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Aus dem Vatikan für Alle


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vor 4 Stunden schrieb Flo77:

"Ergebnisoffen" ist keine legitime Kategorie des kirchlichen Denkens in Glaubenssachen.

 

Mir scheint das passt nicht zum Kontext eines subjektiven "Lehr"textes eines Papstes.

 

Nimm den subjektiven Text eines Papstes als Meditationstext und meditier über mal die eine mal die andere Aussage darin, welche dir unverständnlich erscheint, Vergleich was du selbst über die betreffenden Sachverhalte weißt aus der Theologie und Glaubenslehre der Kirche. Wenn du gedanklich erforschst, ob sich die subjektiven unverständlichen Aussagen des Papstes auflösen lassen nach der objektiven Theologie und Glaubenslehre, dann ist das durchaus ergebnisoffen: entweder die unverständliche Aussage des Papstes beibt unverständlich oder es stellt sich im Laufe der Meditation ein "Aha-Effekt" ein und der natürliche Verstand kann die subjektive unverständliche Aussage objektivieren durch Herleitung aus objektiver Theologie und Glaubenslehre. Erst diese rationale Einsicht kann zur Schlussfolgerung "Der Papst hat recht" führen. Ohne diese ist eine Zustimmung lediglich Ausdruck der Verehrung des Papstes oder Ausdruck einer positiven Emotionalisierung durch eines der vielen "buzz words" welche der Papst (bei jeder Gelegenheit so auch hier) verwendet.

Wenn die Herleitung gelingt, dann bleibt allerdings die Frage "Warum sagts der Papst nicht gleich so?" "Warum redet er so 'schwurbelig'?" Vielleicht weil rational verständliche Aussagen irgendwie "zu intellektuell" und "zu gefühlskalt" wirken? Aber ich kann das nicht beurteilen, mich fasziniert nur immer der sprachliche Ausdruck der viele Fragen aufwirft.

 

Edited by SteRo
Werner001
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Hat so ein Papst eigentlich wirklich die Zeit, sich da jeden Tag irgendwelche Predigten und Katechesen auszudenken, oder lässt er das von irgendwelchen Ghost-Writern (Holy-Ghost-Writer?) schreiben?

 

Werner

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@Werner001

 

Papst Franziskus hat sich in den letzten Jahren und ganz sicher in den letzten Monaten seines Lebens die Texte schreiben lassen. 

 

Ich denke, dass Papst Leo XIV. zumindest die Predigten selber schreibt oder grob skizziert und die Texte dann ausgearbeitet werden. Andere Texte wie Botschaften zum Weltkrankentag werden vermutlich von anderen verfasst, eventuell nimmt der Papst noch korrekturen vor. 

 

 

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Papst: Katholische Soziallehre als Weg zu friedlicher Koexistenz

 

In der Botschaft an die Konferenz-Teilnehmer betont das katholische Kirchenoberhaupt, das Thema sei in der heutigen Welt besonders relevant, in welcher Gesellschaften sich weigerten, über die von der Religion vorgeschlagenen universellen Werte und ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu diskutieren. „Dieser Widerstand hat zwar verschiedene Gründe, aber die zugrunde liegende Krise ist die Verbreitung des Relativismus und die Reduzierung der Wahrheit auf Meinung“, heißt es in der päpstlichen Botschaft, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnete. 

Da ist sie wieder: die Schelte des Relativismus. Dabei ist zu beachten, dass ein harmonisches friedliches Funktionieren von Sozialsystemen ohne relative "Wahrheiten", die von Bedingungen abhängen, gar nicht möglich ist. Nicht jede relative "Wahrheit" ist also Relativismus.

Und werden mehrere Wahrheiten in einem gegebenen Kontext vorgeschlagen, was sollte dann zur geeigneten Auswahl führen? Wissen oder Meinung? Wenn eine Seite beansprucht zu wissen und weit von sich weist, dass es sich um Meinung handeln könnte, dient das dann der friedlichen Koexistenz?

 

Kein Kontinent und keine Gemeinschaft könne „in Frieden leben und gedeihen ohne gemeinsame Wahrheiten, die ihre Normen und Werte prägen“, ist ebenfalls zu lesen. 

Das ist wohl wahr. Zugleich deutet "gemeinsame Wahrheiten" hier aber auf nichts anderes hin als auf Konventionen, relative "Wahrheiten" also. Wer will in einer Gemeinschaft leben in der das Diktat einer verkündeten absoluten Wahrheit gelten muss.

 

Die katholische Soziallehre, so Papst Leo XIV. an die Konferenz-Teilnehmer, sei in den Worten und Taten Jesu Christi verwurzelt, der sich als der Weg, die Wahrheit und das Leben offenbart habe. Die Soziallehre der katholischen Kirche „hat viel zu bieten, da sie Grenzen überschreitet und eine Plattform für kollektive Interessen und Lebensweisen bietet und so ein friedliches Zusammenleben ermöglicht“.

Tatsächlich verhält es sich so, dass viele Soziallehren ein friedliches Zusammenleben ermöglichen, wenn alle beteiligten Individuen sich freiwillig danach richten. Werden sie gezwungen, weil die Lehre auf einer behaupteten absoluten Wahrheit beruht, dann ist bald Schluss mit friedlichem Zusammenleben.

 

Das gute am Glauben ist, dass jeder glauben kann, aber nicht muss. Eine Soziallehre aber schickt sich an, die Grenze des Glaubens zu überschreiten, denn sie lehrt ja, was als faktisch richtig angesehen wird für alle Mitglieder einer Gemeinschaft.

Experten des Glaubens sollten beim Glauben bleiben und für ihn werben. "Schuster bleib bei deinem Leisten."

 

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Wortlaut: Katechese von Papst Leo XIV., Generalaudienz 28.1.2026

 

In der ersten, die sich im Abendmahlssaal abspielt, sagt Jesus in seiner großen Abschiedsrede an die Jünger: „Ich habe euch dies gesagt, solange ich bei euch bin. Aber der Beistand, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. […] Wenn er kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen“(Joh 14,25-26; 16,13).

Ganz wesentlich: "der heilige Geist wird euch alles lehren, was ich euch gesagt habe" ... das Wort Jesu Christi alleine ist es also nicht, sondern zusätzlich bedarf es der Belehrung durch den heiligen Geist, wodurch die (vom heiligen Geist belehrte) Tradition der Schrift gleichwertig wird.

 

Das Zweite Vatikanische Konzil drückt dies mit einem eindrucksvollen Bild aus: „Die Heilige Schrift und die Heilige Tradition sind eng miteinander verbunden und stehen in gegenseitiger Beziehung. Da beide aus derselben göttlichen Quelle stammen, bilden sie in gewisser Weise eine Einheit und streben dasselbe Ziel an.“ (Dei Verbum, 9).

 

Die kirchliche Tradition verzweigt sich im Laufe der Geschichte durch die Kirche, die das Wort Gottes bewahrt, interpretiert und verkörpert. Der Katechismus der Katholischen Kirche (vgl. Nr. 113) verweist in diesem Zusammenhang auf ein Motto der Kirchenväter: „Die Heilige Schrift ist eher im Herzen der Kirche geschrieben als in materiellen Instrumenten.“, d. h. im heiligen Text.

 

In Anlehnung an die oben zitierten Worte Christi bekräftigt das Konzil, dass „die Tradition apostolischen Ursprungs in der Kirche mit Hilfe des Heiligen Geistes weiterlebt“ (DV, 8). Dies geschieht

[1] durch das volle Verständnis mittels „der Reflexion und des Studiums der Gläubigen”,

[2] durch die Erfahrung, die aus „einem tieferen Verständnis der geistlichen Dinge” entsteht, und

[3] vor allem durch die Verkündigung der Nachfolger der Apostel, die „ein sicheres Charisma der Wahrheit” empfangen haben.

 

Das Wort Gottes ist also nicht erstarrt, sondern eine lebendige und organische Realität, die sich in der Tradition entwickelt und wächst. Letztere versteht es dank des Heiligen Geistes in seinem ganzen Reichtum an Wahrheit und verkörpert es in den sich wandelnden Koordinaten der Geschichte.

 

Leo bei Generalaudienz: Schrift und Tradition gehen zusammen

 

 

 

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Wortlaut: Papst Leo XIV. beim Angelus am Sonntag

 

Auf dem Berg übergibt Christus seinen Jüngern das neue Gesetz, das in ihre Herzen geschrieben ist und nicht mehr auf Stein: ...

Die neue Innerlichkeit, die primär bestimmend ist und jede bloße Äußerlichkeit unterminiert, ist hier gut ausgedrückt.

 

Diese Seligpreisungen bleiben nur für diejenigen ein Paradoxon, die glauben, dass Gott anders ist, als Christus ihn offenbart.

Wobei die Herausforderung der Tatsache, dass der Gott des alten Bundes auch der Gott des neuen Bundes ist, erst mal bestanden werden muss.

 

Liebe Brüder und Schwestern, die Seligpreisungen werden für uns so zu einem Prüfstein des Glücks ...

 

 

 

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Papst: Bei Schriftauslegung Fundamentalismus vermeiden

 

Generalaudienz: Die Papstkatechese im Wortlaut

 

Die Konzilskonstitution Dei Verbum, über die wir in diesen Wochen nachdenken, betont, dass die Heilige Schrift – gelesen in der lebendigen Tradition der Kirche – ein bevorzugter Ort der Gottesbegegnung ist. Durch sie spricht Gott auch heute zu den Menschen aller Zeiten, damit sie ihn durch das Hören erkennen und lieben können.

 

Die biblischen Texte wurden jedoch nicht in einer himmlischen oder übermenschlichen Sprache verfasst.

"Gottes Wort" (die Bibel) ist also nicht wirklich Gottes Wort im wörtlichen Sinne.

 

Wenn also die Heilige Schrift das Wort Gottes in menschlichen Worten ist, ist jeder Ansatz, der eine dieser beiden Dimensionen vernachlässigt oder leugnet, unvollständig. Daraus folgt, dass eine korrekte Auslegung der heiligen Texte nicht das historische Umfeld, in dem sie entstanden sind, und die verwendeten literarischen Formen außer Acht lassen darf; vielmehr birgt der Verzicht auf das Studium der menschlichen Worte, derer sich Gott bedient hat, die Gefahr, zu fundamentalistischen oder spiritualistischen Lesarten der Schrift zu führen, die ihre Bedeutung verfälschen.

 

Ebenso verkürzt hingegen ist eine Auslegung der Heiligen Schrift, die ihren göttlichen Ursprung außer Acht lässt und sie letztlich als rein menschliche Lehre versteht – als etwas, das lediglich aus technischer Sicht zu studieren ist, oder als „ein Buch der Vergangenheit“ (Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolische Schreiben Verbum Domini, 30 September 2010, 35).

 

Was also ist menschlich-kulturell bedingt und was ist offenbarte Wahrheit bzw offenbarter Gotteswille von dem, was wir in der Bibel lesen können? Und welches ist der Maßstab für die entsprechende Zuordnung?

Leo scheint das Problem nicht wirklich aufzulösen. Im Gegenteil: seine Sätze wie sie nacheinander folgen, scheinen sogar das Rätsel zu vergrößern das zwischen den Polen "biblisches, von Gott inspiriertes Menschenwort" und "Gottes Absicht/Wille" liegt. Wenn man den von ihm genannten Zweck nimmt ("damit sie ihn durch das Hören erkennen und lieben können") hilft das auch nicht weiter, denn was hindert einen daran, den Maßstab so anzulegen, dass man den Gott erkennt, den man haben will und der dann auch die eigene bedingte kreatürlich-menschliche Liebe verdient?

 

 

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Papst an Priester in Spanien: Seid Christus ähnlich

 

Aber nicht alles ist verloren. Der Nachfolger Petri erklärt sich nämlich „überzeugt“, dass „eine neue Unruhe in den Herzen vieler Menschen, vor allem der Jugendlichen, brodelt“. „Die Verabsolutierung des Wohlstands hat nicht das erwartete Glück gebracht; eine von der Wahrheit getrennte Freiheit hat nicht die versprochene Erfüllung gebracht; und der materielle Fortschritt allein hat es nicht geschafft, die tiefsten Wünsche des menschlichen Herzens zu befriedigen”.

 

Dazu muss man allerdings der Ehrlichkeit halber sagen, dass das, was Leo hier von Wohlstand, Freiheit und materiellem Fortschritt sagt auch für den Glauben gilt, für den er mit diesen Worten werben will. Denn so wie einige (aber nicht alle!) in Wohlstand, Freiheit und materiellem Fortschritt ihre Sehnsucht nicht erfüllt sehen, so geht es auch einigen (aber nicht allen!), die sich auf den Glauben einlassen und es dann doch wieder sein lassen, weil sie ihre Sehnsucht darin nicht erfüllt sehen.

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Am 14.10.2010 um 12:51 schrieb Wiebke:

Kannst du auch mal weniger in Rätseln schreiben? Nur weil ich ab und an im CIC stöbere, kenne ich mich noch lange nicht mir kircheninternen Intrigen, politischen Grabenkämpfen und dergleichen aus. Und deine Orakelsprüche hören sich so an, als müsste man genau das zum Verständnis kennen.

Was ist denn die neueste Intrigue!?

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Papst bei Generalaudienz: Die Bibel, Herz und Wegweiser der Kirche

 

Generalaudienz: Die Katechese im Wortlaut

 

Die Kirche ist der eigentliche Ort der Heiligen Schrift. Unter der Eingebung des Heiligen Geistes ist die Bibel inmitten des Volkes Gottes entstanden und für das Volk Gottes bestimmt.

Das ist wahr: die "Kirche" aka "Gemeinde" (derjenigen, welche die Heilige Schrift als Offenbarung Gottes glauben) ist natürlich auch Ort der Heiligen Schrift.

 

„Unkenntnis der Schrift ist in der Tat Unkenntnis Christi“ (Hl. Hieronymus, Comm. in Is., Prol.: PL 24, 17 B): Dieser berühmte Ausspruch des heiligen Hieronymus erinnert uns an den eigentlichen Zweck des Lesens und Meditierens der Heiligen Schrift:

Ja, wenn ich ein Buch nicht kenne, dann weiß ich nicht was drinnesteht.

 

Die Konstitution Dei Verbum hat uns die Offenbarung als einen solchen Dialog vorgestellt, in dem Gott zu den Menschen spricht wie zu Freunden (vgl. DV, 2). Und das geschieht, wenn wir die Bibel in einer inneren Haltung des Gebets lesen: Dann kommt uns Gott entgegen und spricht zu uns.

Sieh an! Lesen ist also nicht gleich lesen. Es ist möglich, dass sich Gott offenbart, wenn wir lesen, dass er zu uns spricht!

 

Die Liebe zur Heiligen Schrift und die Vertrautheit mit ihr soll all jene leiten, die den Dienst am Wort Gottes ausüben: Bischöfe, Priester, Diakone, Katecheten. Wertvoll ist auch die Arbeit der Exegeten und all derer, die sich mit den Bibelwissenschaften befassen;

 

 

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Leo beim Angelus: Mindestmaß reicht nicht – es braucht große Liebe

 

Wortlaut: Papst Leo beim Angelus am 15. Februar

 

Nachdem er die Seligpreisungen verkündet hat, lädt uns Jesus ein, in die Neuheit des Reiches Gottes einzutreten, und um uns auf diesem Weg zu führen, offenbart er uns die wahre Bedeutung der Gebote des mosaischen Gesetzes: Sie dienen nicht dazu, einem äußerlichen religiösen Bedürfnis nachzukommen, um sich vor Gott gerechtfertigt zu fühlen, sondern dazu, uns in eine Liebesbeziehung mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern eintreten zu lassen. Deshalb sagt Jesus, dass er nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzuheben, »sondern um zu erfüllen« (V. 17).

Eine etwas erläuterungsbedürftige Aussage, so scheint mir: die Gebote dienen dazu "uns in eine Liebesbeziehung mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern eintreten zu lassen". Mal sehen was noch kommt ...

 

Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe, in ihr findet es zu seinem tiefsten Sinn und seiner letzten Bestimmung.

Jetzt Moment mal ... da gibt es die Gebote und die haben einen Wortlaut und der Leo behauptet, dass "die Liebe" ("die" ... welche überhaupt?) die Erfüllung dieser begrifflichen Aussagen sei? Das ist nicht weniger erklärungsbedürftig.

 

Es geht darum, eine „größere Gerechtigkeit” (vgl. V. 20) zu erlangen als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, eine Gerechtigkeit, die sich nicht auf die Einhaltung der Gebote beschränkt, sondern uns für die Liebe öffnet und uns zur Liebe anhält.

Das ist schon mal ganz schlecht ... sich zu vergleichen mit anderen und dann mehr als die anderen erreichen zu wollen bzw zu glauben, dies zu können. Warum sollte man das können? Weil man weniger sündigt etwa? Aha ... aber um von Sündigen zu wissen, muss ich ja die Gebote kennen. Und um wenig zu sündigen, muss ich sie einhalten. Damit aber soll man es nicht belassen, sondern sich für die Liebe öffnen. Oben sagte er noch "Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe" und nun sagt er: erst die Gebote und dann noch mehr (nämlich die Liebe).

 

Jesus untersucht nämlich einige Gebote des Gesetzes, die sich auf konkrete Fälle des Lebens beziehen, und verwendet eine sprachliche Formel – die Antinomien –, um den Unterschied zwischen einer formalen religiösen Gerechtigkeit und der Gerechtigkeit des Reiches Gottes aufzuzeigen: Auf der einen Seite heißt es: »Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist«, und auf der anderen Seite erklärt Jesus: »Ich aber sage euch« (vgl. V. 21-37).

 

Diese Grundausrichtung ist von großer Bedeutung. Sie sagt uns, dass das Gesetz dem Mose und den Propheten gegeben wurde als Anfang eines Weges zu einem tieferen Verständnis Gottes und seines Plans für uns und die Geschichte, oder – um einen Ausdruck des heiligen Paulus zu verwenden – als Erzieher, der uns zu ihm geführt hat (vgl. Gal 3,23-25). Nun aber ist er selbst, in der Person Jesu, in unsere Mitte gekommen – in ihm, der das Gesetz erfüllt und uns so zu Söhnen des Vaters gemacht hat und der uns die Gnade geschenkt hat, mit ihm als Söhne und Töchter und untereinander als Brüder und Schwestern in Beziehung zu treten.

Da berücksichtigt er aber nicht, dass Gott bereits den Mose hat ausrichten lassen, dass die Israeliten Gott über alles lieben sollen und dass sie auch ihren Nächsten lieben sollen wie sich selbst. Zu sagen, dass erst mit Jesus Christus offenbar wurde, dass es v.a. um die Liebe ginge, ist also so nicht richtig. Warum also hat Gott nicht bereits Mose und seinen Leuten "die Gnade geschenkt ... mit ihm als Söhne und Töchter und untereinander als Brüder und Schwestern in Beziehung zu treten., wo er sie bereits darauf hingewiesen hatte, dass sie Ihn über alles lieben sollen und die Nächsten wie sich selbst? Mir scheint da mit der Theologie was im Argen zu liegen.

 

Brüder und Schwestern, Jesus lehrt uns, dass wahre Gerechtigkeit Liebe ist und dass wir in jedem Gebot des Gesetzes ein Erfordernis der Liebe erkennen müssen. Denn es reicht nicht aus, einen Menschen nicht physisch zu töten, wenn ich ihn dann mit Worten töte oder seine Würde nicht respektiere (vgl. V. 21-22). Ebenso reicht es nicht aus, formal dem Ehepartner treu zu sein und keinen Ehebruch zu begehen, wenn in dieser Beziehung gegenseitige Zuwendung, Zuhören, Achtung, Fürsorge und das gemeinsame Voranschreiten in einem gemeinsamen Projekt fehlen (vgl. V. 27-28.31-32). Zu diesen Beispielen, die Jesus selbst uns gibt, könnten wir noch weitere hinzufügen.

Also erst sagt er "Die Erfüllung des Gesetzes ist die Liebe"

Dann sagt ererst die Gebote und dann noch mehr (nämlich die Liebe). 

Und nun sagt er: "wahre Gerechtigkeit ist die Liebe" und das bloße Einhalten der Gesetze "reicht nicht aus" ist also lediglich vermeintliche Gerechtigkeit, aber keine "wahre" 

 

Also mir scheint, dass das mit der Liebe, so wie Leo es darstellt, diskussionswürdig ist. Fakt ist, dass bereits im alten Bund die Gottesliebe über alles und die Nächstenliebe geboten wurden und diese beiden Gebote wurden im NT lediglich bestätigt.

Das eigentlich Neue an der Lehre Jesu Christi ist also nicht die Liebe, auch nicht dass er alle anderen Gebote des AT bestätigt hat (manche Protestanten glauben ja, dass mit Jesus Christus die Gebote des AT aufgehoben worden seien), sondern dass er lehrte, dass die Gebote bereits mit entsprechenden Gedanken und Empfindungen gebrochen werden. Gegen letzteres, sündige Gedanken und Empfindungen kann die Liebe mit ihrer psychologischen Transzendenz natürlich helfen, aber das konnte sie auch schon zu Zeiten des alten Bundes bzw hätte es gekonnt.

 

Das Evangelium vermittelt uns diese wertvolle Lehre: Es reicht nicht aus, ein Mindestmaß an Gerechtigkeit zu üben, sondern es bedarf einer großen Liebe, die durch die Kraft Gottes möglich ist.

Ja, aber wenn diese Liebe durch die Kraft Gottes erst möglich ist, warum hat Gott dann die Menschen des alten Bundes nicht dazu ermächtigt, nachdem er doch auch von ihnen diese Liebe gefordert hat? Mir scheint da mit der Theologie was im Argen zu liegen.

Edited by SteRo
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Nachtrag:

vor 36 Minuten schrieb SteRo:

Leo beim Angelus: Mindestmaß reicht nicht – es braucht große Liebe

 

Wortlaut: Papst Leo beim Angelus am 15. Februar

 

Brüder und Schwestern, Jesus lehrt uns, dass wahre Gerechtigkeit Liebe ist und dass wir in jedem Gebot des Gesetzes ein Erfordernis der Liebe erkennen müssen.

... Ebenso reicht es nicht aus, formal dem Ehepartner treu zu sein und keinen Ehebruch zu begehen, wenn in dieser Beziehung gegenseitige Zuwendung, Zuhören, Achtung, Fürsorge und das gemeinsame Voranschreiten in einem gemeinsamen Projekt fehlen (vgl. V. 27-28.31-32). Zu diesen Beispielen, die Jesus selbst uns gibt, könnten wir noch weitere hinzufügen.

 

Das ist natürlich eine sehr eigenwillige Interpretation. Ich weiß nicht wo er her hat, dass im Kontext Ehebruch Jesus lehren würde, dass das Fehlen von "gegenseitige Zuwendung, Zuhören, Achtung, Fürsorge und das gemeinsame Voranschreiten in einem gemeinsamen Projekt" einem Ehebruch gleichkäme oder der Beginn von Ehebruch sei.

Tatsächlich lehrt Jesus dies:

Mt 5, 27  Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. 28  Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. 29  Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß 〈zur Sünde〉 gibt, so reiß es aus und wirf es von dir! Denn es ist dir besser, dass eins deiner Glieder umkommt und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird. 30  Und wenn deine rechte Hand dir Anstoß 〈zur Sünde〉 gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir!

 

Die Sünde ist also bereits das entsprechende Denken bzw Empfinden. Das begehrliche Ansehen einer fremden Frau ist bereits Ehebruch.

Edited by SteRo
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vor 5 Stunden schrieb SteRo:

Leo beim Angelus: Mindestmaß reicht nicht – es braucht große Liebe

 

Wortlaut: Papst Leo beim Angelus am 15. Februar

 

Diese Grundausrichtung ist von großer Bedeutung. Sie sagt uns, dass das Gesetz dem Mose und den Propheten gegeben wurde als Anfang eines Weges zu einem tieferen Verständnis Gottes und seines Plans für uns und die Geschichte, oder – um einen Ausdruck des heiligen Paulus zu verwenden – als Erzieher, der uns zu ihm geführt hat (vgl. Gal 3,23-25). Nun aber ist er selbst, in der Person Jesu, in unsere Mitte gekommen – in ihm, der das Gesetz erfüllt und uns so zu Söhnen des Vaters gemacht hat und der uns die Gnade geschenkt hat, mit ihm als Söhne und Töchter und untereinander als Brüder und Schwestern in Beziehung zu treten.

Da berücksichtigt er aber nicht, dass Gott bereits den Mose hat ausrichten lassen, dass die Israeliten Gott über alles lieben sollen und dass sie auch ihren Nächsten lieben sollen wie sich selbst. Zu sagen, dass erst mit Jesus Christus offenbar wurde, dass es v.a. um die Liebe ginge, ist also so nicht richtig. Warum also hat Gott nicht bereits Mose und seinen Leuten "die Gnade geschenkt ... mit ihm als Söhne und Töchter und untereinander als Brüder und Schwestern in Beziehung zu treten., wo er sie bereits darauf hingewiesen hatte, dass sie Ihn über alles lieben sollen und die Nächsten wie sich selbst? Mir scheint da mit der Theologie was im Argen zu liegen.

... ja im Argen ... auch wenn man bedenkt, dass Gott sich diesen unseren  "[Weg] zu einem tieferen Verständnis Gottes und seines Plans für uns und die Geschichte ...", diese "Erziehung" (Paulus) hat was kosten lassen, nämlich viel, viel Blut u.a. die Todesstrafe für Sünder ... und derselbe Gott nimmt dann Fleisch an und lehrt (oder lässt lehren) "wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".

Dies nur als "[Weg] zu einem tieferen Verständnis" bzw "Erziehung" zu bezeichnen erscheint mir dann doch etwas dürftig, wieder dem theologischen Motto folgend "reden wir nicht über die unschönen Dinge, welche Modifikationen unserer Theologie erforderlich machen müssten, die die Leute nicht verstünden oder verstören würden".

 

Dabei habe ich nichts gegen "[Weg] zu einem tieferen Verständnis" oder "Erziehung", wenn dabei auch geklärt wird, warum Gott nicht bereits Mose und seinen Leuten "die Gnade geschenkt [hat] ... mit ihm als Söhne und Töchter und untereinander als Brüder und Schwestern in Beziehung zu treten", wo er sie bereits darauf hingewiesen hatte, dass sie Ihn über alles lieben sollen und die Nächsten wie sich selbst? Oder aber er hatte auch ihnen diese Gnade bereits geschenkt, aber sie konnten sie nicht annehmen, weil sie noch nicht "reif" waren ... erst mussten noch viele Generationen geopfert werden, um das Volk "heranreifen" zu lassen .. bis die Zeit reif war, um ihnen das Medium zu präsentieren, welches ihnen half, die Gnade, mit der Gott sie schon immer begossen hatte, anzunehmen. Wenn dem aber so ist, dann beruht all dies die "Reifung" des Volkes, die auch "Erziehung" genannt werden kann, auf Naturgesetzlichkeiten, welche bereits seit der Erschaffung der Welt existieren. Und auch die menschlichen Blutopfer "bis die Zeit reif war" folgen lediglich dieser Naturgesetzlichkeit, seit Ewigkeiten Gott bekannt, in Kraft gesetzt durch sein Wort, das gleiche Wort, das dann Fleisch annahm.

Edited by SteRo

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