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Kinderbeichte - ein Relikt vor dem gesellschaftlichen Aus?


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Geschrieben (bearbeitet)

Noch eine Anmerkung, ganz "untheologisch": Es hat mich als Kind immer geärgert, wenn es so hingestellt wurde, als ob man als Kind sozusagen nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden oder wählen können soll - so als seien Kinder Personen ohne eine moralische Einsicht und ohne eine moralische Handlungsfähigkeit. Und auch heute glaube ich durchaus, dass Kinder moralisch und auch schuldhaft handeln können. (Ich halte in diesem Zusammenhang auch das Modell von Kohlberg - jedenfalls so, wie es oft dargestellt wird - für mindestens grob vereinfachend.)

 

Davon bleibt aber unbenommen, dass Kinder und Erwachsene in dieser Hinsicht nicht gleich sind, und dass man Kinder hier gerechterweise nicht genauso wie Erwachsene beurteilen kann. 

bearbeitet von iskander
Geschrieben

Sind solche Beichtspiegel immer noch üblich? Die meisten davon sind ja offenbar vollkommen aus der Zeit gefallen. Ich habe bisher noch keinen wirklich guten gesehen. 

Geschrieben (bearbeitet)

Bei meinen Kindern vor ca. 10 Jahren, gab es auch so kleine Heftchen bzw. Beichtspiegel. Ich müsste mal zu Hause schauen, was da abgefragt wurde.

 

Ich weiß nur noch, daß die Sünden auf so kleine Herzchen geschrieben werden sollten, die dann nach der Beichtfeier, draußen verbrannt wurden...

bearbeitet von Flo77
Geschrieben

Ich finde die Anmerkungen von @Aleachim echt interessant und einfach als ein Indiz dafür, dass die kirchliche "Glaubenserziehung" von Kindern nicht auf dem Stand der pädagogischen Wissenschaft ist. Auf der anderen Seite denke ich, dass die kirchliche "Glaubenserziehung" von Kindern auch gar nicht auf dem Stand der pädagogischen Wissenschaft sein muss, weil die hauptsächliche Erziehung eh von den Eltern kommen muss ... wie alle anderen Arten von charakterlicher Erziehung auch nicht an die Schulen delegiert werden können.

 

Grundsätzlich wirft das aber die Frage auf: ab welchem Alter/welchem Entwicklungsstadium ist ein Mensch eigentlich überhaupt religionsfähig? Aber eine solche Frage kann man natürlich im Kontext einer Glaubensgemeinschaft, die die Neugeborenentaufe als "normal" bzw notwendig ansieht, gar nicht stellen.

Geschrieben
vor 2 Stunden schrieb Merkur:

Sind solche Beichtspiegel immer noch üblich? Die meisten davon sind ja offenbar vollkommen aus der Zeit gefallen. Ich habe bisher noch keinen wirklich guten gesehen. 

Mein Eindruck ist, dass es hier extreme Unterschiede gibt. In manchen Pfarreien sind viel offenere Formate üblich. Da gibt es keinen Standard. Beichtspiegel gibt es nach wie vor. Für Erwachsene, wie für Kinder. Auch hier gibt es eine große Vielfalt. Als ich unseren Pfarrer mal drauf ansprach, dass es ja auch noch ganz andere Beichtspiegel gäbe, reagierte er sehr unwirsch. Er sagte, er hält diese Vielfalt grundsätzlich für verkehrt. Da wüssten die Leute ja gar nicht mehr, was richtig und falsch ist, wenns im einen Beichtspiegel so und im anderen so steht. Für Erwachsene mag das grade so akzeptabel sein, Kinder und Jugendliche würden dadurch nur verwirrt...

Geschrieben
vor 15 Minuten schrieb Aleachim:

Er sagte, er hält diese Vielfalt grundsätzlich für verkehrt. Da wüssten die Leute ja gar nicht mehr, was richtig und falsch ist, wenns im einen Beichtspiegel so und im anderen so steht. Für Erwachsene mag das grade so akzeptabel sein, Kinder und Jugendliche würden dadurch nur verwirrt...

Ich finde, man kann ihm da schlecht widersprechen. Das ist aber das, was ja gerne als Fehler in der Katechese seit 1968 bemängelt wird, daß die Lehre der Kirche nicht mehr in ihrer Fülle vermittelt wird, sondern an vielen Stellen "schwierige Themen" ausgeklammert oder abgeschwächt werden.

 

Ich kann mich z.B. nicht daran erinnern, daß das sechste Gebot noch zu den Zeiten meiner Kinderkommunion thematisiert wurde. Ich meine es käme auch in den Beichtheftchen meiner Kinder nicht vor, bei der Firmvorbereitung, die ich als Katechet mitgemacht hab, war das auch kein Thema.

 

Entweder man spricht der Kirche die Autorität zu "miterziehen" zu können, dann darf man sich ihren Inhalten allerdings nunmal auch nicht widersetzen.

Oder man spricht der Kirche diese Autorität ab, dann stellt sich die Frage, was in der Sakramentenkatechese überhaupt noch gemacht werden darf und was davon wirklich nachhaltig ist.

 

vor 49 Minuten schrieb SteRo:

Grundsätzlich wirft das aber die Frage auf: ab welchem Alter/welchem Entwicklungsstadium ist ein Mensch eigentlich überhaupt religionsfähig?

Die erste von ihm angestoßene Diskussion mit meinem Sohn über die Existenz Gottes und den Wahrheitsgehalt der Kirche, hatten wir als er 5 war...

 

Geschrieben
vor 46 Minuten schrieb Flo77:
vor einer Stunde schrieb Aleachim:

Er sagte, er hält diese Vielfalt grundsätzlich für verkehrt. Da wüssten die Leute ja gar nicht mehr, was richtig und falsch ist, wenns im einen Beichtspiegel so und im anderen so steht. Für Erwachsene mag das grade so akzeptabel sein, Kinder und Jugendliche würden dadurch nur verwirrt...

Ich finde, man kann ihm da schlecht widersprechen

Doch, ich finde schon. Beichte ist kein Erziehungsinstrument! Aber es wurde viel zu lange als solches missbraucht. Das ist es, was ich so schrecklich finde. 

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb Flo77:

Ich finde, man kann ihm da schlecht widersprechen. Das ist aber das, was ja gerne als Fehler in der Katechese seit 1968 bemängelt wird, daß die Lehre der Kirche nicht mehr in ihrer Fülle vermittelt wird, sondern an vielen Stellen "schwierige Themen" ausgeklammert oder abgeschwächt werden.

Wenn das "die Fülle" gewesen sein soll, kann ich Entfremdung und die nachfolgenden Austritte verstehen. Der größte Teil davon kann wahrscheinlich weg. Es wäre natürlich sinnvoll, sich um eine geeignete Nachfolgeregelung zu bemühen und damit auch nicht mehr zu lange zu warten. 

Geschrieben
Gerade eben schrieb Merkur:

Wenn das "die Fülle" gewesen sein soll, kann ich Entfremdung und die nachfolgenden Austritte verstehen. Der größte Teil davon kann wahrscheinlich weg. Es wäre natürlich sinnvoll, sich um eine geeignete Nachfolgeregelung zu bemühen und damit auch nicht mehr zu lange zu warten. 

Ihr macht den gleichen Fehler wie Iskander.

 

Die Fülle umfasst die GANZE katholische Lehre, von der Erschaffung der Welt bis zum Liebesbeweis Gottes am Kreuz. Alles was die Kirche lehrt, ist in diesem Kontext zu sehen und zu vermitteln. Das heißt auch, daß z.B. die Beichtkatechese nicht nur klar gut und böse benennt, sondern das Beichtgeschehen in den göttlichen Heilsplan einordnet und sowohl die Folgen und Konsequenzen des Gnadenstandes wie auch die Quelle der Gnade aka die göttliche Liebe so vermittelt, daß die logischen Zusammenhänge dem Katechumenen innerlich werden.

Geschrieben (bearbeitet)
vor einer Stunde schrieb Aleachim:

Doch, ich finde schon. Beichte ist kein Erziehungsinstrument! Aber es wurde viel zu lange als solches missbraucht. Das ist es, was ich so schrecklich finde. 

 

Die Beichte als solche mag kein " Erziehungsinstrument" sein. Aber alles was zur Beichte dazugehört und also Lehre zur Beichte ist und zur Beichte hinführt, das ist Erziehungsinstrument. Insofern sind zB Beichtspiegel wohl Erziehungsinstrumente, die zur richtigen Gewissenserforschung erziehen.

bearbeitet von SteRo
Geschrieben
vor 25 Minuten schrieb Flo77:

Ihr macht den gleichen Fehler wie Iskander.

 

Die Fülle umfasst die GANZE katholische Lehre, von der Erschaffung der Welt bis zum Liebesbeweis Gottes am Kreuz. Alles was die Kirche lehrt, ist in diesem Kontext zu sehen und zu vermitteln. Das heißt auch, daß z.B. die Beichtkatechese nicht nur klar gut und böse benennt, sondern das Beichtgeschehen in den göttlichen Heilsplan einordnet und sowohl die Folgen und Konsequenzen des Gnadenstandes wie auch die Quelle der Gnade aka die göttliche Liebe so vermittelt, daß die logischen Zusammenhänge dem Katechumenen innerlich werden.

Flo, ich finde es schwierig - um nicht zu sagen: unpassend -, wenn Du bei einem so sensiblen Thema immer hart an der Grenze zum Sarkasmus segelst, obwohl Du ja durchaus persönlich eine Position einnimmst, die nicht zu Deinem gespielten Hardlinertum passt.
Mir wäre daran gelegen, darüber nachzudenken, wie Beichte vor der Erstkommunion so gestaltet werden kann, dass es für die unterschiedlichsten Kinder zu einem Sakrament des Wachstums in der Gottesbeziehung werden kann. Mir persönlich ist das Sakrament auch zu kostbar, als das ich wollen könnte, das Kinder es in einer Form kennenlernen, die nicht auf Ihre Entwicklung angepasst ist und die sie möglicherweise sehr effektiv von diesem Sakrament wegtreibt.

Und Beichtspiegel, wie die von Aleachim beschriebenen halte ich für nicht hilfreich.

 

Einen guten Satz zur Beichtvorbereitung, der (angepasst) für Erwachsene und Kinder gelten könnte, habe ich mal aus einer Katechese der Karl-Leisner-Jugend (die ja nun alles mögliche ist, aber nicht als lasch oder liberal verschrien) mitgenommen: "Du fragst Dich, warum es in Deiner Beziehung zu Gott (ich würde ergänzen: zu Dir selbst, zu den Menschen und der Schöpfung) zu dem gekommen ist, wie es im Moment ist."

Dazu gehört in meinen Augen auch, was die klassische Theologie confessio laudis nennt, das Erkennen all des Guten, das Gott mir schenkt und das ich mit Gottes Hilfe tun kann. Schuld und Sünde kann ich als Mensch nur auf der Folie des Guten und Gelingenden erkennen.

Geschrieben
vor 4 Minuten schrieb gouvernante:

Und Beichtspiegel, wie die von Aleachim beschriebenen halte ich für nicht hilfreich.

Das Beichtheftchen für meine Kinder ging nach dem Schema vor

 

"Wir tun [das "Richtige"], aber manchmal..." gegliedert nach den vier Lebensbereichen Kirche, Familie, Schule, Welt.

 

Und endet mit den 5 Vorsätzen Gandhis.

 

vor 9 Minuten schrieb gouvernante:

Flo, ich finde es schwierig - um nicht zu sagen: unpassend -, wenn Du bei einem so sensiblen Thema immer hart an der Grenze zum Sarkasmus segelst, obwohl Du ja durchaus persönlich eine Position einnimmst, die nicht zu Deinem gespielten Hardlinertum passt.

Zum einen: Ich habe das so mal wirklich geglaubt. Abrufbar ist es immer noch und ich meine das auch immer noch ernst.

 

Mir war es zwar nie vergönnt Vergebung oder göttliche Liebe zu fühlen, aber die Theorie ist mir durchaus vertraut. Was für mich in dieser Frage auch der Knackpunkt ist: ich habe die Beichte immer als leer erlebt, eben weil die Katechese bei mir da nichts befüllt hat. Ich wage allerdings zu behaupten, daß die Leere nicht ohne Unterricht der innerhalb des kirchlichen Lehrgebäudes verankert ist, zu füllen wäre.

Geschrieben
vor 1 Stunde schrieb Flo77:

Die Fülle umfasst die GANZE katholische Lehre,...

Die ganze Lehre ist für eine Beichte, die nicht lange dauert und sich nicht mit Kirchengeschichte, sondern dem Leben des Beichtenden befassen soll, schwer zu vermitteln. Statt der überholten, erwiesenermaßen nicht nachhaltigen Katechese, könnte man (bei Erwachsenen) z.B. die Maximen von Philipp Neri ausgraben (sofern man überhaupt noch jemanden mit diesem Thema erreicht). 

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb Flo77:

Was für mich in dieser Frage auch der Knackpunkt ist: ich habe die Beichte immer als leer erlebt, eben weil die Katechese bei mir da nichts befüllt hat.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob Katechese (die naturgemäß über die Inhalte des Glaubens informiert) das geeignetste Mittel ist, ein Kind in eine lebenschaffende Gottesbeziehung zu begleiten.

Geschrieben (bearbeitet)

Die in meinen Augen beste Katechese zur Beichte für Kinder ist es, wenn ihre Eltern ihnen davon erzählen, warum sie beichten gehen (damit meine ich nicht den Inhalt des Gebeichteten).

 

Wenn ihre Eltern nicht beichten gehen, werden die Kinder das auch nicht wieder von sich aus tun.

bearbeitet von rorro
Geschrieben
Gerade eben schrieb rorro:

Die in meinen Augen beste Katechese zur Beichte für Kinder ist es, wenn ihre Eltern ihnen davon erzählen, warum sie beichten gehen (damit meine ich nicht den Inhalt des Gebeichteten).

 

Wenn ihre Eltern nicht beichten gehen, werden die Kinder das auch nicht wieder tun.

Ich denke, das Erzählen allein bringt nichts, es müsste für die Kinder auch erfahrbar / beobachtbar sein. Ich freue mich daher zB über alle Pfarreien, in denen die Erstbeichte vor der Kommunion auch mit einer entsprechenden (am besten gemeinsam stattfindenden) Vorbereitung mit den Bezugspersonen der Kinder (das müssen meiner Erfahrung nach nicht unbedingt die Eltern sein) stattfindet und das Fest der Versöhnung ein Tag oder Nachmittag für alle ist.
Zum Glück kenne ich Pfarreien, die da viel dafür tun.

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb gouvernante:

Ich denke, das Erzählen allein bringt nichts, es müsste für die Kinder auch erfahrbar / beobachtbar sein.

 

Das eine schließt das andere nicht aus. Wenn Eltern davon erzählen und ihre Kinder aus Erfahrung wissen, daß das zur normalen Katholikenexistenz dazugehört, weil sie es an ihren Eltern erleben, dann verliert die Beichte an Exotenstatus und Status des Großen Unbekannten.

Geschrieben
vor 41 Minuten schrieb rorro:

an ihren Eltern erleben

genau. Deshalb halte ich eine isolierte Kinderbeichte vor der Erstkommunion für keine gute Heranführung an dieses Sakrament.

Geschrieben
vor 16 Minuten schrieb gouvernante:

genau. Deshalb halte ich eine isolierte Kinderbeichte vor der Erstkommunion für keine gute Heranführung an dieses Sakrament.

 

Das kann in den Familien funktionieren, wo sich vielleicht ein Kind denkt: jetzt darf ich auch mal das machen, wovon Mama und/oder Papa (oder Oma/Opa) ab und zu erzählen. Wenn Eltern genauso aufgeregt sind wie die Kids (oder noch mehr, ggf. widerwillig) - keine Ahnung, ob das zielführend ist.

Aber die Idee, mit den Kindern auch immer die Eltern an die Sakramente zu führen, ist natürlich immer richtig. Ich begrüße da jedes Bemühen und weiß aus eigener Anschauung, wie schwierig das alles sein kann.

Geschrieben
Am 30.3.2026 um 12:32 schrieb Aleachim:

Ja. Natürlich darfst du. Ich möchte dafür ein wenig ausholen. (Was dir bestimmt nichts ausmacht. 😉 )


Vielen Dank, war wirklich aufschlussreich. Deine Kritik ist für mich auch gut nachvollziehbar, und ich bin ehrlich erstaunt, dass so etwas heute noch "en vogue" ist. Wirkt auf mich alles pädagogisch reichlich naiv, antiquiert und undifferenziert. Eine Welt, in der beispielsweise Autoritäten immer zu 100% recht haben und Kinder sich immer zu 100% anpassen müssen und konfliktscheu sein müssen. Eine legitime Abgrenzung des Kindes, die Entwicklung von Autonomie, angemessener Streitkultur usw. scheinen nicht vorzukommen. Was die Frage aufwirft, ob angehende Priester nicht ein bisschen etwas Praxisnahes über Pädagogik und Psychologie in ihrer Ausbildung lernen sollten.

Geschrieben
Am 30.3.2026 um 18:02 schrieb Flo77:

Ihr macht den gleichen Fehler wie Iskander.

 

Du spielst offenbar auf meine Kritik an der kath. Sexualmoral an. Ich anerkenne aber durchaus, dass diese als Teil eines Gesamt-Systems verstanden wird. Meine Punkte sind nur diese:

 

- Die Argumente, die offiziell für die Sexuallehre vorgebracht werden, sind Rationalisierungen. Das "Argument" etwa, dass ein jeder nicht-fruchtbarer sexueller Akt gegen den Zweck der Sexualität verstoße, ist so irrational wie das "Argument", dass das Kauen eines Kaugummis gegen den Zweck des Kauapparats verstoße. Die eigentliche Grundlage der kath. Sexualmoral ist eine andere als die, die offiziell gerne genannt wird.

 

- Die kath. Sexuallehre folgt nicht ohne weitere Annahmen/Prämissen aus grundlegenderen kath. Lehren. Man könnte beispielsweise die allgemeine kath. Lehre vom Menschen akzeptieren und die Sexuallehre ablehnen, ohne deshalb in innere Widersprüche zu geraten. 

 

- Während die traditionelle kath. Sexuallehre weitgehend konsistent war (sexuelle Lust als ein Übel, das nur durch die Kinderzeugung willen entschuldbar ist), gilt das für die neue Lehre nicht mehr (etwa prinzipielle Erlaubnis von NFP zur Geburtenkontrolle). 

Geschrieben
vor 19 Minuten schrieb iskander:

- Die Argumente, die offiziell für die Sexuallehre vorgebracht werden, sind Rationalisierungen. Das "Argument" etwa, dass ein jeder nicht-fruchtbarer sexueller Akt gegen den Zweck der Sexualität verstoße, ist so irrational wie das "Argument", dass das Kauen eines Kaugummis gegen den Zweck des Kauapparats verstoße. Die eigentliche Grundlage der kath. Sexualmoral ist eine andere als die, die offiziell gerne genannt wird.

Diese Rationalisierung wirkt hilflos, das stimmt. Das ist aber der Fehler des Rationalisten, der meint eine "technische" bzw. "vernunftbasierte" Erklärung sei dem Laien leichter zu vermitteln als der tatsächliche Hintergrund.

 

vor 19 Minuten schrieb iskander:

- Die kath. Sexuallehre folgt nicht ohne weitere Annahmen/Prämissen aus grundlegenderen kath. Lehren. Man könnte beispielsweise die allgemeine kath. Lehre vom Menschen akzeptieren und die Sexuallehre ablehnen, ohne deshalb in innere Widersprüche zu geraten. 

Nicht wirklich. Zur "allgemeinen katholischen Lehre vom Menschen" gehört seine Geschaffenheit als Mann und Frau und damit auch ihre sexuelle Funktion.

 

Die Ablehnung der Sexuallehre ist im Grunde schon eine Ablehnung eines Grundaspekts des christlichen Menschenbildes (weshalb es so lustig ist, in welchen Zusammenhängen selbiges heute oft benutzt wird).

 

vor 19 Minuten schrieb iskander:

- Während die traditionelle kath. Sexuallehre weitgehend konsistent war (sexuelle Lust als ein Übel, das nur durch die Kinderzeugung willen entschuldbar ist), gilt das für die neue Lehre nicht mehr (etwa prinzipielle Erlaubnis von NFP zur Geburtenkontrolle). 

Ich sach mal Jein. Die Frage ob "Pflichterfüllung" Spaß machen darf ist noch eine andere, da müsste man jetzt die Moraltheologie nochmal zu löchern, aber das trifft auf die Frage, ob der Mensch lachen sollte, ja auch zu (die Bibel ist da übrigens auch recht "unlustig" - wenn in der Schrift gelacht wird, ist es glaube ich nie etwas Gutes).

 

Wenn(!) man NFP als die Erkenntnis und Annahme biologisch gegebener Möglichkeiten annimmt, die dem Grundlegenden Prinzip aller "erlaubter" Sexualtität, sprich heterosexueller, direkter, ungeschützter Vaginalverkehr mit intravaginaler Ejakulation nicht widerspricht, ist es eigentlich nur die Anwendung der normalen Prinzipien der Entscheidungsfindung. Etwas anderes wäre es, wenn diese Praxis irgendwann einmal verboten gewesen wäre, aber das hinge dann sehr von der Begründung des Verbots ab.

Geschrieben
vor 22 Minuten schrieb Flo77:

Zur "allgemeinen katholischen Lehre vom Menschen" gehört seine Geschaffenheit als Mann und Frau und damit auch ihre sexuelle Funktion.

Und wie passt der allheilige Zölibat da hinein? Nein, die neurotische Sexualfeindlichkeit der Kirche ist gnostisches Erbe, da beißt die Maus kein Faden ab. Weil man aber nicht gnostisch sein möchte, denkt man sich alle möglichen und unmöglichen Begründungen aus, eine absurder als die andere. Das ändert abee nichts daran, dass die gesamte katholische Sexuallehre ausnahmslos esoterischer Mist ist. Sollte dringend in die Tonne.

 

Werner

Geschrieben (bearbeitet)
vor 35 Minuten schrieb Werner001:

Nein, die neurotische Sexualfeindlichkeit der Kirche ist gnostisches Erbe,

Ob nun gnostisch, manichäisch oder monikanisch, dieses Erbe ist vorallem augustinisch (ich komme ja immer noch nicht über die Badezimmerszene weg...). Dieses Erbe ist aber auch nicht exklusiv. Strömungen der Leibfeindlichkeit finden sich in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Geburt im gesamten vorderasiatischen Raum in vielen Kulten und Religionen. Und diese waren dann auch im römischen Reich entsprechend verbreitet. Außer der Kirche hat nur keiner dieser Kulte und Religionen überlebt.

 

Die Kirche zu "entaugustinisieren" und vorallem zu "de-manichänisieren" hielte ich zwar in vielerlei Hinsicht für sinnvoll, aber bleiben wir doch realistisch. Nach 1.600 Jahren, wird man sowas wohl kaum noch los.

bearbeitet von Flo77

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