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Synodaler Weg - schon versperrt?


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Geschrieben
vor 3 Minuten schrieb Flo77:

Nein. Das Potential des Schlechten resultiert aus der Erbsünde und dem Fall der Schöpfung, nicht aus der von Gott gewollten Natur des Menschen.

 

Ich weiß jetzt nicht wie man meine Worte so lesen kann, um darauf so zu reagieren wie du es tust. Da scheint mir schon eine Portion absichtliches Missverstehen dahinterzustecken. 

Geschrieben
vor 2 Minuten schrieb Flo77:

Das Potential des Schlechten resultiert aus der Erbsünde und dem Fall der Schöpfung, nicht aus der von Gott gewollten Natur des Menschen.

 

Die Probleme bei dieser Auffassung sehe ich darin, dass

a) die Erbsünde des Menschen auf die Schöpfung ausgedehnt wird. Wieso eigentlich, wie kommt man überhaupt darauf, und mit welcher nachvollziehbaren Begründung?

b) einerseits von der Natur des Menschen, nicht von der Schöpfung des Menschen die Rede ist. Da die Schöpfung täglich stattfindet und eine kontinuierliche Entwicklung darstellt, ist ein Fall eine schlechte und vor allem überflüssige Idee oder Vorstellung. 

c) andererseits der Mensch an sich, die Menschheit und deren Geschichte für den Menschen in Person mit einer Lebenszeit von max. 120 Jahren überhaupt keine relevante Bedeutung hat, hier also Äpfel mit Birnen verglichen werden. 

Geschrieben
vor einer Stunde schrieb Flo77:

Die Katholika sieht das mit der Ordnung bekanntermaßen etwas anders und hält Homosexualität für eine zutiefst ungeordnete Fehlveranlagung, was zu diesem ganzen gesellschaftlichen Druck und der Ausgrenzung ja überhaupt erst geführt hat, aber was interessiert die Kirche schon die psychische Gesundheit ihrer Gläubigen. Das ganze "Du sollst nicht unverheiratet vögeln"-Getue, ist ja das eine (und es interessiert Heteros am Ende genauso wenig wie Homosexuelle), aber dieses Abstempeln als "nicht Teil der Schöpfungsordnung sein", hat schon eine eigene Qualität.

 

Es ist vermutlich nicht nur der kirchliche Einfluss, aber sicher auch

 

Das Bemerkenswerte an der Geschichte ist ja dies:

 

- Der kath. Kirche geht es primär nicht um die homosexuelle Veranlagung. Dass es eine solche gibt, wurde wohl überhaupt erst spät wirklich als solche entdeckt. Was die Kirche traditionell verdammt, sind vielmehr vor allem homosexuelle Akte (und wenn sie die homosexuelle Veranlagung negativ sieht, dann liegt es daran, dass diese zu solchen Akten disponiert).

 

- Wenn jemand, der kein katholischer Theologe ist, Homosexualität als so etwas wie "widernatürlich" empfindet, dann geht es ihm vermutlich vor allem darum, dass Homosexualität die vermeintlich "natürliche" psychologische Ausrichtung des Menschen unerfüllt lässt, und dass zugleich (anders als bei Asexualität) eine vermeintlich natürliche Hemmung des Menschen missachtet wird. (Und dabei denkt er vermutlich vor allem an sexuelle Akte unter Männern; Homosexualität unter Frauen stört meistens weniger).

 

- Wenn hingegen die Kirche homosexuelle Akte als "widernatürlich" bezeichnet, dann geht es ihr um etwas völlig anderes - nämlich darum, dass hier sexuelle Akte vollzogen werden, die nicht potentiell zur Zeugung eines Kindes führen können. Für die Kirche sind alle sexuellen Akte, auf die eine solche Beschreibung zutrifft, "widernatürlich" - seien es homosexuelle Handlungen, alle "vollendeten" nicht-vaginalen heterosexuellen Praktiken, verhütete vaginale Akte oder Masturbation. All diese Akte werden von der kath. Kirche als (ganz besonders) schwer sündhaft angesehen; für Thomas von Aquin folgen sie in ihrer Schwere offenbar direkt den Tötungsdelikten.

 

- Die meisten Leute, die nicht homosexuell aktiv sind, sitzen aus kirchlicher Sicht also im gleichen Boot wie praktizierende Homosexuelle. Nur wer sein ganzes Leben entweder sexuell komplett enthaltsam gelebt hat oder ausschließlich "prinzipiell" zeugungsfähige sexuelle Akte vollzogen hat, kann sich gemäß der kirchlichen Logik hier auf die Schulter klopfen. Alle anderen sind "Sodomiten", um es in einer klassischen Begrifflichkeit auszudrücken.

 

- Wenn dennoch Homosexuelle viel mehr im Fokus kirchlich-konservativer Ablehnung stehen als andere, dann nicht ist das sachlogisch nicht angemessen und nicht folgerichtig. Es liegt vermutlich daran, dass es sich bei Homosexuellen um eine kleine Gruppe handelt, und dass es genügend Leute gibt, die homosexuelles Verhalten (vor allem, soweit es Männer betrifft) abstoßend finden - und zwar aus Gründen, die mit dem kirchlichen Verständnis eigentlich nichts zu tun haben (siehe oben). Selbst bei konservativen Katholiken dürft das eine Rolle spielen. Zudem werden wohl auch viele konservative Katholiken der offiziellen Moral nicht immer 100% gerecht - und da ist es eine psychologische Entlastung, auf andere zeigen zu können. 

 

- Der Soziologe Frédéric Martel hatte gründlich im Vatikan recherchiert und mit Kardinälen und Bischöfen gesprochen, aber auch mit Schweizer Gardisten und den Strichern des Bahnhofs Roma Termini. Er kam zum Befund, dass es vor allem homosexuelle Kirchenfürsten sind - darunter oft solche, die ihre Homosexualität ausleben - die eine besonders strenge Haltung gegenüber Homosexuellen an den Tag legen und nachdrücklich  auf der traditionellen Lehre bestehen. Die Tatsache, dass sich da nichts bewegt, hat sehr wahrscheinlich also auch damit zu tun, dass Homosexuelle in der Kirche so einflussreich sind und sich besonders heftig dagegen wehren, dass ihr eigenes Tun womöglich weniger hart verdammt werden könnte. 

Geschrieben
vor 6 Minuten schrieb iskander:

- Wenn jemand, der kein katholischer Theologe ist, Homosexualität als so etwas wie "widernatürlich" empfindet, dann geht es ihm vermutlich vor allem darum, dass Homosexualität die vermeintlich "natürliche" psychologische Ausrichtung des Menschen unerfüllt lässt, und dass zugleich (anders als bei Asexualität) eine vermeintlich natürliche Hemmung des Menschen missachtet wird.

 

Das ist mir viel zu verkopft. Für so jemanden ist es insofern widernatürlich, weil es wider seiner eigenen Natur ist und es ihm daher emphatisch nicht nachzuvollziehen ist. Asexualität dagegen ist ihm vertraut, sofern er kein Bono Bono ist. 

 

vor 12 Minuten schrieb iskander:

(Und dabei denkt er vermutlich vor allem an sexuelle Akte unter Männern; Homosexualität unter Frauen stört meistens weniger).

 

Sexuelle Empathie mit Frauen ist heterosexuell veranlagten Männern möglich, kath. Theologen natürlich auch. Was kath. Theologinnen betrifft, das kann man sich aus dem obigen selbst zusammenreimen. 

Geschrieben

 

vor 17 Minuten schrieb iskander:

- Wenn jemand, der kein katholischer Theologe ist, Homosexualität als so etwas wie "widernatürlich" empfindet, dann geht es ihm vermutlich vor allem darum, dass Homosexualität die vermeintlich "natürliche" psychologische Ausrichtung des Menschen unerfüllt lässt, und dass zugleich (anders als bei Asexualität) eine vermeintlich natürliche Hemmung des Menschen missachtet wird. (Und dabei denkt er vermutlich vor allem an sexuelle Akte unter Männern; Homosexualität unter Frauen stört meistens weniger).

Natürlich. Das ist ja auch der Hintergrund der biblischen Regeln: homosexueller Verkehr wird als Störung der natürlichen Ordnung empfunden, da der passive Partner damit eine "weibliche" Position einnimmt. Das an sich wäre nicht das Problem, wenn damit nicht implizit verbunden wäre, daß der Mann der Frau überlegen ist und der penetrative Akt als Erniedrigung des männlichen Partners verstanden würde. Ich habe nicht den Eindruck, als hätte der Mensch in dieser Hinsicht in den letzten 2000 Jahren wirklich Fortschritte gemacht. Die Idee der Ungleichheit der Geschlechter samt dem Bewusstsein, daß diese Grenze nicht überschritten werden dürfe, scheint mir immer noch tief im kollektiven Gedächtnis verankert zu sein.

 

vor 17 Minuten schrieb iskander:

- Die meisten Leute, die nicht homosexuell aktiv sind, sitzen aus kirchlicher Sicht also im gleichen Boot wie praktizierende Homosexuelle. Nur wer sein ganzes Leben entweder sexuell komplett enthaltsam gelebt hat oder ausschließlich "prinzipiell" zeugungsfähige sexuelle Akte vollzogen hat, kann sich gemäß der kirchlichen Logik hier auf die Schulter klopfen. Alle anderen sind "Sodomiten", um es in einer klassischen Begrifflichkeit auszudrücken.

Nicht ganz, aber von der Tendenz her. Zumal alles beichtbar ist. Wer alle Woche seinem Beichtvater sein Sexleben offenbart soweit es die den Eheleuten vorbehaltenen und erlaubten Akte nicht betrifft, ist im Grunde sauber raus. Mir pers. fiele es zwar schwer entsprechende Reueakte zu wecken, aber ich bin ja auch verdammt und verdorben.

 

vor 25 Minuten schrieb iskander:

Die Tatsache, dass sich da nichts bewegt, hat sehr wahrscheinlich also auch damit zu tun, dass Homosexuelle in der Kirche so einflussreich sind und sich besonders heftig dagegen wehren, dass ihr eigenes Tun womöglich weniger hart verdammt werden könnte. 

Was ich irgendwie als extrem widersprüchlich lese, aber egal.

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