Merkur Geschrieben Montag um 09:50 Melden Geschrieben Montag um 09:50 vor 3 Minuten schrieb Flo77: Ich fürchte das wird schon daran scheitern, was eine Religion bzw. Kultur als "Glück" bezeichnet. In den "high-demand"-Religionen dürfte es ein übliches Konzept sein, Glück bzw. den Weg dahin weitgehend standardisiert zu verstehen. Könnte damit zusammenhängen, daß eine komplexe Theologie häufig eine ebenso komplexe Anthropologie mitsichbringt. Darüber hinaus ist Religion originär ein Mechanismus zur Konservierung des Status quo und der Sicherung des Überlebens einer Gruppe. Da geht es in hohem Maße um Kontrolle, auch des Einzelnen. Wo siehst du da eine komplexe Anthropologie? Ich finde diese Vorstellungen eher unterkomplex. 1 Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 09:53 Melden Geschrieben Montag um 09:53 (bearbeitet) Wir sind ja hier im Katholikentagsthread, und eigentlich sind solche grundsätzlichen Fragen die, die in der Kirche gestellt werden müssten, wenn sie auch in der Zukunft noch irgendeine Relevanz haben möchte. Stattdessen diskutiert man über kleinlichen Unfug wie Segensfeiern ja oder nein, oder Frauen geweiht werden können. Also statt darüber, wie eine auf einer überholten antiken Weltsicht basierende Theologie an die moderne Weltsicht angepasst werden könnte, diskutiert man darüber, wie man einzelne Punkte der überholten antiken Theologie etwas weniger unangenehm formulieren könnte Werner bearbeitet Montag um 10:03 von Werner001 2 Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:00 Melden Geschrieben Montag um 10:00 vor 1 Minute schrieb Werner001: Ich frage mich, was der philosophische Naturbegriff denn sein soll. Geht es da um irgendetwas Reales, oder ist das nicht nur etwas völlig hypothetisches, theoretisches, das mit der Natur nichts zu tun hat? Jedenfalls scheint mir ein philosophischer Begriff, der auf einer überschaubaren Region der Erde als Universum (theologisch „Schöpfung“ genannt) basiert, nicht für den modernen Schöpfungsbegriff (heutiges Wissen über das Universum) zu passen. Bitte schön sauber trennen. Der in der Kirche verwendete Naturbegriff hat Bezüge zur realen Welt, ABER er beruht auf der Verknüpfung aristotelischer Philosophie insbesondere auf seinen Konzepten von Physik und Metaphysik, die Thomas von Aquin weiterentwickelt und mit anderen Konzepten verknüpft hat. Ich bin an dieser Stelle allerdings raus, weil mir für all diese Konzepte jedes Verständnis fehlt (und ich es von außen betrachtet auch in weiten Teilen einfach für das Ergebnis eines Geistes halte, der zu viel Zeit hatte und nicht körperlich an sich selbst spielen durfte), ich also TvA et al. weder inhaltlich noch konzeptionell wirklich folgen kann. Ich weiß nur, daß dieses ganze Konzept der Natur des Menschen nur im Rahmen dieses Komplexes verständlich ist und in seiner tatsächlichen Aussage erfasst werden kann. Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:01 Melden Geschrieben Montag um 10:01 vor 11 Minuten schrieb Merkur: Wo siehst du da eine komplexe Anthropologie? Ich finde diese Vorstellungen eher unterkomplex. Hast Du TvA verstanden? Zitieren
SteRo Geschrieben Montag um 10:04 Melden Geschrieben Montag um 10:04 vor 43 Minuten schrieb Werner Hoffmann: Heute am Pfingstmontag, den 25. Mai ist der IDAHOBITA 2026 der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans - und Asexuellenfeindlichkeit. Wie steht die katholische Kirche dazu ? Ist diese homophob und diskriminiert Menschen der lgbtqia+ und queere Menschen ? Denn dies wäre eine Sünde. Hasse die Sünde, aber nicht den Sünder. Liebe den Sünder, aber nicht die Sünde. Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:06 Melden Geschrieben Montag um 10:06 vor 9 Minuten schrieb Werner001: Also statt darüber, wie eine auf einer überholten antiken Weltsicht an die moderne Weltsicht angepasst werden könnte, diskutiert man darüber, wie man einzelne Punkte der überholten antiken Theologie etwas weniger unangenehm formulieren könnte Aber nimm mal Philo, den augustinischen Manichäismus, Aristoteles, Plato, etc. aus dem Lehrgerüst der Kirche heraus... Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:06 Melden Geschrieben Montag um 10:06 vor 24 Minuten schrieb Werner Hoffmann: IDAHOBITA 2026 der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans - und Asexuellenfeindlichkeit. Wahrscheinlich ist die katholische Kirche diesbezüglich mittlerweile aufgeschlossen, aber nicht die die fanatischen protestantischen Freikirchen wie Adventisten, Baptisten, Pfingstler, Evangelikalen usw, die rigoros gegen lgbtqia+ vorgehen und sich damit versuendigen. Mit sind im Übrigen auch streng gläubige Muslime bekannt, die aus Marokko, Naher Osten, Südosteuropa usw. kommen und auffallend verachtend und feindselig gegenüber lgbtqia+ sind. Hass auf lgbtqia+ findet man besonders in Afghanistan, Pakistan, Iran usw. Dieser Hass im Islam gegenüber lgbtqia+ steht im krassen Gegensatz zur Liebe Gottes. Ich hasse Buchstabensalat. 1 Zitieren
Merkur Geschrieben Montag um 10:21 Melden Geschrieben Montag um 10:21 vor 16 Minuten schrieb Flo77: Hast Du TvA verstanden? Das ist Derailing. Lenkt nur vom wesentlichen ab. Die Forderungen, die sich aus der Anthropologie ergeben, sind überaus schlicht. Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 10:24 Melden Geschrieben Montag um 10:24 vor 4 Minuten schrieb Flo77: Aber nimm mal Philo, den augustinischen Manichäismus, Aristoteles, Plato, etc. aus dem Lehrgerüst der Kirche heraus... Dann musst du es neu füllen. Wem hilft es denn, uralte Fragen, die schon ewig keiner mehr stellt und deren Sinnlosigkeit angesichts moderner Erkenntnisse offensichtlich ist, immer nochmal wiederzukäuen? Da verwundert es denn nicht, wenn selbst eine im Vergleich zum Christentum sehr einfältige Religion wie der Islam auf der Überholspur ist, wenn sich der überlegene Intellekt christlicher Theologie auf sinnlose Themen verschwendet. Wenn man mal von einem Schöpfer ausgeht: Fakt ist: wir Menschen sind nicht Krone und Mittelpunkt der Schöpfung, um die sich alles dreht, einschließlich des Schöpfers selbst. Wir sind in der Schöpfung eine sehr unbedeutende Randerscheinung, und trotzdem auch etwas besonderes, denn wir haben ein Bewusstsein entwickelt und können daher darüber nachdenken, ob uns vielleicht irgendeine Rolle im großen Schöpfungsplan zugedacht ist. Nicht die Hauptrolle, soviel ist klar, und bestimmt besteht sie auch nicht darin, aufzupassen, mit wem wir Sex haben, was wir essen oder zu welcher Uhrzeit wir in welche Richtung bestimmte Leibesübungen machen. Was also ist unsere Rolle in diesem unvorstellbar großen Plan? Damit könnte sich moderne Theologie befassen. Nicht mit den Fragen der Eisenzeitlichen Weltsicht Werner 1 Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:27 Melden Geschrieben Montag um 10:27 vor 30 Minuten schrieb Werner001: Wir sind ja hier im Katholikentagsthread, und eigentlich sind solche grundsätzlichen Fragen die, die in der Kirche gestellt werden müssten, wenn sie auch in der Zukunft noch irgendeine Relevanz haben möchte. Stattdessen diskutiert man über kleinlichen Unfug wie Segensfeiern ja oder nein, oder Frauen geweiht werden können. Also statt darüber, wie eine auf einer überholten antiken Weltsicht basierende Theologie an die moderne Weltsicht angepasst werden könnte, diskutiert man darüber, wie man einzelne Punkte der überholten antiken Theologie etwas weniger unangenehm formulieren könnte Einer der Mustertexte weshalb die Lehre der Kirche heute kaum mehr verstanden wird, ist mMn die Predigt des Heiligen Sava über den wahren Glauben von 1221. Leider scheint es den Text nicht mehr auf Deutsch zu geben. https://orthochristian.com/176044.html Zitieren
Flo77 Geschrieben Montag um 10:34 Melden Geschrieben Montag um 10:34 vor 4 Minuten schrieb Werner001: Was also ist unsere Rolle in diesem unvorstellbar großen Plan? James Tabor hat einen Ansatz entwickelt, daß Gottes Plan für den Menschen darin besteht die Welt durch Mishpat, Tsdaqa und Chesed zu einem lebenswerten Ort zu machen. Seine Argumentation, wie er dahin kommt, hat massive Schwächen und er wird für seine Steinbruchmethodik zu recht kritisiert, aber das Ergebnis erscheint mir logisch und sinnvoll. Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 10:48 Melden Geschrieben Montag um 10:48 vor 3 Minuten schrieb Flo77: James Tabor hat einen Ansatz entwickelt, daß Gottes Plan für den Menschen darin besteht die Welt durch Mishpat, Tsdaqa und Chesed zu einem lebenswerten Ort zu machen. Seine Argumentation, wie er dahin kommt, hat massive Schwächen und er wird für seine Steinbruchmethodik zu recht kritisiert, aber das Ergebnis erscheint mir logisch und sinnvoll. Solche Ansätze kenne ich, aber die haben einen grundsätzlichen Webfehler: Der Mensch ist da, um die Welt für Menschen lebenswert zu machen? Das ist kein Grund. Du wirst wahrscheinlich auch bemüht sein, deine Wohnung einigermaßen gemütlich zu gestalten, aber der Grund, warum du eine Wohnung hast, ist nicht, damit du sie gemütlich gestalten sollst. warum also sind wir da? Das ist die Frage. Und wo wir nunmal, warum auch immer, hier sind, sollten wir natürlich schauen, dass die Erde möglichst lebenswert ist. Aber warum sind wir überhaupt da? Werner Zitieren
Shubashi Geschrieben Montag um 11:06 Melden Geschrieben Montag um 11:06 1 hour ago, Flo77 said: Warum sollte ich, wenn Du den philosphischen Naturbegriff hier wüst mit einem materiellen vermischst und keinerlei Bereitschaft zeigst, es überhaupt verstehen zu wollen. Zumal ich nicht Theologie studiert habe (geschweigedenn Philosophie). Und nur, damit Du hier wieder rumgeifern kannst, mach ich mir die Mühe sicher nicht. Na ja, für eine sinnvolle Diskussion ist ein verständlicher Sprachgebrauch schon sinnvoll. Ich verstehe leider bisher auch nicht, worauf Du hinaus willst. Zitieren
Shubashi Geschrieben Montag um 11:14 Melden Geschrieben Montag um 11:14 1 hour ago, Werner001 said: Wir sind ja hier im Katholikentagsthread, und eigentlich sind solche grundsätzlichen Fragen die, die in der Kirche gestellt werden müssten, wenn sie auch in der Zukunft noch irgendeine Relevanz haben möchte. Stattdessen diskutiert man über kleinlichen Unfug wie Segensfeiern ja oder nein, oder Frauen geweiht werden können. Also statt darüber, wie eine auf einer überholten antiken Weltsicht basierende Theologie an die moderne Weltsicht angepasst werden könnte, diskutiert man darüber, wie man einzelne Punkte der überholten antiken Theologie etwas weniger unangenehm formulieren könnte Werner Ist wirklich „kleinlicher Unfug“ das Problem der Kirche? Oder eher ein Problem in hyperaffluenten westlichen Gesellschaften, wo über „Sichtbarkeiten“ debattiert wird, statt überleben? Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 11:20 Melden Geschrieben Montag um 11:20 vor 4 Minuten schrieb Shubashi: Ist wirklich „kleinlicher Unfug“ das Problem der Kirche? Oder eher ein Problem in hyperaffluenten westlichen Gesellschaften, wo über „Sichtbarkeiten“ debattiert wird, statt überleben? Beides. Werner Zitieren
bw83 Geschrieben Montag um 16:23 Melden Geschrieben Montag um 16:23 (bearbeitet) Am 24.5.2026 um 06:12 schrieb Frank: Was hat mich verraten? Die 'unitive Dimension' oder der 'Pelagianismus'? 😅 Nicht nur die moderne Technik entwickelt sich weiter - auch Menschen tun es, lernen dazu, sammeln Erfahrungen und Ideen. Davon abgesehen: Ob, wann und wie ich moderne Werkzeuge nutze, geht dich schlicht nichts an. Oben links steht mein Nickname. Das bedeutet: Jedes Argument, jede theologische Verknüpfung und jeder Gedanke im Text darunter, ist meine persönliche Überzeugung, ist die Haltung eines Menschen. Ein echten Menschen. So richtig lebendig aus Fleisch und Blut. Jeder Gedanke ist von mir – HI, wenn du so willst. Ob es jeder Halbsatz ist, sollte für dich keine Rolle spielen, wenn du Argumente hast. Vermehrt eingebaute Gedankenstriche sind übrigens auch so ein typischer Hinweis auf die Verwendung einer KI. bearbeitet Montag um 16:26 von bw83 Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 16:27 Melden Geschrieben Montag um 16:27 Also ich persönlich - obwohl ich es könnte - enthalte mich der Verwendung von KI. Ja klar, gerne ergänze ich das: ich schreibe alles - ohne Ausnahme - selbst. Werner 1 Zitieren
bw83 Geschrieben Montag um 16:36 Melden Geschrieben Montag um 16:36 vor 8 Minuten schrieb Werner001: Also ich persönlich - obwohl ich es könnte - enthalte mich der Verwendung von KI. Ja klar, gerne ergänze ich das: ich schreibe alles - ohne Ausnahme - selbst. Werner Das war - wie ich finde - richtig witzig. Hihi! Zitieren
Werner001 Geschrieben Montag um 17:10 Melden Geschrieben Montag um 17:10 vor 32 Minuten schrieb bw83: Das war - wie ich finde - richtig witzig. Hihi! Danke! Melde gerne jederzeit wenn ich dir helfen soll! 🤣😂 Werner Zitieren
iskander Geschrieben Montag um 20:28 Melden Geschrieben Montag um 20:28 (bearbeitet) vor 13 Stunden schrieb Flo77: Nein. Aber Denken in größeren azusammenhängen ist offensichtlich aus der Mode gekommen. Entschuldige: Aber ein "Gott hat sich inkarniert, also sind homosexuelle Handlungen strengstens verboten" hat mit einem "Denken in größeren Zusammenhängen" genauso viel zu tun wie dies: "Gott hat sich inkarniert, also ist der Verzehr von Schokolade am Montag strengstens verboten". Ohne eine (zumindest aus christlicher Sicht) plausible Brücke, die die eine Aussagen eine mit dem anderen verbindet, handelt es sich hier einfach um zwei ganz verschiedene Propositionen ohne jedweden erkennbaren inhaltlichen Zusammenhang und ohne irgendeine Folge-Beziehung. vor 20 Stunden schrieb Flo77: Na irgendeine Logik muss ja dahinterstecken. Ob man diesem Logikpfad folgt ist eine andere Geschichte. Interessanterweise kam Kant zu einer ähnlichen Einschätzung der Sexualität - welcher Logik auch immer, Kant gefolgt ist... Die "Logik" bei Kant geht etwa so: 'Wenn der Mensch aus sexueller Lust handelt, dann handelt er wie ein Tier, das seinem Trieb folgt.' Was daran schlecht ist, sagt Kant meines Wissens aber nirgendwo; noch erklärt er, wieso es beispielsweise beim Essen in Ordnung ist, wenn der Mensch seinen "animalischen" Bedürfnissen folgt und bei Hunger Nahrung verzehrt. vor 10 Stunden schrieb Werner001: Ich frage mich, was der philosophische Naturbegriff denn sein soll. Geht es da um irgendetwas Reales, oder ist das nicht nur etwas völlig hypothetisches, theoretisches, das mit der Natur nichts zu tun hat? Anders als Flo sehe ich nicht den leisesten Anhaltspunkt dafür, dass die Kirche dort, wo es um ihre Sexualmoral geht, mit irgendeinem "ungewöhnlichen" Menschenbild operieren würde. Ganz im Gegenteil spricht m.E. alles dafür, dass sie einfach von der offenkundigen und unbestrittenen Natur des Menschen ausgeht: Die sexuelle Anlage kann dazu genutzt werden, Kinder zu zeugen. Das ist die Basis, uns daran ist nichts mysteriös oder verschroben. Die Kirche sagt zudem - und das ist natürlich nun eine theologische Überzeugung - dass diese allgemein bekannte Natur des Menschen zielgerichtet von Gott geschaffen wurde, und zwar (zumindest auch) deshalb, damit der Mensch mithilfe seiner Sexualität Kinder zeugen kann. Selbst wenn man diese Auffassung nicht teilt, ist sie völlig problemlos verständlich. Und alles andere - insbesondere, dass nach Gottes Willen die Menschheit grundsätzlich Kinder zeugen soll - folgt dann ja auch recht plausibel. Das ist die gesamte Ausgangsbasis, die ich sowohl bei Thomas v. Aquin wie auch im KKK oder beispielsweise Persona humana, Humane vitae oder Casti connubii identifizieren kann. Ich sehe da nirgendwo etwas Rätselhaftes oder einen "speziellen" Natur-Begriff. Und wie kommt man von dieser gerade genannten Ausgangs-Basis dann zu den konkreten Geboten der Kirche wie etwa dem strengen Verbot aller "vollendeten" nicht-vaginalen sexuellen Akte? Natürlich gar nicht. Betrachten wir das an einem konkreten Beispiel. So heiß es im KKK (2357): "Sie [gemeint sind homosexuelle Akte] verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen." Wie man sieht, bezieht die Kirche sich hier auf die ganz normale, allen bekannte menschliche Natur, zu der eben auch gehört, dass (manche) sexuellen Akte zur Weitergabe des Lebens führen können. Wie kommt die Kirche aber nun dazu, dass es Gottes Wille (bzw. das natürliche Sittengesetz) es gebiete, dass ein jeder sexuelle Akt, bei dem das menschliche Leben nicht weitergegeben werden kann, zu unterlassen sei? Nun, sie begründet es gar nicht wirklich: Weder hier noch (soweit mir das bekannt ist) noch an anderer Stelle. Sehr wahrscheinlich steht aber (mindestens) einer der beiden folgenden Fehlschlüsse dahinter: "Gott will, das der Mensch (unter geeigneten Bedingungen) seine Sexualität so nutzt, dass eine Weitergabe des menschlichen Lebens möglich ist - also will er auch, dass der Mensch seine Sexualität nur so nutzt, dass eine Weitergabe des menschlichen Lebens möglich ist." (Hier würde man also aus einem "X soll zum Zweck Z benutzt werden" ein "X darf nur zum Zweck Z" benutzt werden ableiten. Der andere Fehlschluss (auf den es m.E. in manchen Formulierungen konkrete Hinweise gibt) ginge in etwa so: "Die sexuelle Anlage ist gemäß Gottes Willen für die Zeugung da - also ist auch jeder einzelne sexuelle Akt gemäß Gottes Willen für die Zeugung da (und verstößt als gegen Gottes Willen, wenn er nicht zur Zeugung führen kann)." Die ganze Geschichte ist also im Grunde ganz einfach und hat nichts mit einer unverständlichen oder dem Normalmenschen unzugänglichen "Natur des Menschen" zu tun. Sie hat auch nur insofern mit dem christlichen Menschenbild zu tun, dass vorausgesetzt wird, dass der Mensch samt seiner Sexualität von Gott erschaffen wurde. Aber schon die Lehre vom Sündenfall ist hier nicht mehr einschlägig. Alles, worum es hier geht, ist dies: Bestimmte sexuelle Akte können zur Zeugung von Kindern führen, und Gott hat das absichtlich so eingerichtet. Wer das anders sieht, den würde ich bitten, anhand konkreter Textstellen Anhaltspunkte für seine These zu liefern. bearbeitet Montag um 20:36 von iskander 1 Zitieren
Frank Geschrieben Montag um 20:28 Melden Geschrieben Montag um 20:28 vor 4 Stunden schrieb bw83: Vermehrt eingebaute Gedankenstriche sind übrigens auch so ein typischer Hinweis auf die Verwendung einer KI. Das hat die KI von mir. Gedankenstriche setzen wo es mit Komma oder Klammer auch ginge konnte ich schon, da gabs KI noch gar nicht Zitieren
Guppy Geschrieben Montag um 21:16 Melden Geschrieben Montag um 21:16 vor 29 Minuten schrieb iskander: Die "Logik" bei Kant geht etwa so: 'Wenn der Mensch aus sexueller Lust handelt, dann handelt er wie ein Tier, das seinem Trieb folgt.' Was daran schlecht ist, sagt Kant meines Wissens aber nirgendwo; noch erklärt er, wieso es beispielsweise beim Essen in Ordnung ist, wenn der Mensch seinen "animalischen" Bedürfnissen folgt und bei Hunger Nahrung verzehrt. Soweit ich weiss sagt Kant in etwa, dass der Mensch als eigentlich vernunftsbegabtes Wesen sich selbst entwürdigt, wenn er nicht mehr rational handelt, sondern einfach nur einem Trieb folgt. Dein Vergleich mit dem Essen ist Unsinn, weil Nahrungsaufnahme für einen Menschen lebensnotwendig ist. Nichts mehr zu Essen führt unweigerlich zur physischen Selbstvernichtung des Menschen. Von daher ist die bewußte Nahrungsaufnahme ein rationales Handeln. Sexualität ist nicht lebensnotwendig für den Menschen, höchstens in einem übergeordneten Sinn, z.B. das Überleben einer Familie, einer Gesellschaft, einer Kultur. In dem Zusammenhang wird Sexualität dann aber rational genutzt in Form von Fortpflanzung und Familiengründung. Zitieren
iskander Geschrieben Montag um 21:40 Melden Geschrieben Montag um 21:40 (bearbeitet) @Guppy Erstens: Kants Argument sagt nur, dass der Mensch, wenn er einem Trieb folgt, den er mit einem Tier teilt, nachgeht, sozusagen auf die Stufe eines Tieres sinkt. Die Differenzierung, dass das nur dann gelten soll, wenn der Trieb nicht lebensnotwendig ist, macht er nicht. Zweitens: Doch selbst wenn man Deine Differenzierung mitmacht: Wieso sollte das (kultivierte, sozialverträgliche) Ausleben eines Triebs denn nur dort in Ordnung sein, wo es einen hohen und übergeordneten Sinn wie die Selbst- und die Arterhaltung erfüllt, sonst aber nicht? Wieso sollte der Mensch seine Triebnatur überall dort unterdrücken müssen, wo ihr Einsatz nicht zum Erreichen eines hohen Gutes unbedingt notwendig ist? Rational handeln ja heißt nicht, alles Triebhafte (das ja auch zur menschlichen Natur gehört) so weit wie nur möglich zu negieren, sondern es so zu gebrauchen, dass es bereichernd oder mindestens neutral statt destruktiv wirkt. Drittens: Wenn man Deine Prämisse akzeptiert, wäre auch der Wunsch, einen guten Geschmack im Mund zu haben, nur dann in Ordnung sei, wenn dadurch ein übergeordneter Zweck erfüllt wird, nämlich die Selbsterhaltung durch Nahrungsaufnahme; es wäre dann aber menschenunwürdig, ein Kaugummi zu kauen, weil das ja nur dem sinnlichen Vergnügen dient und das Genuss-Streben nicht durch einen höheren Zweck gerechtfertigt wird. Viertens: Wenn man Deiner Argumentation folgt, wie will man es dann rechtfertigen, dass Leute Sex haben, ohne dass eine Fortpflanzung oder Familiengründung möglich ist? Genau das aber erlaubt die Kirche grundsätzlich (NFP unter bestimmten Umständen zur Geburtenkontrolle, Sex bei definitiv unfruchtbaren Paaren). Oder willst Du sagen, dass die Kirche sich irrt? Fünftens: Hast Du eigentlich eine KI gebeten, eine Antwort auf meinen Beitrag zu verfassen und diese (mindestens sinngemäß) übernommen? Oder möchtest Du mir erzählen, dass Du Dich mit Kants Moralphilosophie befasst hast? bearbeitet Montag um 21:58 von iskander Zitieren
iskander Geschrieben Montag um 22:41 Melden Geschrieben Montag um 22:41 Am 23.5.2026 um 11:16 schrieb Frank: Wenn es aberr die Lehre ist die krank macht, dann geht es hier an das Selbstverständnis von Kirche. Sind wir der "Erlösungsverkündigungsverein" als den uns Jesus Christus gegründet hat oder sind wir "der eine Ring sie zu Knechten"? Dazu beispielhaft: https://www.reddit.com/r/excatholic/comments/1tfoydh/getting_married_having_a_baby_have_made_me_even/?sort=old Zitieren
phyllis Geschrieben Montag um 23:12 Melden Geschrieben Montag um 23:12 17 hours ago, iskander said: Es geht bei der alttestamentarischen Sexualmoral [...] im Wesentlichen schlichtweg um die Wahrung der Eigentumsrechte des Mannes. Denn zum Eigentum des Mannes gehören seine Frauen und seine Töchter. So einfach ist es nicht. Es gab ja auch Prophetinnen. Und Frauen in einer wohlhabenden Sippe haben immer mehr Rechte und Privilegien, Patriarchismus hin oder her. Und dass Sex irgendwie schmutzig sei steht schon beim alten Moses. https://www.biblegateway.com/passage/?search=2%20Mose%2019&version=LUTH1545 Quote Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich will zu dir kommen in einer dicken Wolke, auf daß dies Volk es höre, wenn ich mit dir rede, und glaube dir ewiglich. Und Mose verkündigte dem HERRN die Rede des Volks. 10 Und der HERR sprach zu Mose: Gehe hin zum Volk und heilige sie heute und morgen, daß sie ihre Kleider waschen 11 und bereit seien auf den dritten Tag; denn am dritten Tage wird der HERR herabfahren auf den Berg Sinai. 12 Und mache dem Volk ein Gehege umher und sprich zu ihnen: Hütet euch, daß ihr nicht auf den Berg steiget noch sein Ende anrührt; denn wer den Berg anrührt, soll des Todes sterben. 13 Keine Hand soll ihn anrühren, sondern er soll gesteinigt oder mit Geschoß erschossen werden; es sei ein Tier oder ein Mensch, so soll er nicht leben. Wenn es aber lange tönen wird, dann sollen sie an den Berg gehen. 14 Mose stieg vom Berge zum Volk und heiligte sie, und sie wuschen ihre Kleider. 15 Und er sprach zu ihnen: Seid bereit auf den dritten Tag, und keiner nahe sich zum Weibe. Aber ich gehe auch davon aus dass sie es damit nicht übertreiben konnten. Rein aus überlebens-technischen Gründen. Kleiner Stamm, hohe Kindersterblichkeit. In der Spätantike war das anders, die christliche Religion war nicht mehr an einen Stammbaum gebunden. 1 hour ago, iskander said: Erstens: Kants Argument sagt nur, dass der Mensch, wenn er einem Trieb folgt, den er mit einem Tier teilt, nachgeht, sozusagen auf die Stufe eines Tieres sinkt. Die Differenzierung, dass das nur dann gelten soll, wenn der Trieb nicht lebensnotwendig ist, macht er nicht. Ja klar, Kant der Freund und Fürsprecher des Hedonismuses. Selbstredend geht er davon aus dass der Mensch eben nicht auf die Stufe eines Tieres sinken soll. Wer den kategorischen Imperativ auch nur ansatzweise verstanden hat kann das problemlos nachvollziehen. Vermutlich lehnt er Völlerei und Besäufnis aus denselben Gründen ab Aber @Guppy hat vollkommen recht. Wollte ich auch schreiben als ich deinen Beitrag las, aber sie war schneller. Egal. Nahrungsaufnahme ist überlebensnotwendig, Sex ist es nicht. Zitieren
Recommended Posts
Join the conversation
You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.