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Theodizee jenseits aller Weltanschauung?


michl

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Ich füge hinzu:

2a. Gott bindet sich an seine Offenbarung.

Für diese Behauptung gibt es keine logischen Gründe. Denn kaum schreibst Du Gott Allmacht zu, entziehst Du sie ihm auch gleich wieder - jetzt soll Gott auf einmal nicht in der Lage sein, seine ganze Macht zu benutzen. Wer sollte ihn denn daran hindern?

Pacta sunt servanda. Wenn Du einen Vertrag schließt, bist Du anschließend daran gebunden oder nicht? Hältst Du Dich nicht an den Vertrag, was sagt das dann über Dich?

 

In genau dieser Weise ist Gott an seine Offenbarung gebunden: zum einen an die Schöpfung, zum anderen an den Alten und den Neuen Bund.

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Wenn unser Gehirn nur dafür konstruiert wäre, mit Komplexität, negativen Rückkoppelungen, unbeabsichtigten Fernwirkungen, chaotischen Systemen und Wahrscheinlichkeiten umgehen zu können - aber da hapert es an allen Ecken und Enden......................

 

Ich weiß um die Problematik solcher Einsätze. Aber wenn man das, was du schreibst, weiterdenkt, bliebe einem einfach nur noch die Resignation. Oder nicht?

Ich spür jedenfalls immer eine große innere Lähmung, wenn ich mich darauf einlasse und die Versuchung, zu sagen, ok; lassen wir es, hilft eh nichts.

Nun, ich bin der Meinung, dass wir mit Vernunft und Wissenschaft diese Einschränkungen zumindest teilweise umgehen können. Dazu müssen wir aber auch den Tatsachen (so unangenehm sie auch sein mögen) ins Auge blicken. Mich lähmt das nicht, ich sehe es als Verpflichtung an, die Grundlagen unserer Welt genauer zu erforschen, um die Probleme zu lösen.

 

Wir können unser Gehirn nicht umkonstruieren, aber wir können unseren Umgang mit unseren Denkfähigkeiten verbessern.

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Pacta sunt servanda. Wenn Du einen Vertrag schließt, bist Du anschließend daran gebunden oder nicht? Hältst Du Dich nicht an den Vertrag, was sagt das dann über Dich?

 

In genau dieser Weise ist Gott an seine Offenbarung gebunden: zum einen an die Schöpfung, zum anderen an den Alten und den Neuen Bund.

Ok, das ist ein berechtigter Einwand. Aber es bedeutet, menschliche Moral als Maßstab an das Handeln Gottes anzulegen, d. h. weil wir es für gut halten, uns an bestehende Verträge zu halten, ist auch Gott nur dann gut, wenn er es ebenso tut.

bearbeitet von Volker
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Darin besteht m.E. die ganze Theodizeefrage (zumindest in ihrem modernen Teil): menschliche Moral als Maßstab an das Handeln Gottes anzulegen.

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Volker_Biallass

Hallo dr-esperanto :blink:

im Garten Eden hätten sich die Tiere nicht gegenseitig gefressen (erinnert mich an das "Goldene Zeitalter" der Antike)!

 

Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, /

Treue der Gürtel um seinen Leib.

Dann wohnt der Wolf beim Lamm, /

der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, /

ein kleiner Knabe kann sie hüten.

Kuh und Bärin freunden sich an, /

ihre Jungen liegen beieinander. /

Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

 

 

Vielleicht sollte es dich eher daran erinnern?

 

bcnu Volker

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Volker_Biallass

Hallo Martin :blink:

Pacta sunt servanda. Wenn Du einen Vertrag schließt, bist Du anschließend daran gebunden oder nicht? Hältst Du Dich nicht an den Vertrag, was sagt das dann über Dich?

 

Ein Bund ist eine besondere Willensbekundung. Im Gegensatz zur einfachen Verheißung (»Ich will dir ...«) beinhaltete sie eine Provokation (»und du sollst ...«).

 

Ein Vertrag Pakt ist was anderes. Da führt ein gemeinsames Interesse zu einem Übereinkommen in der Form »wenn du das, dann ich so«, bei dem ich mir dies genau soviel kosten lassen will, dabei ein gutes Geschäft zu machen meine.

 

Wenn Gott aber einen Bund eingeht, dann bindet ihn nur sein Wille. Ist ja altbekannt, dass er seine Bünde nicht leid wird, auch wenn der Mensch sie in Nichterfüllung der Provokation seinerseits recht lax handhabt, sondern dass er an seinem Willen (der Verheißung, dem Menschen gutes tun zu wollen) nicht ins Wanken geraten muss wie unsereiner.

 

bcnu Volker

bearbeitet von Volker_Biallass
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Darin besteht m.E. die ganze Theodizeefrage (zumindest in ihrem modernen Teil): menschliche Moral als Maßstab an das Handeln Gottes anzulegen.

Wenn man natürlich *irgendwas* oder *etwas völlig Unbekanntes* als Maßstab nimmt, und einfach behauptet, es wäre GUT, löst man die Probleme nicht...

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Damit hast Du eigentlich sehr schön beschrieben, wie Du hier Diskussionen führst. Danke! Hast Du zum Thema auch noch was zu sagen?

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grmpf.

 

Würdet Ihr bitte sachlich bleiben?

 

Danke,

hier ist F&A.

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Darin besteht m.E. die ganze Theodizeefrage (zumindest in ihrem modernen Teil): menschliche Moral als Maßstab an das Handeln Gottes anzulegen.

Oh, das hatte Epicur auch schon im Sinn. Die Frage wäre ja, nach welchen Maßstäben sollte man ihn sonst messen?

 

Ich hatte schon erwähnt: Eine der gängigen Lösungen des Theodizeeproblems besteht darin, dass man Gott für "nicht an menschlichen moralischen Maßstäben messbar" erklärt. Das erinnert sofort an Euthyphrons Dilemma. Wenn Gott das Foltern und Morden von Menschen nun "zufällig" (nach seinen Maßstäben!) für gut hält - ist es dann auch gut?

 

Beantwortet man die Frage mit JA, dann ist eine Moral, die auf Gott basiert, etwas höchst Willkürliches, für Menschen kaum geeignetes - denn wir sind uns darüber einig, dass Folter und Mord nichts Gutes sein kann. Zugleich stellt man sich damit außerhalb eines moralischen Diskurses. Ferner ist dann das Liebesgebot für uns nicht interpretierbar - seinen Nächsten zu lieben könnte dann ebensogut bedeuten, dass man ihn foltert und/oder ermordet. Und das ist absurd!

 

Beantwortet man die Frage mit NEIN, dann misst man Gott zwangsläufig an seinen eigenen, menschlichen Maßstäben - und, es geht auch nicht anders.

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Hallo dr-esperanto :blink:
im Garten Eden hätten sich die Tiere nicht gegenseitig gefressen (erinnert mich an das "Goldene Zeitalter" der Antike)!

 

Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, /

Treue der Gürtel um seinen Leib.

Dann wohnt der Wolf beim Lamm, /

der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, /

ein kleiner Knabe kann sie hüten.

Kuh und Bärin freunden sich an, /

ihre Jungen liegen beieinander. /

Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.

 

 

Vielleicht sollte es dich eher daran erinnern?

 

bcnu Volker

Ja, daran hatte ich auch gedacht, aber das ist ja unsere Zukunft! Es geht mir im Moment um die Vergangenheit!

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"...Jetzt meine Frage: Wo soll dieses Eden gelegen haben, etwa im Jenseits?"

 

Hi dr-esperanto,

ich glaube, dass es nicht ganz hilfreich ist, so danach zu fragen. Die Schöpfungsgeschichte ist wie andere Kosmogonien der Versuch unserer Vorfahren, das Rätsel, woher wir kommen und wie alles anfing, zu lösen. In ähnlicher Weise, was den Antrieb angeht, jedoch unter anderen Voraussetzungen (weil es ein naturwissenschaftlicher Ansatz ist) stellen wir auch heute die Frage nach dem Anfang und erhalten in diversen Theorien (Urknalltheorie etc.) eine mögliche Antwort. Daher würde ich die Schöpfungsgeschichte eher als Bild, besser noch als Modell verstehen und nicht als Tatsachenbericht. Obgleich in diesem Modell das ein oder andere enthalten ist, dass uns Hinweise liefern kann, was es mit den ersten Dingen auf sich hat. Um aber auf Deine Frage zu kommen. Ich glaube, dass der Garten Eden, mehr als ein Zustand und viel weniger als ein Ort zu begreifen ist. Es ist ein sehr „sorgenloser“, unbekümmerter vielleicht sehr „kindlicher Ort“ (im besten Sinne kindlich – vielleicht in Richtung behütet ohne Großes Wissen über die „großen Dinge“ aber im Vertrauen, dass man im Schutz Gottes aufgehoben ist.) Erstaunlich ist, dass es in vielen „Schöpfungsmythen“ ähnliche Bilder und Verläufe gibt. Ein Bild, das häufig auftaucht, ist das Bild eines paradiesischen Zustandes, der aber irgendwann gestört wurde (meist ist es ein Emanzipationsprozess des Menschen gegenüber dem Gott), wodurch es zum Bruch zwischen den Menschen und dem Gott oder den Götter kam. (Bsp. Der olympische Schöpfungsmythos – goldenes Zeitalter und silbernes Zeitalter; oder auch Der orphische Schöpfungsmythos - Metamorphosen von Ovid)

Gruß Benedykt

Danke, Benedykt, sowas habe ich mir auch schon gedacht. Was macht man jetzt damit?

Im Moment glaube ich immer noch, dass Gott die Welt unperfekt geschaffen hat, also bsp.w. mit sich gegenseitig fressenden Tieren. In dem Fall gäbe es keine gefallene Schöpfung, sondern eine von Gott so ungerecht eingerichtete Schöpfung! Ist das eigentlich keine Häresie?

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Darin besteht m.E. die ganze Theodizeefrage (zumindest in ihrem modernen Teil): menschliche Moral als Maßstab an das Handeln Gottes anzulegen.

Oh, das hatte Epicur auch schon im Sinn. Die Frage wäre ja, nach welchen Maßstäben sollte man ihn sonst messen? Ich hatte schon erwähnt: Eine der gängigen Lösungen des Theodizeeproblems besteht darin, dass man Gott für "nicht an menschlichen moralischen Maßstäben messbar" erklärt.

Nach welchen Maßstäben Gott zu messen ist? Nach göttlichen selbstverständlich. Wo finden wir die? In seiner Offenbarung...

 

Naja, so einfach ist es nicht. Also nochmal im Zusammenhang:

 

1. Gott existiert.

2. Gott offenbart sich.

2a. Gott bindet sich an seine Offenbarung.

3. Leid existiert.

4. Gott ist allmächtig.

 

Soweit herrscht halbwegs Einigkeit. Aus 2a. und 4. folgt (das hattest Du ja auch schon festgestellt):

 

4a. Gottes Offenbarung ist eine Selbstbeschränkung seiner Allmacht.

 

(Knauer scheint das übrigens für keinen sinnvollen Ansatz zu halten: »Oder man behauptet, dass die Schöpfung darin bestehe, dass Gott in der Weise einer Selbstbegrenzung die Welt als das von ihm Verschiedene aus sich heraussetze. Eben damit nehme er seine Allmacht gleichsam zurück und müsse selber hinnehmen, wie sich die Welt entwickelt und was sonst noch aufgrund der menschlichen Freiheit auf ihn zukommt. Allen diesen Redeweisen ist gemeinsam, dass sie Gott und Welt unter ein und denselben übergreifenden Seinsbegriff subsumieren. Man kann dann von der Welt auf Gott schließen, und auch umgekehrt von Gott auf die Welt. Zum Beispiel versucht man, die verschiedensten Dinge in der Welt mit Gott zu erklären. Dies wäre ein völliges Missverständnis der sogenannten Analogielehre, in der es nicht um einen diffus umgreifenden Seinsbegriff geht, sondern darum, dass die Welt in ihrer ganzen Wirklichkeit auf Gott hinweist.«)

 

5. Gott ist allwissend.

 

Können wir ebenfalls abhaken.

 

6. Gott ist gütig und liebt alle Menschen.

 

An genau dieser Stelle kommen die besagten Maßstäbe ins Spiel. Warum ist Gott nicht nach göttlichen Maßstäben zu messen, wenn er sich doch offenbart? (Die dritte Möglichkeit: Gott ist überhaupt nicht zu messen.)

 

Bis hierhin vielen Dank!

bearbeitet von mr94
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Hi dr-esperanto,

zunächst einmal würde ich mir nicht so große Gedanken darüber machen, was häretisch sein könnte und was nicht. Ich habe dies eine Zeit lang gemacht und musste feststellen, dass ich mir mehr Gedanken darum gemacht habe, was offizielle Lehrmeinung ist, als dass ich auf der Suche nach Gott war. Die Gedanken und das Herz sind frei und sie sollten es auch bleiben. Die übermäßige Sorge um Lehrmeinungen und Glaubenssätze und deren Einhaltung schafft nur Angst und Unsicherheit. Angst ist aber keine Grundlage für eine Beziehung zu Gott.

 

Ich finden, Gott hat mit dieser Welt die für mich denkbar beste erschaffen. Wenn man sich überlegt, wie eine Welt aussehen müsste, in der das höchste Prinzip die Freiheit in aller Konsequenz ist, dann würde man sie wahrscheinlich so gestallten, wie wir sie vorfinden. Als der Mensch (wieder ein Bild aus der Genesis) vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse aß und nicht mehr dachte, sah und fühlte wie ein „Kind“ und darum auch nicht mehr in der behüteten Obhut des Paradieses war, weil Mensch und Gott sich darauf trennte, ( in der Genesis steht hiefür sterben…)da begann die lange Suche des Menschen nach Gott. Wir habe die Erkenntnis über Gut und Böse und Gott überlässt und die absolute Freiheit uns für das eine oder andere zu entscheiden; uns für Ihn oder gegen ihn zu entscheiden. Freiheit in jeder Konsequenz? Das ist schwer zu tragen, besonders, wenn „un-schuldige“ leiden oder wenn Ereignissen, die kein Mensch beeinflussen kann (Unwetter, Erdbeben etc.), Ursachen für Leid sind. Wenn also Gott allmächtig ist und sein Einschreiten keine Frage des Könnens ist und ich gleichzeitig davon überzeugt bin, dass ihm seine Schöpfung nicht egal ist, nicht egal sein kann, wenn er seinen eigenen Sohn zu uns schickt, dann muss dieses Prinzip der Freiheit sehr wichtig sein; Hinzu kommt noch die Beurteilung von guten und bösen Taten und Ereignissen in einem Vor- und Nach-her eines solchen Ereignisses oder einer solchen Tat. Böses und Gutes stehen nie isoliert; ich habe das weiter oben schon ausführlich angesprochen.

 

Benedykt

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Oha, Entschuldigung, ich habe glatt übersehen, dass ich auf Dein Posting auch noch eingehen sollte ...

 

Das war eben nicht was ich mit meinen Überlegungen wollte, Leid rechtfertigen. Leid bleibt was es ist, Leid; Dennoch meine ich, dass man eine Handlung oder ein Ereignis nicht isoliert betrachten darf.

 

Ja, ich wollte Dir auch nicht unterstellen, dass Du versuchst, Leid zu rechtfertigen, ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Gefahr besteht.

 

Ich stimme Dir zu, dass man Leid nicht isoliert betrachten darf.

 

Wie Du richtig hingewiesen hast, ist dieser Voraussicht eine Grenze gesetzt. Wir können nun mal nicht alle Faktoren und Folgen unserer Handlung berücksichtigen. Wir haben aber die Erkenntnis über Gut und Böse und so weit es unser Verstand und unsere Auffassungsgabe zulassen, können wir nach bestem Wissen und Gewissen Gutes verfolgen und Böses meiden. Deine Analogie mit der Jauche könnte den Schluss zulassen, das es sich gar nicht lohnt Gutes zu tun und wenn sich nur ein einziges Glas Jauche mit einem Fass mit Wein vermischte, dann wäre es ein Fass mit Jauche, das eben glaube ich nicht. Ich glaube, um bei dem Bild zu bleiben, dass wenn auch nur ein Tropfen des Weines in das Fass mit Jauche fällt, dann ist es nicht mehr die Jauche, die sie vorher war. Ich glaube aber auch, dass dies Ansichtsache ist und ich werde Dich kaum vom Gegenteil überzeugen können.

 

Doch, denn es gibt eben auch gerechtfertigtes Leid. Wenn Eltern ihr Kind zur Impfung schicken, so ist die Spritze sicher leidverursachend, aber da damit eine spätere Gefahr abgewendet wird, die noch viel mehr Leid verursachen könnte, ist das gerechtfertigt. Aber natürlich können die Eltern nicht vorhersehen, ob die Krankheit, gegen die geimpft wird, überhaupt eine Bedrohung darstellt, die Möglichkeit dazu reicht bereits aus, die Impfung zu rechtfertigen. Es könnte ja sein, dass das Kind nie mit der Krankheit in Berührung kommt, aber das setzt die Rechtfertigung nicht außer Kraft.

 

Es gibt genau vier Gründe, mit denen man die Entstehung von Übeln rechtfertigen oder entschuldigen kann, die von jemanden verursacht werden:

 

(1) Man hat nicht genug Macht, um das Unheil zu verhindern.

 

(2) Man hat das Unheil aus Unwissenheit verursacht - man wusste nicht um die Folgen.

 

(3) Ein anderes Übel, schwerwiegender als das, welches man verursacht, wird damit verhindert (siehe Impfbeispiel).

 

(4) Mit dem Verhindern des Übels würde auch das Entstehen eines hohen Gutes verhindert.

 

Die Gründe (1) und (2) entfallen für Gott - ein schwacher, unwissender Mensch könnte damit entschuldigt werden, aber nicht Gott. Man sieht, man könnte das Entstehen von Leid durchaus rechtfertigen - in Grenzen.

 

Die Verteidigung des freien Willens wird meist mit (4) angeführt. Demnach wäre der freie Willen ein so hohes Gut, dass seine Verhinderung ein größeres Übel wäre, als wenn man die moralischen Übel damit zulassen würde.

 

Isoliert betrachtet kann man Leid nicht rechtfertigen. Im Kontext betrachtet geht dies aber durchaus. Die Behauptung, die hinter dem Theodizeeproblem steht ist die, dass man zwar manches Leid rechtfertigen kann, aber eben nicht alles. Es ist das überschüssige, nicht zu rechtfertigende Leid, welches eine Evidenz gegen Gott darstellt.

 

Ich behaupte nun, dass es überschüssiges Leid gibt - ich will aber zugeben, dass dies kein strikter Beweis gegen Gott ist, einfach aus Grund, dass man als Theist einfach bestreiten kann, dass es überflüssiges Leid gibt. Der Nachweis, dass es das gibt, ist nicht so ganz einfach.

 

Das Bild der beiden Fässer passt insofern nicht ganz zu meinen Gedanken, als dass ich meine, dass Gutes auch aus Schlechtem hervorgehen kann. In Deinem Bild wird Gutes von außen dem Schlechten zugeführt.

 

Richtig. Ich gebe zu bedenken, dass sich beides ausgleichen könnte, dass sich damit also nicht Leid per se erklären lässt, sondern nur zu einem geringen Anteil, selbst wenn man behauptet, dass aus Schlechtem mehr Gutes entsteht als umgekehrt.

 

Noch ein Satz zu Deinem Beispiel: Eines zeigt Dein Beispiel sehr gut (das ist es wohl auch, was Du damit sagen wolltest), dass Entscheidungen, Handlungen und ihre Folgen mehrdimensional, komplex und gelegentlich sogar chaotisch sein können und wir deren Folgen nur schwer, manchmal gar nicht vorhersagen können.) Dennoch würde ich bei einer mögliche Hilfslieferung immer nach der größtmöglichen Notwendigkeit entscheiden. Es macht großen ein Unterschied, ob Menschen nach 3-4 Tagen Sterben, weil sie nicht zu Essen haben, oder ob der Preis für Saatgut 1-2 Monate später in die Höhe schnellt. Ich würde im übrigen diese Kausalkette anzweifeln, ich glaube nicht, dass eine Hilfslieferung die Hungernden in Saatgut schwimmen lässt, so dass sie ihren eigenen Erzeugnisse nicht mehr kaufen; ich wüsste auch nicht, woher sie das Geld dafür nehmen sollten.

 

Aus einer funktionierenden Wirtschaft. Ich wollte aber mit dem Beispiel nur illustrieren, dass auch aus guten Taten Übel folgen können, wie eben auch umgekehrt. Es ließen sich noch weitere Beispiele denken, aber ich denke, mein Punkt ist klar: Man kann nicht alles Leid damit erklären, dass aus schlechten Taten meist Gutes folgt. Es gibt auch schlechte Taten, aus denen nur Schlechtes folgt.

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Nach welchen Maßstäben Gott zu messen ist? Nach göttlichen selbstverständlich. Wo finden wir die? In seiner Offenbarung...

 

Naja, so einfach ist es nicht.

 

Wie Du selbst bemerkst, ist das nicht so einfach, weil das Argument zirkulär ist: Gott behauptet, gut zu sein, und offeriert als Maßstab selbst, was dies bedeutet. Aus dem Maßstab folgt wiederum, dass er gut ist.

 

1. Gott existiert.

2. Gott offenbart sich.

2a. Gott bindet sich an seine Offenbarung.

3. Leid existiert.

4. Gott ist allmächtig.

 

Soweit herrscht halbwegs Einigkeit.

 

Ja.

 

Aus 2a. und 4. folgt (das hattest Du ja auch schon festgestellt):

 

4a. Gottes Offenbarung ist eine Selbstbeschränkung seiner Allmacht.

 

Ja, das könnte man durchaus behaupten. Man könnte also sagen, Gott ist zwar potenziell allmächtig - aber er spielt seine Allmacht nicht immer aus. Täte er es, wären wir nur Marionetten.

 

(Knauer scheint das übrigens für keinen sinnvollen Ansatz zu halten: »Oder man behauptet, dass die Schöpfung darin bestehe, dass Gott in der Weise einer Selbstbegrenzung die Welt als das von ihm Verschiedene aus sich heraussetze. Eben damit nehme er seine Allmacht gleichsam zurück und müsse selber hinnehmen, wie sich die Welt entwickelt und was sonst noch aufgrund der menschlichen Freiheit auf ihn zukommt. Allen diesen Redeweisen ist gemeinsam, dass sie Gott und Welt unter ein und denselben übergreifenden Seinsbegriff subsumieren. Man kann dann von der Welt auf Gott schließen, und auch umgekehrt von Gott auf die Welt. Zum Beispiel versucht man, die verschiedensten Dinge in der Welt mit Gott zu erklären. Dies wäre ein völliges Missverständnis der sogenannten Analogielehre, in der es nicht um einen diffus umgreifenden Seinsbegriff geht, sondern darum, dass die Welt in ihrer ganzen Wirklichkeit auf Gott hinweist.«)

 

Das halte ich nicht für besonders logisch, weil wenn es keine Möglichkeit gibt, von der Welt und seinem Handeln auf Gott zurückzuschließen, man der Religion die Grundlage entzieht. Beispiel: Gut, Jesus ist von den Toten auferstanden - aber da wir daraus nicht auf Gott schließen können, folgt daraus für uns nichts. Gott hat einen Bund geschlossen - aber da wir nicht logisch darauf schließen können, dass er sich auch zur Erfüllung seines Bundes verpflichtet sieht, folgt daraus nichts. Man erklärt damit die gesamte Religion zu einem non sequitur. Das hätte für jede Religion, die sich auf Gott beruft, verheerende Konsequenzen, weil Verlässlichkeit und Vertrauen nunmal darauf beruht, dass wir aus den Handlungen einer Person oder eben auch Gott induktiv auf zukünftige Verhaltensweisen schließen. Bestreitet man, dass diese Induktion gültig ist, bestreitet man der Religion ihre Grundlage.

 

Außerdem ist noch eines wichtig: Wenn man sich die Bibel genau betrachtet, dann wird man feststellen, dass Gott stets rational handelt, und zwar nach unseren Maßstäben. Eine beindruckende Analyse davon findet man bei:

 

Brams, Steven J.: 1983, Superior Beings - if They Exist, how Would We Know?: Game-Theoretic Implications of Omniscience, Immortality, and Incomprehensibility, Springer-Verlag, New York.

 

Brams, Steven J.: 2002, Biblical Games: Game Theory and the Hebrew Bible, MIT Press, Cambridge.

 

In beiden Büchern unterzieht der Experte für die mathematische Spieltheorie das Verhalten von Gott und den anderen Protagonisten der Bibel einer genauen spieltheoretischen Analyse - mit dem Ergebnis, dass sich Gott stets so verhält, wie man von einem maximal rationalen Spieler erwarten würde (rational nach unseren Maßstäben!).

 

Das ist übrigens auch ein schwerwiegender Einwand gegen den freien Willen: Wenn jeder Mensch in seinem Verhalten völlig frei wäre, so könnten wir aus seinen Verhaltensweisen auf nichts Zukünftiges schließen - eine menschliche Gesellschaft wäre unter diesen Voraussetzungen nicht möglich. Eine menschliche Gesellschaft beruht in ihren Grundfesten darauf, dass Menschen nicht völlig willensfrei handeln. Wäre es nicht möglich, von der Verhaltensweise einer Person auf ihre zukünftige Verhaltensweise zu schließen, so wären Übel ohne Ende die Folge dessen. Das reduziert den Wert der Willensfreiheit für uns Menschen beträchtlich.

 

5. Gott ist allwissend.

 

Können wir ebenfalls abhaken.

 

Ok.

 

6. Gott ist gütig und liebt alle Menschen.

 

An genau dieser Stelle kommen die besagten Maßstäbe ins Spiel. Warum ist Gott nicht nach göttlichen Maßstäben zu messen, wenn er sich doch offenbart? (Die dritte Möglichkeit: Gott ist überhaupt nicht zu messen.)

 

Daraus ergeben sich aber gleich mehrere Probleme, die schlimmer sind als das, was sie lösen sollen:

 

(1) Gut wird zu einem völlig willkürlichen, weil nicht an unseren Maßstäben zu messenden Begriff. Es gibt dann keine logische Verbindung zwischen dem, was wir als gut bezeichnen, und was Gott als gut bezeichnet. Kurz, Gott als gut und liebend darzustellen, wäre dann ein Ettikettenschwindel.

 

(2) Damit wird Gott als Grundlage einer Moral völlig unbrauchbar, man könnte eine Moral nur dann vertreten, wenn sie nicht göttlichen Ursprungs ist, weil wir "den Boden unter den Füßen verlieren" und nie wissen, was nun gut ist und nach welchen Maßstäben wir nun messen sollten.

 

(3) Die Kommunikation mit einem Wesen, welches weder unserer Logik noch unserer Moral entspricht, ist nahezu unmöglich. Ferner, viele der biblischen Geschichten deuten darauf hin, dass Gott völlig rational handelt, unterstellt man nun, dass Gott nicht nach unseren Maßstäben rational ist, dann würde man damit bestreiten, dass die Bibel eine Offenbarung Gottes ist. Auch das Universum folgt rationalen Maßstäben - ein nichtrationaler Gott widerspräche damit sowohl der Welt als Offenbarung als auch der Bibel als Offenbarung. Damit würden Deine Prämissen widersprüchlich und alle darauf basierenden Schlussfolgerungen falsch. Und auch die Moral folgt durchaus rationalen Maßstäben!

 

Man würde damit fordern müssen, dass wir eine völlige moralische Autonomie haben müssen. Und damit öffnet man Tür und Tor für eine ganze Reihe weiterer atheologischer Argumente - bis hin zu einem moralischen Beweis für die Nichtexistenz Gottes (den ich in diesem Zusammenhang aber nicht darstellen möchte).

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Hi dr-esperanto,

zunächst einmal würde ich mir nicht so große Gedanken darüber machen, was häretisch sein könnte und was nicht. Ich habe dies eine Zeit lang gemacht und musste feststellen, dass ich mir mehr Gedanken darum gemacht habe, was offizielle Lehrmeinung ist, als dass ich auf der Suche nach Gott war. Die Gedanken und das Herz sind frei und sie sollten es auch bleiben. Die übermäßige Sorge um Lehrmeinungen und Glaubenssätze und deren Einhaltung schafft nur Angst und Unsicherheit. Angst ist aber keine Grundlage für eine Beziehung zu Gott.

 

Ich finden, Gott hat mit dieser Welt die für mich denkbar beste erschaffen. Wenn man sich überlegt, wie eine Welt aussehen müsste, in der das höchste Prinzip die Freiheit in aller Konsequenz ist, dann würde man sie wahrscheinlich so gestallten, wie wir sie vorfinden. Als der Mensch (wieder ein Bild aus der Genesis) vom Baum der Erkenntnis über Gut und Böse aß und nicht mehr dachte, sah und fühlte wie ein „Kind“ und darum auch nicht mehr in der behüteten Obhut des Paradieses war, weil Mensch und Gott sich darauf trennte, ( in der Genesis steht hiefür sterben…)da begann die lange Suche des Menschen nach Gott. Wir habe die Erkenntnis über Gut und Böse und Gott überlässt und die absolute Freiheit uns für das eine oder andere zu entscheiden; uns für Ihn oder gegen ihn zu entscheiden. Freiheit in jeder Konsequenz? Das ist schwer zu tragen, besonders, wenn „un-schuldige“ leiden oder wenn Ereignissen, die kein Mensch beeinflussen kann (Unwetter, Erdbeben etc.), Ursachen für Leid sind. Wenn also Gott allmächtig ist und sein Einschreiten keine Frage des Könnens ist und ich gleichzeitig davon überzeugt bin, dass ihm seine Schöpfung nicht egal ist, nicht egal sein kann, wenn er seinen eigenen  Sohn zu uns schickt, dann muss dieses Prinzip der Freiheit sehr  wichtig sein; Hinzu kommt noch die Beurteilung von guten und bösen Taten und Ereignissen in einem Vor- und Nach-her eines solchen Ereignisses oder einer solchen Tat. Böses und Gutes stehen nie isoliert; ich habe das weiter oben schon ausführlich angesprochen.

 

Benedykt

Hmm, dann steht deine Weltdeutung aber im Widerspruch zur Deutung, dass die Schöpfung durch die Sünde des Menschen gefallen ist......meine Weltdeutung ist das übrigens auch: Wir sind hier auf Erden, um uns in vollkommener Freiheit für oder gegen Gott zu entscheiden und an den Problemen und Schwierigkeiten des Lebens Liebesfähigkeit zu lernen, Opfermut zu beweisen und so den Himmel als Lohn zu erhalten (so die Theologie der Evangelien - ich weiss, das ist nicht gerade die modernste Theologie, aber ich halte mich halt lieber an die Evangelien).

Also ich merke schon, keiner weiß was Genaues, wir befinden uns in einem Ozean von Spekulationen.....

bearbeitet von dr-esperanto
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Bis hierhin vielen Dank!

Kommt dazu noch was? Oder waren das Deine Schlussworte?

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Kleiner Christ

So wenig wir einen Beweis für die Existenz Gottes führen können, so wenig ist dies auch dagegen möglich. Ich glaube an diesen Gott, weil ich eine ganz starke Sehnsucht habe.

 

Wir definieren Gott als gütig, allmächtig, als die Liebe. Doch wissen tun wir es letztlich nicht. Es sind Erfahrungen die die Menschen (oder auch wir selbst) gemacht haben und auf Gott hin deuten. So sehr wir versuchen Gott mit unserem Verstand zu erfassen und ein Stück weit zu erklären (was m.E. durchaus legitim ist), müssen wir uns gleichzeitig doch eingestehen, dass dies mit den uns gegebenen Fähigkeiten nicht möglich ist. Ich denke, als erstes müssen wir erkennen, Gott ist größer als das was wir fassen und begreifen können.

 

Wir können versuchen uns ein Bild von ihm zu machen. Ein Bild mit dem wir leben können, das uns zum Leben hilft. Aber verstehen und begreifen werden wir Gott wohl nie in diesem Leben.

 

Auf die Frage nach der Allmacht oder Ohnmacht Gottes in Verbindung mit dem Leid wird es nie eine Antwort geben die für alle Zeiten und für jede/n gilt. Ich glaube, diese Frage muss jede/r für sich selbst beantworten. Eben eine Antwort für sich selbst suchen, die ihr/ihm zum Leben hilft.

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Hallo Kleiner Christ,

 

herzlich willkommen im Forum!

 

So wenig wir einen Beweis für die Existenz Gottes führen können, so wenig ist dies auch dagegen möglich. Ich glaube an diesen Gott, weil ich eine ganz starke Sehnsucht habe.

 

Nun, wenn etwas nicht existiert, dann kann man auch keinen Beweis dafür führen - und meistens sogar auch kein Beweis dagegen. So wirst Du mir nicht beweisen können, dass auf Alpha Zentauri keine kleinen grünen Männchen existieren.

 

Und wenn ich nun eine ganz, ganz starke Sehnsucht danach habe, dass sie existieren, existieren sie deswegen? Und wenn ich eine ganz, ganz starke und tiefe Sehnsucht danach habe, in der nächsten Woche sechs Richtige im Lotto zu haben, habe ich dann auch nächste Woche sechs Richtige im Lotto?

 

Sicher würden die meisten Menschen es als schön und wünschenswert erachten, ewig zu leben (mein Fall wäre das nicht), aber das bedeutet nicht, dass dem auch so ist.

 

Wir definieren Gott als gütig, allmächtig, als die Liebe. Doch wissen tun wir es letztlich nicht. Es sind Erfahrungen die die Menschen (oder auch wir selbst) gemacht haben und auf Gott hin deuten. So sehr wir versuchen Gott mit unserem Verstand zu erfassen und ein Stück weit zu erklären (was m.E. durchaus legitim ist), müssen wir uns gleichzeitig doch eingestehen, dass dies mit den uns gegebenen Fähigkeiten nicht möglich ist. Ich denke, als erstes müssen wir erkennen, Gott ist größer als das was wir fassen und begreifen können.

 

Wenn wir nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht, dann wissen wir auch nicht, ob er größer ist als alles, was wir fassen und begreifen können.

 

Wir können versuchen uns ein Bild von ihm zu machen. Ein Bild mit dem wir leben können, das uns zum Leben hilft. Aber verstehen und begreifen werden wir Gott wohl nie in diesem Leben.

 

Man sollte nie nie sagen ... :blink:

 

Auf die Frage nach der Allmacht oder Ohnmacht Gottes in Verbindung mit dem Leid wird es nie eine Antwort geben die für alle Zeiten und für jede/n gilt. Ich glaube, diese Frage muss jede/r für sich selbst beantworten. Eben eine Antwort für sich selbst suchen, die ihr/ihm zum Leben hilft.

 

Nun gut, in der Theodizeefrage geht es auch darum, welche Antwort man sich selbst gibt nach dem Sinn des Leidens.

 

Nehmen wir an, wir leben in einem großen Haus, um das sich - so sagt man - der mächtige und reiche Landlord um alles kümmert. Nun ist das Haus aber teilweise in einem erbärmlichen Zustand - das Wasser leckt, die Heizung kann man im Sommer nicht abstellen und im Winter nicht anstellen, die Wände sind feucht und brüchig - wie lange, meinst Du, müsste man dort leben, um nicht doch allmählich Zweifel daran zu bekommen, dass der mächtige und reiche Landlord, der sich um alles kümmert, auch wirklich existiert und sich für das Haus noch interessiert?

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Bei mir ist XXXX als Schöpfer immer tätig. Das eigentliche "Sein" hinter der Welt, wie wir sie wahrnehmen.

Aber bei mir ist XXXX gleichzeitig als "Erleber" mit in der Welt enthalten.

Und zwar in Allem.

Hallo Eve!

 

Gott ist gleichzeitig Schöpfer und Erleber! Ja, das ist auch mein Glaube.

 

Und deshalb kann er nicht das Leid verhindern?

 

Habe ich das richtig verstanden?

 

Klemens

er kann das Leid verhindern, aber er tut es nicht. Er greift nicht in den freien Willen des Menschen ein. Er belehrt sie und offenbart sich und wir können seine Worte annehmen oder nicht. Er zwingt sie uns nicht auf

 

Die Schöpfung ist sein Werk und damit dieses Werk Bestand hat, hat er in dieses Werk seine göttliche Ordnung hingelegt. Wer gegen diese göttliche Ordnung verstößt muß die Handlungen aus seinem Verhalten tragen. Ursache - Wirkung Prinzip. Diese Ursache - Wirkung Prinzig ist das, was wir als den "Zorn" Gottes kennen. Es ist der unabänderliche Wille Gotte und in diesem unabänderlichen Willen Gottes ist alle Materie eingebundenund unterworfen.

 

Der Mensch kann innerhalb eines Rahmen seinen freien Willen ausüben. So kann er mit der Materie arbeiten, sie verändern. Er kann Handlungen gemäß seiner eigenen Kenntnis und Erkenntnis vollziehen und für diese muß er auch gerade stehen.

bearbeitet von rakso
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Hi Rasko,

er kann das Leid verhindern, aber er tut es nicht. Er greift nicht in den freien Willen des Menschen ein. Er belehrt sie und offenbart sich und wir können seine Worte annehmen oder nicht. Er zwingt sie uns nicht auf
klingt so, als wüßtest du das genau.

 

Kleiner Hinweis dazu: Lorber wäre gerne mehr konzertanter Künstler statt nur Musiklehrer gewesen - freier Wille?

 

Gruß Eve

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er kann das Leid verhindern, aber er tut es nicht. Er greift nicht in den freien Willen des Menschen ein.  Er belehrt sie und offenbart sich und wir können seine Worte annehmen oder nicht. Er zwingt sie uns nicht auf

 

Das hat - wie ich bereits geschildert habe - mehrere kleine Schönheitsfehler. Die eine ist, dass sich "freier Wille" und "Gutes tun" sich nicht ausschließen, d. h. Gott hätte auch eine Welt schaffen können, in der die Menschen einen freien Willen haben und stets nur das gute tun. Behauptet man das Gegenteil, dann gibt es keinen Grund, davon auszugehen, dass Gott selbst einen freien Willen hat - denn er tut ja (angeblich) auch nur stets das Gute.

 

Nehmen wir zwei Hypothesen - die erste ist die, dass Gott nicht existiert. Wie würde man dann erwarten, dass die Welt aussieht? Genau. In diesem Fall muss man annehmen, dass es völlig sinnloses und überflüssiges Leid gibt (= Übel). Denn die Welt selbst ist ja nicht moralisch - Menschen sind es. Also stimmt die Welt mit dem überein, was man erwarten würde, wenn es keinen Gott gibt.

 

Nimmt man aber an, dass es einen Gott gibt, so müsste man, sofern man ihn für gut hält, auch annehmen, dass er eine Welt schafft (oder aktualisiert), in der es keine Übel gibt (wohl aber ein gewisses Maß an Leid).

 

Welche Hypothese passt besser zu der Welt, in der wir leben?

 

Hätte Gott eine Welt schaffen können, in der es freien Willen und keine Übel gibt, dann hätte er diese Welt auch schaffen müssen, sofern er tatsächlich gut ist. Falls er das nicht konnte, dann gibt es auch kein Paradies - denn man bestreitet damit ja, dass Gott eine Welt ohne Übel schaffen kann, was einerseits seine Allmacht in Frage stellt (aber die könnte man auch eingeschränkt definieren), oder andererseits zu dem Schluss führt, dass es das "hohe Gut" des freien Willens, der ja das Leid rechtfertigen soll, nicht im Paradies gibt. Kann er keine Welt ohne Übel schaffen, erwarten einen auch im Paradies Leid und Übel - diesmal aber in Ewigkeit. Kann er das nicht, ohne den freien Willen zu beschränken, dann gibt es im Paradies eben keinen freien Willen, aber dafür auch kein Leid, denn eine leidfreie Welt und die Existenz des freien Willens sollen sich ja ausschließen.

 

Man kann es drehen und wenden wie man will und wiederholen so oft man will - der freie Willen kann keine Erklärung für das Leiden sein, weil man dann entweder an Gottes Güte oder an der Existenz des Paradies zweifeln muss. Das passt nicht zusammen.

 

Die Schöpfung ist sein Werk und damit dieses Werk Bestand hat, hat er in dieses Werk seine göttliche Ordnung hingelegt. Wer gegen diese göttliche Ordnung verstößt muß die Handlungen aus seinem Verhalten tragen. Ursache - Wirkung Prinzip.  Diese Ursache - Wirkung Prinzig ist das, was wir als den "Zorn" Gottes kennen. Es ist der unabänderliche Wille Gotte und in diesem unabänderlichen Willen Gottes ist alle Materie eingebundenund unterworfen.

 

Der freie Willen ist aber eine rein geistige Fähigkeit - wenn der zu Leid führt, dann kann dies in einer rein geistigen Welt auch nicht anders sein. Ja, ist ja die Existenz des "geistigen freien Willens", die zu Leid führt.

 

Der Mensch kann innerhalb eines Rahmen seinen freien Willen ausüben. So kann er mit der Materie arbeiten, sie verändern. Er kann Handlungen gemäß seiner eigenen Kenntnis und Erkenntnis vollziehen und für diese muß er auch gerade stehen.

 

Nun, Gott hätte diesen Rahmen auch durchaus anders stecken können - er ist ja allmächtig. Die Konsequenzen der Handlungen müssten auch längst nicht so dramatisch ausfallen, wie sie es tun. Und die Konsequenzen, die der freie Willen hat, betrifft oft nicht die, die ihn ausüben. Und es gibt keine Erklärung dafür, wieso die "natürlichen Übel" (Sturmfluten, Ungewitter, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Seuchen etc.) etwas mit dem freien Willen zu tun haben sollen.

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Kleiner Christ

Hallo Volker,

 

"ich glaube an diesen Gott, weil ich eine ganz starke Sehnsucht habe" - so habe ich oben geschrieben. Glauben heißt nicht, dass ich es weiß. Glauben heißt für mich, dass ich all meine Hoffnung darauf setze. Und darum beweist meine Sehnsucht diesen Gott natürlich auch nicht. Aber ich hoffe auf diesen Gott. Ich hoffe auf diesen Gott, weil ich durch diese Sehnsucht Erfahrungen gemacht habe, die ich auf ihn hin deute.

 

Kannst du Gott beweisen?

 

Sicher würden die meisten Menschen es als schön und wünschenswert erachten, ewig zu leben (mein Fall wäre das nicht), aber das bedeutet nicht, dass dem auch so ist.

 

Diesen Beitrag habe ich nicht ganz verstanden. Vertraust oder hoffst du nicht auf eine Leben nach dem Tod?

 

Wenn wir nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht, dann wissen wir auch nicht, ob er größer ist als alles, was wir fassen und begreifen können.

 

Ich glaube (!) , dass Gott größer ist alles, was wir fassen und begreifen können. Eben wieder dieser Glaube und nicht das wissen.

 

Nun gut, in der Theodizeefrage geht es auch darum, welche Antwort man sich selbst gibt nach dem Sinn des Leidens.

 

Letzlich gibt es für mich keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Leidens. Leid mag manchmal -wenn man so will- einen "Sinn" haben. Gerade auch durch leidvolle Erfahrungen kommen wir in unserem Leben weiter, wird das Leben "tiefer", können wir mehr erkennen, wie wertvoll und schön Leben und mein Leben ansich ist. Doch bei schrecklichen Leiderfahrungen versagt diese Antwort und klingt wie Hohn. Und da taucht dann die alte Frage auf, will Gott nicht eingreifen oder kann er nicht oder gibt es ihn vielleicht gar nicht.

 

Alle Zweifel an der Existenz Gottes sind da vollkommen berechtigt (so wie bei deinem Beispiel mit dem Landlord). Genauso die Zweifel an diesem guten Gott oder eben an der Allmacht. Ich selber habe in den letzten 2 1/2 Jahren genügend eigene Leid- und Todeserfahrungen von mir sehr nahestehenden und geliebten Menschen gemacht. Ich habe viel geglaubt und dann auch wieder viel gezweifelt. Habe versucht, dies mit meinem Verstand zu begreifen und schaffe es doch nicht. All die Erklärungsversuche bleiben Versuche, Krücken. Eine Antwort gibt es nicht. Doch habe ich, trotz allen Zweifeln, die eigene Erfahrung gemacht, dass in all diesem Leid einer mitging. Ich/wir waren nicht allein! Ich deute diese Erfahrung auf Gott hin. Er hat das Leiden und die Tode nicht abgewendet, aber er hat uns auch nicht allein gelassen. Vielleicht konnte er nicht anders helfen, vielleicht wollte er nicht anders helfen - ich weiß es nicht. Aber ich meine gespürt zu haben, dass er da war und darum setze ich all meine Hoffnung auf ihn.

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Kannst du Gott beweisen?

 

Nein. Was nicht existiert, kann man auch nicht beweisen - es sei denn, man macht einen Fehler (aber dann ist es kein Beweis). Für mich wäre das Theodizeeproblem alleine schon Beweis genug, dass der christliche Gott nicht existiert - aber ich habe noch andere Beweise dafür. Andere Götter als der christliche mögen existieren, aber ich kann auch daran nicht glauben, weil mir die Beweise fehlen.

 

Sicher würden die meisten Menschen es als schön und wünschenswert erachten, ewig zu leben (mein Fall wäre das nicht), aber das bedeutet nicht, dass dem auch so ist.

 

Diesen Beitrag habe ich nicht ganz verstanden. Vertraust oder hoffst du nicht auf eine Leben nach dem Tod?

 

Nein. Für mich endet das Leben mit dem Tod. Ich sehe keinen Sinn darin, auf etwas zu hoffen, was extrem unrealistisch ist - so wünschenswert es auch sein mag.

 

Wenn wir nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht, dann wissen wir auch nicht, ob er größer ist als alles, was wir fassen und begreifen können.

 

Ich glaube (!) , dass Gott größer ist alles, was wir fassen und begreifen können. Eben wieder dieser Glaube und nicht das wissen.

 

Aber auch Glauben muss eine Basis haben - ohne eine Basis kann man an alles und nichts glauben. Wenn der "Glauben an sich" eine ausreichende Basis wäre, dann wäre damit auch ein Glauben, dass es keinen Gott gibt, vollauf gerechtfertigt. Oder aber auch der Glauben an beliebige andere Götter, von denen es einige zehntausend gibt.

 

Nun gut, in der Theodizeefrage geht es auch darum, welche Antwort man sich selbst gibt nach dem Sinn des Leidens.

 

Letzlich gibt es für mich keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Leidens. Leid mag manchmal -wenn man so will- einen "Sinn" haben. Gerade auch durch leidvolle Erfahrungen kommen wir in unserem Leben weiter, wird das Leben "tiefer", können wir mehr erkennen, wie wertvoll und schön Leben und mein Leben ansich ist. Doch bei schrecklichen Leiderfahrungen versagt diese Antwort und klingt wie Hohn. Und da taucht dann die alte Frage auf, will Gott nicht eingreifen oder kann er nicht oder gibt es ihn vielleicht gar nicht.

 

Ja. Und natürlich gibt es "gerechtfertigtes Leid". Ich leide, wenn ich zum Zaharzt gehe, aber ohne diesen würde ich noch mehr leiden. Es ist das ungerechtfertigte Leid (die Übel), die mir Kopfzerbrechen bereiten. Eine Welt voller Übel ist genau das, was man von der Welt erwarten würde, wenn es keinen Gott gäbe. Gäbe es diese Übel nicht, dann könnte ich auch an Gott glauben - abgesehen natürlich von den anderen Gründen, nicht an Gott zu glauben.

 

Alle Zweifel an der Existenz Gottes sind da vollkommen berechtigt (so wie bei deinem Beispiel mit dem Landlord). Genauso die Zweifel an diesem guten Gott oder eben an der Allmacht. Ich selber habe in den letzten 2 1/2 Jahren genügend eigene Leid- und Todeserfahrungen von mir sehr nahestehenden und geliebten Menschen gemacht. Ich habe viel geglaubt und dann auch wieder viel gezweifelt. Habe versucht, dies mit meinem Verstand zu begreifen und schaffe es doch nicht. All die Erklärungsversuche bleiben Versuche, Krücken. Eine Antwort gibt es nicht. Doch habe ich, trotz allen Zweifeln, die eigene Erfahrung gemacht, dass in all diesem Leid einer mitging. Ich/wir waren nicht allein! Ich deute diese Erfahrung auf Gott hin. Er hat das Leiden und die Tode nicht abgewendet, aber er hat uns auch nicht allein gelassen. Vielleicht konnte er nicht anders helfen, vielleicht wollte er nicht anders helfen - ich weiß es nicht. Aber ich meine gespürt zu haben, dass er da war und darum setze ich all meine Hoffnung auf ihn.

 

Ist denn das innere Empfinden, dass etwas von Gott kommt, bereits ausreichend, gegen alle Evidenzen an die Existenz Gottes zu glauben? Wenn man diese Frage bejaht, dann wartet ein schwerwiegendes Problem auf einen: Denn es hat eine Vielzahl von Menschen gegeben, die aufgrund ihres "inneren Empfindens" schreckliche Dinge getan haben. Der Massenmörder Peter Sutcliffe beispielsweise hatte eine tiefere, innere Überzeugung, dass Gott wollte, dass er Prostituierte vergewaltigte und ermordete. War es richtig für ihn, aufgrund dieser inneren Überzeugung das zu tun? Wenn man sagt "Nein", dann bedeutet dies, dass eine innere Überzeugung kein ausreichender Grund dafür ist, auf Gottes Willen oder seine Eigenschaften zu schließen. Das bedeutet auch, dass Glauben alleine nicht ausreicht.

 

Sagt man "Ja", Sutcliffe war deswegen berechtigt dazu - dann stellt man sich damit außerhalb einer jeden akzeptablen Moral. Folglich lautete die Antwort: Ein tieferes, inneres Empfinden ist kein ausreichender Grund für die Annahme, dass Gott existiert.

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