Jump to content

Diskussion rund ums Zölibat


Studiosus
 Share

Recommended Posts

Franciscus non papa

Die so oft beklagten Strukturänderungen haben gerade in dieser Frage doch Vorteile.

 

War es bisher doch häufig so, daß in einer Pfarrei Kinder und Jugendliche nur ihren eigenen - meist schon älteren - Pfarrer erlebten. Kapläne gab es ja meist nicht (mehr).

 

Nun haben wir in der Pfarrei neuen Typs (acht Kirchorte aus den alten Pfarreien) neben Pfarrer, mitarbeitendem Priester noch zwei Kapläne. Vielleicht hatten wir bisher ja auch nur Glück, aber es sind prachtvolle Exemplare - als Mensch, wie als Priester.

 

Ich nehme an, daß eine, wenn auch langfristige Folge, sein wird, daß der eine oder andere damit auch zur Überlegung kommt, daß der Weg zur Weihe für ihn eine Möglichkeit sein könnte.

 

(Oder, wie ich in anderem Zusammenhang mal sagte: Wer vom Dorf kommt und als einzige musikalische Erfahrung die dörfliche Feuerwehrkapelle erlebt, wird kaum auf die Idee kommen, Cello spielen zu wollen.)

Link to comment
Share on other sites

Difficile est satiram non scribere.

nun, das erinnert mich an den Wahlspruch jenes Bischofs von Aquileja, aus dem 11. Jahrhundert, der uns dank eines kleinen grünen Büchleins, vom Herder-Verlag herausgebracht, von Hans Urs von Balthasar geschrieben, überliefert worden ist:

 

"nisi caste, tamen caute."

 

:)

Link to comment
Share on other sites

Kann man ja machen. Aber die Ständigen Diakone tun ja was in der Seelsorge. Wenn man die zu Priestern weiht, gewinnt man keine zusätzlichen Kapazitäten.

Link to comment
Share on other sites

Chrysologus

Das trifft kurzfristig auf jede Form der Änderung der Zulassungsbedingungen zu. Kurzfristig kann man vor allem Diakone oder Pastis weihen. Es würde aber im Sakramentenvollzug entlasten.

Link to comment
Share on other sites

Was verdient eigentlich so ein Pastoralreferent mit Frau und drei Kindern oder ein ständiger Diakon? (M.W. sind die hier ehrenamtlich tätig)- Bei Evangelens gibt es mehr Pastorenkandidaten, aber so viele können die sich gar nicht mehr leisten.

Link to comment
Share on other sites

Priestermangel ist für mich ohnehin kein hinreichendes Argument (angesichts der schrumpfenden Zahl praktizierenden Katholiken frage ich mich, ob es überhaupt lauter ist von Priestermangel zu sprechen - sei's drum)....

Das kann man so sehen. Wischen wir das Problem einfach vom Tisch.

 

Ändern wir die Regeln für die Sonntagspflicht, so dass Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionfeier ausreichen zur Erfüllung der Sonntagspflicht.

Dann würde es reichen, wenn der Herr Pfarrer einmal im Monat genügend Hostien "vorkonsekriert". Für die Wort-Gottes-Feiern reichen ja Gemeindereferenten, Pastoralassistenten und Ehrenamtliche.

 

Im Nächsten Schritt kann man dann rechnen: ein Pfarrer darf drei Messen am Tag lesen das mal 30 Tage, dann reicht ein Pfarrer, pro 150 Gemeinden, in denen er einmal im Monat Messe liest, wenn wirs auf 100 Gemeinden beschränken schafft er auch noch Beichte hören und taufen (sollte dann für Taufe noch Bedarf sein); Beerdigung kann man ja auch Laien übertragen Auf ganz Deutschland gerechnet macht das einen nicht sooo grossen Bedarf, Problem gelöst. Das sogar nachhaltig, weil man kann ja auch die Mess-Intervalle strecken, dann wird halt fürs Quartal vorkonsekriert oder für nen Jahr. Gut, irgendwann wird der Platz im Tabernakel zu klein, stellen wir nen grösseren hin.

 

Also falls es da jemanden schlecht wird... Bei den Gedanken brauch ich mein MCP selber

Edited by Frank
Link to comment
Share on other sites

 

Priestermangel ist für mich ohnehin kein hinreichendes Argument (angesichts der schrumpfenden Zahl praktizierenden Katholiken frage ich mich, ob es überhaupt lauter ist von Priestermangel zu sprechen - sei's drum)....

Das kann man so sehen. Wischen wir das Problem einfach vom Tisch.

 

Ändern wir die Regeln für die Sonntagspflicht, so dass Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionfeier ausreichen zur Erfüllung der Sonntagspflicht.

Dann würde es reichen, wenn der Herr Pfarrer einmal im Monat genügend Hostien "vorkonsekriert". Für die Wort-Gottes-Feiern reichen ja Gemeindereferenten, Pastoralassistenten und Ehrenamtliche.

 

Im Nächsten Schritt kann man dann rechnen: ein Pfarrer darf drei Messen am Tag lesen das mal 30 Tage, dann reicht ein Pfarrer, pro 150 Gemeinden, in denen er einmal im Monat Messe liest, wenn wirs auf 100 Gemeinden beschränken schafft er auch noch Beichte hören und taufen (sollte dann für Taufe noch Bedarf sein); Beerdigung kann man ja auch Laien übertragen Auf ganz Deutschland gerechnet macht das einen nicht sooo grossen Bedarf, Problem gelöst. Das sogar nachhaltig, weil man kann ja auch die Mess-Intervalle strecken, dann wird halt fürs Quartal vorkonsekriert oder für nen Jahr. Gut, irgendwann wird der Platz im Tabernakel zu klein, stellen wir nen grösseren hin.

 

Also falls es da jemanden schlecht wird... Bei den Gedanken brauch ich mein MCP selber

Man kann das Problem auch anders angehen. Warum eine Sonntagsmesse an jedem einzelnen Standort anbieten? Sinnvoller wäre vielleicht, wenn man eine passende Kirche in relativer Nähe zu den einzelnen Gemeinden nutzen würde, und die praktizierenden Gläubigen aus den verschiedenen Gemeinden dort zentral zusammenkommen (Gemeinde A: 70, Gemeinde B: 100, Gemeinde C: 95 etc.pp.). Die Alten und Immobilen werden von den motorisierten Gemeindemitgliedern befördert. Bilden Sie Fahrgemeinschaften! (Im "Tradi-Lager" wird dies seit Langem so praktiziert).

 

Das würde ich mal aktive Nächstenliebe und gesundes Gemeindeleben nennen. Und gleichzeitig dem Pfarrer ein Burn-out ersparen.

 

Außerdem wären dann "WortGottesFeiern" mit Kommunionspendung durch ungeweihte Hände obsolet.

 

Allerdings gebe ich zu, dass dies in DE wohl nicht möglich sein wird. Dem Durchschnittsbürger ist es ja oft schon zu viel 5 Minuten an der Supermarktkasse zu warten.

Link to comment
Share on other sites

 

 

Priestermangel ist für mich ohnehin kein hinreichendes Argument (angesichts der schrumpfenden Zahl praktizierenden Katholiken frage ich mich, ob es überhaupt lauter ist von Priestermangel zu sprechen - sei's drum)....

Das kann man so sehen. Wischen wir das Problem einfach vom Tisch.

 

Ändern wir die Regeln für die Sonntagspflicht, so dass Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionfeier ausreichen zur Erfüllung der Sonntagspflicht.

Dann würde es reichen, wenn der Herr Pfarrer einmal im Monat genügend Hostien "vorkonsekriert". Für die Wort-Gottes-Feiern reichen ja Gemeindereferenten, Pastoralassistenten und Ehrenamtliche.

 

Im Nächsten Schritt kann man dann rechnen: ein Pfarrer darf drei Messen am Tag lesen das mal 30 Tage, dann reicht ein Pfarrer, pro 150 Gemeinden, in denen er einmal im Monat Messe liest, wenn wirs auf 100 Gemeinden beschränken schafft er auch noch Beichte hören und taufen (sollte dann für Taufe noch Bedarf sein); Beerdigung kann man ja auch Laien übertragen Auf ganz Deutschland gerechnet macht das einen nicht sooo grossen Bedarf, Problem gelöst. Das sogar nachhaltig, weil man kann ja auch die Mess-Intervalle strecken, dann wird halt fürs Quartal vorkonsekriert oder für nen Jahr. Gut, irgendwann wird der Platz im Tabernakel zu klein, stellen wir nen grösseren hin.

 

Also falls es da jemanden schlecht wird... Bei den Gedanken brauch ich mein MCP selber

Man kann das Problem auch anders angehen. Warum eine Sonntagsmesse an jedem einzelnen Standort anbieten? Sinnvoller wäre vielleicht, wenn man eine passende Kirche in relativer Nähe zu den einzelnen Gemeinden nutzen würde, und die praktizierenden Gläubigen aus den verschiedenen Gemeinden dort zentral zusammenkommen (Gemeinde A: 70, Gemeinde B: 100, Gemeinde C: 95 etc.pp.). Die Alten und Immobilen werden von den motorisierten Gemeindemitgliedern befördert. Bilden Sie Fahrgemeinschaften! (Im "Tradi-Lager" wird dies seit Langem so praktiziert).

 

Das würde ich mal aktive Nächstenliebe und gesundes Gemeindeleben nennen. Und gleichzeitig dem Pfarrer ein Burn-out ersparen.

 

Außerdem wären dann "WortGottesFeiern" mit Kommunionspendung durch ungeweihte Hände obsolet.

 

Allerdings gebe ich zu, dass dies in DE wohl nicht möglich sein wird. Dem Durchschnittsbürger ist es ja oft schon zu viel 5 Minuten an der Supermarktkasse zu warten.

Katholisches Christ sein ist Eucharistisches Christ sein. Dass das unbedingt an der Messfeier hängt, seh ich so nicht. Warum das nicht auch über WortGottesFeier mit Kommunionempfang lebbar, versteh ich nicht.

 

Welchen Unterschied das macht ob ich jetzt die Kommunion aus geweihter oder ungweihter Hand empfange versteh ich auch nicht (hygienische Reinheit, der Hände, ist mir darüber hinaus wichtiger als rituelle Reinheit).

 

Weder dein, noch mein "Modell" sind eine gute Burn-Out-Prophylaxe. Ganz im Gegenteil! Den Burn-Ort holt sich der Herr Pfarrer nicht durch das Messe feiern, sondern über die anderen Aufgaben, die mit der Grösse der Pfarrei ja auch zunehmen.

 

Das "Modell" das du beschreibst hat natürlich seinen Charme. Und klingt erstmal besser als das was ich beschrieb. Und ist natürlich auch Nachhaltig. Man kann Anfangen das man sagt: Halbe Stunde Autofahrt ist zumutbar. Und das dann bei Bedarf ausdehnt auf eine Stunde oder zwei Stunden. Vor allem muss man nichts ändern. Unter Umständen eine grössere zentrale Kirche bauen.

 

Wenn das wichtigste ist, das sich nichts ändert, dann kann man diese Wege gehen. Ob das dann zukunftsfähig?

Edited by Frank
Link to comment
Share on other sites

Man könnte ja auch den Zentralgottesdienst in die verschiedenen Kirchen einer Großpfarrei übertragen und dann die Kommunionhelfer mit der Vespa losschicken. - Bitte im Auge behalten, wie das in Südamerika geht, dort sind Priester um eine Zehnerpotenz seltener als hier. Wir jammern immer noch auf hohem Niveau.

Link to comment
Share on other sites

Man könnte viel ...

 

aber Jesus hat uns sein Gedächtnismahl aufgetragen.

 

Das ist die Eucharistie und sonst nix.

 

Er hat nix von Pfarrern gesagt.

 

Früher haben Bischöfe, als es immer mehr Gemeinden zu versorgen gab, ihre Presbyter einfach ermächtigt, in Gemeinschaft mit ihm den einzelnen Gemeinden bei der Eucharistie vorzustehen.

 

So entstand das Priesteramt.

 

Niemand kam auf die Idee, die Leute müssten zum Bischof fahren.

 

Mitten in Rom. Südamerika ist für einen Katholiken dagegen nicht das Maß aller Dinge.

Link to comment
Share on other sites

Die Südamerikaner jammern dann, dass inzwischen viele Katholiken zu Freikirchen gewechselt sind.

Kein Wunder: Die Freikirchen sind anders strukturiert. Die haben mit Zölibatsfragen und Priesterfragen und meist auch mit Fragen über die Heilige Messe gar keine Probleme.

 

Ich erinnere mich, dass einmal irgendein Bischof (weiß nicht mehr, welcher) darauf hingewiesen hat: "Wenn der Pflichtzölibat aufgehoben wird, ändert sich mehr, als man denkt!".

Ich bin seiner Meinung.

Aber wenn man den Pflichtzölibat beibehält ändert sich wahrscheinlich mehr, als es sich der Bischof vorstellen kann. Der zunehmende Priestermangel wird sich geradezu landschaftsverändernd im katholischen Terrain auswirken.

 

Und da ist noch so eine Sache. So richtig auf den Grund gekommen ist man dem Priestermangel noch nicht. Zölibat ist ein Faktor. Der allgemeine Glaubensschwund, das Zerplatzen des katholischen Milieus, die reine Männerordination, abschreckende Priesterbeispiele, abschreckendes Berufsbild. Alles irgendwie richtig. Aber alles hinterfragbar - besonders der Glaubensschwund. Den halte ich für Faktor Nummer eins. Gegen den Glaubensschwund will man nicht wirklich etwas unternehmen, weil man dazu höchst unangenehme Fragen aufgreifen müsste, die viel grundsätzlichere Themen berühren.

  • Like 2
Link to comment
Share on other sites

Zur Burn-out Prophylaxe:

 

Ich sehe beispielsweise kein Problem darin fähige Laien mit allem zu betrauen, was nicht direkt mit Sakramenten und Seelsorge zu tun hat. Der katholische Priester ist zu allererst ein Opferpriester. Nur er kann dieses Opfer vollziehen. Deshalb sehe ich es als verschwendete Zeit an, wenn Priester statt sich ihrer und ihrer Gemeinde Heiligung in Messopfer und Gebet vollkommen zuzuwenden, irgendwelchen Sitzungen des PGRs oder Liturgieauschusses (was soll das überhaupt sein?) beiwohnen. Haltet den Priestern den Rücken für das Wesentliche frei. Leider ist der moderne Priester mehr Manager als Beter. Kein Wunder also, wenn dieser "Beruf" keine Anziehungskraft mehr hat.

 

Es ist möglich - wenn auch nicht ratsam - Priester mit Verwaltungsaufgaben zu betrauen. Laien hingegen mit priesterlichen Aufgaben zu betrauen ist ausgeschlossen. Daher würde ich für die Zwangsversetzung ambitionierter Pastoralreferenten etc. hinter den Schreibtisch plädieren. Dort wären sie sinnvoller eingesetzt als im Presbyterium zu versuchen, den Priester zu imitieren. Jede Berufung hat ihren Platz. Die des Priesters ist der Altar. Ich sehe nicht ein, warum (überdies nicht schlecht bezahlte) Laienmitarbeit die ihre nicht in der Entlastung des Priesters durch eine gewissenhafte Verwaltung erfüllen können sollten.

 

Ich fürchte allerdings, dass der Dissens (den ich allgemein annehme) auf unterschiedliche ekklesiologische Konzepte zurückgeht.

Edited by Studiosus
Link to comment
Share on other sites

OMG, Opferpriester? Nur noch für Sakramente zuständig?

 

Hast du eigentlich irgendwie Kontakt zu einer normalen Ortsgemeinde, normalen Seelsorgern, seien es Laien, seinen es Geweihte?

 

Weißt du eigentlich, was du da schreibst?

 

Und "hinterm Altar stehen wollen"?

 

Hast du schon mal einen ganzen Jahrgang Kinder auf die EKO vorbereitet?

 

Können wir uns das auch sparen, es genügt, wenn sie zur Erstkommunion gehen, Hauptsache Sakrament, Inhalte braucht es nicht?

Edited by nannyogg57
Link to comment
Share on other sites

OMG, Opferpriester? Nur noch für Sakramente zuständig?

 

Hast du eigentlich irgendwie Kontakt zu einer normalen Ortsgemeinde, normalen Seelsorgern, seien es Laien, seinen es Geweihte?

 

Weißt du eigentlich, was du da schreibst?

 

Und "hinterm Altar stehen wollen"?

 

Hast du schon mal einen ganzen Jahrgang Kinder auf die EKO vorbereitet?

 

Können wir uns das auch sparen, es genügt, wenn sie zur Erstkommunion gehen, Hauptsache Sakrament, Inhalte braucht es nicht?

Die Inhalte können ja von den Laien vermittelt werden... Ach nee, die sollen ja hintern Schreibtisch.

 

Studiosus übersieht das der Priester eben nicht nur zum Opferpriester geweiht ist, sondern auch zur Verkündigung - also für die Inhaltevermittlung.

Ferner übersieht Studiosus das Gemeindereferenten nicht für den Verwaltungsdienst, sondern für die Verkündigung (und die Liturgie und die Diakonie und die Koionia) vom Bischof beauftragt werden - Inhaltevermittlung ist hier Kern des Auftrags, Mitarbeit in der Verwaltung der Appendix, der mit der Zeit dran gewachsen ist.

 

Ich weiss nicht ob es die Klarstellung braucht, prophylaktisch schreib ichs trotzdem: Mein Szenario, das ich gestern Abend beschrieb, halte ich für keines das erstrebenswert wäre. Eher ein Horrorszenario. Und Studiosus´ "Gegenmodell" empfinde ich auch nicht für erstrebenswerter. Das leugnen udn negieren des Priestermangels schafft mehr Probleme als es löst.

 

Ich hatte das letztens gegenüber einer Bekannten so beschrieben:

Wenn wir wollen, das uns die Leute die Bude einrennen, dann brauchen wir - bildhaft gesprochen - ein drittel Papst Benedikt und zwei drittel Papst Franziskus.

Die arme Kirche glaubt uns kein Mensch. Also Pomp zur höheren Ehre Gottes und da eher klotzen statt kleckern (wenn wir etwas können ist es das)... Und im übrigen in gelebter Barmherzigkeit für die Menschen da sein dabei auch riskieren das man sich sich die Kirche Beulen holt.

Dafür braucht es aber auch ausreichend gute Priester.

Edited by Frank
Link to comment
Share on other sites

Das Problem bei den reinen Opferpriestern ist, dass sie wichtige persönliche Erfahrungen verpassen. Und das ist gerade dann wahrscheinlich, wenn sie Liturgie als ein Abarbeiten der Rubriken auffassen. Nach einigen Jahren wirken sie schon etwas merkwürdig. Nach etwas mehr Jahren wirken sie völlig abgehoben und abgedreht.

 

Dahinter steckt auch ein eigentümliche Vorstellung von Sakrament und Spiritualität, die meist auf eine Zweisamkeit zwischen Gott und dem Priester hinausläuft. Der Rest der Welt spielt nur noch die Rolle von Zeugen oder Teilhabern, schlimmstenfalls von Zuschauern.

 

Wenn ein derart gebürsteter Priester vor Erstkommunionkindern oder Firmanden steht, bekommt er den Praxis-Schock seines Lebens. Noch ein paar ADHS-Menschen dabei - und das Chaos ist perfekt. Nicht vergessen: Er steht ja nur in der Liturgie vor diesen Menschen. Er versteht sie nicht. Er kennt nicht ihren Livestyle, ihre Angst, den auf ihnen lastenden Druck, ihre Vorlieben, ihre Anfragen. Er weiß nicht, was sie brauchen, wovon sie träumen, welche Lebensstrategien sie sich zusammengeschustert haben.

 

Dies würde vielleicht tatsächlich funktionieren, wenn in seiner Gemeinde ein durchgängiges, großes Beichtbedürfnis wäre. Da käme ja all dies zur Sprache - aber auch nur dann, wenn er es zulässt. Wenn er auch in der Beichte nur auf die Sakramentenspendung in Form eines schematischen Zuspruchs, eines tarif-ähnlichen Bußwerks und der sowieso vorgegebenen Lossprechungsformel besteht, ist auch die Beichte für ihn keine Quelle der Mit-Menschlichkeit mehr.

 

Fragt man dann die jungen Leute seiner Pfarreien, ob sie später auch mal Priester werden wollen, dann fühlen die sich womöglich sogar veralbert. "Machst Du Witze? Ich will doch nicht so ein Affe werden!"

  • Like 1
Link to comment
Share on other sites

Zur Burn-out Prophylaxe:

 

Wichtiges Thema.

Neben die resignierten Pfarrer der 90- Jahre sind vermehrt auch andere Erscheinungsformen gekommen. Alkoholismus war schon immer ein Thema. Es gibt sie heute noch. Auch der Rückzug aus dem Leben (da sind wir wieder beim reinen Opferpriester) hat Konjunktur. Massive Gesundheitsbeschwerden treten schon frühzeitig auf. Und dann natürlich: Depression und Burn-out.

 

Wenn man auf Priesterstatistiken für Deutschland schaut, bekommt man ein ziemlich oberflächliches Bild von der Lage. Viele der dort aufgeführten Priester sind nicht vollständig einsatzfähig. Andere erfüllen einen meiner Lieblingsaussagen meines früheren Bischofs: "Ich habe da so ein paar Kandidaten, die haben nichts anderes zu tun, als mir meine Pfarreien kaputt zu machen!" Ja, ich habe schon einmal ein solches Exemplar live miterlebt. Da war vielleicht was los! Nach einem halben Jahr hat die Pfarrei den Priester zum Teufel gejagt - nachdem er es innerhalb weniger Wochen geschafft hat, sich gefühlt jedes einzelne Gemeindemitglied zum Feind zu machen. Wenn ihm das noch zwei oder dreimal widerfährt, würde seine Rücksichtslosigkeit und Menschenferne womöglich auch in Resignation, Verbitterung und Burn-out münden.

 

Gegen Burn-out helfen am besten sinnvolle Lebensaufgaben, mit denen man sich identifizieren kann und an denen man sinnvoll arbeiten kann. Und es braucht immer wieder mal Erfolge, damit man die Misserfolge wegstecken kann. Und - hilft nix! - Arbeit an sich selbst. Zum Beispiel müssen die meisten lernen, ihre Erwartungen an sich selbst in ein realistisches Maß zu bringen.

 

Die beste Prophylaxe wäre:

- Sinnvolle Lebensaufgaben aufzeigen.

- Rahmenbedingungen schaffen, damit man an dieser Lebensaufgabe auch arbeiten kann.

- Begleitung für die "Arbeit an sich selbst" anbieten.

 

Letzteres (Begleitung) wird in unserer Diözese neuerdings gerade aufgebaut. Jetzt! Wo der Zug schon längst abgefahren ist!

Über gute Rahmenbedingungen brauche ich mit 12 zu betreuende Kirchen gar nicht reden.

 

Mein Vorteil ist, dass ich selbst für Prophylaxe gesorgt habe (was ja eigentlich jeder vernünftige Mensch irgendwie tut). Weitgehend unabhängig von der Diözese habe ich Freunde gefunden, habe Kontakt mit Menschen verschiedener Generationen. Die Wahl einer sinnvollen Lebensaufgabe (übrigens: Das ist eine sehr veränderliche Größe ... allerdings bleibt mir eine gewisse Grundausrichtung tatsächlich vorhanden) wurde mir glücklicherweise schon recht früh in meinem Leben (Jugendalter) aufgezwungen. Auf diese Weise kann ich mit den schlechten Rahmenbedingungen irgendwie (und bis jetzt) ganz gut zurecht kommen.

Link to comment
Share on other sites

Studiosus übersieht das der Priester eben nicht nur zum Opferpriester geweiht ist, sondern auch zur Verkündigung - also für die Inhaltevermittlung.

Ich habe das Gefühl, dass Studiosus noch etwas viel Wichtigeres übersieht:

Der Priester ist keineswegs nur Funktionsträger (Opferpriester, Verkündiger, Organisator ...), sondern auch noch Mensch und Person.

 

Und gerade die Persönlichkeit ist für Priester sehr wichtig. Nicht nur die Stärke der Persönlichkeit, sondern auch die Ausprägung: Menschenfreundlich oder abweisend? Verständnisvoll oder verurteilend? Sklaventreiber oder um seine Mitmenschen bemüht? Humorvoll oder miesepetrig? Gläubig oder nur seine Funktion ausübend? Lebenslustig oder lebensverneinend? Integrativ oder polarisierend?

 

Ich halte solche Qualitäten für viel entscheidender, als die öde Frage: "Mann oder Frau" bzw. "Homo oder hetero" bzw. "Akademiker oder Hauptschulabgänger?" bzw. "verheiratet, geschieden, wiederverheiratet oder zölibatär?"

Edited by Mecky
Link to comment
Share on other sites

Hast du schon mal einen ganzen Jahrgang Kinder auf die EKO vorbereitet?

Ja, das ist seit langen Jahren mein Alltagsgeschäft. Einige Jahre in Zusammenarbeit mit einer Gemeindereferentin, die meiste Zeit aber mit eigenständiger Regie.

 

Natürlich kann das auch eine Gemeindereferentin. So gut, wie mancher Pfarrer - oder sogar besser.

 

Arbeitet die Gemeindereferent(in) ohne Pfarrer, kommt es allerdings zu dem Problem, dass die Kinder zum Liturgen keinen Bezug haben.

Dann neigt die Angst vor der Beichte geradezu zu explodieren. Bei einem Fremden!

Und die Fremdheit motiviert nicht dazu, in die Kirche zur Messe zu gehen. Eine gute Gemeindereferentin ist ein Kindermagnet für Wortgottesfeiern, so sie diese selbst anbietet. Ein guter Priester wäre ein Magnet für die heilige Messe und für den Ministrantendienst.

 

Wie gesagt: Ich verteile mich momentan auf 12 Orte. Dort mache ich die Erstkommunionvorbereitung. Und ich sage mit nun einiger Erfahrung: Das ist über die Grenze hinaus - und zwar nicht von der Arbeit her, sondern vom persönlichen Bezug. Ich kenne inzwischen die meisten Namen der Kinder - aber das ist viel zu wenig. Ich kenne nur wenige der Eltern. Einige Kinder haben ADHS, ein paar Autisten: Ich habe gar nicht die Möglichkeit, ihnen menschlich im notwendigen Umfang zu begegnen. Selbst mit einer guten Gemeindereferentin an der Seite wäre das noch prekär. Und neben dem Priestermangel und dem Gläubigenmangel haben wir einen Gemeindereferentinnen-Mangel. Und die Gruppenleiterinnen der EKO-Gruppen bräuchten viel, viel mehr Zuwendung, Ausbildung (oftmals in den aller"selbstverständlichsten" christlichen Vorstellungen), als ich sie ihnen geben kann. Sie sind mindestens so sehr Arbeitsgebiet, wie sie Hilfe sind. Wobei ich mich momentan wirklich nicht beklagen kann: Ich habe da ein paar ganz fitte Gruppenleiterinnen. Allerdings nimmt deren Vertrautheit mit Glaube und Kirche im Laufe der Jahre immer mehr ab. Ebenso deren Zahl. Und auch die Zeit, die sie aufwenden können (oder wollen) nimmt ab.

Link to comment
Share on other sites

Die Kirchengeschichte.

 

So what.

 

Entweder man beachtet sie nicht, weil, so rorro, man fälschlicherweise sowieso nur aufs Vat II abhebt, kam sagt, interessiert sowieso keinen.

 

Aber das Konstrukt der apostolischen Tradition würde durch das Studium der Kirchengeschichte gestützt werden, oder was?

 

Wirklich?

 

Ich glaube Du verwechselst mich.

Link to comment
Share on other sites

Es tut mir leid, dass ich dir frivol vorkomme, weil ich Verstösse gegen das Zölibat nicht so ernst nehme.

 

Das Zölibat der Weltpriester war schon immer etwas, dass nicht flächendeckend eingehalten wurde.

 

Welche Regel wurde denn bislang überhaupt flächendeckend eingehalten?

Link to comment
Share on other sites

Wenn es nur um das "Opfern" geht, dann spricht gleich gar nichts mehr gegen viri probati. Die können dann einem ganz normalen Beruf nachgehen und am Sonntag Vormittag "opfern" sie ein wenig.

Die Seelsorge machen die Profis wie Pastoralassistenten, den Verwaltungskram dürfen ebenfalls Profis machen, bei den Unsummen an Kirchensteuern sollte es doch möglich sein, dafür Verwaltungswirte o. ä. anzustellen

 

Werner

Link to comment
Share on other sites

Der Zölibat wird besser eingehalten, als es sein Ruf ist. Dort, wo er nicht eingehalten wird (damit meine ich gegen die Zölibatsregeln verstoßende Beziehung eines Zölibatären zu einer Frau oder einem Mann), gibt es so viele Probleme, dass sich viele das nicht antun wollen - oder wenn, dann nur ein Mal (sehr befristet) und darauf nie wieder. Oder anders gesagt: Die Zölibatsbrüche wirken aufgrund der entstehenden Probleme meistens entweder als Grund, den Priesterberuf zu verlassen, oder sie wirken als Zölibatsverstärker.

 

Die meisten Katholiken haben ebenso wenig Probleme mit nichtzölibatär lebenden Zölibatären, wie Nannyogg. Beliebten Pfarrern gönnen es viele. Manche reimen sich sogar zusammen, dass der Pfarrer so "menschlich" ist, gerade weil er in einer Beziehung lebt. Auch unbeliebten Pfarrern gönnen es viele - einfach aus mitmenschlichem Mitgefühl oder als Trost. Lediglich die Pfarrer, die lautstark und wüst bei anderen auf eine korrekte Einhaltung (sexualmoralischer) Normen bestehen, bekommen regelmäßig eine Retourkutsche für ihre Verlogenheit.

 

Ich habe schon von einigen Katholiken mit Blick auf ihren redlich zölibatär lebenden Pfarrer gehört: "Der bräuchte dringend eine Frau!". Meistens kann ich diesen Katholiken zustimmen. Allerdings nicht immer: Manche halten ja auch eine Beziehung für ein unschlagbares Patentrezept. Dem ist aber nicht in jedem Falle so.

 

Sehr vielen Menschen (auch Katholiken) ist ein Leben ohne Liebesbeziehung schlichtweg unvorstellbar. Und hieraus ergeben sich Misstrauen und Distanz. Mit "so was" will man nichts zu tun haben. Man wittert Leichen im Keller - Homosexualität ist da noch das Mindeste. Pornoversessenheit, Pädophilie, Puffgänge oder Sonstiges liegen doch sehr nahe. Vor einigen Jahren habe ich von einem Fall gehört, bei dem der Pfarrer irgendwann den Rappel bekommen hat. Er predigte: "Ich brauche keine Frau! Zumindest nicht, solange ich zwei gesunde Hände habe!"

Das haben die Leute dann wiederum verstanden. Die meisten Leute verstehen ja auch, wenn sich Jogi gelegentlich die Eier krault. Was ist mit diesem Pfarrer passiert? Gar nichts. Einige haben gelacht, andere sich den Mund zerrissen - für ein paar Wochen. Danach ging es weiter im business as usual. Ob es dem Pfarrer damit gelungen ist, Misstrauen und Distanz zu vermindern, weiß ich allerdings nicht. Ich vermute, dass die Story seiner Predigt nicht allzu weit über die Grenzen der Gottesdienstgemeinde hinaus wahrgenommen wurde. Sooo interessant ist das ja nun auch wieder nicht.

Link to comment
Share on other sites

Welche Regel wurde denn bislang überhaupt flächendeckend eingehalten?

Der erste und zweite Hauptsatz der Thermodynamik. Und noch ein paar andere "Regeln", gegen die man einfach nicht verstoßen kann.

 

Aber mal im Ernst: Es gibt Priester in der römisch-katholischen Kirche - inzwischen sogar teilweise außerhalb der Kategorialseelsorge - die verheiratet sind. Und das gültig und erlaubterweise. Die hat es auch - wenn ich mich nun nicht täusche - immer schon gegeben.

Link to comment
Share on other sites

Die Bischöfe haben sich das Thema Priestermangel und Zölibat zueigen gemacht.

Sehr erleuchtend ist der Abschlussbericht von Kardinal Marx.

 

Die Bischöfe haben sich ausgetauscht! Und zwar offen und nüchtern!

Eines scheint sich eisenhart zu erhärten: "Wir können nicht isoliert auf die Priester schauen, wir müssen auch auf die Gesamtsituation der Kirche schauen!"

Erkleckliches Ergebnis.

Marx verweist dann darauf, dass die Diskussion noch im Gange ist.

Kommission 3 UND 4 werden weiter beraten!

(Asterix: Man sollte einen Ausschuss bilden, der dann Unterausschüsse mit genau definierten Aufgaben bildet ...)

 

Man will "neue Plausibilität finden für die ehelose Lebensform".

Die Bischöfe riechen schon den Braten: Nicht jeder wertschätzt diese Lebensform positiv!

Ich empfehle auch hierzu einen Auschuss mit genau definierten Unterausschüssen. So ist das also. Nicht jeder! Achtung, gleich haut's mich vom Stuhl.

 

Gut finde ich auch: "Wir alle sind der Meinung: Es kann nicht einfach so weiter gehen. Es verändert sich Vieles in der pastoralen Situation ..."

Axo.

Eine einheitlich gebürstete Mannschaft aus über 60 Bischöfen. Alle derselben Meinung: So geht's nicht weiter!

Ich bin sprachlos.

 

Die Frage mit dem Pflichtzölibat hat für mich keine große Relevanz. Aber diese markerschütternde Hilflosigkeit der Bischöfe reizt mich wechselweise zum Grinsen, dann wieder zum Haareraufen. Einen solchen Bericht sollte man sich und anderen ersparen.

 

Alle Sätze erscheinen mir als dümmliche Ausreden dafür, dass man eigentlich nichts zu sagen hat. Schweigen wäre die bessere Alternative gewesen.

Ich befürchte, dass Kommission 3 und 4 auch nicht weiter kommen.

Die Jungs sind völlig planlos.

Klar ist nur, dass nichts klar ist.

 

So wie bisher? Will man nicht. Was anderes? Steht nicht in Aussicht - nicht einmal Ideen werden benannt.

Wie geht es weiter?

 

Ganz einfach: Es geht alles so weiter, wie bisher. Es ändert sich überhaupt nichts. Das "so geht's nicht weiter" ist zwar richtig analysiert - aber Alternativen werden nicht benannt.

Am besten, man erspart sich obigen Link und schaut sich ersatzweise Reinhard Meys Kommentar zur kirchlichen Situation an.

  • Like 1
Link to comment
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

 Share

×
×
  • Create New...