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Wie viel Potential haben die Kirchen noch?


iskander
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Marcellinus
vor 3 Minuten schrieb Merkur:
vor 37 Minuten schrieb Marcellinus:

Kein Mensch wäre Christ oder sonstwie religiös, wenn er nicht religiös aufgewachsen wäre. Niemand, wohl gemerkt niemand wird allein auf einer einsamen Insel religiös.

Das glaube ich dir eben nicht. Religiosität ist dermaßen fest im menschlichen Wesen verwurzelt, dass sie sich immer in irgendeiner Form Bahn bricht.

 

Was selbst wieder eine Glaubensfrage ist. :D Fest steht, es gibt religiöse und nichtreligiöse Menschen. Letztlich behauptest du, nichtreligiöse wären irgendwie defizitär. Nun muß dich das nicht bekümmern, denn du wärst mit dieser Behauptung ja nicht der erste. Aus der Sicht von Religiösen fehlt Nichtreligiösen etwas Entscheidendes, während aus der Sicht von Nichtreligiösen Religiöse ihrer Weltsicht etwas Überflüssiges hinzufügen. Gegenseitiges Unverständnis. Das ist eben so. ;)

 

vor 3 Minuten schrieb Merkur:

Man kann sie in gewisser Hinsicht mit der Musik vergleichen. Niemand entwickelt allein auf einer einsamen Insel eine Wagner-Oper, aber irgendwelche Formen von Musik wird es früher oder später geben. Deswegen halte ich die Annahme, dass Religion irgendwann ausstirbt, für reichlich unrealistisch. Sie verändert sich, möglicherweise bleiben die Kirchen auch im Zuge der Veränderung auf der Strecke, aber sie stirbt mit Sicherheit nicht aus.

 

Der Vergleich scheint mir schief zu sein. Ich würde als Analogie zur Musik eher die Fantasie wählen. So wie wir Menschen eine gewisse Neigung zur Musik haben, der eine mehr, der andere weniger, so haben wir auch alle eine Neigung zur Fantasievorstellungen. So wie die Neigung zur Musik bei manchen mehr zur Klassik geht, bei anderen eher zu Jazz oder Pop, so gegen unsere Fantasievorstellungen entweder in Richtung auf Religion und Metaphysik oder zu etwas weniger esoterischen Formen.

 

Wie Musik die Fähigkeit ist, Rhythmus und Musik zu etwas zu verbinden, was unser Gefühl anspricht, so verbindet die Fantasie Worte und Gedanken zu Geschichten, die inspirieren. Und wie Musik verwendet werden kann, um uns zu Gutem oder Schlechtem anzuregen, so kann die Fantasie ein Mittel sein, um Neues, Aufregendes zu entdecken, oder die Wirklichkeit vor uns zu verbergen und uns zu Zerstörerischem anzustacheln. 

 

Religionen sind, so sehe ich das, eine Form von Fantasien, so wie die Wagner-Opern eine Form von Musik sind. Sie sind irgendwann entstanden, und werden vielleicht auch irgendwann wieder verschwinden. In einem allerdings hast du Recht: nicht zu unseren Lebzeiten. 

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Marcellinus
vor 9 Minuten schrieb Domingo:
vor 44 Minuten schrieb Marcellinus:

Was immer sie heute für ihre Religion empfinden, das Gefühl von Bedeutung war eher da als die eigene Entscheidung. Religionen erfüllen Bedürfnisse, die man ohne sie nicht hätte. Oder anders formuliert: es gibt keine außerreligiösen Gründe, religiös zu sein. 

 

Warum existieren Religionen dann überall auf der Welt, in jeder Kultur, die es je gab?

 

Ist das wirklich so? Kennst du eine Definition, die für alle diese Kulturformen gelten würde, von unseren Vorfahren von 100.000 Jahren bis heute? 

 

vor 9 Minuten schrieb Domingo:

Oder kommt hier der Unterschied zwischen Stammes- und Erlösungsreligionen ins Spiel, in dem Sinne, dass Religionen wie der Buddhismus, die die Welt als schlecht ansehen und Erlösung daraus versprechen, wirklich nur bei enigen Wenigen auf echtes Interesse stoßen?

 

Es ist eine interessante Frage, die wie gesagt eine halbwegs zutreffende Definition von Religion voraussetzen würde, die meines Wissens nicht existiert. Was man schreiben könnte, wäre eine Geschichte der Religionen, von ihren ersten Anfänge bis heute, Anfänge, die wie gesagt aber nicht identisch sind mit den Anfängen der Menschheit. Ich komme darauf noch zurück.

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vor 13 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Fest steht, es gibt religiöse und nichtreligiöse Menschen. ...

So fest steht das nicht. Worauf wir uns einigen könnten ist, dass es Menschen gibt, die mit den organisierten Formen von Religion nichts anfangen können.

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vor 18 Minuten schrieb Marcellinus:

Ich würde als Analogie zur Musik eher die Fantasie wählen. So wie wir Menschen eine gewisse Neigung zur Musik haben, der eine mehr, der andere weniger, so haben wir auch alle eine Neigung zur Fantasievorstellungen. So wie die Neigung zur Musik bei manchen mehr zur Klassik geht, bei anderen eher zu Jazz oder Pop, so gegen unsere Fantasievorstellungen entweder in Richtung auf Religion und Metaphysik oder zu etwas weniger esoterischen Formen.

Das wäre eine zu defizitäre Vorstellung von Religion. Religion betrifft auch, aber nicht nur die Fantasie, sondern auch das Gefühlsleben und die unbewußten Teile der Persönlichkeit. Um z.B. einen Rosenkranz zu beten, benötigt man wenig Fantasie. Ich habe den Eindruck, dass du Religion auf ihre Lehren beschränkst. Die Lehren sind aber einfach nur einer ihrer Ausdrucksformen, aber nicht ihr eigentlicher Inhalt.  

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23 minutes ago, Marcellinus said:

Ist das wirklich so? Kennst du eine Definition, die für alle diese Kulturformen gelten würde, von unseren Vorfahren von 100.000 Jahren bis heute? 

 

Ich galube, vor ein paar Seiten sprachst Du (oder jemand anderes) von übernatürlichen Elementen. Eine "Religion" glaubt an Götter, Dämonen oder andere übernatürliche und -menschliche Wesenheiten. Ich dachte, dise sei die Definition, mit der hier gearbeitet wird, und falls dem so ist, dann kann man mMn schon sagen, alle Kulturen auf dem Planeten sind religiös gewesen.

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Marcellinus
vor 57 Minuten schrieb Domingo:
vor einer Stunde schrieb Marcellinus:

Ist das wirklich so? Kennst du eine Definition, die für alle diese Kulturformen gelten würde, von unseren Vorfahren von 100.000 Jahren bis heute? 

 

Ich galube, vor ein paar Seiten sprachst Du (oder jemand anderes) von übernatürlichen Elementen. Eine "Religion" glaubt an Götter, Dämonen oder andere übernatürliche und -menschliche Wesenheiten. Ich dachte, dise sei die Definition, mit der hier gearbeitet wird, und falls dem so ist, dann kann man mMn schon sagen, alle Kulturen auf dem Planeten sind religiös gewesen.

 

Schon das paßt nicht, weil "übernatürlich" ein Konzept ist, das es noch gar nicht so lange gibt. Dazu brauchst du nämlich eine Vorstellung von "Natur", die sicherlich nicht älter als 2.500 Jahre ist. 

 

Der Historiker Yuval Harari („Eine kurze Geschichte der Menschheit“) beschreibt anschaulich, daß Religionen Ausdruck der jeweiligen Lebensumstände sind. In der Welt der Frühzeit, in der die Menschen einfach nur eine Art unter vielen waren, und bei weitem nicht die stärkste, konnte jedes Tier, jeder Bach, jeder Stein eine Hilfe oder eine Bedrohung sein. Entsprechend sprach man ihnen allen eine Seele zu, vor der man sich hüten mußte oder Hilfe erbitten konnte. "Übernatürlich" war damals noch kein Konzept, Götter übrigens auch nicht. 

 

Als die Menschen lernten, Pflanzen und Tiere zu züchten und sich nutzbar zu machen, hatte sich dieser Animismus überlebt. Von etwas, was man nutzt, das sich selbst kaum helfen kann, kann man keine Hilfe erwarten. So entstanden die Götter, meistens Naturgewalten oder weiterhin wilden Tieren nachgebildet, mächtig, aber nicht allmächtig, denen man die Macht zutraute, einem selbst zu Hilfe zu sein, und die man sich daher gewogen zu machen trachtete. Aber auch da gab es noch keine Unterscheidung zwischen "Natur" und "Übernatur". 

 

Erst mit der Naturphilosophie der Griechen beginnen die Menschen stärker zwischen der Welt der Götter und der der Menschen zu unterscheiden, und der Begriff der "Religion" als einer von der Naturbetrachtung getrennten Sphäre erscheint erst bei den Römern. 

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Marcellinus
vor einer Stunde schrieb Merkur:
vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:

Fest steht, es gibt religiöse und nichtreligiöse Menschen. ...

So fest steht das nicht. Worauf wir uns einigen könnten ist, dass es Menschen gibt, die mit den organisierten Formen von Religion nichts anfangen können.

 

Nein, darauf können wir uns nicht einigen, wie ich überhaupt denke, daß es eine Einigung zwischen Religiösen und Nichtreligiösen über das Thema Religion kaum geben kann.  Ich kann als Nichtreligiöser nicht nur mit Kirchen nichts anfangen, sondern auch nicht mit deren Vorstellungen, und auch nicht mit den Gefühlen, die das auslöst. Aber vielleicht solltest du einfach mal genauer beschreiben, was Religion deiner Ansicht nach ist. Du scheinst der Ansicht zu sein, so etwas wie Religion sei den Menschen angeboren. Dann müßtest du auch denken, ich sei kein Mensch, was ich für keine überzeugende These halten würde. ;)

 

vor einer Stunde schrieb Merkur:
vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:

Ich würde als Analogie zur Musik eher die Fantasie wählen. So wie wir Menschen eine gewisse Neigung zur Musik haben, der eine mehr, der andere weniger, so haben wir auch alle eine Neigung zur Fantasievorstellungen. So wie die Neigung zur Musik bei manchen mehr zur Klassik geht, bei anderen eher zu Jazz oder Pop, so gegen unsere Fantasievorstellungen entweder in Richtung auf Religion und Metaphysik oder zu etwas weniger esoterischen Formen.

Das wäre eine zu defizitäre Vorstellung von Religion. Religion betrifft auch, aber nicht nur die Fantasie, sondern auch das Gefühlsleben und die unbewußten Teile der Persönlichkeit. Um z.B. einen Rosenkranz zu beten, benötigt man wenig Fantasie. Ich habe den Eindruck, dass du Religion auf ihre Lehren beschränkst. Die Lehren sind aber einfach nur einer ihrer Ausdrucksformen, aber nicht ihr eigentlicher Inhalt.  

 

Die Vorstellung, die ein Nichtreligiöser von Religion hat, ist für die Religiösen fast zwangsläufig defizitär, weil darin das, was den Religiösen an ihrer Religion wichtig ist, nicht vorkommen. Und warum kommt es nicht vor? Weil es den Nichtreligiösen nicht wichtig ist. Daher schrieb ich vorhin:

 

vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:

Aus der Sicht von Religiösen fehlt Nichtreligiösen etwas Entscheidendes, während aus der Sicht von Nichtreligiösen Religiöse ihrer Weltsicht etwas Überflüssiges hinzufügen. Gegenseitiges Unverständnis. Das ist eben so.

 

 

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Ich finde es auffällig, daß hier "Religion" auf das jüdisch-christliche Verständnis des Begriffs enggeführt wird, obwohl ich hier nicht wirklich einen Anlass dazu sehe.

 

Andreas Mang hat diesem Missverständnis in "Aufgeklärtes Heidentum" ein ganzes Kapitel gewidmet in dem er aufzeigt, daß diese Engführung einem Großteil der nicht-christlichen Glaubens- und Ritualgemeinschaften in keinster Weise gerecht wird. Im Gegenteil führt ein enggeführter Religionsbegriff auf eine "klar strukturierte", "kodifizierte" und "hierarchisierte" feste Organisation dazu, daß man diese Kriterien auch von anderen Gemeinschaften erwartet bzw. solche Systeme nicht als "vollwertige Religion" entwertet.

 

Die "Abschiebung" der Götter in die Transzendenz ist ein Phänomen einiger weniger Religionen, aber bei weitem kein Kriterium um "Religion" zu definieren.

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Marcellinus
vor 1 Minute schrieb Flo77:

Ich finde es auffällig, daß hier "Religion" auf das jüdisch-christliche Verständnis des Begriffs enggeführt wird, obwohl ich hier nicht wirklich einen Anlass dazu sehe.

 

Andreas Mang hat diesem Missverständnis in "Aufgeklärtes Heidentum" ein ganzes Kapitel gewidmet in dem er aufzeigt, daß diese Engführung einem Großteil der nicht-christlichen Glaubens- und Ritualgemeinschaften in keinster Weise gerecht wird. Im Gegenteil führt ein enggeführter Religionsbegriff auf eine "klar strukturierte", "kodifizierte" und "hierarchisierte" feste Organisation dazu, daß man diese Kriterien auch von anderen Gemeinschaften erwartet bzw. solche Systeme nicht als "vollwertige Religion" entwertet.

 

Die "Abschiebung" der Götter in die Transzendenz ist ein Phänomen einiger weniger Religionen, aber bei weitem kein Kriterium um "Religion" zu definieren.

 

Vollkommen richtig, nur haben wir damit immer noch keine Definition. Wobei ich behaupten würde, daß das daran liegt, daß es keine gibt. Oder um Nietzsche zu zitieren: 

"Alle Begriffe, in denen sich ein ganzer Prozeß semiotisch [d.h. in einem absoluten  Begriff] zusammenfaßt, entziehn sich der Definition;

definierbar ist nur das, was keine Geschichte hat."
 

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2 hours ago, Marcellinus said:

Schon das paßt nicht, weil "übernatürlich" ein Konzept ist, das es noch gar nicht so lange gibt. Dazu brauchst du nämlich eine Vorstellung von "Natur", die sicherlich nicht älter als 2.500 Jahre ist. [...] Erst mit der Naturphilosophie der Griechen beginnen die Menschen stärker zwischen der Welt der Götter und der der Menschen zu unterscheiden, und der Begriff der "Religion" als einer von der Naturbetrachtung getrennten Sphäre erscheint erst bei den Römern. 

 

Ich habe am Rest Deines Beitrags nicht viel auszusetzen, aber dieses Argument erscheint mir nicht stichhaltig. Ist es falsch zu sagen, das mittelalterliche Eisland hatte eine starke demokratische Tradition? Oder dass es die Altgermanen taten mit ihren "Things" usw.? Schließlich hatten sie keinen Aristoteles gelesen und kannten den Begriff "Demokratie" nicht. Daraus aber zu folgern, es wäre falsch, wenn wir die dortigen Verhältnisse als demokratisch bezeichnen, ist mMn ein non-sequitur.

 

Anthropologen haben die Unterscheidung "emic" vs. "etic" in ihrem Begriffsarsenal. Will heißen, man kann eine Gesellschaft/Kultur mittels ihrer eigenen Begriffe beschreiben (emic) oder mittles unserer eigenen (etic). Letzteres ist nicht automatisch falsch.

 

Edited by Domingo
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vor 2 Stunden schrieb Marcellinus:

Die Vorstellung, die ein Nichtreligiöser von Religion hat, ist für die Religiösen fast zwangsläufig defizitär, weil darin das, was den Religiösen an ihrer Religion wichtig ist, nicht vorkommen. Und warum kommt es nicht vor? Weil es den Nichtreligiösen nicht wichtig ist.

Du kannst doch nicht einfach etwas weglassen, nur weil es dir nicht wichtig ist. Wenn ich z.B. über Autos sprechen wollte, aber kein Interesse an Motoren habe, käme ich nicht auf die Idee, dass man sich den Motor auch sparen könnte. Wenn man schon über Religion redet, dann bitte richtig. Religion ist das, was Religiöse sich darunter vorstellen, nicht etwa das, was NIchtreligiöse davon begreifen.

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Marcellinus
vor 3 Minuten schrieb Domingo:

Ich habe am Rest Deines Beitrags nicht viel auszusetzen, aber dieses Argument erscheint mir nicht stichhaltig.

 

Warum nicht? Es geht hier doch um die Unterscheidung zwischen Religion und Nichtreligion, und die Behauptung, Religion habe es immer gegeben. Diese Aussage macht aber nicht viel Sinn, wenn wir eine Zeit betrachten, als es den Unterschied zwischen Religion und Nichtreligion offenbar noch gar nicht gab. 

 

Unsere fernen Vorfahren mußten sich in einer Umgebung orientieren, über die sie kaum nachprüfbares Wissen besaßen. Sie mußten davon ausgehen, daß alles, von dem sie umgeben waren, und das für sie bedrohlich sein konnte, sei es ein Tier oder ein Bach oder ein Stein, ebenso absichtsvoll handeln konnte wie sie selbst. Wir nennen das aus heutiger Sicht "Animismus", aber aus damaliger Sicht war das nichts, was mit heutigen Religionen etwas zu tun hätte. 

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Marcellinus
vor 6 Minuten schrieb Merkur:
vor 2 Stunden schrieb Marcellinus:

Die Vorstellung, die ein Nichtreligiöser von Religion hat, ist für die Religiösen fast zwangsläufig defizitär, weil darin das, was den Religiösen an ihrer Religion wichtig ist, nicht vorkommen. Und warum kommt es nicht vor? Weil es den Nichtreligiösen nicht wichtig ist.

Du kannst doch nicht einfach etwas weglassen, nur weil es dir nicht wichtig ist. Wenn ich z.B. über Autos sprechen wollte, aber kein Interesse an Motoren habe, käme ich nicht auf die Idee, dass man sich den Motor auch sparen könnte. Wenn man schon über Religion redet, dann bitte richtig. Religion ist das, was Religiöse sich darunter vorstellen, nicht etwa das, was NIchtreligiöse davon begreifen.

 

Auto und Religion! Was für ein Vergleich! Sag doch einfach endlich, was du unter Religion verstehst, dann sage ich dir, was ich davon nicht verstehe. 

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iskander

 

vor 18 Stunden schrieb Marcellinus:

 

Kein Mensch wäre Christ oder sonstwie religiös, wenn er nicht religiös aufgewachsen wäre. Niemand, wohl gemerkt niemand wird allein auf einer einsamen Insel religiös. 

 

OK, das war jetzt nicht fair! Denn allein auf einer einsamen Insel kommt man nicht einmal zur Welt! :D Was ich sagen will: wer immer wir sind, oder werden könnten, die Religionen und anderen Weltanschauungen sind schon da. Wir alle setzen nur fort. 

 

 

Religion, so wie sie z.B. von der Wikipedia definiert wird ("Weltanschauungen, deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente (überirdische, übernatürliche, übersinnliche) Kräfte[2] sowie häufig auch an heilige Objekte darstellt") dürfte sehr weit verbreitet sein. Schwierigkeiten einer exakten Definition müssen einer sinnvollen Begriffsbildung nicht zwingend entgegenstehen. (Z.B. auch beim Begriff "politisch" oder "Kultur" dürfte es schwer sein, eine allgemein akzeptiere und genaue Definition zu finden, und z.B. indigene Gemeinschaften haben wohl nicht unser Verständnis - trotzdem lassen sich die entsprechenden Begriffe grundsätzlich sinnvoll verwenden. )

Selbst wenn man aber Religion nur in einem engeren Sinne definiert, bei dem der Bezug auf eine höhere Macht oder höhere Mächte zentral ist, dürfte Religion sehr weit verbreitet sein, vor allem in Hochkulturen.

 

Dass in der Tat viele Leute den (latenten) Wunsch nach einem höheren Sinn oder einer Zugehörigkeit zu einem "größeren Ganzen" haben, sei das religiös oder nicht-religiös, erweist sich in einer negativen Art und Weise auch darin, wie leicht z.B. hysterische Wellen des Nationalismus immer wieder zu entfachen waren.

Der "höhere Sinn" und das "größere Ganze" kann sich auch in der Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft oder einer andere Gruppe manifestieren.

In der Tat scheinen viele Menschen in dieser Hinsicht grundsätzlich (latent) "empfänglich" zu sein.

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vor 19 Stunden schrieb Merkur:

Kaum ein Mensch wäre Christ oder sonstwie religiös, wenn es nicht sein eigenes Leben und seine Erfahrungswelt unmittelbar beträfe und wenn es ihm keinen sinnlich erfahrbaren Vorteil brächte. Das Gerede über Transzendez ist eher ein Vehikel, aber sicherlich nicht der Kern des Christentums.

 

Genau darum bin ich ausgetreten: Es betrifft mein Leben und meine Erfahrungswelt nicht ansatzweise. Einen Vorteil hatte ich auch nicht.

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vor 17 Stunden schrieb Merkur:

So fest steht das nicht. Worauf wir uns einigen könnten ist, dass es Menschen gibt, die mit den organisierten Formen von Religion nichts anfangen können.

Also für mich steht das sowas von fest.

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Marcellinus
vor 4 Minuten schrieb iskander:

Religion, so wie sie z.B. von der Wikipedia definiert wird ("Weltanschauungen, deren Grundlage der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente (überirdische, übernatürliche, übersinnliche) Kräfte[2] sowie häufig auch an heilige Objekte darstellt") dürfte sehr weit verbreitet sein. Schwierigkeiten einer exakten Definition müssen einer sinnvollen Begriffsbildung nicht zwingend entgegenstehen. (Z.B. auch beim Begriff "politisch" oder "Kultur" dürfte es schwer sein, eine allgemein akzeptiere und genaue Definition zu finden, und z.B. indigene Gemeinschaften haben wohl nicht unser Verständnis - trotzdem lassen sich die entsprechenden Begriffe grundsätzlich sinnvoll verwenden. )

Selbst wenn man aber Religion nur in einem engeren Sinne definiert, bei dem der Bezug auf eine höhere Macht oder höhere Mächte zentral ist, dürfte Religion sehr weit verbreitet sein, vor allem in Hochkulturen.

 

Daß Religionen, wie auch immer man sie versteht, weit verbreitet sind, ist einfach einen beobachtbare Tatsache. Die Frage war, ob sie es sie immer gegeben hat, sie also eine Art anthropologischer Konstante sind. Da habe ich meine Zweifel. Meiner Ansicht nach sind sie das Ergebnis sozialer Bedingungen.

 

vor 4 Minuten schrieb iskander:

Dass in der Tat viele Leute den (latenten) Wunsch nach einem höheren Sinn oder einer Zugehörigkeit zu einem "größeren Ganzen" haben, sei das religiös oder nicht-religiös, erweist sich in einer negativen Art und Weise auch darin, wie leicht z.B. hysterische Wellen des Nationalismus immer wieder zu entfachen waren.

Der "höhere Sinn" und das "größere Ganze" kann sich auch in der Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft oder einer andere Gruppe manifestieren.

In der Tat scheinen viele Menschen in dieser Hinsicht grundsätzlich (latent) "empfänglich" zu sein.

 

Hier ist die Frage die nach der Henne und dem Ei. Wenn man sich überlegt, wieviel Erziehung in allen Ländern Europas die Voraussetzung war für den Nationalismus, der zum 1. Weltkrieg führte, dann habe ich so meine Zweifel am "latenten Wunsch". Gerade Experimente wie das von dir erwähnte zeigt eigentlich eher, welche Bedeutung hier der Gruppendruck hat. 

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vor 19 Minuten schrieb iskander:

Dass in der Tat viele Leute den (latenten) Wunsch nach einem höheren Sinn oder einer Zugehörigkeit zu einem "größeren Ganzen" haben

Nochmal: 42

 

Wenn man das erkannt hat, lebt es sich recht frei und unbeschwert von ausgedachten Fantasie-Wesen.

 

Ich bin gespannt, wann das "hört endlich auf die Wissenschaften" sich mal in diesem Lebensbereich durchsetzt :) 

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iskander
vor 19 Minuten schrieb Marcellinus:

Daß Religionen, wie auch immer man sie versteht, weit verbreitet sind, ist einfach einen beobachtbare Tatsache. Die Frage war, ob sie es sie immer gegeben hat, sie also eine Art anthropologischer Konstante sind. Da habe ich meine Zweifel. Meiner Ansicht nach sind sie das Ergebnis sozialer Bedingungen.

 

Wenn Religionen weltweit unter sehr vielen sozialen Bedingungen entstehen und sich entfalten, kann man sich fragen, ob das nicht ausreicht, um von einer "anthropologischen Konstante" zu sprechen, oder jedenfalls von etwas, was einer solchen nahekommt.

 

Zitat

Gerade Experimente wie das von dir erwähnte zeigt eigentlich eher, welche Bedeutung hier der Gruppendruck hat. 

 

Es ist ja nicht nur Druck, es ist auch Begeisterung (sonst gäbe es gar niemanden, der Druck ausübt).

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vor 36 Minuten schrieb iskander:

Wenn Religionen weltweit unter sehr vielen sozialen Bedingungen entstehen und sich entfalten, kann man sich fragen, ob das nicht ausreicht, um von einer "anthropologischen Konstante" zu sprechen, oder jedenfalls von etwas, was einer solchen nahekommt

So wie Krieg oder Gewalt gegen Kinder und Frauen?

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vor 18 Stunden schrieb Marcellinus:

Dann müßtest du auch denken, ich sei kein Mensch, was ich für keine überzeugende These halten würde.

Auf welchem KI-Server läufst du gerade? ;)

 

vor 1 Stunde schrieb Marcellinus:

Daß Religionen, wie auch immer man sie versteht, weit verbreitet sind, ist einfach einen beobachtbare Tatsache. Die Frage war, ob sie es sie immer gegeben hat, sie also eine Art anthropologischer Konstante sind. Da habe ich meine Zweifel. Meiner Ansicht nach sind sie das Ergebnis sozialer Bedingungen.

Ich meine, Du warst es, der hier mal erwähnt hatte, daß organisierte Religion möglicherweise mit der Entstehung von Städten vor 8.000 Jahren zusammenhängt. (Erst) da wurde ein 'Kitt' gebraucht, der das Gemeinwesen über die eigene Sippe hinaus zusammenhalten musste. Diesen Gedanken finde ich sehr überzeugend.

 

vor 1 Stunde schrieb rince:

Ich bin gespannt, wann das "hört endlich auf die Wissenschaften" sich mal in diesem Lebensbereich durchsetzt

Es gibt Leute, die halten auch Theologie für eine Wissenschaft. Und ich finde, da unterscheidet sich die Theologie nicht wesentlich von der Romanistik oder der Soziologie etc. Theologie ist allerdings definitiv keine Naturwissenschaft (sowenig wie Romanistik oder Soziologie), wer das durcheinander bringt, der muß auf die Nase fallen!

 

Und zur generellen Religiösität des Menschen:

Auch wenn die Großkirchen ihre Bedeutung und ihren Zusammenhalt einbüßen, so gibt es doch viele Anzeichen einer Art spirituellen Sehnsucht. Vom Bhuddismus über Yoga bis hin zur Ökologie. Ich kann mir gut vorstellen, das tatsächlich rund die Hälfte der Menschen dafür auf die eine oder andere Art empfänglich ist.

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Marcellinus
vor einer Stunde schrieb iskander:
Zitat

Gerade Experimente wie das von dir erwähnte zeigt eigentlich eher, welche Bedeutung hier der Gruppendruck hat. 

 

Es ist ja nicht nur Druck, es ist auch Begeisterung (sonst gäbe es gar niemanden, der Druck ausübt).


So isses! Eine Minderheit ist begeistert, der Rest kriegt Druck!

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vor 2 Minuten schrieb Moriz:

Es gibt Leute, die halten auch Theologie für eine Wissenschaft.

Es gibt auch Menschen, die halten Bachblüten für Medizin. So what...

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vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:


So isses! Eine Minderheit ist begeistert, der Rest kriegt Druck!

Wie beim Gendern :ninja: 

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vor 17 Stunden schrieb Marcellinus:

 

Auto und Religion! Was für ein Vergleich! Sag doch einfach endlich, was du unter Religion verstehst, dann sage ich dir, was ich davon nicht verstehe. 

Religion als Phänomen ist in der Tat schwer zu definieren. Man könnte sie beschreiben als eine Gesamtheit von Kulturtechniken, um mit bestimmten typischen Belastungen, Mängeln oder Unzulänglichkeiten des Lebens klarzukommen. Für einigermaßen einleuchtend, wenn auch respektlos, halte ich immer noch Tucholskys Beschreibung: " Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion."

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