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Synodaler Weg - schon versperrt?


Jan_Duever

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vor 41 Minuten schrieb gouvernante:

Klingt ganz schön zynisch.

Ist mir zwar schleierhaft, wie du zu so einer Schlussfolgerung kommen kannst und Beleidigungen aussprechen musst, aber naja, dann bin ich eben ein Zyniker. 

 

Ich empfinde es nicht als zynisch, zum Fürsprecher von Menschen zu werden wohlwissend, dass die Forderungen so nicht umgesetzt werden können. Kardinal Marx hat ganz klar deutlich gemacht, dass er keine Kirchenspaltung will und die Forderungen nicht ohne Zustimmung des Lehramts umsetzen wird. Ist er deswegen ein Zyniker, wenn er den Dialog einerseits fördert, aber auf der anderen Seite die Teilnehmer auflaufen lässt? Ich meine nicht.

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vor 39 Minuten schrieb gouvernante:

Nur so etwas wie "anekdotische Evidenz" (auch wenn die MHG-Studie - egal wie oft man es negiert - die so ungeliebten systemischen Faktoren dahinter sieht): https://twitter.com/MmeSurvivante/status/1178252183659257856

 

Anekdotische Evidenz, naja. "Und ich kenne eine Frau, die ist noch dicker..." Ich dachte man wolle auf der Sachebene bleiben. 

 

Der Tweet (heisst das so?) scheint mir, ohne die Lebensgeschichte dieser Dame zu kennen, etwas hysterisch. Eine Personifikation aller vier Foren? Priesterliche Lebensform dürfte ja wohl per default rausfallen. Das Streben nach Macht hoffentlich ebenso, das schickt sich für keinen Christen. Den Rest kommentiere ich nicht, bei aller Anerkenntnis des Leids, wenn sie missbraucht worden ist  (da dieser Post zumindest für mich als Außenstehendem anonym ist, halte ich mich mit Bekundungen der Glaubwürdigkeit bedeckt). Der Fall Reisinger hat zudem hellhörig gemacht, nicht jeden Anwurf sofort und ungeprüft für bare Münze zu nehmen, auch wenn manche Hierarchen hier wohl unkritischer sind.

 

Und zur MHG-Studie: Ich bin milder als Exzellenz Vorderholzer. Die Wissenschaftlichkeit der Erhebung will ich nicht anzweifeln. Allerdings sind Kriminologen nicht dazu da, theologische Urteile zu fällen. Das tut Prof. Dreßing auch nicht. Er zeigt, für den von ihm und seinem Team evaluierten zeitlichen und geographischen Raum, Faktoren auf, die seiner Überzeugung nach Missbrauch hervorgebracht und ermöglicht haben könnten und gibt entsprechende Empfehlungen ab. Nicht mehr, nicht weniger. Dass zölibatäre Lebensform, männlicher Klerus und Sittenlehre ursächliche Faktoren für Missbrauch seien,  behauptet er nicht. Das war mein Punkt.

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus
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vor 9 Stunden schrieb nannyogg57:

Ich habe vom ersten Jahrtausend gesprochen. Lettner und Chorschranken kamen erst später, gerne schon kurz vor der Jahrtausendwende, aber sie sind nicht ein ursprünglicher und traditioneller Bestandteil gottesdienstlicher Vollzüge.

 

 

 

In den Ostkirchen gab es damals schon die Ikonenwand, die die Laien noch einmal erheblich deutlicher un klarer vom sakralen Bereich ausschließt als der Lettner.

 

Schon im Koran wird die übertriebene Verehrung der Kleriker in den orientalischen Kirchen kritisiert. Klaus von Stosch und Mouhanad Korchide belegen in ihrem Buch "Der andere Prophet", dass die Vorstellung weit verbreitet war, dass die Kleriker durch die Weihe vergöttlicht würden.

 

Meiner Meinung nach ist die Deutung des Weiheamtes und seine Integration in die Gesamtkirche so gut, wie sie jetzt ist. Es wird unterschieden zwischen dem Menschen und dem Amt, die Weihe aber trotzdem als lebensgeschichtliches unwiderrufliches Ereignis gesehen. Es besteht eine produktive Spannung durch den Unterschied zwischen Klerikern und Laien.

 

Ich sehe eine guten Weg in die Zukunft nicht in einer Demontage des Weiheamtes, sondern in einer ergänzenden Aufwertung der Laien. Theologisch und durch die Heiligsprechungspraxis hat das schon Johannes Paul II. grundgelegt. Es feht aber noch an der kirchenrechtlichen Umsetzung.

 

Ganz konkret: Ich halte nichts davon, dass Pastoralreferenten in gemeinsamen Dienstkonferenzen den Priestern in ihren Arbeitsbereich reinreden (und dann frustriert sind, weil sie nichts erreichen). Es geht aber auch nicht, dass Pastoralreferenten komplett rechtlos agieren und vom Wohlwollen des jeweiligen Pfarrers abhängen. Sie brauchen einen rechtlich klaren Rahmen und definierte Aufgaben, in denen sie auch selbständig handeln und eigenverantwortete Entscheidungen treffen können.

Das bedeutet in der Folge, dass man das Weiheamt nicht so sehr als Leitungsamt im Sinne einer Anweisungskompetenz verstehen sollte, sondern als sakrales Amt, dass die körperliche Anwesenheit Jesu im Leben der Kirche wirksam halten soll.

 

Wenn es gut läuft, läuft es bei uns im OFS genau so.

 

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Was mir hinsichtlich der Sendung der Laien in der Diskussion zu kurz kommt, ist der vom Konzil betonte Weltcharakter der Laien. Dass der Klerus nicht überall sein kann, sondern seine vornehmlichen Aufgaben und Pflichten in der Auferbauung des Volkes Gottes, insbesondere in den sakramentalen Vollzügen, hat, scheint einleuchtend. Katholische Laien hingegen sind an viele unterschiedliche Orte gestellt und in diversen Milieus in der Welt tätig. Der perfekte Grund auf dem Evangelisierung gedeihen kann. Daher scheint mir das Streben der Laien nach mehr Macht innerhalb der kirchlichen Strukturen eher kontraproduktiv. Das Amt des Laien ist die Umgestaltung der Gesellschaft und das positive Zeugnisgeben für die Botschaft des Evangeliums in der Welt. Nicht das eifersüchtige Besetzen von Pöstchen zwecks Ausleben des eigenen Geltungsbedürfnisses oder sonstiger Vorteile.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus.  

bearbeitet von Studiosus
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vor 18 Stunden schrieb Marcellinus:

 

 

Und sie tut gut daran! Hast du eine ungefähre Vorstellung davon, was euch Otto Normalungläubiger sagt, wenn ihr versuchen würdet, sie zu missionieren? :D

 

Es geht ja nicht um die Nomalungläubigen. Es geht um Menschen, die Fragen haben, die in ihrem Leben mehr wollen als das "normale". Und von denen gibt es eine ganze Menge. Die suchen nicht nach kompletten Sinnpaketen, aber nach Antworten von überzeugten und überzeugenden Menschen, die sie dann selbst für sich bewerten.

 

In gewisser Weise missioniere ich ja in meinem Berufsfeld als Instrumentallehrer ja auch (in städtischem Auftrag ...) Ich versuche, die Menschen davon  zu überzeugen, dass es wichtigere Dinge gibt als materielle Werte (also z.B. das Musikmachen), dass das Anknüpfen an große Traditionen einen persönlich anregt und bereichert (z.B. den Jazz oder die klassische Musik), und dass man durch spontane Improvisation seine Persönlichkeit weiterentwickeln kann.

Man muss natürlich bei einem Erwachsenen in der Lebensmitte andere pädagogische Mittel einsetzen als bei einem Jugendlichen oder sogar Grundschulkind. Kanzelansprachen, Ideologien und Exerziermeisterei führen in der Regel nicht zum Ziel. Aber den Sinn von Neugier, Ausdauer und einer gewissen Lust am Ungewissen kann man meistens gut vermitteln.

 

Irgendwie bin ich immer wieder erstaunt, wieviel Zeit, Energie und letztlich auch Geld Menschen bereit sind zu investieren, um geordnete Klänge mit einem Metallrohr zu produzieren.... Der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein.

 

 

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vor 3 Minuten schrieb Studiosus:

Was mir hinsichtlich der Sendung der Laien in der Diskussion zu kurz kommt, ist der vom Konzil betonte Weltcharakter der Laien. Dass der Klerus nicht überall sein kann, sondern seine vornehmlichen Aufgaben und Pflichten in der Auferbauung des Volkes Gottes, insbesondere in den sakramentalen Vollzügen hat, scheint einleuchtend.

Das sind die üblichen Strukturfragen, es geht aber um Evangelisierung.

bearbeitet von Chrysologus
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vor 3 Minuten schrieb Studiosus:

Was mir hinsichtlich der Sendung der Laien in der Diskussion zu kurz kommt, ist der vom Konzil betonte Weltcharakter der Laien. Dass der Klerus nicht überall sein kann, sondern seine vornehmlichen Aufgaben und Pflichten in der Auferbauung des Volkes Gottes, insbesondere in den sakramentalen Vollzügen, hat, scheint einleuchtend. Katholische Laien hingegen sind an viele unterschiedliche Orte gestellt und in diversen Milieus in der Welt tätig. Der perfekte Grund auf dem Evangelisierung gedeihen kann. Daher scheint mir das Streben der Laien nach mehr Macht innerhalb der kirchlichen Strukturen eher kontraproduktiv. Das Amt des Laien ist die Umgestaltung der Gesellschaft und das positive Zeugnisgeben für die Botschaft des Evangeliums in der Welt. Nicht das eifersüchtige Besetzen von Pöstchen zwecks Ausleben des eigenen Geltungsbedürfnisses oder sonstiger Vorteile.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus.  

 

Das spezifisch deutsche Problem ist leider, dass Priester durch den gesamten Caritas-Komplex in seiner merkwürdigen Verbandelung mit staatlichen Strukturen, in Bereichen Entscheidungen treffen, die eigentlich Weltcharakter haben, also Laien zugeordnet sein sollten.

 

Vielleicht wäre es eine Lösung, die gesamten Strukturen kirchlicher Sozialfürsorge (vom Kindergarten bis zum Seniorenheim) in Stiftungen zu überführen, die nicht den Bischöfen unterstellt sind.

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vor 12 Minuten schrieb Chrysologus:

es geht aber um Evangelisierung.

 

Richtig. Und diese ist, aufgrund der Teilhabe an Tauf- und Firmgnade, auch den katholischen Laienin besonderer Weise aufgetragen  (LG 11).

 

Da brauch es keine große Strukturreform. Jeder an seinem Platz soll an der Ausbreitung des Reiches Gottes mit den Mitteln mitwirken, die ihm gegeben sind (vgl. besonders Apostolicam actuositatem).

 

Saluti cordiali, 

Studiosus.

bearbeitet von Studiosus
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Mein Kardinalerzbischof geht davon aus, daß sich die Zahl der Priester ìm EB Köln bis 2030 halbiert.

 

Kann man so feststellen, bedeutet aber entweder daß die Gemeinden sich selbst verwalten und nur noch hin und wieder von einem sakramentalen Handlungsreisenden besucht werden oder aber, daß zu Gunsten des heiligen Rests territoriale Großgemeinden durchgeboxt werden und man den damit verbundenen Schwund hinnimmt. Wobei ich das Gejammere jetzt schon höre 

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vor 21 Minuten schrieb Franziskaner:

 

In den Ostkirchen gab es damals schon die Ikonenwand, die die Laien noch einmal erheblich deutlicher un klarer vom sakralen Bereich ausschließt als der Lettner.

 

Schon im Koran wird die übertriebene Verehrung der Kleriker in den orientalischen Kirchen kritisiert. Klaus von Stosch und Mouhanad Korchide belegen in ihrem Buch "Der andere Prophet", dass die Vorstellung weit verbreitet war, dass die Kleriker durch die Weihe vergöttlicht würden.

 

Weißt du etwas mehr über das orthodoxe Konzept der "Vergöttlichung"? Jetzt abseits von der Weihe? Ich habe schon von verschiedenen orthodoxen Christen die Idee geäußert mitbekommen, dass die "Vergöttlichung" des Menschen der eigentliche Zweck des christlichen Glaubens sei. Dabei fiel auch der Satz "Gott würde Mensch, damit der Mensch Gott sei" (ist jetzt off-topic, aber vielleicht kann das ja kurz abgehandelt werden, wenn kein Interesse zum weiteren Austausch darüber besteht)

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vor 14 Minuten schrieb Franziskaner:

 

Das spezifisch deutsche Problem ist leider, dass Priester durch den gesamten Caritas-Komplex in seiner merkwürdigen Verbandelung mit staatlichen Strukturen, in Bereichen Entscheidungen treffen, die eigentlich Weltcharakter haben, also Laien zugeordnet sein sollten.

 

Vielleicht wäre es eine Lösung, die gesamten Strukturen kirchlicher Sozialfürsorge (vom Kindergarten bis zum Seniorenheim) in Stiftungen zu überführen, die nicht den Bischöfen unterstellt sind.

Ja, das Problem sehr ich auch. Ein Priester ist heute durch Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten, Messen und Seelsorge eigentlich mehr als ausgelastet. Wozu muss er noch Manager über caritative Dienste, Schulen und Kindergarten sein? Schon in der Apostelgeschichte wurden sieben Armenpfleger gewählt mit der Begründung, es sei nicht Recht, wenn die Apostel den Dienst am Wort vernachlässigen und am Tisch dienen.

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vor 40 Minuten schrieb Flo77:

Mein Kardinalerzbischof geht davon aus, daß sich die Zahl der Priester ìm EB Köln bis 2030 halbiert.

 

Kann man so feststellen, bedeutet aber entweder daß die Gemeinden sich selbst verwalten und nur noch hin und wieder von einem sakramentalen Handlungsreisenden besucht werden oder aber, daß zu Gunsten des heiligen Rests territoriale Großgemeinden durchgeboxt werden und man den damit verbundenen Schwund hinnimmt. Wobei ich das Gejammere jetzt schon höre 

Geh mal von den Großgemeinden aus ... das nennt man dann euphemistisch "Sendungsraum" . De facto bedeutet es: Wo ein Priester ist, da ist Kirche. Den Rest macht man platt... Eine Gemeinde für ganz Köln reicht doch auch irgendwann aus ...

Konkret zu planen scheint man das hier: https://www.katholisch.de/artikel/23097-koelner-dioezesanrat-wir-brauchen-ein-umdenken-der-bistumsleitung?utm_content=buffer97fc2&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer&fbclid=IwAR0RCx5wi69bZ78ev4klNZmOzya0LPTovzoxAzXGZbaiJqtgVSrneVYFNgA

 

Wie sagte meine Mutter im zarten Alter von gut 80 Jahren: "Wenn Bischöfe von "Verdunstung des Glaubens" reden, habe ich den Verdacht, dass sie den Topf selbst auf die heiße Herdplatte gestellt haben."

 

Laura

bearbeitet von laura
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Was ist mit Evangelisierung im einzelnen gemeint? Dass man das Evangelium besser kennt? Eine bereits vorhandene Religiosität in die vom kath. Lehramt vorgesehenen Bahnen lenken? Sinn für Religion neu wecken? Inwiefern spielen kirchliche Strukturen dafür eine Rolle?

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vor einer Stunde schrieb duesi:

Weißt du etwas mehr über das orthodoxe Konzept der "Vergöttlichung"?

Lektüre zum ersten Einstieg: https://orthodoxwiki.org/Theosis

 

Und dann mal etwas von Gregorios Palamas lesen.

bearbeitet von gouvernante
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vor 25 Minuten schrieb Merkur: Was ist mit Evangelisierung im einzelnen gemeint? Dass man das Evangelium besser kennt? Eine bereits vorhandene Religiosität in die vom kath. Lehramt vorgesehenen Bahnen lenken? Sinn für Religion neu wecken? Inwiefern spielen kirchliche Strukturen dafür eine Rolle?

 

Entschuldige, die Menschen haben fast 2000 Jahre Erfahrungen und Enttäuschungen mit den verschiedenen Christentümern hinter sich. Was will man ihnen sagen: daß es früher besser war? Dafür haben wir zu viel erfahren, das das Gegenteil beweist. Daß die Christen es diesmal besser machen? Das glauben sie nicht einmal selbst.

 

Auch Ideen haben ein Leben, starten frisch und unverbraucht, nutzen sich dann ab im Laufe der Zeit. Irgendwann haben sich alle ihre Versprechungen in Enttäuschungen verwandelt, und die eigene Vergangenheit wird zu einem einzigen Argument gegen sie selbst. Und irgendwann ist ihre Zeit vorbei. 

 

Weil der Aufstieg des Christentums so lange gedauert hatte, dauert auch ihr Abstieg. Aber umkehren läßt sich dieser Weg nicht. Die Christen sollte das am allerwenigsten überraschen, war ihr Aufstieg doch mit dem Untergang anderer Ideen verbunden, die, einmal verschwunden, auch nicht wiederkommen.

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Wenn Kirche nur als soziologische Größe verstanden wird - und die Diskussionen um den Weg der Kirche dementsprechend auch nur soziologisch bzw. antropozentrisch geführt werden -, dann müsste man die Hoffnung in weiten Teilen Europas und Amerikas tatsächlich fahren lassen. Wird Kirche aber, und hier muss dann wohl der Naturalist oder Empiriker aussteigen, in ihrer heilsgeschichtlich-übernatürlichen Dimension, d. h. als der fortlebende mystische Leib Christi, verstanden, dann sind alle Unglücksprophetien und Untergangsphantasien obsolet. Dann gelten die Verheißungen Christi an die Kirche unverändert weiter.

 

Was hingegen sicher richtig ist und über kurz oder lang eintreffen wirdm ist ein gewisses Gesundschrumpfen der Kirche, eine Entkleidung von Privilegien und Finanzen. Was die Kirche, nicht nur in Deutschland aber auch dort, nicht freiwillig schaffen konnte, wird der Wandel der Gesellschaft mit sich bringen: Das, was Benedikt XVI. als Entweltlichung bezeichnet hat. Vielleicht gewinnt eine derart gereinigte Kirche wieder die vom Glauben beseelte Kraft des Anfangs zurück.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus
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vor 8 Minuten schrieb Studiosus:

Wenn Kirche nur als soziologische Größe verstanden wird - und die Diskussionen um den Weg der Kirche dementsprechend auch nur soziologisch bzw. antropozentrisch geführt werden -, dann müsste man die Hoffnung in weiten Teilen Europas und Amerikas tatsächlich fahren lassen. Wird Kirche aber, und hier muss dann wohl der Naturalist oder Empiriker aussteigen, in ihrer heilsgeschichtlich-übernatürlichen Dimension, d. h. als der fortlebende mystische Leib Christi, verstanden, dann sind alle Unglücksprophetien und Untergangsphantasien obsolet. Dann gelten die Verheißungen Christi nan die Kirche unverändert weiter.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

 

Das muß kein Widerspruch sein. 

 

„Der Theologe mag dem angenehmen Berufe folgen, die Religion zu beschreiben, wie sie vom Himmel niederstieg, im Gewande ihrer ursprünglichen Reinheit. Eine traurigere Pflicht ist dem Historiker auferlegt. Er hat die unvermeidliche Mischung von Irrtum und Verderbtheit zu entdecken, welche während eines langen Aufenthalts auf Erden unter einer schwachen und entarteten Gattung von Wesen annahm.“

(Edward Gibbon, Geschichte des Verfalls und Untergangs des Römischen Reiches)

 

Kirchen wie Christentümer als historische Prozeß haben eine Anfang, und eine Zeit von Auf- wie Abstieg. In einer „heilsgeschichtlich-übernatürlichen Dimension“ mögen sie dagegen so lange existieren, wie sich jemand an sie erinnert.

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vor 27 Minuten schrieb Marcellinus:

... Und irgendwann ist ihre Zeit vorbei.  ...

Das Christentum hat sich bisher trotz wechselhafter Zeiten als überaus langlebig erwiesen. Denk nur mal an das Ende des 18. Jahrhunderts. Ich bin gespannt, wie es sich in Zukunft positioniert. Zölibat, Kirchenorganisation und Verhaltensvorschriften werden da wohl nicht ausschlaggebend sein. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

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Man kann natürlich, je nachdem wie man die Maßstäbe setzt, hier von einer Verfallsgeschichte sprechen.

 

Allerdings teile ich den Tenor des obigen Zitats nicht zwingend betreffend Reinheit des Anfangs und Abstieg, Dekadenz im Laufe der Geschichte. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich die Urkirche nicht als das Nonplusultra betrachte, dem es sich wieder anzunähern gelte.

 

Ich darf ganz unwissenschaftlich und persönlich sagen, dass die Kirche in ihrem Erdenlauf sich durchaus oft zum Besseren weiterentwickelt hat. 

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus.  

bearbeitet von Studiosus
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In der Schrift finden wir da zwei Aussagen zu

 

Einmal die Verheißung 

"Und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen"

 

Und auf der anderen Seite die Frage

"Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?"

 

 

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vor 13 Minuten schrieb duesi:

In der Schrift finden wir da zwei Aussagen zu

 

Einmal die Verheißung 

"Und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen"

 

Und auf der anderen Seite die Frage

"Doch wenn der Menschensohn kommen wird, wird er dann Glauben finden auf Erden?"

 

 

 

Ja, exakt. Das ist diese große Spannung, innerhalb derer die Kirche lebt. Ich möchte noch den pusillus grex, die kleine Herde, beisteuern. Der Missionsauftrag Christi erstreckt sich zwar auf alle Zeiten und Zonen, doch ist damit nicht gesagt, dass die Kirche selbst als Institution überall und zu allen Zeiten ein Massenphänomen bleiben wird. Historisch haben wir das Wachsen und Sterben von Kirchen erlebt, die Kirche aber ist nicht untergegangen.

 

Jenseits aller Strukturfragen ist die Frage nach dem Glauben entscheidend: Was nützen Kirchengebäude, Schulen oder Hospitäler, wenn in ihnen kein oder nicht der Glaube der Kirche zu finden ist? Dann sind sie sub specie aeternitatis nutzlos. Sie sollten sich lieber mit anderen humanitären Einrichtungen zusammenschließen. Ein derartiges seines vitalen Kerns, dem Glauben, beraubtes Exoskelett ist es nicht wert am Leben erhalten zu werden.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus
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vor 3 Stunden schrieb Franziskaner:

In den Ostkirchen gab es damals schon die Ikonenwand, die die Laien noch einmal erheblich deutlicher un klarer vom sakralen Bereich ausschließt als der Lettner.

 

Wann ist "damals"? Zurzeit Jesu, zurzeit der Apostel? Oder vielleicht doch einige Jahrhunderte später? Könnte es sein, dass die Sache ursprünglich eher mit der Trennung von Katechumenenliturgie und Eucharistie zusammenhängt? Mir schon klar, dass es richtig schwer ist, an historische Werke zur östlichen Liturgie ranzukommen. Das fände ich sehr interessant, aber die Ostkirche ist so aufs goldene Zeitalter irgendwann früher fixiert, dass  Interesse an Entwicklung nach dem Schema "Wirkung und Ursache" nicht so recht aufkommt.

bearbeitet von nannyogg57
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Zitat

Allerdings teile ich den Tenor des obigen Zitats nicht zwingend betreffend Reinheit des Anfangs und Abstieg, Dekadenz im Laufe der Geschichte. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich die Urkirche nicht als das Nonplusultra betrachte, dem es sich wieder anzunähern gelte.

 

Nein, darum geht es mir auch nicht (dafür könnte ich eh keine beobachtbaren Kriterien angeben), sondern nur um den Einfluß und die Verbreitung als organisierte Religion.

 

Das hat überprüfbar im Laufe der Jahrhunderte zu, und später wieder abgenommen. Einfluß und Verbreitung hatten und haben mit bestimmten sozialen wie individuellen Voraussetzungen zu tun, und die gibt es bei uns einfach nicht mehr.

 

Daher halte ich die Vorstellung eines neuerlichen Anwachsens des Christentums zu Volkskirchen für ziemlich unwahrscheinlich, und Strategien, die darauf abzielen, so die Probleme der christlichen Kirchen zu lösen, für schlichte Illusion. 

 

Ein Urteil über irgendeine Form persönlichen Glaubens ist meinerseits damit weder verbunden noch beabsichtigt, nur die schlichte Feststellung, daß das nicht mehr der Weg der Mehrheit ist.

 

 

bearbeitet von Marcellinus
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vor 33 Minuten schrieb Marcellinus:

Daher halte ich die Vorstellung eines neuerlichen Anwachsens des Christentums zu Volkskirchen für ziemlich unwahrscheinlich

 

Ich auch. Zustimmung.

 

Christentum, insbesondere Katholizismus, wird in Europa und Teilen Amerikas eher eine kleine Veranstaltung werden. Gläubigenströme oder plötzliche Konversionen sind eher nicht zu erwarten. Darüber herrscht, glaube ich, kein Dissens.

 

Die kontroverse Frage bleibt daher für mich lediglich, wie man diesen kleinen Teil Restkatholizismus organisiert. Spricht man der Fraktion das Wort, die mit allen möglichen Erleichterungen und Anpassungen an die erlebte Alltagsrealität die Leute halten und eventuell neue Mitglieder locken will (was nach Georg May der große Anziehungspunkt der Reformation war) oder hält man gewissermaßen strikter an gewachsenen Dogmen und Formen fest, um zumindest die Stammklientel zu halten? 

 

Was hier besser, i. S. v. pragmatischer ist, um den Laden, wenn ich so salopp sprechen darf, am Laufen zu halten, ist nicht leichthin zu beantworten. Für mich persönlich scheidet erstere Option aus. 

 

Ecclesia semper reformanda (so bei Jodok v. Lodenstein, einem Protestanten des 17. Jhd.) ist zwar ein Diktum, das gerne von den Neuerern im Munde geführt wird, doch ist Re-Form immer nur als Rückbesinnung auf das Eigentliche, auf Christus und sein Wort, zu denken und nicht als Losung zur Gewährung persönlicher Kommodität.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus
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