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Katechesen


Bibliothekar
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Gott und Eros muss noch warten - da simmer noch nicht intiem genug für...

 

Aber erinnern Sie sich noch an den Winter vor ein paar Jahren? Ja, genau den! Den mit Schnee von Martini bis Lichtmess (zumindest gefühlt...) Es war so kalt, es ging alles so langsam durch den Schnee (tat das nicht gut?), gut - an die Heizkostenabrechnung erinnert man sich eher mit Grausen.

 

Diese Massen von Schnee... Kaum daß man noch erkennen konnte, wo die Straße langführt oder wo die Weidezäune die Wiesen trennen. Und alles so leise. Als würde der Schnee den Lärm schlucken. Richtiges Weihnachtswetter eben. Es war so stimmungsvoll. Ok - dieser Satz hat sich mir beim Lesen des Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsches von Ende eingebrannt - er fällt dort allerdings im Zusammenhang mit einem Waldbrand und zwei Todesfällen - kindliches Erinnerungsvermögen halt.

 

Apropos Kinder: in 40 Jahren schwärmen die, die das Chaos als Kinder miterlebt haben dann mit Sicherheit von den tollen Wintern, die es früher gab...

 

An den Schnee wird man sich erinnern. Aber denken Sie auch noch hin und wieder an das folgende Frühjahr und das Osterfest?

 

Ich nicht so richtig - bis auf eine kleine Episode am Rande. Als der Schnee so richtig hoch lag verlor eins meiner Kinder seinen Schatz der schon seit frühesten Tagen sein Begleiter war. Als wir es bemerkten, war er natürlich weg und blieb verschwunden. Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben als die Schneeschmelze einsetzte und wir uns doch nochmal auf die Suche machten. Doch auch in den Büschen am Haus fanden wir ihn nicht wieder - bis ein Nachbar meinte, er hätte etwas gefunden, was so aussah, wie unser Schatz. Doch er war so unansehnlich geworden, das er ihn in den Müll geworfen hatte. Wir haben ihn dennoch rausgeholt. Er war nass, dreckig, ein wenig ramponiert, aber nicht richtig kaputt und gewaschen und repariert sah er wieder aus wie neu. Das Kind hat sich natürlich gefreut wie Bolle.

 

An das Osterfest habe ich keine einzelne Erinnerung mehr, aber ich hoffe ich habe mir das Erlebnis behalten, einen Schatz zu finden.

 

Christus erzählte einmal die Geschichte einer armen Frau, die auf der Suche nach einer verlorenen Münze das ganze Haus auf den Kopf stellte und als sie sie fand, voller Freude zu den Nachbarn rannte und ihnen von ihrem Glück erzählte.

 

Der Schatz unseres Kindes beinhaltet einen riesigen unsichtbaren Sack an Erinnerungen - wertvoll auf ihre Weise. Gesammelt in einer Form, die ihm fast nicht zu nehmen ist. Ein Schatz im Himmel sozusagen. Gefunden in einem kleinen schutzigen Etwas.

 

Und Christus? Geschunden und zerschlagen am Kreuz hat er gehangen, ging uns verloren ins Reich der Toten und ist doch wunderbar auferstanden.

 

Wenn morgen in der Messe das Glöckchen zur Wandlung läutet, finden wir ihn wieder - trocken vielleicht etwas bröselig, ja geradezu unscheinbar kommt er daher im Brot, das für uns Medizin und geistige Nahrung zugleich ist.

 

Wer suchet - der findet. Gut such!

 

P.S.: Wenn Sie ihn gefunden haben - machen sie es wie die Frau aus dem Gleichnis und wie es auch mein Kind tut: erzählen Sie's ruhig weiter...

 

p.p.s.: mein Kind ist übrigens noch einen Schritt weitergegangen. Wir hatten uns schon mit dem Gedanken abgefunden, einen neuen Schatz besorgen zu müssen - der kam just einen Tag nachdem wir das Original wiedergefunden hatten an. Jetzt lagen aufeinmal zwei auf dem Tisch und das Kind hatte die Wahl. Es hat sich für den reparierten, Gewaschenen entschieden - den neuen Schatz aber hat es einem Säugling aus unserem Bekanntenkreis geschenkt - damit der auch einen Schatz hat...

Edited by Flo77
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ZU SPÄÄÄÄT - Du rettest den Freund nicht mehr. So rette das eigene LEBEN!

 

Drama im Schriftbild ist nicht so einfach, aber der eine oder die andere wird sich sicherlich erinnern.

 

Pünktlichkeit - die alte preußische Tugend. Vielen Mentalitäten auf diesem Planeten völlig abgängig und so richtig überzeugt bin ich von dem Konzept auch nicht. Zumindest nicht, wenn ich irgendwo hin muss. Umgekehrt - nun ja...

 

Es ist aber auch ätzend. Wer zu spät kommt, den bestraft nunmal das Leben - oder der kriegt, wie bei uns letzte Tage, allenfalls die kalten Reste vom Abendessen. Man kommt abgehetzt, ein wenig motzig an, ist noch nicht mal richtig da, es sind einem alle im Weg - und das Schlimmste ist, wenn man noch nicht mal selbst dran schuld ist. Zum Beispiel, wenn die Bahn mal wieder meint Fahrpläne sind allenfalls eine grobe Orientierungshilfe, die beschreibt WOHIN ein Zug fährt. WANN ist ja völlig zweitrangig. Schön, wenn man einen Schuldigen hat. Aber ich finde, es nagt an einem, wenn man zwar jemanden hat auf den man schimpfen kann, derjenige aber so weit weg und so unpersönlich ist, daß man gleichzeitig die Ohnmacht spürt, die Situation nie wirklich aktiv verbessern zu können.

 

Ähnliche Situationen im Beruf, in der Freizeit sind wohl Legion...

 

Es soll ja Leute geben, deren Zeitmanagement jeder Herausforderung gewachsen ist - beneidenswert. Irgendwie.

 

Aber man muss ja mit den Talenten arbeiten, die man tatsächlich bekommen hat. Womit wir (wenn auch recht ungalant) mal wieder bei Gott wären. Der hat uns schließlich mit selbigen versorgt. Den Talenten meine ich.

 

Ich mein': Der hat's gut. So außerhalb der Zeit zu stehen enthebt einen doch ziemlich davon "pünktlich" sein zu müssen. Das spart Streß. Vordergründig.

 

Allerdings: das neue Testament spricht viel von der Zeit, die reif ist, vom Ende aller Zeiten. Zeit ist endlich - eine Ressource von der jeder Mensch nicht genau wissen kann, wieviel ihm zugemessen wurde. Man weiß nie ob man am Ende zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war. Manchmal erkennt man, daß man zu spät kam. Selten, ob man zu früh dran ist. Zeit ist eines der Güter, bei dem ich glaube, man soll einen gewissen Teil davon gnadenlos verschwenden. Man tut soviel eher sinnloses Zeug aufgrund äußerer Zwänge - da muss es legitim sein, auch mal sinnloses Zeug aus eigenem Antrieb zu tun - oder eben mal nichts zu tun und mit Gott und der Welt einen Augenblick im Gleichklang zu schwingen.

 

Die Zeit nach dem Ende der Zeit, das Reich Gottes - das ist das Ziel. Da haben wir alle einen Fixtermin: wenn Christus wiederkommt zu richten die Lebenden und die Toten. Dummerweise weiß den genauen Termin niemand. Aber mal ehrlich: Würde es was bringen, zu wissen, daß das jüngste Gericht am 03.11. um 16:22 beginnt?

 

Die Versuchung in diesen letzten neun Tagen noch einmal alle Sinnenfreuden durchzuleben, die diese Welt zu bieten hat - Frauen/Männer, Essen, Musik, Film, Aktion - dürfte immens sein. Oder doch eher im Büßerkleid als Flagellant durch die Straßen ziehen? Unbeeindruckt weitermachen wie bisher?

 

Gott lässt sich nicht in seinen Kalender schauen - weder wissen wir, wann unser eigenes kleines Leben zu Ende ist, noch wann unsere Welt wie wir sie kennen vollendet wird. Aber jeden Tag den wir leben, haben wir die Chance uns Gott zuzuwenden. Ihm uns anzuvertrauen und uns von ihm anrühren zu lassen. Wir haben die Chance Christus schon in dieser Welt durch so viele Fenster, in so vielen Gesichtern und durch so viele Zeichen (seien sie in der Kirche zu finden oder außerhalb zu erahnen) zu erfahren. Unser Leben jeden Tag neu zu beginnen. Jeder Sünder hat jeden Tag den er lebt die Wahl sein Leben zu ändern. Und sei es nur für ein paar Stunden. Auch das ist ein Anfang.

 

Wir kennen nicht den Tag noch die Stunde, so hat Christus es formuliert und geboten "Wachet!"

 

Wachsam sein, die Sünde meiden, sich Gott zuzuwenden jeden Tag - christliches Leben.

 

ABER: Wenn das Wachen zur Besessenheit wird, man außer wachen nichts anderes mehr tut - dann wäre es glaube ich mal wieder Zeit für eine Umkehr...

 

Allez-y!

 

p.s.: vielleicht ist es ja auch der 03.11.2165, 6:39h Tokyoter Zeit - wer weiß das schon...

Edited by Flo77
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Und noch ein Text zum gleichen Thema, den ich vor einiger Zeit schon mal eingestellt hatte:

 

Kyrie Eleison!

 

Man fühlt fast körperlich den Jammer. "Herr erbarmehehe dich!" *schluchz*.

Man sieht den Zöllner im Tempel, der sich an die Brust schlägt "Herr erbarmehehehe dihiehiech."

 

Die Welt ist schlecht und der Mensch neigt zum Bösen von Kindesbeinen an.

 

Nun ja, Brüder und Schwestern - so kann man es verstehen. Aber, Herr erbarme dich, man muss nicht.

 

Sicher die Liturgie erlaubt die Kyrielitanei als Form C für den Bußakt. Aber ich finde, damit wird man dem Kyrieruf nicht wirklich gerecht.

 

Gott der Herr, ist derjenige auf den ich all meine Sorgen und Nöte werfen kann. Er ist so voller Barmherzigkeit, daß er auch mit all meinen kleinen Fehlern und großen Vergehen fertig wirst.

 

Er ist so voller Liebe und Güte - eben voller Erbarmen - daß meine Missetaten nichts daran ändern, daß er uns liebt.

 

Herr erbarme dich! - denn Er KANN sich erbarmen. Er ist groß genug und widerstandsfähig genug nur aus Liebe heraus.

 

Wenn wir uns vor ihm in den Staub werfen, niedergedrückt von unseren Zweifeln, unserer Unzulänglichkeit, unseren Fehlern und Macken - dann steht er immer noch vor uns. Nimmt uns an die Hand, hilft uns aufzustehen und nimmt uns in den Arm.

 

Erbarme dich unser.

 

Das Erbarmen Gottes ist wie ein Treppenlift. Wenn wir nicht mehr die Treppen steigen können, nicht mehr die Kraft finden das vertraute Stockwerk hinter uns zu lassen, dann ist es die Güte und Barmherzigkeit Gottes die uns den Weg vor sein Angesicht bahnt. Gott will uns in die Augen sehen. Will uns stehen sehen vor seinem Angesicht.

 

Seine Güte und Barmherzigkeit sind allezeit da. Sie stehen jedem zur Verfügung, der sie nötig hat. Gottes Liebe ist bedingungslos. Wer sich von ihr anrühren lässt und Gott in sein Leben Eintritt gewährt, dem stehen alle Türen des Himmelreichs offen.

 

Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über.

Herr erbarme dich denn du bis das Erbarmen selbst. Du bist wundervoll und gütig, du bist unsere Zuflucht und das Ziel unserer Suche nach Vollkommenheit.

 

Darum ist das Erbarmen Gottes etwas, das zum Lobpreis einlädt, das die Seele zum singen bringt, etwas, was auf den Straßen herausgeschrien werden will:

 

Herr erbarme dich unser!

 

 

http://www.mykath.de/index.php?showtopic=27031&view=findpost&p=1672928

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Und noch ein Text zum gleichen Thema, den ich vor einiger Zeit schon mal eingestellt hatte:

 

Kyrie Eleison!

 

Man fühlt fast körperlich den Jammer. "Herr erbarmehehe dich!" *schluchz*.

Man sieht den Zöllner im Tempel, der sich an die Brust schlägt "Herr erbarmehehehe dihiehiech."

 

Die Welt ist schlecht und der Mensch neigt zum Bösen von Kindesbeinen an.

 

Nun ja, Brüder und Schwestern - so kann man es verstehen. Aber, Herr erbarme dich, man muss nicht.

 

Sicher die Liturgie erlaubt die Kyrielitanei als Form C für den Bußakt. Aber ich finde, damit wird man dem Kyrieruf nicht wirklich gerecht.

 

Gott der Herr, ist derjenige auf den ich all meine Sorgen und Nöte werfen kann. Er ist so voller Barmherzigkeit, daß er auch mit all meinen kleinen Fehlern und großen Vergehen fertig wirst.

 

Er ist so voller Liebe und Güte - eben voller Erbarmen - daß meine Missetaten nichts daran ändern, daß er uns liebt.

 

Herr erbarme dich! - denn Er KANN sich erbarmen. Er ist groß genug und widerstandsfähig genug nur aus Liebe heraus.

 

Wenn wir uns vor ihm in den Staub werfen, niedergedrückt von unseren Zweifeln, unserer Unzulänglichkeit, unseren Fehlern und Macken - dann steht er immer noch vor uns. Nimmt uns an die Hand, hilft uns aufzustehen und nimmt uns in den Arm.

 

Erbarme dich unser.

 

Das Erbarmen Gottes ist wie ein Treppenlift. Wenn wir nicht mehr die Treppen steigen können, nicht mehr die Kraft finden das vertraute Stockwerk hinter uns zu lassen, dann ist es die Güte und Barmherzigkeit Gottes die uns den Weg vor sein Angesicht bahnt. Gott will uns in die Augen sehen. Will uns stehen sehen vor seinem Angesicht.

 

Seine Güte und Barmherzigkeit sind allezeit da. Sie stehen jedem zur Verfügung, der sie nötig hat. Gottes Liebe ist bedingungslos. Wer sich von ihr anrühren lässt und Gott in sein Leben Eintritt gewährt, dem stehen alle Türen des Himmelreichs offen.

 

Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über.

Herr erbarme dich denn du bis das Erbarmen selbst. Du bist wundervoll und gütig, du bist unsere Zuflucht und das Ziel unserer Suche nach Vollkommenheit.

 

Darum ist das Erbarmen Gottes etwas, das zum Lobpreis einlädt, das die Seele zum singen bringt, etwas, was auf den Straßen herausgeschrien werden will:

 

Herr erbarme dich unser!

 

 

http://www.mykath.de/index.php?showtopic=27031&view=findpost&p=1672928

Ich fände das sehr passend im Barmherzigkeitsthread in der Arena, aber da würde es nur zerrissen werden. Schade.
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Ich fände das sehr passend im Barmherzigkeitsthread in der Arena, aber da würde es nur zerrissen werden. Schade.
Da gehört meiner Meinung eher noch das hier hin, aber ich gehe völlig konform mit Deiner Einschätzung.
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Zu beiden Katechesen von Flo empfehle ich die Lektüre den Buches von Dietrich Bonhoeffer "Nachfolge". (Güterloher Taschenbücher 455.)

Dort handelt das erste Kapitel von der teuren Gnade. Bonhoeffer schreibt dort:

"Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament...."

 

"Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Weil Gnade ja alles allein tut, kann ja alles beim alten bleiben...."

 

"Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe um die gebeten, die Tür an die angeklopft werden muss."

 

"Teuer ist sie, weil sie zur Nachfolge aufruft, Gande ist sie weil sei zur Nachfolge Jesu Christi ruft..."

 

"Teure Gnade ist die Menschwerdung Gottes."

 

(Seiten 39 - 43)

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Ich fände das sehr passend im Barmherzigkeitsthread in der Arena, aber da würde es nur zerrissen werden. Schade.
Da gehört meiner Meinung eher noch das hier hin, aber ich gehe völlig konform mit Deiner Einschätzung.

Wie recht du hast. Vor allem das mit der vorübergehenden Beziehung finde ich toll.
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Blut. Überall nur Blut. Unschuldiges Blut. Täterblut. Blut in Gläsern und Beuteln. Blut auf den Lippen und an den Händen.

 

Blut. Uralte Magie. Gefordert von Göttern und Dämonen.

 

Blut. Es rinnt durch unsere Adern. Es strömt, pulsiert, erhitzt.

 

Blut. Ohne Blut keine Kinder. Keine Nachkommenschaft.

 

Blut ist die Währung, das Preisgeld der Welt.

 

In Waschwannen und Reagenzgläschen. Blut. Auf den Stufen, auf dem Boden, an den Wänden.

 

Kinderblut und Jungfernblut - kostbar und edel. Bekommt man alles für.

 

Mit Blut erkauft sich die Politik ihre Ziele. Fremdes Blut bevorzugt. Blut ist der Preis für Diamanten und Öl. Blut ist der Preis für die Freiheit. Blut ist der Preis für den Frieden.

 

Herr, sieh das Blut, daß in Strömen fließt und wie einst das Blut Abels aus dem Ackerboden zu Dir schreit.

 

Es schreit wie die Menge vor Pilatus "SEIN Blut komme über uns und unsere Kinder." Christi Blut erlöse uns und wasche uns rein.

 

Aber wir vergießen weiter Blutstropfen um Blutstropfen. Zahlen mit dem Leben in uns. Für was?

 

Blut. Der Preis der Ewigkeit.

 

Jesu Blut rinnt über das Holz, quillt zwischen den Dornen hervor. Schwere Tropfen fallen zur Erde. Blut des Heils?

 

Blut vergossen durch Sünde und Schuld. Schuld und Sünde ertränkt im Blut.

 

Thomas legte die Hand in die Wunde. Blut an den Fingern, Heil an der Seele?

 

Kyrie eleison.

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"Der Mensch neigt zum Bösen von Kindesbeinen an."

 

Soweit mal Paulus.

 

Aber tut der Mensch das wirklich? Hat der Mensch diese Neigung zum Bösen?

 

Der Mensch hat die eigentümliche Fähigkeit einer abstrakten Moral. Diese Fähigkeit ist uns innewohnend, kann trainiert oder vernachlässigt werden, kooperiert mit dem Gewissen und verursacht immer wieder Probleme.

 

Wofür also brauchen wir die Moral? Wozu hat der Mensch die Fähigkeit "Gut" und "Böse" zu definieren - und das über ein konkretes "Milch ist gut - Haue ist böse" hinaus?

 

Es ist eine der Fragen, auf die die Bibel nicht gleich eine Antwort liefert. Wohl aber beschreibt sie wie es dazu kam: Die Schlange verführte Eva, die Biss in die Frucht vom Baum der Erkenntnis und ließ Adam dann auch mal kosten. Das Ergebnis ist bekannt: das Paradies ist für den Menschen - noch, denn wir hoffen ja immer noch auf das himmlische Jerusalem - tabu.

 

Für mich ist die Entdeckung der Moral der "Sündenfall" des Menschen, der Punkt an dem er sich über die Tierwelt erhob, an dem er überhaupt erst zum "Menschen" wurde. Die Sünde als adversio dei kann überhaupt erst eintreten, wenn der Mensch seinen paradiesischen Urzustand verlässt und seine Wahlmöglichkeiten erkennen kann. Adam und Eva weisen das Gebot Gottes zurück. Damit sind sie Gott ähnlich geworden - zu dem Preis, daß sie nunmehr auch die Schattenseiten der Schöpfung überhaupt erst als Schatten erkennen können. Daß sie nicht mehr in der ewigen Gewissheit der Gegenwart Gottes leben können. Dürfen?

 

In vielen Texten dazu findet sich der Hinweis, daß Adams Sünde den Tod in die Welt gebracht hat - ich habe meine Zweifel an dieser Schlussfolgerung. Im Garten Eden stand neben dem Baum der Erkenntnis der Baum des Lebens, dessen Früchte Unsterblichkeit verliehen hätten - von beiden Bäumen durften Adam und Eva nicht essen und damit sie nicht auch noch vom Baum des Lebens aßen wurde der Garten Eden versperrt.

 

Was auch immer das Leben ist, daß der Baum des Lebens schenken sollte - daß es das irdische ist, erscheint mir unlogisch. Wären Adam und Eva im Paradies bereits unsterblich gewesen, wären der Baum und das Verbot nicht notwendig gewesen. Ich weiß nicht, wie Tiere den Tod erleben - ob er für sie etwas "Normales" ist. Trauerphasen bei Tieren sind bekannt, aber ich denke, daß ihnen die Frage nach dem "danach" für das eigene Leben erspart bleibt. Daher erscheint es mir logisch, daß die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit das eigentliche "Leid" ist, das "Adams Sünde" uns beschert hat.

 

 

Der Mensch weiß also, daß er die Wahl hat. Und er weiß, daß er sie nicht ewig hat.

Er weiß, daß er sich entscheiden kann, er kann Menschen bewusst zurückweisen, er kann bewusst Schmerzen zufügen, er kann sich Gott zu- und abwenden.

 

Neigt der Mensch also zum Bösen? Ist die Erfahrung, daß viele Menschen mit ihrem Leben sehr "dumme" Dinge anstellen ein Hinweis darauf, daß der Mensch "böse" ist?

 

Eher dürfte die Erkenntnisfähigkeit von Gut und Böse stets verbesserungswürdig bleiben. Bei jedem einzelnen von uns. In jeder Situation das "Gute" zu wählen - es dürfte ans Unmenschliche heranreichen, das zu erwarten. Mit Gottes Hilfe lernt ein jeder, das "Gute" öfter zu wählen, als das "Böse, wobei das "Böse" durch so viele Aspekte von außen und innen doch eigentlich das "Logische" ist.

 

Moral und Vernunft, die beiden Kerne in der Frucht vom Baum der Erkenntnis, können voneinander lernen, sich gegenseitig beeinflussen. Aber weder kann Eines das Andere ersetzen, noch ist der Mensch in der Lage die Bedeutung seiner selbst und seiner Handlungen bis ins letzte abzuschätzen und schließlich zu dem Urteil zu kommen "Gut so."

 

Christus hat einmal gesagt "Niemand ist gut außer Gott." Ein Satz, den ich bedenkenlos unterschreiben würde, denn kein Mensch ist im Besitz der vollen Erkenntnis, dem umfassenden Wissen darum, was Gott allein weiß und was vor Gott - oder vielmehr in ihm und aus ihm heraus - "Sinn" ergibt.

 

Wenn aber nur Gott allein "gut" ist - wie barmherzig, wie liebevoll muss er sein, daß er sich uns zuwendet. Wie offenherzig muss er sein, daß er für uns im Himmel ein ewiges Festmahl anrichtet? Niemand ist gut außer Gott - das heißt auch: Gottes Erbarmen muss unermesslich sein, sonst säßen im Himmel Gottvater, Sohn und Heiliger Geist abgesehen von den Engeln wohl ziemlich allein zusammen.

 

Gottes Plan mit uns, die Idee, die Gott mit uns hatte - suchen wir sie. Und das Gute.

 

Mit Gottes Hilfe.

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Nebenan teilt der Bibliothekar gerade Christus Dominus.

 

Es gibt einige ärgerliche Dokumente - gerade aus vatikanischer Feder. Sicherlich.

 

Aber keines könnte mich effektiver zu den Piusbrüdern treiben als dieses. Nein, natürlich nicht weil ich gegen das Kollegialitätsprinzip wäre. Gott bewahre.

 

Nein, sondern weil dieser Text - wie auch Lumen Gentium zu dem er ja gehört - mir nicht weit genug geht, Sand aufwirbelt und versucht zwei völlig unvereinbare Prinzipien unter einen Hut zu bringen.

 

Natürlich ist der Papst das geistliche Oberhaupt der Christenheit, der Träger der anthropomorphen Manifestation der Kirche. Sein Amt ist das durch die Tradition und seinen Auftrag beschränkte Prinzip der personifizierten Einheit der Katholischen Kirche.

 

Was hatte das Konzil für eine Chance!? Was hätten die 2000 anwesenden Bischöfe für ein schillerndes Bild des Wesens der Kirche ausbreiten können? Welche Leuchttürme hätte das apostolische Kollegium entfachen können? Welche Möglichkeiten hätte es gegeben die Kirche nicht nur zu befreien sondern sogar die Anthropologie der Kirche mit der veränderten Zeit zu versöhnen und das Bild des Menschen freien und guten Willens auch in der Organisation der Kirche umzusetzen.

 

Und was kam?

 

Das kam:

Daher erklärt die Heilige Ökumenische Synode, dass es wesentliches, eigenständiges und an sich ausschließliches Recht der zuständigen kirchlichen Obrigkeiten ist, Bischöfe zu ernennen und einzusetzen.
(CD 20)

 

Was ist da passiert? Wie konnte man auf die Idee kommen einer unbestimmten "kirchlichen Obrigkeit" ein solches Recht zu übertragen?

 

Ich weiß es nicht - und vermutlich werde ich es auch nie verstehen. Für mich ist in diesen zwei Zeilen soviel Ballast zusammengeschnürt, daß es einem die Luft zum Atmen nimmt.

 

Es geht mir nicht um die hierarchische Ordnung der Kirche. Das dreistufige Weiheamt, der Gehorsam der Gläubigen gegen über ihren geistlichen Führern, die originären und konstitutiven Rechte und Pflichten der Gläubigen - das alles halte ich für notwendig, ja ich glaube sogar, daß die Herausbildung von Hierarchien in größeren Gruppen (also mehr als 2 Personen) eine anthropologische Konstante ist, die immer eintritt.

 

Christus Dominus und Lumen Gentium kranken meiner Meinung nach daran, daß Begriffe verwendet werden, die nicht definiert sind. Was ist denn Kollegialität? Und was soll die Schleife, daß die Autorität des Papstes die des Bischofs in seinem Bistum (ich vermeide den Begriff Diözese gerne - unsere Bistümer sollten keine Steuerbezirke des Reiches sein...) nicht beeinträchtigt, wo jeder weiß, daß sich kein heute amtierender Bischof sich einer Anweisung aus Rom offen widersetzen würde. Das war bei Gaillot nicht der Fall, das war bei Kamphaus nicht der Fall - und Gott steh uns bei - nicht einmal Meisner hat sich der Berufung nach Köln nicht erfolgreich widersetzen können.

 

Die Verwaltung des Untergangs, die Bürokratisierung des Verfalls. Das lese ich in Christus Dominus.

 

Als Pastor Aeternus verkündet wurde, dachte man unwillkürlich, Papst und Konzil wären übergeschnappt. Doch unter all dem Größenwahn und dem Hang zu Zentralismus und Papalisierung lag zumindest der Anspruch an die Welt sich aus der Kirche rauszuhalten, die klare Ansage, daß die Lehre der Kirche nicht von der Politik diktiert und ihre Hirten von anderen Gnaden eingesetzt werden als von denen den Kirche.

 

DAS wäre der Schwerpunkt gewesen, auf den man sich hätte stürzen können wie der Ertrinkende sich an die Planke klammert. Und von da aus hätte man sich hochhangeln können zu der wichtigsten Frage überhaupt: "Was ist Kirche?"

 

Sind es die Bürokraten? Die Verwalter? Die "Diözesanisti"? Der Klerus?

 

Sind es die Gläubigen, die sich überhaupt erst um ihren Bischof scharen? Ist der Bischof Kirche auch wenn ihm kein einziger Gläubiger mehr folgt - so wie es unser KdöR-System es suggeriert?

 

Und wer ist die "zuständige kirchliche Autorität"? Der Patriarch, den wir nicht mehr haben? Ist es die Kirche aus sich selbst heraus?

 

Das Prinzip, daß die Ortskirchen sich untereinander in personae ihrer Bischöfe die Communio gewähren erscheint mir schlüssig. Ebenso schlüssig erscheint es mir, daß alle Bischöfe für ihre Bistümer über ihren Patriarchen in Communio mit der Weltkirche stehen.

 

Aus der Tradition heraus sind die heutigen Schwerpunkte zumindest teilweise nachvollziehbar - ob es gut für die Kirche ist, lasse ich mal dahingestellt...

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Die Taufe

 

Der Täufling wird dreimal mit reinem, möglichst geweihten, Wasser übergossen. Der Taufende spricht dazu "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

In der Taufe wird der Täufling mit Christus begraben und auferweckt. Alle bis dato begangenen Sünden sind mit der Taufe vergeben und der Täufling von den Folgen der Erbsünde, als da vorallem das Risiko der ewigen Gottferne, befreit. Mit der Taufe wird der Täufling in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

Die Taufe ist entweder der Abschluss des Katechumenats bei Jugendlichen und Erwachsenen oder aber der Beginn wenn sehr kleine Kinder getauft werden.

 

 

Die Firmung

 

Der Bischof zeichnet mit geweihtem Öl ein Kreuz auf die Stirn des Firmlings und spricht "N., sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist."

Mit der Firmung werden dem Firmling die Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht) bereitgestellt. Mit der Firmung schließt in der lateinischen Kirche das Katechumenat ab und der Firmling ist vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft.

Durch die Firmung sollen ihm Kraft und Mut zu einem christlichen Leben verliehen werden, in dem die Früchte des Heiligen Geistes (Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung) sichtbar werden.

 

 

Die Eucharistie

 

Der Bischof oder einer seiner Priester bringt Gott unter Herabrufung des Heiligen Geistes reines Weizenbrot und Wein mit einem Schluck Wasser vermengt als Opfer dar. Er rezitiert die Einsetzungsworte "Nehmet und esst alle davon. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. - Nehmet und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden."

In der Teilhabe an dem so dargebrachten Opfer begegnet die Kirche leibhaftig dem auferstandenen Christus und erlebt seine reale Gegenwart, wobei auch der Empfang nur einer der beiden eucharistischen Gaben Anteil schenkt am ganzen Christus.

Im unblutigen Opfer des Zelebranten wird das blutige Opfer Jesu am Kreuz wieder gegenwärtig und die Kirche wird direkte Zeugin und Empfängerin der Erlösungstat Christi.

 

 

Die Versöhnung

 

Nach dem reumütigen, und soweit es geht und die Zeit zulässt, vollständigen Bekenntnis der schweren und/oder drängenden Sünden schlägt der Priester das Kreuz über den Beichtenden und spricht "Ich spreche dich los von deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Der Beichtende wird so wieder in die volle Gemeinschaft mit Gott eingegliedert, die durch die Sünde beeinträchtigt wurde und erhält die Chance auf einen Neuanfang. Wichtig ist die freie Erkenntnis der Sünde, die aufrichtige Reue über die selbige und die Bereitschaft zur Buße. Letztere zeigt sich vor allem in der getreulichen Erfüllung des eventuell auferlegten Bußwerkes und dem steten Bemühen die eigenen Sünden zu bezwingen und ihnen zu widerstehen.

 

 

Die Krankensalbung

 

Mit geweihtem Öl salbt der Priester oder Bischof dem Kranken die Stirn (und die Brust, die Arme, etc.). Dabei spricht er "Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf."

In der Krankensalbung wird dem Kranken Kraft, Mut und Geduld zugesprochen. Seine Sünden, sofern sie nicht vorher gebeichtet wurden, werden vergeben. Nicht auch noch die Sorge um das Heil der Seele soll den Kranken belasten, wenn er körperlich leiden muss.

 

 

Die Weihe

 

Der Bischof legt dem Erwählten die Hände auf und spricht "Gieße jetzt aus über deinen Diener, den du erwählt hast, die Kraft, die von dir ausgeht, den Geist der Leistung. Ihn hast du deinem geliebten Sohn Jesus Christus gegeben, und er hat ihn den Aposteln verliehen. Sie haben die Kirche an den einzelnen Orten gegründet als dein Heiligtum, zur Ehre und zum unaufhörlichen Lob deines Namens."

Der so geweihte wird aufgenommen in das apostolische Kollegium. In seiner Person gibt und empfängt er die Communio mit den anderen Ortskirchen. Der Bischof ist der von Christus bevollmächtigte Leiter seiner Ortkirche. Ihm obliegt es, über die Disziplin und die Liturgie in seinem Bistum zu wachen und die Kirche lebendig zu halten. Dazu ist er als erster Hirte seiner Ortskirche bestellt.

 

 

Die Ehe

 

Ein Mann und eine Frau, die sich zur Ehe nehmen wollen, tun dies durch ihr öffentliches "Ja, ich will." Vor der Gemeinde und der ganzen Kirche. Verbunden für das ganze Leben, berufen zu einem Leben in Treue und Liebe, soll Gott sie segnen und helfen, die ihnen geschenkten Kinder zu einem christlichen Leben zu erziehen.

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Sind Viren und Bakterien grundsätzlich etwas Negatives? Oder Tsunamis, Erdbeben, Dürren? Gar der Tod?

 

Für den, der ihr Opfer wird und sein Umfeld sicherlich. Ich stehe in solchen Situationen oft Trost-los daneben, weil kein Wort und keine Erklärung den Schmerz lindert. Auch die reine Ursachenerklärung hilft nicht. Der Schmerz bleibt.

 

Aber weiß das Virus das? Weidet sich die Welle an ihren Opfern? Verlacht der Tod die, die er heimsucht?

 

Ich denke nicht. Nicht nur, daß das Virus wohl eher keinen menschlichen Verstand hat, geschweigedenn die Welle oder der Tod, so sind sie doch am Ende völlig amoralisch. Für das Virus spielt es keine Rolle, ob sein Wirt lebt oder stirbt - es ist weder sein Wille noch sein Trieb seinen Wirt zu schädigen, noch ist es in der Lage den Zusammenhang zwischen seiner Existenz und dem Zustand seines Wirtes zu erkennen.

 

Ebenso hat die Welle weder Willen noch Erkenntnis. Sie rauscht. Sie bricht. Das Wasser fließt zurück. Ohne auch nur den Hauch einer Erinnerung daran, was gerade geschehen ist.

 

Und der Tod? Er trifft jeden. Ohne Ansicht der Person, ohne erkennbaren Plan, ohne Ziel. Er (ich erlaube mir bei der anthropomorphen Vorstellung zu bleiben) ist nur, weil die physikalischen, chemischen, biologischen und a-materiellen Vorgänge ihm irgendwann alles Lebendige übergeben.

 

Tod, Viren, Katastrophen - sie kennen keine Moral, sie sind auch kein Werkzeug, daß bewusst eingesetzt werden kann. Sie beruhen ganz allein auf den Gesetzen und Prozessen, die unsere Welt seit Anbeginn der Zeit bestimmen.

 

Viele Religiössuchende, Utopisten und ScienceFictionautoren haben sich immer wieder die Frage gestellt, wie eine Welt beschaffen sein könnte, die weniger "grausam" ist als unsere und wie ihre Bewohner wohl sein könnten.

 

Letztlich glaube ich, daß es dem Menschen gar nicht möglich ist, eine solche "andere" bzw. "ideale" Welt bis in die letzte Konsequenz zu durchdenken und das Befinden der dortigen Bewohner in unserer Empfindungswelt auszudrücken.

 

Der Mensch ist, bei aller "Grausamkeit" dieser Welt (was eine rein menschliche Kategorie ist - siehe das vorstehende Posting über die Erbsünde) ein fester Bestandteil derselben. Er kann sich nicht neben sie stellen als hätte er nichts mit ihr zu tun. Gedanklich kann er sich abstrahieren, aber seine Körperlichkeit ist untrennbar den oben schon angerissenen physikalischen, chemischen, biologischen und a-materiellen Vorgänge unterworfen.

 

Wäre die Welt anders, wäre der Mensch nicht der Mensch. Wären wir auch nicht die, die wir heute sind. Selbst wohlmeinende Utopisten wie Thomas Morus mussten letztlich vor der Natur des Menschen kapitulieren und erkennen, daß ihre Utopien einen völlig anderen Menschen erfordern würden - mit dem vorgefundenen Material aber niemals funktionieren könnten. Jeder einzelne von uns ist das Ergebnis einer langen Kette von Aktion, Reaktion und Interaktion - chemische, physikalische, biologische und a-materielle Prozesse sind ebenso "schuld" daran, daß wir wir sind wie die Triebe und Entscheidungen, denen wir und unsere Vorfahren ausgesetzt waren oder selbst gefolgt sind.

 

Trieb und Willen sind die andere Seite der Leidenserfahrungen denen wir ausgesetzt sind. Sie bestimmen unser Handeln ebenso wie sie uns die Gelegenheit geben, unser Leben und unsere Umwelt zu gestalten. Auch sie basieren in gewisser Weise auf unserer Natur und den sie bestimmenden Gesetzen. Unser Denken und Fühlen ist fest mit unserer körperlichen Existenz verwoben. Ohne unseren Körper und seine biologischen Prozesse findet unser Denken, Fühlen und Emotion keine Form, kann nicht in dieser Welt sichtbar werden oder von anderen wahrgenommen werden.

 

Wir sind Teil dieser Welt, aber wir haben die Möglichkeiten unsere Triebe und unseren Willen zu kontrollieren, unsere Taten und Gedanken Regeln zu unterwerfen, die nicht rein durch Physik, Chemie, Biologie, etc. aufgestellt und eingefordert werden. In diesem Bereich kann der Mensch beeinflussen, wieviel "Leid" er seiner Umwelt zufügt - sofern er es überhaupt überblickt. Die Natur des Menschen ermöglicht sehr viel - der totale Überblick seiner Handlungsweisen und deren Konsequenzen gehört leider nicht zwingend dazu.

 

Aber wir haben ja Gott. Er kennt die Konsequenzen. Er weiß wozu unsere Natur und seine Schöpfung fähig ist. Vor ihm ist die Schöpfung gut, denn sie ist so, daß wir (jeder einzelne von uns) seinen Platz hat, seine Talente mitbringt. Gott ist derjenige, der diese Welt geschaffen hat. Er weiß, wie sie funktioniert (etwas, von dem ich glaube, daß der menschliche Verstand es mit seinen vorhandenen Voraussetzungen niemals begreifen kann) und was aus ihr wird. Weil er will, existiert unsere Welt immer noch - so fragil sie auch sein mag.

 

Ich glaube, daß Gott in unserer Welt wirkt - ein altes Gebet meiner Jugend enthielt die Zeile "und halte die Stäubchen der Erde zusammen" - daß er unsichtbar in und über die innerweltlichen Gesetze agiert.

 

Und ich glaube - wie es durch die Offenbarung bezeugt ist - daß jeder Mensch vor Gott gleich viel wert und von Gott gewollt ist. Bei Gott spielt das Leid und der Tod keine Rolle - was ist schon der Tod gegen die Ewigkeit?

 

Das ist es, was Hoffnung gibt. Und es befreit. Nicht davon, sich seiner Handlungen und Gedanken bewusst zu sein. Auch nicht davon für seine Worte und Taten die Verantwortung zu übernehmen. Es entbindet nicht davon seinen Horizont zu erweitern, weiter zu denken und sich weiter zu entwickeln.

 

Aber es ist gut zu wissen, daß die eigene Schuld Grenzen hat. Schon an die eigenen Grenzen zu stoßen (wohl dem der sie findet) kann ein solcher Befreiungsschlag sein. An den eigenen Grenzen zu rütteln ist die stetige Herausforderung unserer Existenz.

Wir sind nunmal Geschöpfe. Geschöpfe, die Gott ähnlich sind durch die in einzigartiger Kombination gegebenen Fähigkeiten zu lieben, zu abstrahieren, zu entscheiden, die Zukunft planen, zu träumen, zur Selbstreflexion, zur Empathie, zur Identifikation mit dem Gegenüber.

 

Gott sah seine Schöpfung und sah, daß sie gut war. Das zu erkennen und uns um die Schöpfung zu kümmern, ihrem Rhythmus zu folgen und uns in ihr wiederzufinden und dabei immer mehr zu den Menschen zu werden, in denen Gott wirkt und die das Glück erfahren mit seiner Hilfe das Beste aus sich herauszuholen.

Edited by Flo77
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Allmächtiger...

 

Klingt schön wuchtig. "Allmächt" - der Überraschtseinsruf der Franken.

 

Allmacht. Alles zu können, was man will? Grenzenlose Macht? Unbeschränkte Fähigkeiten?

 

Kann sein, daß Gott auch das hat. Als Schöpfer dieser Welt erscheint er uns außer-weltlich, seine Fähigkeit Materie in de Exstenz zu rufen, den Gang der Welt zu beeinflussen, das sieht für uns noch Grenzenlosigkeit aus. Aber wird man ihm damit gerecht! Ja Herr, du bist wunderbar, aber was soll der Mensch mit einem Dschinn (ich weiß, was ich mit einem Dschinn täte - aber ich weiß um meine Verderbtheit...)? Zieht einen "Allmacht" zu Gott - noch dazu eine Macht, die völlig unpersönlich und für einen Menschen weder erfassbar, noch kalkulierbar, noch kontrollierbar ist.

 

Die Römer waren's, die den "pater, omnipotens" ins Credo brachten. 381 hieß es auf Griechisch noch "patera, pantokratora" - "den Vater, den Allherrscher".

 

Der "alles Beherrschende". Wenn man antike Familie- und Staatsstrukturen im Hinterkopf hat, ist das der, der für die Existenz des Ganzen sorgt. Der belohnt und straft, der nährt und kleidet. Allmächtig? Vielleicht auch, aber mir erscheint die Macht eine Barriere zu sein um Nähe zu finden. Das Machtgefälle schafft Distanz.

 

Gut. Auch der "Allherrscher" hat bei uns ein Konnotationsproblem. Das Bild des liebenden Pater Familias ist bei uns in der Form, wie es den antiken Hörern geläufig war ebenfalls längst nicht mehr so offensichtlich bekannt. Aber wie nähert man sich diesem Geheimnis sonst?

 

Unsere Sprache kennt keinen Begriff für einen liebevollen Vater, der für die Existenz aller Dinge sorgt, der für unsere Existenz gesorgt hat, für unser Auskommen, der lehrt und anleitet und dabei doch nur eines will: Zuwendung geben und empfangen.

 

Also doch kein "Allherrscher"? Eher ein "Allvater" (das könnte die Verehrer der alten Götter irritieren, die diesen Titel Odin verliehen)? Vielleicht muss ich sogar beim Pantokrator bleiben, Konnotationsbedingt sozusagen. Denn was Gott alles ist für uns und seine Schöpfung lässt sich vermutlich ohnehin nicht in einem einzigen, unerklärten Wort darstellen. Und dann darf es doch auch ein Begriff sein, der gut klingt und bei dem man nicht Gefahr läuft, daß er im Alltag eine andere Bedeutung bekommt.

 

Um Erläuterung und Erklärung kommen wir wohl nicht umhin...

Edited by Flo77
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Ave Maria, gratia plena... wie ein Zimmerspringbrunnen fließen sie über die Perlen meines Rosenkranzes, stetig, leise, unaufhörlich. Sie rinnen dahin wie die Zeit, sie sind zeitlos, ...dominus tecum... Unser Leneb hechtet und hastet an uns vorüber, aber hier? Marie hat sich niedergesetzt auf einem Polster, wie ein Kind hab' ich mich an ihre Knie geschmiegt. Ihr Kleid umfängt mich und hält die Welt da draußen auf ...benedicta tu in mulieribus... Die von allen Menschen auserkorene, an der Gott das größte Geschenk übergeben hat: die Geburt des Erlösers. Und wir blicken gemeinsam auf die immer weiterwandernden Perlen ...et benedictus fructus ventris... Sie hat nicht lange diskutiert als der Engel kam. Sie hat nicht lange gezögert oder gegrübelt - Gott weiß sie hatte genug erlebt, daß sie im Herzen bewahren musste und das ihr die Seele zerschnitt. Ich weiß nicht, ob ich so stark - so naiv? - hätte sein können. So voller Vertrauen auf den Ewige ...Jesus... Der Erlöser, dem wir, ja dem selbst sie das ewige Leben verdanken. Sein Leben zieht an uns vorrüber, wir hören, sehen, leiden und hoffen mit. Die Engel jubelten bei seiner Geburt - lass mein Herz mitjubeln ...sancta Maria, mater dei... Mir ist kalt. Der Hauch des Todes weht durch unsere Zeit und klopft auch hier an meine Tür. Christus steht vor uns, seine Hand mir zugereicht - doch ich fürchte mich, die Hand ist so fern und so heiß! ...ora pro nobis peccatoribus... Maria schiebt mich vor, will, daß ich aufstehe. Sie hebt meinen Rucksack auf und hält ihn bis ich auf meinen Füßen stehe. Sie fasst die Hand ihres Sohnes greift die meine und zieht mich immer näher ....nunc et in hora mortis notrae... Sie legt meine Hand in die seine. Wie Thomas spüre ich die Male seiner Wunden. Es lodert in mir als wollt etwas in mir verbrennen. Christus schließt seine Arme um mich. Er hüllt mich ein. Daheim. Amen.

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Treue zum Papst... Treue zur Kirche... Treue zum Lehramt... Letztens war ich bei einer Taufe auf der der Taufbund anstelle des Credos gesungen wurde...

 

Nichts gegen das Taufbundlied - ich liebe es. Schon allein, weil es so variabel ist.

 

Aber Gott steh' mir bei: wenn mir noch einmal jemand versichert er/sie oder ein Dritter "stehe treu zum Papst" gehört derjenige (oder diejenige) geteert und gefedert.

 

Dieses Volk lobt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist weit weg von mir, spricht der Herr.

 

So wirken auf mich auch diese demonstrativen Treueschwüre. Mir ist doch völlig egal, ob einer "treu zum Papst steht". Päpste kommen, Päpste gehen, genau wie die Bischöfe. Hat nicht gerade erst Jorge seine Treue zum Erzbistum Buenos Aires gebrochen? Ist Rom soviel wichtiger, als daß er seine Anvertraute so einfach im Stich lassen durfte? Treue? Pha! F1 ließ die Bischöfe zum Treueschwur antreten, wie seine Vorgänger auch - als ob der Papst (oder seine Strippenzieher) Angst haben müssten, daß die Kardinäle (die ihn gerade erst selbst gewählt hatten...) sich ihm "widersetzen" könnten oder noch schlimmer: ihm ungehorsam sein! Nein, nein, nein, da muss ein Zeremoniell her, mit dem man direkt zeigt wer den Größten hat - oder wo der Hammer hängt bzw. Im konkreten Fall der Fischerring.

 

Ungehorsam? Das ich nicht lache. Seit Jahren toleriert Rom den Ungehorsam der Piusbrüder, der Frau-aller-Völker-Anhimmler und der Medjugorjeschen Drahtzieher (von deren prominenten Unterstützern mal ganz abgesehen - Erzbischof von Wien hin oder her: für sein Engagement um die Demontage des Amtes des Bischofs von Mostar gehört Schönborn meiner bescheidenen Meinung nach gerügt, aber das ist noch ein ganz eigenes Thema). Und da "braucht" die Welt den Treueschwur ausgerechnet eines Clübchens, das nun wirklich das wenigste Potenzial hat die Communio mit dem Papst zu kündigen?

 

Worte sind meist Schall und Rauch. 1000fach kann einer seine Treue schwören, bezeugen, kundtun, aber nichts kann ihn hindern aus seinem Herzen in seiner "unverbrüchlichen" Treue eine Mördergrube zu machen.

 

Gestern Nacht kam der Film Terra Nova ("Island of the condemned"), eine wüste Dystopie in der es um Macht, Gewalt und Überleben geht. Ein Charakter fiel dabei besonders auf: ein junger Mann, der dem Tyrannen zutiefst ergeben ist, er foltert im Namen des Tyrannen, er mordet und er ist es, der peinlich genau auf die Einhaltung des "Gesetzes" achtet. Er ist seinem Tyrannen "treu", wendet sich bei jedem Regelverstoß an den Tyrannen, fürchtet nichts mehr als die "Zuneigung" des Anführers zu verlieren. Er treibt die Grausamkeit und Unmenschlichkeit dieses selbsternannten Chefs auf die Spitze um sich lieb Kind zu machen. Gott erbarme dich (und längst nicht alles was hinkt ist ein Vergleich), aber bei manchen, die so laut und vernehmlich betonen, wie treu sie Kirche und Papst sind erscheinen mir teilweise ähnliche psychologische Muster abzulaufen. Treue zur Kirche und Gehorsam dem Papst gegenüber sollten meiner Meinung nach so nicht funktionieren. Im Gegenteil. Die Treue zur Kirche und zum Papst sollte ihren Ursprung in der gleichen Liebe haben, mit der ein Kind seinen Eltern begegnet. Man gehorcht Ihnen aus Liebe, aus Zuneigung und aus dem Wissen heraus "die sind halt so". Oder man tut zumindest so, als würde man ihnen gehorchen - wohlwissend, daß eine Mutter genau weiß, was ihr Kind treibt und es lässt. Einsicht, innere Veränderung - DAS sind die Motive, die zum "Gehorsam" führen müssen. Das kann man nicht erzwingen oder gar erpredigen. Erzähl einem Kind eine halbe Stunde, daß es für eine ungeliebte Aufgabe nur 2 Minuten braucht und es wird beim nächsten Mal wieder mit Dir diskutieren. In jedem von uns steckt dieses Shaun-Schaf, das meint werweißwie erwachsen zu sein und alles auszudiskutieren müssen. Eben viele Worte zu machen. Die Herausforderung ist nunmal zu erkennen, welche der elterlichen Ratschläge wirklich hilfreich sind und welche eher nice to know sind. Es geht nicht darum, daß Eltern immer und immer wieder verhindern müssen, daß das Kind auf die heiße Herdplatte fasst - soll das denn Aufgabe der Kirche sein? Gibt es irgendetwas auf dieser Welt, daß unsere Seele so auslöschen kann, daß nichts mehr übrig ist, was Gott nicht doch noch retten könnte? Ich glaube nicht.

 

Kirche ist communio in sacris - Gemeinschaft am, in und des Heiligen. Wir haben den einen Glauben, der uns in Christus offenbart wurde. Es steht auch nicht in Frage, daß es eine "väterliche Hausordnung" gibt (wobei wir alle wissen, was mit einer Hausordnung passiert, wenn ein Elternteil das Ganze nicht so richtig ernst nimmt...), aber hat diese "Hausordnung" den Rang des "Gesetzes" eines Despoten? Unverrückbar? Unbeirrbar? Unausweichlich? Ist das ihr Sinn und Zweck?

 

Ich glaube ja, daß es das nicht ist... Aber darum glaube ich ja auch einfach, daß Gott barmherzig sein muss, daß die Erlösung nur ergriffen werden muss und wir letztlich sowieso vor Gott dem Allmächtigen stehen müssen. Und darum lehre ich meine Kinder die Gnade Gottes zu suchen, darum hänge ich wie ein Kind an den Riten und Ritualen meiner Vorfahren und fülle sie doch immer wieder mit mir selbst. Also fasten wir, wenn die Kirche dazu ruft, also beten wir, wie es die Vorgänger schon taten, darum leben wir an dem Platz von dem wir glauben, daß Gott ihn uns bereitet hat.

 

Treu eben...

Edited by Flo77
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Treue leben. Ich denke, daß ist das Entscheidende.

Durch das Handeln und die erkennbare Motivation wird die Treue und Verbundenheit am klarsten sichtbar. Gleiches bzw. ähnliches Handeln aus gleichen oder wenigstens ähnlichen Motiven schafft die eigentliche Communio. Klar ist die gemeinsame Lehre und der gemeinsame Glaube konstitutiv für die Kirche - aber nur darin, daß drei das Gleiche erzählen manifestiert sich weder Gemeinschaft noch ist damit der Beweis der Treue erbracht. Verinnerlichung - Einsteinchen hat hier im Forum mal sinngemäß geschrieben Lüge ist zu behaupten Gott liebe einen, aber es nicht zu fühlen (ein Satz, der mir immer wieder nahe geht). In diesem Sinne begreife ich die Treue zu Gott als das, was man erlebt, wenn man von der Liebe Gottes durchdrungen oder wenigstens mit ihr gebadet ist. Das ist kein Nachplappern von Sätzen, Positionen oder Stellungnahmen sondern die andauernde Offenheit gegenüber dem, was die Mitmenschen einem entgegenbringen. Egal ob Freude, Spaß, Wut oder Trauer oder sonst etwas. Liebe ist der Motor der Auseinandersetzung mit dem anderen, den nur Gott in- und auswendig kennt. Die Liebe strebt danach mit dem anderen mitzufühlen, dem anderen seine Last zu erleichtern .oder die Freude zu vergrößern. Lernt man sich kennen verändert man sich, man erkennt Aspekte von sich selbst und hat die Chance sich weiter in die Liebe zu vertiefen indem man begreift, wo das eigene Verhalten beim anderen Lieblosigkeit vermittelt und bereit wird sich zu wandeln um ein "Liebender" zu werden.

 

Der Liebe treu sein - und so denen treu sein, mit denen man sich in der gleichen Liebe verbunden weiß. Auch eine Herausforderung.

 

Denn wie steht die Treue zur Selbstverleugnung? Hat Paulus Recht, wenn er schreibt: die Liebe erträgt alles? Liebe macht duldsamer, um der Liebe Willen kann man einiges ertragen, nimmt die eigene Kränkung, das eigene Bedürfnis zurück um dem anderen den zum "er sein" notwendigen Freiraum zu schaffen. Der Gedanke, daß das eine Einbahnstraße sein könnte erscheint mir wiederum eher beängstigend. Fordert die Liebe, daß ich nicht ich sein darf? Liebt nur der, der sich für den anderen völlig aufgibt? Treu zu Gott leben, d.h. der Mensch zu sein, als den Gott einen gewollt hat, aus den geschenkten Talenten ein Zeuge der Liebe zu werden - heißt das, die eigene Persönlichkeit der Liebe völlig zu unterwerfen? Ich lande an dieser Stelle wieder bei der Verinnerlichung (von der ich mir nicht sicher bin, ob die päpstliche "Entweltlichung" nicht im Prinzip auf dasselbe hinausläuft). Nur wer die Liebe verinnerlicht hat, sie zum unverwechselbaren Teil seiner Persönlichkeit kultiviert hat, dürfte in der Lage sein, sie in extremo zu Leben ohne sich selbst dabei zu verlieren. Die Zahl derer, denen dieser Schritt gegönnt ist, dürfte vorsichtig gesagt überschaubar sein. Wir sind aufgerufen die Liebe in uns wachsen zu lassen, uns mehr und mehr in dieses Geheimnis einzubringen und so auch in der Treue zum Herrn und zur Kirche zu bestehen. In kleinen Schritten...

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Halleluja!

 

[Wink an die Menge, dann alle:] Halleluja

 

HALLELUJA!

 

[Wink an die Menge, dann alle:] HALLELUJA!

 

HALLEHELUHUJA!

 

[Wink an die Menge, dann alle:] HALLEHELUHUJA!

 

[*Macarena*] HAL-HALLELUJAHALLELUJAHALLELUJA! HAAA-HALLELUJA! Ich rechne fest damit, daß es welche versuchen würden...

 

[abwinken]Nein, nein, lasst mal... *grins*

 

Liebe Kinder, liebe Brüder und Schwestern, liebe Gäste - ein Halleluja lässt die Wände wackeln. Halleluja - das heißt? [Frage an die Kommunionkinder] Genau: "Lobet Gott."

 

Dazu haben wir uns heute versammelt um Gott zu loben und zu preisen. Altertümliches Wort für eine uralte Sache, aber was wir hier tun wollen ist nun auch wirklich nicht ganz von dieser Welt.

 

Warum aber wollen wir Gott loben und preisen? Wen denn sonst? Gott erschuf die Welt - er allein wird noch wissen wie. Er ist der Grund, warum es uns gibt und warum es unsere Welt immer noch gibt. Er wird auch der Grund sein, warum unsere Welt irgendwann zuende geht - Gott steh' uns bei - aber auch dann werden wir mit ihm gehen. Gott war es, der in Jesus Christus, Mensch wurde. Richtiger Mensch. Kein Halbgott! Kein Gott der sich einen Menschenkörper angezogen hat wie die Jecken ihre Tieroveralls im Karneval! Er war ganz Mensch: geboren von einer jungen Frau, die wir heute noch als Gottesgebärerin loben. Jener Maria, der der Engel verkündete: Du wirst einen Sohn zur Welt bringen und er wird der Erlöser der Welt werden. Sie sagte einfach "Ja." Manche werden's "naiv" nennen. Andere "blauäugig" oder vielleicht sogar "gottergeben". Ich nenne es beneidenswert - diese Fähigkeit eine Situation mit völlig ungewissem Ausgang nur im blanken Vertrauen auf Gott bejahend anzunehmen - ich denke nicht, daß das viele Menschen können. Aber darum wurde Gott ja auch Mensch: Um uns das "JA." zu Gott, zu seinen Plänen, zu seiner Zuwendung leichter zu machen. Um das Unerklärbare in unserer Welt Gestalt zu geben und uns durch sein Heiliges Opfer das Tor zum Himmel aufzustoßen damit wir wirklich und wahrhaftig an Gottes Gnade und Gegenwart teilnehmen können.

 

Dieses Opfer feiern wir heute - und übrigens jeden Sonntag - wir lassen es wieder Gegenwart werden im Opfer von Brot und Wein und wir werden Teil dieses Opfers, haben Teil an der Gemeinschaft mit Gott indem wir von diesem Leib Christi essen und/oder von seinem Blut trinken. Diese Kinder werden heute zum ersten Mal diese Verbindung mit Jesus eingehen. Sie werden ihn schmecken und sie werden von heute an überall auf der Welt wo unsere Priester dieses reine Opfer darbringen willkommen sein von ihm zu kosten. In der Kommunion werden sie, wie wir Erwachsenen, deren "erstes Mal" wohl 15, 30 oder mehr Jahre zurückliegt, sich immer wieder neu Jesus zuwenden können, in der Gemeinschaft mit ihm ihre Sünden verarbeiten und aus dieser Verbindung jene unbändige Kraft schöpfen, die schon Maria "Ja." zu Gott sagen ließ.

 

Wir stehen heute in großer Gesellschaft um den Tisch des Herrn. Sind Tischgemeinschaft einer mit dem anderen. Christus ist der, der uns eingeladen hat, unser Gastgeber. Und dennoch hat jeder von uns, die wir nach unseren Erstkommunikanten vortreten möchten, seine eigene, unverwechselbare Beziehung zu Christus. Gönnen wir dieser Beziehung, die - auch und gerade bei unseren Kindern - unser Innerstes zum schwingen bringt, einen Moment der Erhabenheit und Würde. Es ist kein Theater oder Schauspiel bei dem wir Zuschauer sind. Vor einigen Wochen durften die heutigen Erstkommunikanten zum ersten Mal am Sakrament der Versöhnung teilnehmen. Die Beichte ist ein weiterer dieser erhabenen Momente in denen die Welt für einen Moment stillsteht, weil nur noch die Beziehung des Beichtenden zu unserem verzeihenden, liebenden Gott im Mittelpunkt steht.

 

Ich gebe zu, daß es mich wurmt, diesen Moment nicht mit meinen Kindern teilen zu können, sondern hoffen muss, daß der Herr selbst sich mitteilt. Aber die Kinder haben ebenso wie wir ein Anrecht darauf, daß ihre eigene Sphäre unangetastet bleibt, daß der Raum in dem sie Christus begegnen ein völlig geschützter ist.

 

Darum bitte ich alle Erwachsenen für unsere Kinder, aber auch für ihren Banknachbarn diese Messe durch ihre Anteilnahme, ihre Mitwirkung und ihr Gebet zu einem würdevollen Moment werden zu lassen.

 

Vielen Dank.

 

Übrigens: besondere Würde, würde es dem Anlass verleihen, wenn Sie JETZT ihre Mobiltelephone, ihre mobilen Endgeräte, Videokameras und Photoapparate ausschalten und einpacken. Vielleicht hilft es Ihnen sich an verschiedene eigene "erste Male" zu erinnern - wollten Sie dabei aufgenommen werden? Der Respekt vor unseren Kindern sollte es Ihnen leicht machen...

Edited by Flo77
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Lechem chukenu .

 

In der hebräischen Fassung des Vaterunsers wird damit "unser tägliches Brot" bezeichnet.

 

Luther hat die Bitte um das tägliche Brot gelesen als "Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treue Ober- herren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen." (Kleiner Katechismus).

 

Bei Shalom Ben-Chorin habe ich den (leider nicht näher ausgeführten) Hinweis gefunden, daß "lechem chukenu" das "uns zukommende Brot" sei.

 

Der Gedanke hat was. Es geht ein wenig in die Richtung, ob der Mensch einfach völlig von der Gnade - der Laune - Gottes abhängig ist, was teilweise wohl heidnischen Kulten recht nahe käme - oder ob der Mensch durch sein Menschsein bereits bestimmte berechtigte(?) Erwartungen an Gott stellen muss/darf/kann. Zum Beispiel, daß die Schöpfung den Menschen erhält. Ich fürchte allerdings, unser individualisiertes Denken, geht mit dieser Idee in Teufels Küche. Warum hat mein Nachbar mehr als ich? Warum ist der Boden bei anderen fruchtbarer, das Wetter milder, die Kühe milchreicher und die Frauen schöner? Nun, ich glaube nicht an die Prädestination. Daß Gott für jeden von uns ein unabänderliches Schicksal - wohlmöglich minutiös - im Voraus festgelegt hat, wäre für mich eine Horrorvorstellung. Der Gedanke, daß der einzelne Mensch nur einen göttlichen Plan erfüllt (oder eine göttliche Laune?) ist für mich einfach entwürdigend.

 

Lechem chukenu...

 

Das, was wir zum Leben brauchen und das, was wir vom Leben erwarten - es ist selten dasselbe. Wieviel braucht der Mensch? Wonach verlangt es ihn? Und was braucht der Mensch mehr als die Zuwendung Gottes? In einem NGL heißt es "suchet zuerst Gottes Herrschaft - und alles andere erhaltet ihr dazu". Wenn wir Gottes Reich unter uns Realität werden lassen, wenn wir alle so leben, wie es die Treue zu Gott und zur Kirche (s.o.) verlangen würden - wäre das tägliche Brot für den Betenden dann eine Selbstverständlichkeit, die ihm zukommt?

Edited by Flo77
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Goethe schrieb in Iphigenie auf Taurus:

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,

der froh von ihren Taten, ihrer Größe

den Hörer unterhält und, still sich freuend,

ans Ende dieser schönen Reihe sich

geschlossen sieht!

 

Ich würde sogar noch weitergehen. Man ist nicht nur das Ende, sondern nur ein weiteres Glied in der Kette. Wir sehen weder Anfang noch Ende, weder Anker noch Winde, weder das Befestigte noch den, der die Kette gespannt hat.

 

Wir können nur leben und unseren Platz in der Kette einnehmen.

 

Alan Mencken hat den Gedanken weitergetextet: "Ein kleiner Faden im Teppich kann, ganz egal wie schön er ist, nicht wissen, was der Schöpfer ihm im großen Muster noch beimisst." ("Through heavens eyes", 1998)

 

Ich kriege die Quelle nicht mehr zusammen, aus der die Idee stammt, daß das Leben die Spanne ist, in der der Mensch der werden kann, als den Gott ihn gewollt hat. Dahinter steckt der Gedanke, daß jeder mit einer breiten Varianz an Talenten, Gaben, Abneigungen, Fähigkeiten, Wünschen und Träumen ausgestattet ist, und es an jedem selbst liegt, daraus den Menschen zu formen, "als den Gott ihn gewollt hat".

 

Was die Frage aufwirft worin dieser Wille denn besteht.

 

Für die Verfasser der biblischen Texte war die Hinwendung zu Gott eines der zentralen Themen. Egal welche Gaben man hatte - und seien sie in den Augen der Welt auch noch so unscheinbar (wie der kleine Hirtenjunge David) - in der Hinwendung zu Gott bekommen sie ihren eigenen Wert. In der Hinwendung und der sich daraus im Idealfall (den eigentlich niemand völlig erreichen kann) ergebenden Verinnerlichung wird man selbst zum "Werkzeug". Werkzeug hat hier allerdings nichts mit Marionetten oder Fremdbestimmung zu tun (der Begriff ist nur einfach besser bekannt), sondern zielt vielmehr darauf ab, daß das eigene Wollen sich am Willen Gottes orientiert, mit ihm immermehr übereinstimmt.

 

Und da landen wir dann bei der Frage, welchen Status die biblischen "Gesetze" haben.

 

Sind sie "göttlicher Wille"? Eine Frage, die ich mit einem klaren Jein beantworten möchte. Ich gehe nicht davon aus, daß die in Deut, Ex und Lev niedergelegten Gesetzessammlungen auf einem göttlichen Diktat beruhen. Es gibt einige wenige Anweisungen Jesu, die die Kirche aufgrund ihres Glaubens an sein Gott-sein als "göttliches Recht" definiert.

 

In beiden Fällen bin ich allerdings der Meinung, daß sie für die Gruppe an die sie gerichtet waren eine Stufe des Erkenntnisprozesses darstellen, was es bedeuten kann mit Gott zu leben. Eine Identität als gläubiger Mensch zu finden und auszudrücken.

 

Daß das schiefgehen kann (sei es daß wir die Weisungen zur Steinigung von Ehebrecherinnen heute barbarisch finden, sei es, daß uns Richter die sich brüsteten 4x die ganze Bibel gelesen zu haben und trotzdem 10 Hexen auf den Scheiterhaufen gebracht haben) lehrt die Geschichte. Natürlich und unbestritten.

 

Umso wichtiger ist es nach meinem Verständnis das eine wie das andere in den jeweilige historischen Kontext einzuordnen - welche Mechanismen waren am Werk, wessen Interessen, welche Machtverhältnisse spielten eine Rolle?

 

Und dann natürlich die Frage, gibt es einen roten Faden, der der Wahrheit näher kommt. Der das eigentlich wichtige markiert. So wie Jesus die Heilung über den Kult gestellt hat und die Vergebung über die Vergeltung indem er letztere zum Privileg Gottes erhoben hat. Kann man daraus ableiten, was man selbst an "göttlichem Willen" in sich hat?

 

Ich meine, daß ja. Klar kommt man immer wieder an den Punkt wo man sich denkt: das schaff ich nicht, das kann ich nicht vergeben, davon will ich nicht ablassen. Aber auch da findet sich wieder ein Faden der sagt: nicht das Scheitern ist die Katastrophe sondern das nicht davon lassen wollen.

 

Wenn Gott nur gerecht, aber nicht barmherzig ist, landen wir alle in der Hölle.

 

Wenn er barmherzig ist, haben wir wenigstens eine Chance.

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Was ist eigentlich Kirche? Was ist das Band, daß "Kirche" zusammenhält?

 

Ich bin eigentlich davon ausgegangen, daß es (wie die Päpste es suggerierten) das Quintett aus Credo, Paternoster, Dekalog, Sakramentarium und Hierarchie war. Manifestiert im liturgischen, katechetischen und caritativen Handeln der Kirche und des Einzelnen.

 

Aber die Realität deutet daraufhin, daß das vermutlich nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

 

In den Gemeinden läuft so viel so unterschiedlich in Liturgie, Katechese und Caritas, daß es stellenweise erstaunt, daß zwei völlig unterschiedliche Aktionen letztlich auf eine "Gemeinsamkeit" hindeuten wollen.

 

Stimmt schon - letztlich berufen sich alle Beteiligten auf Christus, wollen verkünden, was er vom "liebenden Gott" verkündet hat.

 

22% Messbesuch an einem normalen Sonntag weil Familienmesse angeschlagen war - sonst weniger. Ein Indiz dafür, daß die ordentliche Liturgie zu langweilig ist? Oder doch eher der dezente Hinweis darauf, daß die Liturgie in die Show-Spirale geschlittert ist: Immer "volksnaher", immer aufregender, immer neue Aktionen, immer "moderner"?

 

Oder ist es im Endeffekt nicht sogar echte Zielgruppenarbeit? Der durchschnittliche Messbesucher ist wie alt? 50? 60? Ich schätze so in dem Dreh. Aufgewachsen vielleicht noch mit den letzten Zügen der Tridentina und den Droh- und Strafszenarien, wie sie noch bis in die 70er hinein nicht selten waren. Eine Generation, die mit den alten Formen und Riten persönliche Horrorszenarien verbindet. Eine Generation, für die die Liturgiereform eine Befreiung im doppelten Sinne war. Nicht nur die Strenge und Steifheit der alten Riten abzustreifen sondern sich von diesem Bild von Gott als Richter und Despot zu lösen. Und das eine ging wohl nicht ohne das andere. Das erneuerte Deuten der Riten allein? Anscheinend waren die Wunden so tief, daß das vermutlich kaum gegangen wäre.

 

Jesus der Heiland. Der Heilende. Der Heilige.

 

Gibt es Nebenwirkungen? Die Messbesuche sprechen anscheinend für sich. Vielen Alten wird das Altwerden und nicht zuletzt das Sterben leichter.

 

Aber was bleibt uns? Woraus soll meine Generation schöpfen, die diese Horrorvisionen nur aus den Erzählungen der Großeltern kennt? Meine Generation, die dazu tendiert die Sünde nur noch als Lappalie wahrzunehmen. Die sich um ihr Seelenheil keine wirklichen Sorgen mehr macht.

 

Darf uns die "gestaltete Liturgie" reichen? Finden wir darin wirklich die Fülle oder doch nur ein kuscheliges Eckchen zum wohlfühlen?

 

Diejenigen, die sich um die Gestaltung der Liturgie bemühen sind ja nicht dämlich. Unsere Pastoral- und Gemeindereferenten, die sich hier engagieren, haben ein Ziel, einen Auftrag und weiß Gott ich wollte mit ihnen nicht tauschen. Ich glaube nicht, daß sie es sich wirklich leicht machen - zumal wenn sie wissen, daß das apostolische Kollegium von einem allzufreien Umgang mit der Liturgie nichts wissen will.

 

Aber bei aller Zielgruppenbetreuung: Brauchen wir Eichen (Pfahlwurzel, langsam wachsend, langlebig) oder Weiden (Flachwurzler, schnellwachsend, kurzlebig)?

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Auch auf die Gefahr hin, dass das eine rhethorische Frage war: wir brauchen beides, Flo.

Und auch die Schmetterlinge, die von Blume zu Blume fliegen.

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Auch auf die Gefahr hin, dass das eine rhethorische Frage war: wir brauchen beides, Flo.

Und auch die Schmetterlinge, die von Blume zu Blume fliegen.

Ich bin ja eher für Bienen, die sind nicht nur schön, sondern auch noch nützlich.

 

Rhetorisch war die Frage nicht. Ich weiß es nämlich wirklich nicht. Weder ob eine Eiche auf nassem Grund ordentlich wachsen kann, noch ob man Eichen und Weiden zusammen pflanzen kann, noch ob eine Weide zur Eiche werden kann oder ob eine Eiche es verkraftet zur Weide zu werden.

 

Insbesondere der Abstand zwischen den Bäumen macht mir - naja - Sorgen. Ich bin am Niederrhein aufgewachsen - endlose Reihen Kopfweiden entlang der Wege und Feldraine und nur da und dort Eichen bei den (dort ja in der Regel einzeln gelegenen) Höfen auf den Wohnhügeln.

 

Bin ich eine Eiche? Oder doch eher ein Eichhörnchen? Oder eine liturgische Wildsau? Ich vermute manche Leute kommen als erstes auf Spottdrossel.

 

Kann ich mich zwischen die Weiden pflanzen und trotzdem satt werden obwohl der Untergrund für Flachwurzler bereitet ist?

 

Darf man als Eiche dem Vordringen der Weiden Widerstand leisten? Und wenn ja, wie?

 

Daß ich im innersten ein Naturreservatsgewächs bin, habe ich ja mittlerweile begriffen - ob ich meinen Ballen nun nehmen und umtopfen sollte? Will die Weide die Eiche überhaupt an der gleichen Quelle? Man weiß es nicht.

Edited by Flo77
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Jesus.

 

Ich würde jetzt gerne einen Liebesbrief schreiben. Ein Zeugnis meiner feinen Beobachtungsgabe, ein Strauß aus bunten Bildern in denen er in 1001 Aspekten beschrieben wird - aber da ist nichts.

 

Seine Gestalt ist blass, vielleicht ein wenig grau, hager, nichtssagend. Nicht an meinem Tisch.

 

Ein paar schlaue Worte. Ein paar krasse Aktionen. Ein Typ, der andere in seinen Bann zieht.

 

Im Prinzip.

 

Aber mich?

 

Wenn ich an die Worte der Schrift denke und mir ein Motto suchen müsste, ich würde eher bei Amos oder Micha einen Satz für mein Leben finden denn bei Jesus oder Paulus.

 

Mein Namenspatron war wie viele Heilige bekannt für seine eucharistische Frömmigkeit - vor der Hostie knien und beten kann ich. Ich denke sogar ganz gut. Aber so wie der Bauer dem Pfarrer von Ars sagte "ich schau ihn an, er schaut mich an"? Fehlanzeige. Ich sehe nicht, daß er mich sieht. Übrigens im krassen Gegensatz zum Vater, dessen Präsenz mir mehr als deutlich vor Augen steht. Und die Frage, ob ich überhaupt gesehen werden will würde ich nicht zwangsläufig mit Ja beantworten wollen.

 

"Dies ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören." Wort des Vaters.

 

Normalerweise bin ich recht nah am Wasser gebaut. Wenn etwas wahr ist - und sei es noch so flach präsentiert - kann ich heulen wie ein Schloßhund. Mich rühren Filme und Lieder und manche Texte an, aber Christus? Hat schon mal jemand vor Erleichterung geweint, wenn die Seligpreisungen gelesen werden? Ich noch nicht, obwohl wir doch allen Grund dazu hätten. Ist Christus ein Umweg zu Gott? Oder doch eine Abkürzung? Oder kommt es darauf letztlich doch gar nicht an?

 

Ich bin dankbar, keine Frage. Dankbar für das vergossene Blut das den Himmel auch für mich aufgesperrt hat. Ob das Opfer wirklich nötig war - lassen wir das hier ungefragt. Zum Lamm Gottes dringe ich vor. Und frage mich gleichzeitig ob Gott ein schlechtes Gedächtnis hat, wenn er Jahre zuvor seine Propheten verkünden lässt "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!" Mich im Blut des Bundes zu waschen erscheint mir notwendig - Erlöser ja, Lehrer nein?

 

Alles nicht so einfach.

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Wenn nun das Salz nicht mehr salzt...

 

Eigentlich ist es ja unmöglich, daß Natriumchlorid schlecht wird oder unbrauchbar.

 

Letztens bin ich auf folgende Interpretation dieser Sequenz aus dem Evangelium gestoßen:

 

Zur Zeit Jesu war - was naheliegend ist - das Tote Meer Hauptquelle für das im Land verbrauchte Salz. Es war wichtiges Konservierungsmittel, kostbares Gewürz, teure Handelsware. In groben Brocken wurde es vom Toten Meer rauf in die anderen Teile des Landes transportiert.

 

Das Klima war warm und eigentlich trocken und so ein Salzblock sieht ja eigentlich auch aus wie ein Stein und so lagerten viele Menschen ihre Salzvorräte auf den Flachdächern ihrer Häuser, wo man sich ohnehin häufig aufhielt und wohl auch schlief. Auch andere Lagerungsmöglichkeiten der Zeit würde man heute als "unsachgemäß" bezeichnen.

 

Das Salz vom Toten Meer war jedoch kein reines Salz. Jeder Brocken bestand auch aus einer Menge anderer Mineralien und wenn der Tau fiel oder es doch mal auf die ungeschützten Salzblöcke regnete wusch die Flüssigkeit mehr oder weniger unbemerkt das eigentliche Salz aus dem Gemisch aus. Zurück blieb ein bröseliger Klumpen, der zum würzen nicht mehr geeignet war - jenes Salz, das nicht mehr salzt und das man auf die Straße wirft, wo es von den Leuten zertreten wird.

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Dialog bei Flos heute morgen zwischen Frühstück und Schuhe anziehen:

 

Ich: "Wieso steht der Stuhl hier im Weg?"

 

Miniflo: "Weiß ich nicht. Das war der Heilige Geist."

 

Ich: "Hallo? Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen."

 

Miniflo: "Den Herrn gibt's gar nicht."

 

Ich: "?"

 

Es folgte eine längere Diskussion darüber, warum das jüngste Gericht denn immer noch nicht stattgefunden hat.

 

Und übernächstes WE ist Erstkommunion... manchmal bin ich so müde...

Edited by Flo77
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