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Gleichgeschlechtliche Paare segnen - ! oder ?


Alfons
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Marcellinus
vor 35 Minuten schrieb Flo77:

Die Metropolen im Zweistromland werden auch ihre sexuellen Tabus bzw. Gesetze gegen Ehebruch etc. gekannt haben, aber das wohl eher aus erbrechtlichen und nicht aus moralischen Gründen.

 

Natürlich! Nur ist Homosexualität erbrechtlich ohne Belang, weil es naturgemäß keine Nachkommen zeugt. Man muß es also nicht untersagen, im Gegensatz zu Ehebruch. Wenn an es trotzdem tut, dann aus anderen, ideologischen Gründen. Vieles spricht dafür, daß die entsprechenden israelitischen Vorstellungen in die Kategorie der Abgrenzung gegenüber allen anderen Völkern fallen, ähnlich wie bestimmte Speisege- und -verbote, und natürlich die prinzipielle Abgrenzung durch die Religion. 

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vor 12 Minuten schrieb Flo77:

Was ich angesichts der unterschiedlichen Erzählkontexte auch nicht verwunderlich finde.

Wen interessieren denn Erzählkontexte?

 

Das, was in der Bibel steht, zählt.

Und es wird dadurch verstärkt, was in der Lesung vorgelesen wird und als "Wort des lebendigen Gottes" ausgegeben wird.

Und es wird weiter durch die traditionelle Handhabung der Kirche verstärkt.

 

Nicht einem einzigen bibeltreuen Homophoben wird man mit Erzählkontexten mehr abringen, als ein geringschätziges Lächeln.

Die Exegeten nehmen sich zu wichtig. In Wirklichkeit verschimmelt all ihr Wissen in irgendwelchen hochgelehrten Büchern, die kaum jemand liest.

Und außerdem stehen sie (nicht ganz zu Unrecht) in dem Ruf der tendenziösen Schönfärberei.

 

Da hat eine schlaue Joanna Töyräänvuori doch tatsächlich herausgefunden, dass die Levitikus-Stellen falsch übersetzt seien. Man solle also nicht Männersexer ermorden, sondern flotte Dreier mit einer Frau und zwei Männern, von denen einer kein rechtgläubiger Israelit sei. Wow! Da kann man ganz bibelfest gleich mal drei Leute ermorden, anstatt nur zwei.

 

Und Joanna verweist auf eine männersexfeindliche Rezeptionsgeschichte ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert. Warum soll man nicht diesen Erzählkontext wählen?
"200 v.Chr. sind die Leute dann endlich auf den Trichter gekommen, dass Männersex ein todeswürdiger Gottesgräuel ist." 

Gibt es irgendeine Bibelstelle, die dieser Kontextuierung widerspricht? Regt sich in irgendeiner Bibelgeschichte jemand darüber auf, dass man die Bedeutung der Levitikus-Stellen verändert hat? Nö. 

 

Bezeichnenderweise wird in dem Artikel, den ich über Joanna Töyräänvuoris Erkenntnisse gelesen habe, nicht reflektiert, welche Kontextualisierung nun die entscheidende sein soll. Sie nimmt anscheinend als selbstverständlich an, dass der Originalkontext entscheidend sei. 

Dieselbe Fehlleistung habe ich auf bei Worthaus von Prof. Dr. Siegfried Zimmer gehört.

Alles schön und richtig, was er sagt. Aber wirkungslos, weil er tendenziös die Bibel schönfärbt. 

 

Das ist nicht besser, als die tendenziöse Bibelinterpretation von homophoben Biblizisten. Beide Seiten wollen durch die Bibel etwas legitimieren bzw. de-legitimieren.

 

Meine Meinung: 
Zu biblischen Zeiten war es qualitativ (nicht quantitativ) so, wie heute: Es gab schon immer Homophobe. Und es gab Liberale. Und es gab Homosexuelle (auch wenn man dafür noch kein Wort hatte). Schon immer haben die Homophoben jede Gelegenheit genutzt, den Andersartigen eins reinzudrücken, wo immer sich die Gelegenheit bot oder bietet. Die meisten "normalen" Menschen haben wohl einfach den Kopf geschüttelt, wenn sie von Männersex gehört haben. Andere dagegen haben nach homophoben Vorlagen gegiert, mit denen sie ihre miese Menschenverachtung legitimieren konnten. Richtig groß ist die Homophobenbewegung damals nicht geworden - das Thema war viel zu untergeordnet. Außerdem hatte man ja Vorlagen genug, die zwar nicht gezielt homophob waren, die man aber dementsprechend zurechtbiegen konnte - wie im 2. Jh.v.Chr. real dann auch geschehen. 

 

Nimmt man allerdings zur Bibel die kirchliche Tradition hinzu, dann ersäuft man geradezu in homophoben Vorlagen. Homophoben-Ablehnung wurde zur Pflicht. Eingeschlechtlicher Sex galt als Unzucht. Und Unzucht war (bereits neutestamentlich) ein schweres Vergehen. Was auch immer der Einzelne unter Unzucht verstehen mochte: Im Zweifelsfalle immer das, was nicht er selbst, sondern andere taten. Und dagegen hat man dann gewettert.

 

Hat sich da viel verändert? Eigentlich nicht. Die Menschen menscheln zu allen Zeiten. 

Nur vielleicht ein Unterschied: Die biblischen Texte sind alt und unverständlich und wir sind zeitlich mehr als 2000 Jahre von ihnen entfernt. Dadurch haben die Homophoben eine prächtige Gelegenheit, ihre Homophobie als gottgewollt und als Gottes Wille und als Gottes Wort in Anspruch zu nehmen.

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Wobei mich die konkrete Stelle im Gilgamesch-Epos ja mal interessieren würde.

 

Soweit ich mich erinnere gab es zwar Sex zwischen der Priesterin Shamhat und Endiku, aber zwischen Gilgamesch und Endiku?

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vor 2 Stunden schrieb Mecky:

Schon immer haben die Homophoben jede Gelegenheit genutzt, den Andersartigen eins reinzudrücken

Die Ferkel!

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Am 18.8.2021 um 11:34 schrieb Mecky:

Gibt es in der Bibel irgendwo eine vergleichbare Stelle, wo Sex zwischen Männern so nebenbei und ungewertet erzählt wird?

Mir ist keine bekannt. Bibel ist wahrscheinlich nur was für eingefleischte Heteros und Homokritiker.

Naja, die Geschichte von David und Jonathan geht zwar nicht in fleischliche Details, aber die ist schon sehr schön (haben mein Mann und ich auch als Lesung für unseren Segnungsgottesdienst genommen): „In jener Zeit schloss David Jonathan in sein Herz. Und Jonathan liebte David wie sein eigenes Leben …“ (1 Sam 18)

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Aus den dürren biblischen Angaben über David und Jonathan KANN man zwar eine homoerotische Beziehung ableiten. Aber nur, wenn man will. 

Entscheidend ist: Über dieses Verhältnis von D und J wurde in der Bibel nicht reflektiert. Das Verhältnis wird nur mal so am Rande und höchst andeutungsweise erwähnt. Daraus kann man sehr wenig schließen - und schon mal gar nichts Sicheres. Jede Deutung spielt sich mehr im Kopf des Lesers, als im Bibeltext ab.

 

Ähnliches gilt übrigens auch für Jesus und seinen Lieblingsjünger. 

 

Von Sex ist in der Bibel weder bei Jesus noch bei David die Rede. Das alles muss man kräftig und vehement hinein-interpretieren.

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Werner001
vor 37 Minuten schrieb Mecky:

Von Sex ist in der Bibel weder bei Jesus noch bei David die Rede. Das alles muss man kräftig und vehement hinein-interpretieren.

Wo ist denn in der Bibel überhaupt von Sex die Rede? Bei sexuellen Übergriffen und der Produktion wichtiger Nachkommen. Sonst nie, oder?

 

Werner

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vor 36 Minuten schrieb Werner001:

Wo ist denn in der Bibel überhaupt von Sex die Rede? Bei sexuellen Übergriffen und der Produktion wichtiger Nachkommen. Sonst nie, oder?

Das Hohelied Salomons ist geschriebene Erotik, aber in den übrigen Texten bietet sich das Thema ja auch kaum an. Entweder es geht um Nachkommen, Krieg, Gesetze zur Disziplinierung des Eigentumsvolkes oder schließlich um den drohenden Weltuntergang und wie man sich darauf vorbereitet.

 

Da ist für Erotik ja auch schlicht keine Zeit...

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Am 20.8.2021 um 13:22 schrieb Mecky:

Das Verhältnis wird nur mal so am Rande und höchst andeutungsweise erwähnt. Daraus kann man sehr wenig schließen - und schon mal gar nichts Sicheres.

Du hattest ausdrücklich nach Stellen gefragt, wo „nebenbei und umgewertet“ eine <sexuelle> Beziehung zwischen Männern vorkäme. Ich bringe D&J vor, ausdrücklich mit der Bemerkung, dass nichts fleischliches ausgeführt wird. Nun ist es Dir aber zu sehr am Rande. Wobei sich die Geschichte über mehrere Kapitel streckt und auch mehrfach die Formulierung „liebte ihn wie sein eigenes Leben“ wiederholt wird. Ich empfinde das als eine vergleichsweise ausgedehnte Geschichte. 

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