Weihrauch Posted September 14 Report Posted September 14 vor einer Stunde schrieb Werner001: Nein, sie sahen in den Göttern nur einfach sehr sehr mächtige Menschen. Ist bei den Griechen ja auch noch so. Sehr sehr mächtig, aber ansonsten menschlich wie du und ich. Auch Jahwe fällt da nicht aus der Reihe Als die Götter wie die Menschen arbeiten müssen (inuma ilu awilum = Als die Götter Menschen waren), ... Mit diesen Worten fängt das Atrahasis-Epos an - das ist Extra3 auf altorientalisch. Das ist Satire und in den anderen Mythen ist das ebenso von Humor und von derselben augenzwinkernden Leichtigkeit geprägt, die auch in der bibl. Urgeschichte häufig zum Vorschein kommt, wenn man sie nicht so überaus fromm interpretiert, wie viele das leider heute tun. Das ist kein Widerspruch zur Theologie, das ist Theologie wie sie damals gehandhabt wurde. Alle Gottesbilder sind anthropomorph, und das wussten die damals auch schon - auch ohne Feuerbach. Das ist ein Genre-Merkmal, das deutlich zeigt, dass die Menschen damals mit unterschiedlichen Schöpfungs-Vorstellungen vertraut waren, und wussten, dass sie nicht die WahrheitTM in einer bestimmten ihrer Schriften stehen hatten. Die waren doch nicht blöd oder primitiv. Da sitzt doch nicht jemand, der sich eine dieser Geschichten ausdenkt, und nicht weiß, dass er sie sich gerade ausdenkt, oder eine Bestehende weiterentwickelt. Das macht doch Spaß, ein Autor zu sein und das bedeutet nicht, dass er nicht auch ein spiritueller Mensch gewesen ist. Anhand solcher Texte lernten die Schreiber schreiben, das war sozusagen Schulstoff der ersten Klasse. Wer das auswendig niederschreiben konnte, war ein Schreiber, aber nicht unbedingt ein Autor. Du bist doch der letzte, der an göttliche Diktate oder Offenbarungen glaubt. Als mir die Schul-Omi ihre Geschichten vom Jesuskind erzählte, wusste ich mit 6 und 7 Jahren auch schon, dass das Geschichten waren und ich liebte es ihr zuzuhören. Die Wahrheitsfrage stellte sich da überhaupt nicht. Erzählungen sind genau das: Erzählungen. 1 Quote
Werner001 Posted September 14 Report Posted September 14 vor 13 Minuten schrieb Domingo: Und die Griechen haben sich über ihre Götter lustig gemacht, e.g. im Buch 9 der Odyssee (Ares und Aphrodite) und in den Fröschen des Aristophanes (Dionysos ist eine Witzfigur). Ja, über die menschlichen Charaktereigenschaften. Über was soll man sich bei einem transzendenten Gott auch lustig machen. Bei Jesus funktioniert das, darum gibt es zahlreiche Jesuswitze. Beim Heiligen Geist ist das schwierig Werner Quote
Flo77 Posted September 14 Report Posted September 14 vor 22 Minuten schrieb Werner001: Beim Heiligen Geist ist das schwierig When Pope Pius IX died, he went to Heaven, knocked at the door, and St. Peter opened it: "Who are you? What do you want?” "I am Pope Pius. I want to come to Heaven.” “Where do you come from?" "Rome." “What do you mean? Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "No, Rome, Italy, of course." “I'm very sorry, but I do not know you!” To make sure not to erroneously deny access to an authorized person, Saint Peter takes the telephone, calls up God, and asks: "Hello, Boss, here is a guy who says he is the Pope of Rome, do you know him?" "What do you mean: Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "No, Rome, Italy, of course." "No, sorry, I don’t know him.” Saint Peter makes another telephone call and rings up Jesus: "Hello, Junior, here’s a guy who says he is the Pope of Rome, do you know him?" "Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "Rome, Italy." "No, sorry, never heard of him.” Saint Peter still does not give up and finally calls up the Holy Ghost and asks: "Hello, Smoky, here is a guy who says he is the Pope of Rome. Do you know him?" "What does he mean, Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "He says Rome, Italy." "No, sorry, I’m afraid I do not know this guy." But then, after a very short while, he continues: "Wait, wait, tell me, is that the guy who invented the damn story about Mary and me?" Quote
Higgs Boson Posted September 14 Report Posted September 14 vor 2 Stunden schrieb Domingo: Es hört sich alles fast so an, als ob es keine perfekten Übersetzungen gäbe "Land" umgeht die Gefahr, dass der Leser sich eine Kugel vorstellt wie auf dem berühmten Apollo-11-Foto. Andererseits ergibt im Deutschen, anders als in den alten Sprachen, "Himmel und Land" kaum Sinn, denn es heißt ja "Himmel und Erde." Insofern funktioniert "Erde" jedesmal, wenn es um den Kontrast zum Himmel geht, besser. Und doch, wenn Gott das Trockene erez nennt dann übersetzen es alle plötzlich mit Land. Ich verstehe das schon, aber das BIld, das da gezeichnet wird ist das: das Land, das da geschaffen wird, das Wasser und Himmel gegenübersteht, die Begriffe bilden einen Dreiklang, jedes ist ein Lebensraum. Wenn man erez mit zwei verschiedenen Wörtern übersetzt, geht der verloren. Quote
KevinF Posted September 14 Report Posted September 14 (edited) 18 minutes ago, Higgs Boson said: Und doch, wenn Gott das Trockene erez nennt dann übersetzen es alle plötzlich mit Land. Luther (zumindest 2017, 1984 und 1912, noch weiter zurück zeigt mir die-bibel.de nicht an) nicht. Dort wird auch hier mit "Erde" übersetzt. Edited September 14 by KevinF Quote
KevinF Posted September 14 Report Posted September 14 2 minutes ago, KevinF said: Luther (zumindest 2017, 1984 und 1912, mehr habe ich nicht nachgeschaut) nicht. Dort wird auch hier mit "Erde" übersetzt. Und King James (1769) nutzt "dry land" für das Trockene und übersetzt bei der Benennung auch mit "Earth": Vers 9-10: "And God said, Let the waters under the heaven be gathered together unto one place, and let the dry land appear: and it was so. 10 And God called the dry land Earth; and the gathering together of the waters called he Seas: and God saw that it was good." (von bibleserver.com) Quote
Werner001 Posted September 14 Report Posted September 14 vor 33 Minuten schrieb Flo77: When Pope Pius IX died, he went to Heaven, knocked at the door, and St. Peter opened it: "Who are you? What do you want?” "I am Pope Pius. I want to come to Heaven.” “Where do you come from?" "Rome." “What do you mean? Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "No, Rome, Italy, of course." “I'm very sorry, but I do not know you!” To make sure not to erroneously deny access to an authorized person, Saint Peter takes the telephone, calls up God, and asks: "Hello, Boss, here is a guy who says he is the Pope of Rome, do you know him?" "What do you mean: Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "No, Rome, Italy, of course." "No, sorry, I don’t know him.” Saint Peter makes another telephone call and rings up Jesus: "Hello, Junior, here’s a guy who says he is the Pope of Rome, do you know him?" "Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "Rome, Italy." "No, sorry, never heard of him.” Saint Peter still does not give up and finally calls up the Holy Ghost and asks: "Hello, Smoky, here is a guy who says he is the Pope of Rome. Do you know him?" "What does he mean, Rome, Massachusetts, or Rome, New York?" "He says Rome, Italy." "No, sorry, I’m afraid I do not know this guy." But then, after a very short while, he continues: "Wait, wait, tell me, is that the guy who invented the damn story about Mary and me?" Klar gibts auch HeiGei-Witze. Aber für jeden einzelnen gibt es 10 Jesus-Witze. Oder 100 Werner Quote
KevinF Posted September 21 Report Posted September 21 (edited) Inzwischen habe ich gelernt, dass man das erste Wort (bzw. die ersten beiden Wörter, aus denen die Zeichenkette besteht) der Hebräischen Bibel, bereschit (בְּרֵאשִׁית), statt mit "Am Anfang" auch mit "Am Anfang von" übersetzen kann. Was richtig/besser ist, darüber streiten sich anscheinend die Gelehrten: Es scheint unklar zu sein, ob der oder die Autoren exakt eine der beiden Bedeutungen im Sinn hatte, ob die Formulierung im Kontext zur Zeit der Abfassung also eindeutig war, oder ob es bewusst mehrdeutig geschrieben wurde. Wenn man mit "Am Anfang von" übersetzt, dann ist klar, dass Vers 1 eine Überschrift ist, ähnlich wie es ja auch @Higgs Boson und @Weihrauch lesen. Und dann wäre es auch keine Schöpfung aus dem Nichts, sondern es wäre am Anfang schon Zeugs da gewesen. Übersetzt man mit "Am Anfang" spräche das für die traditionelle Schöpfung aus dem Nichts. (Wobei auch "schaffen" ja eigentlich Zeitlichkeit und Kausalität voraussetzt...) (Und nur zur Klarstellung: Ich halte den Text für komplett fiktiv, leite also keine metaphysischen Wahrheiten daraus ab). Ich finde es eher spannend, dass der Text so vieldeutig ist. Edited September 21 by KevinF Quote
Higgs Boson Posted September 21 Report Posted September 21 vor 53 Minuten schrieb KevinF: Wenn man mit "Am Anfang von" übersetzt, dann ist klar, dass Vers 1 eine Überschrift ist, ähnlich wie es ja auch @Higgs Boson und @Weihrauch lesen. Enuma Elisch beginnt mit Als oben der Himmel noch nicht existierte und unten die Erde noch nicht entstanden war – (Und natürlich auch hier die übliche Verwirrung um Erde und Land, weil das auch Flatearther waren) dann klingt das irgendwie vertraut. Quote
Domingo Posted September 21 Report Posted September 21 Reshit ist nunmal status constructus, also heißt es eindeutig "Anfang von." Oder? Wo liegt mein Fehler? Quote
Higgs Boson Posted September 21 Report Posted September 21 vor 14 Minuten schrieb Domingo: Reshit ist nunmal status constructus, also heißt es eindeutig "Anfang von." Oder? Wo liegt mein Fehler? reshit ist weiblich, constructus und absolutus unterscheiden sich hier nicht. Man kann das sowohl als auch übersetzen. bara hingegen ist ein Verb, Vergangenheit, also noch nicht mal Partizip. Man kann es auch als defektive Schreibweise postulieren und passend zum constructus ein Substantiv einbauen aber dann müsste dort bero punktiert worden sein. Dann kann man den constructus dort hineinlesen. Die Masoreten haben das so entschieden. Ohne sie wäre die Übersetzung 'In Schöpfungs Anfang Gott die Himmel und das Land' möglich. Quote
Domingo Posted September 21 Report Posted September 21 vor 1 Stunde schrieb Higgs Boson: reshit ist weiblich, constructus und absolutus unterscheiden sich hier nicht. In meinen Materialien (einschl. Weninger's The Semitic Languages, p. 496) steht, dass der status absolutus rishonah ist... Übrigens ist Rishon (ohne die Endung -ah) ein jüdischer Name, oder? Wie in Star Treks Episode The Survivors. Quote
Weihrauch Posted September 22 Report Posted September 22 (edited) vor 4 Stunden schrieb KevinF: Wenn man mit "Am Anfang von" übersetzt, dann ist klar, dass Vers 1 eine Überschrift ist, ähnlich wie es ja auch @Higgs Boson und @Weihrauch lesen. Und dann wäre es auch keine Schöpfung aus dem Nichts, sondern es wäre am Anfang schon Zeugs da gewesen. Ich lese das nicht als Überschrift. Und egal, ob man Vers 1 allein oder mit Vers 2 als einen Satz liest, hängt es davon ab, wer dieser elohim eigentlich sein soll, ob das Land erschaffen wurde, oder schon da war. Elohim kann jede damals bekannte Gottheit sein. Der Inhalt des 1. Verses stimmt nur, wenn elohim Marduk ist, denn Marduk macht im Enuma Elisch aus der Leiche von Tiamat den Himmel und das Land. Der Inhalt des 2. Verses stimmt aber schon nicht mehr mit dem Enuma Elisch überein, weil es im Enuma Elisch von Anfang an hell und nicht finster ist. Im Enuma Elisch wird das Licht nicht erschaffen. Hier dagegen schwebt der Geist elohims zuerst in der Finsternis über dem Land am Grunde der Tiefe und danach erst erschafft elohim das Licht. "Unser" Erzähler steigt mit seinem "Anfang" des 1. Verses mittendrin im Enuma Elisch ein, und nicht an dem Anfang, den jeder kennt: Als oben der Himmel noch nicht existierte und unten das Land noch nicht entstanden war – Das Problem entsteht, wenn man die vom Erzähler anvisierten Leser beim Lesen nicht mitdenkt. Relevant sind deren Gottesbilder. Der Erzähler holt sie mit dem 1. Vers bei dem ab, was sie kennen, aber schon im zweiten Vers lässt er sie aufhorchen, damit seinen Lesern schnell klar wird, dass es hier nicht um Marduk sondern um eine andere Gottheit geht. Schlag auf Schlag geht die biblische Erzählung in eine ganz andere Richtung, knüpft aber immer wieder an Motive aus dem Enuma Elisch an. Im Folgenden wird dann auch eine ganz andere Geschichte von der Erschaffung des Himmels erzählt, und keine von der Erschaffung des Landes, das schon in der Finsternis des 2. Verses da war. Edited September 22 by Weihrauch Quote
Higgs Boson Posted September 22 Report Posted September 22 (edited) vor 53 Minuten schrieb Domingo: In meinen Materialien (einschl. Weninger's The Semitic Languages, p. 496) steht, dass der status absolutus rishonah ist... Übrigens ist Rishon (ohne die Endung -ah) ein jüdischer Name, oder? Wie in Star Treks Episode The Survivors. Der constructus von rishoah wäre rishonat. -it ist eine durch und durch weibliche Endung im absolutus, die sich auch im constructus nicht ändert. Was im absolutus auf -ah endet ist im constructus nie -it. Weninger irrt. Und Rishon ist zwar ein Männername, Rishit hingegen nicht. Edited September 22 by Higgs Boson Quote
Domingo Posted September 22 Report Posted September 22 Weninger zählt lediglich rishonah unter den Ordinalzahlen auf, bei denen er keine constructus-Formen angibt (vermutlich, weil sie regelmäßig sind?). Dass reshit status constructus von rishonah sei, habe ich glaubich von Dan McClellan gehört (ich mag ihn missverstanden haben); das Argument war halt, dass man, hätte der Genesisautor "im Anfang" sagen wollen, berishonah erwarten würde. Doch wo Du recht hast hast Du recht: reshit ist laut Wörterbuch (auch) status absolutus, belegt in Is 46:10 und wohl anderswo, so ist das Argument nicht so zwingend, wie ich dachte. Zitat Was im absolutus auf -ah endet ist im constructus nie -it. Es müsste nat. auf -at enden; doch unregelmäßige Formen sind in allen Sprachen gerade bei vielgebrauchten Wörtern keine Seltenheit. Auch werden oft verschiedene Wurzeln in ein einziges Lexem gepackt: Zum Beispiel bilden im Deutschen Verben, die mit b anfangen, nie ein Perfekt mit w - und dennoch haben wir ich bin / ich war. Adjektive mit g bilden nie einen Komparativ in b - Moment, aus "gut" wird ja "besser"; wie das wohl passiert ist? Und rishon(ah) wird meines Wissens nie im constructus benutzt, also is reshit wohl der de facto status constructus davon. Aber ja, mein Fehler war, zu denken, dass reshit nur constructus sei. Ich will Dan McClellan nicht für meinen Fehler verantwortlich machen; ich habe wol nurin seine Worte zuviel hineingelesen. Quote
Domingo Posted September 22 Report Posted September 22 vor 16 Stunden schrieb Higgs Boson: Man kann es auch als defektive Schreibweise postulieren und passend zum constructus ein Substantiv einbauen aber dann müsste dort bero punktiert worden sein. Dann kann man den constructus dort hineinlesen. Ich habe mal eine andere Interpretation gehört, nach der asher vor bara weggelassen worden sein soll; asher soll hier "dass", english "that" bedeuten (also einen ganzen Nebensatz mit bara als finitem Verb einleiten); und wie "that" im Englischen kann asher im Hebräischen weggelassen werden. Quote
KevinF Posted September 22 Report Posted September 22 4 hours ago, Domingo said: das Argument war halt, dass man, hätte der Genesisautor "im Anfang" sagen wollen, berishonah erwarten würde. So in etwa hatte ich es auch verstanden. Die Gegenposition scheint zu sein, dass "bereschit" im Sinne von "am Anfang von" im Kontext des restlichen Satzes auch seltsam sei. Aber ich habe fast alles vergessen, was ich je über hebräische Grammatik wusste und meine Kenntnisse sind noch lange nicht aufgefrischt genug, als dass ich das fachlich wirklich beurteilen könnte. Quote
KevinF Posted September 22 Report Posted September 22 18 hours ago, Weihrauch said: Ich lese das nicht als Überschrift. Okay, sorry, dann hatte ich Dich im anderen Thread falsch interpretiert. 18 hours ago, Weihrauch said: Ich lese das nicht als Überschrift. Und egal, ob man Vers 1 allein oder mit Vers 2 als einen Satz liest, hängt es davon ab, wer dieser elohim eigentlich sein soll, ob das Land erschaffen wurde, oder schon da war. Elohim kann jede damals bekannte Gottheit sein. Der Inhalt des 1. Verses stimmt nur, wenn elohim Marduk ist, denn Marduk macht im Enuma Elisch aus der Leiche von Tiamat den Himmel und das Land. Der Inhalt des 2. Verses stimmt aber schon nicht mehr mit dem Enuma Elisch überein, weil es im Enuma Elisch von Anfang an hell und nicht finster ist. Im Enuma Elisch wird das Licht nicht erschaffen. Hier dagegen schwebt der Geist elohims zuerst in der Finsternis über dem Land am Grunde der Tiefe und danach erst erschafft elohim das Licht. "Unser" Erzähler steigt mit seinem "Anfang" des 1. Verses mittendrin im Enuma Elisch ein, und nicht an dem Anfang, den jeder kennt: Als oben der Himmel noch nicht existierte und unten das Land noch nicht entstanden war – Das Problem entsteht, wenn man die vom Erzähler anvisierten Leser beim Lesen nicht mitdenkt. Relevant sind deren Gottesbilder. Der Erzähler holt sie mit dem 1. Vers bei dem ab, was sie kennen, aber schon im zweiten Vers lässt er sie aufhorchen, damit seinen Lesern schnell klar wird, dass es hier nicht um Marduk sondern um eine andere Gottheit geht. Schlag auf Schlag geht die biblische Erzählung in eine ganz andere Richtung, knüpft aber immer wieder an Motive aus dem Enuma Elisch an. Im Folgenden wird dann auch eine ganz andere Geschichte von der Erschaffung des Himmels erzählt, und keine von der Erschaffung des Landes, das schon in der Finsternis des 2. Verses da war. Du meinst also, der Autor sagt zwar, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat, meint das aber gar nicht so, weil das irgendwie eine Anspielung auf das Enuma Elisch sei? Das erschließt sich mir nicht wirklich, selbst wenn es eine Anspielung ist, hebt das doch den Sinn der Aussage nicht auf. Und das Land wird in dem Text imo so sehr oder wenig erschaffen wie der/die Himmel. Gut, beim Himmel muss man demnach nicht nur Wasser scheiden, sondern auch hämmern oder so ähnlich, aber das halte ich jetzt nicht für einen wesentlichen Unterschied. Quote
KevinF Posted September 22 Report Posted September 22 22 hours ago, Higgs Boson said: Enuma Elisch beginnt mit Als oben der Himmel noch nicht existierte und unten die Erde noch nicht entstanden war – (Und natürlich auch hier die übliche Verwirrung um Erde und Land, weil das auch Flatearther waren) dann klingt das irgendwie vertraut. Ja, aber daraus kann man ein Argument pro UND contra machen: Pro, der Autor wollte es auch so machen oder contra, er wollte sich bewusst davon absetzen. Hilft darum glaube ich nicht wirklich weiter. Quote
Weihrauch Posted September 22 Report Posted September 22 vor 17 Minuten schrieb KevinF: Und das Land wird in dem Text imo so sehr oder wenig erschaffen wie der/die Himmel. Ich kann dir anhand des Textes zeigen, wo die Erschaffung des Himmels beschrieben wird: Zitat Gen 1,6-8 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. Ich kann dir anhand des Textes nicht zeigen, wo die Erschaffung des Landes beschrieben wird. Kannst du mir anhand des Textes zeigen, wo die Erschaffung des Landes beschrieben wird? Quote
Higgs Boson Posted September 22 Report Posted September 22 (edited) vor 5 Stunden schrieb Domingo: Weninger zählt lediglich rishonah unter den Ordinalzahlen auf, bei denen er keine constructus-Formen angibt (vermutlich, weil sie regelmäßig sind?). Dass reshit status constructus von rishonah sei, habe ich glaubich von Dan McClellan gehört (ich mag ihn missverstanden haben); das Argument war halt, dass man, hätte der Genesisautor "im Anfang" sagen wollen, berishonah erwarten würde. Doch wo Du recht hast hast Du recht: reshit ist laut Wörterbuch (auch) status absolutus, belegt in Is 46:10 und wohl anderswo, so ist das Argument nicht so zwingend, wie ich dachte. rischonah ist ein Adjektiv, man kann da zwar einen constructus konstruieren, aber das ergibt keinen Sinn. vor 5 Stunden schrieb Domingo: Ich habe mal eine andere Interpretation gehört, nach der asher vor bara weggelassen worden sein soll; asher soll hier "dass", english "that" bedeuten (also einen ganzen Nebensatz mit bara als finitem Verb einleiten); und wie "that" im Englischen kann asher im Hebräischen weggelassen werden. Da müsste man aber weitere Verse mit einbeziehen, der nächste Vers beginnt aber mit einem 'und' und beginnt damit einen neuen Satz. Den kann man zwar als Einschub betrachten, damit, als Gott mit Schöpfungs Anfang beginnt, Land-Wasse-Antlitz-usw, indem er sagt, es werde Licht, aber das funktioniert nur mit einem deutschen Gehirn. Das Hebräische kennt keine verschurbelten Schachtelsätze. (Das macht die Sprache so übersichtlich und Aufsätze sind meine absolute Leidenschaft geworden.) Edited September 22 by Higgs Boson Quote
Higgs Boson Posted September 22 Report Posted September 22 vor einer Stunde schrieb KevinF: Ja, aber daraus kann man ein Argument pro UND contra machen: Pro, der Autor wollte es auch so machen oder contra, er wollte sich bewusst davon absetzen. Hilft darum glaube ich nicht wirklich weiter. Was immer er wollte, er wollte eine Referenz herstellen. Dass er sich dann den ganzen Götterkrieg spart und sieben Tage sieben Tafeln gegenüberstellt, ist jedenfalls auch eine Aussage Quote
Domingo Posted September 23 Report Posted September 23 vor 4 Stunden schrieb Higgs Boson: rischonah ist ein Adjektiv, man kann da zwar einen constructus konstruieren, aber das ergibt keinen Sinn. Es wird aber sehr oft substantivisch benutzt, insbesondere in barishonah u.ä., also wäre ein status constructus vielleicht doch sinnvoll? Oder man benutzt dann eben bereshit. vor 4 Stunden schrieb Higgs Boson: Da müsste man aber weitere Verse mit einbeziehen, der nächste Vers beginnt aber mit einem 'und' und beginnt damit einen neuen Satz. Viele Sätze im AT enthalten w ("und") in Fällen, wo wir nie "und" benutzen würden. Also etwas wie "Wenn/als X passierte, w reagierte Y so..." vor 4 Stunden schrieb Higgs Boson: Das Hebräische kennt keine verschurbelten Schachtelsätze. (Das macht die Sprache so übersichtlich und Aufsätze sind meine absolute Leidenschaft geworden.) Genau, Hebräisch ist sehr parataktisch. Gerade deswegen wird w oft so benutzt wie oben dargelegt, insbesodnere wenn der Satz lang wird (wie eben in Gen. 1ff.). Quote
KevinF Posted September 23 Report Posted September 23 (edited) On 9/22/2026 at 9:32 PM, Weihrauch said: Ich kann dir anhand des Textes zeigen, wo die Erschaffung des Himmels beschrieben wird: Ich kann dir anhand des Textes nicht zeigen, wo die Erschaffung des Landes beschrieben wird. Kannst du mir anhand des Textes zeigen, wo die Erschaffung des Landes beschrieben wird? Da Du ja sagst, dass Du Vers 1 NICHT als Überschrift verstehst, kann ich einfach sagen: In Vers 1 (gut, nicht "beschrieben", aber es wird ausgesagt). Wenn man Vers 1 als Überschrift sieht, wäre die Frage, inwiefern es berechtigt ist, das hebräische Verb, das wir hier als "schaffen" übersetzen, bero (בְּרֹא) für das Freilegen des Landes (und gegebenfalls für das, was sonst noch bezüglich des Landes/der Erde getan wird) zu verwenden. Es gibt Experten, die dies als berechtigt sehen, d.h. בְּרֹא im Sinne von "ordnen", "Funktion geben" o.Ä. Edited September 23 by KevinF Quote
Weihrauch Posted September 24 Report Posted September 24 vor 8 Stunden schrieb KevinF: Da Du ja sagst, dass Du Vers 1 NICHT als Überschrift verstehst, kann ich einfach sagen: In Vers 1 Ja. vor 13 Stunden schrieb KevinF: Wenn man Vers 1 als Überschrift sieht, wäre die Frage, inwiefern es berechtigt ist, das hebräische Verb, das wir hier als "schaffen" übersetzen, bero (בְּרֹא) für das Freilegen des Landes (und gegebenfalls für das, was sonst noch bezüglich des Landes/der Erde getan wird) zu verwenden. Es gibt Experten, die dies als berechtigt sehen, d.h. בְּרֹא im Sinne von "ordnen", "Funktion geben" o.Ä. Ja. Siehe Jos 17,15.18 1 Quote
Recommended Posts
Join the conversation
You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.