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Geschrieben
vor 5 Stunden schrieb SteRo:

Die Demokratie sehe ich dann gefährdet, wenn es keinen Konsens bzgl. "Wahrheit" mehr gibt UND wenn im Innern der Menschen Eigenwohl immer vor Allgemeinwohl geht. Inwieweit gegen diese beiden disruptiven Bedingungen ein biblisches Menschbild notwendig ist, dazu habe ich spontan keine Einsicht und müsste etwaige Zusammenhänge erst noch detailliert erforschen kann mir aber durchaus vorstellen, dass ein biblisches Menschenbild zwar förderlich, aber eben nicht notwendig ist.

Zwischen den (und innerhalb der) christlichen Konfessionen gibt es sehr unterschiedliche Ansichten darüber, was denn dieses "biblische Menschenbild" sei. Welche davon möchte Bischof Oster wohl als gemeingültig anerkannt sehen und wie sehr wäre er bereit sein eigenes Menschenbild diesem neuen Konsens anzupassen, wenn es nicht mit dem römisch-katholischen übereinstimmt?

Ich stimme dir zu, dass der fehlende Konsens zumindest hinsichtlich objektiver Wahrheiten eine große Gefahr für die Demokratie darstellt. Das gilt besonders für wissenschaftlich feststellbare Wahrheiten. Westliche Demokratien sind gegenüber Akteuren, die nach dem Motto "flood the zone with shit" (was schon seit den 70er Jahren eine beliebte Methode von allerlei Lobbyisten ist und nicht erst von Trump erfunden wurde) agieren, aber relativ machtlos. 

Geschrieben
20 hours ago, SteRo said:

Gerne möchte ich ihm zustimmen


Ich würde erstmal etwas grundsätzliches einwenden:

Stefan Oster denkt in seiner Predigt über das christlichen Menschenbild nach, und er verordnet es eben nicht quq bischöflichem Lehramt. Seine persönliche Irritation wird so nachvollziehbar, aber eben ohne dass ich dem ohne weiteres inhaltlich zustimmen müsste. Das ist für mich ein gewaltiger Unterschied zu den katholischen „Haudegen“ alter Schule a la Dyba, Meisner, auf deren selbstgerecht-lehramtliches Schwadronieren ich gut verzichten konnte. Da wurde oft überhaupt noch nicht erkannt, dass die Zeit als „katholische Obrigkeit“ längst abgelaufen war.

Ein Mensch, der auch als Bischof überhaupt erstmal auf Augenhöhe in einen Dialog mit seinen Gläubigen eintritt, ist zumindest nicht aus der Zeit gefallen - und hat zumindest eine Chance, auch Andersdenkende zu erreichen. Was ich übrigens auch Papst Leo zugestehe, der auf mich bisher weniger autoritär und vor-den-Kopf-stoßend wirkt als sein Vorgänger.

 

Geschrieben
vor 2 Stunden schrieb Shubashi:


Ich würde erstmal etwas grundsätzliches einwenden:

Stefan Oster denkt in seiner Predigt über das christlichen Menschenbild nach, und er verordnet es eben nicht quq bischöflichem Lehramt. Seine persönliche Irritation wird so nachvollziehbar, aber eben ohne dass ich dem ohne weiteres inhaltlich zustimmen müsste. Das ist für mich ein gewaltiger Unterschied zu den katholischen „Haudegen“ alter Schule a la Dyba, Meisner, auf deren selbstgerecht-lehramtliches Schwadronieren ich gut verzichten konnte. Da wurde oft überhaupt noch nicht erkannt, dass die Zeit als „katholische Obrigkeit“ längst abgelaufen war.

Ein Mensch, der auch als Bischof überhaupt erstmal auf Augenhöhe in einen Dialog mit seinen Gläubigen eintritt, ist zumindest nicht aus der Zeit gefallen - und hat zumindest eine Chance, auch Andersdenkende zu erreichen. Was ich übrigens auch Papst Leo zugestehe, der auf mich bisher weniger autoritär und vor-den-Kopf-stoßend wirkt als sein Vorgänger.

 

 

Mir scheint du bekommst alles "in den falschen Hals".

Oster denkt nach und ich denke über seine Worte nach. So ist das doch unter Menschen, oder?

Wenn ich schreibe "Gerne möchte ich ihm zustimmen" dann nicht weil ich das Gefühl hätte ihm zustimmen zu müssen, sondern weil es mein Herz auch zum biblischen Menschenbild hinzieht.

Und was das Lehramt angeht, kein einziger Bischof hat die Kompetenz sich als Lehramt aufzuspielen. Aber jeder Bischof kann seine Meinung zu allem äußern. Nicht so das Lehramt, welches niemals eine Meinung äußern sollte, niemals!

 

 

Geschrieben (bearbeitet)
vor 23 Stunden schrieb SteRo:

Bischof Oster: Abkehr von biblischem Menschenbild gefährdet Demokratie

 

Der Passauer Bischof sieht in der fortschreitenden Entfernung der deutschen Gesellschaft vom biblischen Menschenbild eine Gefahr für die Demokratie. Andere Vorstellungen vom Menschen tendierten "beinahe automatisch dazu, dass das Auseinander und Gegeneinander der verschiedensten Interessen zunimmt", sagte Stefan Oster am Samstag bei der Feier des katholischen Festes Mariä Himmelfahrt in Altötting. Zugleich nehme damit der Ruf "nach der einfachen und schnellen Lösung durch eine starke Autorität an der Spitze" zu.

 

Gerne möchte ich ihm zustimmen, bin mir aber etwas unsicher, ob darin nicht eine schwarz-weiß-Malerei steckt wie sie auch Robert der Papst gerne anzuwenden pflegt.

Die Demokratie sehe ich dann gefährdet, wenn es keinen Konsens bzgl. "Wahrheit" mehr gibt UND wenn im Innern der Menschen Eigenwohl immer vor Allgemeinwohl geht. Inwieweit gegen diese beiden disruptiven Bedingungen ein biblisches Menschbild notwendig ist, dazu habe ich spontan keine Einsicht und müsste etwaige Zusammenhänge erst noch detailliert erforschen kann mir aber durchaus vorstellen, dass ein biblisches Menschenbild zwar förderlich, aber eben nicht notwendig ist.

 

Grundsätzlich kann man auch darüber nachdenken, ob bei dem Gedankengang Osters nicht eine Vermengung von Kategorien vorliegt. Warum? Weil "Demokratie" und "biblisches Menschenbild" ganz unterschiedlichen Realitäten angehören. Das eine bezieht sich auf Kreatürlich-Weltliches, das andere auf Göttlich-Überweltliches und hat erstmal nichts miteinander zu tun. Warum sollte Gott eine bestimmte politische Verfasstheit vor einer anderen bevorzugen? Gott will dass der Mensch Ihn über alles andere liebt und seinen Nächsten wie sich selbst und dass der Mensch heilig sei, weil Er selbst heilig ist. Wenn der Mensch Gottes Willen nachkommt, dann ist die politische Verfasstheit irrelevant. Und wenn der Mensch Gottes Willen nicht nachkommt, dann macht eine politische Verfasstheit den Widerwillen des Menschen auch nicht heil.

Bei Robert dem Papst ist es ähnlich (deswegen meine Assoziation bzgl. der schwarz-weiß-Malerei), der sagte schon sinngemäß: Wenn ihr glaubt, dann ist alles Friede Freude Eierkuchen, und wenn nicht, dann ist alles schwarz und schlimm. Aber dabei handelt es sich auch um eine Vermengung von Realitäten: Jeder Mensch will Friede Freude Eierkuchen in seinem Leben, aber der Glaube ist nicht dazu da, diesen Wunsch zu erfüllen, weil der Glaube zu etwas ganz anderem hingeordnet ist.

 

Mit dieser schwarz-weiß-Malerei tut sich die Kirche selbst keinen Gefallen und macht sich unglaubwürdig. Warum? Weil jeder Mensch sehen kann, dass ein erfülltes glückliches Leben nicht notwendigerweise mit Gläubigkeit zusammenhängt.

Was die Kirche also herausarbeiten muss, ist ihr Alleinstellungsmerkmal, das was nur der rechte Glaube zu bieten hat. Erst auf dieser Grundlage ist es dann auch möglich, nicht nur immer innerhalb der eigenen Blase von Evangelisierung/Mission zu reden, sondern tatsächlich auch über die eigene Blase hinaus zu wirken.

 

 

bearbeitet von SteRo

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