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Wollust


Klaus Klammer

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...Du schreibst:

Denn Kinder empfinden ja, wenn man sie sexuell missbraucht nicht Lust, sondern furchtbare Angst und Schmerz. Ein Täter legt offensichtlich nicht so sehr Wert darauf, dass sein Opfer Lust empfindet.

 

Im Gegenteil. Kinderschänder behaupten häufig, das Kind habe die sexuellen Handlungen selbst gewollt, Lust dabei empfunden usw...

das sind doch argumente auf unterschiedlichen ebenen.

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Ja, das sehe ich auch so. Das mit der "Lust" beim Missbrauchtwerden macht die Sache nicht besser, sondern noch schlimmer. Es eröffnet dem Täter noch einmal neue Bereiche der Grausamkeit.

 

Ich kann aber auch Niklas verstehen, dass er sich von jeder möglichen These distanziert, dass ein Opfer beim Missbrauch auch noch Lust empfindet. So, als ob es etwas Lustvolles wäre, wenn man missbraucht wird. Und hinterher kann dann der Täter sagen: "So, der/dem habe ich gezeigt was gut ist. Und jetzt ist er/sie auf den wahren Geschmack gekommen!" Schlimm genug, dass es solche Sprüche (präziser: solche Sprüchemacher) gibt. Und Niklas legt berechtigten Wert darauf, nicht in diese Kategorie gesteckt zu werden.

 

Ich habe übrigens noch einen zusätzlichen Verdacht, allerdings einen bei mir sehr unrepräsentativ belegten: Dass nämlich diejenigen, die solche Sprüche ablassen, gar nicht wirklich pädophil sind. Wirklich Pädophile schämen sich nämlich selbst und schweigen viel. Ich glaube, dass diese Sprüche von Sadisten herrühren und dass diese Sprüche nur eine weitere Form sind, ihr Opfer zu demütigen.

Diesen Eindruck gewann ich aus der oben benannten Forendiskussion. Die, die sich da als Pädophile outeten, hätten das womöglich gar nicht getan, wenn sie es wirklich wären. Sie waren aber meinem Eindruck nach gar nicht primär pädophil. Sie haben sich auch nicht in Detailbeschreibungen ergossen, aus denen man irgend etwas über ihr sexuelles Empfinden entnehmen könnte. Nein! Stattdessen haben sie den einen gequält, der sich als früheres Opfer geoutet hat. Mir kam es vor, als bekäme ich hier das Mieseste vor Augen gestellt, was Sadisten so drauf haben. Und das Ganze mit einem selbstverständlichen Stolz und Überheblichkeit! Sie seien die wahren Fachmänner für Sexualität! Und so weiter. Einfach nur ekelhaft.

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... Zumindest, wenn es um wirklich traumatische Schändungen geht...

ein trauma ist immer ein trauma aus der sicht des traumatisierten. das "wirklich" ist von außen nicht feststellbar.

der nichttraumatisierte kann ihm nur bei der bearbeitung und integration des traumas helfen.

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Ich frage mich die ganze Zeit, wieso das Thema Wollust hier mit dem Thema Kindesmissbrauch gekoppelt wird.

Weil ich ein Argument, das in diese Richtung ging, gebraucht habe und weil rorro dann gleich mal nachgefragt hat, warum Gedanken an Kindesmissbrauch immer von einer bestimmten Richtung kommen.

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Ja, das sehe ich auch so. Das mit der "Lust" beim Missbrauchtwerden macht die Sache nicht besser, sondern noch schlimmer. Es eröffnet dem Täter noch einmal neue Bereiche der Grausamkeit...

das ist richtig. die lust ist hier ein reines physisches erregtsein. in verbindung mit dem physischen mißbrauch ist es eine steigerung des psychischen mißbrauchs.

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... Mir kam es vor, als bekäme ich hier das Mieseste vor Augen gestellt, was Sadisten so drauf haben. Und das Ganze mit einem selbstverständlichen Stolz und Überheblichkeit! Sie seien die wahren Fachmänner für Sexualität! Und so weiter. Einfach nur ekelhaft.

wo haben sie es gelernt? nichts nimmt ihnen von ihrer verantwortung als täter. aber sie sind auch opfer.

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Lars hat natürlich schon Recht: wir sollten wieder zum Thema zurückfinden.

 

Ich bin der Ansicht, dass die Kirche mit ihrem Abwehrkampf gegen Wolllust tatsächlich eine Lustfeindlichkeit zeigt. Die Ethymologie sowohl des deutschen Wortes, wie auch des lateinischen "voluptas" ist mitbetroffen. Wer Leute, wie den Pfarrer von Ars, als Vorbild für die Priester verkündet und dabei nicht ausdrücklich sagt, dass dessen moralische Vorstellungen höchst fragwürdig sind, muss sich dies vorwerfen lassen.

"Wir sind nicht lustfeindlich, sondern nur wolllustfeindlich" klingt ja schon mal gut. Aber man muss dann auch insgesamt sagen, dass man unter Wolllust - wie es auch immer früher verstanden wurde - heute etwas wirklich Übles versteht, also z.B. selbstsüchtige Gier, Dekadenz und mangelnde Selbstkontrolle. Wobei ich es auch in diesem Falle besser fände, die gerade benannten Begriffe zu verwenden. Unter denen kann man sich nämlich auch einsichtig vorstellen, was man da ablehnt. Das ist besser, als das zwiespältig besetzte Wort "Wolllust". Und es ist auch besser, als die Verschleierung durch lateinische Fachbegriffe.

 

PS:Wenn wir tatsächlich wieder zum Thema zurückfinden, finde ich auch den Ausflug in ein anderes Thema (das sich eben einfach ergeben hat) nicht weiter schlimm.

bearbeitet von Mecky
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...Du schreibst:

Denn Kinder empfinden ja, wenn man sie sexuell missbraucht nicht Lust, sondern furchtbare Angst und Schmerz. Ein Täter legt offensichtlich nicht so sehr Wert darauf, dass sein Opfer Lust empfindet.

 

Im Gegenteil. Kinderschänder behaupten häufig, das Kind habe die sexuellen Handlungen selbst gewollt, Lust dabei empfunden usw...

das sind doch argumente auf unterschiedlichen ebenen.

Was meinst Du wohl, warum ich einen anderen Satz hervorgehoben habe als den, den Du nun unterstreichst? Vielleicht kommst Du ja selbst drauf.

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...Du schreibst:

Denn Kinder empfinden ja, wenn man sie sexuell missbraucht nicht Lust, sondern furchtbare Angst und Schmerz. Ein Täter legt offensichtlich nicht so sehr Wert darauf, dass sein Opfer Lust empfindet.

 

Im Gegenteil. Kinderschänder behaupten häufig, das Kind habe die sexuellen Handlungen selbst gewollt, Lust dabei empfunden usw...

das sind doch argumente auf unterschiedlichen ebenen.

Was meinst Du wohl, warum ich einen anderen Satz hervorgehoben habe als den, den Du nun unterstreichst? Vielleicht kommst Du ja selbst drauf.

mich stört nicht deine hervorhebung sondern deine vermischung.

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...Du schreibst:

Denn Kinder empfinden ja, wenn man sie sexuell missbraucht nicht Lust, sondern furchtbare Angst und Schmerz. Ein Täter legt offensichtlich nicht so sehr Wert darauf, dass sein Opfer Lust empfindet.

 

Im Gegenteil. Kinderschänder behaupten häufig, das Kind habe die sexuellen Handlungen selbst gewollt, Lust dabei empfunden usw...

das sind doch argumente auf unterschiedlichen ebenen.

Was meinst Du wohl, warum ich einen anderen Satz hervorgehoben habe als den, den Du nun unterstreichst? Vielleicht kommst Du ja selbst drauf.

mich stört nicht deine hervorhebung sondern deine vermischung.

Also gut, erkläre ich es eben.

 

Mecky sagt: Einem Kinderschänder ist egal, ob sein Opfer Lust empfindet.

Niklas sagt: Ein Kinderschänder behauptet, ihm sei nicht egal, ob sein Opfer Lust empfindet.

 

Jetzt klarer? Da wird nix vermischt.

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Aber man muss dann auch insgesamt sagen, dass man unter Wolllust - wie es auch immer früher verstanden wurde - heute etwas wirklich Übles versteht, also z.B. selbstsüchtige Gier, Dekadenz und mangelnde Selbstkontrolle.

 

Und das lehrt die Kirche nicht so? Wollust dagegen steht ja nicht für Dekadenz oder Gier (ersteres ist selbst lateinisch und letzteres ist ja als Habsucht eben die avaritia und somit eine "eigene" Hauptsünde). Luxuria (hier im Thread als "Wollust" übersetzt) steht u.a. für Unkeuschheit, und da wird im Katechismus (den Du nicht magst) durchaus erwähnt, daß es dabei um sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" geht (also Selbstsucht). Mangelnede Selbstkontrolle wird durch Luxuria, Gula und auch Acedia abgedeckt.

bearbeitet von rorro
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Lars hat natürlich schon Recht: wir sollten wieder zum Thema zurückfinden.

 

Ich bin der Ansicht, dass die Kirche mit ihrem Abwehrkampf gegen Wolllust tatsächlich eine Lustfeindlichkeit zeigt. Die Ethymologie sowohl des deutschen Wortes, wie auch des lateinischen "voluptas" ist mitbetroffen. Wer Leute, wie den Pfarrer von Ars, als Vorbild für die Priester verkündet und dabei nicht ausdrücklich sagt, dass dessen moralische Vorstellungen höchst fragwürdig sind, muss sich dies vorwerfen lassen.

"Wir sind nicht lustfeindlich, sondern nur wolllustfeindlich" klingt ja schon mal gut. Aber man muss dann auch insgesamt sagen, dass man unter Wolllust - wie es auch immer früher verstanden wurde - heute etwas wirklich Übles versteht, also z.B. selbstsüchtige Gier, Dekadenz und mangelnde Selbstkontrolle. Wobei ich es auch in diesem Falle besser fände, die gerade benannten Begriffe zu verwenden. Unter denen kann man sich nämlich auch einsichtig vorstellen, was man da ablehnt. Das ist besser, als das zwiespältig besetzte Wort "Wolllust". Und es ist auch besser, als die Verschleierung durch lateinische Fachbegriffe.

 

PS:Wenn wir tatsächlich wieder zum Thema zurückfinden, finde ich auch den Ausflug in ein anderes Thema (das sich eben einfach ergeben hat) nicht weiter schlimm.

Kannst nicht bitte mal "Wollust" schreiben, bei Wolllust muss ich immer an mein Strickzeug denken (und daran, dass ich zu dem komplizierten Muster grad gar keine Lust hab) *duckundweg*

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... da wird im Katechismus (den Du nicht magst) durchaus erwähnt, daß es dabei um sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" geht

Auch so eine sinnfrei Worthülse.

Was bitte ist sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" und was wären zulässige Gründe für sexuelle Lust?

 

Werner

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Ich bin der Ansicht, dass die Kirche mit ihrem Abwehrkampf gegen Wolllust tatsächlich eine Lustfeindlichkeit zeigt. Die Ethymologie sowohl des deutschen Wortes, wie auch des lateinischen "voluptas" ist mitbetroffen. Wer Leute, wie den Pfarrer von Ars, als Vorbild für die Priester verkündet und dabei nicht ausdrücklich sagt, dass dessen moralische Vorstellungen höchst fragwürdig sind, muss sich dies vorwerfen lassen.

"Wir sind nicht lustfeindlich, sondern nur wolllustfeindlich" klingt ja schon mal gut. Aber man muss dann auch insgesamt sagen, dass man unter Wolllust - wie es auch immer früher verstanden wurde - heute etwas wirklich Übles versteht, also z.B. selbstsüchtige Gier, Dekadenz und mangelnde Selbstkontrolle. Wobei ich es auch in diesem Falle besser fände, die gerade benannten Begriffe zu verwenden. Unter denen kann man sich nämlich auch einsichtig vorstellen, was man da ablehnt. Das ist besser, als das zwiespältig besetzte Wort "Wolllust". Und es ist auch besser, als die Verschleierung durch lateinische Fachbegriffe.

 

Ich würde Dir auch nicht widersprechen, dass man es früher in der Kirche durchaus "leibfeindlich" gesehen hat und hier auch ein gewisses Erbe trägt. Die RKK hat selbst eingeräumt, Vieles im Glauben erst im Nachhinein besser zu verstehen.

 

In Deus Caritas Est steht z.b. "Dies liegt zunächst an der Verfaßtheit des Wesens Mensch, das aus Leib und Seele gefügt ist. Der Mensch wird dann ganz er selbst, wenn Leib und Seele zu innerer Einheit finden; die Herausforderung durch den Eros ist dann bestanden, wenn diese Einung gelungen ist. Wenn der Mensch nur Geist sein will und den Leib sozusagen als bloß animalisches Erbe abtun möchte, verlieren Geist und Leib ihre Würde. Und wenn er den Geist leugnet und so die Materie, den Körper, als alleinige Wirklichkeit ansieht, verliert er wiederum seine Größe."

 

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/encyclicals/documents/hf_ben-xvi_enc_20051225_deus-caritas-est_ge.html

 

"Der Eros wird bejaht. Der Papst schreibt, der Eros ist Teil der menschlichen Natur und hat in sich selbst viele gute Kräfte."

 

http://storico.radiovaticana.org/ted/storico/2006-01/63605_vatikan_enzyklika_gegen_leibfeindlichkeit.html

bearbeitet von Lars77
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... da wird im Katechismus (den Du nicht magst) durchaus erwähnt, daß es dabei um sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" geht

Auch so eine sinnfrei Worthülse.

Was bitte ist sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" und was wären zulässige Gründe für sexuelle Lust?

 

Werner

 

Mit Sicherheit die Zeugung von Kindern (bzw. deren Versuch) sowie die Festigung der ehelichen Gemeinschaft. Inwieweit Vermeidung von Flecken in der Nachtwäsche dazu gehört, das wäre zu prüfen.

bearbeitet von Chrysologus
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-Wie lässt sich komplett wollustfreier Sex ausüben, wie fühlt er sich an?

Üb doch mal ein Jahr und teile uns dann die sachliche Analyse Deiner Erfahrungen mit - das wäre doch ein echter Beitrag zur Diskussion.

 

Da arbeite ich dran, sicher bald mit Erfolg.

 

*gewaltig stolz bin*

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... da wird im Katechismus (den Du nicht magst) durchaus erwähnt, daß es dabei um sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" geht

Auch so eine sinnfrei Worthülse.

Was bitte ist sexuelle Lust "um ihrer selbst willen" und was wären zulässige Gründe für sexuelle Lust?

 

Werner

Schön, dass wir wieder zum Thema kommen.

 

Soweit ich das sehe: Wollust wird dann als Sünde angesehen, wenn allein die eigene Lust das Ziel ist - und sonst nichts. Buchstäblich sonst nichts. Nicht die Lust des andern, nicht der Ausdruck und die Festigung der gemeinsamen Liebe; auch eine aus dem Akt resultierende Verantwortung für den Partner sowie für ein eventuell entstehendes Kind wird komplett verweigert.

 

Demenstprechend sind "zulässige" Gründe für und gewünschte Mitkomponenten von sexueller Lust:

Ausdruck und Festigung der Liebe,

Hinwendung zum Andern,

Verantwortungsbereitschaft.

 

Dass in der Ehe keine sexuelle Lust erlebt werden darf, ist eine Fehlinterpretation. Sie soll nur halt auch da ein Ausdruck von Liebe sein. Man kann auch in der Ehe den Partner gebrauchen oder gar vergewaltigen - dass dies nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Ehe nicht gut sein kann, darum geht es.

 

Mit dem Wollust-Begriff beschreibt die Kirche im Grunde, wie sie die Funktion der sexuellen Lust sieht:

- sie ist als reiner Selbstzweck möglich

- dies ist eine äußerst reduzierte Anwendung der sexuellen Lust: rein körperlich, rein selbstbezogen, rein augenblicklich

- erst wenn eine spirituelle Dimension hinzukommt, eben die geistigen Dinge, die Liebe ausmachen, wie also Hinwendung zum Andern, Zukunftspläne, Verantwortung, erreicht die Lust nicht nur ihr volles Potenzial, sondern kann auch dann erst als gut bezeichnet werden.

 

Weshalb dann auch Selbstbefriedigung als unzureichend und Sex vor der Ehe als nicht ernsthaft genug gelten. Sorry, wenn ich damit zwei neue Fässer aufmache ...

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Hi Klaus,

 

ich wollte jetzt nochmal konkret auf Deine Fragen eingehen, damit Du Dich nicht übergangen fühlst ;)

 

-Wie kann ein Katholik behaupten, ehelicher Sex wäre keine Wollustsünde, sofern er sich nicht von jedem Wollen zur Steigerung von Begierde und Lust befreit hat?

 

Natürlich spielt da die gleiche Emotion, der gleiche Instinkt, die gleiche Begierde wie bei Wollust mit rein. Alles andere anzunehmen wäre wohl ziemlich weltfremd ;) Vielleicht helfen Dir die anderen Ausführungen zum Verständnis. Ich würde sagen, ein Laster beschreibt eine bestimmte Schwäche im "Menschsein". Zu welchen Konsequenzen eine Schwäche führt, ist die nächste Frage. Zum Beispiel kann man auch an Schwächen wachsen und Tugenden entstehen lassen. Und viele Schwächen gehören zum Menschsein einfach dazu und der Mensch geht mit ihnen um. Manche Menschen gehen mit ihren Schwächen nicht um, sondern die Schwächen gehen dann mit ihnen um, das sind dann Zwanghaftigkeiten. Das ist vermutlich der Gedanke, der dazu führte, dass die Kirche den einzelnen Lastern Dämonen zuordnete.

 

-Wie lässt sich komplett wollustfreier Sex ausüben, wie fühlt er sich an?

 

Keine Ahnung :D Ich glaube, das funktioniert nicht ;)

 

- Falls alles nicht passt, wie lügt und presst man es am besten in den göttlichen Willen hinein, um ein bisschen unrightfully achieved orgasms zu enschuldigen?

 

Muss man lügen und pressen? Kann man Haltungen und Überlieferungen nicht auch als Anregung zur Auseinandersetzung betrachten? Das Lehramt kann irren, ich kann irren, jeder Mensch kann irren. Daraus ergibt sich eine aktive Auseinandersetzung mit den Gedanken und Überlegungen des Gegenüber.

 

-Wie, um Himmels Willen kommt man dazu, die absolute Sexualitätsphobie der katholischen Religion nicht einzugestehen, sondern verschleiern zu wollen. Wofür?

 

Die Kirche an sich kann keine Phobie haben, natürlich mag es Menschen in der Kirche geben, die Phobien haben. Äußerungen, auch jene der Kirche oder der biblischen Autoren, zu denen die Kirche auch gehört, stecken auch immer in ihrer Umgebung und Zeit fest, das sollte man immer mit bedenken.

 

Viele Grüße

Lars

 

Merci für die ausführliche Antwort. Wie übrigens allen der zahlreichen Diskutanten.

 

Ich habe ein gewisses Problem damit, einen Instinkt bzw. eine Emotion als Laster/Schwäche/Wurzelsünde zu bezeichnen, wenn daraus, je nach gelebter Realität, auch etwas Gutes werden kann. Sicher, man kann an seinen Lastern wachsen aber nicht durch seine Laster. Der Anstoß zum Guten käme dann aus anderen guten Instinkten und würde sich am Laster nur aufstauen. Sollte die Wollust oder der Neid oder der Stolz aus sich selbt heraus auch zum Guten führen können, müssten diese in erster Linie als wertfrei betrachtet werden. Als Kräfte, deren Auswirkungen in gute oder schlechte Bahnen gelenkt werden können.

 

Wenn ich Wollust nunmal ganz abstrakt als das Wollen zur Lust bezeichne, stellt sich mir die Frage, woher die primär negative Konnotation stammt. Aus dem schlechten des Wollens in einem stoisch/buddhistischem Sinn, aus dem schlechten der Lust wegen ihrer hohen egoistischen Komponente oder doch aus der konkreten Verengung der Lust auf eine mit Aversion betrachtete geschlechtliche Komponente. Die selbstverständlich existene Möglichkeit des Mißbrauchs der Wollust würde mir nicht reichen, sie grundsätzöich in ein negatives Licht zu rücken.

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-Wie lässt sich komplett wollustfreier Sex ausüben, wie fühlt er sich an?

Üb doch mal ein Jahr und teile uns dann die sachliche Analyse Deiner Erfahrungen mit - das wäre doch ein echter Beitrag zur Diskussion.

 

Da arbeite ich dran, sicher bald mit Erfolg.

 

*gewaltig stolz bin*

 

Frisch verheiratet?

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Soweit ich das sehe: Wollust wird dann als Sünde angesehen, wenn allein die eigene Lust das Ziel ist - und sonst nichts.

 

Ok. Ist das nun etwas grundsätzlich Negatives, wenn eine Handlung nur eigene Lust zum Ziel hat, ohne jemand anderen damit zu schädigen?

Wie ist es beim Schokoladeneis?

Oder ist die Wollust doch ein Ausnahmefall? Warum? Weil man einen riesigen Rattenschwanz hoher Erwartungen und Zwecke daran hängt?

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-Wie lässt sich komplett wollustfreier Sex ausüben, wie fühlt er sich an?

Üb doch mal ein Jahr und teile uns dann die sachliche Analyse Deiner Erfahrungen mit - das wäre doch ein echter Beitrag zur Diskussion.

 

Da arbeite ich dran, sicher bald mit Erfolg.

 

*gewaltig stolz bin*

 

Frisch verheiratet?

 

Nein, selbständig ^_^

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Die selbstverständlich existene Möglichkeit des Mißbrauchs der Wollust würde mir nicht reichen, sie grundsätzöich in ein negatives Licht zu rücken.

Ich empfehle: Halte Dich nicht zu sehr an Worten auf. Die Kirche sagt nicht, dass Lust an sich was Schlechtes sei, sondern warnt vor dem Missbrauch, und erst ist dann diese "Wollust", die als Sünde genannt wird.

 

Auch "Völlerei" soll ja nicht heißen, dass es an sich schlecht sei, ein tolles Essen zu genießen, sondern es wird davor gewarnt, sich nur noch an dieses eine zu binden.

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Was aber, wenn die Ablehnung der Wolllust in einer Zeit entstand, in der noch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes als "Wohlgefallen, Freude, Genuss" aktuell war?

Dann wäre die Ablehnung der Wolllust eine Ablehnung von Wohlgefallen, Freude und Genuss. Das wäre Lustfeindlichkeit in einem ziemlich umfassenden Sinne. Eine solche Lustfeindlichkeit würde allerdings nicht von allen, in Europa wohl sogar nur von einer kleinen Minderheit, akzeptiert.

 

ME enstand sie in einer Zeit des aufkommenden Möchtums unter sehr asketischen Vorzeichen. Berkenswert eher, dass sie sich bis heute gehalten hat. Oder auch nicht.

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Ich habe ein gewisses Problem damit, einen Instinkt bzw. eine Emotion als Laster/Schwäche/Wurzelsünde zu bezeichnen, wenn daraus, je nach gelebter Realität, auch etwas Gutes werden kann.

 

Das kann ich nachvollziehen. Weil ich im Menschsein ebenfalls nichts schlechtes erkennen kann, ganz im Gegenteil. Laster ist für mich auch nicht so sehr negativ belegt, sondern eher etwas, das ich mit einem gewissen Schmunzeln betrachten kann. Ich schrieb ja bereits, dass ich die Kirche nicht als fehlerfrei betrachte. Wie alle Menschen bildet sie Positionen, die einer Entwicklung unterliegen und sie, bzw. die Menschen, die in ihr wirken, unterliegen genauso ihrer Zeit und ihrer Umgebung wie z.b. die menschlichen Autoren der Bibel. Daher kann ich damit leben, dass die Interpretationen und Wertungen bestimmter Teile des Lebens in einer bestimmten Zeit in der Kirche durchaus anders belegt wurden als heute. Für mich ist vor allem wichtig, dass die Kirche die ursprüngliche Haltung korrigiert und sich damit der Annahme des gesamten Menschseins angenähert hat. Ich versuche die Aussagen der Kirche vor dem Hintergrund zu sehen, dass sie auf das Freie und Gute im Menschen abzielen. Wie unser Gewissen nach dem Guten strebt, strebt auch das Gewissen der Menschen in der Kirche nach dem Guten. Die Kirche hat eingeräumt, dass die konkreten Inhalte, was das Gute sei, von Mensch zu Mensch verschieden sind, aber unser Gewissen generell danach strebt, das Richtige tun zu wollen. Und hierin der göttliche Wille Verwirklichung findet

bearbeitet von Lars77
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