Björn

Die katholische Kirche und der Kindesmissbrauch

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vor 5 Minuten schrieb barbarosina:

Davon habe ich noch nie gehört noch irgendwo gelesen. Für eine Quelle wäre ich dankbar.

 

Ich schrieb "vor Jahren", und ich habe im Augenblick wenig Lust darauf, mich nochmal durch sämtliche irischen Reports dazu zu wühlen. Wenn es Dir nicht reicht, was ich dazu aus dem Gedächtnis noch sagen kann, dann vergiss es einfach ...

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vor 39 Minuten schrieb barbarosina:

Nicht, damit er das Amt nicht weiter beschmutzt sondern um ihn aus der Seelsorge über die Schutzbefohlenen zu nehmen.

Dass ein Täter in der Seelsorge nichts mehr zu suchen hat, das ist eine ganz andere Frage. Der kann meinetwegen per Gestellungsvertrag Lagerarbeiten verrichten, den Rasen mähen etc. Das ist zuzumuten. Nur Kleriker sollte er bleiben, nicht aber Seelsorger.

 

vor 39 Minuten schrieb barbarosina:

Er wird sich dann entziehen, durch Krankheit oder vergreift sich an Spendengeld etc. Die vermeintliche Einwirkung auf den Täter ist wirklich eine Illusion.

Das liegt nun an der Bereitschaft der Oberen, ihn im Blick zu behalten und zu beaufsichtigen. Dass das einfach ist, das behaupte ich gar nicht. Aber es ist möglich, ich weiß von wenigstens einem Fall in einem klösterlichen Kontext, der Konvent hat ihn behalten, weil man da sicherstellen kann, dass er kein Geld hat und keinen Computer auf dem Zimmer und er innerhalb der Mauern bleibt.

In den USA gibt es ein Wohnheim für straffällig gewordene Priester in sehr abgelegener Lage - sie haben dort Wohnung und Kleidung, Essen und eine Kapelle. Sie könnten gehen, dann hätten sie nichts.

 

vor 39 Minuten schrieb barbarosina:

Der Seelsorgeauftrag erlischt mit der Straftat; der auf solche Weise straffällig gewordene Geistliche kündigt diesen Seelsorgeanspruch durch seine Tat auf. Seelsorge könnte er in Anspruch nehmen, wenn er für seine Tat gerade steht, indem er sein Amt aufgibt oder wenn noch möglich, seine juristische Strafe antritt.

Seelsorge sollte er immer in Anspruch nehmen können, ganz gleich, was er getan und nicht getan hat. Leider weigern sich viele Priester, mit Tätern auch nur zu sprechen.

 

vor 39 Minuten schrieb barbarosina:

Also diese Darstellung, die hier von Dir dargelegt wird, ist sehr aufschlussreich und ich danke Dir dafür. Zeigt sie doch in erschreckender Weise die Argumentation aus "Klerikersicht", und das kann man so offen und ungeschönt sonst in keiner Tages-oder Kirchenzeitung lesen.

Ich in nun kein Kleriker.

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vor 1 Minute schrieb Julius:

 

Ich schrieb "vor Jahren", und ich habe im Augenblick wenig Lust darauf, mich nochmal durch sämtliche irischen Reports dazu zu wühlen. Wenn es Dir nicht reicht, was ich dazu aus dem Gedächtnis noch sagen kann, dann vergiss es einfach ...

Danke, der Rest erübrigt sich.

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vor 2 Minuten schrieb Chrysologus:

Das liegt nun an der Bereitschaft der Oberen, ihn im Blick zu behalten und zu beaufsichtigen. Dass das einfach ist, das behaupte ich gar nicht. Aber es ist möglich, ich weiß von wenigstens einem Fall in einem klösterlichen Kontext, der Konvent hat ihn behalten, weil man da sicherstellen kann, dass er kein Geld hat und keinen Computer auf dem Zimmer und er innerhalb der Mauern bleibt.

Innerhalb der Klostermauern verbleibend so wie Du es schilderst, würde ich diese Möglichkeit begrüßen. Aber das scheint ein Einzelfall zu sein.

 

vor 7 Minuten schrieb Chrysologus:

Seelsorge sollte er immer in Anspruch nehmen können, ganz gleich, was er getan und nicht getan hat. Leider weigern sich viele Priester, mit Tätern auch nur zu sprechen.

Warum sollte ein Priester nicht mit einem Täter sprechen- Grundvoraussetzung für Seelsorge wäre aber Reue und Einsicht.

 

Ich kam drauf, dass Du selber Geistlicher bist, weil Deine Beiträge von internem Wissen zeugen....danach "hört" es sich zumindest an.

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vor 7 Minuten schrieb barbarosina:

Grundvoraussetzung für Seelsorge wäre aber Reue und Einsicht.

 

Seelsorge könnte allerdings auch dazu beitragen, Reue und Einsicht zu wecken.

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vor 1 Minute schrieb Julius:

 

Seelsorge könnte allerdings auch dazu beitragen, Reue und Einsicht zu wecken.

Grundsätzlich hast Du Recht, aber wenn der Wille zur Besserung nicht von vorneherein da ist, halte ich das für unwahrscheinlich. .Und bei Triebtätern, wozu Pädophilie ja zählt, wäre  Psychotherapie vielleicht besser. 

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vor 7 Minuten schrieb barbarosina:

Warum sollte ein Priester nicht mit einem Täter sprechen- Grundvoraussetzung für Seelsorge wäre aber Reue und Einsicht.

Warum sie das tun, kann ich nicht sagen - ich gebe hier nur Beobachtungen meinen Mandanten weiter.

vor 8 Minuten schrieb barbarosina:

Ich kam drauf, dass Du selber Geistlicher bist, weil Deine Beiträge von internem Wissen zeugen....danach "hört" es sich zumindest an.

Ich in KIrchenrechler und als solcher freiberuflich als Anwalt tätig - mit einigen Mandanten, die Täter wurden.

Ansonsten bin ich verheiratet und habe Kinder.

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vor 8 Minuten schrieb barbarosina:

Grundsätzlich hast Du Recht, aber wenn der Wille zur Besserung nicht von vorneherein da ist, halte ich das für unwahrscheinlich. .Und bei Triebtätern, wozu Pädophilie ja zählt, wäre  Psychotherapie vielleicht besser. 

 

Ich maße mir nicht an, darüber zu befinden, was "besser wäre" oder nicht. Seelsorge und Psychotherapie sind zwei paar Stiefel. Das eine (Seelsorge) schließt das andere (Psychotherapie) nicht aus.

 

bearbeitet von Julius

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vor 3 Minuten schrieb Chrysologus:

Warum sie das tun, kann ich nicht sagen - ich gebe hier nur Beobachtungen meinen Mandanten weiter.

Ich in KIrchenrechler und als solcher freiberuflich als Anwalt tätig - mit einigen Mandanten, die Täter wurden.

Ansonsten bin ich verheiratet und habe Kinder.

Nun verstehe ich die Herangehensweise. Danke für die Erklärung. Wären denn aus Deiner Erfahrung heraus die Täter zu Psychotherapie bereit?

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vor 5 Minuten schrieb barbarosina:

Nun verstehe ich die Herangehensweise. Danke für die Erklärung. Wären denn aus Deiner Erfahrung heraus die Täter zu Psychotherapie bereit?

Das kann ich global nicht sagen - manch ja, andere nein. Und bei denen, die dazu bereit sind, ist es manchmal schwer zu entscheiden, ob was sie dazu bewegt. Man kann an den eigenen Taten oder an den Folgen ihrer Aufdeckung, an den eigenen Wünschen oder an der Reaktion der Umwelt auf diese leiden. Und man kann eine Therapie aus taktischen Gründen anstreben, wei, es sich eben gut macht.

 

Es sind auch ziemliche Blender dabei, manche Kleriker lernen recht gut, ihre Gefühle zu kanalisieren, das Sprechen darüber zu ritualisieren und so Auseinandersetzungen zu vermeiden. Manche sind brilliante Gewohnheitsschauspieler, manche sind hochmanipulativ - und manche so gefangen in ihrer Verkorkstheit, dass ich mir einen Ausweg kaum denken kann.

 

Andere sind durchaus offen für und fähig zu Veränderung.

 

Aber die Spannbreite der Taten ist groß - sexueller Mißbrauch Minderjähriger umfasst bei Kirchens alles vom intimeren Kuscheln inkl. berühren der Brüste über mit Kleidung der 17 jährigen Oberministrantin durch den Kaplan, 26, bis hin zur mehrfachen Penetration eines sechsjährigen durch den Pfarrer, Ende 30. Der Letztere bräuchte sicherlich auch Psychotherapie, beim Ersteren mag ein guter Beichtvater genügen. Beide in derselben Weise zu bestrafen erschiene mir nicht gerecht.

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vor 41 Minuten schrieb Chrysologus:

Nur Kleriker sollte er bleiben, nicht aber Seelsorger.

 

Also weiter von der Kirche - also den Gläubigen, den Laien - finanziert?

bearbeitet von rorro

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vor 2 Stunden schrieb rorro:

Der Bischof hat keine Ahnung vom Umgang mit Mißbrauchsfällen. Ist nicht sein Job - als grob fahrlässig, da eigenverantwortlich zu handeln.

Der Bischof ist für sein Bistum verantwortlich und es ist definitiv sein Job, mit auftretenden Problemen umzugehen. Und sei es nur, sie passend zu delegieren. Ich rede nicht davon, daß er alles selbst machen soll.

 

Aber vielleicht reden wir auch aneinander vorbei. Ich rede vom Umgang mit den vielen Verdachtsfällen. Auch da ist der Bischof gefragt, und sei es nur, daß er sich einen diözesanen Missbrauchsbeauftragten hält und anstehende Fälle an diesen delegiert.

Der Umgang mit entlassenen Straftätern ist nochmal was ganz anderes.

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vor einer Stunde schrieb barbarosina:

Er wird sich dann entziehen, durch Krankheit oder vergreift sich an Spendengeld etc. Die vermeintliche Einwirkung auf den Täter ist wirklich eine Illusion.

Ein Pädophiler interessiert sich für kleine Jungs, nicht für kleine Scheine.

Kann es sein, daß du  Straffälligkeit für genetisch bedingt hältst?

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vor 38 Minuten schrieb Moriz:

Ein Pädophiler interessiert sich für kleine Jungs, nicht für kleine Scheine.

Kann es sein, daß du  Straffälligkeit für genetisch bedingt hältst?

Wenn er sich nicht für Scheine interessiert, dann interessieren ihn auch keine Gehaltskürzungen-darauf aber war meine Antwort gemünzt: nämlich auf den  Beitrag von Chrisologus.

 

Zu Deiner Frage: nein, woraus schließt Du das? Schwerer triebhafter Kindesmissbrauch wird ganz andere Gründe haben als genetische Veranlagung.

bearbeitet von barbarosina

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vor 34 Minuten schrieb rorro:

Also weiter von der Kirche - also den Gläubigen, den Laien - finanziert?

Ja.

Der Priester hat dem Bischof vor der Weihe u.a. Gehorsam versprochen, der Bischof im Gegenzug Versorgung. Dieses gegenseitige Versprechen ist nicht so einfach aufzulösen, auch nicht durch einzelne Akte des Ungehorsams. Und das ist gut so. Auflösbar wird es erst durch dauerhaften Ungehorsam, wie es z.B. Heirat (Zölibatsbruch) oder Kirchenaustritt darstellen. Einzelne Akte des Ungehorsams sind immer bereu- und vergebbar.

Zum Gehorsam gehört es im Zweifelsfall auch, dahin zu gehen, wo der Bischof einen hinschickt. Und sei es der Aktenkeller oder die Hostienbäckerei hinter Klostermauern. Die Lösung heißt also nicht Entlassung (= Laiisierung), sondern Beauftragung mit unkritischen Tätigkeiten.

Priester ist eben kein Job wie jeder andere.

 

Nachtrag: Die Versorgungspflicht des Bischofs erlischt auch nicht, wenn der Priester für ihn 'unbrauchbar' wird, wie es z.B. auch durch eine Krankheit geschehen kann. Das ähnlich wie bei Beamten.

 

bearbeitet von Moriz
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vor 7 Minuten schrieb barbarosina:

Wenn er sich nicht für Scheine interessiert, dann interessieren ihn auch keine Gehaltskürzungen-darauf aber war meine Antwort gemünzt: nämlich auf den  Beitrag von Chrisologus.

Da dürftest du Recht haben. Priester wird man hierzulande nicht wegen des Geldes. Von daher ist eine Gehaltskürzung auch nicht unbedingt eine Strafe. Nicht mehr in der Seelsorge tätig sein zu dürfen dagegen meist schon.

Ich denke, daß Chrysologus darauf angespielt hat, daß der Bischof zwar Versorgung, aber keine üppige Versorgung versprochen hat und im Zweifelsfall mit Wasser und Brot in einer Klosterzelle seiner Versorgungspflicht nachkommt. (Noch ein Unterschied zum normalen Arbeitsvertrag: Da ist die Entlohnung auf den Cent genau festgelegt.)

 

Zitat

Schwerer triebhafter Kindesmissbrauch wird ganz andere Gründe haben als Veranlagung.

?

Wenn schwer triebhafter Kindesmissbrauch ganz andere Gründe als Veranlagung hätte, dann wäre er womöglich leichter zu unterbinden.

Gerade weil Pädophilie eine Veranlagung ist, ist sie nicht 'heilbar' und es besteht für Pädophile nur die Möglichkeit, zu lernen, wie man diesem Trieb nicht nachgibt.

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Ich möchte noch einmal einen anderen Aspekt besprechen, falls Interesse besteht.

 

Von vielerlei Stellen wird betont, daß das Herstellen eines Zusammenhangs zwischen homosexueller Identität und der Tatsache, daß 80% der Opfer sexuellen Mißbrauchs in der Kirche männlich waren, unredlich sei. Meistens wird betont, daß das unwissenschaftlich sei. Und angeblich werden damit Homosexuelle per se stigmatisiert.

 

Ich möchte mal dieser Argumentation auf den Grund gehen, weil ich sie in vielfacher Sicht für fehlerhaft halte.

 

1. das angebliche Stigma: die allermeisten sexuellen Mißbrauchsfälle finden innerhalb von Familien statt, und zwar vorwiegend durch männliche Erwachsene. Wenn man das konstatiert, werden damit automatisch Väter und Onkel stigmatisiert? Ich bin bspw. beides und in diesem Forum sicher nicht der einzige. Wer fühlt sich denn durch diese Faktenbeschreibung stigmatisiert? Ich nehme an keiner, warum auch.

 

2. die Unwissenschaftlichkeit bzw. Unredlichkeit: es gehe nicht um die sexuelle Identität des Täters, es gehe um die Mißbrauchskonstellation durch ein asymmetrisches Machtgefüge, so wird knapp gesagt argumentiert. Doch das greift in meinen Augen zu kurz: es geht ja nicht bloß um Gewalt, es geht um sexuelle(!) Gewalt, also neben der bzw. durch die Machtausübung auch um sexuelle Triebbefriedigung. Die von den "Verteidigern des Nichtzusammenhanges" vorgebrachte Behauptung wäre dann nachvollziehbar, wenn - Stichwort Wissenschaftlichkeit - nachgewiesen wäre, daß die Triebbefriedigung unabhängig vom Geschlecht des Opfers erfolgt wäre, wenn also die Täter zwischen Jungs und Mädchen nicht wirklich unterschieden hätten, sondern es lediglich um die Machtsituation ginge. Das wäre angesichts bspw. des Grand Jury Reports in Pennsylvania leicht zu überprüfen.

Doch das Gegenteil ist der Fall - die einen mißbrauchten eben NUR Mädchen, die anderen NUR Jungs bzw. war dies zu einem weit überwiegenden Anteil die Konstellation.

Würde man dennoch an der "Behauptung des Nichtzusammenhanges" festhalten wollen, so könnte dies nur bedeuten - und das wäre dann zu belegen - daß es unter den Tätern mehrheitlich(!) Männer gibt, die prinzipiell heterosexuell seien, aber in sexualisierten Machtmißbrauchsfällen eine klare Präferenz für Jungs zeigen. Kann das jemand belegen (davon mal ganz abgesehen, daß das eh keiner glaubt)?

bearbeitet von rorro

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vor 5 Minuten schrieb Moriz:

Wenn schwer triebhafter Kindesmissbrauch ganz andere Gründe als Veranlagung hätte, dann wäre er womöglich leichter zu unterbinden.

Gerade weil Pädophilie eine Veranlagung ist, ist sie nicht 'heilbar' und es besteht für Pädophile nur die Möglichkeit, zu lernen, wie man diesem Trieb nicht nachgibt.

Nun, da streiten sich die Geister. Für Pädophilie soll es eine Veranlagung geben, aber das bedeutet nicht, dass so Veranlagte Missbrauch begehen und zum Täter werden. Oft wurden Täter selbst missbraucht und üben die erfahrene Gewalt später so auf andere aus. Da gibt es verschiedene Erklärungen und nicht nur eine.

 

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Wenn  ein Kleriker des Missbrauchs überführt wurde, dann ist es zum Wohl der Gesellschaft besser, wenn er, suspendiert, in der Obhut und unter Beobachtung bleibt. Hier tun sich auch Wege auf, die das Strafrecht nicht einschlagen kann, speziell, wenn das Ganze nicht strafmaßig wurde, verjährt ist usw.

 

Das beißt sich im ersten Augenblick mit dem Ansinnen nach Genugtuung, aber ein Täter, der unter bischöflichem Kuratel steht, ist stärker von der Gesellschaft isoliert als einer, der nach verbüßter Haft wieder unter die Leute kommt.

 

Der Bischof hat mit der Weihe Verantwortung für seine Priester übernommen. Verantwortung in dem Sinne, dass er für sie sorgt, Verantwortung in dem Sinne, dass er sie nicht einfach entsorgen kann.

 

Das bedeutet, dass der Täter versorgt ist. Ja. Es bedeutet aber auch, dass er den Weisungen des Bischofs zu folgen hat.

 

 

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vor 7 Minuten schrieb nannyogg57:

Das bedeutet, dass der Täter versorgt ist. Ja. Es bedeutet aber auch, dass er den Weisungen des Bischofs zu folgen hat.

 

Ja, ungefähr so, wie ein defraudanter Bankangestellter den Weisungen des Filialleiters zu folgen hat ... 

Wer sich zu Taten versteigt, wie sie in den diversen Mißbrauchsberichten aufgelistet werden, hat sicher kein Problem damit seinen Übeltaten die Verweigerung des Gehorsams hinzuzufügen. Machen wir doch in gewisser Weise alle: wir kennen doch die Weisungen, die uns von Christus erteilt wurden. Und? Halten wir uns da immer daran? Ich jedenfalls nicht. 

bearbeitet von Mistah Kurtz

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vor 19 Minuten schrieb Mistah Kurtz:

 

Ja, ungefähr so, wie ein defraudanter Bankangestellter den Weisungen des Filialleiters zu folgen hat ... 

Wer sich zu Taten versteigt, wie sie in den diversen Mißbrauchsberichten aufgelistet werden, hat sicher kein Problem damit seinen Übeltaten die Verweigerung des Gehorsams hinzuzufügen. Machen wir doch in gewisser Weise alle: wir kennen doch die Weisungen, die uns von Christus erteilt wurden. Und? Halten wir uns da immer daran? Ich jedenfalls nicht. 

 

In der Tat. Wenn der Täter weiß, daß er immer versorgt ist, warum sollte er den Weisungen des Bischofs auf einmal Folge leisten? Hat ja keine existentielle Konsequenz zu befürchten.

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Ja, das kann passieren. Die Alternative, die hier im Raum steht: Der Bischof schickt den Täter komplett weg. Was ist daran der Vorteil für die Gesellschaft?

 

Natürlich kann er die Option wählen.

 

Ich kenne eben mindestens einen Fall, da hat der Täter diese Option nicht gewählt. Der Bischof nimmt seine Verantwortung wahr, der Täter verbleibt in dem ihm auferlegtem Spielraum.

 

Strafrechlich war da nichts zu machen. Aber das bescheuerte System Bischof-Klerus funktioniert. Denn der Bischof kann jemand, der sich seiner Gehorsamspflicht noch erinnert, in ein Kloster schicken, zB.

 

Bei einer regressiven Veranlagung, die ja auch mit der Pädophilie einhergehen kann, ist das eine Möglichkeit.

 

Was ein Sportverein so nicht kann.

 

Das ist doch das Schlimme an diese ganzen Sache: Erst muss man alles strafrechtlich verfolgen, das ist nicht einfach, dann muss man schauen, wie man mit vermuteten Wiederholungstätern umgeht.

 

Nicht, dass ich nicht gegen eine staatsanwaltliche und gerichtsmaßige Anklage wäre. Die ist enorm wichtig. Sie kann, wenn es recht läuft, ja auch den Unschuldigen frei sprechen. Und, da ich einen Mann und einen Sohn habe, die beide beruflich mit Kindern zu tun haben, bin ich mir des Generalverdachtes gegen Männern in diesen Berufen bewusst.

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vor 23 Stunden schrieb rorro:

Ich möchte noch einmal einen anderen Aspekt besprechen, falls Interesse besteht.

 

Von vielerlei Stellen wird betont, daß das Herstellen eines Zusammenhangs zwischen homosexueller Identität und der Tatsache, daß 80% der Opfer sexuellen Mißbrauchs in der Kirche männlich waren, unredlich sei. Meistens wird betont, daß das unwissenschaftlich sei. Und angeblich werden damit Homosexuelle per se stigmatisiert.

 

Ich möchte mal dieser Argumentation auf den Grund gehen, weil ich sie in vielfacher Sicht für fehlerhaft halte.

 

1. das angebliche Stigma: die allermeisten sexuellen Mißbrauchsfälle finden innerhalb von Familien statt, und zwar vorwiegend durch männliche Erwachsene. Wenn man das konstatiert, werden damit automatisch Väter und Onkel stigmatisiert? Ich bin bspw. beides und in diesem Forum sicher nicht der einzige. Wer fühlt sich denn durch diese Faktenbeschreibung stigmatisiert? Ich nehme an keiner, warum auch.

 

2. die Unwissenschaftlichkeit bzw. Unredlichkeit: es gehe nicht um die sexuelle Identität des Täters, es gehe um die Mißbrauchskonstellation durch ein asymmetrisches Machtgefüge, so wird knapp gesagt argumentiert. Doch das greift in meinen Augen zu kurz: es geht ja nicht bloß um Gewalt, es geht um sexuelle(!) Gewalt, also neben der bzw. durch die Machtausübung auch um sexuelle Triebbefriedigung. Die von den "Verteidigern des Nichtzusammenhanges" vorgebrachte Behauptung wäre dann nachvollziehbar, wenn - Stichwort Wissenschaftlichkeit - nachgewiesen wäre, daß die Triebbefriedigung unabhängig vom Geschlecht des Opfers erfolgt wäre, wenn also die Täter zwischen Jungs und Mädchen nicht wirklich unterschieden hätten, sondern es lediglich um die Machtsituation ginge. Das wäre angesichts bspw. des Grand Jury Reports in Pennsylvania leicht zu überprüfen.

Doch das Gegenteil ist der Fall - die einen mißbrauchten eben NUR Mädchen, die anderen NUR Jungs bzw. war dies zu einem weit überwiegenden Anteil die Konstellation.

Würde man dennoch an der "Behauptung des Nichtzusammenhanges" festhalten wollen, so könnte dies nur bedeuten - und das wäre dann zu belegen - daß es unter den Tätern mehrheitlich(!) Männer gibt, die prinzipiell heterosexuell seien, aber in sexualisierten Machtmißbrauchsfällen eine klare Präferenz für Jungs zeigen. Kann das jemand belegen (davon mal ganz abgesehen, daß das eh keiner glaubt)?

Da gäbe es zwei Erklärungen:

Entweder, dass einfach es eben sehr viel mehr Möglichkeiten für Priester gibt, mit Jungs allein zu sein, weil sich da niemand was bei denkt, als bei Mädchen.

 

Und die andere, die ich für sehr wahrscheinlich halte, ist, dass Missbrauch von bereits pubertierenden Jungen oft tatsächlich "Ersatzhandlung" für die eigenen (gleichgeschlechtlichen) sexuellen Wünsche ist.

Ich denke, dass das aber vielfach vermieden werden könnte, wenn Sexualität weniger tabuisiert würde. Ich weiß, das klingt auf den ersten Blick seltsam.

Aber ich denke, wenn man die eigene Sexualität bzw. deren Ausleben (und das liegt viel näher beieinander, als es auf den ersten Blick klingt, denn jeder Gedanke, den man sich nicht "verbietet" ist ja schon "ausleben") schon an sich als schuldhaft empfindet und durch die teilweise extreme Tabuisierung als viel schuldhafter und schlimmer als alles andere, dann merkt man glaube ich gar nicht mehr, wie falsch es ist, ein Kind zu missbrauchen, weil das schlechte Gewissen bei der Sexualität eh immer massiv mit dabei ist.

Während wenn ein Mann, der seine eigene Sexualität normalerweise nicht als Schuld/negativ erlebt, egal ob er in einer homosexuellen Beziehung lebt oder nicht, sich zu einem Minderjährigen hingezogen fühlt, dann merkt er eher, dass er da eine massive moralische Grenze überschreitet, als jemand, der seinem persönlichen Empfinden nach schon immer, mit jedem Gedanken, jedem Blick, jeder "zufälligen" Berührung, jeder Verliebtheit, jeder einvernehmlichen Beziehung,... massive Grenzen überschritten hat und den Unterschied gar nicht merkt.
 

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