Jump to content

Was liest du?


Tirunesh

Recommended Posts

vor 59 Minuten schrieb Wunibald:

Ich habe wieder einmal "Clouds of Witness" von Dorothy Sayers simultan in der deutschen Übersetzung von Otto Bayer und im Original  gelesen. Es gibt Krimis, die legt man nach der Hälfte ob der minderen Qualität einfach weg, weil einen dann nicht einmal mehr interessiert, wer der Mörder war. Und dann gibt es Krimis, die man mit Genuss mehrfach lesen kann. Da entdeckt man alle die kleinen Hinweise, die man beim ersten Mal überlesen hat und die einem schon früher deutliche Hinweise auf den hier (Selbst-)Mörder gegeben hätten. Da kann man die Schilderung einer adeligen Jagdpartie in der Grouse-Saison genießen und sich daran erinnern, dass man auf einem Reiturlaub durch die Moore von Cumberland Jagdstände (Shooting Butts) gesehen hat, die sogar auf den amtlichen Karten verzeichnet sind.

 

Ich habe simultan gelesen um die Feinheiten der Übersetzung zu genießen. Ich habe woanders schon erwähnt dass der Übersetzer genial war. Ein Beispiel, wie übersetzt man einen Satz, in dem jemand der gerne Fremdwörter benutzt und sie nur halb versteht wie: King Salomo and all his porcupines (Stachelschweine statt concubines). Otto Bayer macht daraus: König Salomon und alle seine Kohlkusinen (Konkubinen). Da kann man nur den Hut ziehen.

 

Und dennoch habe ich ihn bei kleinen Fehlern ertappt. Grouse ist das Schottische (Schnee-)Moorhuhn oder einfacher das Moorhuhn, obwohl man damit auch das Birkhuhn oder Haselhuhn oder nach der völlig abwegigen Meinung von Google als Auerhuhn bezeichnen könnte. Bayer übersetzt es als Waldhuhn.

Er übersetzt "löste das Pferd von den Deichseln". Man kann ein Pferd einspännig mit einer Deichsel oder aber mit einer "Gabeldeichsel" oder für den bayerischen und österreichischen Hippologen mit "Anzen" fahren.

Ein "Jaeger-Paletot" ist natürlich auch kein "Mantel aus Jägerwolle" sondern ein Mantel aus der Kollektion der Firma Jaeger, die damals einen Ruf hatte wie heute vielleicht die Firma Barbour. Aber hier ist leicht mäkeln, denn die Übersetzung stammt aus dem Jahr 1979 und damals gab es noch kein Wikipedia.

 

So habe ich jetzt wieder meinen Ruf als erbsenzählender Besserwisser unter Beweis gestellt und gleichzeitig meine grauen Zellen geölt und in Schuss gehalten. 

 

Ich habe (fast?) alle Sayers Krimis gelesen (fast alle in beiden Sprachen). Aber du kannst mir sicher sagen. wie der gängige deutsche Titel von "Clouds of witness" heißt. Das fällt mir nicht mehr ein.

bearbeitet von Elima
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 3 Stunden schrieb Wunibald:

Ich habe wieder einmal "Clouds of Witness" von Dorothy Sayers simultan in der deutschen Übersetzung von Otto Bayer und im Original  gelesen. Es gibt Krimis, die legt man nach der Hälfte ob der minderen Qualität einfach weg, weil einen dann nicht einmal mehr interessiert, wer der Mörder war. Und dann gibt es Krimis, die man mit Genuss mehrfach lesen kann. Da entdeckt man alle die kleinen Hinweise, die man beim ersten Mal überlesen hat und die einem schon früher deutliche Hinweise auf den hier (Selbst-)Mörder gegeben hätten. Da kann man die Schilderung einer adeligen Jagdpartie in der Grouse-Saison genießen und sich daran erinnern, dass man auf einem Reiturlaub durch die Moore von Cumberland Jagdstände (Shooting Butts) gesehen hat, die sogar auf den amtlichen Karten verzeichnet sind.

 

Ich habe simultan gelesen um die Feinheiten der Übersetzung zu genießen. Ich habe woanders schon erwähnt dass der Übersetzer genial war. Ein Beispiel, wie übersetzt man einen Satz, in dem jemand der gerne Fremdwörter benutzt und sie nur halb versteht wie: King Salomo and all his porcupines (Stachelschweine statt concubines). Otto Bayer macht daraus: König Salomon und alle seine Kohlkusinen (Konkubinen). Da kann man nur den Hut ziehen.

...

 

 

Die Übersetzung halte ich teilweise besser für das Original,ich sage nur der französische Brief.

 

Und bei " the nine Taylors"/ "der Glocken Schlag" war er fast noch besser...

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 7 Stunden schrieb mn1217:

ich sage nur der französische Brief.

Und bei " the nine Taylors"/ "der Glocken Schlag" war er fast noch besser...

Zum französischem Brief kann ich mich mangels Sprachkenntnissen nicht äußern. 

 

Genial übersetzt ist den Nine Taylors (die eigentlich tellers, nämlich Glockenschläge sind) der Zettel aus der Glockenstube.

I thought to see the fairies in the fields. But I saw only the eyil elephants with their black backs...

Die Elfen tanzten Reigen. Es wiegt im leichten Wind dazu sich der schlotschwarze Elefant...

Aber jetzt kommts: der Text ist eine Geheimschrift und man muss dem Lauf der Glocke Batty Thomas in einem Zyklus der Grandsire Tripels folgend jeweils den entsprechenden Buchstaben und nur diesen nehmen. Da muss der Übersetzer dazwischen einen lesbaren Text produzieren, aus dem die jeweiligen durch den Glockenlauf bezeichneten Buchstaben  die Geheimbotschaft ergeben. Da muss Bayer mehr können als nur übersetzen. Und der Leser lernt auch noch eine Menge über das englische Bell Ringing.

 

In Have his Carcase muss der Übersetzer dem Leser im einzelnen erklären wie man aus dem Wort squander durch Umwandlung in das deutsche "Diplomat" eine verwickelte Geheimschift erklärt und auflöst.

 

Ich ziehe abermals meinen Hut vor Otto Bayer. :daumenhoch:

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ja,ich weiß. 

Ich habe beide Bücher gelesen und die "Geheimschrift" jeweils "nachgeprüft".

 

Den französischen Brief im den diskreten Zeugen fand ich von Bayer besser übersetzt als von Sayers selbst. Der Mann war einfach gut.

 

 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Dem nächst lese ich " Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" . Die Leseprobe fand ich gut und jetzt gab es einen Buchgutschein von dem ich das Buch gekauft habe.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ich lese gerade Steg Larsons Roman Men som hatar kvinnor/The girl with the dragon tattoo/[bin zu faul den deutschen Titel zu googlen].

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 13 Stunden schrieb Domingo:

Ich lese gerade Steg Larsons Roman Men som hatar kvinnor/The girl with the dragon tattoo/[bin zu faul den deutschen Titel zu googlen].

 

" Verblendung "

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Neulich habe ich zu Übersetzungsproblemen geschrieben

  

Am 16.12.2023 um 09:07 schrieb Wunibald:

Und dennoch habe ich ihn bei kleinen Fehlern ertappt. Grouse ist das Schottische (Schnee-)Moorhuhn oder einfacher das Moorhuhn, obwohl man damit auch das Birkhuhn oder Haselhuhn oder nach der völlig abwegigen Meinung von Google als Auerhuhn bezeichnen könnte. Bayer übersetzt es als Waldhuhn.

 Jetzt hat es ein besonderes Exemplar dieses Vogels in die Times-Cartoons geschafft. Ich hoffe dass er nicht hinter der Bezahlschranke Deckung gesucht hat.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Eines meiner meiner Geschenke dieses Jahr:

Heimat, das Kochbuch vom Mälzer.

Die Fleischpflanzerl blubbern gerade in der Pfanne.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Am 19.12.2023 um 01:22 schrieb Domingo:

Ich lese gerade Steg Larsons Roman Men som hatar kvinnor/The girl with the dragon tattoo/[bin zu faul den deutschen Titel zu googlen].

Furchtbares Buch. Aber tröste dich, die Fortsetzungen sind noch schlimmer.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 5 Stunden schrieb Aristippos:

Furchtbares Buch. Aber tröste dich, die Fortsetzungen sind noch schlimmer.

 

Wenn Du meinst. Bisher (etwa 100 Seiten) kommt es mir gar nicht schlecht vor.

bearbeitet von Domingo
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Wenn ich mit Humboldt fertig bin,kommt : "Geschichten aus der Geschichte". Habe grade einen Gutschein (vom Christkind) in das E- Book umgewandelt. 

bearbeitet von mn1217
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Die Autobiografie von Hjalmar Schacht: "76 Jahres meines Lebens". Schacht war Reichsbankpräsident und Finanzminister unter Hitler, den er zunächst bewunderte, dann bekämpfte. Er kam ins KZ, überlebte, war nach dem Krieg einer der Angeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess, dort freigesprochen, dann erneut verhaftet, als 70-Jähriger 1947 zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, später doch freigesprochen. Ohne sein finanzielles Genie hätte es Hitler nie geschafft, an der Macht zu bleiben. Überraschung beim Lesen: Schacht schrieb ein makelloses Deutsch, er konnte spannend und lehrreich erzählen.

 

bearbeitet von Alfons
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

vor 17 Stunden schrieb Domingo:

 

Warum? Zu feministisch?

Ich muss mich korrigieren. Ich habe alle drei gelesen, und konnte die Handlungsstränge nicht mehr komplett zuordnen. Das erste Buch ist gut!

 

Abwärts geht es dann in den Fortsetzungen. Ich will nicht spoilern, aber der Autor geht deutlich über meine Toleranz für "suspense of disbelief" hinaus. Die später auftretenden Charaktere sind einfach nur noch grotesk. Karikaturen von Superschurken aus billigen Comics. Und den entsprechenden Superhelden.

 

Ach ja, und mittendrin der Journalist besten Alters, auf den alle Frauen stehen, und der alles vögelt, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Ähnlichkeiten mit Phantasien des Autors rein zufällig! Bäh...

bearbeitet von Aristippos
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Fertig mit " Die Formel der Hoffnung".

Leider wusste ich vorher auch nichts von Dorothy Horstmann.

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ich habe letztens eine "Analyse" zu Disney's kleiner Meerjungfrau gesehen, in der der Protagonistin Bodydismorphismus unterstellt wurde.

 

Man hätte villeicht mal ins Original schauen sollen, ob die Filmemacher nicht schlicht die Pointe versaut haben:

 

"Unsichtbar küßte sie die Stirn der Braut, fächelte den Prinzen an und stieg mit den übrigen Kindern der Luft auf die rosenrothe Wolke hinauf, welche den Aether durchschiffte.
"Nach dreihundert Jahren schweben wir so in das Reich Gottes hinein!"
"Auch können wir noch früher dahin gelangen!" flüsterte eine Tochter der Luft. "Unsichtbar schweben wir in die Häuser der Menschen hinein, wo Kinder sind, und für jeden Tag, an dem wir ein gutes Kind finden, welches seinen Eltern Freude bereitet und deren Liebe verdient, verkürzt Gott unsere Prüfungszeit. Das Kind weiß nicht, wann wir durch die Stube fliegen, und müssen wir aus Freude über dasselbe lächeln, so wird ein Jahr von den dreihundert abgerechnet; sehen wir aber ein unartiges und böses Kind, so müssen wir Tränen der Trauer vergießen, und jede Träne legt unserer Prüfungszeit einen Tag zu!""

 

https://maerchen.com/andersen/die-kleine-seejungfrau.php

 

Edit:

"Schon früh wurde das Märchen autobiografisch mit der vermuteten unglücklichen Homosexualität Andersens in Verbindung gebracht. Auch mehrere Literaturwissenschaftler haben sich dieser Sichtweise angenommen. Als heimlicher Geliebter Andersens wird Edvard Collins angenommen, vor dessen Hochzeit er geflohen war, als er das Märchen verfasst hatte. Setzt man dies voraus, so kann man folgende Interpretation wagen: Sowohl im Märchen als auch in der Realität war es unmöglich, dem Traumprinzen die Liebe zu gestehen. Im Märchen, weil die Stimme genommen wurde, in der Realität wegen der Tabuisierung der Homosexualität. Sowohl im Märchen als auch in der Realität vermählte sich der Angebetete mit jemand Anderem. Laut Hans Mayer handele das Märchen damit von einer Liebe, die nicht erwidert werden kann, weil sie sich nicht zu erkennen geben kann. Die ungestandene und unerwiderte Liebe erscheint aber gerade deshalb gerecht vor Gott, weshalb die Protagonistin ewiges Heil erlangt.[6] Auch in Heinrich Deterings Buch über die literarische Produktivität des Verbotenen dient Andersens Kleine Seejungfrau als eine von mehreren Fallstudien, wie Autoren das Tabu der eigenen Homosexualität literarisch umsetzen."

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Die_kleine_Meerjungfrau_(Märchen)

 

Upps.

bearbeitet von Flo77
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Für die Warterei beim Arzt und im Krankenhaus habe ich immer meinen E-Book-Reader dabei. Man braucht in einer solchen Situation leichte Lektüre und so habe ich gestern gelesen: Freiherr von Schlicht, Offiziers-Ehen. Die Geschichte stammt eigentlich von Wolf Ernst Graf von Baudissin, Seine Militärsatiren waren so gepfeffert, das einige davon sogar indiziert wurden. Hieraus ein (wie es sich für unser Forum gehört leicht ins theologisch schillernde) Schmankerl:

 

Denn – liebe, gnädige Frau – da hat Fritz Recht: unvorsichtig sind Sie manchmal! Was Sie da neulich 'mal über den Bibelglauben gesagt haben – der Fähnrich war ganz außer sich – der ist ja noch ein Kind – der betet, glaube ich, noch jeden Abend ›Ich bin klein, mein Herz ist rein‹. Der wollte absolut zum Militärpfarrer laufen und fragen, ob wirklich nicht alles wahr wäre, was in der Bibel stände. Denken Sie sich doch nur, in welche Lage dann der Mann Gottes gekommen wäre! Ich bin zwar felsenfest davon überzeugt, daß unser Pastor selbst nicht alles glaubt, was er sagt, – denn sonst könnte er nicht so wahnsinnig langweilige Predigten halten, bei denen nicht nur die Kerls in der Kirche schnarchen. Er schläft ja selbst beinahe beim Sprechen ein. Aber trotzdem: wenn er gefragt wird, muß er natürlich sagen: Alles ist wahr. 

bearbeitet von Wunibald
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

×
×
  • Neu erstellen...