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Ist der Glaube an Gott irrational?


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Geschrieben
17 hours ago, phyllis said:

OK, aber wirf bitte Platon nicht in diesen esoterischen Haufen.

 

Alfred North Whitehead formulierte den berühmten Satz (in “Prozess und Realität”):

„Die sicherste allgemeine Charakterisierung der europäischen philosophischen Tradition ist, dass sie aus einer Reihe von Fußnoten zu Platon besteht.“

Platon, über die Neuplatonisten, lieferte die philosophische Grundlage des Christentums. Deswegen ist er so beliebt. Aristoteles hingegen wurde lange Zeit unterdrückt, bis er durch die Renaissance mit Wucht zurückkehrte.

 

Platon gehört zu den Philosophen, die den fragwürdigen Monotheismus in das griechische Denken einführten. Stellt man seine Philosophie vom Kopf auf die Füße, dann sieht man erst, welchen Flurschaden seine Ideen hinterlassen haben.

 

Die Grundlagen des Platonismus in verkürzter Form:

 

Die Welt, also alles, was der Fall ist, ist nicht perfekt. Aber Ideen sind perfekt. Folglich bilden die Ideen die eigentlich wirklich existierende Welt, von der die materielle Welt nur als Schatten existiert.

 

Wie es wirklich ist:

 

Die Welt ist das, was real ist. Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben. Ideen scheinen nur deswegen perfekt zu sein, weil sie über Abstraktion alle Informationen über die Realität verlieren. Perfektion entsteht, wenn man nichts mehr wegnehmen kann, ohne dass es seine Funktion oder Bedeutung verliert. Die Idee eines Kreises steht symbolisch für konkrete Kreise. Alle Informationen über die Beschaffenheit des Kreises wurden eliminiert, nur deswegen scheint die Idee perfekt zu sein. In der Realität kann es keine so perfekten Kreise geben. Auch wenn man Atome perfekt kreisförmig anordnen könnte, hätte man keinen abstrakten Kreis, sondern ein kreisförmiges Punktmuster. Indem man durch Abstraktion die konkreten Informationen beseitigt, erhält man einen vermeintlich perfekten Kreis. Je weniger Informationen über die reale Welt noch vorhanden sind, umso größer scheint die Perfektion zu sein. Aber die Abbildung der Realität ist nicht die Realität selbst. Platon hat den Finger, der auf den Mond zeigt, mit dem Mond selbst verwechselt. Er macht daraus sogar den eigentlichen Mond, von dem der reale Mond nur ein unvollkommener Abklatsch ist.

 

So passend das berühmte Höhlengleichnis auch ist, er ruiniert es gleich wieder, indem er die hohlen Schatten, die durch Weglassen von Informationen (Abstraktion) gebildet werden, zur eigentlichen Welt erklärt. Mit Verlaub, das ist esoterischer Schwachsinn, Bullshit von hohem Rang.

 

Wegen dieses Bullshits ordne ich Platon unter den esoterischen Obskurantisten ein. Man bastelt sich eine Weltanschauung, bei der man sich die Welt nicht einmal anschaut. Stattdessen wirft man alle Informationen weg, die einen stören, damit man seine heiß geliebte Perfektion erhält und den Bullshit dann für real erklärt. Kein Wunder, dass die Christen so begeistert waren, denn genau das führt als Überlegung zu Gott, dem Inbegriff der Perfektion. Dazu muss man nur 99,999…999 Prozent aller Informationen über die Welt wegwerfen, damit man sich in seinem Wolkenkuckucksheim besser einrichten kann.

 

Tut mir leid, aber Platon ist für mich nichts weiter als ein Schwurbler, der seine Intelligenz nur dazu benutzt hat, noch heißere Luft abzusondern. Platon machte Gott zu einer Abstraktion, die so perfekt ist, dass man sich darüber hinaus keinen größeren Unfug mehr vorstellen kann.

Geschrieben (bearbeitet)

Deine Analyse ist perfekt, und das ist das Problem dabei. Denn du nimmst dabei 99.9999 % deiner körperlichen Realität weg, und machst deine Analyse in der Welt deiner abstrakten Ideen in deinem Kopf. Du nimmst einen quasi göttlichen Standpunkt dabei ein - wobei du aber selbst nicht aufhören kannst, an das zu glauben, was du hier über die Realität sagst, weil deine abstrakten Ideen Teil der Realität sind. Wenn du das nächste mal auf der Kloschüssel sitzt, lass es raus und genieße es, ganz Mensch zu sein. In einer scheinbar sinnfreien Welt bist du es, der ihr Sinn und Unsinn verleiht. Shit happens.

 

vor 2 Stunden schrieb Volker:

Die Welt ist das, was real ist. Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.

 

Dazu muss die Realität erst mal von "man" sinnlich realisiert worden sein, auf "man" gewirkt haben, sonst kann "man" nicht aufhören, daran zu glauben, wenn "man" nicht damit angefangen hat. Solange die Realität nicht mit einem "man" wechselgewirkt hat, war sie bedeutungslos. Bedeutung bekommt sie nur, solange ein "man" da ist, der sie sinnlich kennen lernt, und an seine Ideen über die Welt glaubt.

 

So, wie die Realität "man" mit seinen Sinnen und Ideen realisiert hat, so wird sie auch das Aufhören von "man" mit seinen Sinnen und Ideen realisieren. "Man" kann das Erste nicht sein lassen, und muss das Letzte nicht tun. "Man" ist ein Happaning.

bearbeitet von Weihrauch
Geschrieben
vor 7 Stunden schrieb Weihrauch:

Deine Analyse ist perfekt, und das ist das Problem dabei. Denn du nimmst dabei 99.9999 % deiner körperlichen Realität weg, und machst deine Analyse in der Welt deiner abstrakten Ideen in deinem Kopf. Du nimmst einen quasi göttlichen Standpunkt dabei ein - wobei du aber selbst nicht aufhören kannst, an das zu glauben, was du hier über die Realität sagst, weil deine abstrakten Ideen Teil der Realität sind. Wenn du das nächste mal auf der Kloschüssel sitzt, lass es raus und genieße es, ganz Mensch zu sein. In einer scheinbar sinnfreien Welt bist du es, der ihr Sinn und Unsinn verleiht. Shit happens.

 

 

Dazu muss die Realität erst mal von "man" sinnlich realisiert worden sein, auf "man" gewirkt haben, sonst kann "man" nicht aufhören, daran zu glauben, wenn "man" nicht damit angefangen hat. Solange die Realität nicht mit einem "man" wechselgewirkt hat, war sie bedeutungslos. Bedeutung bekommt sie nur, solange ein "man" da ist, der sie sinnlich kennen lernt, und an seine Ideen über die Welt glaubt.

 

So, wie die Realität "man" mit seinen Sinnen und Ideen realisiert hat, so wird sie auch das Aufhören von "man" mit seinen Sinnen und Ideen realisieren. "Man" kann das Erste nicht sein lassen, und muss das Letzte nicht tun. "Man" ist ein Happaning.

Wie sieht es dann mit Aristoteles aus, wenn wir schon über Platon herziehen, @Volker

Geschrieben
Am 20.9.2026 um 04:48 schrieb Volker:

Auch. Die absolute Mehrheit aller Atheisten hegt nicht die Überzeugung, dass es keinen Gott gibt, sondern vielmehr, dass man selbst nicht genug Gründe hat, an einen solchen zu glauben.

 

Viele (wenn nicht die meisten) Atheisten dürften der Meinung sein, dass die Gründe, die für Gott sprechen, so wenig überzeugend sind, dass es vernünftiger ist, von der Nicht-Existenz Gottes als von seiner Existenz auszugehen - was aber doch nichts anderes heißt, als dass es Gott vermutlich nicht gibt. 

 

Am 20.9.2026 um 04:48 schrieb Volker:

Gott ist die Letztbegründung schlechthin. Zumindest gilt das für Monotheisten. Es gibt noch andere Letztbegründungen, aber eine stärkere als den Monotheismus wird man nirgends finden.

 

Letztbegründung in einem ontologischen Sinne, aber doch wohl nicht in einem epistemologischen! (Oder wenn doch dann in einer ganz anderen Weise als der, die wir hier diskutieren.)

 

Am 20.9.2026 um 04:48 schrieb Volker:

Es gibt nur eine einzige Prämisse für das Trilemma: Es gibt Regeln, mit denen man von A auf B schließen kann. Mehr nicht. Wie diese Regeln beschaffen sein müssen, ist nicht Teil der Voraussetzung. Es kann sich um klassische Logik handeln, um nichtklassische Logiken, oder sogar parakonsistente Logiken, in jeder Form. Das Trilemma ist unabhängig davon, wie diese Regeln aussehen.

 

Nein, das Trilemma beruht auf mehreren Prämissen. Hier als semi-formaler Schluss: 

 

1. Eine völlig willkürliche, rein dogmatische Behauptung stellt keine epistemisch gültige Rechtfertigung dar.

2. Ein logischer Zirkel stellt keine gültige epistemische Rechtfertigung dar. 

3. Ein unendlicher Regress stellt keine epistemisch gültige Rechtfertigung dar.

4. Für die gültige Rechtfertigung einer x-beliebigen Überzeugung kommen aber eben nur die drei genannten Möglichkeiten überhaupt in Betracht: Willkürliche dogmatische Behauptung, Zirkelschluss und unendlicher Regress; andere gibt es nicht.

5. Also kann es für keine einzige Überzeugung jemals überhaupt eine gültige Rechtfertigung geben.

 

(Und wenn wir jetzt noch anerkennen, dass eine völlig willkürliche und rational durch nichts zu rechtfertigende Behauptung kein "Wissen" ausdrückt, sondern eine bloße Behauptung bleibt, folgt zwingend, dass es so etwas wie Wissen gar nicht geben kann - auch kein unsichere oder ungefähres.)

 

Ohne alle diese vier Prämissen (1.-4.) folgt die Konklusion (5.) nicht gültig. Kritisch ist dabei natürlich Prämisse 4. Sie besagt implizit, dass die Rechtfertigung einer Überzeugung bzw. einer Proposition immer nur inferenziell, also durch logische Ableitung aus anderen Überzeugungen bzw. Propositionen erfolgen könnte (wenn sie denn gültig erfolgen könnte!) - und dass ansonsten nur der bloße Dogmatismus übrig bleibe. 

 

Und ja, zusätzlich braucht man natürlich auch noch die Regeln eines geeigneten deduktiven Verfahrens, das garantiert, dass dann, wenn die Prämissen wahr sind, auch die Konklusion wahr ist. Dabei muss man natürlich wissen, dass ein solches Verfahren zumindest lokal gültig ist und nicht nur ein Spiel darstellt; sonst hat man ebenfalls keinen gültigen Beweis, sondern nur ein Spiel. (Das gilt immer, egal welche Logik man wählt. Wenn man nicht weiß, ob die Wahrheit der Prämissen die Wahrheit der Konklusion wirklich verbürgt oder eben doch nicht, dann ist alles hinfällig - selbst unter der Annahme, dass die Prämissen wahr sind.) 

 

Um zu wissen, dass man hier einen echten Beweis hat und die Konklusion des Trilemmas wahr ist, müsste man also wissen, dass a) die Prämissen des Trilemmas wahr sind und b) die Logik des Trilemmas objektiv gültig ist.

 

Leider kann man all das aber nun gar nicht wissen, falls die Prämissen des Trilemmas wahr sind. Denn dann gibt es ja gar kein Wissen, sondern nur völlig grundlose und willkürliche Behauptungen, die gerade so aus der Luft gegriffen sind wie ihr jeweiliges Gegenteil.

 

Am 20.9.2026 um 04:48 schrieb Volker:

Wendet man ein beliebiges Verfahren an, um vom Gedanken A zu B zu kommen, so gilt, dass man entweder einen im Unendlichen liegenden Anfang hat, oder einen willkürlich gewählten Anfang, oder einen Zirkel.

 

Wenn man A unmittelbar erkennen kann, muss man A auch nicht logisch aus irgendetwas ableiten; und wenn man A erkennen kann, kann man (je nach Fall) B logisch aus A ableiten. 

 

Zitat

Wieder falsch. Es handelt sich um kein Argument, es handelt sich um die Konsequenz jedes möglichen konsequenten Denkens.

 

Selbstverständlich handelt es sich um ein Argument; man geht von bestimmten Prämissen zu einer Konklusion ("Konsequenz") über. Das ist die Definition eines Arguments (siehe ggf. hier).

 

Es handelt sich bei der Konklusion des Trilemmas jedoch keineswegs um die Konsequenz "jeden möglichen konsequenten Denken", sondern um die Konsequenz einer äußerst problematischen Prämisse (Nr. 4 in meiner obigen Darstellung). Diese ist nicht nur unbegründet, sondern muss nach ihrer eigenen Logik auch unbegründet sein (weil aus ihr selbst folgt, dass es gültig begründete Prämissen gar nicht geben kann).

 

Zitat

Das haben die meisten Menschen nicht verstanden, die hoffen, man könne irgendwelche Logeleien erfinden, um den Konsequenzen auszuweichen. Pech gehabt. Denn dazu muss man voraussetzen, was man angreifen will. 

 

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Ich brauche nur die Prämisse 4 aus dem obigen Argument abzulehnen. Damit ist meine Position vollkommen konsistent und beinhaltet weder einen expliziten noch einen impliziten/performativen Selbstwiderspruch; in keiner Weise bin ich angehalten, Prämisse 4 in irgendeiner Form "vorauszusetzen".

 

Du hingegen behauptest im Effekt, dass man erkennen könne, dass man ganz prinzipiell rein gar nichts erkennen könne. Damit setzt Du performativ genau das voraus, was Du bestreitest: Dass es Erkennen gibt.

(Zumindest gilt das dann, wenn man das Trilemma so versteht, wie es verstanden werden will und wie es sinnvollerweise auch verstanden werden muss: nämlich als Universalaussage, die für alle Überzeugungen bzw. Propositionen gelten soll  - siehe unten.)

 

Mehr noch: Wenn es überhaupt einen vernünftigen Grund geben könnte, der einen zur Akzeptanz von Prämisse 4 bringen könnte, dann doch wohl der, dass man bei einem gründlichen vernünftigen Nachdenken einsieht, dass die wahr ist. Genau das bestreitet die Prämisse 4 aber ja nun gerade - dass es so etwas wie ein gültiges Erkennen durch Nachdenken und vernünftige Einsicht überhaupt geben kann! 

 

Zitat

Es gibt Wege, damit umzugehen, es gibt nur keinen Weg, es zu umgehen. Das Leben selbst hat einen solchen Weg gefunden, ganz ohne Logik, nur anhand der Konsequenzen. Das ist die Basis der evolutionären Erkenntnistheorie (EE). Es ist meines Wissens die einzige Philosophie, die das Trilemma akzeptiert und sogar nutzbar machen kann. Die EE gehört zum kritischen Rationalismus, wie selbst Popper anerkannt hat. Wer hat es erfunden? Das Leben selbst. Wer wendet es an? Die Naturwissenschaften und jede andere sinnvolle Wissenschaft. Sonst niemand. Alle anderen eiern drumherum oder vorbei.

 

Wenn das Trilemma recht hätte, wären sämtliche Aussagen der EE (wie auch alle von Dir oder von Popper) nichts weiter als willkürliche dogmatische Setzungen, Ableitungen aus Zirkelschlüssen oder Schlussfolgerungen aus unendlichen Regressen. Egal ob es sich um Aussagen über das Leben oder die Naturwissenschaft oder was immer handelt.

Das gilt übrigens auch für alle Deine Aussagen über das Trilemma selbst, über logische Regeln, über die erkenntnistheoretische Situation des Menschen usw: Falls das Trilemma recht hätte, wären sie durch die Bank weg alle absolut unbegründet. Das folgt deduktiv direkt aus dem Trilemma: 

 

a) Wenn das Trilemma recht hat, kann es für keine einzige Behauptung oder Überzeugung jemals eine Rechtfertigung geben - alle Behauptungen und Überzeugungen sind dann völlig unbegründet.

b) Auch die Behauptungen und Überzeugungen von Volker oder der EE oder der Naturwissenschaften sind Behauptungen und Überzeugungen.

c) Wenn das Trilemma recht hat, sind also auch alle Behauptungen und Überzeugungen von Volker oder der EE oder der Naturwissenschaften völlig unbegründet. 

 

Zitat

Schon wieder falsch. [...] Und das funktioniert über ein weiteres Prinzip, das der Falsifikation.

 

Wie willst Du mit dem Satz S die These T falsifizieren, wenn der Satz S entweder eine völlig willkürliche Annahme ist oder aber auf elementaren Logik-Fehlern (wie eben z.B. einem Zirkelschluss) beruht?

Wie willst Du mit dem Satz S die Theorie T widerlegen, wenn es Dir absolut unmöglich ist zu wissen, dass S auch nur wahrscheinlich wahr ist? Wenn Du genauso gut das Gegenteil von S annehmen könntest, weil S und das Gegenteil von S gleichermaßen willkürlich sind?

(Auf dieses Problem bin ich schon in meinem letzten Beitrag eingegangen.)

 

Das ist auch das Problem bei Albert: Er übersieht, dass dann, wenn alles unbegründet ist, auch seine eigene Kritik nicht begründet sein kann, sondern vielmehr unbegründet sein muss. Und eine unbegründete Kritik leistet erkenntnistheoretisch nichts. 

 

Zitat

Mutante einer Wildform --> Erwartung an die Welt --> Erwartung erfüllt sich nicht, die Mutante stirbt. [...] Hypothese --> formuliert eine Erwartung an die Welt --> Erwartung erfüllt sich. Oder die Erwartung erfüllt sich nicht (Falsifikation).

 

Wenn das Trilemma recht hätte, würden alle unsere Überzeugungen über die Welt, ihre Lebewesen und Mutanten, über Evolution und Selektion usw. auf blinden Dogmen oder Logik-Fehlern beruhen. Und Entsprechendes gälte auch für alle unsere Überzeugungen dazu, ob sich unsere Erwartungen erfüllen oder nicht erfüllen (oder dazu, dass wir überhaupt bestimmte Überzeugungen haben). Auch dies folgt deduktiv direkt und logisch zwingend aus dem Trilemma, analog zum oben Ausgeführten.

 

Zitat

Das Trilemma hat nicht recht, es zeigt Konsequenzen. Denn dass ich nicht an Gott glaube, ist eine subjektive Tatsache, eine Selbstauskunft. 

 

Aha! Dann hat das Trilemma also doch nicht universal recht!

Dann gibt es also offenbar doch so etwas wie Überzeugungen, die keine vollkommen willkürlichen Behauptungen darstellen, sondern echte Erkenntnisse darstellen und in diesem Sinne rational gerechtfertigt sind! 

 

Hierher gehören dann offenbar Überzeugungen des Subjekts über sich selbst und seine eigene Meinung. Und offenbar auch Überzeugungen zu Rationalität, Logik, rationale Regeln, Erkenntnis und Falsifikation und ihr jeweiliges Verhältnis. Oder auch Überzeugungen zu empirischen Sachverhalten in der beobachtbaren Welt. Denn ohne solche Überzeugungen wären viele Deiner Aussagen leeres Gerede. Damit hätten wir dann aber bereits Rechtfertigungen durch Introspektion, rationale Einsicht und Sinneswahrnehmung! (Die Frage wäre dann höchstens noch, welche Formen der Überzeugung als echte Erkenntnisse gelten dürfen und welche nicht.)

 

Wenn Du die Rechtfertigungen solcher Überzeugung nicht als "Begründungen" bezeichnen willst - mir soll es recht sein. Jedenfalls wird damit aber das ganze Trilemma der Sache nach ad acta gelegt, weil wir dann eben doch zumindest einige Überzeugungen haben können, die wir nicht einfach dogmatisch behaupten und auch nicht logisch-fehlerhaft ableiten, sondern von denen wir wirklich wissen können, dass sie wahr sind.

 

Das Trilemma könnte dann nur noch besagen, dass manche Überzeugungen auf reinem Dogmatismus oder reinen Logik-Fehlern beruhen und daher rational ungerechtfertigt sind - aber keineswegs mehr könnte es behaupten, dass so etwas allgemein gilt oder gar allgemein gelten muss. Dies aber - dass es dogmatische Überzeugungen gibt oder auch Überzeugungen, die auf Logik-Fehlern beruhen -, ist eine bekannte Trivialität und weit davon entfernt, ein bedeutendes erkenntnistheoretisches Prinzip zu den grundsätzlichen Grenzen des menschliche Erkennens darzustellen. 

 

Das Trilemma steht hier also erneut vor einem Dilemma:

 

- Entweder es ist trivial und nichtssagend.

- Oder es ist allgemeingültig - aber dann ist es selbstwidersprüchlich. 

 

Zitat

Diese [die Selbstauskunft] ist unabhängig davon wahr, ob ich eine Begründung habe oder keine, oder eine falsche.

 

Entweder Deine Selbstauskunft (Introspektion) verbürgt Dir, dass es wirklich so ist, dass Du X glaubst; sie ist also eine genuine Quelle Deines Erkennens. Dann rechtfertigt sie auch in diesem Sinne Deine Überzeugung, dass Du X glaubst. Oder die Selbstauskunft verbürgt nichts und ist keine legitime Erkenntnisquelle. Dann könntest Du zwar X glauben, aber dann könntest Du nicht einmal wissen, dass Du X glaubst.

 

Zitat

 

Hier ist genau das, was Du nicht verstanden hast, und zwar mit Anlauf:

Das ist die Art von Unsinn, die dabei herauskommt, wenn man einen platonischen Ansatz verfolgt (Platon ist die philosophische Grundlage des Christentums).

 


Ich bin keineswegs ein Subjektivist. Ich halte nur fest, dass dann, wenn man beispielsweise Introspektion, vernünftige Einsicht und Sinneswahrnehmung nicht als rechtfertigende Gründe zulässt und stattdessen das Trilemma als allgemeingültige Universal-Aussage versteht, Du zahlreiche Behauptungen aufstellst, die dann völlig unbegründet wären.

Deine Aussagen über Dich selbst, über Rationalität, über Grenzen und Möglichkeiten des Erkennens, über den Zusammenhang von Denken und Welt, über konkrete Beobachtungen und Falsifikationen usw.: Sie alle wären komplett unbegründet, falls es ganz allgemein niemals eine rationale Rechtfertigung von Überzeugungen geben könnte und alles immer nur blindes Dogma oder Logik-Fehler wäre.

 

Zitat

Fakten, die empirische Realität, existieren unabhängig vom Denken. 

 

 

Weder Platon noch die klassische christliche Philosophie würden das abstreiten, oder? Bei Thomas v. Aquin beispielsweise ist das Erkennen ein Angleichen des Verstandes an die Sache und nicht umgekehrt. 

 

Zitat

Aber das Trilemma gilt nur für unser Denken, nicht für die Realität. Das wissen wir, weil die Realität genau das ist, was nicht verschwindet, ganz gleich, was man darüber denkt.

 

Unser ganzer Zugang zur Welt läuft nun aber dummerweise eben über unser eigenes Denken (Denken im weitesten Sinne verstanden, so dass es alle bewussten Akte beinhaltet)! Selbst wenn wir das Verhältnis von Denken und Wirklichkeit bestimmen, dann tun wir dies zwangsläufig im Denken. Das, was Du hier beispielsweise aussprichst, sind Deine Gedanken über das Verhältnis von Denken und Realität. Das ist schlichtweg eine Tatsache; und sie stellt weder einen Subjektivismus dar noch impliziert sie einen. 

 

Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob wir jenseits unserer Gedanken einen Zugang zur Wirklichkeit haben; sie lautet vielmehr, ob wir mithilfe unserer Gedanken etwas von der Wirklichkeit selbst erkennen können (wovon ich überzeugt bin). Aber das Trilemma schließt nun genau dies aus: Nach dem Trilemma kann es nie rational gerechtfertigt sein, dass wir auf eine bestimmte Weise - und nicht auf eine vollkommen andere - über die Wirklichkeit denken. Alle unsere Überzeugungen über die Wirklichkeit sind ja völlig willkürlich. Somit wären wir dann immer im eigenen Denken gefangen und könnten die Wirklichkeit selbst nie erreichen.  

 

Zitat

In der realen Welt gibt es kein Trilemma, das ist nur ein Hindernis für uns, die Welt zu verstehen.

 

 

Aber wir haben eben nur Wissen von der realen Welt durch unser Verstehen und nie anders. Doch wenn unser ganzes "Verstehen" der realen Welt allein auf Zirkelschlüssen etc. beruht, dann ist das kein (limitiertes) Wissen mehr, sondern ein absolutes Nicht-Wissen. Denn Zirkelschlüsse, unendliche Regresse und völlig willkürliche Dogmen begründen kein begrenztes oder fallibles Wissen über die Welt, sondern eben gar kein Wissen. 

 

Deshalb ist das Münchhausen-Trilemma auch eine radikal-skeptische Denkfigur - jedenfalls, wenn man es so verstehen möchte, wie es verstanden werden will und wie es auch nur Sinn ergibt. Es negiert jeden Unterschied zwischen Wissen und Nicht-Wissen. Alle unsere Überzeugungen, die scheinbar Wissen repräsentieren, sind dann auch nur völlig willkürliche Dogmen oder Logik-Fehler und somit bar jeden Erkenntnis-Wertes.

 

Wenn jemand dann implizit und selektiv doch annimmt, dass es echtes Wissen gibt und dass seine eigenen Äußerungen diese exemplifizieren, ohne jedoch die Allgemeingültigkeit des Trilemmas explizit und in einer transparenten und kohärenten Weise einzuschränken, ist das nicht konsequent. 

Geschrieben
Am 18.9.2026 um 23:48 schrieb atheist666:
Am 18.9.2026 um 23:23 schrieb iskander:

In dem Thread hier oder beziehst Du Dich auf eine andere Diskussion? 

Hallo!

Ich meinte schon diesen hier.

 

Gerne! Ich habe jetzt nicht alles mehr im Kopf - was würdest Du gerne wissen?

Geschrieben
vor 12 Stunden schrieb Volker:

Platon, über die Neuplatonisten, lieferte die philosophische Grundlage des Christentums. Deswegen ist er so beliebt. Aristoteles hingegen wurde lange Zeit unterdrückt, bis er durch die Renaissance mit Wucht zurückkehrte.

 

Dir ist aber schon bewusst, dass Aristoteles bereits in der Hochscholastik - insbesondere auch bei Thomas v. Aquin - eine ganz entscheidende Rolle spielte? Zudem sollte man bei Platon bedenken, dass er zwar eine höhere Realität postuliert und die gewöhnliche Erfahrungswelt im Vergleich als weniger wesentlich und bedeutsam einstuft, sie aber niemals leugnet.  

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