Domingo Geschrieben Dienstag um 06:05 Melden Geschrieben Dienstag um 06:05 (bearbeitet) Es wird im Text nunmal nicht genau erklärt, wie die Prüfung funktioniert (wohl weil das dem urspr. Publikum bekannt war; die zwei homerischen Gedichte sind aus älteren Mythen zusammengestellt, die die Leute damals bereits kannten). Daher können wir Altsprachler das Rätsel nicht unbedingt lösen, sondern es muss jemand mit einschlägiger Sachkenntnis mithelfen und keineswegs die Klappe halten. Ich bewundere Bogeschützen; als ich mich mal daran versuchte, einen echten Bogen zu schießen, kam es mir genauso kompliziert und unmöglich vor, wie wenn ein Teenager zum ersten Mal versucht, ein Auto zu fahren. Die Sachkenntnis kann auch aus der Archäologie kommen. Waren in der Bronzezeit billige Äxte verbreitet, die, um Metall zu sparen, Höhlen in der Klinge hatten, und die dann den gemeinen Soldaten gegeben wurden, weil sie eben keine so teure Ausrüstung hatten wie die Könige, dann ergibt die Idee, "durch 12 Äxte zu schießen," doch Sinn. Mir kam das am Anfang hingegen Spanisch vor. bearbeitet Dienstag um 06:05 von Domingo Zitieren
Shubashi Geschrieben Dienstag um 07:31 Autor Melden Geschrieben Dienstag um 07:31 1 hour ago, Domingo said: wie die Prüfung funktioniert Dass sie nicht nur aus dem Schießen bestand, gibt ja auch der Text vor. Der Bogen war ja immer eine leichte Waffe, idr aus Holz, tlw. auch mit Horn verstärkt. Er ist nie so schwer, dass ihn jemand nicht heben könnte. Schwer zu spannen ist er normalerweise auch nicht, da er eben zu den leichten Waffen zählt. Sowohl der Langbogen als auch Reflexbogen werden bei Heron von Alexandrien beschrieben und von ihm als funktionelle Grundlage verschiedener Balliste beschrieben. Das Einlegen der Bogensehne ist allerdings immer etwas tricky; heute kann man ein eigenes Spannseil verwenden, ohne dem setzt man den ganzen Körper ein, weil man den Bogen ja wesentlich weiter durchbiegen muss. Ein sehr langer oder sehr steifer Bogen kann dem ungeübten Bogner dann Probleme machen. Bei den Bronzeäxten hat die Archäologie ja wesentlich mehr Funde vorzuweisen, als bei den sehr viel weniger dauerhaften Bögen. Äxte waren ja auch wichtige Handels- und Prestigeobjekte, wie man aus diversen Hortfu den mit tlw. dutzenden von Stücken weiß. Über die verschiedenen Formen und Schäftungen ist man daher gut informiert, die extremen weiten Handelsrouten, die Metalle/Metallobjekte zurücklegten kennt man anhand der metallurgischen Analysen auch. In diesem Artikel sind auch Axtformen mit diversen Ösen dokumentiert. Zitieren
Flo77 Geschrieben Dienstag um 07:45 Melden Geschrieben Dienstag um 07:45 In meiner kindlichen Naivität hatte ich immer 12 Axtblätter ohne Stiele angenommen, die in einer Reihe in den Boden geschlagen wurden, und zwar alle in einer Klingenrichtung, so daß die Ösen für die Stiele, quasi eine Röhre bildeten. Das passt zwar auch nur, wenn der Saal unterschiedliche Fußbodenhöhen gehabt hat, aber erschien mir damals logischer als die Annahme, die Äxte hätten bereits das Loch für den Aufhängeriemen am Ende des Stiels gehabt, wie er heute verbreitet ist. Zitieren
Domingo Geschrieben Dienstag um 19:32 Melden Geschrieben Dienstag um 19:32 (bearbeitet) vor 12 Stunden schrieb Shubashi: Schwer zu spannen ist er normalerweise auch nicht, da er eben zu den leichten Waffen zählt. Tja, das wusste ich eben nicht. Ich stellte mir vor, er müsse furchtbar schwer zu spannen sein. bearbeitet Dienstag um 19:43 von Domingo Zitieren
Domingo Geschrieben Dienstag um 19:43 Melden Geschrieben Dienstag um 19:43 Am 31.7.2026 um 19:39 schrieb Domingo: Ich habe mir mal schnell was auf Youtube zusammengesucht und das gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=7UnCa2LfCDE Nunja, ich will gar nicht ausrechnen (bin zu faul dazu), wieviel mehr kinetische Energie ein .308 hat als ein Pfeil; es handelt sich aber - nochmal - um einen mythologischen Pfeil. Und der kann wohl auch schnurstracks fliegen, obwohl er 12mal hintereinander auf Holz stößt, wenn die Götter es so wollen. Zumindest bestätigt das Video, dass Holz sehr durchschlagbar ist, weil es ein darauf aufprallendes Geschoss offenbar nicht besonders stark verformt. Würde man statt dessen etwa Ziegelsteine in einer Reihe aufstellen, würde der erste und viell. noch der zweite zerschmettert werden, das Geschoss aber gleichzeitig zerquetscht oder in Stücke aufgebrochen, so dass es die dahinter liegenden Ziegelsteine nicht mehr durchschlagen könnte. Ich werde aber keine Videos dazu verlinken, da sie jeder in 5 Sekunden finden kann. Zitieren
Wunibald Geschrieben Mittwoch um 08:30 Melden Geschrieben Mittwoch um 08:30 Am 4.8.2026 um 09:45 schrieb Flo77: In meiner kindlichen Naivität hatte ich immer 12 Axtblätter ohne Stiele angenommen, die in einer Reihe in den Boden geschlagen wurden, und zwar alle in einer Klingenrichtung, so daß die Ösen für die Stiele, quasi eine Röhre bildeten. Das passt zwar auch nur, wenn der Saal unterschiedliche Fußbodenhöhen gehabt hat, aber erschien mir damals logischer als die Annahme, die Äxte hätten bereits das Loch für den Aufhängeriemen am Ende des Stiels gehabt, wie er heute verbreitet ist. Ich bin in meinem greisenhaften Starrsinn schon lange der Meinung, dass Äxte, ähnlich dieser modernen Form, verwendet wurden. Der Schuss muss durch die Ösen (Öhr, dafür hat Grimm schon Fundstellen von 1336) gehen. Die Äxte konnen exakt hintereinander in einen Balken gehämmert werden der waagrecht aufgestellt werden kann. Aber zurück von Homer, hinaus in der Garten der Wörter zum Beet der prägnanten Formulierungen. Nolan’s film predictably unleashed a babel of internet keyboard warriors howling about its “historical inaccuracy”, which is odd given that Homer created a poetic, fictional world that included elements from half a millennium of the Greek past. Alles hat zwei Seiten, treffender Ausdruck und die Tatsache, dass in den geheilgten Hallen unseres Forum der eine oder andere heulende Tastaturkrieger sein Unwesen treibt. Zitieren
Shubashi Geschrieben Mittwoch um 08:45 Autor Melden Geschrieben Mittwoch um 08:45 Wurde eigentlich je bedacht, dass damals die Bedienungsanleitungen der preisgünstigen chinesischen Äxte nicht mit moderner KI erstellt wurden? Wenn also dort früher „Kugellager“ schon mal als „rundes Sofa“ umschrieben wurde, wer weiß schon, was der fernöstliche Produzent mit „Öse“ letztlich genau meinste? 1 Zitieren
Dies ist ein beliebter Beitrag. Kulti Geschrieben Mittwoch um 10:07 Dies ist ein beliebter Beitrag. Melden Geschrieben Mittwoch um 10:07 Heißt Bogenspanner auf Französisch Voyeur de Arc? 4 Zitieren
Domingo Geschrieben Gestern um 05:18 Melden Geschrieben Gestern um 05:18 (bearbeitet) Am 4.8.2026 um 09:31 schrieb Shubashi: Schwer zu spannen ist er normalerweise auch nicht, da er eben zu den leichten Waffen zählt. Am 4.8.2026 um 21:32 schrieb Domingo: Tja, das wusste ich eben nicht. Ich stellte mir vor, er müsse furchtbar schwer zu spannen sein. Ich dachte immer, es sei eine Kraftprobe und Odysseus sei nunmal der stärkste, weil er eben ein homerischer Held ist. In Buch 7 wirft er den Diskus weiter als alle anderen, einschließlich der Jungspunde, von denen viele ganze 20 Jahre jünger sein dürften als er. Und in der Ilias benutzt Achilles einen Speer, der für jeden anderen zu schwer ist. Jeder der beiden Helden ist also im eigenen Gedicht der körperlich Stärkste. bearbeitet Gestern um 05:19 von Domingo Zitieren
Shubashi Geschrieben vor 21 Stunden Autor Melden Geschrieben vor 21 Stunden 3 hours ago, Domingo said: Ich dachte immer, es sei eine Kraftprobe und Odysseus sei nunmal der stärkste, weil er eben ein homerischer Held ist. In Buch 7 wirft er den Diskus weiter als alle anderen, einschließlich der Jungspunde, von denen viele ganze 20 Jahre jünger sein dürften als er. Und in der Ilias benutzt Achilles einen Speer, der für jeden anderen zu schwer ist. Jeder der beiden Helden ist also im eigenen Gedicht der körperlich Stärkste. „Schwer zu spannen“ kann ja auch passen, wenn das Auszugsgewicht ungewöhnlich hoch. Hier sind gängige Zuggewichte im modernen Bogensport, aber ich habe mal irgendwo gelesen, dassfür irgendeinen Rekordweitschuss 100 lbs und mehr eingesetzt wurde. Ob man mit sowas dann noch trifft, ist wohl eher fraglich. Das Einlegen der Bogensehne erfordert dann nochmal mehr Kraft und Geschick, aber ein „literaischer Supermann“ übertrifft dann eben jeden Konkurrenten. Zitieren
Recommended Posts
Join the conversation
You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.