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Sterbehilfe


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Hallo Harry,

 

 

erstmal schön, daß Du wieder da bist!

 

>Ich bin seit drei Wochen Vater einer wirklich süßen Tochter und hatte deswegen keine Zeit für das Forum. (danke im Voraus für alle Glückwünsche !)<

 

Bitte, gerne.  Ich hatte mir schon gedacht, was Dich in letzter so vom Posten abhält ....

 

Zum Thema:

 

 

>Bei allen gesetzlichen Regelungen muß man Schaden und Nutzen abwägen. In diesem Fall ist der mögliche Schaden größer, denn es gibt nur sehr wenige, die gerne sterben möchten und nicht in der Lage sind, Selbstmord zu begehen !<

 

Ich finde dieses Dein  Argument gegen Sterbehilfe zwar das EINZIGE, das man theoretisch gelten lassen kann, bin aber trotzdem anderer Meinung.  Das Durchsetzen eines JEDEN Menschenrechts (oder Rechts überhaupt) bietet die immanente Möglichkeit zum Mißbrauch. Ich sehe das Problem auch, daß ein Mißbrauch des Lebensbeendigungsrechts die fatalsten Folgen überhaupt mit sich bringen würde (einer der Gründe warum ich auch die Todesstrafe ablehne), sehe aber die Herausforderung darin, die Mißbrauchsmöglichkeiten aufs absolute Minimum zu beschränken.  

 

 

>Ich kann nicht befürworten, daß für diese sehr geringe Anzahl an Personen, eine Erlaubnis (egal für wen) erteilt wird zum Töten.<

 

Die Anzahl der betroffenen Personen ist allerdings größer als Du denkst! Ich gehe davon aus, daß Du (so wie ich Dich bisher kennengelernt habe) das Recht eines Menschen, sein Leben zu beenden wenn er es für nicht weiter lebenswert empfindet, grundsätzlich bejahst.  Dein Einwand ist, daß fast jeder wohl auch noch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium (im Falle eines anderen Lebensbeendigungsgrundes ja wohl sowieso) noch in der Lage sein müsste, seinem Leben höchstpersönlich ein Ende zu setzen. Damit magst Du ja theoretisch richtig liegen, eine tödliche Dosis Schlaftabletten mit vorhergehendem Anti-Vomitivum (ausführlichere Anleitungen sind nachzulesen in der von mir angegebenen Broschüre) müßten die meisten Strebenskranken wirklich noch zustandebringen. Nur: Die Frage ist, ob die Umwelt gewillt wäre, diesen Wunsch zu respektieren? Was ist mit einem Kranken, der alleine nicht mehr das Krankenhaus oder Pflegeheim verlassen kann? (Und derer gibt es verdammt viele!)  Sicher könnten viele (oder die meisten) dieser Menschen sich auch ohne professionelle aktive Hilfe sich das Leben nehmen, aber würde man sie auch lassen? Wie könnte sich ein Mensch in einer Situation, in der er relativ unabhängig ist, Informationen beschaffen, wie er seinem Leben erfolgreich ein Ende setzen kann?

 

Meine Tante war Ärztin, man kann also davon ausgehen, daß sie relativ mehr Mittel und Wissen zur Verfügung hatte, als der Ottonormalsterbewillige. Dennoch hat sie sich, als bei ihr der Wunsch aufkam, ihrem Lebensende (bzw dessen sinnloser Verlängerung) nicht hilflos gegenüberstehen zu müssen, an einen Schweizer Kollegen gewandt, um sich ein wirklich 100%ig wirksames Ticket ins Jenseits zu beschaffen.

 

>Auch wenn die Hürde sehr hoch liegt, ist es nicht auszuschliessen, daß es in manchen Fällen zu Mißbrauch kommen kann und dann werden Menschen getötet, obwohl sie es nicht möchten.<

 

Das akzeptiere ich als Einwand. Wie wäre es, wenn man sich (und zwar JEDER, der Angst vor Mißbrauch in welche Richtung auch immer hat) überhaupt mal damit beschäftigt, eine rechtzeitige und ausführliche Patientenverfügung zu hinterlegen, in der dann u.a. stehen könnte: "Ich lehne es ab, daß bei mir jemals irgendwelche Praktiken im Sinne einer aktiven Sterbehilfe vorgenommen werden, entweder ich erledige das selber, oder keiner".

 

>Für mich ist das nicht akzeptabel, da für mich als Atheist nur dieses eine Leben zählt ! <

 

Dazu schließe ich mich voll und ganz Canos Ausführung an. Die QUALITÄT dieses einen Lebens ist mir wichtiger als die QUANTITÄT.

Und ein unerläßlicher Bestandteil dieser Qualität ist das Selbstbestimmungsrecht. Wenn ich mir schon nicht aussuchen konnte, ob ich das Leben will, dann wenigstens, wann ich genug davon habe. Ein "Geschenk" verpflichtet einen doch nicht zur Zwangsbenutzung!

 

 

Liebe Grüße

 

Lissie

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Euthanasiebericht der Niederländischen Regierung 1995

 

In Holland gibt es kein Euthanasiegesetz. Es gibt lediglich eine "Bestattungsregelung" die als Entscheidungsgrundlage dafür dient, ob der Arzt strafrechtlich verfolgt wird oder nicht. Unter "Euthanasie" verstehen die Niederländer die Tötung eines Menschen mit Gift, auf seinen ausdrücklichen Wunsch

 

 

1995 gemeldete Todesfälle

 

insgesamt:                               135.675

 

Todesursachen:                                          auf Wunsch des Patienten      ohne Einwilligung des Patienten

 

ein tödliches Mittel verabreicht:      4.613                   3.663                                               950

 

Intensivierung der Schmerzbe-     26.050                   4.477                                          21.573                                  

kämpfung (= Überdosis

Schmerzmedikamente)

 

davon:

 

Tod nicht beabsichtigt                 22.150          

 

Tod ausdrücklich beabsicht.          3.935                   1.357                                             2.578

 

 

Verzicht auf wt. Behandlung    27.406                   5.155                                           22.251

 

Tod nicht beabsichtigt                    9.361

 

Tod ausdrücklich beabsicht.        18.045                    3.799                                          14.246

 

"Behandlung schließt in Holland auch NAHRUNG UND FLÜSSIGKEITSGABE DURCH EINE MAGENSONDE MIT EIN ! Das heißt der Arzt  kann beschließen seinen Patienten verhungern zu lassen!

 

 

Wie steht es also um die "ganz speziellen Einzelfälle" ?

In insgesamt 44.774 Fällen wurde eine Entscheidung über Leben und Tod gefällt ohne Bitte des Patient !

 

26.593 mal wollten die Ärzte den Tod eines Patienten. 17.774 dieser Patienten hatten nicht darum gebeten zu sterben.

 

Insgesamt 8.548 haben Ärzte aktiv getötet (Gift, Überdosis Medikamente) In jedem 3.Fall  ( 3.528) gegen den

 

Willen des Patienten !! (Dazu kommt eine unbekannte Zahl von Fällen, in denen "Einstellen" der Behandlung bedeutet

 

den Patienten verhungern zu lassen.)

 

 

             - Jeder 8. Holländer wurde 1995 von seinem Arzt getötet ! -

 

Dabei muss man sich vor Augen halten, das dieser Bericht der niederländischen Regierung auf den Selbstauskünften

der Ärzte beruhen. Diese Auskünfte dienen als Entscheidungsgrundlage dafür, ob der entsprechende Arzt strafrechtlich verfolgt wird oder nicht. WELCHER MENSCH BELASTET SICH SELBST, WENN ER MIT EINEM SATZ UNGESTRAFT BLEIBEN KANN? (Der Patient ist Tot und kann die Darstellung des Arztes nicht widerlegen...)

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Das Problem scheint hauptsächlich darin zu bestehen, zu erkennen bzw. nachzuweisen, dass wirklich und wahrhaftig NUR auf Wunsch des Sterbewilligen gehandelt wurde. Bei der Abklärung dieses Problems verstehe ich Erichs Bedenken.

 

Lieber Harry!

 

Herzliche Glückwünsche zur Tochter! Vielleicht hast du in nächster Zeit ja nun sowieso schlaflose Nächte und kannst wieder zwischendurch ein bisschen hier teilnehmen?

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Zitat von Erich am 13:37 - 19.April.2001

Euthanasiebericht der Niederländischen Regierung 1995

 

(...)

"Behandlung schließt in Holland auch NAHRUNG UND FLÜSSIGKEITSGABE DURCH EINE MAGENSONDE MIT EIN ! Das heißt der Arzt  kann beschließen seinen Patienten verhungern zu lassen!

 

 

Wie steht es also um die "ganz speziellen Einzelfälle" ?

In insgesamt 44.774 Fällen wurde eine Entscheidung über Leben und Tod gefällt ohne Bitte des Patient !

 

26.593 mal wollten die Ärzte den Tod eines Patienten. 17.774 dieser Patienten hatten nicht darum gebeten zu sterben.

 

Insgesamt 8.548 haben Ärzte aktiv getötet (Gift, Überdosis Medikamente) In jedem 3.Fall  ( 3.528) gegen den

 

Willen des Patienten !! (Dazu kommt eine unbekannte Zahl von Fällen, in denen "Einstellen" der Behandlung bedeutet

 

den Patienten verhungern zu lassen.)

 


 

 

Lieber Erich,

 

ich denke, wir sollten in der Argumentation die "aktive Sterbehilfe" (besser: Tötung auf Verlangen) von der passiven Sterbehilfe (=Beendigung lebensverlängernder Behandlungen) strikt trennen. Auch in Deutschland gibt es die künstliche Ernährung. Zu welchen Problemen diese Behandlung führen kann, wird in einem Artikel aus der ZEIT gut dargestellt, Link: http://www.zeit.de/2001/17/Wissen/200117_sterbehilfe.html

 

Die (aktive) Tötung menschlichen Lebens kommt für mich aus folgenden Gründen nicht in Frage:

 

- Der Tod steht in der Verfügung des Menschen (Du sollst nicht Töten)

- Es kann ein gesellschaftlicher Druck enstehen "Kostensenkung im Gesundheitswesen" also Missbrauch

- die Gesellschaft will sich nicht mehr um ein humanes Sterben kümmern (Sterbebegleitung)

 

Ein Kommentar im Berliner Tagesspiegel gibt meine auch Meinung dazu gut wieder: http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/04...-mn-229654.html

 

Liebe Grüße

 

Matthias

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Erich, schon in früheren Postings habe ich Dich darauf hingewiesen, daß dies der Grund für die niederländische Regierung war, das Gesetz zu verabschieden.

 

im Gegensatz zu manch deutschen Gepflogenheiten schuaen die Holländer nicht weg sondern versuchen alles weitgehend zu kontrollieren, indem sie einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen dazu schaffen.

 

Dadurch ergibt sich auch die Möglichkeit, die Dunkelziffer gering zu halten und das gibt DIR Statistiken, mit denen Du um Dich werfen kannst.

Nächste Aufgabe: Versuche doch mal herauszufinden, wie oft in Deutschland ein Arzt einem Patient auf dessen Wunsch hin hilft, also wie oft ein Arzt "unter der Hand" trotz Illegalität bei der Beendigung von Leben hilft.

Naja, ich vermute, dazu wirst Du keine Statistiken finden, aber Du kannst Dir das Schlimmste, wie uns allen bekannt ist, ja selbst ausmalen.

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Mathias: >Es kann ein gesellschaftlicher Druck enstehen "Kostensenkung im Gesundheitswesen" also Missbrauch <

 

Diese Warnung halte ich für sehr, sehr berechtigt!  

 

Allerdings sollte man sich bei jeder Neuerung auch den Herausforderungen stellen: Ist eine Gesellschaft nicht an sich schon krank, wenn sie berechtigterweise fürchten muß, daß ein menschliches Gebot der Gnade (wie Hilfestellung beim Suizid im Falle schweren Leidens) MISSBRAUCHT werden kann wegen nichts bedeutenderem als KOSTENGRÜNDEN?

 

Soziale Zwänge sind unvermeidbar: Allein die Tatsache, daß Fitnesscenter und Schönheitschirurgen nicht verboten sind, setzt all diejenigen einem "sozialen Druck" aus, die sich weigern, dem allgemeingültigen Postulat eines gestylten Superbodies und einer maßgeschneiderten Nase zu unterwerfen. (Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe nichts gegen Fitnesscenter und Plastische Chirurgie, ich hab lediglich etwas gegen die daraus resultierenden Schönheitsnormen und deren bewußter Instrumentalisierung im Zuge einer gigantischen Schönheitsindustrie)

 

Also: Jede Münze hat ihre zwei Seiten. Wo Freiheit ist, ist auch die möglichkeit zu deren Mißbrauch. Die Frage müßte aber lauten: Liegt der Fehler bei der Frau, die einen Minirock trägt, wenn sie vergewaltigt wird, oder bei dem Gesetz, daß es Frauen nicht verbietet, Miniröcke zu tragen oder bei dem Vergewaltiger?

 

 

 

Lissie

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Hallo Sylle!

 

Nach Deiner Argumentation streng gefolgert hieße das dann ja, dass man viele illegalen Tätigkeiten deswegen zumindest zum Teil legalisieren sollte, da sie eh stattfänden und somit zumindest transparenter wären.

 

Hm. Seltsames Argument. Statistiken über alles?

 

Und Cano, warum hast Du eigentlich nicht ernsthaft auf meinen Einwand geantwortet? Die Forderung nach Erfahrung in und Willen zur Abtreibung (eine Straftat, die daher auch nicht einforderbar ist) ist bereits Realität.

 

Lissie, es geht keinesfalls darum, eine Konfession zum Hauptberuf zu machen, nur wünscht Dir doch hoffentlich auch einen Arzt mit einer gefestigten Gewissensbildung (bei der allgemein vorhandenen Unlust unter Studenten über ethische Fragestellungen zu diskutieren und zu lernen gegenseitig, sehe ich die wirklich nicht). Dazu gehören verschiedene Faktoren, je nach persönlicher Präferenz auch der Glaube.

 

In immer mehr KHern gibts Ethik-Kommitees, die zwar eine Art "Politik" des Hauses vorgeben (anscheinend sind Ärzte untereinander dazu nicht in der Lage), aber sie nehmen den Kittelträgern auch das Denken ab. In einer Vorlesung meinte erst neulich ein Chirurgie-Profesor: ja, ob man das überhaupt darf, da muss ich erstmal das Ethik-Kommitee fragen.

Nur keine Verantwortung übernehmen.

Genau wie es der ZEIT-Artikel zeigt. Dadurch das Leiden der Menschen. Nicht weil sie niemand tötet, sondern weil sie niemand sterben lässt.

 

Paz Y Bien,

Ralf

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Werner agnosticus

Liebe Lissie,

 

zuerst mal vielen Dank für die Adressen, besonders aber für den Einblick in die Korrespondenz Deiner Tante.

 


Zitat von lissie am 18:16 - 18.April.2001

 

Was ich aber viel interessanter finde, ist die (über mehrere Jahre laufende) Korrespondenz meiner Tante mit besagtem Prof. Schär. Folgender Auszug aus einem Brief an sie, hat mich besonders nachdenklich gemacht:

 

"Es freut mich, daß Ihnen das Bewußtsein, einen "Rettungsring" für Notfälle zu besitzen (gemeint ist ein unter erheblichen Schwierigkeiten organisiertes Medikament gewesen) Gelassenheit gebracht hat und daß Sie sich wieder ans KLavier setzen und Briefe schreiben. Einen dieser Briefe habe ich bereits erhalten....."

 

Mich hat vor allem diese durch die Gewissheit sterben zu KÖNNEN wenn man es WILL, erreichte Gelassenheit beeindruckt. Aus eigener Erfahrung weiß ich nämlich, wie beruhigend das sein kann, wenn einem ein Arzt versichert, einem notfalls beim Sterben zu helfen - wenn er schon nicht mehr beim Leben helfen kann......

 

Diesen beruhigenden und erleichternden Aspekt einer versicherten Sterbehilfemöglichkeit sollte man wirklich auch mit bedenken. Wer weiß, ob dieses Gefühl nicht auch erheblich zu einer möglichen Genußhähigkeit der letzten Wochen oder Monate im Leben eines Kranken beiträgt.

 

Diese Feststellungen kann ich voll bestätigen. Zu wissen, daß man selbst entscheiden kann, wann man sterben will, kann bisweilen eine regelrechte Lebensversicherung sein.

 


Zitat von lissie am 16:59 - 18.April.2001

Frage: Ist die ganze Aufregung also gerechtfertigt? Sind wir beim Suizid nicht nur in ganz extremen Ausnahmefällen auf ärztliche Hilfe angewiesen (Schluckunfähigkeit, Bewegungsunfähigkeit...) ICH würde es jedenfalls gar nicht erst soweit kommen lassen....

 

Hier würde ich durchaus eine Berechtigung der Aufregung sehen. Gewiß, i.a. ist man für einen Suizid nicht auf ärztliche Unterstützung angewiesen. Dennoch hat ihre Zulassung gewichtige Vorteile:

- die Realisierung eines möglichst leidensarmen Ablebens ist so viel besser zu gewährleisten

- für Menschen, die sich plötzlich und unvorhersehbar (Unfall etc.) in den Zustand der Hilflosigkeit geraten, gibt es den selbstgewählten Tod nur mit fremder Hilfe

- auch bei allmählichem Eintreten von Hilflosigkeit und subjektiver "Lebenslast" möchte ich die Party nicht früher als von mir für nötig befunden verlassen, nur um nicht den letzten Zug zu versäumen. Denn solange mir das Leben noch gefällt, habe ich alter Genußmichel keinerlei Neigung, es zu beenden.

 

Liebe Grüße

Werner

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>>Nach Deiner Argumentation streng gefolgert hieße das dann ja, dass man viele illegalen Tätigkeiten deswegen zumindest zum Teil legalisieren sollte, da sie eh stattfänden und somit zumindest transparenter wären.<<

 

Ein Gesetz wird meiner Ansicht nach von Nöten, wenn eine Grauzone erkennbar zum Nachteil des Einzelnen werden kann.

Sobald die Vorteile einer gesetzlichen Kontrollfunktion größer wiegen als die Nachteile - den Mißbrauch - plädiere ich für das Gesetz. Ebenso hat die Niederlande dem wilden Sterbehelfen der letzten Jahre mit einer eindeutigen Regelung und einem eindeutigen Prozedere ein Ende gemacht.

Ein Verbot, wie es viele hardlinder anstreben, ist nicht mehr möglich weil eine gesellschaftliche Werteverschiebung hin zu Lebensqualität bereits erfolgt ist.

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Hallo!

 

Den Kommentar aus dem Berliner Tagesspiegel, auf den Matthias hingewiesen hat,  finde ich sehr treffend.

 

Ich glaube, die meisten Menschen, wollen nicht wegen unerträglicher Schmerzen ihr Leben vorzeitig beenden, sondern aufgrund von Einsamkeit, Verlassenheit, Abhängigkeit oder Scham. Diese Gefühle können natürlich genauso unerträglich sein wie Schmerzen. Ich stelle es mir grauenvoll vor, einsam und verlassen zu sterben, dem körperlichen und geistigen Verfall preisgegeben, abhängig von ständig wechselndem Pflegepersonal.

 

Ich glaube aber nicht, dass die Legalisierung der Sterbehilfe eine Lösung ist. Vielmehr sollten Anstrengungen unternommen werden, den Betroffenen das Sterben zu erleichtern. Dazu gehören neben palliativen Maßnahmen vor allem Liebe und Geborgenheit. Menschen, die sich geliebt, geborgen und trotz ihres Verfalls angenommen fühlen, äußern den Wunsch, ihr Leben vorzeitig zu beenden sicher nicht so häufig.

 

Gefordert ist hier jeder Einzelne, der seine sterbenden Angehörigen begleiten könnte, aber auch die Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen kann.

 

Ähnlich wie bei der Abtreibung wird ein liberaler Umgang mit der Sterbehilfe dazu führen, dass die Tötung eines Menschen als eine Möglichkeit neben anderen angesehen wird und nicht als letzter Ausweg eines verzweifelten Menschen.

 

Liebe Grüsse

Angelika

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Liebe Leute!

 

Damit das endlich einmal klar wird:

 

>Ich glaube aber nicht, dass die Legalisierung der Sterbehilfe eine Lösung ist. Vielmehr sollten Anstrengungen unternommen werden, den Betroffenen das Sterben zu erleichtern. <

 

Das Eine schließt das Andere nicht aus! Ganz im Gegenteil, da eine Legalisierung von aktiver Suizidbeihilfe einen Ausdruck von Respekt vor menschlichen Entscheidungen ausdrückt, sehe ich darin mehr Verwandtschaft zu einem humanen Umgang mit Kranken, als in dem rigiden und verständnislosen Zwang zum Leben um JEDEN Preis.

 

Es ist wirklich vergleichbar mit der Republikflucht in gewissen "demokratischen" Republiken: Auffallenderweise ist die Flucht immer denjenigen der größte Dorn im Auge, die auch nicht bereit sind, etwas an den Gründen die zur Flucht beitragen zu ändern.

Die liberaleren Staaten, die ihre Bürger nicht als "Eigentum" betrachten, das es um jeden Preis zu halten und einzusperren gilt, sehen sich durch die Tatsache, daß einige Leute auswandern wollen, noch lange nicht von der Pflicht entbunden, ihr Land so anständig und lebensfähig wie möglich zu gestalten.

 

Grüße

 

Lissie

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Lieber Werner,

 

>zuerst mal vielen Dank für die Adressen, besonders aber für den Einblick in die Korrespondenz Deiner Tante.<

 

Nachträglich sollte ich vielleicht noch erwähnen, daß man Exit unter http://www.exit.ch findet und die "Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben"  unter http://www.dghs.de . er schon nicht mehr beim Leben helfen kann......

 

Bezgl. meiner (durchaus noch offengelassenen) Frage nach der wirklichen Notwendigkeit professioneller Sterbehilfe angesichts der Möglichkeit, seinen Suizid selbst in die Hand zu nehmen, wenn nötig, habe ich meine Antwort bereits gefunden, bzw. habe ich die Frage bereits revidiert: Es ist wohl in der Tat mehr als wahrscheinlich, daß man sich bereits in einem mittelschweren Stadium der "Abhängigkeit" von anderen (was mit einer ständigen Anwesenheit von potentiellen Suizidverhinderern) befindet, bis man sich endlich dazu durchgerungen hat, wirklich die Flatter machen zu wollen.

 

Außerdem hast Du völlig recht:

 

>- die Realisierung eines möglichst leidensarmen Ablebens ist so viel besser zu gewährleisten<

 

In der Tat. Die größte Angst meiner Tante war, selbst als sie sich im Besitz des benötigten Schweizer Medikaments befand, immer noch, etwas falsch zu machen und dann nach einem misslungenen Suizid erst recht in Teufels Küche zu gelangen. Und das von einer ÄRZTIN!

 

>- auch bei allmählichem Eintreten von Hilflosigkeit und subjektiver "Lebenslast" möchte ich die Party nicht früher als von mir für nötig befunden verlassen, nur um nicht den letzten Zug zu versäumen. Denn solange mir das Leben noch gefällt, habe ich alter Genußmichel keinerlei Neigung, es zu beenden.<

 

DAS hatte ich gar nicht bedacht, aber es  ist ein umso schlagkräftigeres Argument! Im Zuge einer Krankheit (oder irreversiblen Lebenskrise ) auch noch ständig an das Nicht-Erwischtwerden oder rechtzeitige Erreichen der letzten Metro denken zu müssen, ist wirklich eine beschissene Vermiesung der letztmöglichen Lebensqualität. Da werden die "Lebensapostel" doch tatsächlich noch zu Stasibeamten.

 

 

Herzliche Grüße

 

 

Lissie

 

 

 

 

 

 

(Geändert von lissie um 21:16 - 19.April.2001)

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hallo,

 

jeder kann sich heute ja selber umbringen, das cyankali kriegt  man ja ohne probleme. habe auch schon einige gramm im schrank.  es muss also kein arzt andere umbringen.

ne, war nur spass . ich habe das cyankali natürlich nur aus beruflichen gründen im schrank, weil ich mit edelmetallen schon versuche machen musste.

ich bin ganz gegen das umbringen von menschen, wenn sich aber jemand selber umbringen will, ist das auch nicht richtig. aber da wird gott amk ende rihten, nicht wir.

 

gruss wernie

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Euthanasie

|Diskussion|

 

Todessehnsucht ist etwas, womit wir häufig

konfrontiert werden. Diese Sehnsucht hat

aber nichts mit dem Wunsch zu tun, getötet

zu werden.

Dr. Franz Zdrahal

 

Menschen, die adäquat betreut, deren

physische und psychische Schmerzen erträglich sind, verlangen nicht nach aktiver Sterbehilfe.

Dr. Michaela Werni-Kouri

 

Am Ende des Lebens

Ende November 2000 hat das niederländische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das den Ärzten künftig erlaubt, ausweglos kranken Patienten aktive Hilfe beim Sterben zu gewährleisten. Das festgelegte Procedere: Jeder Fall muss einer dreiköpfigen Prüfungskommission, bestehend aus einem

Arzt, einem Juristen und einem Experten für ethische Fragen, gemeldet werden. Diese überwacht die Einhaltung aller Vorschriften und entscheidet im Einzelfall.

 

Patientenautonomie, Humanität oder Mord? Das Österreichische Strafgesetzbuch ist bei der Lösung der Problematik nicht wirklich hilfreich. Der Begriff „Sterbehilfe” kommt in den Paragraphen nicht vor. Er findet sich allerdings in juristischen Kommentaren, die natürlich in der Judikatur eine große Rolle spielen. Aber auch dort beruft man sich letztlich auf die "ärztliche Erfahrung und Verantwortung". Ebenfalls findet sich in diesen Kommentaren das "Recht des Menschen auf einen natürlichen Tod".

 

In Holland wurde jedenfalls eine Grenze überschritten. Darüber herrscht vor allem bei MedizinerInnen

Einigkeit, die täglich mit dem Sterben konfrontiert sind.

 

Die Hospizbewegung sieht das Sterben als einen Teil des Lebens. Hier wird Sterbebegleitung als

Gegensatz zu aktiver Sterbehilfe angeboten.

 

Die Erfahrung jener, die im Umgang mit Sterbenden vertraut sind, zeigt: Menschen, die in ihre letzten

Lebensphase adäquat betreut werden, deren physische und psychische Schmerzen erträglich sind,

verlangen nicht nach aktiver Sterbehilfe. Es gilt daher Palliativmedizin, psychosoziale Betreuung und

eine geeignete Schmerzmittelversorgung weiterzuentwickeln.

 

Das sagt das Gesetz

 

Aktive direkte Sterbehilfe: Wenn der Arzt aktiv zwecks Abkürzung des Lebens tätig wird (strafbar

nach §75 , Mord, allenfalls auch wegen Beihilfe zum Selbstmord).

 

Aktive indirekte Sterbehilfe: Wenn in der "Endphase einer unheilbaren Erkrankung" die Medikation von

Analgetika so gewählt wird, dass als nicht angestrebte, aber vorhersehbare Nebenfolge der Eintritt

des Todes beschleunigt wird (straffrei).

 

Passive Sterbehilfe: Unterlassen lebenserhaltender Maßnahmen, die den unausweichlichen Todeszeitpunkt hinauszögern - insbesodere auf Wunsch des Patienten (straffrei).

 

Das sagt die Medizin-Ethik

 

Dr. Günter Virt (siehe oben) zur Autonomie des Menschen: "Niemand darf gegen seinen Willen

behandelt bzw. weiterbehandelt werden. Ärzte müssen das Sterben auch zulassen können woraus folgt:

 

Der Mensch stirbt an der Krankheit und nicht durch Fremdintervention;

dem Sterbenden wird Respekt entgegengebracht, indem er Raum und Zeit für seinen Tod bekommt;

der Mensch wird als Ganzes begriffen; niemand versucht, seiner Seele zu helfen, indem er den Leib tötet.

 

Virt fordert unter anderem die universitäre Etablierung der Palliativmedizin und deren konsequente Umsetzung in die Praxis.

 

Das sagt der Vatikan

 

Um die Gefahr der "Ansteckung" durch die Niederlande abzuwehren ("L'Osservatore Romano&quot, müssten die Staaten der EU einen gemeinsamen Block zur Verteidigung des Lebens in seiner Endphase bilden.

 

Die "Beihilfe zum Selbstmord" bleibe trotz der Zustimmung des Staates ein Verbrechen, eine Bankrotterklärung der Medizin und eine juristische Verirrung - so der Franziskanerpater und Moraltheologe Gino Concetti. Zwar sei die Euthanasie in der Praxis Realität, aber der Staat dürfe sich dem Verhalten einiger seiner Bürger nicht einfach anpassen, wenn diese die Grundrechte verletzen.

 

Das sagt die Politik

 

"Das Gesetz (...) in Holland (...) widerspricht eindeutig der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)", erklärte Edeltraud Gatterer (ÖVP), Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. "Artikel 2 der EMRK besagt, dass das Recht auf Leben eines jeden unter gesetzlichen Schutz stehen und niemand vorsätzlich seines Lebens beraubt werden soll", erklärte Gatterer

 

Im Regierungsprogramm heißt es: "Jeder Schritt in Richtung Sterbehilfe wird entschieden abgelehnt. Vielmehr soll ein Plan für den Ausbau des Hospizwesens und der Palliativmedizin entwickelt werden."

 

Das sagt die Ärztekammer

 

Der Präsident der ÖÄK, Dr. Otto Pjeta, wandte sich entschieden gegen die durch das niederländische Parlament beschlossene "Tötung auf Verlangen". Für die Entgegennahme und Exekution von Tötungsaufträgen dürfen Ärzte keinesfalls zur Verfügung stehen, sagte Pjeta. Gleichzeitig warnte er

vor "einer beschönigenden Verwirrung von Begriffen". Worte wie "aktive Sterbehilfe" oder "Euthanasie - der gute Tod" führen zu einer Emotionalisierung, die von ethischen Grundsätzen ablenken. Auch komplexes Entscheidungsverfahren ändern nichts an der Tatsache, dass ein Patient durch einen Arzt getötet wird.

 

                                                   

Copyright 2001: ÄrzteWoche Zeitungsverlagsges.m.b.H.

                                 

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Nabend!

 

Muss man hier wirklich nochmal den elementaren Unterschied zwischen aktiver, indirekter und passiver Sterbehilfe aufzeigen? In der nur leidlich informierten Öffentlichkeit geht der leider zu schnell unter, aber hier im Forum kann man den doch mal voraussetzen, oder? Es geht also den "Hardlinern" wie mir gar nicht um ein Leben um jeden Preis, ist das immer noch nicht rübergekommen? Im Gegenteil, ich habe selbst schon Erfahrungen mit Kittelträgern gemacht, die hierarchische Verhaltensweisen in KHern über den Willen des Patienten bzw. das überhaupt Sinnvolle gestellt haben. Ich weiß schon jetzt, dass ich mir später in eigener Verantwortung wie in diesen Momenten als Student Ärger einfangen werde, da eben ein möglichst geringes Leiden wichtiger ist als Studienergebnisse oder Diagnosen, die sowieso keine therapeutischen Konsequenzen haben (kann ich ganze Konzerte von singen).

 

Ältere Ärzte scheinen mir noch eher mit einem gesunden Verantwortungsbewusstsein ausgestattet, bei jüngeren vermisse ich das. Sehr sogar. Schwanz einziehen, die Stelle ist wichtiger als die paar(?) Kranken. Hab' mit einigen sich christl. nennenden ÄrztInnen gesprochen, die gar keine Gewissensbisse verspürten. "...nehme sein Kreuz auf sich (hier: vertrete mal eine Meinung und stehe für Konsequenzen gerade-wie Jesus) und folge mir nach" - von wegen.

 

Paz Y Bien,

Ralf

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Werner agnosticus


Zitat von Ralf am 23:26 - 19.April.2001

Muss man hier wirklich nochmal den elementaren Unterschied zwischen aktiver, indirekter und passiver Sterbehilfe aufzeigen? In der nur leidlich informierten Öffentlichkeit geht der leider zu schnell unter, aber hier im Forum kann man den doch mal voraussetzen, oder?

 

Wahrscheinlich muß man diese Unterschied wirklich nochmal aufzeigen.

Hier hat ja nicht mal der noch sehr viel elementarere Unterschied zwischen Recht auf Leben und Pflicht zum Leben in alle Gehirne Eingang gefunden.

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Zitat von lissie am 20:44 - 19.April.2001

Liebe Leute!

Damit das endlich einmal klar wird:

>Ich glaube aber nicht, dass die Legalisierung der Sterbehilfe eine Lösung ist. Vielmehr sollten Anstrengungen unternommen werden, den Betroffenen das Sterben zu erleichtern. <

Das Eine schließt das Andere nicht aus! Ganz im Gegenteil, da eine Legalisierung von aktiver Suizidbeihilfe einen Ausdruck von Respekt vor menschlichen Entscheidungen ausdrückt, sehe ich darin mehr Verwandtschaft zu einem humanen Umgang mit Kranken, als in dem rigiden und verständnislosen Zwang zum Leben um JEDEN Preis.


 

Liebe Lissie,

 

theoretisch schließt das eine das andere nicht aus, da stimme ich dir zu.

 

Ich denke aber, dass das in der Praxis anders aussieht. Wenn die aktive Sterbehilfe eine Alternative von mehreren ist, wird sich eben nicht mehr jeder auf die andere Alternative konzentrieren, nämlich die Situation des Sterbenden durch Zuwendung u.ä. zu erleichtern. Auch in der Politik wird es einige geben, die der Verbesserung der Rahmenbedingungen (z.B. für die Hospizbewegung) nicht mehr oberste Priorität einräumen.

 

>>Nur sind in unserem Nachbarland die schmerzlindernden Methoden nicht so weit fortgeschritten wie bei uns. Wohl auch deshalb, weil dort schon seit Jahren halblegale Euthanasie betrieben wird.<< (Zitat aus dem Kommentar im Berliner Tagesspiegel)

 

Wenn ein Mensch so hoffnungslos und verzweifelt ist, dass er sein Leben beenden möchte, hat er mein ganzes Mitgefühl. Wenn jemand diese Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung nicht mehr aushält und dem Sterbewilligen bei der Erfüllung seines letzten Wunsches behilflich ist, habe ich nicht darüber zu richten.

 

Es ist aber ein - für mich schwerwiegender - Unterschied, ob aktive Sterbehilfe der allerletzte Ausweg ist oder eine Möglichkeit von mehreren.

 

Liebe Grüsse

Angelika

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Indirekte SH:   schmerzlindernde Mittel werden gegeben und damit eine Verkürzung des Lebens in Kauf genommen

 

Passive SH:     Lebensverlängernde Mittel werden vorenthalten

 

Aktive SH:      Verabreichung eines tödlichen Gifts um den unheilbar Kranken auf sein (bzw. Angehörige) Verlangen hin zu töten.

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Ergänzung:

 

>Indirekte SH:   schmerzlindernde Mittel werden gegeben und damit eine Verkürzung des Lebens in Kauf genommen <

 

Angeblich soll dabei, wie ja die Formulierung "in Kauf nehmen" schon andeutet, explizit keine Lebensverkürzung oder Beschleunigung des Todes beabsichtigt sein. In der Praxis sieht das anders aus: Wie will man bitte einem Arzt nachweisen, ob seine Absicht war, einen Todeskampf erträglich zu gestalten oder zu verkürzen.

 

>Passive SH:     Lebensverlängernde Mittel werden vorenthalten <  

 

"Vorenthalten" klingt ja furchtbar! Sie werden nicht eingesetzt, weil der Patient das vorher so festgelegt hat (z.B. in einer Patientenverfügung)

 

>Aktive SH:      Verabreichung eines tödlichen Gifts um den unheilbar Kranken auf sein (bzw. Angehörige) Verlangen hin zu töten<

 

Vergiß die Angehörigen. Das Entscheidungsrecht über Lebensbeendigung ist nicht auf andere übertragbar!

(Was ja auch der Grund ist, daß ich mich z.B. bei einer beginnenden Demenz ärgerlicherweise schon viel früher um die Ecke bringen würde, als mir eigentlich lieb ist )

 

 

 

Lissie

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Zitat von Angelika am 20:38 - 19.April.2001

 

 

Ich glaube aber nicht, dass die Legalisierung der Sterbehilfe eine Lösung ist. Vielmehr sollten Anstrengungen unternommen werden, den Betroffenen das Sterben zu erleichtern. Dazu gehören neben palliativen Maßnahmen vor allem Liebe und Geborgenheit. Menschen, die sich geliebt, geborgen und trotz ihres Verfalls angenommen fühlen, äußern den Wunsch, ihr Leben vorzeitig zu beenden sicher nicht so häufig.

 

Gefordert ist hier jeder Einzelne, der seine sterbenden Angehörigen begleiten könnte, aber auch die Politik, die die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen kann.

 


 

Das sehe ich genauso. Die meisten Menschen haben das Thema Tod (was geschieht danach?) weitgehend verdrängt.

Am intensivsten haben sich vermutlich nur Christen und Atheisten (mit unterschiedlichem Ergebnissen) damit beschäftigt.

 

Wenn diese Frage dann existenziell auftaucht, ist eine liebende Sterbebegleitung und nicht das schnelle Ende nötig. Die (körperlichen!) Schmerzen lassen sich effektiv lindern, die seelische Betreuung (Seelsorge) ist im Krankenhausbetrieb leider nicht mehr möglich (wieder das Stichwort Kostensenkung).

 

Hier sind gerade wir Christen gefordert, diesen Dienst der Nächstenliebe und Sterbebegleitung auch zu tun.

 

Liebe Grüße

Matthias

 

(Nicht nur Christen machen sich darüber Gedanken, deshalb ein Link vom Humanistischen Verband:

http://www.hospiz-aktuell.de/lebensende/lebensende.html )

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>>Das sehe ich genauso. Die meisten Menschen haben das Thema Tod (was geschieht danach?) weitgehend verdrängt.

Am intensivsten haben sich vermutlich nur Christen und Atheisten (mit unterschiedlichem Ergebnissen) damit beschäftigt.<<

 

Das wundert nicht, liegt doch ihre Ideologie in der Kultivierung eines nachtodlichen Lebens.

 

Weiter kann ich Deinen Ausführungen nichts anmerken, sicher ist eine stärkere Begleitung von alten und schwerkranken Menschen wünschenswert.

 

Dennoch bleibe ich bei dem Respekt vor dem Recht des Einzelnen (Nichtchristen), der sein Leben nicht mit starkem Leiden beenden möchte.

 

Für die Menschen, die eine Morphiumbehandlung als akzeptable Alternative betrachten, wäre zu empfehlen, das 2 Tage mal auszuprobieren. 2 Tage unter leichter Dormicumeinwirkung sollten dazu schon ausreichend sein und hat weniger Nebenwirkungen.

Nur damit man mal weiß, worüber man da redet.

 

Die christliche Einstellung zu der Thematik ist ja sehr redlich, Eure Ideologie ist für mich als Nichtchrist jedoch keinen Pfifferling wert.

Ich könnte mich prima darauf einigen, daß Christen von diesem Recht kein Gebrauch machen, ich das aber sehr wohl darf.

 

Liebe Grüße

sylle

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Zitat von sylle am 12:41 - 20.April.2001[br

 

Das wundert nicht, liegt doch ihre Ideologie in der Kultivierung eines nachtodlichen Lebens.

 


 

Liebe Sylle,

 

den (Kampf-)begriff "Ideologie" muss man dann fairerweise auch für das rein materialistische Weltbild anwenden.

 

Aber auch inhaltlich kann ich Dir nicht zustimmen.

Für mich besteht mein Glaube gerade auch in einer diesseitigen, liebenden Beziehung zu Gott - der auch mitleidet.

Diese personale, liebende Beziehung ist für andere mit rationalen Mitteln nicht nachvollziehbar, sondern ist nur erlebbar.

 

Liebe Grüße

Matthias

 

 

 

(Geändert von Matthias um 14:29 - 20.April.2001)

 

 

(Geändert von Matthias um 14:31 - 20.April.2001)

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Werner agnosticus

Zitat von Matthias am 13:27 - 20.April.2001

den (Kampf-)begriff "Ideologie" muss man dann fairerweise auch für das rein materialistische Weltbild anwenden.

 

Ich würde "Ideologie" nicht als Kampfbegriff verstehen (auch wenn es natürlich Leute gibt, die ihn als solchen einsetzen).

Mit Ideologie bezeichne ich allgemein jedes Gedankengebäude, das in wesentlichen Teilen auf Glaubenssätzen aufbaut, d.h. bei Verzicht auf diese Glaubenssätze seine Identität so stark verändert, daß sich seine Anhänger mit einer derart "entmythologisierten" Version nicht mehr anfreunden können.

Eine Glaubensaussage ist jede Aussage, deren Richtigkeit behauptet wird, obwohl ihr Wahrheitswert nicht überprüfbar ist (oder prüfbar ist und den Wert "falsch" besitzt - dann kann man allerdings meinetwegen statt von einer "Glaubenaussage" auch von "Realitätsverlust" sprechen).

 

Ob in diesem Sinne "das rein materialistische Weltbild" eine Ideologie ist, hängt davon ab, was Du unter "rein materialistisch" verstehst. Ein agnostisches Weltbild, das ja gerade auf jede Glaubensaussage verzichtet und deshalb keine Ideologie ist, ist in dem Sinne rein materialistisch, daß es auf keinerlei Annahmen über Metaphysisches zurückgreift. Es ist aber nicht in einem Sinne rein materialistisch, daß es die Existenz metaphysischer Größen grundsätzlich ausschließt (denn das wäre in der Tat eine Glaubensaussage).

 

Übrigens: Deine Aussage

Zitat von Matthias am 12:24 - 20.April.2001

Wenn diese Frage dann existenziell auftaucht, ist eine liebende Sterbebegleitung und nicht das schnelle Ende nötig.

fällt in die Rubrik "Glaubensaussagen",

das anschließende

Die (körperlichen!) Schmerzen lassen sich effektiv lindern

in dieser uneingeschränkten Allgemeinheit formuliert dagegen bereits unter "Realitätsverlust". Durch die Hinzufügung des Wortes "häufig" erhieltest Du dagegen sehr viel mehr als nur eine Glaubensaussage, nämlich eine empirische Tatsachenfeststellung (mit prüffähigem Wahrheitswert "wahr" ).

 

Gruß

Werner

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Lieber Werner,

 

 

>Eine Glaubensaussage ist jede Aussage, deren Richtigkeit behauptet wird, obwohl ihr Wahrheitswert nicht überprüfbar ist (oder prüfbar ist und den Wert "falsch" besitzt - dann kann man allerdings meinetwegen statt von einer "Glaubenaussage" auch von "Realitätsverlust" sprechen). <

 

Das erinnert mich an eine uferlose Diskussion aus dem alten Forum zum Thema "Menschenwürde" und deren mögliche oder unmögliche Begründung oder Herleitung mit oder ohne Gott.  In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, inwiefern eine Weltanschauung oder Lebenseinstellung, die auf dem Axiom der Menschenwürde basiert nun eine Ideologie genannt werden kann oder nicht. Da ich es eh vorhatte, kopierte Teile daraus noch einmal in unser neues Forum zu setzen, nutze ich jetzt die Gelegenheit.

 

Und mache an dieser Stelle weiter mit einem Referat zum Thema Sterbehilfe des Rechtsphilosophen Norbert Hoerster, das ich schon einmal hier im Forum veröffentlicht hatte, was aber einigen der derzeitigen Diskussionsteilnehmer Mangels Anwesenheit entgangen sein dürfte. Diejenigen, die sich durch die Wiederholung gelangweilt fühlen, bitte ich hiermit um Entschuldigung.....

 

 

Kleine Einleitung: Das Referat wurde an der Göttinger Universität durch das Randalieren militanter Sterbehilfegegner gewaltsam verhindert. Aber lest selbst:

 

 

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