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Was ist ein Gebet?


kalinka
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liebe leute, eine knappe (aber für mich gar nicht so einfach und eindeutig zu beantwortende) frage:

 

was ist ein gebet?

 

alle überlegungen, definitionsansätze, persönliche erfahrungen und einschätzungen usw. willkommen!

 

danke schon mal im voraus für eure antworten. :lol:

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eine der fragen, zu denen mich die frage, was ein gebet ist, z.b. geführt hat, ist:

 

ist das glaubensbekenntnis ein gebet?

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Einsteinchen

Für mich ist ein Gebet eher eine frustrierende Angelegenheit, denn ich spreche da mit Gott. Es mag schon entlastend sein, wenn man da im Monolog seine Sorgen und Wünsche und vielleicht seine Freuden abladet. Aber eigentlich dächte ich, daß da auch eine Rückmeldung kommen sollte. Gut, er spricht nicht in grammatischen Worten zurück, aber in Gedanken und Gefühlen, die ich aber auch nur als meine eigenen Gedanken und Gefühle wahrnehmen kann. So richtig dialogisch kann ich das nicht bezeichnen.

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Ein Sich-Hinwenden zu Gott.

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Ein Sich-Hinwenden zu Gott.

 

Vielleicht auch schon ein "Sich-Bewusstmachen der Anwesenheit Gottes im konkreten Moment"?!

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GermanHeretic
Für mich ist ein Gebet eher eine frustrierende Angelegenheit, denn ich spreche da mit Gott. Es mag schon entlastend sein, wenn man da im Monolog seine Sorgen und Wünsche und vielleicht seine Freuden abladet. Aber eigentlich dächte ich, daß da auch eine Rückmeldung kommen sollte. Gut, er spricht nicht in grammatischen Worten zurück, aber in Gedanken und Gefühlen, die ich aber auch nur als meine eigenen Gedanken und Gefühle wahrnehmen kann. So richtig dialogisch kann ich das nicht bezeichnen.

Das ist das Problem, wenn man sich die Person "Gott" als von der menschlichen Vorstellung losgelöst vorstellt.

Bete bei Gewitter, wenn Dir der Wind ins Gesicht peitscht, der Regen Dich bis auf die Haut durchnäßt und Blitz und Donner den Himmerl zerreissen. Dann kannst Du die Götter spüren. (Funktioniert wenigstens bei mir, nicht bei jedem wohl.)

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ist das glaubensbekenntnis ein gebet?
Nein.

 

Jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne.

 

Beten ist für mich zunächst jede Zwiesprache mit Gott. Egal ob es Lob, Dank, Bitte, Wut, Hingabe oder sonst was ist (auch Gott anzubrüllen fällt für mich unter beten).

 

Insofern ist das Credo an sich mMn kein beten, denn es ist zunächst keine Zwiesprache mit Gott sondern eine Aussage gegenüber anderen Menschen.

 

Es kann zum Gebet werden, wenn man seine Gottesbeziehung mit Gott durchdiskutieren will und das Credo (oder ein eigenes Bekenntnis, wie ich in den Gebeten das ein oder andere reingestellt habe) als Aufhänger nimmt.

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@GH: also ich brauche nicht unbedingt die Naturgewalten um die Gegenwart Gottes zu spüren. Das habe ich auch in geschlossenen Räumen beim Bödenwischen.

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Für mich ist ein Gebet eher eine frustrierende Angelegenheit, denn ich spreche da mit Gott. Es mag schon entlastend sein, wenn man da im Monolog seine Sorgen und Wünsche und vielleicht seine Freuden abladet. Aber eigentlich dächte ich, daß da auch eine Rückmeldung kommen sollte. Gut, er spricht nicht in grammatischen Worten zurück, aber in Gedanken und Gefühlen, die ich aber auch nur als meine eigenen Gedanken und Gefühle wahrnehmen kann. So richtig dialogisch kann ich das nicht bezeichnen.

Versuch mal, in dein Gebet einzukalkulieren, dass es Antwort ist. Gott hat dich ja längst angeredet und tut es laufend.

Wir tendieren alle dazu (Ich selbst nicht ausgenommen), beim Beten in erster Linie ans Bitten, Sorgen-Loswerden, Trost-Finden und dergleichen zu denken. Das ist natürlich nicht verkehrt und hat seinen legitimen Platz im Gebetsleben. Im persönlichen wie im gemeinsamen.

Aber zuallererst ist Gott doch der, der uns ins Leben ruft und erhält, der die Welt so hat werden lassen und immer noch lässt, dass wir einen Platz in ihr finden, der uns einlädt, an seinem Schöpfungs- und Erlösungswerk mitzubauen und zu -gestalten, und der uns in den Dingen und Lebewesen, die uns umgeben, begegnet, in den Menschen, die unsern Weg kreuzen oder ihn begleiten, schließlich auch in den religiösen Überlieferungen, Gemeinschaften und Sakramenten.

Dafür wäre Gott im Gebet doch erst mal zu loben und zu preisen!

 

Freilich sind diese Anreden Gottes fallweise recht verhüllt und verdunkelt, und es braucht schon eine gehörige Portion Glauben, Gottes Anrede aus dem Mund des Nachbarn oder Kollegen zu vernehmen, der mich grad recht nervt oder scharf kritisiert oder sowas. Aber so ist das halt. Nirgends steht geschrieben oder ist uns verheißen, dass die Anrede Gottes lauter Wonne und Waschtrog beschert.

 

Das Antworten auf Gottes Anrede braucht beharrliche Übung, geduldiges Ausharren, leidenschaftliche Anstrengung, verzweifeltes Ringen, kurz, alle deine Fähigkeiten.

Irgendwann mag es dir geschenkt werden, dass du in einer Tiefenschicht deiner selbst gewahr wirst, dass ihr längst im Kontakt seid, du und dein Gott. Wenn es soweit ist, wirst du's wissen. Vielleicht nur für einen Augenblick. Aber von da an wirst du einen Hauch von Ahnung haben, wie es mit der Ewigkeit bestellt ist.

 

(Und dann, bitte, mach nicht viel Aufhebens davon, sondern sei einfach Mensch unter Menschen, so normal und durchschnittlich und unauffällig wie irgendwer.)

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eine der fragen, zu denen mich die frage, was ein gebet ist, z.b. geführt hat, ist:

 

ist das glaubensbekenntnis ein gebet?

Im strengen Sinne nicht, denn es ist nicht an Gott, sondern an die Gemeinde gerichtet, der gegenüber man seine Zugehörigkeit durch Ablegen des gemeinsamen Bekenntnisses zu erkennen gibt.

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@GH: also ich brauche nicht unbedingt die Naturgewalten um die Gegenwart Gottes zu spüren. Das habe ich auch in geschlossenen Räumen beim Bödenwischen.

Klar. In dem Fall ist Gott allerdings recht übelriechend, wenn auch von hoher Reinigungskraft. :lol:

 

Der Irrtum ist aber in beiden Fällen derselbe: Wir (Ich ja eh auch!) glauben alle, es sei eine Gottesbegegnung, wenn uns was in Gemütstiefe anrührt, so ähnlich, wie wir uns das immer vorgestellt haben. Oder wenn uns was gewaltig überfällt, sodass wir durch und durch erschüttert sind.

Und wenn uns Gott dann wirklich anrührt, bemerken wir's gar nicht.

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liebe leute, eine knappe (aber für mich gar nicht so einfach und eindeutig zu beantwortende) frage:

 

was ist ein gebet?

 

alle überlegungen, definitionsansätze, persönliche erfahrungen und einschätzungen usw. willkommen!

 

danke schon mal im voraus für eure antworten. :lol:

 

 

Ein Ritual, das von verschiedenen Leuten mit verschiedenen Inhalten belegt wird. Ob es über eine subjektive Wirkung hinausgeht, lässt sich empierisch nicht belegen.

 

von außen betrachtend.................tribald

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Ein Gebet kann so viel sein:

 

Das bewußte Sprechen ritualisierter Formeln: z.B. das Hochgebet, das ich bei jeder hl. Messe leise mitspreche

Ein Bekenntnis nach Aussen: Z.B. das Credo in der hl. Messe gebetet, bei einer Beerdigung bei der viele Glaubensfremde schweigen, die Gebete laut mitgesprochen

Ein bewußte Zwisprache mit Gott........dankend, bittend,

Gott meditativ in mich aufnehmend......wenn ich bei einer Meditation z.B. das Herzensgebet spreche, oder auch ein buddhistisches Mantra, oder den Rosenkranz.......alle was geeignet ist Leere zu schaffen für das Eindringen Gottes.....

Und wenns schlecht geht auch einmal ein Fluch.......verdammte Sch......einfach ein Aufschrei der Verzweiflung......

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@tribald: Betest Du den nicht? Für mich ist schon ein Gebet wenn ich im Flieger sitze und denke: Hoffentlich klappt die Landung! (Auch wenn das jetzt nicht im Kontext mit einer Gottheit steht- ist nicht allein solch ein Gedanke schon so eine Art Gebet, ein inneres "Flehen" um das Gelingen der Landung?)

 

Ist der Gedanke: "Hoffentlich geht das gut" nicht eine Art Gebet? Oder wenn man sich etwas sehr stark wünscht? Ist es nicht - außerhalb des religiösen Kontext- ein Gebet wenn man hofft, wünscht, sich sehnt?

 

LG

JP

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Mal der Versuch einer abstrakten und neutralen Definition: Verbalisierter Kommunikationsversuch mit einer vorgestellten transzendenten Entität. ;-)

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Mal der Versuch einer abstrakten und neutralen Definition: Verbalisierter Kommunikationsversuch mit einer vorgestellten transzendenten Entität. ;-)

* Schauder*

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Mal der Versuch einer abstrakten und neutralen Definition: Verbalisierter Kommunikationsversuch mit einer vorgestellten transzendenten Entität. ;-)

* Schauder*

 

Ja mei. Ich hätte da auch keine Definition gebraucht.

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Mal der Versuch einer abstrakten und neutralen Definition: Verbalisierter Kommunikationsversuch mit einer vorgestellten transzendenten Entität. ;-)

* Schauder*

 

Ja mei. Ich hätte da auch keine Definition gebraucht.

 

Es hat - soweit ich es verstehe - auch niemand um eine Definition gefragt, sondern um eine persönliche (Erfahrungs)aussage.

 

P.S. und OT

Ja mei.
......miemst Du jetzt den Bayern? Edited by wolfgang E.
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eine der fragen, zu denen mich die frage, was ein gebet ist, z.b. geführt hat, ist:

 

ist das glaubensbekenntnis ein gebet?

Im strengen Sinne nicht, denn es ist nicht an Gott, sondern an die Gemeinde gerichtet, der gegenüber man seine Zugehörigkeit durch Ablegen des gemeinsamen Bekenntnisses zu erkennen gibt.

 

Und außerdem eine Möglichkeit des Sich-Hinwendens zu Gott.

Ein Anfang, um sich zu sammeln.

Eine Meditationsgrundlage

Oder wie Flo es nannte: "seine Beziehung zu Gott mit ihm durchdiskutieren".

Eine schöne Beschreibung, finde ich. :lol:

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Es hat - soweit ich es verstehe - auch niemand um eine Definition gefragt, sondern um eine persönliche (Erfahrungs)aussage.

 

doch, doch, ich frage auch nach definitionsansätzen (siehe eingangsposting). :lol:

 

ich bin sogar von der theoretischen seite auf meine frage "was ist ein gebet?" gekommen.

 

ich habe mich nämlich gefragt, ob bestimmte texte gebete sind. derzeit bin ich bei der these gelandet, daß es "gebet" als textgattung gar nicht gibt.

 

ich denke, daß, wenn texte als gebete bezeichnet werden, die legitimation für diese bezeichnung nicht im text liegt, sondern "nur" auf eine häufige verwendung eines textes zum beten rekurriert.

 

gebet ist ja, worauf ihr alle hingewiesen habt, beziehungsgeschehen mit gott. insofern kann ein text "aus sich heraus" also kein gebet sein, solange er nicht gebetet wird.

 

was meint ihr?

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Es hat - soweit ich es verstehe - auch niemand um eine Definition gefragt, sondern um eine persönliche (Erfahrungs)aussage.

 

doch, doch, ich frage auch nach definitionsansätzen (siehe eingangsposting). :lol:

 

ich bin sogar von der theoretischen seite auf meine frage "was ist ein gebet?" gekommen.

 

ich habe mich nämlich gefragt, ob bestimmte texte gebete sind. derzeit bin ich bei der these gelandet, daß es "gebet" als textgattung gar nicht gibt.

 

ich denke, daß, wenn texte als gebete bezeichnet werden, die legitimation für diese bezeichnung nicht im text liegt, sondern "nur" auf eine häufige verwendung eines textes zum beten rekurriert.

 

gebet ist ja, worauf ihr alle hingewiesen habt, beziehungsgeschehen mit gott. insofern kann ein text "aus sich heraus" also kein gebet sein, solange er nicht gebetet wird.

 

was meint ihr?

 

Ja. Es kommt auf die Intention an. Gebet ist keine formale Kategorie. Das macht es für LitWiss so schwer.

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Der Irrtum ist aber in beiden Fällen derselbe: Wir (Ich ja eh auch!) glauben alle, es sei eine Gottesbegegnung, wenn uns was in Gemütstiefe anrührt, so ähnlich, wie wir uns das immer vorgestellt haben. Oder wenn uns was gewaltig überfällt, sodass wir durch und durch erschüttert sind.

Und wenn uns Gott dann wirklich anrührt, bemerken wir's gar nicht.

In Gemütstiefe anrührt?

 

Mitnichten. Eher ein warmes Gefühl im Nacken, ein Hauch, der durch den Raum geht (und bei dem man manchmal denkt: "Och nö, Vatter, nit jetz"). Gottes Präsenz hat was von Sauerstoff.

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Mantelteiler
Verbalisierter Kommunikationsversuch mit einer vorgestellten transzendenten Entität. ;-)

Da könnte sogar Tribald seine Unterschrift drunter setzen. :lol:

 

Nach dieser Definition wäre die Frage

Ist der Gedanke: "Hoffentlich geht das gut" nicht eine Art Gebet? Oder wenn man sich etwas sehr stark wünscht? Ist es nicht - außerhalb des religiösen Kontext- ein Gebet wenn man hofft, wünscht, sich sehnt?
mit "Nein" zu beantworten, da die "(vorgestellte) transzendente Entität" fehlt da.

 

Dieser Definitionsversuch ist aber nch "erweiterungsfähig": Es geht nämlich (wie einige Poster(innen) schon beschrieben haben) auch "nicht-verbal".

 

@kalinka:

insofern kann ein text "aus sich heraus" also kein gebet sein, solange er nicht gebetet wird.

Da hast du vollkommen Recht!

Das ist keine Tautologie, nein, da hast du wirklich was wichtiges gesagt:

 

Wenn bspw. German Heretic für jemanden (bspw. als Geburtstagsgeschenk) ein "Vaterunser" als hübsche PowerPoint-Präsentation gestaltet, dann ist das zwar nett, aber es ist "Textverarbeitung" (oder "Buchstaben-Setzen").

Wenn ich die Merseburger Zaubersprüche abtippe und als PDF-Datei rendere, dann ist das ebensowenig ein "Gebet".

Bei vertauschten Rollen könnte das ganz anders sein...

 

Interessant ist (für mich) in diesem Zusammenhang noch die Frage, ob die Mönche im Mittelalter, die in Schreibstuben Psalmen übertragen haben, lesen konnten, oder ob sie die Buchstaben nur (verblüffend original und fehlerfrei) kopiert hatten: War diese Tätigkeit "Gebet"? Auch wenn sie vielleicht kein Wort von dem verstanden, was sie da abmalten?

A propos "malen": Ein (religiöses) Kunstwerk anfertigen: ist das "Gebet"?

Ok, wenn indische Kinder als Arbeitssklaven in Massenanfertigung Kruzifixe und Krippchenfiguren für die europäischen Weihnachtsmärkte schnitzen, dann vielleicht nicht...

 

Das Glaubensbekenntnis kann ein Gebet sein, je nach Situation...

Das haben die vorherigen Poster(innen) schon schön belegt.

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Ich denke, die Mönche verstanden das als Gebet oder arbeiteten in dieser Intention daran.

Diese Arbeit geschah doch zur Ehre Gottes.

Ob sie jetzt den gerade abgemalten Text verstanden, spielt dann eigentlich keine Rolle mehr.

Im selben Sinn gilt das dann auch für die Kunstwerke (und mE auch für andere Tätigkeiten.)

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Der Irrtum ist aber in beiden Fällen derselbe: Wir (Ich ja eh auch!) glauben alle, es sei eine Gottesbegegnung, wenn uns was in Gemütstiefe anrührt, so ähnlich, wie wir uns das immer vorgestellt haben. Oder wenn uns was gewaltig überfällt, sodass wir durch und durch erschüttert sind.

Und wenn uns Gott dann wirklich anrührt, bemerken wir's gar nicht.

In Gemütstiefe anrührt?

 

Mitnichten. Eher ein warmes Gefühl im Nacken, ein Hauch, der durch den Raum geht (und bei dem man manchmal denkt: "Och nö, Vatter, nit jetz"). Gottes Präsenz hat was von Sauerstoff.

 

Nicht nur.

Daher würde ich ausschließen, dass man nicht mitbekommen könnte, wenn Gott einen anrührt.

Er macht sich schon in der je notwendigen Weise bemerkbar.

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