Jump to content

Meisner contra Lehmann


Moriz
 Share

Recommended Posts

Zwei Interviews:

Viele junge Leute bejubeln konservative Persönlichkeiten wie Johannes Paul II. oder Benedikt XVI. - laufen zugleich aber bauchfrei, heftig tätowiert und, mit Pasolini zu reden, recht konsumistisch herum. Ein Widerspruch?

 

Es geht offensichtlich im faktischen Leben zusammen. Die Mädchen auf dem Petersplatz, die dem Papst zujubeln, haben die Pille in der Tasche: Das wissen wir schon lange. Johannes Paul II. hatte nun einmal ein großes Charisma, das gerade auch bei jungen Menschen wirkte. Ihm gelang ein unvergleichlicher Funkkontakt. Ob das auch für Benedikt gelten wird, weiß ich nicht. Der Kern des Erfolgs von Johannes Paul II. bei den Jungen bestand darin, daß er ohne Wenn und Aber sagte: Wir vertrauen euch, daß auch ihr in der Lage seid, die Zukunft zu bauen. Er konnte Zuversicht verbreiten. Das ist ein sehr hohes Gut.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.07.2005, Nr. 30 / Seite 6 (Hervorhebung von Moritz)

 

Anders als sein Vorgänger betont er nicht so sehr die Einhaltung moralischer Normen, zum Beispiel bei der Frage von Sexualität vor der Ehe.

 

MEISNER: Er wählt dafür eine andere Ansprache als Johannes Paul II. Benedikt XVI. sagt: Ich möchte euch Geschmack auf Gott schenken. Denn dieser Gott schmeckt immer nach mehr. Dann schmeckt einem nichts mehr, wo nicht Gott drin steckt. Moral ist doch nur die Kehrseite des Glaubens, ein Nebenprodukt. Wenn ich glaube, ist alles andere für mich zweitrangig. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht der Sexualität zu stellen habe. Sie ist ganz wertvoll, sie muss aber in die Gesamtpersönlichkeit integriert werden. Nur sollten wir uns hüten, das Verhalten der Jugendlichen in unsere Bewusstseinsmuster hineinzuzwängen.

 

Was meinen Sie damit?

 

MEISNER: Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. Da hat es viele junge Menschen getroffen, dass selbst ein Bischof gesagt hat, dass die Jugendlichen auf dem Petersplatz in Rom dem Papst zujubeln - die Jungs mit Kondomen, die Mädchen mit der Pille in der Tasche.

 

Von wem sprechen Sie?

 

MEISNER: Wie mir tief verletzte Jugendliche gesagt haben, hat sich Kardinal Lehmann in einem Interview so geäußert. Mit dieser Bemerkung hat er viele Jugendliche tief getroffen.

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 24.8.2005 22:29 (Hervorhebung von Moritz)

 

Kadinal Lehmann stellt (in ungewohnt plakativer Weise) fest, daß es für viele junge Leute kein Widerspruch ist, dem Papst zuzujubeln, aber in Fragen der Sexualmoral anders zu handeln.

 

Kardinal Meisner behauptet, diese Unterstellung würde die jungen Leute zutiefst verletzen.

 

Sind die Jugendlichen heute alle viel "braver" als Lehmann vermutet, oder möchte Meisner lieber die Augen vor der Realität verschließen?

Was haltet ihr davon?

Link to comment
Share on other sites

Sie haben beide recht.

 

Sicher gibt es jubelnde Jugendliche mit was auch immer in den Taschen. Aber diejenigen, die sich an die Vorgaben der Kirche halten (wollen), fühlen sich dadurch vereinnahmt und reagieren verletzt.

 

(Evtl. wurde Kardinal Lehmann falsch zitiert und er sagte "Manche Mädchen auf dem Petersplatz...". )

Link to comment
Share on other sites

möchte Meisner lieber die Augen vor der Realität verschließen?

nö.

 

Meisner möchte in die Medien; und andere Möglichkeiten, in die Medien zu kommen, hat er leider nicht.

Link to comment
Share on other sites

Sie haben beide recht.

 

Sicher gibt es jubelnde Jugendliche mit was auch immer in den Taschen. Aber diejenigen, die sich an die Vorgaben der Kirche halten (wollen), fühlen sich dadurch vereinnahmt und reagieren verletzt.

 

(Evtl. wurde Kardinal Lehmann falsch zitiert und er sagte "Manche Mädchen auf dem Petersplatz...". )

Ich hoffe es für ihn. Alles andere wäre eine sinnlose Verallgemeinerung, die ich Kardinal Lehmann nicht zutraue - zumal er ja den Umgang mit Medien gewohnt ist.

Link to comment
Share on other sites

Meisner soll mal nicht so rumheulen. Er kann ja mal auf dem petersplatz spazieren gehen und ne Umfrage starten... :lol:

Link to comment
Share on other sites

Sie haben beide recht.

 

Sicher gibt es jubelnde Jugendliche mit was auch immer in den Taschen. Aber diejenigen, die sich an die Vorgaben der Kirche halten (wollen), fühlen sich dadurch vereinnahmt und reagieren verletzt.

Man kann es mit dem Sich-verletzt-Fühlen aber auch übertreiben.

Link to comment
Share on other sites

Man kann es mit dem Sich-verletzt-Fühlen aber auch übertreiben.

Wenn ein Bischof behaupten würde, alle Kaths würden sich insgeheim nach den Sex-Vorgaben der Kirche richten, gäb’s - neben Gelächter - bestimmt auch ganz förchterlich ernste Stellungnahmen.

 

 

Die beiden Kardinäle sollten sich von der Presse nicht so gegeneinander ausspielen lassen. Sie sind nicht die Bezirksvorsitzenden eines globalen Moralvereins, als die sie in den dt. Medien gern dargestellt werden. Es gibt andere Kernthemen. Zu „partnerschaftlichen Fragen“ genügt der Hinweis auf die Lehre der Kirche und das Gewissen des Einzelnen.

Edited by lara
Link to comment
Share on other sites

Man kann es mit dem Sich-verletzt-Fühlen aber auch übertreiben.

schon.

 

aber vielleicht ist er jetzt ein bißchen arg allein in seinem Bischofs-Haus; die geliehene Espressomaschine ist zurückgegeben, der Papst ist fort ...

Link to comment
Share on other sites

Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. [...]

 

diese unterstellung gegenüber kard. lehmann finde ich schon ein starkes stück. ich bin mir sicher, der fühlt sich dadurch verletzter als die/manche mädchen...

Link to comment
Share on other sites

Oder es ist schon "Wahlkampf"? Falls Kardinal Lehman als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz nicht mehr zur Verfügung stehen sollte ... .

Link to comment
Share on other sites

Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. [...]

 

diese unterstellung gegenüber kard. lehmann finde ich schon ein starkes stück. ich bin mir sicher, der fühlt sich dadurch verletzter als die/manche mädchen...

Ist das denn auf Kardinal Lehmann gemünzt? Ich habe nicht den Eindruck.

Link to comment
Share on other sites

Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. [...]

 

diese unterstellung gegenüber kard. lehmann finde ich schon ein starkes stück. ich bin mir sicher, der fühlt sich dadurch verletzter als die/manche mädchen...

Ist das denn auf Kardinal Lehmann gemünzt? Ich habe nicht den Eindruck.

es erweckt zumindest den eindruck, wenn meisner dann im selben atemzug lehmann als beispiel anführt...

 

ich war übrigens während des gesamten wjt sehr positiv von kard. meisner überrascht (ich habe ihn nämlich an anderer stelle auch ganz anders kennengelernt), meine polnischen begleiter sagtennach der abschlussmesse für die freiwilligen: "schade, dass meisner nicht papst geworden ist, der ist ja so lustig."

Link to comment
Share on other sites

Franciscus non papa
Sie haben beide recht.

 

Sicher gibt es jubelnde Jugendliche mit was auch immer in den Taschen. Aber diejenigen, die sich an die Vorgaben der Kirche halten (wollen), fühlen sich dadurch vereinnahmt und reagieren verletzt.

Man kann es mit dem Sich-verletzt-Fühlen aber auch übertreiben.

hm - es gibt ja auch eine kultur des "sich-verletzt-fühlens"

 

beispiele haben wir hier im forum zuhauf.... :lol:

Link to comment
Share on other sites

Franciscus non papa
ich war übrigens während des gesamten wjt sehr positiv von kard. meisner überrascht

oh ja - ich auch. ich war bisher der ansicht, der mann könne gar nicht bis drei zählen und erkläre hier öffentlich: ich habe dem armen bitter unrecht getan... er hat es in den letzten tagen vor dem wjt offensichtlich in der nachhilfe gelernt....

 

und nun kann er sowohl vorwärts als auch rückwärts bis drei zählen.

 

und wie die kinderchen halt so sind, musste er es auch immer wieder vorführen, und der applaus hat ihn sichtlich gefreut.

 

:):lol::):)

Link to comment
Share on other sites

Sie haben beide recht.

 

Sicher gibt es jubelnde Jugendliche mit was auch immer in den Taschen. Aber diejenigen, die sich an die Vorgaben der Kirche halten (wollen), fühlen sich dadurch vereinnahmt und reagieren verletzt.

Man kann es mit dem Sich-verletzt-Fühlen aber auch übertreiben.

hm - es gibt ja auch eine kultur des "sich-verletzt-fühlens"

 

beispiele haben wir hier im forum zuhauf.... :lol:

ich empfehle dazu: www.verletzte-christen.de :)

Link to comment
Share on other sites

Die beiden Kardinäle sollten sich von der Presse nicht so gegeneinander ausspielen lassen. Sie sind nicht die Bezirksvorsitzenden eines globalen Moralvereins, als die sie in den dt. Medien gern dargestellt werden. Es gibt andere Kernthemen. Zu „partnerschaftlichen Fragen“ genügt der Hinweis auf die Lehre der Kirche und das Gewissen des Einzelnen.

Sicher gibt es andere Kernthemen, auch und gerade in den beiden Interviews.

Moriz hat nur einen ganz kleinen Teil zitiert.

 

Und ich habe absolut nicht den Eindruck, dass sich Meisner gegen jemand anders ausspielen ließ, sehr im Gegenteil: Er hat sehr geschickt den Namen Lehmann ins Spiel gebracht, und seine eigene Meinung bzw. Wertung über dessen Ausspruch.

 

Und was das "Sich-verletzt-fühlen" betrifft: Ich schließe mich ramhol an, Kardinal Lehmann hat da einen sorgsam plazierten Seitenhieb abbekommen.

 

Liebe Grüße, Gabriele

Link to comment
Share on other sites

Ja, Gabriele, Kardinal Lehmann hat was abbekommen. Und mit seiner Aussage "Die Mädchen auf dem Petersplatz, die dem Papst zujubeln, haben die Pille in der Tasche: Das wissen wir schon lange" kann ich nicht richtig klarkommen, daher meine Vermutung, die Presse habe ihn falsch zitiert. Und das nicht nur, weil er "mit den Medien umgehen kiann" , sondern weil ich einfach nicht glauben will und kann, dass er damit alle jubelnden Mädchen gemeint hatte, bzw alle kath. Mädchen über einen Kamm schert.

 

Prinzipiell verstehe ich die beiden hochstwürdigen Herren ja: beide wollen für die Sache Jesu Begeisterte sammeln.

Meisner mit: "wir haben einen geregelten Verhaltenskodex und wer sich danach richtet, darf im Himmel jubilieren" und Lehmann mit dem Versuch, da nicht auszuschließen, wo andere (z.T. selbsternannte) Glaubenshüter "Soddom und Ghomorra" rufen. - Ich kann mit beiden leben. Es gibt nunmal Christen, die den strengeren Rahmen, die klarere Abgrenzung, suchen und vielleicht auch brauchen.

 

Was ich nicht abkann, ist die Polarisierung. Denn es geht beiden Kardinälen um die Nachfolge Christi. Die einen Kaths orientieren sich nunmal mehr an Lehmanns Wegweisern, die anderen an denen von Meisner.

 

In den Berichten der Medien werden sie offensichtlich gegeneinander ausgespielt. Dass sie dabei mitmachen, und sich jeder Kath. entscheiden soll, ob er eher für L oder M ist, empfinde ich als klassisches 'divide et impera'. - Für mich sind beide Kardinäle wichtige Hirten und jeder auf seine Art glaubwürdig und sympathisch. Persönlich bin ich eher L. Aber das macht mich nicht blind für das Positive von Kardinal Meisner.

Link to comment
Share on other sites

möchte Meisner lieber die Augen vor der Realität verschließen?

nö.

 

Meisner möchte in die Medien; und andere Möglichkeiten, in die Medien zu kommen, hat er leider nicht.

Das kann ich aber jetzt nicht ganz nachvollziehen. Bei dem WJT war er als Kardinal von Köln in den Medien sehr präsent.

Link to comment
Share on other sites

Meisner soll mal nicht so rumheulen. Er kann ja mal auf dem petersplatz spazieren gehen und ne Umfrage starten... :lol:

Täuscht der Eindruck- oder heulen eher die Meisner- Feinde herum?

Link to comment
Share on other sites

Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. [...]

 

diese unterstellung gegenüber kard. lehmann finde ich schon ein starkes stück. ich bin mir sicher, der fühlt sich dadurch verletzter als die/manche mädchen...

Ist das denn auf Kardinal Lehmann gemünzt? Ich habe nicht den Eindruck.

Diesen Eindruck habe ich auch nicht.

Link to comment
Share on other sites

Ja, Gabriele, Kardinal Lehmann hat was abbekommen. Und mit seiner Aussage "Die Mädchen auf dem Petersplatz, die dem Papst zujubeln, haben die Pille in der Tasche: Das wissen wir schon lange" kann ich nicht richtig klarkommen, daher meine Vermutung, die Presse habe ihn falsch zitiert. Und das nicht nur, weil er "mit den Medien umgehen kiann" , sondern weil ich einfach nicht glauben will und kann, dass er damit alle jubelnden Mädchen gemeint hatte, bzw alle kath. Mädchen über einen Kamm schert.

 

Prinzipiell verstehe ich die beiden hochstwürdigen Herren ja: beide wollen für die Sache Jesu Begeisterte sammeln.

Meisner mit: "wir haben einen geregelten Verhaltenskodex und wer sich danach richtet, darf im Himmel jubilieren" und Lehmann mit dem Versuch, da nicht auszuschließen, wo andere (z.T. selbsternannte) Glaubenshüter "Soddom und Ghomorra" rufen. - Ich kann mit beiden leben. Es gibt nunmal Christen, die den strengeren Rahmen, die klarere Abgrenzung, suchen und vielleicht auch brauchen.

 

Was ich nicht abkann, ist die Polarisierung. Denn es geht beiden Kardinälen um die Nachfolge Christi. Die einen Kaths orientieren sich nunmal mehr an Lehmanns Wegweisern, die anderen an denen von Meisner.

 

In den Berichten der Medien werden sie offensichtlich gegeneinander ausgespielt. Dass sie dabei mitmachen, und sich jeder Kath. entscheiden soll, ob er eher für L oder M ist, empfinde ich als klassisches 'divide et impera'. - Für mich sind beide Kardinäle wichtige Hirten und jeder auf seine Art glaubwürdig und sympathisch. Persönlich bin ich eher L. Aber das macht mich nicht blind für das Positive von Kardinal Meisner.

Das Divide et impera gibt es immer wieder. Wenn allerdings schon Paulus sagt, dass wir nicht auf diesen oder jenen Bischof sondern auf Christus getauft sind, dann sollte man nicht diesem oder jenem Bischof folgen- sondern Jesus Christus.

Edited by Mariamante
Link to comment
Share on other sites

möchte Meisner lieber die Augen vor der Realität verschließen?

nö.

 

Meisner möchte in die Medien; und andere Möglichkeiten, in die Medien zu kommen, hat er leider nicht.

Das kann ich aber jetzt nicht ganz nachvollziehen. Bei dem WJT war er als Kardinal von Köln in den Medien sehr präsent.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Da ist ein Ereignis, bei dem man im Rampenlicht steht, begehrt ist als Gesprächs- und Interview-Partner, alle wollen noch ein Bild, hängen an den Lippen, man fühlt sich, ganz zu Recht, unheimlich wichtig ....

Und dann -

Das Ereignis ist Vergangenheit, der Alltag schlägt mit aller Macht wieder zu ...

In einer solchen Situation kommen manche Menschen auf die verrücktesten Gedanken, um wieder Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

 

Nein, nein, ich meine jetzt nicht Kardinal Meisner mit seinem Angriff auf Kardinal Lehmann ... :lol:

Der hat bestimmt auch noch andere Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen.

Link to comment
Share on other sites

Manche Erwachsene bedienen sich der Jugend auch, um ihren eigenen Lebensstil zu rechtfertigen. [...]

 

diese unterstellung gegenüber kard. lehmann finde ich schon ein starkes stück. ich bin mir sicher, der fühlt sich dadurch verletzter als die/manche mädchen...

Ist das denn auf Kardinal Lehmann gemünzt? Ich habe nicht den Eindruck.

Diesen Eindruck habe ich auch nicht.

Lieber Peter, lieber Martin,

 

dann lest einfach noch mal sorgfältig, was Moriz in seinem Eröffnungsposting aus Kardinal Meisners Interview zitiert hat.

Ich konnte mich, wie ramhol, dieses Eindrucks der Unterstellung nicht erwehren.

 

Liebe Grüße, Gabriele

Link to comment
Share on other sites

 Share

×
×
  • Create New...