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Die RKK und die Jugend


Alouette
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Diese Fragestellung brennt mir seit Längerem unter den Nägel.

 

Ich bin jetzt 27 Jahre alt. Getauft wurde ich vor 3 Jahren nachdem ich einige Zeit lang eine katholische Hochschulgemeinde frequentiert hatte. Da ist seit dem Abschluss meines Studium ziemlich viel rumgekommen bin und auch zuvor in mehreren Gemeinden beheimatet/zu Gast war, konnte ich so einige Einblicke gewinnen und zwar sowohl in Deutschland als auch im Ausland.

 

Meine erste Erfahrung mit der deutschen KHG war wunderbar. Eine aufgeschlossene, tolerante Gemeinde bestehend aus jungen Menschen, die versuchen ihren Glauben zusammen zu feiern und zu leben. Unseren lieben MMs & Co. würden aber vermutlich die Haare zu Berge stehen, wenn ich erzählen würde, was da Gang und Gäbe war, und zwar im liturgischen und sittlichen Bereich. So schön für mich diese Erfahrung auch war, musste ich kurze Zeit später feststellen, dass sie mit der Realität in den "normalen" Gemeinden wenig bis gar nichts zu tun hat.

 

Ich einer anderen ("normalen") Gemeinde erlebte ich einen jungen, engagierten Priester, der nicht so recht wusste, was er mit seinen Gläubigen, die 99% doppelt bis dreifach so alt waren wie er, anstellen sollte. Ich hatte eigentlich vor, mich in diese Gemeinde zu integrieren, aber unmöglich. Es gab Gruppen für kleine Kinder, für die ein paar jungen Familien und für die Alten. Sonst nichts, obwohl es die zentrale Gemeinde einer recht grossen süddeutschen Stadt ist. Ich habe die Messen, die dort gefeiert wurden, wirklich gern besucht. Aber irgendwann fühlte ich mich unter all den Alten einfach nicht mehr wohl, sondern völlig einsam. Auch wurde ich als eine Art Exotin komisch beäugt...

 

Dann zog ich für zwei Jahre ins nahe Ausland. In meiner damaligen Stadt sollen 60% katholisch sein. Auch 15.000 Studenten gibt es in der Stadt, aber keine funktionierende KHG. KHG-Messe gibt es ein Mal im Monat und weniger engagiert als der zuständige Priester kann man wirklich nicht sein... Gemeinden gab es ziemlich viele. Die meisten sonntags auch gut besucht, aber die Jugend (und damit meine ich Menschen unter 50!!!) war komplett abwesend. Es gibt da keine (oder kaum Jugendgruppen, Taizé-Kreise o.ä.). Kein Jugendpastoral. Wozu denn auch? Bei den Evangelischen sah es genauso düster aus.

 

Irgendwann fand ich doch eine Gemeinde, in der ich mich wohl fühle, weil der Altersdruchschnitt unter 80 lag. Solche Gemeinden gibt es auch in deutschen Grossstädten. Nämlich anglophone Gemeinden für Menschen, die quasi auf Durchreise sind. Von den einheimischen Gemeinden kam keine in Frage, weil das wirklich nur für Omas und Opas war. In der anglophonen Gemeinde war es dagegen gemischter, lebensfroher... Auf 2000-3000 eingeschriebene Mitglieder kamen 400 Kinder, die zur Sontagsschulen gingen. Und es gab - Wunder O Wunder - tatsächlich sowas wie Jugendgruppen. Diese bestehen allerdings zu beinahe 100% aus jungen Asiaten und Afrikanern.

 

Jetz bin ich wieder in DL und mache die gleiche Erfahrung wie früher. Sonntags sieht man aus den Kirchen nur ältere Menschen herauskommen. Und dann gibt es noch die jungen Familien, die ihre Kinder ab und zu hinbringen. Bald werden auch wir zu diesen jungen Familien gehören. Somit bin ich nicht mehr auf das Jugendpastoral angewiesen. Wenn meine Tochter aber 12 und älter ist, ist es auch für sie vorbei... und für mich gleich mit, weil ich mit 39 immer noch zu jung bin, um da hinneinzupassen.

 

 

Während man so viel von den Bischofsernennungen, den liturgischen Veränderungen, den Entscheidungen des Papstes etc. redet, ist es nicht nur so, dass die Kirchenbesucher zunehmend älter werden, sondern bereits schon so, dass die Jugend längst weggeblieben ist. Und sie wird auch nicht zurück kommen, nur weil man eine Disco-Messe veranstaltet oder freiformulierte Hochgebete spricht.

Auf einige mag die Schönheit der "konservativen" Spiritualität (alte Messe etc.) anziehend wirken. Doch das ist nur eine kleine Minderheit, die diese Art der Aestehtik schätzt. Inhaltlich-moralisch hat die Kirche jungen Menschen (gemeint etwa 14-40-jährigen) kaum noch etwas zu bieten. Und je tiefer man gräbt, umso schlimmer wird es...

 

In diesem Zusammenhang würde ich gern 2 Fragen stellen. Die erste an diejenigen von euch, die unter 35 sind: Habt ihr eure Nische in der Kirche gefunden? Fühlt ihr euch zwischen all den wesentlich älteren Menschen nicht ausgeschlossen, vor allem, wenn ihr selber noch keine Eltern seid und euch nicht den "jungen Familien" anschliessen könnt?

 

Die zweite Frage geht an alle (und auch gern an diejenigen, die hier so gern gegen den "liberalen Zeitgeist" schimpfen): Wie seht ihr die Zukunft der Kirche im Westen? Seid ihr die letzen Katholen im Lande?

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Also zur 1. Frage: ich fühle während eines Gottesdienst eig. nie ausgeschlossen oder so. Außerdem geht es ja nicht darum ob man Spaß hat oder nicht, sondern darum Gott zu ehren. Und das ist auch der Punkt weshalb so wenige junge Leute sich für Kirche interessieren, sie wollen Spaß haben. Die Lösung des Problems ist schwierig. Was wichtig wäre, ein gute, christl. Erziehung der jungen Leute( besonderszw. 8-15 Jahren, das sind die entscheidenden Jahren), und was, wie ich finde, noch viel wichtiger ist, dass die Kirche mit einer Stimme spricht. Aber davon sind wir sehr, sehr weit entfährt. Wegen des letzten Punktes finde ich es immer schade und sehr ärgerlich, wenn die Liturgie nicht richtig gefeiert wird (auch wenn es nur kl. "Fehler" sind). Am schlimmsten finde ich es aber- so in meiner Gemeinde geschehen- wenn der Pfarrer gegen den Bischof "hetzt". Ich empdfinde das als unerträglich. Es müsste in den beiden Punkten viel strengere Regeln geben, finde ich.

 

Zur 2. Frage: ich denke es wird noch viel schlimmer kommen. Viele Gemeinde wurden schon geschlossen (persönlich betroffen), viel mehr werden noch aufgelöst. Das hat was mit der laschen moral zu tun, und wie ich finde mit der liberalen einstellung vieler Menschen. Aber aussterben wird die Kirche nicht, die Kirche muss einig auftreten, um gegen die stark anti-katholisch geprägten Medien bestehen zu können. Letzendlich denke ich aber wird es zur Spaltung zw. konservativer und liberaler Kirche kommen. Aber es gibt keinen Grund zu Resignieren, wir bzw. unsere Vorfahren sind selber Schuld an der Situation und wir müssen eben die Konsequenzen tragen.

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Klaus Klammer
Das hat was mit der laschen moral zu tun, und wie ich finde mit der liberalen einstellung vieler Menschen.

 

Worin zeigt sich eigentlich die "lasche Moral" und die "liberale Einstellung"?

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...

 

In diesem Zusammenhang würde ich gern 2 Fragen stellen. Die erste an diejenigen von euch, die unter 35 sind: Habt ihr eure Nische in der Kirche gefunden? Fühlt ihr euch zwischen all den wesentlich älteren Menschen nicht ausgeschlossen, vor allem, wenn ihr selber noch keine Eltern seid und euch nicht den "jungen Familien" anschliessen könnt?

 

...

 

Hallo Alouette,

 

da ich die von Dir gesetzte avisierte Ruhestandsgrenze :angry2: noch nicht erreicht habe, versuche ich mal meine Erfahrungen zu schreiben.

 

In der Gemeinde bei mir am Wohnort ist meine Altersgruppe bei Veranstaltungen überhaupt nicht vertreten. Da ist keiner auch nur +/- 10 Jahre von mir entfernt. Alle Jüngeren sind Kinder, die jüngsten Älteren sind die "jungen Familien"; wobei die Eltern auch hier durchgehend mindestens 40 sind (die Kinder 4+).

In den Gruppen der Gemeinde bin ich ein Exot; wirklich wohlgefühlt habe ich mich nur in der Firmkatechese-VB. Aber als ich das gemacht hatte, gab es bei uns auch noch einen Vikar, der ähnlich alt wie ich ist und auch z. T. ähnliche Interessen hatte. Diese Stelle wird aber nicht mehr besetzt und mit seinem Nachfolger konnte ich mal gar nicht.

Also gehe ich hier hin und wieder in einen Gottesdienst. Das wars.

 

Zum Glück wohne ich nicht allzuweit vom Ort, wo ich meine Jugend und den Beginn meiner Erwachsenenzeit verbracht habe. Hier ist es so, dass es auf gut 2000 Katholiken einen Pfadfinderstamm mit ca. 100 Mitgliedern gibt - die einzige richtige katholische Jugendarbeit hier. Viel mehr Jugendliche findet man auch kaum in den Daten vom Pfarrbüro. Die Pfadis stellen hier gleichzeitig die Ministranten (bis auf einen). Hier bin ich vor Jahren wieder in die Leiterrunde eingestiegen und leite die Stufe der 16-20 Jährigen. Auch in der Kirchengemeinde bin ich (wohl wegen meines Engagements) akzeptiert und habe losen Kontakt mit einigen Leuten. In der Leiterrunde sind wir 17 Leute, alle +/- 5 Jahre um mein Alter rum. Wir machen unser Ding und haben unseren Spaß. Und wenn ich mal zeitliche Probleme bekomme oder keine Lust mehr habe - dann ist da noch der Ehemaligenkreis, der sich unregelmäßig zum Sing- und Plauderabend trifft.

 

Also ... ich habe meine Nische.

 

lg Thomas

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Noch bin ich 25, und ich bin erst seit 2006 katholisch. Zuerst in einer Gemeinde in der Diaspora, da hab ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt, hab allerdings außer Sonntagsmesse und Hochschulgemeinde (da waren allerdings meist nur so 3-4 Leute da, inklusive meinereiner, manchmal war da in den 3-4 auch schon der Priester eingeschlossen). Dann war ich kurz in Berlin, hab meiner alten Gemeinde etwas hinterhergetrauert und war aber auch sowieso nur für ein paar Monate auf der Durchreise, also war es zu verschmerzen, daß ich außer dem Priester niemanden kannte (mittlerweile sind meine Eltern auch katholisch und in dieser Gemeinde, aber das ändert ja nicht wirklich viel).

 

Hier in Saarbrücken haben wir das Problem, das mehrere Gemeinden jeweils zusammengelegt wurden. In der Kirche, die am dichtesten dran ist, St.Michael, gefällt mir zwar die Kirche als Gebäude sehr gut, aber ich finde es schrecklich, seitlich zum "alten" Altar und zum Tabernakel zu sitzen und irgendwie ist mir die Liturgie da meist zu "locker", außerdem kennen sich da offenbar viele noch aus der Zeit, wo St. Michael ne eigenständige Gemeinde war, und ich kenne da halt niemanden. Basilika: ist halt die City-Kirche. Man weiß vorher nie, welcher Priester da ist, und manchmal erkennt man zwar Leute vom Gesicht her wieder, aber das ist ne sehr anonyme Veranstaltung.

 

Die Situation fand ich nicht sehr befriedigend, die Lösung sieht jetzt so aus, daß ich zur KHG hier gehe, die ich als sehr aktiv und aufgeschlossen empfinde, aber es gibt keinen liturgischen Freestyle (so mit selbstgebastelten Hochgebeten), und das finde ich auch sehr gut so. Und dann gibts noch das großartige Angebot vom "Kloster am Rande der Stadt"- derselbe Priester wie in der KHG und die Klaraschwestern. Ins Kloster gehe ich nur ab und zu, Osternacht, mal zur Vesper, Sterbestunde des Franziskus usw.

 

Also, ich hab hier meine Heimat gefunden.

 

Ich fühle mich aber auch nicht unwohl, wenn ich in einer Messe die einzige unter 60 bin. Bisher engagiere ich mich nicht kirchlich und besuche keine Gruppen (ja, liegt auch daran, daß es für meine Altersgruppe nix gibt...und das empfinde ich als riesiges Problem, nicht für mich persönlich, ich bin nach nem Tag auf der Arbeit viel zu platt für irgendwelche Aktivitäten, aber es ist katastrophal für die Kirche, weil einfach mangels Angebot viele wegbleiben...Gleichzeitig verstehe ich aber auch, warum das so ist...) Solange ich merke, daß da eine grundsätzlich freundliche Atmosphäre herrscht, also man mitbekommt, daß sie Leute freuen, daß man da ist, können alle anderen auch gerne über 100 oder noch in der Schule sein, das ist egal.

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Also zur 1. Frage: ich fühle während eines Gottesdienst eig. nie ausgeschlossen oder so. Außerdem geht es ja nicht darum ob man Spaß hat oder nicht, sondern darum Gott zu ehren. Und das ist auch der Punkt weshalb so wenige junge Leute sich für Kirche interessieren, sie wollen Spaß haben.

 

Ich bin mit dir völlig einer Meinung, dass es darum geht, Gott zu ehren. Aber was ist der Gottesdienst für dich? Eine lästige Pflichtübung?

Mein Problem ist, dass ich mich allein unter Omas nicht sehr wohl fühle... und eben einsam. Ich will nicht sagen, dass mich jemand bewusst ausgeschlossen hätte. Es ist eher so, dass ihre Themen nicht meine sind, und ihre Art Gott zu ehren oftmals auch nicht...

 

Wie alt bist du?

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Da hab ich ähnliche Erfahrungen gemacht, wie du. Supertolle Hochschulgemeinde, Auslansaufenthalt. Dort auch nach einer Gemeinde gesucht und Jugendpastoral gab es auch zu finden. Zurück in Deutschland fand ich auch ab und an ein paar jüngere Menschen in der Kirche, aber meistens ältere. Wo bleiben nur die Familien, fragte ich mich immer und wenn welche kommen, weshalb dann nicht regelmäßig. Also ich würde das ja alles gaaaanz anders machen, da war ich mir ganz sicher, Als ich mit meinem 1. Kind schwanger war. Das Kind würde mich nicht vom Gottesdienst und dem Engagement in der Gemeinde aufhalten, dachte ich - bis meine erste Tochter georen war. Danach war alles anders. Schlaflose Nächte, Erschöpfung, und es war halt etwas umständlich mit Baby wegzugehen...und ich hatte immer die Angst, wenn die nun in er Kirche schreit , was dann? Dennoch schlug ich mich tapfer durch, organisierte es so, dass ich immer ein schlafendes Baby im Tragetuch zur Kirche schleppte. Schnell lernte ich andere Mütter kennen, denen es ähnlich ging. Wow, was waren wir stolz auf uns: Trotz unsere Kinder schafften wir es pünktlich mit unseren Kindern und Männern (!) in den Gottesdienst. Nach einigen Monaten blieb ich dann wieder fern, weil mich erneut die Morgenübelkeit plagte -. Nr. 2 hatte sich angemeldet. Regelmäßiger Gottesdienstbesuch mit einem quirligen Kleinkind und Babybauch, auch nicht so der Hit, aber mit viel Willen machbar. Als die 2. Tochter auf der Welt war, gab es dann 2 Kinder während des Gotesdienstes zu bändigen Stillkind + quirligen Kleinkind. Klar, den anderen Familien ging es ähnlich, aber leider gab es in der Kirche keinen Raum, uns zu treffen, so wurden die Gespräche halt auf private Treffen verlegt. Das war leichter und unkomplizierter. Aber dennoch gingen weiter zum Gottesdienst. Ab dem 3. Kind wurden dann die Gottesdienstbesuche noch unregelmäßiger bzw. ging immer ein Elternteil allein mit den älteren Kindern oder dem schlafenden Baby im Kinderwagen. Wenn das Kind schreit? Na und? Inzwischen hatten wir ja Erfahrung. Als die älteren Kinder in den Kiga kamen, waren sie ständig krank. Die fiebrigen Infekte, Mittelohrentzündungen, Strepies, Löcher im Kopf kamen grundsätzlich immer am Wochenende. Beim ärztlichen Notdienst traf ich dann auf meine Bekannten (z.t.. auch wieder mit Babybauch) aus der Kirche. Im Wartezimmer beteten wir gemeinsam so manches Vaterunser. Und wenn an einem Sonntag mal alle gesund waren ( und die Kinder in den Tag hinein schliefen) , waren mein Mann und ich so dankbar, dass wir diese Idylle nicht stören wollten

Endlich kamen dann die älteren Kinder zur Erstkommunion und somit auch zu den Minis. Ha, endlich ein "Zugpferd" regelmäßig in den Gottesdienst zu gehen. Mit welcher Freude und welchem Eifer sie bei der Sache waren.

Als junge, wachsende Familie finde ich es oft sehr schwer, den regelmäßigen sonntäglichen Messbesuch in das Familienleben zu integrieren. Zu oft kommt igendetwas unvorhergesehenes dazwischen, und wenn's nur der ganz normale Waaaahnsinn einer Großfamilie ist. Manchmal will ich nicht schon wieder alle Kinder morgens aus den Betten scheuchen, schnell Frühstück machen, abräumen, schauen, dass alle Kinder einigermaßen kirchentauglich angezogen sind, ins Auto scheuchen usw..Ohne Kirchgang liefe bei uns zumindest der Sonntagvormittag um einiges friedlicher ab.

Vielleicht ist dieser Erfahrungsbericht ja eine kleine Erklärung, weshalb, manche Familien nicht regelmäßig am Sonntag zum Gottesdienst kommen.

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@Collie

 

Na, die jungen Familien sind ja noch relativ gut vertreten. Mir geht es eher um die jungen Menschen, die noch keine "junge Familien" sind. Dass es bei denen an der Zeit hapert, kann ich mir nicht so recht vorstellen.

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@Collie

 

Na, die jungen Familien sind ja noch relativ gut vertreten. Mir geht es eher um die jungen Menschen, die noch keine "junge Familien" sind. Dass es bei denen an der Zeit hapert, kann ich mir nicht so recht vorstellen.

 

Oh doch. Wenn ich da nur an die vielen Berufe denke, die Sonntgsarbeit voraussetzen, oder nach einer anstrengenden Arbeitswoche schlafen die meisten halt lieber aus, als sich bis spätestens 11.00h in einer Kirche eingefunden zu haben.

Oder man geht halt lieber irgendwelchen Freizietaktivitäten nach.

Ein Bewußtsein für Kirche fehlt und wird auch von den Familien kaum noch vermittelt. Viele denken, wenn sie nicht in die Kirche kommen, vermißt sie eh keiner. Das ist ein Kommentar eines jungen Erwachsenen.

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Die beste Messe für junge Erwachsene ist bei uns sonntags abends.

 

Das habe ich in meiner Heimatpfarrei auch beobachtét.

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Liebe Collie,

 

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Als Vater einer nur wenige Wochen alten Tochter habe ich Deinen Beitrag mit Interesse gelesen. Auch wenn es unser erstes Kind ist und die Kirchgänge noch an einer Hand abzählbar sind, konnte ich einige Dinge in Deinem Beitrag gut nachvollziehen. Ich harre dann mal den nächsten Jahren und Kindern ... :angry2:

 

Gruß

mbo

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@Collie

 

Na, die jungen Familien sind ja noch relativ gut vertreten. Mir geht es eher um die jungen Menschen, die noch keine "junge Familien" sind. Dass es bei denen an der Zeit hapert, kann ich mir nicht so recht vorstellen.

 

Oh doch. Wenn ich da nur an die vielen Berufe denke, die Sonntgsarbeit voraussetzen, oder nach einer anstrengenden Arbeitswoche schlafen die meisten halt lieber aus, als sich bis spätestens 11.00h in einer Kirche eingefunden zu haben.

Oder man geht halt lieber irgendwelchen Freizietaktivitäten nach.

Ein Bewußtsein für Kirche fehlt und wird auch von den Familien kaum noch vermittelt. Viele denken, wenn sie nicht in die Kirche kommen, vermißt sie eh keiner. Das ist ein Kommentar eines jungen Erwachsenen.

 

Genau das ist der Punkt. Klar sind auch junge Leute beschäftigt. Ich weiss wovon ich sprechen, ich arbeite und studiere gleichzeitig. Sicherlich kann die Zeit knapp sein. Aber wie gouvernante schon schrieb, gibt es auch Messen am Samstagabend und am Sonntagabend.

Das wird sicherlich nicht der Grund sein, warum die Jugend fortbleibt.

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Liebe Collie,

 

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Als Vater einer nur wenige Wochen alten Tochter habe ich Deinen Beitrag mit Interesse gelesen. Auch wenn es unser erstes Kind ist und die Kirchgänge noch an einer Hand abzählbar sind, konnte ich einige Dinge in Deinem Beitrag gut nachvollziehen. Ich harre dann mal den nächsten Jahren und Kindern ... :angry2:

 

Gruß

mbo

 

Glückwunsch mbo,

 

Meine Kleine kommt erst Ende April. Dann werde ich ja sehen :angry2:

Aber auch wenn ich jetzt ins Blaue hineinrede, weil ich noch keine eigene Erfahrung habe: M.E. ist es als junge Familie leicher Anschluss zu finden. Für die Kleinen wird ja auch viel geboten... Nur wenn man dann 14, 15, 16.... ist, sieht es oftmals mau aus. Erst mit 65 oder so bessert sich das.

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Habt ihr eure Nische in der Kirche gefunden?

 

Ich bin zwar so gerade eben über der von Dir gesetzte Altersgrenze, aber deine "Nischen-Frage" hat mich auch lange Zeit beschäftigt. Nach einer "typisch katholischen" Kinder- und Jugendzeit (Gruppenstunden, Freizeiten, Verbandsarbeit, ...) bin ich zum Studium in eine andere Stadt gegangen. Dort habe ich eine aktive KHG vorgefunden, in sich viele solcher "Heimatlosen" wie ich 'rumtrieben. Für viele Jahre war dies meine kath. Nische und zu vielen Leuten habe ich auch heute noch Kontakt.

 

Nach dem Studium wohnte ich berufsbedingt in versch. Städten. Den Anschluss zur jeweiligen Territorialgemeinde habe ich meist über ein Ehrenamt gefunden, ich war/bin Lektor, Gitarrenspieler, etc. Nun wachse ich wohl in die "Familien-Nische" hinein... :angry2:

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Glückwunsch mbo,

 

Meine Kleine kommt erst Ende April. Dann werde ich ja sehen :angry2:

Aber auch wenn ich jetzt ins Blaue hineinrede, weil ich noch keine eigene Erfahrung habe: M.E. ist es als junge Familie leicher Anschluss zu finden. Für die Kleinen wird ja auch viel geboten... Nur wenn man dann 14, 15, 16.... ist, sieht es oftmals mau aus. Erst mit 65 oder so bessert sich das.

 

Danke und Dir/Euch alle Gute für die letzten SSW und die Geburt!

 

Ich denke für viele ist ein kritischer Punkt, wenn sie aus der Jugendarbeit herauswachsen. Als ich irgendwann in meinem Jugendverband zum "alten Eisen" gehörte, habe ich mich (wie auch andere in gleicher Situation) gefragt "Und nun?" Für die kath. Erwachsenenverbände fühlte ich mich definitiv zu jung. Ein Angebot für das "Mittelalter" fehlte und fehlt m.E. heute immer noch. Allerdings ist dieses Alter ja bei vielen auch mit stetigem Wechsel verbunden, Wehrdienst, Studium, Ausbildung etc. Ein geeignetes Angebot ist hier nicht einfach, da sehr heterogen. Vielleicht ist hier dann auch mehr die kategoriale Seelsorge gefragt, als die territoriale. Wobei es hier mit Ausnahme der Studi-Seelsorge auch mau aussieht...

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In diesem Zusammenhang würde ich gern 2 Fragen stellen. Die erste an diejenigen von euch, die unter 35 sind: Habt ihr eure Nische in der Kirche gefunden? Fühlt ihr euch zwischen all den wesentlich älteren Menschen nicht ausgeschlossen, vor allem, wenn ihr selber noch keine Eltern seid und euch nicht den "jungen Familien" anschliessen könnt?

 

Da ich über 35 bin und zwei Kinder habe gehöre ich kaum zur Zielgruppe Deiner Frage. Aber ich teile Deine Erfahrungen - es gibt eine Lücke in der Pastoral, die man nicht einfach mit "lascher Moral", "Spassgesellschaft" und ähnlichen Floskeln aus der Welt bekommt.

 

Ich habe den Eindruck, dass es oft eine pastorale Bequemlichkeit gibt: Jugendliche stellen ernste Fragen - und die fordern die Seelsorger heraus. Die meisten gehen da lieben laufen und widmen sich den "einfacheren" Altersstufen: junge Eltern, die Anschluss suchen, Kinder, die noch geschickt werden, usw.

 

Aber ein Stück gehört die Loslösung von der Familie (und der Pfarre) auch zur Entwicklung dazu. Leider sind wenige Pfarren in der Lage, mit diesem Phänomen gut umzugehen und eine Tür offen zu lassen, durch die die Jugendlichen zurück können.

 

Die zweite Frage geht an alle (und auch gern an diejenigen, die hier so gern gegen den "liberalen Zeitgeist" schimpfen): Wie seht ihr die Zukunft der Kirche im Westen? Seid ihr die letzen Katholen im Lande?

 

Wenn wir die letzten Katholen im Land sind, dann gehörst Du ja nun auch dazu! Willkommen im Club!

 

Aber ich glaube das nicht - ich erleben auch oft genug das Gegenteil, dass es eine lebendige katholische Kirche in DL gibt, und wenn ich mir die Jugendbereiche auf den Kathotagen anschaue - vom Aussterben siond wir noch ein Stück weg!

 

Viel Glück Dir in den letzten SSW und eine gute Geburt. Unsere Hebamme bei der ersten vertrat die These, so wie die Kinder geboren würden, so seien sien später. Fanden wir eher komisch, hat sich aber bewahrheitet. Und wenn ihr die ersten Eltern im Freudneskreis seid - das ist eien spannende Erfahrung. Die weißt auf einmal genau, welche Deiner Freundinnen auch geren schwanger würden....

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Ich kann Dich sehr gut verstehen, liebe Alouette ... Mir geht es exakt genauso. Ich fühle mich in den Gottesdiensten mit 80% Ü70 einfach nicht willkommen, in der Gemeinde, zu der ich gehöre. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Singles in den Gemeinden keinen Platz haben - ich bin übrigens Anfang 40.

Für Familien gibt es noch Angebote, aber Singles gibt es nicht - erst recht, wenn man auch noch intellektuell anspruchsvoll ist ...

 

Laura

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Warum gehen nur die Alten zum Gottesdienst?

 

Komisch, das war auch schon zu meiner Kindheit (ist inzwischen schon knapp ein halbes Jahrhundert her) auch so. Nur bei weitem nicht so ausgeprägt.

 

Aber warum war es bei mir ebenso? Wenn ich jetzt die Zeilen oberhalb lese, finde ich mich auch in vielem wieder. Wir waren vier Geschwister, wurden religiös erzogen, in einer sehr katholischen Gegend. Aber nur ich war als Jugendliche aktiv. Meine Geschwister stiegen schon in der Pubertät aus. (Also religiöse Erziehung ist nicht alles.)

 

Als Jugendliche in der Sturm- und Drangzeit stand für mich das Feiern und die Gemeinschaft mit den anderen im Vordergrund. Nur dann, als ich beruflich umziehen musste, war das vorbei.

 

Aber das war nicht der wirkliche Grund. Ich bemerkte, dass die Grundlagen, die ich bis dahin vermittelt bekommen hatte, nicht reichten, dass ich mein Leben glücklich weiter führen könnte. Zu der Zeit stellt man Fragen. Und genau auf diese Fragen gab die Kirche keine befriedigende Antwort. Ein großes Thema war bei mir damals die rigide Sexualmoral der Kirche. Entweder befolgte ich die Regeln und blieb im Abseits stehen, oder ich lebte das, was aus mir kam mit extrem schlechtem Gewissen.

 

Dazu kam, dass das Fünkchen Hoffnung in der sich damals öffnenden Kirche (ein Pole wurde Papst) sehr schnell durch diesen wieder zerstört wurde. Ich konnte oft nur den Kopf schütteln. Das war nicht die Kirche meiner Jugendzeit!

 

Und jetzt? Jetzt sehe ich die Kirche extrem kritisch und erlebe, dass Wort und Tat zwei getrennte Welten sind.

 

 

Schatir

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Liebe Collie,

 

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Als Vater einer nur wenige Wochen alten Tochter habe ich Deinen Beitrag mit Interesse gelesen. Auch wenn es unser erstes Kind ist und die Kirchgänge noch an einer Hand abzählbar sind, konnte ich einige Dinge in Deinem Beitrag gut nachvollziehen. Ich harre dann mal den nächsten Jahren und Kindern ... :angry2:

 

Gruß

mbo

 

Herzlichen Glückwunsch zu deiner kleinen Tochter!!!!

Aber zurück zum Thema.

In meiner Pfarrei gibt es sowas wie Jugendgruppen (KJG) und auch Ministrantengruppen. Diese Gruppen haben hohen Zulauf und sind auch sehr beliebt. Das Einzige was die kath. Jugendgruppen mit der kath. Kirche zu tun haben ist, dass sie im Pfarrheim stattfinden. Das war's dann auch schon. Klar, von den Minis sieht man einige in der Kirche, aber auch nur dann, wenn sie Dienst haben, sonst nicht. 4 meiner inder waren bei den Ministranten, haben dann aber wieder aufgegeben, weil dort nichts erklärt wurde, die Proben für manche Gottesdienste glichen einer Theaterprobe für' Schultheater. Auf aufkommende Fragen der Kinder und Jugendlichen wurde nicht eingegangen. Die kath. Pfarrgemeinde ist in den Augen von vielen halt nicht mehr als eine Alternative zu einem Sport-, Musik-, Tanz- , Kanninchen- , Trachten-, oder sondtirgendeinem Verein. Glaube wird (zumindest in meiner Heimatpfarrei) kaum vermittelt.

Auf der anderen Seite kenne ich auch einige suchende Jugendliche, die von einem Glaubensevent (Weltjugentag, Taize, Medjugorje etc) hetzen, weil sie in ihren Gemeinden das nicht finden, wonach sie suchen.

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Auf der anderen Seite kenne ich auch einige suchende Jugendliche, die von einem Glaubensevent (Weltjugentag, Taize, Medjugorje etc) hetzen, weil sie in ihren Gemeinden das nicht finden, wonach sie suchen.

 

Ganz genau das ist es. Da kann man sich nicht mit "zu lascher" Erziehung herausreden. Da ich selber viel mit Taizé zu tun hatte, bin ich mir sicher, dass wenn die Brüder sich entscheiden sollten ihre "eigene" Taizé-Kirche zu gründen (was sie natürlich nicht werden) ein sehr grosser Teil der "katholischen" und "evangelischen" Jugend zu ihnen rüberlaufen würde.

 

Die Kirche (im Sinne der Gemeinden und der Hierarchie) kann offensichtlich weder den Glauben vermitteln, noch den jungen Menschen einen Platz bieten und noch weniger glaubwürdig auftreten...

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Die Kirche (im Sinne der Gemeinden und der Hierarchie) kann offensichtlich weder den Glauben vermitteln, noch den jungen Menschen einen Platz bieten und noch weniger glaubwürdig auftreten...

 

Ich denke es gibt schon Orte, wo es gelingt, Jugendliche und Junge Erwachsene anzusprechen. Ich war jahrelang in einem Jugendverband und habe dort erlebt, dass auch Jugendpastoral funktionieren kann. Schwieriger ist es da schon für junge Erwachsene, aber auch hier gibt es - zugegbenermaßen vereinzelt - funktionierende Modelle: Die "Junge Chöre", die sich in einigen Gemeinden bilden sind ein Beispiel dafür und natürlich die schon vorher erwähnten Hochschulgemeinden.

 

Ich denke Kirche wird da lebendig, wo sich Weggemeinschaften bilden. Aus den Heimatgemeinden wachsen junge Menschen oft heraus; sie gehen zum Bund, studieren oder machen eine Lehre etc. Ich denke es ist für sie nicht leicht, neue Weggemeinschaften zu bilden bzw. zu finden, wo ihr Weg doch gerade erst entsteht.

 

Es bleibt natürlich die Fragen, wie Kirche diesen Weg unterstützen kann.

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Die zweite Frage geht an alle (und auch gern an diejenigen, die hier so gern gegen den "liberalen Zeitgeist" schimpfen): Wie seht ihr die Zukunft der Kirche im Westen? Seid ihr die letzen Katholen im Lande?

 

Wir sollten Artenschutz beantragen :angry2:

 

Ne, mal im Ernst. Sicherlich, die Zahlen sind rückläufig. Aber ich denke es ist nicht an der Zeit die Flinte ins Korn zu werfen. Die RKK kann sich - auch zahlenmäßig - noch sehen lassen. Im BDKJ sind bspw. über 650.000 Kinder und Jugendliche organisiert. Jeden Sonntag besuchen in Deutschland durchschnittlich knapp 3,5 Mio Menschen eine Eucharistiefeier. (Quellen: BDKJ, DBK)

 

Wir sterben nicht so schnell aus!

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Och, darauf würde ich mich nicht so schnell verlassen. Wie man in anderen Threads und oren liest, scheint B XVI das sehr zu beschleunigen. Gesundschrumpfen , okay, aber wie wird die kath. Kirche in 10 Jahren aussehen?

Momentan findet die Katechese von meinen Kids an den kath. Schulen statt. An dieser Stelle ein großes Danke an die sich dort engagierenden Laen und Ordensschwestern. Bei soviel gelbtem Glauben schwappt direkt was rüber!

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Och, darauf würde ich mich nicht so schnell verlassen. Wie man in anderen Threads und oren liest, scheint B XVI das sehr zu beschleunigen. Gesundschrumpfen , okay, aber wie wird die kath. Kirche in 10 Jahren aussehen?

Momentan findet die Katechese von meinen Kids an den kath. Schulen statt. An dieser Stelle ein großes Danke an die sich dort engagierenden Laen und Ordensschwestern. Bei soviel gelbtem Glauben schwappt direkt was rüber!

 

Wie heißt es doch im rheinischen Grundgesetz: "Et hätt noch immer jot jejange". Päpste kommen und gehen. Christus bleibt.

 

Ich weiß leider auch nicht wie es in zehn Jahren aussehen wird, aber ich sehe, dass einige deutsche Bischöfe sich jetzt der Situation stellen und versuchen gegenzusteuern. Leider tuen es nicht alle und viele in unterschiedlichem Maße. In einigen Bistümern werde ich den Gedanken nicht los, dass zwar die finanzielle Sanierung angegangen wird, aber eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Situation ausbleibt.

 

P.S.: In 10 Jahren ist B16 92 Jahre. :angry2:

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