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Glaubt ihr an die Auferstehung?


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Geschrieben
vor 49 Minuten schrieb Chrysologus:

Dabei taugt Paulus nicht als Beleg für eine revitalisierte Leiche Jesu, das andere des Auferstehungsgleibes betont er so klar und deutlich, dass selbst ein sicheres Auffinden einer Leiche Jesu am paulinischen Glauben nichts ändern würde.

Und ich vermute(!), daß genau das der Widerspruch zu Petrus gewesen sein müsste. Das was Paulus vom Auferstehungsleib beschreibt hat mit dem jüdischen Glauben an die Auferstehung der Gerechten in das Reich Gottes auf Erden beim Eintreffen des HERRN (ob nun Gott, der Menschensohn, Christus, wessen auch immer) nicht mehr viel zu tun. Die Evangelien dagegen berichten vom leeren Grab, was zur klassischen Apokalyptik zwar besser passen würde, aber mit Hinblick auf das Kommen des Gottesreiches andere Probleme aufwirft.

 

Paulus als Mystiker (es gibt von Justin Sledge u.a. einen Podcast über Paulus als ersten dokumentierten Merkavah-Mystiker, wobei ich zugeben muss, ich habe zu der ganzen Mystik keinen Zugang, der mir erlauben würde, zu verstehen oder gar zu glauben) stellt sich anders dar als die sehr diesseitigen Beschreibungen über Jesus und die Apostel. Sledge nennt als einzige "mystische" Erfahrung Jesus den Höllensturz, aber da würde ich auch nochmal mehrere Fragezeichen setzen, da der VOR der Menschwerdung passiert sein soll. Die einzige andere vorösterliche mystische Szene, die mir noch einfällt ist die Verklärung auf dem Tabor.

 

vor einer Stunde schrieb Chrysologus:

Das Hebräische Wort für Wahrheit אמת (gesprochen vermutlich Emet) gerade im Zusammenhang mit Gott mein weniger ein richtig im griechisch-dualistischen Sinne von richtig als Gegensatz von falsch, es drückt ein breites Begriffsfeld aus von Zuverlässigkeit, Treue, Beständigkeit und Integrität. Die Wahrheit Gottes ist dann keine allmächtiger Rechthaberei, sondern dass Gott unbedingt zu seinem Wort und zu seinen Zusagen steht. In diesem Sinne erkennt Paulus in der Auferweckung des Gekreuzigten die Treue und Beständigkeit Gottes zu diesem (und in ihm zu allen) Menschen. Und das verkündet er: Gott ist treu, beständig, zuverlässig - und man darf der Heilszusage Gottes trauen, weil er diese seine Zuverlässigkeit bewiesen hat.

Da kommt man als "Konsument" dann aber auch wieder in Teufels Küche. Ich finde den Begriff "pistis" im Sinne des "Bundes auf Vertrauen", der sich mit der hebr. "Emuna" wohl weitgehend deckt, ein wundervolles Konzept. Wer die Bibel liest findet diese Feinheiten aber kaum reflektiert, so daß man beim Lesen der deutschen Übersetzung überhaupt nicht dahin kommt

 

vor einer Stunde schrieb Chrysologus:

Am historischen Jesus hat Paulus überhaupt erstaunlich wenig Interesse, er taucht in den paulinischen Briefen nur am Rande auf als der, der gestorben ist für unsere Sünden und begraben wurde (1Kor 15, 3b) und als Begründer des Herrenmahls (vor allem 1Kor 11, 23-25).

Bist Du sicher, daß das Herrenmahl bei Paulus auf Jesus zurückgeht? Ich hatte immer den Eindruck, auch das würde auf einer Offenbarung des Christus an Paulus beruhen.

 

vor einer Stunde schrieb Chrysologus:

Das Phänomen fehlenden Interesses an Jesus finden wir im übrigen auch in der Apg. Die Jünger scheinen Jesus Christus als den Auferstandenen und Lebenden verkündet zu haben, aber etwa in der Frage der Speisegebote argumentieren sie erstaunlicherweise nicht mit einem WWJD, sondern mit Schriftzitaten und eigener Geisterfahrung.

Das finde ich gar nicht so seltsam, wenn man davon ausgeht, daß die Jünger auch nachösterlich in ihrem jüdischen Kontext lebten. Jesus hat nichts gelehrt, was außerhalb der jüdischen "Normalität" gelegen hätte. Er hatte seine eigene Auslegung der Torah, aber es gibt inhaltlich nichts wirklich Neues. Ich hab die Apg jetzt nicht auswendig um sagen zu können, was die Jünger dort von Jesu Ethik im weitesten Sinne verkünden, gefühlt würde ich sagen gar nichts. Zu den Speisegeboten gab es - zumindest nach dem Befund der Evangelien - anscheinend keine eigene Tradition. Die logische Reaktion war "ad fontes" zu gehen, d.h. in die Schrift(en). Der Traum Petri hat für mich ein bisschen was von anti-paulinischer Satire, nach dem Motto "der ist nicht der einzige, der hier Visionen hat".

Geschrieben
vor 4 Minuten schrieb Flo77:

Und ich vermute(!), daß genau das der Widerspruch zu Petrus gewesen sein müsste. Das was Paulus vom Auferstehungsleib beschreibt hat mit dem jüdischen Glauben an die Auferstehung der Gerechten in das Reich Gottes auf Erden beim Eintreffen des HERRN (ob nun Gott, der Menschensohn, Christus, wessen auch immer) nicht mehr viel zu tun

Ich weiß nichts von einem Konflikt zwischen Petrus und Paulus um die Auferstehung - ich vermute hier eher einen Konflikt zwischen dem selbsternannten und recht selbstbewußten Apostel auf der einen und dem traditionsverhafteteren Petrus auf der anderen Seite. Aber das ist letztlich nicht auflöbar, weil die uns zur Verfügung stehenden Quellen zu gefärbt sind  und zu wenig zu dieser Frage sagen. 

Man war sich eing, dass der Gekreuzigtre lebt und dass man seine Botschaft verkünden solle - und das meiste andere war offen und schien nicht relevant zu sein.

vor 8 Minuten schrieb Flo77:

Paulus als Mystiker

Wenn ich Mystik nicht verstehe als weihrauchumwaberte Kerzenromantik (wir wissen beide, dass es das nicht ist), sondern als ein Leben aus persönlichen Gotteserfahrungen heraus, dann kann man Paulus als Mystiker beschreiben.

vor 10 Minuten schrieb Flo77:

Da kommt man als "Konsument" dann aber auch wieder in Teufels Küche. Ich finde den Begriff "pistis" im Sinne des "Bundes auf Vertrauen", der sich mit der hebr. "Emuna" wohl weitgehend deckt, ein wundervolles Konzept. Wer die Bibel liest findet diese Feinheiten aber kaum reflektiert, so daß man beim Lesen der deutschen Übersetzung überhaupt nicht dahin kommt

Das Deutsche ist gerade bei den Themen Wahrheit und Vertrauen extrem von der griechischen Philosophie geprägt und denbkt so in ganz anderen Bahnen als das Hebräische - das darüber hinaus einen kleineren Wortschatz hat und so mehr Bedeutungen in ein Wort fassen muss.

vor 11 Minuten schrieb Flo77:

Bist Du sicher, daß das Herrenmahl bei Paulus auf Jesus zurückgeht? Ich hatte immer den Eindruck, auch das würde auf einer Offenbarung des Christus an Paulus beruhen.

Ich bin kein Neutestamentler, aber nach meiner Erinnerung deutet man den Einleitesatz "Ich habe vom Herrn empfangen, was ich an euch weiter gegeben habe" als Beleg dafür, dass Paulus dieses Herrenmahl schon vorgefunden hat als Traditionsbestand. Das wäre dann kurz nach der Kreuzigung, weniger als 10 Jahre nach der Auferstehung. Aber man kann den Satz auch in deinem Sinne lesen - aber da das Herrenmahl auch in nichtpaulinischen Traditionen eine Rolle spielt, glaube ich das eher nicht.

 

vor 15 Minuten schrieb Flo77:

Zu den Speisegeboten gab es - zumindest nach dem Befund der Evangelien - anscheinend keine eigene Tradition. Die logische Reaktion war "ad fontes" zu gehen, d.h. in die Schrift(en).

Man hätte auch mit den Ähren am Sabbat argumentieren können, mit dem Umgang Jesus mit Randständigen und Sündern - aber soweit wir das sehen könne, tat man genau das nicht.

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