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Konservativ vs. progressiv


Sterblicher
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Die Spannbreite des Katholischen ist offensichtlich sehr weit. Jüngst, bei der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst fiel mir dies besonders auf. Das Internetportal kath.net schlug sich auf die Seite des Bischofs, dem offensichtlich von Teilen seiner Diözese und den Medien offene Feindseligkeit entgegen schlug. Im Diskussionsforum wurden Kritiker des Bischofs diffamiert und der Sündhaftigkeit bezichtigt, während die (noch nicht bewiesenen) Vorwürfe gegen den Bischof verharmlosend relativiert wurden, mit der Vermutung, linke katholische Kreise ("Wir sind Kirche") würden gezielt aufbauschen und Stimmung machen, um einen konservativen Wächter der reinen Lehre aus dem Amt zu jagen. Meine Präsenz auf kath.net wurde jäh beendet, als ich auf die verdeckte Zensur hinwies, die dort praktiziert wird. Mein kritischer Beitrag erschien auf meinem Bildschirm als veröffentlicht. Auf allen anderen Geräten blieb er verborgen. Mein Betrugsvorwurf brachte mir die sofortige Sperre ein.

 

Im bizarren Kontrast dazu steht Papst Franziskus, der mit erfrischender Offenheit die ganze Menschheit liebevoll zu umarmen scheint. Abgrenzung und elitäres Gehabe sind ihm fremd. Armin Schwibachs Franziskusperlen werden regelmäßig auf kath.net veröffentlicht. Fast täglich predigt Papst Franziskus zum Tagesevangelium. Da fallen schon mal Sätze wie "Ein Christ, der Jünger der Ideologie wird, hat den Glauben verloren." "In den Ideologien ist Jesus nicht da, seine Zärtlichkeit, Liebe und Milde." Die Kommentare der "romtreuen" kath.net-Nutzer unter solchen Franziskusperlen fließen eher zögerlich und zeigen auch mal einen papstkritischen Unterton.

 

Ich persönlich habe eine Metamorphose durchgemacht. Erschien mir früher ein strenges moralisches Gerüst mit Sanktionen durchaus wünschenswert, um uns schwache Menschen vor den Versuchungen des Zeitgeists zu bewahren, fühle ich nun, wie sehr wir Menschen der Liebe und Gnade unseres Herrn bedürfen, die ärmsten Sünder am allermeisten. Ich bekam den Eindruck, dass die konservativen Katholiken eine Exklusivreligion für sich beanspruchen. Nur wer sich (scheinbar oder tatsächlich) all den liturgischen und sexualmoralischen Regeln und Auffassungen unterwirft, kann Aufnahme finden. Andere Bereiche bleiben hingegen völlig ausgeklammert. Der Begriff einer materiellen, sozialen Gerechtigkeit spielt keine Rolle. Demut und Schuldbekenntnis scheinen fremd. Verfehlungen in den eigenen Reihen werden mitunter verharmlost.

 

Mich würde interessieren, wie der geneigte mykath.de-Blogger empfindet. Sind konservative Katholiken eine Bereicherung des katholischen Spektrums oder aber ein Relikt aus einer Zeit, die dringend überwunden werden muss?

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.... Ich bekam den Eindruck, dass die konservativen Katholiken eine Exklusivreligion für sich beanspruchen. Nur wer sich (scheinbar oder tatsächlich) all den liturgischen und sexualmoralischen Regeln und Auffassungen unterwirft, kann Aufnahme finden....

wie heißt diese exklusivregion, wo befindet sie sich und wie könnte man dort aufnahme finden?

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Ein Katholik, der die Kirche in - eher politisch definierte - Lager einteilt und fordert, daß eine Gruppe als Relikt "überwunden werden muß" (was bedeutet das genau?) hätte mE nicht begriffen, was katholisch heißt.

Ich meinte das nicht politisch. Es handelt sich viel eher um eine ideologische Differenzierung.

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.... Ich bekam den Eindruck, dass die konservativen Katholiken eine Exklusivreligion für sich beanspruchen. Nur wer sich (scheinbar oder tatsächlich) all den liturgischen und sexualmoralischen Regeln und Auffassungen unterwirft, kann Aufnahme finden....

wie heißt diese exklusivregion, wo befindet sie sich und wie könnte man dort aufnahme finden?

Ich bin sicher, dass Sie wissen, was ich meine. Manche konservative Katholiken sprechen diversen Sündern das Recht auf volle Gemeinschaft ab, ich denke nur an die wiederverheirateten Geschiedenen.

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Ein Katholik, der die Kirche in - eher politisch definierte - Lager einteilt und fordert, daß eine Gruppe als Relikt "überwunden werden muß" (was bedeutet das genau?) hätte mE nicht begriffen, was katholisch heißt.

Ich meinte das nicht politisch. Es handelt sich viel eher um eine ideologische Differenzierung.

 

Das ist nur ein anderer Name. Die Differenzierung wird mit von außen kommenden Maßstäben in die Kirche hineingetragen. Die große Gemeinsamkeit aller bekennenden Katholiken, daß im Tod und der Auferstehung Christi die Ausicht auf Heil für alle Menschen begonnen hat, wird von solchen kleingeistigen Unterscheidungen doch nicht aufgehoben.

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Mich würde interessieren, wie der geneigte mykath.de-Blogger empfindet. Sind konservative Katholiken eine Bereicherung des katholischen Spektrums oder aber ein Relikt aus einer Zeit, die dringend überwunden werden muss?

Das katholische (=allumfassende) Spektrum ist so breit, daß selbst diese Extremkonservativen dazugehören. Damit muß und kann die Kirche leben - sonst wäre sie nicht mehr katholisch.

Es ist aber in der Tat schade, daß diese Knallkatholiken so viel Lärm machen und dadurch ggf. das (breite) Bild der Kirche verfälschen.

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Ein Katholik, der die Kirche in - eher politisch definierte - Lager einteilt und fordert, daß eine Gruppe als Relikt "überwunden werden muß" (was bedeutet das genau?) hätte mE nicht begriffen, was katholisch heißt.

Ich meinte das nicht politisch. Es handelt sich viel eher um eine ideologische Differenzierung.

 

Das ist nur ein anderer Name. Die Differenzierung wird mit von außen kommenden Maßstäben in die Kirche hineingetragen. Die große Gemeinsamkeit aller bekennenden Katholiken, daß im Tod und der Auferstehung Christi die Ausicht auf Heil für alle Menschen begonnen hat, wird von solchen kleingeistigen Unterscheidungen doch nicht aufgehoben.

Ich bin vollkommen Ihrer Meinung.

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Franciscus non papa

nur zur Info, ich selbst bin Katholilk und bisweilen ein sehr konservativer Katholik.

 

 

Ob ich ein Relikt aus vergangener Zeit bin ist mir dabei relativ gleichgültig. Bisweilen werden für alte "Relikte" ja horrende Summen bezahlt, bisweilen ist es einfach Müll der Geschichte.

 

Aber katholisch bedeutet allumfassend - in dieser Kirche kann und muss Platz für alle sein.

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nur zur Info, ich selbst bin Katholilk und bisweilen ein sehr konservativer Katholik.

 

 

Ob ich ein Relikt aus vergangener Zeit bin ist mir dabei relativ gleichgültig. Bisweilen werden für alte "Relikte" ja horrende Summen bezahlt, bisweilen ist es einfach Müll der Geschichte.

 

Aber katholisch bedeutet allumfassend - in dieser Kirche kann und muss Platz für alle sein.

Was ist der besondere Wert eines konservativ vorgetragenen Katholizismus? Was gilt es zu bewahren, außer der unverfälschten Botschaft Christi der Gottes- und Nächstenliebe, wie dies von jedem Christen, gleich ob konservativ oder progressiv, unbestritten sein dürfte? Ich meine, die Botschaft Christi war alles andere als konservativ. Er hat die Bräsigkeit und Selbstgerechtigkeit der etablierten Eliten (Pharisäer und Schriftgelehrten) herausgefordert. Wenn ich meine Feinde liebe, dann muss ich mich doch mit ihren Ideen, Sehnsüchten und Sorgen auseinandersetzen. Sie berühren mich, und ich berühre sie. Allein die Frage ist entscheidend, ob das Gute vorherrscht oder das Böse. Gut und Böse: Beides ist überall zu finden. Wenn aber der gute, der heilige Geist sich erkennbar entfaltet, wie bei Papst Franziskus, kann es dann irgendeinen Grund geben, ihm nicht nachzufolgen, selbst auf überraschenden Wegen? Konservative neigen manchmal dazu, weniger dem heiligen Geist als der eigenen Überzeugung zu vertrauen. Oder habe ich den Begriff "konservativ" vollkommen missverstanden?

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Sterblicher schreibt am 18 Oktober 2013 - 22:39

 

 

Was ist der besondere Wert eines konservativ vorgetragenen Katholizismus? Was gilt es zu bewahren, außer der unverfälschten Botschaft Christi der Gottes- und Nächstenliebe, wie dies von jedem Christen, gleich ob konservativ oder progressiv, unbestritten sein dürfte? Ich meine, die Botschaft Christi war alles andere als konservativ. Er hat die Bräsigkeit und Selbstgerechtigkeit der etablierten Eliten (Pharisäer und Schriftgelehrten) herausgefordert. Wenn ich meine Feinde liebe, dann muss ich mich doch mit ihren Ideen, Sehnsüchten und Sorgen auseinandersetzen. Sie berühren mich, und ich berühre sie. Allein die Frage ist entscheidend, ob das Gute vorherrscht oder das Böse. Gut und Böse: Beides ist überall zu finden. Wenn aber der gute, der heilige Geist sich erkennbar entfaltet, wie bei Papst Franziskus, kann es dann irgendeinen Grund geben, ihm nicht nachzufolgen, selbst auf überraschenden Wegen? Konservative neigen manchmal dazu, weniger dem heiligen Geist als der eigenen Überzeugung zu vertrauen. Oder habe ich den Begriff "konservativ" vollkommen missverstanden?

 

Ja, Jesus fordert noch immer heraus. Das fasziniert auch mich. Er stützte sich nicht auf ein Lehrgebäude, sondern ging auf die Menschen zu. Menschen hingegen stellen schnell einmal Regeln auf,starr und mit der Zeit wenn der Sinn verloren geht unmenschlich. Konservative verstehen sich eben als Rechtgläubig, sie sehen sich in Opposition zu den Lauen und Abweichlern. Darin sehe ich auch das Problem der Konserativen, sie grenzen sich ab, vielfach mit falschen Mitteln, wo sie über ihren Schatten springen müssten.

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Konservative wollen etwas bewahren, in dem Sinne bin ich auch konservativ.

Etwas anderes ist ein enger Horizont - der ist mit einer allumfassenden Kirche schlecht vereinbar.

Es gibt auch "linke" Katholiken, die einen engen Horizont pflegen.

Ja, es kommt auf die Liebe an. Mit der geht man auf den Andern zu, das kann auch ag-gressiv aussehen (im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutung). Miteinander streiten ist nichts Schlimmes, solange die einen die andern nicht hinauswerfen wollen.

Denn wir sind katholisch, bei uns geht's ums Ganze.

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Mich würde interessieren, wie der geneigte mykath.de-Blogger empfindet. Sind konservative Katholiken eine Bereicherung des katholischen Spektrums oder aber ein Relikt aus einer Zeit, die dringend überwunden werden muss?

 

Die Kirche hat den Auftrag, das ihr anvertraute Glaubensgut zu bewahren. In diesem Sinnen ist sie konstitutiv- konservativ. Wenn die Kirche auch als der "fortlebende Christus" betrachtet wird, dann kann sie keine "Jesusmumie" bewahren, sondern muss fort- schreiten, lebendig und "semper reformanda" sein.

 

So wie Jesus auf die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen konkret einging, so hat auch die Kirche den Auftrag, den Menschen und der Zeit gemäß zu begegnen. In diesem Sinne muss sie "progressiv" sein.

 

Ich halte die Bezeichnungen "konservativ, progressiv" für eine Gefahr, da sie zu Schubladisierungen führen können. Die Kirche und der katholische Christ sind ja "konservativ" in dem Sinn, dass sie Christus treu zu sein versuchen- aber "progressiv" in dem Sinne, dass sie den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit und Menschen entsprechend zu re- agieren haben.

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Mich würde interessieren, wie der geneigte mykath.de-Blogger empfindet. Sind konservative Katholiken eine Bereicherung des katholischen Spektrums oder aber ein Relikt aus einer Zeit, die dringend überwunden werden muss?

 

Die Kirche hat den Auftrag, das ihr anvertraute Glaubensgut zu bewahren. In diesem Sinnen ist sie konstitutiv- konservativ. Wenn die Kirche auch als der "fortlebende Christus" betrachtet wird, dann kann sie keine "Jesusmumie" bewahren, sondern muss fort- schreiten, lebendig und "semper reformanda" sein.

 

So wie Jesus auf die Bedürfnisse der jeweiligen Menschen konkret einging, so hat auch die Kirche den Auftrag, den Menschen und der Zeit gemäß zu begegnen. In diesem Sinne muss sie "progressiv" sein.

 

Ich halte die Bezeichnungen "konservativ, progressiv" für eine Gefahr, da sie zu Schubladisierungen führen können. Die Kirche und der katholische Christ sind ja "konservativ" in dem Sinn, dass sie Christus treu zu sein versuchen- aber "progressiv" in dem Sinne, dass sie den Bedürfnissen der jeweiligen Zeit und Menschen entsprechend zu re- agieren haben.

Ich danke ihnen für diese hervorragende Betrachtung. So wird deutlich, dass sich die Ränder, gleich welcher Richtung, vom Wesen und Inhalt unseres Glaubens entfernen.

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.... Ich bekam den Eindruck, dass die konservativen Katholiken eine Exklusivreligion für sich beanspruchen. Nur wer sich (scheinbar oder tatsächlich) all den liturgischen und sexualmoralischen Regeln und Auffassungen unterwirft, kann Aufnahme finden....

wie heißt diese exklusivregion, wo befindet sie sich und wie könnte man dort aufnahme finden?

Ich bin sicher, dass Sie wissen, was ich meine. Manche konservative Katholiken sprechen diversen Sündern das Recht auf volle Gemeinschaft ab, ich denke nur an die wiederverheirateten Geschiedenen.

deine sicherheit täuscht. wenn ich frage, bemühe ich mich um verständnis. gemeinschaft wie ich dich verstehe, wäre eine organisatorische gemeinschaft, eine r.-k- gemeinschaft. für mich ist gemeinschaft unmittelbar. ich nenne sie gotteskindschaft. wer wollte diese mir absprechen?

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Wie schon mehrfach (ausser von mir :lol: ) gesagt wurde: in einer allumfassenden Kirche muss für alle, sowohl für Piusbrüder wie auch für WsK, um es mal in Schlagworten zu benennen, Platz sein.

 

Ich fürchte das beide Seiten viel lernen müssen das dies gelingen kann, das ein echtes Miteinander gelingen kann. Um das anhand der Schlagworte, die ich gerade gebraucht hab zu illustrieren: WsK sollte kapieren dass das Heil nicht an der Frauenordination hängt und Die Piusbrüder sollten kapieren dass das Heil nicht an der alten Messe hängt. Auch wenn beide recht haben das beides ihren Wert hat um zum Heil zu gelangen.

 

Die beiden Ränder können dabei auch viel von einander lernen. Ich hätte jetzt beinahe geschrieben "Progressive, wie ich", dabei weis ich gar nicht ob ich wirklich an den progressiven Rand gehöre... Progressive können von den Konservativen lernen das das Himmelreich nicht zum Nulltarif zu bekommen ist. Das dabei es wichtiger ist dem Geist des Evangeliums zu folgen, weil der es ist der lebendig macht. Das können die Konservativen von den Modernnern lernen. (Wahrscheinlich bekomme ich für diesen Absatz gleich Prügel von beiden Seiten, aber da muss ich jetzt durch)

 

Mir kommt es ein bisschen vor wie bei den Grünen. Die hatten zu beginn auch ihre Grabenkämpfe zwischen Fundis und Realos und ein Stückweit haben sie diese noch heute. Regierungsfähigkeit auf Bundesebene, Gesprächsfähigkeit mit der Union hatten sie erst erreicht als sie die Grabenkämpfe auf ein minimum reduziert haben und angefangen haben Brücken zueinander zu bauen.

 

Ich denke, Kirche wird einen ähnlichen Weg gehen müssen, will sie gesellschaftlich gehört werden.

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deine sicherheit täuscht. wenn ich frage, bemühe ich mich um verständnis. gemeinschaft wie ich dich verstehe, wäre eine organisatorische gemeinschaft, eine r.-k- gemeinschaft. für mich ist gemeinschaft unmittelbar. ich nenne sie gotteskindschaft. wer wollte diese mir absprechen?

Ich meine nicht organisatorische Gemeinschaft, sondern Gemeinschaft im Geiste. Ich kenne konservative Katholiken, die unter bestimmten Umständen sogar ihren katholischen Mitchristen die Gemeinschaft im Geiste absprechen. So beklagt z.B. Pfarrer Sterninger den fortschreitenden Protestantismus in der katholischen Kirche, nicht ohne Überzeugung im Hinterkopf, Protestanten gehörten per se nicht der Gemeinschaft im Geiste an.

Wenn Sie so wollen, habe ich jetzt einfach mal den Spieß umgedreht. Ironisch gefragt: Stehen konservative Ausgrenzungshardliner überhaupt noch am Tisch des Herrn oder vielleicht schon ganz wo anders?

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deine sicherheit täuscht. wenn ich frage, bemühe ich mich um verständnis. gemeinschaft wie ich dich verstehe, wäre eine organisatorische gemeinschaft, eine r.-k- gemeinschaft. für mich ist gemeinschaft unmittelbar. ich nenne sie gotteskindschaft. wer wollte diese mir absprechen?

Ich meine nicht organisatorische Gemeinschaft, sondern Gemeinschaft im Geiste. Ich kenne konservative Katholiken, die unter bestimmten Umständen sogar ihren katholischen Mitchristen die Gemeinschaft im Geiste absprechen. So beklagt z.B. Pfarrer Sterninger den fortschreitenden Protestantismus in der katholischen Kirche, nicht ohne Überzeugung im Hinterkopf, Protestanten gehörten per se nicht der Gemeinschaft im Geiste an.

Wenn Sie so wollen, habe ich jetzt einfach mal den Spieß umgedreht. Ironisch gefragt: Stehen konservative Ausgrenzungshardliner überhaupt noch am Tisch des Herrn oder vielleicht schon ganz wo anders?

gemeinschaft "ist" oder ist nicht, gerade geistige gemeinschaft. sie kann nicht zugesprochen oder abgesprochen werden, auch von mir nicht. wer will, wer kann mich aus der gotteskindschaft ausgrenzen?

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Stehen konservative Ausgrenzungshardliner überhaupt noch am Tisch des Herrn oder vielleicht schon ganz wo anders?

Ich gehe mal davon aus, daß der Herr das in der Ewigkeit klären wird.

Unsere Aufgabe als Getaufte ist zumindest - im Maße des Möglichen - niemand aus dem Boot "Kirche zu kippen" (darüber, ob mir winw bestimmte Position "schmeckt" oder nicht, ist hiermit aber nichts gesagt).

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Diese holzschnittartige Einteilung in progressiv und konservativ bringt nicht viel.

Auch ein Progressiver wird an bestimmten Sachen festhalten wollen und ist diesbezüglich sogar sehr konservativ.

Und auch ein Konservativer wird sich vielen neuen Dingen nicht entziehen.

Man muss da im Einzelfall immer genau und einzeln hinschauen. Und dann ist das Kriterium nicht, ob eine Aussage konservativ oder progressiv ist, sondern ob sie wahr, stimmig, christlich, menschenfreundlich oder förderlich ist, oder nicht.

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Die Spannbreite des Katholischen ist offensichtlich sehr weit.

 

Im Ansatz verstehen gelernt hab ich die Grundlage der Unterschiede durch die Beschäftigung mit den Büchern von Christian A. Schwarz über Gemeindeentwicklung. Am billigsten und kompaktesten informiert sein Buch "Die dreifache Kunst Gott zu erleben". (Kostet nur 5 Euro). Sehr vereinfacht gesagt meint er, dass wir von Natur aus einer der 3 Personen der Trinität näher stehen und dass uns das in unserem Glaubensleben prägt. Natürlich kann man das nicht unberechtigt als religiöse Psychologisiererei abtun, aber mir hat es sehr geholfen, meinen eigenen Standpunkt zu erkennen, zu relativieren und nicht höher- oder geringerwertig zu den Einstellungen und Entwicklungen anderer einzuschätzen und zu sehen, welche Aspekte des Glaubens ich in meinem Leben vernachlässige. (Das heißt nicht, dass es mir nicht mehr den Magen umdreht, wenn ich eine Predigt von Pfarrer Sterninger höre - aber dass es mir den Magen umdreht, ist seit Schwarz's Buch einfach eine schlichte Tatsache und noch kein Beweis dafür, dass er falsch liegt)

Wenn du schreibst, dass du eine Metamorphose durchgemacht hast, dann könnte dieses Buch für dich insofern interessant sein, als es einen Hinweis darauf gibt, was dir im Glaubensleben vielleicht trotz Metamorphose noch fehlt, warum also die "gesetzliche Seite" nach wie vor wichtig sein kann für dich.Weil irgendeinen Grund gibt es ja für deine Frage.

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Ich danke ihnen für diese hervorragende Betrachtung. So wird deutlich, dass sich die Ränder, gleich welcher Richtung, vom Wesen und Inhalt unseres Glaubens entfernen.

 

Ein Priester sagte mal: "Man kann sowohl links als auch rechts vom Weg abkommen". Das trifft es wohl auch. Aber wir dürfen auch auf Gottes Großmut hoffen, dessen Liebe manches wohl anders sieht als wir Menschen.

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Verehrte @Fragerin,

 

vielen Dank für Ihre hilfreichen Hinweise. Mag sein, dass meine Ausführungen etwas zu radikal rüberkommen. Ich will die große Spannbreite unseres katholischen Glaubens nicht in Frage stellen. Sie ist sogar ein großer Schatz, den es zu verteidigen gilt. Wahrscheinlich bin ich nur verletzt ob meines Ausgrenzungerlebnisses auf kath.net. Ausgrenzung, finde ich, geht gar nicht. Darum will ich meine Frage, ob konservative Ausgrenzungshardliner tatsächlich noch am Tisch des Herrn stehen, wirklich ironisch verstanden wissen.

 

In Bezug auf unseren Glaubensschatz gibt es doch eigentlich keinen Diskussionsspielraum. Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Offenbarung und das Vorbild unseres Herrn Jesus Christus. Das ist so groß und so zeitlos. Viel zu groß für mein kleines Hirn.

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Stehen konservative Ausgrenzungshardliner überhaupt noch am Tisch des Herrn oder vielleicht schon ganz wo anders?

Ich gehe mal davon aus, daß der Herr das in der Ewigkeit klären wird.

Unsere Aufgabe als Getaufte ist zumindest - im Maße des Möglichen - niemand aus dem Boot "Kirche zu kippen" (darüber, ob mir winw bestimmte Position "schmeckt" oder nicht, ist hiermit aber nichts gesagt).

 

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir ständig noch ein paar Balkone anbringen müssen, damit der, der auf der Reling tanzt, nicht ins Wasser fiele.

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Lieber Sterblicher,

 

 

 

Willkommen in Forum.

 

 

 

 

 

Die Spannbreite des Katholischen ist offensichtlich sehr weit. Jüngst, bei der Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst fiel mir dies besonders auf. Das Internetportal kath.net schlug sich auf die Seite des Bischofs, dem offensichtlich von Teilen seiner Diözese und den Medien offene Feindseligkeit entgegen schlug. Im Diskussionsforum wurden Kritiker des Bischofs diffamiert und der Sündhaftigkeit bezichtigt, während die (noch nicht bewiesenen) Vorwürfe gegen den Bischof verharmlosend relativiert wurden, mit der Vermutung, linke katholische Kreise ("Wir sind Kirche") würden gezielt aufbauschen und Stimmung machen, um einen konservativen Wächter der reinen Lehre aus dem Amt zu jagen. Meine Präsenz auf kath.net wurde jäh beendet, als ich auf die verdeckte Zensur hinwies, die dort praktiziert wird. Mein kritischer Beitrag erschien auf meinem Bildschirm als veröffentlicht. Auf allen anderen Geräten blieb er verborgen. Mein Betrugsvorwurf brachte mir die sofortige Sperre ein.

 

Im bizarren Kontrast dazu steht Papst Franziskus, der mit erfrischender Offenheit die ganze Menschheit liebevoll zu umarmen scheint. Abgrenzung und elitäres Gehabe sind ihm fremd. Armin Schwibachs Franziskusperlen werden regelmäßig auf kath.net veröffentlicht. Fast täglich predigt Papst Franziskus zum Tagesevangelium. Da fallen schon mal Sätze wie "Ein Christ, der Jünger der Ideologie wird, hat den Glauben verloren." "In den Ideologien ist Jesus nicht da, seine Zärtlichkeit, Liebe und Milde." Die Kommentare der "romtreuen" kath.net-Nutzer unter solchen Franziskusperlen fließen eher zögerlich und zeigen auch mal einen papstkritischen Unterton.

 

Ich persönlich habe eine Metamorphose durchgemacht. Erschien mir früher ein strenges moralisches Gerüst mit Sanktionen durchaus wünschenswert, um uns schwache Menschen vor den Versuchungen des Zeitgeists zu bewahren, fühle ich nun, wie sehr wir Menschen der Liebe und Gnade unseres Herrn bedürfen, die ärmsten Sünder am allermeisten. Ich bekam den Eindruck, dass die konservativen Katholiken eine Exklusivreligion für sich beanspruchen. Nur wer sich (scheinbar oder tatsächlich) all den liturgischen und sexualmoralischen Regeln und Auffassungen unterwirft, kann Aufnahme finden. Andere Bereiche bleiben hingegen völlig ausgeklammert. Der Begriff einer materiellen, sozialen Gerechtigkeit spielt keine Rolle. Demut und Schuldbekenntnis scheinen fremd. Verfehlungen in den eigenen Reihen werden mitunter verharmlost.

 

Mich würde interessieren, wie der geneigte mykath.de-Blogger empfindet. Sind konservative Katholiken eine Bereicherung des katholischen Spektrums oder aber ein Relikt aus einer Zeit, die dringend überwunden werden muss?

Viele Christen sind keine Bereicherung der Kirche JESU CHRISTI sondern im Irrtum.

 

Mensch bleibt Mensch auch wenn er getauft ist.

Irrtümer vergehen, neue Irrtümer entstehen - die Wahrheit bleibt.

 

Was aber den HEILIGEN GEIST GOTTES nicht hindert immer wieder die Wahrheit JESU CHRISTI zu verkünden.

 

Betrachte den Fall Tebartz-van Elst:

 

Es ist nicht alles wahr was die Medien berichten - es ist aber auch nicht alles wahr was kath.net verkündet.

 

 

Nur wer den HEILIGEN GEIST GOTTES, den BEISTAND aller Menschen guten Willens, immer wieder um die Wahrheit bittet, wird nach und nach von seinen Irrtümern befreit.

 

 

 

 

Gruß

josef

Edited by josef
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