Weihrauch Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August Schau @Flo77 ich will doch auch dass es weitergeht. Aber das ist die erste Stelle an der man gewisse nützliche Prinzipien des Bibelstudiums klar machen kann. Das handeln wir hier ein für allemal ab, nicht an jeder Stelle wieder neu in der Zukunft. Und wir sind da eigentlich auch schon so gut wie durch damit, denke ich. Das ist kein Bibelleseplan für Anfänger hier, nichts für Erstleser sondern etwas für Triebtäter/Nerds die ohne Anleitung Dritter sich ihre eigenen Gedanken beim Bibellesen machen wollen. @Higgs Boson gibt denjenigen hier, die kein Hebräisch können als Dritte Anleitung, um in Sinn-Bereiche vorzudringen, die ihnen sonst verschlossen bleiben, hilft ihnen über den sprachlichen Graben eine Brücke zu bauen. Das ist wahnsinnig viel, aber nicht alles, um zu verstehen wie das AT tickt, und nicht alles um den Sinn des Gelesenen selbständig zu erfassen. Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August vor 1 Stunde schrieb Flo77: Könnten wir bitte mal wieder zu Tag 5 der Schöpfung nach P zurückkehren. Eure Springerei ist ja niedlich, aber überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich bin gerade am fünften Tag, die Verse 20 und 21 habe ich schon. Ich mache alle vier gleichzeitig, damit sie zusammenhängen. OK? Da wir ja auch die ruach von Tag 1 am vierten Tag auch noch diskutiert haben, würgt das keine anderen Gedanken ab. Wir schaffen das. Zitieren
Weihrauch Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August (bearbeitet) vor 10 Stunden schrieb Higgs Boson: Natürlich stehen, auch nach rabbinischer Ansicht, die 7 Arme für die 7 Tage der Woche. Sie muss aus einem Stück Gold gefertigt sein, nicht zusammengesetzt, das repräsentiert die Einheit der Schöpfung. Moment. Wenn Mose die 7 Leuchter (Öl-Lamperl) aufsetzt, ist die Menora nicht aus einem Stück Gold gefertigt. Wenn ich auf Amazon eine Menora bestelle, ist das, was ich bekomme ein Kerzenständer, nicht ein Leuchtenhalter. Wie ist das in den Synagogen, brennen da Kerzen auf der Menora, oder Öl-Leuchter? In Kirchen sieht man oft ein rotes "ewiges Licht", das auch mit Öl betrieben wird, wenn ich mich nicht irre. Im AT ist menora nicht das Wort für "DIE Menora" sondern einfach das allgemeine Wort für Öl-Lampe, also auch Dinger aus Ton, die die Leute zu Hause hatten. Der 7armige Ständer für diese 7 Lampen hat keinen eigenen Namen im AT, richtig? bearbeitet 12. August von Weihrauch Zitieren
Flo77 Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August Vorallem hat die Menora heute keinerlei kultische Bedeutung mehr. Weder in der Synagoge noch im Hauskult, spielt sie eine religiöse Rolle. Allenfalls eine kulturelle bzw. dekorative. Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August vor einer Stunde schrieb Flo77: Vorallem hat die Menora heute keinerlei kultische Bedeutung mehr. Weder in der Synagoge noch im Hauskult, spielt sie eine religiöse Rolle. Allenfalls eine kulturelle bzw. dekorative. DIE Menora spielt nur im Tempelkult eine Rolle. Außerhalb ist sie Folklore. Weshalb man sich schwertut, in Jerusalem als unwissender Tourist eine zu kaufen, also so ging es mir in den 80er Jahren. Ich habe schlicht und einfach keine gefunden und die Chanukkias, die es überall gab, wollte ich nicht, weil ich damals keine Ahnung von nix hatte. Für den dritten Tempel wird aber eine benötigt. Von Rabbinischer Seite ist man sich todsicher, dass sie irgendwo im Vatikan rumsteht und verstaubt. Weil der ist in Rom, hat tiefe Keller mit allerlei Zeug und viel Platz. Und die Menora wurde ja, siehe Titusbogen, nach Rom verschleppt. Da da Jahrhunderte nix annäherndes wie ein Vatikan war, verstehe ich nicht ganz, wo sie in der Zwischenzeit hätte zwischengelagert gewesen sein könnte. Das Christentum musste seine Machtstrukturen erst aufbauen. Aber für Filme ist die Story auf jeden Fall gut. Ich würde dann das spannende Teil der Zwischenzeit kreativ übernehmen. Sie wurde zwischen 153 und 317 als Türstopper in einer Bäckerei verwendet... Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August vor 3 Stunden schrieb Weihrauch: Moment. Wenn Mose die 7 Leuchter (Öl-Lamperl) aufsetzt, ist die Menora nicht aus einem Stück Gold gefertigt. Wenn ich auf Amazon eine Menora bestelle, ist das, was ich bekomme ein Kerzenständer, nicht ein Leuchtenhalter. Wie ist das in den Synagogen, brennen da Kerzen auf der Menora, oder Öl-Leuchter? In Kirchen sieht man oft ein rotes "ewiges Licht", das auch mit Öl betrieben wird, wenn ich mich nicht irre. Im AT ist menora nicht das Wort für "DIE Menora" sondern einfach das allgemeine Wort für Öl-Lampe, also auch Dinger aus Ton, die die Leute zu Hause hatten. Der 7armige Ständer für diese 7 Lampen hat keinen eigenen Namen im AT, richtig? Das Öl wurde in Aufsätze gefüllt, die man auch zur Reinigung abnehmen konnte. 2. Chroniken 4,20 Ansonsten richtig, Menora ist einfach ein 'Feuerwerkzeug' So wie Messias einfach nur ein Gesalbter ist. Und da ständig irgendwo im Tenach gesalbt wird, laufen da viele Messias rum. Wohingegen der Begriff 'DER Messias' tatsächlich ursprünglich ein christlicher Begriff ist. Im Tenach heißt er Prinz, Sohn Davids, er hat viele Namen. Was er ist: König, Gesalbter König. Der auf Erden das Friedensreich regiert. Aber ich glaube, Du bist auf Gold gestoßen. Die Menora wird auch als מנורת המאור bezeichnet, an mehreren Stellen. המאור das sind die Leuchten vom 4. Schöpfungstag. Mist, ich muss die ganze Tora durchgehen. Meine Nähprojekte kann ich für die nächsten Jahre vergessen Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August (bearbeitet) Am 9.8.2026 um 12:26 schrieb Higgs Boson: Gen 1,18+19 (Buber) zu scheiden zwischen dem Licht und der Finsternis. Gott sah, dass es gut ist. Abend ward und Morgen ward: vierter Tag ולמשל ביום ובלילה ולהבדיל בין האור ובין החשך וירא אלהים כי־טוב ויהי־ערב ויהי־בקר יום רביעי ולמשל : und zu herrschen, infinitiv ביום : im Tag, Die Vokalisierung weißt hier auf den bestimmten Artikel hin ובלילה : und in der Nacht, Die Vokalisierung weißt hier auf den bestimmten Artikel hin ולהבדיל : und zu trennen, Infinitiv, das Wort hatten wir schon mehrfach בין : zwischen האור : das Licht ובין : und zwischen החשך : die Finsternis וירא אלהים כי־טוב : Und Gott sah: gut ויהי־ערב ויהי־בקר יום רביעי : Und es war Abend Und es war Morgen Vierter Tag, da hatten wir alles bist auf רביעי , vierter, Ordnungszahl Übersetzung ולמשל ביום ובלילה zu herrschen im Tag und in der Nacht ולהבדיל בין האור ובין החשך und zu trennen zwischen dem Licht und zwischen der Finsternis וירא אלהים כי־טוב Und Gott sah: gut ויהי־ערב Und es war Abend ויהי־בקר Und es war Morgen יום רביעי vierter Tag MOMENT An Tag eins erschuf Gott das Licht und ER trennte es von der Finsternis Jetzt trennen es die Leuchten. An Tag vier. Mit den gleichen Worten. Darüber sollten wir nachdenken. Sollen diese ganzen Tage wirklich eine Reihenfolge sein? Weil in einem bin ich mir sicher, das ist Absicht. Der Schreiber könnte viel mehr Worte machen, aber er spart sich alles, was es nicht braucht. Führt neuen Begriffe sehr sparsam ein, ich muss immer weniger Wörter neu erklären*. Das ist ausgefeilte Poesie vom feinsten. Dieser Schreiber hat eine Agenda. Wie kriegen wir DAS zusammen? ______________________________________ * (Als Hinweis, ja, ich gehe das hier tatsächlich Wort für Wort durch und merke das, weil die Bilder, die ich vorher hatte, immer schwächer werden. Geht man mit der Gesamtschau auf den Text los, fällt der Widerspruch nicht auf) Ihr könnt mir hier in Echtzeit beim Denken zuschauen Gen 1, 20 (Buber) Gott sprach: Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebenden Wesens, und Vogelflug fliege über der Erde vorüber dem Antlitz des Himmelsgewölbs! ויאמר אלהים ישרצו המים שרץ נפש חיה ועוף יעופף על־הארץ על־פני רקיע השמים ויאמר אלהים : Und Gott sprach ישרצו : es werden schwärmen (auch befallen, im Sinne der Vermehrung) 3.Person männlich, plural, Zukunft, höflicher Imperativ, wurzel ש.ר.ץ , brauchen wir gleich nochmal . Das Pluralwort, auf das sich dieses Verb bezieht ist übrigens das Wasser. המים : die Wasser שרץ : ein Schwarm, Wurzel ש.ר.ץ die hatten wir gerade, jedenfalls Singular נפש : eine Seele, ein Wesen, Achtung, das bitte nicht mit der ‚Seele‘ im westlichen oder fernöstlich Kontext verwechseln. Wir haben nur ein Wort um vieles auszudrücken, verschiedenes zu meinen und uns ganz dolle in die Haare zu kriegen, wenn wir in einem Gespräch verschiedene Bedeutung verwenden. Ist so doof zu übersetzen wie ruach. Was ja auch mit Seele übersetzt werden könnte. Es bezeichnet das ganze Wesen! חיה : Leben. Oder auch Tier. Oder Monster. Aber immer im Kontext Leben. Ist ein ganz fundamental wichtiges Wort. Merkt es Euch! Wurzel ח.י.ה, das wird uns noch oft begegnen. Zusammen mit den beiden vorangegangen Wörtern übersetze ich das als Status constructus. Also ein Wortmonster. ועוף : und ein Fluggetier. Es geht hier um Flugwesen, die durch die Luft fliegen. Luft ist hier entscheidend. Und es ist Singular. Nebenbemerkung ohne Kontext heißt es auch ‚und du fliegst!‘ Ist mit der männlich, befehlsform, nicht der Höflichen identisch. Es ist kein Zukunftsverb, es ist kein Vergangenheitsverb, das liegt an der Wurzel, sie hat ein ו in der Mitte, muss man wissen, bestimmte Buchstabe in bestimmten Stellen in der Wurzel werden etwas anders konjugiert. Folgt aber klaren Regeln. Sind innerhalb des binyanim ein gizra. Aber das ist Zufall, die Sprache ist halt so aufgebaut. Fluggetier, weil Singular, Wesen ist im Deutschen im Singular und Plural gleich. Außerdem hatten wir das Wesen gerade bei den Wassern יעופף : er wird fliegen, 3. Person männlich, singular männlich, höflicher Imperativ על־הארץ : auf / über/ vor das Land. על־פני : auf / über /vor Antlitz פני ganz wichtiges Wort, hatten wir schon רקיע השמים : Himmelswölbung Übersetzung: ויאמר אלהים Und Gott sprach ישרצו המים שרץ נפש חיה es werden schwärmen die Wasser lebendigen Wesens Schwarm ועוף יעופף על־הארץ על־פני רקיע השמים Und Fluggetier wird fliegen über das Land vor Himmels Gewölbe Antlitz Wieder ziemlich geschraubte Sprache, wieder die Doppelungen, aber diesmal nicht ganz brutal wie am dritten Tag. Oder ich werde besser. Danke, ich verbessere gerade massiv meine Hebräischkenntnisse. Wird aber meine Lehrerin nicht merken. Schriftlich bin ich top, nur Konversation, da bin ich noch reichlich schwach. Aber im nächsten Aufsatz haue ich ihr ein paar Formulierungen um die Ohren und dann guck ich wie sie guckt. Noch ein Hinweis, die Wasserwesen sind im Plural, das Luftgetier Singular bearbeitet 12. August von Higgs Boson Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August vor 2 Minuten schrieb Higgs Boson: Gen 1, 20 (Buber) Gott sprach: Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebenden Wesens, und Vogelflug fliege über der Erde vorüber dem Antlitz des Himmelsgewölbs! ויאמר אלהים ישרצו המים שרץ נפש חיה ועוף יעופף על־הארץ על־פני רקיע השמים ויאמר אלהים : Und Gott sprach ישרצו : es werden schwärmen (auch befallen, im Sinne der Vermehrung) 3.Person männlich, plural, Zukunft, höflicher Imperativ, wurzel ש.ר.ץ , brauchen wir gleich nochmal . Das Pluralwort, auf das sich dieses Verb bezieht ist übrigens das Wasser. המים : die Wasser שרץ : ein Schwarm, Wurzel ש.ר.ץ die hatten wir gerade, jedenfalls Singular נפש : eine Seele, ein Wesen, Achtung, das bitte nicht mit der ‚Seele‘ im westlichen oder fernöstlich Kontext verwechseln. Wir haben nur ein Wort um vieles auszudrücken, verschiedenes zu meinen und uns ganz dolle in die Haare zu kriegen, wenn wir in einem Gespräch verschiedene Bedeutung verwenden. Ist so doof zu übersetzen wie ruach. Was ja auch mit Seele übersetzt werden könnte. Es bezeichnet das ganze Wesen! חיה : Leben. Oder auch Tier. Oder Monster. Aber immer im Kontext Leben. Ist ein ganz fundamental wichtiges Wort. Merkt es Euch! Wurzel ח.י.ה, das wird uns noch oft begegnen. Zusammen mit den beiden vorangegangen Wörtern übersetze ich das als Status constructus. Also ein Wortmonster. ועוף : und ein Fluggetier. Es geht hier um Flugwesen, die durch die Luft fliegen. Luft ist hier entscheidend. Und es ist Singular. Nebenbemerkung ohne Kontext heißt es auch ‚und du fliegst!‘ Ist mit der männlich, befehlsform, nicht der Höflichen identisch. Es ist kein Zukunftsverb, es ist kein Vergangenheitsverb, das liegt an der Wurzel, sie hat ein ו in der Mitte, muss man wissen, bestimmte Buchstabe in bestimmten Stellen in der Wurzel werden etwas anders konjugiert. Folgt aber klaren Regeln. Sind innerhalb des binyanim ein gizra. Aber das ist Zufall, die Sprache ist halt so aufgebaut. Fluggetier, weil Singular, Wesen ist im Deutschen im Singular und Plural gleich. Außerdem hatten wir das Wesen gerade bei den Wassern יעופף : er wird fliegen, 3. Person männlich, singular männlich, höflicher Imperativ על־הארץ : auf / über/ vor das Land. על־פני : auf / über /vor Antlitz פני ganz wichtiges Wort, hatten wir schon רקיע השמים : Himmelswölbung Übersetzung: ויאמר אלהים Und Gott sprach ישרצו המים שרץ נפש חיה es werden schwärmen die Wasser lebendigen Wesens Schwarm ועוף יעופף על־הארץ על־פני רקיע השמים Und Fluggetier wird fliegen über das Land vor Himmels Gewölbe Antlitz Wieder ziemlich geschraubte Sprache, wieder die Doppelungen, aber diesmal nicht ganz brutal wie am dritten Tag. Oder ich werde besser. Danke, ich verbessere gerade massiv meine Hebräischkenntnisse. Wird aber meine Lehrerin nicht merken. Schriftlich bin ich top, nur Konversation, da bin ich noch reichlich schwach. Aber im nächsten Aufsatz haue ich ihr ein paar Formulierungen um die Ohren und dann guck ich wie sie guckt. Noch ein Hinweis, die Wasserwesen sind im Plural, das Luftgetier Singular Gen 1, 21 (Buber) Gott schuf die großen Ungetüme und alle lebenden regen Wesen, von denen das Wasser wimmelte, nach ihren Arten, und allen befittichten Vogel nach seiner Art. Gott sah, daß es gut ist. ויברא אלהים את־התנינם הגדלים ואת כל־נפש החיה הרמשת אשר שרצו המים למינהם ואת כל־עוף כנף למינהו וירא אלהים כי־טוב ויברא אלהים : und Gott erschuf, ist irgendwem aufgefallen, dass wir dieses Wort erschuf ברא zwar schon hatten, in Vers 1, es aber bisher nicht wieder aufgetaucht ist? את־התנינם : die Krokodile, oder Drachen, oder Monstervieh. Jedenfalls furchteinflössend. Im biblischen Kontext Bewohner der Meere, heute Seen und Sümpfe. Akkusativ, Männlich, Plural, defektive Form, das י vor dem ם fehlt. Das sich aber hier Singular התנינ und Plural התנינם unterscheiden, gibt es da keine Verwirrung הגדלים : Die großen, Adjektiv zum Akkusativobjekt, muss bestimmten Artikel haben ג.ד.ל hatten wir ja schon bei den großen Leuchten ואת כל־נפש : und jedes Wesen. Akkusativanzeiger und der bestimmte Artikel ist in der Vokalisierung. Eigentlich heißt כל alle. Hier aber jedes, weil das Wesen נפש hier Singular ist. ‚Alle Wesen‘ ist in sich bestimmt, daher entfällt der bestimmte Artikel im Akkusativ. Und Seele/Wesen נפש hatten wir auch schon im Letzten Vers החיה : das Leben. Wie letzter Vers הרמשת : das kriecht. Aktiv-Partizip. Die Wurzel ר.מ.ש steht auch im Kontext von Insekten. אשר : das, welches שרצו : sie schwärmten 3. Person männlich, Plural Vergangenheit. Die Wurzel hatten wir schon המים : die Wasser למינהם : nach ihrer Art, das ist wieder so eine Wort aus dem Baukasten. Das Prinzip ist bekannt ל für etwas, auf etwas zu, hier nach. מינ ist Art, hatten wir schon am dritten Tag, הם Endung für 3. Person Plural, ist auch das Personalpronomen dafür. להם ist das Wort für ‚ihre‘ im Sinne von ihnen. Man kann das Baukastenprinzip weiter ausbauen und noch andere Suffixe davor setzen, und damit exakt ausdrücken, was ein einzelnes Wort im Deutschen nicht kann. Das hier nur als Anmerkung. ואת כל־עוף : und jedes Fluggetier. Bestimmter Artikel entfällt trotz Akkusativanzeiger, Gründe wie oben. Statt alle, jedes. Weil das hier Singular ist. Alle erwartet im Deutschen den Plural. כנף : ein Flügel, zusammen mit dem Fluggetier, status constructus למינהו : nach seiner Art, wieder Baukastenwort, gleiches Prinzip wie vorhin. Nur dass jetzt die Endung הו die 3. Person männlich singular ist. Wieder Anleihe beim Personalpronomen, diesmal ‚er‘ הוא . Und damit ist klar, sein im Sinne von für ihn ist לו wird leider genauso ausgesprochen wie das Wort für Nein und sorgt damit im Dikat für Verwirrung, wenn man nicht versteht, was da diktiert wurde und man nur schreibt, was man hört. Das gehört in die Top 10 der Fehler. Das auch nur am Rande. וירא אלהים כי־טוב : Und Gott sah: gut Übersetzung: ויברא אלהים Und Gott erschuf את־התנינם הגדלים die großen Monster ואת כל־נפש החיה הרמשת אשר שרצו המים למינהם und jedes lebendige kriechende Wesen, die schwärmten die Wasser, nach ihren Arten ואת כל־עוף כנף למינהו und jedes Flügels Fluggetier nach seiner Art וירא אלהים כי־טוב Und Gott sah: gut Was sich hier wiederholt wie beim Kraut und dem Baum (Tag 3), die Lufttiere sind im Singular. Aber die Wassertiere im Plural. Wollte ich nur anmerken. Ist mir aufgefallen Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 12. August Melden Geschrieben 12. August Gerade eben schrieb Higgs Boson: Gen 1, 21 (Buber) Gott schuf die großen Ungetüme und alle lebenden regen Wesen, von denen das Wasser wimmelte, nach ihren Arten, und allen befittichten Vogel nach seiner Art. Gott sah, daß es gut ist. ויברא אלהים את־התנינם הגדלים ואת כל־נפש החיה הרמשת אשר שרצו המים למינהם ואת כל־עוף כנף למינהו וירא אלהים כי־טוב ויברא אלהים : und Gott erschuf, ist irgendwem aufgefallen, dass wir dieses Wort erschuf ברא zwar schon hatten, in Vers 1, es aber bisher nicht wieder aufgetaucht ist? את־התנינם : die Krokodile, oder Drachen, oder Monstervieh. Jedenfalls furchteinflössend. Im biblischen Kontext Bewohner der Meere, heute Seen und Sümpfe. Akkusativ, Männlich, Plural, defektive Form, das י vor dem ם fehlt. Das sich aber hier Singular התנינ und Plural התנינם unterscheiden, gibt es da keine Verwirrung הגדלים : Die großen, Adjektiv zum Akkusativobjekt, muss bestimmten Artikel haben ג.ד.ל hatten wir ja schon bei den großen Leuchten ואת כל־נפש : und jedes Wesen. Akkusativanzeiger und der bestimmte Artikel ist in der Vokalisierung. Eigentlich heißt כל alle. Hier aber jedes, weil das Wesen נפש hier Singular ist. ‚Alle Wesen‘ ist in sich bestimmt, daher entfällt der bestimmte Artikel im Akkusativ. Und Seele/Wesen נפש hatten wir auch schon im Letzten Vers החיה : das Leben. Wie letzter Vers הרמשת : das kriecht. Aktiv-Partizip. Die Wurzel ר.מ.ש steht auch im Kontext von Insekten. אשר : das, welches שרצו : sie schwärmten 3. Person männlich, Plural Vergangenheit. Die Wurzel hatten wir schon המים : die Wasser למינהם : nach ihrer Art, das ist wieder so eine Wort aus dem Baukasten. Das Prinzip ist bekannt ל für etwas, auf etwas zu, hier nach. מינ ist Art, hatten wir schon am dritten Tag, הם Endung für 3. Person Plural, ist auch das Personalpronomen dafür. להם ist das Wort für ‚ihre‘ im Sinne von ihnen. Man kann das Baukastenprinzip weiter ausbauen und noch andere Suffixe davor setzen, und damit exakt ausdrücken, was ein einzelnes Wort im Deutschen nicht kann. Das hier nur als Anmerkung. ואת כל־עוף : und jedes Fluggetier. Bestimmter Artikel entfällt trotz Akkusativanzeiger, Gründe wie oben. Statt alle, jedes. Weil das hier Singular ist. Alle erwartet im Deutschen den Plural. כנף : ein Flügel, zusammen mit dem Fluggetier, status constructus למינהו : nach seiner Art, wieder Baukastenwort, gleiches Prinzip wie vorhin. Nur dass jetzt die Endung הו die 3. Person männlich singular ist. Wieder Anleihe beim Personalpronomen, diesmal ‚er‘ הוא . Und damit ist klar, sein im Sinne von für ihn ist לו wird leider genauso ausgesprochen wie das Wort für Nein und sorgt damit im Dikat für Verwirrung, wenn man nicht versteht, was da diktiert wurde und man nur schreibt, was man hört. Das gehört in die Top 10 der Fehler. Das auch nur am Rande. וירא אלהים כי־טוב : Und Gott sah: gut Übersetzung: ויברא אלהים Und Gott erschuf את־התנינם הגדלים die großen Monster ואת כל־נפש החיה הרמשת אשר שרצו המים למינהם und jedes lebendige kriechende Wesen, die schwärmten die Wasser, nach ihren Arten ואת כל־עוף כנף למינהו und jedes Flügels Fluggetier nach seiner Art וירא אלהים כי־טוב Und Gott sah: gut Was sich hier wiederholt wie beim Kraut und dem Baum (Tag 3), die Lufttiere sind im Singular. Aber die Wassertiere im Plural. Wollte ich nur anmerken. Ist mir aufgefallen Gen 1, 22 (Buber) Gott segnete sie, sprechend: Fruchtet und mehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren, und der Vogel mehre sich auf Erden! ויברך אתם אלהים לאמר פרו ורבו ומלאו את־המים בימים והעוף ירב בארץ ויברך : und er segnete, 3.Person männlich, singular, Zukunft, Wayyiqtol. Ein neues Wort und ein sehr wichtiges Wort: segnen. Wurzel ב.ר.ך Mit einem Wort dieser Wurzel beginnen alle Segensgebete im Judentum. Auch wenn es manche in diesen Gebeten mit „Gepriesen bist Du, Herr unser Gott, König der Welt, …“ dann geht das genau und exakt auf die Einleitungsformel dieser Segensgebete zurück: ברוך אתה יי אלהינו מלך העולם Und ja, das ist wirklich die Welt, nicht das Land, das ist hier auch ein total anderes Wort, aber das ist hier nicht Thema. Aber der eine oder andere kennt die deutsche Formel. אתם : sie. Personalpronomen, 3.Person männlich, Plural. אלהים : Gott לאמר : sprechen, Verb, infinitiv. Da es im Folgenden die direkte Rede einleitet, muss es mit ‚sprechend‘ übersetzt werden פרו : Seid fruchtbar! männlich, Plural, Imperativ. Richtiger Imperativ. Keine höfliche Bitte, das ist ein absoluter Befehl. Die Frucht Wurzel פ.ר.ה hatten wir schon bei den Bäumen ורבו : und werdet zahlreich, männlich, Plural, Imperativ. Schon wieder. Wurzel ר.ב.ה ist auch die Wurzel für das Wort ‚viel‘ ומלאו : und füllt, männlich, Plural, Imperativ. את־המים : die Wasser בימים : in den Meeren והעוף : und das Luftgetier ירב : wird zahlreich, 3.Person männlich , Plural, Zukunft, höflicher Imperativ. בארץ : im Land Übersetzung ויברך אתם אלהים לאמר Und Gott segnete sprechend פרו ורבו ומלאו את־המים בימים Seid fruchtbar und werdet zahlreich und füllt die Wasser in den Meeren והעוף ירב בארץ Und das Fluggetier wird zahlreich im Land Was hier auffällt, die Wasserwesen bekommen den Befehl !!!! Fruchtbar zu sein, sich zu vermehren und die Wasser der Meere zu füllen. Das ist keine nette Bitte. Uns sehen wir uns nochmal an, wie es zu diesem Befehl kommt. Gott segnet indem er spricht. Und jetzt spricht er einen Befehl aus. Den ersten überhaupt. Fruchtbar, vermehren und füllen! Dieser Befehl IST der Segen. Das ist kein kreatives, schöpferisches ‚es werde‘, das ist der erste Dialog, den Gott hier mit seiner Schöpfung beginnt. Fruchtbar sein, sich vermehren und füllen, das sind neue kreative Aufgaben, die nun den Geschöpfen übertragen werden. Auch ist hier die Erzählstruktur geändert. Die Erschaffung durch das Wort Gottes, dann die Nacherzählung , das findet Gott gut. Jetzt kommt noch der Nachklapp mit dem Segen dazu. Dann erst ist der Tag aus. Gen 1, 22 (Buber) Abend ward und Morgen ward: fünfter Tag. ויהי־ערב ויהי־בקר יום חמישי חמישי : fünfter, Ordnungszahl, Übersetzung ויהי־ערב Und es war Abend ויהי־בקר Und es war Morgen יום חמישי fünfter Tag 1 Zitieren
Alfons Geschrieben 13. August Melden Geschrieben 13. August vor 9 Stunden schrieb Higgs Boson: und Gott erschuf, ist irgendwem aufgefallen, dass wir dieses Wort erschuf ברא zwar schon hatten, in Vers 1, es aber bisher nicht wieder aufgetaucht ist? Nein, aber jetzt wo Du es sagst. Faszinierend. Danke. Die Grünewald-Bibel nennt die Fische samt Krabben und Plankton übrigens Wimmelwesen. "So schuf Gott die großen Meerestiere und alle anderen lebenden Wimmelwesen, wovon die Wasser wimmeln." Das Wort gefällt mir. Wimmelwesen. 1 Zitieren
nannyogg57 Geschrieben 13. August Melden Geschrieben 13. August Tiere und Menschen werden geschaffen, Pflanzen kommen anders daher? Zitieren
johannes12 Geschrieben 14. August Autor Melden Geschrieben 14. August Am 10.8.2026 um 20:20 schrieb johannes12: 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 1Mose 1,17 Gott setzte sie - "die beiden großen Lichter - das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne" ... dabei "setzte sie" will ich interpretieren wie "befestigte sie". an das Himmelsgewölbe, - .... damit sie - die beiden großen Lichter und die Sterne über die Erde leuchten, - zunächst nicht die Erde beleuchten, sondern "über die Erde leuchten". Oder "über die Erde leuchten" im Sinne "um die Erde zu beleuchten"? 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 1 Mose 1,18 über Tag - hellen Abschnitt des gesamten Tages und Nacht - Ein Abschnitt des gesamten Tages in dem die Sonne nicht leuchtet herrschen - bei Tag herrscht die Sonne, bei Nacht herrscht der Mond und das Licht - bei dem ist möglich die Wirklichkeit wahrnehmen durch das Sehen von der Finsternis - bei totaler Finsternis ist die Wahrnehmung durch das Sehen unmöglich scheiden. - ... Gott sah, dass es gut war. - gut für alles Zitieren
Alfons Geschrieben 14. August Melden Geschrieben 14. August (bearbeitet) Ich bin gerade etwas verwirrt - welchen Schöpfungstag haben wir heute? Vier oder fünf? Aber wenn hier noch einmal über Tag 4 gesprochen wird, möchte ich zur Entstehung von Nacht und Tag noch etwas anfügen. Zwischen den Tagstunden und den Nachtstunden liegen die Dämmerungen. Nehmen wir den morgigen Tag, den 15. August. Da beginnt in Schwebenried im Landkreis Schweinfurt (warum genau dort könnt ihr selber herausfinden) die Dämmerung um 4.38 Uhr Sommerzeit.* Die Sonne geht dort um 5.55 Uhr auf, sie geht um 20.56 Uhr unter. Dann folgt die Dämmerung. Sie - also die nautische Dämmerung - endet um 22 Uhr Sommerzeit. Dann wird es am morgigen Samstag Nacht in Schwebenried. Tag und Nacht lassen sich nicht nur als Gegensätze verstehen, sondern als ein Kontinuum. Sie gehen ineinander über. Im Winter ist in unseren Breiten die Nacht länger, im Sommer gibt es mehr helle Stunden, der Erdneigung sei es gedankt. Für Kanaan (oder Babylon, oder wo immer man bei dieser Erzählung den Sitz im Leben annimmt) ist der Effekt weniger krass, zugegeben. Aber doch deutlich. Ich erwähne das, weil vor kurzem ein Pfarrer, der sich für queere Christen einsetzt und dem ich auf Instagram folge, auf eine Analogie aufmerksam gemacht hat. Wie beim vierten Schöpfungstag sieht er auch am sechsten Tag ein Kontinuum. An dem Tag, an dem Gott den Menschen erschuf, schuf er ihn "männlich und weiblich", so steht es in Genesis 1, 27 b Einheitsübersetzung. In der Lutherbibel steht immer noch "als Mann und Frau", aber da bin ich sicher, dass der hebräische Text das nicht hergibt. "Mann und Frau", als Gegensatz wie "Tag und Nacht" verstanden, mag biologisch stimmen, xx kontra xy, mit minimalen Ausnahmen. Aber der Mensch "männlich und weiblich" - das lässt sich als ein Kontinuum verstehen. Da kann ich, obwohl stockhetero, dem erwähnten Pfarrer folgen. Ich sehe zwar, dass der Vergleich mit der Dämmerung nur begrenzt tragfähig ist, aber ich weiß, dass Menschen, unabhängig von ihrer biologischen Polung, oft eine Mischung aus weiblichen und männlichen Eigenschaften und Vorlieben in sich tragen. Der Anteil hat nicht immer etwas mit der biologischen Polung zu tun. In der Schöpfung ist, so gesehen, selbstverständlich Platz für queere Menschen. * Ganz genau gesagt die nautische Dämmerung. Es gibt drei Stufen der Dämmerung, die bürgerliche, die nautische und die astronomische. Die nautische ist die mittlere. bearbeitet 14. August von Alfons Zitieren
Weihrauch Geschrieben 15. August Melden Geschrieben 15. August Ich bin mir nicht sicher, ob @Alfons darauf hinaus will, aber weil @Higgs Boson noch auf Summer Breeze ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und noch eine Frage in den Raum werfen, die ich ganz vergessen hatte, aber die mir jetzt dank @Alfons wieder eingefallen ist. Wirft diese eigenartige Zählweise noch Fragen auf, oder nicht? Ist das ein Stolperstein, der nochmal zum Nachdenken anregen soll, oder ist da alles klar, no Problem? Es wurde Abend und es wurde Morgen. Ein Tag. Es wurde Abend und es wurde Morgen. Zweiter Tag. Es wurde Abend und es wurde Morgen. Dritter Tag. Es wurde Abend und es wurde Morgen. Vierter Tag. Wieso diese eigenartige Formulierung: Es wurde Abend und es wurde Morgen? Wie erklärt ihr euch die? Wenn ich das als Antwort auf eine Textaufgabe der ersten vier Tage im Matheunterricht abgegeben hätte, würde mein Lehrer in Rot dahinter geschrieben haben: Falsche Einheit! Willst du da drauf hinaus @Alfons mit der nautischen Dämmerung? Zitieren
Alfons Geschrieben 15. August Melden Geschrieben 15. August vor 9 Stunden schrieb Weihrauch: Willst du da drauf hinaus @Alfons mit der nautischen Dämmerung? Nein, so tief habe ich gar nicht gedacht. Mir kam es darauf an, den Übergang von Tag und Nacht und wieder zurück als einen allmählichen Wandel zu zeigen. Ich wollte aber zugleich Klugschei&er-Postings vorbeugen, in denen ich gefragt werden könnte, wann genau denn für mich Dämmerung beginnt und endet, und welche Sorte von Dämmerung, an welchem Tag und welchem Ort und überhaupt. Ich bin ja nicht der Einzige, der astronomische Handbücher im Regal stehen hat. Danke für Deinen Hinweis auf die Formel "Es wurde Abend und es wurde Morgen. Der xte Tag". Darüber hatte ich bislang nicht nachgedacht. Erst schafft Gott, den hellen Tag lang. Dann wird es Abend, die Nacht kommt, es wird wieder hell - und erst dann ist der Schaffenstag vorbei, der nächste beginnt. So besteht der Tag aus einer Zeit zu schaffen und einer Zeit zu ruhen. Zitieren
Weihrauch Geschrieben 15. August Melden Geschrieben 15. August (bearbeitet) vor 1 Stunde schrieb Alfons: Danke für Deinen Hinweis auf die Formel "Es wurde Abend und es wurde Morgen. Der xte Tag". Darüber hatte ich bislang nicht nachgedacht. Erst schafft Gott, den hellen Tag lang. Dann wird es Abend, die Nacht kommt, es wird wieder hell - und erst dann ist der Schaffenstag vorbei, der nächste beginnt. Ich hatte immer das Gefühl, dass da was nicht stimmt, und ließ mich mit der Erklärung abspeisen, dass im Judentum der Tag am Abend beginnt. Das kollidiert aber mit deiner Erklärung, so wie du sie eben schilderst. Denn da steht: Gott macht dies, dann jenes und dann wird es Abend und Morgen. Dann hat Gott aber dies und jenes am Vortag gemacht, weil der nächste Tag ja am Abend beginnt. Dann stimmt die Zählung aber nicht mehr, weil die Woche dann nur noch sechs Tage hat, oder einer fehlt. Deine Sichtweise umfasst zwei Kalendertage, also z.B. den 14. und 15. Nisan. Er schafft am 14. und dann wird es am Abend der 15. Nisan. Verstehst du den anachronistischen Mix aus unserer Zeitrechnung und der jüdischen? Hält man sich aber eisern an den Text, und was da steht, müsste es eigentlich heißen: Es wurde Abend und es wurde Abend. Ein Tag - weil dann zuerst das kleine Licht über die Nacht herrscht und dann das große Licht über den Tag, was einen Kalendertag ergeben würde. Jetzt verstehen wir mal Abend und Morgen als die Abenddämmerung und das Morgengrauen, als die Übergangszeiten, und schauen mal welches Licht da herrscht, das kleine oder das große Licht. Abenddämmerung ist, wenn das große Licht nicht mehr herrscht und das Morgengrauen ist, wenn das große Licht noch nicht herrscht. Beide Dämmerungen gehören zur Nacht, nicht dem Tag. Es wurde Abend es wurde Morgen beschreibt dann nicht einen Tag, sondern eine Nacht. Der Tag fehlt dann komplett in der Erzählung. Wow! Was hat das zu bedeuten? Wie kann man das lösen, wenn wir Probleme als Lösungsansätze verstehen? bearbeitet 15. August von Weihrauch Sorry, hatte Morgen und Abend versehentlich vertauscht. Zitieren
Alfons Geschrieben 15. August Melden Geschrieben 15. August vor 4 Minuten schrieb Weihrauch: Beide Dämmerungen gehören zur Nacht, nicht dem Tag. Genau so ist es, auch heute noch und wissenschaftlich. Jetzt muss ich doch die Stufen der Dämmerung beschreiben. Die bürgerliche Dämmerung beginnt am Abend, wenn die Oberkante der Sonne den Horizont (ganz genau genommen: den geozentrischen Horizont) verlässt, also nichts von ihr mehr zu sehen ist, und dauert, bis die Sonne 6 Grad unter dem Horizont ist. Die nautische Dämmerung dauert von 6 Grad bis 12 Grad unter Horizont - in dieser Zeit lässt sich mit den früheren Methoden der Standort eines Schiffes am besten bestimmen, denn die wichtigsten Sterne sind bereits da, aber der Horizont ist noch erkennbar. Bei der astronomischen Dämmerung (12 bis 18 Grad) ist es für das normale Auge bereits völlig finster, aber die Erkennbarkeit von Sternbildern und Milchstraße ist noch etwas eingeschränkt. Am Morgen das Ganze umgekehrt. Die bürgerliche Dämmerung endet mit dem ersten Sonnenstrahl über dem Horizont. Die Übergänge sind natürlich fließend. Kurz gefasst: Sonne weg, nicht mehr Tag. vor 19 Minuten schrieb Weihrauch: [...] dass im Judentum der Tag am Abend beginnt. Das kollidiert aber mit deiner Erklärung, so wie du sie eben schilderst. Dass ist mir auch beim Schreiben vorhin aufgefallen, dass meine Überlegung mit der jüdischen Tageseinteilung kollidiert. Aber, um mit einem jüdischen Witze-Stereotyp zu antworten: Dann kollidiert sie eben. 1 Zitieren
Weihrauch Geschrieben 15. August Melden Geschrieben 15. August vor 3 Minuten schrieb Alfons: vor 27 Minuten schrieb Weihrauch: [...] dass im Judentum der Tag am Abend beginnt. Das kollidiert aber mit deiner Erklärung, so wie du sie eben schilderst. Dass ist mir auch beim Schreiben vorhin aufgefallen, dass meine Überlegung mit der jüdischen Tageseinteilung kollidiert. Aber, um mit einem jüdischen Witze-Stereotyp zu antworten: Dann kollidiert sie eben. Niemand will unlogische Texte schreiben oder als Resultat seiner Redaktion stehen lassen. So wie es dasteht, arbeitet Gott nicht in der Tagschicht, wie du meintest, sondern in der Nachtschicht und der Tag fehlt irgendwie in der Erzählung. Wie kann das sein? Es scheint als wenn der Erzähler aus einer immerwährenden Nacht heraus erzählt, aus seinem Arbeitsplatz heraus, und man nennt den Verfasser einen Priester, P, die Priesterschrift. Diese Bezeichnung fand ich schon immer verwirrend, denn welcher der alttestamentlichen Texte wurde nicht von den Söhnen Aarons, den Endredaktoren verantwortet? Der Arbeitsplatz der Söhne Aarons ist das Urbild des Tempels, das Offenbarungszelt, und da ist es konstruktionsbedingt erst mal dunkel, das Zeltdach, die Feste dieses künstlichen Himmels macht die Finsternis, die Menora das Licht, unabhängig davon ob draußen gerade das kleine oder große Licht über das Land herrscht. Und auf der Menora brennen sieben Lampen, welche die sieben altorientalischen Planeten repräsentieren. Somit herrschen im Zelt der Finsternis, das große Licht und das kleine Licht und die fünf ganz kleinen Lichter, alle auf einmal, zur selben Zeit. Da steht der Kalender und die Zeit still, hier herrschen die sieben Augen Gottes und scheiden Licht und Finsternis, herrschen über den Kalender und die Zeit, sind zeitlos relevant für das Land, über alle Zeiten hinweg. Ergibt in meinen Augen Sinn so, und das Problem ist gelöst, falls das die textinterne Logik sein sollte. Zitieren
Alfons Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August vor 18 Stunden schrieb Weihrauch: Es scheint als wenn der Erzähler aus einer immerwährenden Nacht heraus erzählt, aus seinem Arbeitsplatz heraus, und man nennt den Verfasser einen Priester, P, die Priesterschrift. Mit einem solchen konkretistischen Verständnis - da sitzt ein einzelner Priester in einem verdunkelten Zelt und schreibt die Tora - hätte ich Probleme. Die Texte, über die wir reden, entstanden großenteils im babylonischen Exil. Ein Teil der aufsässigen Judäer, überwiegend aus der Oberschicht, war ab 597 vor unserer Zeitrechnung nach Babylon deportiert worden. Dort bildeten sich zwei religiöse Strömungen. "Zum einen gab es die pro-davidischen national-religiösen Oberschichtgruppen, die sich eventuell um die Davididen in Babylon geschart hatten und die als die >Deuteronomisten< angesehen werden. Zum anderen waren da die priester(schrift)lichen Kreise (anfänglich eventuell um Ezechiel), die in Bezug auf das Königtum einschränkende Vorbehalte hatten oder gar antiköniglich eingestellt waren." (Gertz, Grundinformationen Altes Testament, S.172) Ich glaube nicht, dass es in Babylon so etwas wie ein Offenbarungszelt gegeben hat - die Texte berichten ja über vergangene Zeiten. Zum Thema Sonne und Mond am vierten Schöpfungstag habe ich eine hübsche jüdische Legende gefunden. Vielleicht schreibe ich darüber noch etwas. Und dann könnten wir mit dem Tag 5 weitermachen. Zitieren
Weihrauch Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August (bearbeitet) vor 59 Minuten schrieb Alfons: vor 19 Stunden schrieb Weihrauch: Es scheint als wenn der Erzähler aus einer immerwährenden Nacht heraus erzählt, aus seinem Arbeitsplatz heraus, und man nennt den Verfasser einen Priester, P, die Priesterschrift. Mit einem solchen konkretistischen Verständnis - da sitzt ein einzelner Priester in einem verdunkelten Zelt und schreibt die Tora - hätte ich Probleme. Da hätte ich auch Probleme. vor 59 Minuten schrieb Alfons: Die Texte, über die wir reden, entstanden großenteils im babylonischen Exil. Ein Teil der aufsässigen Judäer, überwiegend aus der Oberschicht, war ab 597 vor unserer Zeitrechnung nach Babylon deportiert worden. Dort bildeten sich zwei religiöse Strömungen. "Zum einen gab es die pro-davidischen national-religiösen Oberschichtgruppen, die sich eventuell um die Davididen in Babylon geschart hatten und die als die >Deuteronomisten< angesehen werden. Zum anderen waren da die priester(schrift)lichen Kreise (anfänglich eventuell um Ezechiel), die in Bezug auf das Königtum einschränkende Vorbehalte hatten oder gar antiköniglich eingestellt waren." (Gertz, Grundinformationen Altes Testament, S.172) Ich glaube nicht, dass es in Babylon so etwas wie ein Offenbarungszelt gegeben hat - die Texte berichten ja über vergangene Zeiten. Das ist jetzt so, als wenn ich sage, dass der Erzähler eine Mutter ist, die auf der Bettkante sitzend ihrem Kind ein Märchen erzählt, und du mir mit den Gebrüdern Grimm und der historischen Entwicklungsgeschichte von Volksmärchen kommst. Die Textsorte ist Lyrik. Es genügt nicht zu sagen: Das ist Lyrik. Wenn man das sagt, muss man den Text auch lyrisch verstehen, und nicht entwicklungsgeschichtlich. Der Erzähler, wird hier von mir als Figur "im" Text beschrieben, so wie ich mich als Leser auch als Figur "im" Text verstehe, als ein mit allen Sinnen direkt Beteiligter, als jemand der physisch im Offenbarungszelt steht und beschreibt was er sieht - symbolisch, als Metapher um die Wahrnehmungsperspektive zu verdeutlichen. Kurz: Erzähler ist nicht Verfasser. bearbeitet 16. August von Weihrauch Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August Am 14.8.2026 um 23:51 schrieb Alfons: Ich bin gerade etwas verwirrt - welchen Schöpfungstag haben wir heute? Vier oder fünf? Aber wenn hier noch einmal über Tag 4 gesprochen wird, möchte ich zur Entstehung von Nacht und Tag noch etwas anfügen. Zwischen den Tagstunden und den Nachtstunden liegen die Dämmerungen. Nehmen wir den morgigen Tag, den 15. August. Da beginnt in Schwebenried im Landkreis Schweinfurt (warum genau dort könnt ihr selber herausfinden) die Dämmerung um 4.38 Uhr Sommerzeit.* Die Sonne geht dort um 5.55 Uhr auf, sie geht um 20.56 Uhr unter. Dann folgt die Dämmerung. Sie - also die nautische Dämmerung - endet um 22 Uhr Sommerzeit. Dann wird es am morgigen Samstag Nacht in Schwebenried. Tag und Nacht lassen sich nicht nur als Gegensätze verstehen, sondern als ein Kontinuum. Sie gehen ineinander über. Im Winter ist in unseren Breiten die Nacht länger, im Sommer gibt es mehr helle Stunden, der Erdneigung sei es gedankt. Für Kanaan (oder Babylon, oder wo immer man bei dieser Erzählung den Sitz im Leben annimmt) ist der Effekt weniger krass, zugegeben. Aber doch deutlich. Ich erwähne das, weil vor kurzem ein Pfarrer, der sich für queere Christen einsetzt und dem ich auf Instagram folge, auf eine Analogie aufmerksam gemacht hat. Wie beim vierten Schöpfungstag sieht er auch am sechsten Tag ein Kontinuum. An dem Tag, an dem Gott den Menschen erschuf, schuf er ihn "männlich und weiblich", so steht es in Genesis 1, 27 b Einheitsübersetzung. In der Lutherbibel steht immer noch "als Mann und Frau", aber da bin ich sicher, dass der hebräische Text das nicht hergibt. "Mann und Frau", als Gegensatz wie "Tag und Nacht" verstanden, mag biologisch stimmen, xx kontra xy, mit minimalen Ausnahmen. Aber der Mensch "männlich und weiblich" - das lässt sich als ein Kontinuum verstehen. Da kann ich, obwohl stockhetero, dem erwähnten Pfarrer folgen. Ich sehe zwar, dass der Vergleich mit der Dämmerung nur begrenzt tragfähig ist, aber ich weiß, dass Menschen, unabhängig von ihrer biologischen Polung, oft eine Mischung aus weiblichen und männlichen Eigenschaften und Vorlieben in sich tragen. Der Anteil hat nicht immer etwas mit der biologischen Polung zu tun. In der Schöpfung ist, so gesehen, selbstverständlich Platz für queere Menschen. * Ganz genau gesagt die nautische Dämmerung. Es gibt drei Stufen der Dämmerung, die bürgerliche, die nautische und die astronomische. Die nautische ist die mittlere. Im Judentum ('liturgischer Kalender') beginnt der neue Tag mit Sonnenuntergang. Alle Regeln des Tages gelten ab diesem Zeitpunkt. Bis zum nächsten Sonnenuntergang (plus ungefähr eine Stunde, so es sich um Regeln handelt, die einzuhalten sind). So dauern Feiertage rund 25 Stunden, egal in welcher Jahreszeit. Dem Pfarrer für queere Christen empfehle ich dagegen eher den 2. Schöpfungbericht. Hier wird der Mensch als 'Zwitterwesen' geschaffen, das künstlich getrennt wird, nicht zwei getrennte Wesen wie am 6. Schöpfungstag. Um es mit einem mir sehr lieben Rabbiner auszudrücken, bei der Trennungs-OP kann so einiges schief gehen, und so kommen Menschen zustande, die nicht wirklich eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können. Das ist lediglich ein Gedanke, kein Dogma, das keine Umweg über die Dämmerung braucht. Und weil das schon lange bekannt ist, dass das nicht immer ganz eindeutig ist, beschäftigt sich der Talmud schon damit, wobei es bei der Diskussion lediglich darum geht, wer welche Gesetze zu befolgen hat. (Es gibt unterschiedliche Regelungen für Männer und Frauen. Frauen kommen deutlich besser weg.) Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August vor 6 Stunden schrieb Alfons: Zum Thema Sonne und Mond am vierten Schöpfungstag habe ich eine hübsche jüdische Legende gefunden. Vielleicht schreibe ich darüber noch etwas. Und dann könnten wir mit dem Tag 5 weitermachen. Die mit Abraham? Ich liebe sie, wollte sie aber hier nicht abladen. Mach Du das bitte. (Hat ihren Weg auch in die Hadithen geschafft.) Zitieren
johannes12 Geschrieben 16. August Autor Melden Geschrieben 16. August Am 14.8.2026 um 17:32 schrieb johannes12: 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 1 Mose 1,18 über Tag - hellen Abschnitt des gesamten Tages und Nacht - Ein Abschnitt des gesamten Tages in dem die Sonne nicht leuchtet herrschen - bei Tag herrscht die Sonne, bei Nacht herrscht der Mond und das Licht - bei dem ist möglich die Wirklichkeit wahrnehmen durch das Sehen von der Finsternis - bei totaler Finsternis ist die Wahrnehmung durch das Sehen unmöglich scheiden. - ... Gott sah, dass es gut war. - gut für alles 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 1 Mose, 1,19 Ausgehend nur von diesem Vers könnte man sich fragen: Und wo sind denn geblieben der Tag und die Nacht? ... Die waren schon erwähnt in vorigen Versen. Zitieren
Higgs Boson Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August (bearbeitet) Noch ein kleiner Nachklapp zu Sonne, Mond und Sterne als Götter. Diese Woche ist der Wochenabschnitt 'Shoftim' dran, 'Richter' (nicht zu verwechseln mit dem Buch Richter!). In den Texten, die mir für Samstag und Sonntag zugefallen sind, wird erwähnt, wie mit 'Götzenanbetern' im eigenen Volk umzugehen ist. Aber interessant, wie sie definiert werden: Als jemand, der sich vor Sonnen, Mond oder den Gestirnen verbeugt und diese anbetet. Fühlte ich mich beim Lesen gleich getriggert. Diese Regelungen betreffen nicht die anderen Völker! Und ist dann auch verständlich, dass das Aufgehen eines neuen Sterns bei Matthäus von den Magiern aus dem Osten als neuen König (oder Gott) gedeutet werden - das war deren Verständnis von Göttern. Aber gleichzeitig, überzeugt gerade das Juden nicht. Dabei macht sich Matthäus wirklich große Mühe, sein AT zu zitieren. (Was er dabei missachtet, soll nicht Gegenstand dieses Threads sein, es ist ein Glaubenszeugnis, und als solches will ich es stehenlassen!) bearbeitet 16. August von Higgs Boson Zitieren
Alfons Geschrieben 16. August Melden Geschrieben 16. August vor 2 Stunden schrieb Higgs Boson: vor 9 Stunden schrieb Alfons: Zum Thema Sonne und Mond am vierten Schöpfungstag habe ich eine hübsche jüdische Legende gefunden. Vielleicht schreibe ich darüber noch etwas. Und dann könnten wir mit dem Tag 5 weitermachen. Die mit Abraham? Ich liebe sie, wollte sie aber hier nicht abladen. Mach Du das bitte. (Hat ihren Weg auch in die Hadithen geschafft.) Du meinst die Geschichte, wo der junge Abraham zum Himmel blickt, um den Schöpfer zu erkennen? Alles, was er für den Schöpfer hält - zuerst den Abendstern, dann den Mond und schließlich die Sonne - versinkt schließlich am Horizont, so erkennt er, dass noch eine unsichtbare Macht über diesen Gestirnen sein muss. Steht so ähnlich auch in der 6. Sure. Nein, ich hatte eine andere Legende gemeint. Der konservative jüdische Philologe Louis Ginzberg, der 1899 in die USA ausgewandert war, hat zwischen 1909 und 1938 jüdische Legenden aus Überlieferungen wie Midrasch und Aggada gesammelt, in die Reihenfolge der Tora gebracht und veröffentlicht - allerdings nur auf Englisch. Sein Original-Manuskript (auf Deutsch!) wurde erst jetzt entdeckt und veröffentlicht. Das Buch (Louis Ginzberg: Die Legenden der Juden, 1500 Seiten) ist schweineteuer, ich werde es mir aber wohl bestellen. Zum vierten Schöpfungstag gibt es dort eine Legende, dass Sonne und Mond ursprünglich gleich hell gewesen seien. Ich kann die hier aus rechtlichen Gründen nicht komplett reinstellen, zudem ist sie recht lang. In der Legende beschwert sich der Mond bei Gott, dass er gleich hell wie die Sonne sei - er möchte heller sein: „O Herr, welche der beiden Welten ist die größere, diese Welt oder die kommende Welt?“ Gott: „Die kommende Welt ist die größere.“ Der Mond: „O Herr, Du hast zwei Welten erschaffen, eine größere und eine kleinere Welt; Du hast den Himmel und die Erde erschaffen, wobei der Himmel die Erde überragt; Du hast Feuer und Wasser erschaffen, wobei das Wasser stärker ist als das Feuer, weil es das Feuer löschen kann; und nun hast Du die Sonne und den Mond erschaffen, und es ist angemessen, dass einer von ihnen größer sein sollte als der andere.“ Gott ist sauer und bestraft den Mond. Er darf nur ein Sechzigstel seines Lichts behalten. In der künftigen Welt soll er aber wieder gleich hell sein. Doch weil der Mond weiter mosert, wird Gott erneut wütend: In der künftigen Welt werde die Sonne siebenmal heller sein als jetzt. Faszinierend finde ich, dass in dieser alten Überlieferung Sonne und Mond als unglückliche Geschöpfe geschildert werden. Sie "erscheinen vor Gott und flehen ihn an, sie von ihrer Aufgabe zu entbinden, damit ihnen der Anblick der sündigen Menschheit erspart bleibe. Nur unter Zwang setzen sie ihren täglichen Lauf fort." Die Menschen, so heißt es weiter, können nicht einmal "das Reiben der Sonne an dem Rad hören, an dem alle Himmelskörper befestigt sind. [...] Diese Reibung zwischen Sonne und Rad lässt die Staubkörnchen in den Sonnenstrahlen tanzen. Sie sind die Heilsbringer für die Kranken, die einzigen gesundheitsspendenden Geschöpfe des vierten Tages – insgesamt ein unglücklicher Tag, besonders für Kinder, die er mit Krankheit heimsucht." Der vierte Schöpfungstag als unglücklicher Tag, und die Staubkörnchen, die im Sonnenlicht tanzen, als das einzige Tröstliche - das ist zumindest meinem Denken heute sehr fern. 1 Zitieren
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