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Synodaler Weg - schon versperrt?


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Geschrieben
vor 37 Minuten schrieb Werner001:

Das Problem dabei ist, dass diese Offenbarung, die die Kirche als Maßstab für ihre „Wahrheit“ nimmt, von der Kirche selbst festgelegt wird.

Wenn ich selbst den Maßstab festlege, passt immer alles haargenau, von dem ich möchte, dass es passt

 

Werner

 

Da die Kirche - seinerzeit ja viel weniger zentralistisch als heute - vor über 1.500 Jahren den Kanon der Offenbarung festgelegt hat, und weil die Schriften noch älter sind, und da seitdem viel passiert ist, passt es allerdings wohl auch nur haargenau, wenn man der Kirche eine sehr weit gefasste Interpretations-Prärogative bei der Interpretation der Offenbarung einräumt. (Wobei wohl bereits die Formulierung, dass "die Kirche" den Kanon festgelegt hat, mindestens missverständlich ist.)

Geschrieben
vor 1 Stunde schrieb iskander:

Dessen ungeachtet ist nach Meinung der Kirche das, was die Offenbarung beschreibt, ein Teil der Realität (wenn weithin auch kein empirisch zugänglicher)

Das ist letztlich dasselbe. Man behauptet, etwas sei mit Sicherheit wahr, obwohl es für niemanden empirisch zugänglich ist. Das geht nur mit einem speziellen Wahrheitsbegriff. Mit dem üblichen müßte man solche Behauptungen als Hypothese bezeichnen.   

Geschrieben (bearbeitet)
vor 20 Minuten schrieb Merkur:

Das ist letztlich dasselbe. Man behauptet, etwas sei mit Sicherheit wahr, obwohl es für niemanden empirisch zugänglich ist. Das geht nur mit einem speziellen Wahrheitsbegriff. Mit dem üblichen müßte man solche Behauptungen als Hypothese bezeichnen.   

 

Deswegen spricht die Kirche auch von "Glaubenswahrheit". Eine Wahrheit des Glaubens ist nicht weniger wahr, sondern nur weniger empirisch belegbar.

 

Es gibt natürlich sehr viele potentiell wahre Aussagen, die empirisch nicht belegbar sind und nichts mit rel. Glauben zu tun haben. Der Begriff "Glaubenswahrheit" ist allerdings eher für den rel. Kontext reserviert.

 

Bleibt man begrifflich innerhalb der reinen Empirie, wären dies Hypothesen, korrekt.

bearbeitet von rorro
Geschrieben (bearbeitet)
vor 2 Stunden schrieb Merkur:

Das ist letztlich dasselbe. Man behauptet, etwas sei mit Sicherheit wahr, obwohl es für niemanden empirisch zugänglich ist. Das geht nur mit einem speziellen Wahrheitsbegriff. Mit dem üblichen müßte man solche Behauptungen als Hypothese bezeichnen.   

 

Nein. Wenn die Kirche behauptet, dass ihre Lehre wahr sei, dann verwendet sie dabei ganz offensichtlich den normalen und üblichen Wahrheitsbegriff: Sie meint, dass die Wirklichkeit so beschaffen sei, wie sie, die Kirche, es lehrt (also hier etwa die moralische Wirklichkeit, oder die Wirklichkeit der göttlichen Ordnung usw.). Die Kirche glaubt, dass das, was sie sagt, keine Einbildung, sondern tatsächlich der Fall ist. Das ist der naheliegende Sinn ihrer Lehren. So wird das allgemein verstanden, und ich wüsste nicht, was gegen diese Interpretation spräche; ja, ich wüsste noch nicht einmal, wie eine alternative Interpretation auch nur aussehen könnte.

 

Du verwechselst hier zwei unterschiedliche Prinzipien:

 

a) "Wir verstehen unter Wahrheit etwas ganz anderes als Ihr."

b) "Wir verstehen unter Wahrheit das gleiche wie ihr - aber wir glauben, dass wir dank einer besonderen göttlichen Gnade in manchen Bereichen mehr von der Wahrheit erfassen als andere."

 

Die Position der Kirche entspricht b) - sie glaubt, einen (erkenntnistheoretisch) privilegierten Zugang zu bestimmten Aspekten der Wirklichkeit (und also auch zur Wahrheit im üblichen Sinne) zu haben, weil Gott sie durch eine besondere Gnade leitet. 

 

Wäre es anders und würde die Kirche unter "Wahrheit" etwas wesentlich andres verstehen als allgemein üblich, dann gäbe es zwischen der Kirche und ihren Kritikern gar keine Meinungsunterschiede in der Sache, sondern man würde einfach aneinander vorbeireden. Wenn die Kirche ihre Aussagen etwa dazu, was moralisch erlaubt und was verboten ist, gerade nicht im Sinne des üblichen Wahrheitsbegriffs verstanden wissen wollte, sondern beispielsweise nur als poetischen Ausdruck oder als Allegorie, dann gäbe es auch wenig Grund zu Spannungen. Dann hätte es weder massive Proteste gegen die kirchliche Lehre gegeben, noch umfassende Maßregelungen von Theologen mit abweichender Meinung. 

 

Wenn ich aber recht habe und die Kirche im naheliegenden und üblichen Sinne beansprucht, dass ihre Sexuallehre wahr ist, dann bleibt es aber bei dem, was ich gesagt hatte: Dann war die Kirche früher (noch unter JPII) konsequenter als heute. 

 

bearbeitet von iskander
Geschrieben
vor 9 Stunden schrieb rorro:

 

Deswegen spricht die Kirche auch von "Glaubenswahrheit". Eine Wahrheit des Glaubens ist nicht weniger wahr, sondern nur weniger empirisch belegbar.

Dieser Aspekt sollte eben im Gespräch gekennzeichnet werden: Handelt es sich um eine "Glaubenswahrheit" oder um eine richtige? Das sollte man erkennen können, wenn von "wahr" die Rede ist. 

Geschrieben
vor 7 Stunden schrieb iskander:

Du verwechselst hier zwei unterschiedliche Prinzipien:

a) "Wir verstehen unter Wahrheit etwas ganz anderes als Ihr."

b) "Wir verstehen unter Wahrheit das gleiche wie ihr - aber wir glauben, dass wir dank einer besonderen göttlichen Gnade in manchen Bereichen mehr von der Wahrheit erfassen als andere."

 

 

 

Wo liegt da der Unterschied? Nach dem ganz normalen Wahrheitsbegriff hat sie diesen privilegierten Zugang nicht. Sie interpretiert bestimmte Texte auf die gleiche Weise wie andere Menschen auch. Die Behauptung, man erfasse mehr von der Wahrheit als andere, wäre danach unwahr. 

 

Wie interpretierst du z.B. diesen Passus des Katechismus:

 

Zitat

215 (...) Gott ist die Wahrheit selbst; seine Worte können nicht täuschen. Darum kann man voll Vertrauen sich in allem seiner Wahrheit und der Verläßlichkeit seines Wortes überantworten. (…)

Ist das nur poetische Rede oder wird Wahrheit hier anders definiert als üblich? 

 

Geschrieben
vor 31 Minuten schrieb Merkur:

Dieser Aspekt sollte eben im Gespräch gekennzeichnet werden: Handelt es sich um eine "Glaubenswahrheit" oder um eine richtige? 

 

Noch einmal: eine Glaubenswahrheit ist eine „richtige“. 

Nichts wird durch einen empirischen Beleg wahr.

 

Einfaches Beispiel: auch schon vor dem ersten Mikroskop gab es Bakterien. Bis dahin war eine Behauptung der Existenz derselben eine nicht religiöse Glaubenswahrheit (da empirisch nicht zugänglich) und somit zu glauben oder nicht - an dem Wahrheitsgehalt des Satzes „es gibt kleinste Organismen, die wir Bakterien nennen können“ hat sich seither aber nichts geändert.

Geschrieben
vor 1 Stunde schrieb rorro:

Einfaches Beispiel: auch schon vor dem ersten Mikroskop gab es Bakterien. Bis dahin war eine Behauptung der Existenz derselben eine nicht religiöse Glaubenswahrheit (da empirisch nicht zugänglich) und somit zu glauben oder nicht - an dem Wahrheitsgehalt des Satzes „es gibt kleinste Organismen, die wir Bakterien nennen können“ hat sich seither aber nichts geändert.

Es stimmt natürlich, dass durch einen empirischen Beleg nichts wahr wird. Der Unterschied im Wahrheitsbegriff liegt in der Täuschung über die Gewissheit der Aussage. Diesen Aspekt läßt du in deinem Beispiel weg, er kommt aber in Aussagen mit religiösem Wahrheitsanspruch vor. Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

Geschrieben
vor 7 Minuten schrieb Merkur:

Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

Nein, warum? Du unterstellst, dass absolute Gewissheit nur auf Wahrnehmung des Seh-Sinnes beruhn könne. Das ist aber nicht so.

Geschrieben
vor 7 Minuten schrieb Merkur:

Es stimmt natürlich, dass durch einen empirischen Beleg nichts wahr wird. Der Unterschied im Wahrheitsbegriff liegt in der Täuschung über die Gewissheit der Aussage. Diesen Aspekt läßt du in deinem Beispiel weg, er kommt aber in Aussagen mit religiösem Wahrheitsanspruch vor. Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

Vorallem war der Satz "Es gibt keine Bakterien" vor der Erfindung des Mikroskops ebenso falsch wie danach.

Geschrieben (bearbeitet)
vor 55 Minuten schrieb Merkur:

Es stimmt natürlich, dass durch einen empirischen Beleg nichts wahr wird. Der Unterschied im Wahrheitsbegriff liegt in der Täuschung über die Gewissheit der Aussage. Diesen Aspekt läßt du in deinem Beispiel weg, er kommt aber in Aussagen mit religiösem Wahrheitsanspruch vor. Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

 

Die Gewißheit der Aussage ist auch bei vielen empirisch belegbaren „Wahrheiten“ begrenzt.

 

Die Empirie kann sich nämlich ändern, das Verständnis vertiefen etc.

 

Es gibt sehr viele Aussagen, die nur hinreichend korrekt sind, faktisch aber falsch. 

 

Zu sagen bspw.: dieser Sack hat ein Gewicht von 20 kg - genaugenommen ist das falsch.

 

Das Gewicht ist nur auf der Erde 20 kg, auf dem Mond wäre es deutlich geringer. Die Masse ist 20 kg.

 

Und Wasser kocht selbst auf der Erde nicht überall bei 100 Grad Celsius.

 

Und einige „Gewißheiten“, die zu Beginn meines Studiums noch als unverrückbar galten, haben sich längst als falsch erwiesen.

 

Als Student habe ich mal bei einer Podiumsdiskussion bei einem Dies academicus gefragt, ob in einem Labor „Wahrheit“ produziert oder entdeckt werde.

 

Die Aussagen differierten stark. Reine Naturwissenschaftler ohne geisteswiss. Interesse oder Hintergrund waren da sehr selbstbewußt, die anderen sehr zurückhaltend…

bearbeitet von rorro
Geschrieben (bearbeitet)
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Es stimmt natürlich, dass durch einen empirischen Beleg nichts wahr wird. Der Unterschied im Wahrheitsbegriff liegt in der Täuschung über die Gewissheit der Aussage. Diesen Aspekt läßt du in deinem Beispiel weg, er kommt aber in Aussagen mit religiösem Wahrheitsanspruch vor. Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

 

Das kommt wieder auf die Definition von „Wissen“ an, womit sich die Katze in den Schwanz beißt. 

 

Falsch wäre hier der Satzbeginn „Wir wissen mit absoluter Gewißheit…“

 

Dem einzelnen möchte ich die Gewißheit nicht absprechen, warum auch. Auch wenn ich es inhaltlich für falsch halte.

bearbeitet von rorro
Geschrieben
vor 30 Minuten schrieb rorro:

 

Die Gewißheit der Aussage ist auch bei vielen empirisch belegbaren „Wahrheiten“ begrenzt. ...

Alles richtig, ich finde es nur angemessen, dass man im Zweifelsfall dazusagt, woher man seine Weisheit hat. Sie einfach nur als wahr zu bezeichnen erweckt den Eindruck, in einer Liga mitspielen zu wollen, der man nicht angehört. 

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Alles richtig, ich finde es nur angemessen, dass man im Zweifelsfall dazusagt, woher man seine Weisheit hat. Sie einfach nur als wahr zu bezeichnen erweckt den Eindruck, in einer Liga mitspielen zu wollen, der man nicht angehört. 

 

Wenn es bei Dir den Eindruck erweckt - einfach nachfragen.

 

Mein Eindruck ist eher bei naturwiss. "Wahrheiten", daß viele dieser "Wahrheitsvekünder" sich der Begrenztheit ihrer Gewißheit nicht bewußt sind.

Geschrieben (bearbeitet)
vor 7 Stunden schrieb Merkur:

Wo liegt da der Unterschied? Nach dem ganz normalen Wahrheitsbegriff hat sie diesen privilegierten Zugang nicht. Sie interpretiert bestimmte Texte auf die gleiche Weise wie andere Menschen auch. Die Behauptung, man erfasse mehr von der Wahrheit als andere, wäre danach unwahr. 

 

Das liegt nicht am "Wahrheit-Begriff". Bei diesem geht es darum, was man unter Wahrheit versteht (hier: unter der Wahrheit von Aussagen, Überzeugungen, Propositionen usw.). Und da gibt es keinerlei Grund daran zu zweifeln, dass die Kirche das gleiche meint wie jeder andere, wenn sie behauptet, dass etwas wahr bzw. falsch sei: Eben dass der behauptete Sachverhalt tatsächlich besteht bzw. nicht besteht. 

 

Dieser grundlegende Wahrheitsbegriff sagt nichts darüber aus, ob die Kirche dank einer besonderen göttlichen Gnade und Führung mehr von der Wahrheit entdecken und mit Gewissheit erkennen kann als andere, oder ob das nicht der Fall ist. Die Kirche kann durchaus daran festhalten, dass für sie eine Überzeugung genau dann wahr ist, wenn sie der Wirklichkeit gerecht wird, und sie kann dennoch behaupten, beim Erkennen der Wahrheit durch Gottes Gnade privilegiert zu sein - sowohl was den Umfang wie auch die Gewissheit der Erkenntnis angeht. Da besteht kein Widerspruch. Wie überzeugend die Auffassung der Kirche ist, mehr von der Wahrheit zu erfassen als andere, ist eine andere, komplexere Frage. 

 

vor 7 Stunden schrieb Merkur:

Wie interpretierst du z.B. diesen Passus des Katechismus:

 

Zitat

215 (...) Gott ist die Wahrheit selbst; seine Worte können nicht täuschen. Darum kann man voll Vertrauen sich in allem seiner Wahrheit und der Verläßlichkeit seines Wortes überantworten. (…)

Ist das nur poetische Rede oder wird Wahrheit hier anders definiert als üblich? 

 

Hier muss man unterscheiden:

a) In welchem Sinne will die Kirche ihre Aussagen als "wahr" verstanden wissen?

b) Was meint die Kirche mit "Wahrheit", wenn sie sagt, dass Gott die Wahrheit sei?

 

Zu a)

Die Kirche legt hier in Bezug auf ihre Aussagen offensichtlich den ganz normalen "Aussagen"-Wahrheitsbegriff zugrunde. Sie meint, dass es sich tatsächlich so verhält, dass Gott die Wahrheit ist, dass man seinem Wort vertrauen kann usw.

 

Zu b) 

Wenn die Kirche (oder Theologen wie z.B. Thomas von Aquin) zudem sagen, dass Gott selbst die Wahrheit sei, dann geht es hier natürlich um einen anderen Wahrheitsbegriff. Mit diesem anderen Wahrheitsbegriff bezieht man sich aber nicht auf Aussagen, sondern eben auf Gott. Deshalb ersetzt dieser spezielle Wahrheitsbegriff den üblichen "aussagenlogischen" Wahrheitsbegriff nicht, sondern ergänzt ihn. Wenn die Kirche sagt, dass Gott die Wahrheit sei, so ist das auch nicht poetisch gemeint. Dazu und zum Verhältnis dieser Wahrheitsbegriffe eine KI-Antwort (Grok mit minimalen Anpassungen/Korrekturen von mir):

 

Hier die KI-Antwort:

 

Die Wahrheit von Aussagen (logische oder propositionale Wahrheit) bei Thomas von Aquin und in der katholischen Tradition versteht sich primär als adaequatio rei et intellectus – also als Übereinstimmung oder Angleichung zwischen der Sache (res) und dem Verstand (intellectus).

Eine Aussage (z. B. „Der Himmel ist blau“) ist wahr, wenn das, was der Verstand denkt oder aussagt, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Thomas bezieht sich dabei auf Aristoteles: Wahrheit liegt vor, wenn man sagt, „dass das Seiende ist und das Nicht-Seiende nicht ist“. Diese Wahrheit wird vor allem im urteilenden Verstand vollzogen (im Zusammensetzen und Trennen von Begriffen), nicht primär in den Dingen selbst oder in den Sinnen.

Dinge selbst können in einem abgeleiteten Sinn „wahr“ genannt werden: Ein Stein ist „wahr“, wenn er seiner Natur entspricht (also das realisiert, was der göttliche Verstand als Idee von ihm vorgesehen hat). Aber die eigentliche, formale Wahrheit findet sich im erkennenden Geist.

Dies ist eine Korrespondenztheorie der Wahrheit: Wahrheit misst sich an der Übereinstimmung mit der Realität. Sie ist objektiv, aber das menschlichen Erkennen ist eingeschränkt – der Mensch kann irren, weil unser Verstand begrenzt und fehlbar ist.

Gott selbst ist die Wahrheit

Thomas (und die Tradition, z. B. in Anknüpfung an Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“) lehrt, dass Gott nicht nur wahrhaftig oder die Quelle der Wahrheit ist, sondern die Wahrheit selbst (ipsa summa et prima veritas).

Warum?

  • In Gott fallen Sein und Erkennen vollkommen zusammen. Gottes Wesen (esse) ist identisch mit seinem Verstand und seinem Erkennen. Es gibt bei ihm keine Diskrepanz zwischen dem, was er ist, und dem, was er erkennt.
  • Gott ist das Maß und die Ursache aller Dinge und aller Wahrheit. Die geschaffenen Dinge sind in dem Maße „wahr“, wie sie der Idee entsprechen, die Gott von ihnen hat (exemplarursächlich).
  • Alle Wahrheit partizipiert an der göttlichen Wahrheit. So wie alles Gute am höchsten Guten teilhat, so hat jede wahre Erkenntnis oder Aussage teil an der einen, ersten Wahrheit, die Gott ist.

Gott ist also nicht nur der Garant der Wahrheit (weil er nicht lügen kann und alles durchschaut), sondern ontologisch die Wahrheit in höchster Vollkommenheit: unfehlbar, ewig, unveränderlich und die Ursache aller anderen Wahrheit.

Wie verhalten sich die beiden Wahrheitsbegriffe zueinander?

Sie stehen in einem Teilhabe- oder Analogieverhältnis (nicht in einem Gegensatz oder bloßen Nebeneinander):

  1. Gott ist die ursprüngliche, vollkommene Wahrheit (Wahrheit im eminenten, subsistierenden Sinn). Sie ist absolut, einfach und identisch mit seinem Wesen.
  2. Die Wahrheit von Aussagen ist eine abgeleitete, partizipierte Wahrheit. Aussagen sind wahr, weil und insofern sie mit der von Gott geordneten Wirklichkeit übereinstimmt. Die geschaffene Wahrheit „fließt“ gewissermaßen aus der göttlichen Wahrheit und ist auf sie hingeordnet.

Thomas erklärt in De veritate und der Summa Theologiae (I, q. 16), dass Wahrheit primär im (göttlichen) Intellekt ist und sekundär in den Dingen, je nach ihrer Beziehung zum Intellekt. Menschliche Aussagen-Wahrheit ist eine weitere Stufe dieser Teilnahme.

Verständlich zusammengefasst: Stell dir Gott als die helle, vollkommene Lichtquelle vor. Die Wahrheit von Aussagen ist wie das Licht, das auf Gegenstände fällt und sie sichtbar macht – es ist dasselbe Licht, aber abgeschwächt und vermittelt durch die Schöpfung. Ohne die Quelle gäbe es kein abgeleitetes Licht. Gleichzeitig ist das abgeleitete Licht real und zuverlässig, weil es vom Ursprung kommt.

Dieses Verständnis ist typisch für die katholische Theologie: Es verbindet eine realistische Erkenntnistheorie (man kann wirklich Wahrheit erkennen) mit einer theozentrischen Ontologie (alles gründet letztlich in Gott). Es vermeidet sowohl reinen Relativismus (Wahrheit ist nicht bloß subjektiv) als auch einen starren Rationalismus (Wahrheit ist nicht losgelöst von Gott).

In der Praxis bedeutet das für den Gläubigen: Das Streben nach intellektueller Wahrhaftigkeit (korrekte Aussagen) ist zugleich ein Weg zu Gott selbst, der die Wahrheit ist.

 

[Ende der KI-Antwort und eine Anmerkung von mir: Umso mehr sollte der Gläubige dann wohl auch immer offen für die Wahrheit sein - also auch dort, wo sie ihm womöglich nicht gefallen mag.]

bearbeitet von iskander
Geschrieben

Ich finde es bemerkenswert, wie erfinderisch Theologen sein können, um bei einem bestimmten zentralen Begriff einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wahrscheinlich ist es mit der Vernunft und anderen Begriffen ähnlich. 

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Ich finde es bemerkenswert, wie erfinderisch Theologen sein können, um bei einem bestimmten zentralen Begriff einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wahrscheinlich ist es mit der Vernunft und anderen Begriffen ähnlich.

 

In diesem Fall muss man die Theologen doch etwas in Schutz nehmen. Die Überzeugung, dass Gott die Wahrheit sei, geht in einem gewissen Sinne auf die vorchristliche Philosophie zurück, vor allem auf den (Neu-)Platonismus. Dahinter steht die Überzeugung, dass es eine höchste, alles andere begründende Wirklichkeit gibt. Anderswo (zum Beispiel im Hinduismus) gibt es ähnliche Traditionen. 

Geschrieben
vor 9 Stunden schrieb SteRo:

Nein, warum? Du unterstellst, dass absolute Gewissheit nur auf Wahrnehmung des Seh-Sinnes beruhn könne. Das ist aber nicht so.

Der Satz war deswegen falsch, weil es zu diesem Zeitpunkt eben keiner wissen konnte. 
Der Satz „es gibt Bakterien“ wäre dagegen richtig gewesen, aber „wissen“ konnte das niemand.

 

Werner

Geschrieben
vor 13 Stunden schrieb Werner001:

Der Satz war deswegen falsch, weil es zu diesem Zeitpunkt eben keiner wissen konnte. 
Der Satz „es gibt Bakterien“ wäre dagegen richtig gewesen, aber „wissen“ konnte das niemand.

 

Werner

 

Daneben. Lies noch mal in Ruhe (also nur was geschrieben ist):

vor 22 Stunden schrieb Merkur:

Beispiel: "Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass es Bakterien gibt." Dieser Satz war (zumindest meiner Meinung nach) vor Erfindung des Mikroskops unwahr. 

vor 22 Stunden schrieb SteRo:

Nein, warum? Du unterstellst, dass absolute Gewissheit nur auf Wahrnehmung des Seh-Sinnes beruhn könne. Das ist aber nicht so.

 

Geschrieben
vor 13 Stunden schrieb Werner001:

Der Satz „es gibt Bakterien“ wäre dagegen richtig gewesen, aber „wissen“ konnte das niemand.

 

Empirisch wissen konnte das niemand. Ist das die einzige Form des Wissens? Gibt es nur Wissen, das allen potentiell zugänglich ist?

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb rorro:

 

Empirisch wissen konnte das niemand. Ist das die einzige Form des Wissens? Gibt es nur Wissen, das allen potentiell zugänglich ist?

Wie ist denn deine Antwort darauf? Gibt es das? Und ist es in gleicher Weise zuverlässig wie empirisch erlangtes? 

Geschrieben
vor 28 Minuten schrieb Merkur:

Wie ist denn deine Antwort darauf? Gibt es das? Und ist es in gleicher Weise zuverlässig wie empirisch erlangtes? 

 

Ja, das gibt es. Und für den Einzelnen kann es genauso zuverlässig sein.

Geschrieben
vor 5 Stunden schrieb SteRo:

 

Daneben. Lies noch mal in Ruhe (also nur was geschrieben ist):

 

 

Da müsste man nochmals in die Wissenschaftsgeschichte gucken - aber ich würde annehmen, dass der Mensch (und um den ging es ja) vor dem Lichtmikroskop nicht mit einer extrem hohen Gewissheit von der Existenz von Bakterien wissen konnte. 

Geschrieben (bearbeitet)

Dann mal zum Thema zurück!

Die Verlogenheit des Satanischen Weges und mancher deutscher Bischöfe(wo bleibt eigentlich die Inquisition, wenn sie mal braucht?) hat bald ihr verdientes Ende, Rom macht diese Häresie nicht mehr mit!

Dazu Magstrauss 

https://youtu.be/0fwXMpa4AIE?is=KLUgHxXzVpysHezS

 

 

 

bearbeitet von atheist666
Wortkorrektur
Geschrieben (bearbeitet)
vor 11 Minuten schrieb atheist666:

Was ist DAS denn für eine???

 

Sieht aus wie ne EKD-Geistliche umd macht ihre Videos auf, wie US-Atheisten es das bei ihren machen (inhaltlich muss ich zugeben, scheint das für mich völlig uninteressant und die Klickzahlen sind jetzt auch nicht besorgniserregend.)

 

Wurdest Du bezahlt, um hier Klicks generieren?

bearbeitet von Flo77

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