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Gibts einen Zusammenhang zwischen Ökumene und Verhütung?


Falk
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Das Lehramt der katholischen Kirche äußert sich - wie es heißt - zu Fragen des Glaubens und der Sitten;

das ist sozusagen sein Fachgebiet.

 

Wenn ich das richtig verstehe, ist z.B. die Frage, ob man künstlich verhüten darf oder nicht, eine Frage der Moral oder der Sitten.

Unser Papst hält in dieser und anderen Fragen der Moral unbeirrt am Kurs seiner Vorgänger fest.

Papst Paul VI. hat sich zum Thema Empfängnisverhütung beispielsweise in der eigens verfassten Enzyklika "Humanae vitae" geäußert und was er darin vor ca. 40 Jahren schrieb, gilt noch heute.

 

Die Frage nach der Ökumene ist nun eine Frage des Glaubens, denn je nachdem wie man sie beantwortet, ist das Kirchenbild, also ein wesentlicher Inhalt des Glaubensbekenntnisses, davon betroffen.

Unser Papst hält in dieser Frage des Glaubens jedoch nicht am Kurs seiner Vorgänger fest.

Papst Pius XI. hat sich zum Thema Ökumene beispielsweise in der eigens verfassten Enzyklika "Mortalium animos" geäußert und was er darin vor ca. 70 Jahren schrieb, gilt heute nicht mehr.

 

Daraus müsste man eigentlich schlussfolgern,

Fragen der Sitten bzw. der Moral seien wichtiger als Fragen des Glaubens, denn bei ersteren gibt es keine Veränderungen, wohl aber bei den letzten.

 

 

Wenn ich nun jedoch in der Bibel "Das Gespräch am Jakobsbrunnen" (Joh 4) lese, so scheint Jesus die Prioritäten genau umgekehrt gesetzt zu haben.

 

 

Zur Frage der Sitten, nämlich dass die Frau mit ihrem jetzigen Mann in "wilder Ehe" lebt, sagt Jesus nur:

 

"Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.

Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.

Damit hast du die Wahrheit gesagt." (V. 18)

 

Und das war dann auch schon alles, keine Bewertung dieser Form des Zusammenlebens, keine Aufforderung, etwas an diesem Zustand zu ändern - nichts dergleichen.

 

 

Zur Frage des Glaubens, nämlich nach der richtigen Form der Anbetung Gottes äußert sich Jesus nicht so neutral, sondern für heutige Begriffe ganz und gar unökumenisch:

 

"Ihr betet an, was ihr nicht kennt,

wir beten an, was wir kennen;

denn das Heil kommt von den Juden." (V. 22)

 

Da kommt doch jetzt eine wesentlich deutlichere  Wertung, ja fast schon ein gewisses Exklusivdenken  rüber.

 

 

Also wer setzt die Prioritäten zwischen Fragen des Glaubens und Fragen der Sitten richtiger,

der Papst oder Jesus?

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Zitat von Falk am 14:12 - 14.Mai.2001

 

Zur Frage des Glaubens, nämlich nach der richtigen Form der Anbetung Gottes äußert sich Jesus nicht so neutral, sondern für heutige Begriffe ganz und gar unökumenisch:

 

"Ihr betet an, was ihr nicht kennt,

wir beten an, was wir kennen;

denn das Heil kommt von den Juden." (V. 22)


 

Er ist hier gar nicht "unökumenisch". Schon allein die Tatsache, dass Jesus die Frau um Wasser bittet (.7ff) zeigt seine Haltung. Ein strenger Jude hätte damals nie von einem "abtrünnigen" Samariten Wasser erbeten.

Leider hast du auch den Text nicht ganz zitiert. In den Versen vor und nach .22 steht nämlich:

"Die Frau sagte zu ihm (...): Unsere Väter haben auf diesem Berg (Garizim) Gott angebetet. Ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. (.22) Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten."

 

So wie ich das lese, sprich Jesus sich hier (in den Rahmenversen) gegen das Geplänkel Garizim oder Jerusalem, Jerusalem oder Garizim, also gegen die Gegnerschaft zwischen Juden und Samaritern aus.

In .22 betont er aber, das Heil käme von den Juden. Mit diesem Widerspruch kann ich im Moment wenig anfangen, vielleicht meint Jesus aber sich selbst mit dem "Heil" - er war ja schließlich Jude.

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Lieber Falk,

 

im Moment verstehe ich nicht ganz, auf was Du hinauswillst. Daß die Verlautbarung eines Papstes heute noch "gilt", die Verlautbarung eines anderen "nicht gilt", leitest Du offenbar davon ab, daß das "gilt", was der aktuelle Papst zu der entsprechenden Thematik heute hält. Dann wunderst Du Dich darüber, daß hier eine Widersprüchlichkeit auftritt, die jedoch ganz einfach dadurch zu erklären ist, daß verschiedene Päpste oft eben auch verschiedene Meinungen zu einer bestimmten Thematik haben.

 

Daß das Heil von den Juden kommt, da bin ich mit Explorer einer Meinung, hat nichts mit Ökumene zu tun, sondern damit, daß Jesus Jude war.

 

viele Grüße

 

Olli

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Hallo Olli, hallo Explorer,

 

vielleicht ist mein Beispiel doch nicht so gut rübergekommen, wie ich dachte.

 

Also der heutige Papst hält, was die Moralfragen betrifft, unbeirrt an der Überlieferung fest, die bereits seine Vorgänger vertraten.

Als Beispiel dafür sollte die Frage der Empfängnisverhütung gelten, zu der es eine von Paul VI. verfasste Enzyklika gibt, die das Thema ausführlich behandelt und den katholischen Standpunkt auch theologisch begründet.

 

Man könnte doch nun ohne weiteres sagen, dass diese Aussagen nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind.

(ich berücksichtige mal nicht, dass sich viele sowieso nicht daran halten.)

Der Papst meint jedoch, dieser Standpunkt könne nicht geändert werden - und deshalb gilt er noch heute als offizielle Lehre der katholischen Kirche.

 

In einer anderen Angelegenheit, die keine Moralfrage sondern eine Glaubensfrage ist, hält der Papst nicht an der Überlieferung fest, die seine Vorgänger vertraten.

Als Beispiel dafür habe ich die Ökumene genannt (ich könnte auch die Religionsfreiheit nehmen).

Papst Pius XI. hatte sich mit dem Thema Ökumene ausführlich in seiner Enzyklika "Mortalium animos" auseinandergesetzt und den katholischen Standpunkt, dass man sich daran nicht beteiligen könne, theologisch begründet.

 

Wir sagen heute, dass der Inhalt seiner Enzyklika inzwischen nicht mehr zeitgemäß ist.

Der Papst selber zeigt durch seine Verlautbarungen und Verhaltensweisen, dass er meint, den damaligen Standpunkt ändern zu können, und auch das gilt heute offiziell als Lehre der katholischen Kirche.

 

Ich schlussfolgere daraus:

Bei Moralfragen gibt es keine Veränderungen in der Lehre, keine Kompromisse.

Bei Glaubensfragen hingegen gibt es Veränderungen und Kompromisse.

 

Nun wollte ich fragen, ob denn Glaubensfragen wirklich weniger bedeutend sind als Moralfragen, so dass man bei den einen zeitgemäße Veränderungen machen kann, bei den anderen jedoch nicht.

 

Am Beispiel des Gespräches am Jakobsbrunnen wollte ich nun verdeutlichen, dass ich den Eindruck habe, Jesus hätte die Gewichtungen genau andersherum gesetzt.

Er macht eher Kompromisse bei Moralfragen als bei  Glaubensfragen.

 

Im Hintergrund steht bei mir natürlich die Frage, welche Inhalte des katholischen Glaubens veränderlich sind und welche nicht.

 

Gruß

Falk

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Du weißt doch, daß nur die Dogmen veränderlich sind.

In allen anderen Fragen entscheidet der papst letztistanzlich, um den Frieden innerhalb der Religionsgemeinschaft zu wahren, kann aber genau wie jeder einzelne Gläubige auch, bei besserem Wissen davon abweichen.

Die Unfehlbarkeit erstreckt sich meines wissens übrigens nicht auf Fragen der Moral.

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Hallo Steffen,

 

>>Die Unfehlbarkeit erstreckt sich meines wissens übrigens nicht auf Fragen der Moral.<< (Steffen)

 

Die entsprechende Passage des vom 1. Vatikanischen Konzils definierten Unfehlbarkeitsdogmas lautet:

 

"Wenn der römische Bischof in ... höchster, apostolischer Amtsgewalt endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben  o d e r    S i t t e n   sei von der ganzen Kirche festzuhalten, so besitzt er ... Unfehlbarkeit ..."

 

Interessant wäre nun, ob Fragen der Sitten etwas anderes als Moralfragen sind.

 

Gruß

Falk

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Wann hat denn der Papst das letzte Mal ex cathedra in Fragen der Moral gesprochen, und nicht in einer Enzyklika?

Ich glaube, daß er das noch nie getan hat, oder?

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Das klärt nicht meine eigentliche Frage.

 

Und auch wenn über Fragen der Sitte noch nichts ex cathedra verkündet wurde - theoretisch erstreckt sich die Unfehlbarkeit, wie das Konzilszitat zeigt, eben doch auf diese Fragen.

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Zitat von Steffen am 19:11 - 14.Mai.2001

.......,kann aber genau wie jeder einzelne Gläubige auch, bei besserem Wissen davon abweichen.


 

Lieber Steffen,

 

wie ich erkenne, haben die Katholiken mit den A&A´s doch die alles entscheidende Gemeinsamkeit.

 

Jeder macht was er will.

 

Worüber streiten dann  die Katholiken und die A&A´s eigentlich?

 

Fragende Grüße

 

Pedrino

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Lieber Pedrino,

 

ich freue mich halt, wenn ich mit Dir streiten kann.

Wäre doch anders irgendwie langweilig, oder findest Du nicht?;)

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Lieber Falk,

 

ich verstehe nicht so ganz, wo für Dich das Problem liegt.

In beiden Fällen handelt es sich um Enzykliken.

In einem Fall ist der Papst später davon abgewichen, im anderen nicht.

Willst Du den Papst vielleicht dazu verpflichten , regelmäßig in allem vom Alten abzuweichen?

Wäre wohl ein ziemlicher Streß.

Reicht es dir nicht in diesem einen Fall?

 

Außerdem ist es wesentlich einfacher zu erkennen, was menschlich richtig ist, als das, was in Glaubensfragen richtig ist.

Mit Menschen haben wir schließlich mehr Kontakt.

Daher ist es unwahrscheinlicher, daß man hier später mal von der löehre abweicht, da hier die Wahrscheinlichkeit ziemich groß ist, schon gleich den Volltreffer erzielt zu haben.

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Was mich schon die ganze Zeit interessiert:

Warum eigentlich Dein praktisch ausschließliches Interesse für die Ökumene und Fragen des Lehramtes?

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Zitat von Steffen am 19:38 - 14.Mai.2001

ich freue mich halt, wenn ich mit Dir streiten kann.

Wäre doch anders irgendwie langweilig, oder findest Du nicht?
;)

 

Lieber Steffen,

 

du hast völlig recht, schließlich "liegen" wir ja alle trotz mancher Meinungsverschiedenheiten nicht weit auseinander (jeder macht was er will).

 

Gruß Pedrino

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>>Was mich schon die ganze Zeit interessiert:

Warum eigentlich Dein praktisch ausschließliches Interesse für die Ökumene und Fragen des

Lehramtes? << (Steffen)

 

Ich habe gar nicht soviel Zeit, um mich für alle Themen zu interessieren, die hier besprochen werden.

 

Außerdem sehe ich diese beiden Themen als besonders wesentlich für meinen Glauben an.

 

Das Thema Ökumene interessiert mich vor allem deshalb, weil es die Überzeugung berührt, dass "jene Menschen nicht gerettet  werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen." (LG 14)

 

Das Thema Lehramt interessiert mich vor allem deshalb, weil "die Apostel Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen ihr eigenes Lehramt überliefert" haben, "damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde" (DV 7). "Wer sie (die Bischöfe) hört, hört Christus ..." (LG 20).

 

Ich finde, das sind gute Gründe, sich ganz besonders für die Fragen der Kirche und ihres Lehramtes zu interessieren.

 

Gruß

Falk

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Lieber Falk,

 

bitte entschuldige meine dumme Frage, aber wofür stehen die Abkürzungen LG und DV?

 

viele Grüße

 

Olli

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Hallo Olli,

 

die Abkürzungen DV und LG stehen für die Dokumente des 2. Vatikanischen Konzils

"Dei Verbum"

(Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung)

und

"Lumen gentium"

(Dogmatische Konstitution über die Kirche).

 

Falk

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Die Enzyklika "Humanae vita", die Papst Paul VI. verkündet hat, ist im wesentlichen auf Betreiben des heutigen Papstes so zu Stande gekommen, wie sie zustande gekommen ist. Es gab eine Kommission, in der Laien und Bischöfe saßen, die sollten klären, wie das mit der Verhütung aussieht. Die Kommission hat mehrheitlich entschieden, daß Verhütung erlaubt sei, der Papst hat sich dennoch anders geäußert. Der damalige Erzbischof von Krakau, Karol Kardinal Wojtyla fehlte bei der entscheidenden Abstimmung, hat aber hinterher beim Papst interveniert...

 

Zur Frage des Dogmas: Was als Dogma verkündet wurde, ist unfehlbar und ist eine Glaubenswahrheit und nur das. Wer nicht glaubt, was ein Dogma sagt, steht außerhalb der Kirche... EIne Ezyklika ist weder ex cathedra gesprochen, noch ist sie ein Dogma oder unfehlbar.

 

Liebe Grüße

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Lieber Falk,

 

pardon, ich habe den Eindruck, daß Du Dich an der Ökumene irgendwie verschluckt hast..

 

Wir haben ja vorige Woche schon darüber diskutiert, ob die alte Enzyklika nicht mehr gilt. Mein Punkt war dabei, daß die heutige Sichtweise eher eine Weiterentwicklung der alten darstellt, indem man die Zielrichtung der Ökumene nicht auf eine Rückkehr der abgespaltenen Kirche zur r.K. Kirche zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt hin, sondern auf ein Zusammentreffen der Konfessionen auf ihrem Weg zu ihrem gemeinsamen Ziel, Christus, hin definiert.

 

Ich frage mich, was Du eigentlich für einen Ökumene-Begriff hast. Denn ich lese aus Deinen Postings die Sorge heraus, für die Ökumene müsse man etwas aufgeben und Glaubensinhalte ändern. Kein Papst, Ratzinger oder Kasper vertritt aber diese Meinung. Sie alle verstehen Ökumene als Prozess, der im weitergehenden Verständnis der göttlichen Offenbarung auf Christus hin zur Einheit führt. Da diese Offenbarung nicht geändert, sondern nur tiefer verstanden werden kann, sehe ich wirlich keinen Grund zu der Annahme, es müsse etwas aufgegeben werden.

 

Lieben Gruß

 

Thomas

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Hallo Stefan,

 

ganz so unbedeutend, wie Du es hier darstellst sind die Enzykliken der Päpste ja nach katholischem Glauben nun auch wieder nicht.

Schließlich fordert das 2. Vatikanische Konzil von den Gläubigen, dass sie dem "authentischen Lehramt des Bischofs von Rom, auch wenn er   n i c h t   kraft höchster Lehrautorität spricht, religiösen Gehorsam des Willens und Verstandes zu leisten" hätten. (LG 25)

 

Gruß

Falk

 

 

 

 

 

 

 

Hallo Thomas,

 

ich halte die in Mt 16, 18 (so wie es in "Dominus Iesus" oder auch in "Ut unum sint" bestätigt wird) für eine Verheißung Christi, auf deren Erfüllung man sich (in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) verlassen kann.

 

Der "Katechismus der Bistümer Deutschlands" von 1956 schlussfolgert daraus:

 

"Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet ...

Darum gibt es nur eine wahre Kirche.

Die wahre Kirche kann man an bestimmten Eigenschaften erkennen ...

Sie muss einig ... heilig ... katholisch ... (und) apostolisch ein. ....

 

Nur die römisch-katholische Kirche hat diese vier Kennzeichen ...

ihr Oberhaupt ist der Nachfolger des heiligen Petrus; das zeigt am klarsten, dass sie die wahre Kirche Christi ist.

 

Die anderen christlichen Glaubensgemeinschaften haben diese vier Kennzeichen nicht. ...

 

Deshalb kann keine von ihnen die wahre Kirche sein." (Nr. 58)

 

Wenn das aber so ist, und wenn zusätzlich noch gilt, dass "jene Menschen nicht gerettet  werden könnten, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten" (LG 14), dann ist doch jede Ökumene, die nicht zur Rückkehr in die katholische Kirche auffordert Augenwischerei.

 

Entweder sollen die anderen Christen absichtlich in der Unwissenheit gehalten werden, die es ihnen ja dann ermöglichen würde, auch ohne Eintritt in die katholische Kirche gerettet zu werden,

oder man will sie absichtlich fernhalten von der "ganzen Fülle der Heilsmittel", die man ja ebenfalls nur durch Eintritt in die katholische Kirche erlangen könnte. (UR 3)

 

Von einer echten Weiterentwicklung des alten Standpunktes kann also bei der heute üblich gewordenen Ablehnung der Rückkehr-Ökumene nicht handeln, höchstens von einer Verschleierung der katholischen Lehre.

 

Viele grüße

Falk

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Zitat von Falk am 13:02 - 15.Mai.2001

"Christus hat nur eine einzige Kirche gegründet ...


 

Lieber Falk,

 

wie hinreichend bekannt ist, weiß man über den historischen Jesus im Grunde genommen nichts (ich weiß, ich wiederhole mich). Dementsprechend weiß man auch nicht, was dieser Jesus irgendwann und irgendwo gesagt haben soll.

 

Das Verständnis von Kirche, dass sich erst im Laufe der Jahrhunderten bei den "Christen" entwickelt hat, war vor 2000 Jahren unbekannt.

 

Für die Existenzberechtigung deiner Kirche mußt du dir schon bessere Begründungen einfallen lassen.

 

Gruß Pedrino

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Lieber Falk, das ist genau, was ich mit verschlucken gemeint habe. Das Zitat aus LG ist in unserem Zusammenhang überhaupt nicht relevant - denn um die r.k. und ihre Heilsnotwendighkeit "wissen" würde bedeuten, daß man diese anerkennt und gegen diese Überzeugung nicht in dieser Kirche ist. Das ist bei den anderen Konfessionen und Religionen ja gerade nicht der Fall - sie "wissen" nicht um die Heilsnotwendigkeit der r.k. Kirche, sonst würden sie diese ja nicht bestreiten. Der subjektive Gewissensentscheid ist ein Recht jedes Menschen, das ihm nicht zum Nachteil gereicht, selbst wenn er objektiv irrt - das hat schon Thomas von Aquin dezidiert dargelegt.

 

Dominus Iesus betont ja gerade den Chrakter der r.k. Kirche als der wahren Kirche - wo zum Kuckuck ist hier eine grundlegende Änderung. Wenn wir auf andere Konfessionen blicken, betonen wir allerdings weniger den "Abweg", als vielmehr die Wahrheit, an der diese Konfessionen durch ihr Bekenntnis zu Christus als der einzigen vollkommenen Wahrheit notwenigerweise teilhaben. Das ist auch richtig, denn Christus leuchtet in jedem, der an Ihn glaubt und daraus zu leben sucht. Dabei hilft uns die Erkenntnis, daß die real existierende r.k. Kirche selbst nicht vollkommen, sondern als pilgernde Kirche unterwegs ist zur Vollkommenheit, die sich endgältig in Christus ereignet. Die "Rückkehr" zu dieser Kirche ist somit kein Weg in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft, in der Christus als gemeinsames Ziel aller christlichen Bekenntnisse die Einheit seiner Kirche vollendet.

 

Der Ekklesiologische Ansatz der Ökumene wurde also zu einem christologischen weiterentwickelt - das ist KEIN Widerspruch, weil jede Ekklesiologie sich notwendigerweise auf Christus hin entwirft, der seine Kirche, die in der r.k. Kiche wesenhaft ist (substitit in), gestiftet hat und im Lauf der Geschichte zur Vollendung führt. Ökumene kann darum in ihrer Gesamtheit kein Weg zurück sein, zu dem Menschen aus sich heraus aufberechen, sondern ein Entwurf nach vorn auf Christus hin, der die Einheit durch seinen Geist in der Vollendung seiner Kirche schenkt. Alles andere wäre gutgemeintes, aber notwendigerweise mit Fehlern und Irrtümern behaftetes Menschenwerk. Kirche ist aber Gotteswerk!

 

Liebe Grüße

 

Thomas

 

(Geändert von ThomasBloemer um 13:38 - 15.Mai.2001)

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Lieber Thomas,

 

nur noch eine paar kurze Überlegungen zu dem, was Du schreibst:

 

Papst Pius XII. schreibt in seiner Enzyklika "Mystici Corporis Christi":

 

".... die nicht zur sichtbaren Gemeinschaft der katholischen Kirche gehören, ...

laden Wir mit liebendem Herzen ein, ...

sich aus einer Lage zu befreien, in der sie des eigenen ewigen Heiles nicht sicher sein können...

 

....entbehren sie doch so vieler göttlicher Gaben und Hilfen, deren man sich nur in der katholischen Kirche erfreuen kann.

 

Möchten sie also eintreten in den Kreis der katholischen Einheit...

 

Doch wenn es auch Unser Wunsch ist, es möchten unaufhörlich die Gemeinschaftsgebete des ganzen Mystischen Leibes um möglichst baldigen Eintritt aller Irrenden in die eine Hürde Jesu Christi zu Gott emporsteigen, so müssen wir doch betonen, dass solch ein Schritt aus freiem Willensentschluss geschehen muss, da niemand glauben kann, der es nicht freiwillig tut. ... "

 

Warum werden solche Einladungen heute nicht mehr ausgesprochen?

 

(oder habe ich sie in "Ut unum sint" bzw. "Dominus Iesus" etwa übersehen?)

 

 

Und ist

 

"Eintritt in den Kreis der katholischen Einheit",

 

wie Pius XII. noch sagte,

nicht etwas ganz anderes als

 

"Wiederherstellung der Einheit"

 

wie Johannes Paul II. sagt?

 

 

Leugnet letztere Formulierung nicht faktisch genau das, was in "Dominus Iesus" (IV., 16) wie folgt bezeugt wird:

 

"Die Verheißungen des Herrn ... beinhalten ..., dass die Einzigkeit und Einheit der Kirche ... niemals zerstört werden."

 

Nur eine zerstörte Einheit muss man wiederherstellen.

 

Eintreten jedoch kann man nur in eine unzerstörte Einheit.

 

 

(Und vielleicht verstehst Du nun doch, dass mir Äußerungen, die so missverständlich sind, dass sie den Schluss nahelegen, "Verheißungen des Herrn" hätten sich nicht erfüllt, schwer im Magen liegen -

vor allem wenn sie vom Nachfolger Petri oder den anderen Bischöfen stammen.)

 

Gruß

Falk

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Lieber Falk,

 

ganz kurz, ich habs eilig:

 

>>Und ist"Eintritt in den Kreis der katholischen Einheit",

wie Pius XII. noch sagte, nicht etwas ganz anderes als

"Wiederherstellung der Einheit"  wie Johannes Paul II. sagt?”

 

Diese Frage wage ich ohne Kenntnis der Originaltexte nicht zu beantworten. Unabhängig davon, daß JP II vermutlich ein dynamischeres Verständnis von Kirche hat als Pius.

 

Ich sehe immer noch nicht, wo sich Verheißungen Christi nicht erfüllt haben. Du beziehst Dich doch, wenn ich recht verstehe, auf die Aussage: ”und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden."

 

Das braucht doch nicht zu heißen, daß diese Kirche ihren Weg durch die Geschichte nach dem Motto ”Friede, Freude, Eierkuchen” beschreitet. Will sagen: Christus hat sich für Dein Heil bekanntlich ans Kreuz schlagen lassen und Dir die Gewißheit gegeben, daß es mit Dir ein gutes Ende nimmt. Das heißt aber nicht, daß Du nicht zwischendurch mal Schnupfen kriegst oder mit einer Angina das Bett hüten mußt.

 

Morgen gerne mehr!

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Hallo Thomas,

 

dann schon mal kurz eine Überlegung für morgen:

 

>>Du beziehst Dich doch, wenn ich recht verstehe, auf die Aussage: ”und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden."

 

Das braucht doch nicht zu heißen, daß diese Kirche ihren Weg durch die Geschichte nach dem Motto ”Friede, Freude, Eierkuchen” beschreitet. <<

 

Genau auf diese Aussage beziehe ich mich und es ist auch völlig klar, dass sich die Kirche dieser Aussage folgend ständig im Kampf mit den Pforten der Hölle befindet.

 

Ich verstehe dies nun so, dass die Kirche - vielleicht ähnlich wie bei einem Ring- oder Boxkampf - gelegentlich schon mal unten liegen bzw. einige Blessuren davontragen kann, nicht aber, dass ihr z.B. ein Arm oder Bein abgerissen wird.

 

Ökumene als "Wiederherstellung der Einheit"  verstanden, würde aber genau davon ausgehen, denn die einzelnen abgerissenen Körperteile (des Leibes Christi) sollen nun wieder zusammengeflickt werden, zumal die katholische Kirche ja durch das angebliche Fehlen dieser "Körperteile" daran gehindert ist, "ihre Universalität in der Geschichte zu verwirklichen". (DI, IV., 17)

 

(Pius XI. in "Mortalium animos":

"...so wäre es unsinnig und töricht, wenn jemand meinen würde, der Mystische Leib könne aus getrennten und zerstreuten Gliedern bestehen...

...Die Söhne haben leider das Vaterhaus verlassen, das allerdings deswegen nicht zerstückelt wurde ...)

 

Viele Grüße

Falk

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Könntest Du mir erläutern, worin hier die Bedeutung für Deinen Glauben liegt, so stark, daß Dich dieses Problem anscheinend ernsthaft bedrängt?

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