich wieder weiter?

 

Lieben Gruß

 

Pedrino

Link to comment
Share on other sites


Wie werden sich die "treuen" Katholen im Himmel verhalten, wenn sie feststellen, dass der ein oder andere Atheist in letzter Lebensminute doch noch zu seinem "Gott" heimkehrt?

 

Das wär was: Ein großes kath.de-Treffen im Himmel.

Unter den Bedingungen muß ich drüber nachdenken

 

;)

Patrick

Link to comment
Share on other sites

Der ältere Sohn eignet sich natürlich hervorragend als Projektionsfläche für den eigenen Neid der Pharisäer. Und jeder von uns kann ein wenig mitfühlen, sobald er sich in den älteren Sohn hineinversetzt.

 

Aber hallo! Welcher Wert wird hier Neidgefühlen zugemessen! Wie erhaben sind doch die älteren Söhne (Pharisäer) mit ihrer Leistung. Sie sind was Besseres, weil sie doch die ganze Zeit sich um Recht und Gerechtigkeit mühen (so sehen sie es zumindest selbst).

Wenn Jesus mit dem Gleichnis beabsichtigte, den Pharisäern einen Ekel vor ihrem eigenen Neid und ihrer Überheblichkeit einzujagen: Zumindest bei mir hat er es geschafft.

 

Leider sehe auch ich immer wieder, wie Leute, die gut veranlagt sind, eine gute Erziehung haben, eine gute Position innehaben ... auf andere (z.B. Assoziale) herabblicken. Dabei haben sie doch nur Glück gehabt.

Jawohl, sie leisten auch was, müssen auch was leisten. Aber sie haben ja auch die Voraussetzungen dafür.

 

Haben sie wirklich das Recht, auf die herabzuschauen, die diese Voraussetzung eben nicht haben?

 

Vor lauter Neid kommt der ältere Bruder nicht zu einem einzigen freudigen Wort über das Leben seines totgeglaubten Bruders. Das empfinde ich als abschreckend.

Link to comment
Share on other sites

Lieber Mecky,

 

aber es stellt sich doch die Frage,

worauf ist er denn überhaupt neidisch ?

 

Er war doch die ganze Zeit beim Vater,

er kann doch an der Freude teilhaben,

auch auf seinen Bruder zugehen, ihn umarmen,

am Fest teilnehmen.

 

Niemand sagt doch,

du darfst nicht am Festessen teilnehmen.

 

Ohne die Ankuft des Bruders wäre es doch "nur" ein ganz normaler Alltag geworden;

und nun ... ist es ein Festtag !

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Michelangelo

Dazu eine gute Predigt von unsrem Forumsteilnehmer Dr. Josef Spindelböck:

 

Alle liturgischen Texte online finden Sie im Schott-Messbuch.

 

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

 

 

Wer macht den Anfang des Heils, Gott oder der Mensch? Wendet der Mensch sich zuerst hin zu Gott, oder ist es Gott selbst, der dem Menschen nachgeht und sich ihm voll Liebe zuwendet? Die trostreiche Antwort unseres Glaubens lautet: Gott hat uns zuerst geliebt!

 

Wir wollen in Anlehnung an das heutige Evangelium das Gleichnis vom verlorenen Sohn, besser: vom barmherzigen Vater betrachten!

 

Wir kennen dieses Gleichnis gut. Es ist ein Bild, wie es uns Menschen mit Gott ergeht. Gott ist der barmherzige Vater, der den Menschen die Freiheit geschenkt hat. Sie sollen sie in rechter Weise gebrauchen. Gott möchte, daß alle Menschen ihn lieben und das Gute tun, aber er zwingt niemanden zum Guten. So läßt er es zu, daß der jüngere Sohn sein Vermögen auf schlechte Weise durchbringt. Das heißt, dieser tut Dinge, die vor Gott nicht recht sind. Er sündigt und trennt sich auf diese Weise von der Liebe Gottes. Der Sohn lebt zwar noch, aber geistlich ist er „tot“ geworden. Das Leben mit Gott ist verlorengegangen. Der barmherzige Vater aber wartet stets auf die Umkehr.

 

Da gelangt der Sohn zur Einsicht. Sein Elend ist der Anlaß dazu, er erkennt, daß er auf eigene Kräfte gestellt nicht mehr aus und ein weiß. Seine Reue geht jedoch tiefer: Er denkt an die Liebe seines Vaters und beschließt umzukehren. Wenn ein Mensch umkehrt, dann hat Gott ihn bereits im Herzen dazu eingeladen. Gott macht immer den Anfang, der Mensch gibt die Antwort.

 

Doch wie empfängt Gott den reumütigen Sünder? Hält er ihm seine Vergehen in aller Ausführlichkeit vor? Demütigt er ihn vor allen anderen? Der verlorene und nun heimgekehrte Sohn weiß: „Verdient hätte ich es“, und er würde es eigentlich erwarten. Schuld trägt ja allein er, und nicht der Vater. Doch was geschieht bei der Heimkehr des Sohnes? Nichts trägt der barmherzige Vater dem verlorenen Sohn nach, im Gegenteil: Er kleidet ihn ein mit großer Pracht! Das heißt: Er schenkt ihm alles neu, was er durch seinen Ungehorsam und durch seine Untreue verloren hat. Das „Kleid der Seele“, die heiligmachende Gnade, als Freundschaft mit Gott, die Annahme als Kind Gottes wird ihm neu zuteil!

 

Es herrscht großer Jubel und große Freude. Alle freuen sich – bis auf einen. Der daheimgebliebene, „brave“ und stets gehorsame ältere Sohn des Vaters freut sich nicht, als er erfährt, wie großzügig sein Vater den heimgekehrten jüngeren Bruder wieder aufnimmt. Der sogenannte „Gerechte“ kann es nicht ertragen, daß der Vater gütig ist zu dem, der Irrwege gegangen ist und umkehrt ist. Er macht dem Vater Vorwürfe.

 

Wir können uns fragen: Wer ist der größere Sünder? Der jüngere oder der ältere? Obwohl der ältere Sohn keine sündhaften Taten wie der jüngere gesetzt hat, ist er dennoch in seinem Herzen stolz und selbstgerecht. Das heißt: Auch er muß sich bekehren, um Anteil am Heil zu erlangen! Das ist die Botschaft dieses Gleichnisses. Erst dann kann er mit dem Vater und dem jüngeren Bruder feiern!

 

Vielleicht kann uns das nachdenklich machen. Es gibt nicht nur jene offenkundigen Sünden, wo ein jeder sieht: „Der oder die ist auf Abwegen!“, sondern es gibt auch die versteckte Sünde der „Frommen“. Man urteilt leichtfertig und selbstgerecht über die anderen, die „Sünder“, und spricht sich selbst gerecht. Doch wehe: Die Sünden der Überheblichkeit und des Stolzes wiegen vor Gott schwerer als die Sünden des Fleisches!

 

Hüten wir uns also vor leichtfertigem Urteil, besonders über die jüngere Generation, z.B. über jene, die ohne christlich geordnete Ehe zusammenleben. Ja, ihr Verhalten ist nicht richtig, und es ist eine schwere Sünde! Aber wer gibt uns das Recht, jene Menschen zu verurteilen? Vielleicht hat es ihnen nie jemand richtig gesagt; auch Erwachsene geben ein schlechtes Beispiel; es gibt viele Einflüsse, die junge Menschen in dieser Weise zum Schlechten hinziehen. Besser ist es, für sie zu beten, als in Worten über sie loszuziehen!

 

Freude aber sollte herrschen über jeden, der sich bekehren kann durch die Gnade Gottes. Denn so lange wir leben, ist es für die Umkehr nie zu spät. Möge die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria als die Mutter der Barmherzigkeit in Liebe eintreten für alle ihre Kinder! Der Herr nimmt jeden auf, der ehrlichen Herzens bei ihm seine Zuflucht sucht und sein Erbarmen erfleht. Die Freude über alle, die sich Gott zuwenden, wird groß sein im Himmel und ohne Ende. Amen.

Link to comment
Share on other sites

Hallo!

 

Zwei andere Fragen: warum geht überhaupt der jüngere Sohn, er hat doch quasi alles? Übrigens lässt ihn ja auch der Vater anstandslos ziehen. Kein Tobsuchtsanfall, kein "Du wirst es noch bereuen" (zumindest nicht berichtet).

Und: ist euch aufgefallen, dass der Vater auch mit dem Älteren sehr liebevoll umgeht, ja, dass er auch ihn bei sich haben will, nicht sagt, er solle wegen seines Neides verschwinden.

 

Wir verurteilen den Älteren.

 

Doch der Vater handelt besser.

 

Er verurteilt gar nicht.

Link to comment
Share on other sites

Lieber Martin,

 

>aber es stellt sich doch die Frage,

worauf ist er denn überhaupt neidisch ?

 

Er war doch die ganze Zeit beim Vater,

er kann doch an der Freude teilhaben,

auch auf seinen Bruder zugehen, ihn umarmen,

am Fest teilnehmen. <

 

Ich sehe die Ursache für den Neid woanders: der Ältere Sohn war nie weg!  Hier wird nicht nur jemand gefeiert, der sich nicht am Erhalten und Pflegen des Hofes beteiligt hatte, hier wird auch jemand gefeiert, der mehr erlebt hat, sich einfach mehr vom Leben genommen hat, als der Ältere. Erst aus diesem Aspekt kann ich den Neid des Älteren so richtig verstehen.

 

Hier prallen zwei Extreme aufeinander: Bewahren und Verschwenden. Da bleiben wo  man hineingeboren wurde und dahin gehen wo man hinwill. Grenzen und Grenzenlosigkeit. Für andere da sein und für sich selber da sein. Verantwortung und Selbstliebe.

 

Die ganze Tragödie des Zuhausegebliebenen erinnert ein wenig an ein Tschechow-Drama. Verlebtes Leben ohne Höhen und Tiefen. Und dann auch noch im Schatten stehen.....

 

Vielleicht sind die beiden Söhne zwei verschiedene Pole, die jeder Mensch in sich trägt. Und die beide ihre Zeit haben: Eine Zeit auszubrechen und umherzuziehen und eine Zeit Häuser zu bauen und sich zu "setteln".

 

Der Vater sollte jetzt erst mal den Älteren auf Wanderjahre schicken und dann auch für den ein Fest feiern....

 

 

Lissie

Link to comment
Share on other sites

Liebe Lissie,

 

das scheint ja nicht so einfach zu sein:

 

>Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. <

 

>Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;

ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. <

 

Es macht scheinbar keinen Sinnm so zu handeln, wie der jüngere Sohn, falls man in dem Bewußtsein des älteren Sohnes lebt. Er kann nicht so handeln.

 

Der jüngere Sohn hat letztendlich nur die Erfahrung gemacht, daß sein Vermögen verschleudert ist und daß er sich "versündigt" hat.

 

Warum sollte der ältere Bruder neidisch auf diese Erkenntnis sein, wenn er sie schon hat ?

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Lieber Martin!

 

Worauf war der ältere Sohn neidisch?

 

"Ich hab mich die ganze Zeit hier abgerackert. Der hat ein schlaues Leben geführt und jetzt wird er geradezu noch belohnt dafür!"

 

Hier zeigt sich die Unehrlichkeit des älteren Sohnes. Er hat gerackert - aber nicht aus einer inneren Berufung heraus, sondern "um des Vaters willen". Ob das der Vater überhaupt gewollt hat?

Das ist eine gewaltige Schwäche: Opfer bringen aus Fremdmotivation. Hätte der ältere Sohn für SEINE Zukunft aus Interesse DARAN gearbeitet, hätte er nicht neidisch werden müssen.

 

Er ist das Sinnbild für die Pharisäer. Sie gehorchen Gott nicht aus Einsicht, dass das für sie SELBST das Beste ist, sondern nur aus einem katzbucklerische-geheuchelten Gehorsam. Ihr Inneres scheint eine andere Sprache zu reden, sonst könnten sie den Lebensweg der Sünder und Zöllner gelassener sehen.

Link to comment
Share on other sites

Manchmal liegen religiöse und areligiöse Deutungen gar nicht so weit voneinander entfernt, Mecky. :) Das ungefähr meinte ich auch.....

Link to comment
Share on other sites

Bemerkenswert an der Geschichte finde ich, daß der Vater der Gelackmeierte ist. Beide Söhne handeln nämlich nicht um des Vaters willen, sondern um ihrer selbst willen.

 

Der ältere Sohn scheut den Konflikt mit dem Vater. Er verhält sich deshalb dem Vater gegenüber so, daß es keine Beanstandungen gibt. Er geht den Weg des geringsten Widerstands, indem er nach der Pfeife des Vaters tanzt.

 

Der jüngere Sohn entzieht sich der Fuchtel des Vaters und läßt die Sau raus. Nachdem er seine Freiheit genossen hat, kehrt er nicht aus innerer Einsicht oder gar aus Liebe zum Vater zurück, sondern weil ihm in seiner Not nichts anderes übrigbleibt.

 

Eitel wie der Vater nun einmal ist, interpretiert er die Rückkehr des Sohnes völlig falsch. Der Sohn weiß, welche Sprüche beim Vater ziehen, und der Vater fällt darauf rein. Der Vater wird verarscht, ohne daß er es merkt.

Link to comment
Share on other sites

>Eitel wie der Vater nun einmal ist, interpretiert er die Rückkehr des Sohnes völlig falsch. Der Sohn weiß, welche Sprüche beim Vater ziehen, und der Vater fällt darauf rein. Der Vater wird verarscht, ohne daß er es merkt. <

 

Und der Schreiber des Gleichnisses scheint das auch nicht gemerkt zu haben. Das ist eben der Unterschied zwischen den Bibelschriftstellern und Autoren wie Tschechow oder Ibsen.  Die hätten mehr Interesse an all den verschiedenen Lügen gezeigt...

Link to comment
Share on other sites

Hallo Lissie und Cano!

 

Der Vater ist überhaupt nicht eitel und wird auch nicht verarscht. Ein Zitat su dem Evangelium:

 

Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

 

Dies tat er, bevor(!) der Sohn auch nur irgendetwas sagte. Was ist daran eitel?

 

Und Mecky: warum gehst Du mit dem Älteren Sohn härter ins Gericht als der Vater, der ihm doch "gut zuredete" und mit ihm alles teilte?

Link to comment
Share on other sites

 Share

×
×
  • Create New...